Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Außerirdisch witzig

Ja, Comics in Fortsetzungen sind eine gute Sache. Und nein, ich lese sie trotzdem lieber gesammelt, also als abgeschlossenes Buch. Was damit zu tun hat, dass es schöner ist, eine in Fortsetzungen oder zumindest Einzelepisoden erzählte Geschichte komplett zu lesen. Zehn  Folgen von „Calvin und Hobbes“ oder den „Peanuts“ amüsieren mich mehr als nur eine, auch wenn ich weiß, dass sie als einzelne Strips konzipiert worden sind. Aber auch die amerikanischen Heftserien sind ja erfolgreicher als Sammelbände denn in Einzelausgaben. Das ist dasselbe Phänomen wie der Triumph von Fernsehserien, die heute fast alle Liebhaber als Download oder DVD hintereinander wegschauen.

Fortsetzungscomics gibt es auch in „Dein Spiegel“, dem Jugendmagazin des Nachrichtenmagazins. Als es 2009 erstmals erschien, war sofort „Ferdinand“ dabei, der Comic von Ralf Ruthe und Flix über einen Reporterhund. Den habe ich aber auch erst gelesen, als er bei Carlsen als Buchreihe herauskam. 2011 kam in „Dein  Spiegel“ eine neue Serie hinzu: „Q-R-T“, gezeichnet von dem 1987 geborenen Ferdinand Lutz, der in Köln arbeitet. Und die ist nur endlich auch als Buch erschienen, bei Reprodukt im kaum genug zu preisenden Kindercomicprogramm dieses Verlags: nicht komplett natürlich (dafür gibt es schon zu viele Episoden), aber als 130-Seiten-Band, der inhaltlich einen ganz anderen Sog entfaltet als die Einzelgeschichten im Magazin.

Hier sieht man nämlich, wie geschickt Lutz seinen Leitfaden spinnt, der alle Episoden verbindet. Nicht, dass nicht jede für sich lustig wäre (o.k., einige sind sehr lustig – zum Beispiel „Kurt ist deutlich zu laut“ –, andere weniger – wie die direkt darauf folgende sehr klischeebehaftete „Eine teure Vase zerbricht“), aber wie schön bestimmte Marotten wiederaufgenommen werden, wie sich Figurenkonstellationen fortsetzen, ja selbst, dass ein innerer Zusammenhang, der über die Handelnden hinausgeht, besteht – das alles merkt man bei Komplettlektüre besser. Und da Lutz über sie seltene Fähigkeit verfügt, kindgerecht zu erzählen (einfach, aber nicht naiv), liest man das Ganze aals Erwachsener auch sehr schnell.

Es sieht übrigens auch sehr gut aus (Leseprobe unter http://www.reprodukt.com/produkt/kindercomics/q-r-t-der-neue-nachbar/): Ferdinand Lutz hat als zentrale Figur mit seinem Außerirdischen Q-R-T (was manche Erdlinge als „Kurt“ missverstehen) eine wunderbare Kinderfigur und durch seinen Begleiter, den Formwandler Flummi, eine sichere Bank für visuelle Gags. Die Seitenarchitektur ist unaufgeregt, jedoch nie eintönig, denn bisweilen lässt Lutz seine Episoden auch mal mit zwei seitengroßen Panels enden. Oder er signalisiert den Gemütszustand von Q-R-T durch zwei Bilder, die in immer tieferes Rot getaucht sind, während der kleine Außerirdische immer kleiner wird.

Selbstverständlich erinnert das Personal ein wenig an „Calvin und Hobbes“: kleiner, durchaus altkluger Junge und dessen treuer Freund, der für niemanden außer ihm als solcher erkennbar ist. Auch das naseweise Mädchen aus der Nachbarschaft gibt es, aber Lara aus „Q-R-T“ ist weitaus vielschichtiger als Susie Derkins. Im Laufe des Buchs deckt sie die Identität des scheinbaren Nachbarsjungen auf, und just, als das Geheimnis ganz gelüftet ist, endet auch dieser Sammelband, so dass man doch versucht ist, wieder mal „Dein Spiegel“ zu lesen, denn jetzt will man wissen, wie es weitergegangen ist.

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