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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

15. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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China baut einfach Zürich nach

Wenn das Resultat so aussieht, dann mögen bitte noch ganz viele Crowdfunding-Projekte für Comicpublikationen gelingen! Matthias Gnehms Album „Die kopierte Stadt“ ist ein wunderschöner Band geworden, und erzählt wird auch noch gut. Dass es allerdings dem hochtalentierten Zürcher Zeichner nicht möglich scheint, ohne finanziellen Beistand von Sympathisanten seiner Kunst bei einem Verlag unterzukommen, muss bedenklich stimmen. Denn viele kluge Comicautoren seiner Art haben wir im deutschen Sprachraum nicht.

Mit „Die kopierte Stadt“ begibt sich der ausgebildete Architekt einmal mehr auf sein ureigenes Feld. Die Grundkonstellation ist ebenso spektakulär wie nachvollziehbar: In Südchina errichtet ein dortiger Oligarch eine Retortensiedlung und baut dazu die komplette Stadt Zürich nach. Als Planer holt er sich Beistand aus der Schweiz: den Architektenstar Hans Romer, der sich wiederum an einen alten Studienfreund erinnert, Leo Lander, den Protagonisten des Comics. Wir begleiten Lander auf dem Flug nach China und werden mit ihm eingeführt in die seltsame Welt eines entfesselten Kapitalismus in einem pseudosozialistischen System. Und in die entsprechenden Intrigen.

Die drehen sich um dieselbe Frage, die schon der Nachbau von Zürich aufwirft: Was ist echt? Und was für einen Reiz hat das Echte überhaupt? Man könnte „Die kopierte Stadt“ auch einen Thesencomic nennen, aber das würde ihm nur intellektuell gerecht. Verpackt sind Gnehms Überlegungen zum Verhältnis von Authentischem und Reproduziertem in eine klug verwickelte Handlung und atemraubend schöne Zeichnungen in Pastellkreide, die ihr Vorbild in dem französischen Zeichnerstar Blutch haben (Leseprobe unter http://www.hochparterre.ch/publikationen/editionhochparterre/neuerscheinungen/shop/artikel/detail/die-kopierte-stadt-erscheint-am-12-november-2014/).

Erzählt wird im Rückblick, und man könnte das für manieriert halten, wenn Gnehm nicht für den Schluss, der siebzehn Jahren nach den geschilderten Ereignissen angesiedelt ist, eine bitterböse Pointe parat hätte. Das ist ein Finale, das noch einmal bestätigt, was man die ganze Zeit schon dachte, aber nicht so einfach einzuräumen bereit war, ehe das letzte Bedenken durch diese konsequente Wendung ausgeräumt wurde: dass Gnehm gerade narrativ zu den Großen seines Metiers gehört. Damit erfüllt sich die Erwartung, die er mit dem auch schon höchst beachtlichen Vorgängerband Die ewige Porträtgalerie“ aufgebaut hatte (http://blogs.faz.net/comic/2013/06/17/das-neue-ewigkeitsmodell-370/). Zeichnerisch war da schon alles perfekt; allein die Geschichte ließ noch ein paar Wünsche offen. Das sind mit „Die kopierte Stadt“ nun alle erfüllt.

Die Publikation im Zürcher Architekturverlag Edition Hochparterre (Zürich) schließt einen Kreis für den Autor. Denn vor sechzehn Jahren erschien dort schon sein Debütcomic „Paul Corks Geschmack“. Wer sehen will, welche Entwicklungen ein Zeichner machen kann, der vergleiche beide Bände. Nicht, dass „Paul Cork“ schlecht gewesen wäre, aber „Die kopierte Stadt“ gehört nun zum Besten. Zeit, dass es das deutsche Publikum merkt. Und die Verlage dürfen da gern mittun.

 

 

15. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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08. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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Vordergründig fröhlicher Rassismus

Nein, die Rechteinhaberin von Hergé, eine nach dem belgischen Zeichner benannte Stiftung, die als wenig zimperlich gilt, wenn es um Verbotsanträge geht, hat sich noch nicht bei Anton Kannemeyer gemeldet (oder wenn doch, hält er es geheim). Immerhin warf eine Mitarbeiterin der Fondation auf der Frankfurter Buchmesse einen fragenden Blick auf das gerade vom Avant Verlag ins Deutsche übersetzte Kannemeyer-Album „Papa in Afrika“. Dessen Umschlag zitiert „Tim im Kongo“, doch sobald man genauer hinschaut, ist alles ganz anders

Die harmonistische Welt des Hergé-Bandes von 1931, der von einem tapferen Belgier erzählt, der dem dunklen Afrika Sitte und Anstand beibringt, ist hier einem Schlachthaus gewichen, in dem Leichen vor einem klapprigen Oldtimer liegen, den im Original natürlich Tim steuert. Bei Kannemeyer tut das ein dicklippiger Schwarzer, und der Zeichner selbst sitzt neben ihm – auf dem Platz also, den bei Hergé Tims schwarzes Faktotum innehat. Die Rollen sind vertauscht. Doch Kannemeyer – dem Namen merkt man seine Burenherkunft schon an – macht daraus keine Lehre, sondern eine Satire. Denn viel geändert hat sich in seinem Heimatland Südafrika nicht am Machtverhältnis und gegenseitigen Verständnis von Weißen und Schwarzen.

Dass Kannemeyer zur Illustration dieses Sachverhalt ausgerechnet die von Hergé begründete Klare Linie nutzt, ist kein Raub der Unschuld, wie es Jonas Engelmann in seinem Nachwort behauptet. Welche Unschuld hätte denn da geraubt worden sollen, nachdem gerade „Tim im Kongo“ immer wieder zum Gegenstand heftigster Rassismus-Vorwürfe gemacht wurde, bis hin zu – abgewiesenen – Klagen vor belgischen Gerichten? Vielmehr raubt Kannemeyer Hergés Ästhetik die Schuld, denn seine Schilderungen aus dem Südafrika der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass man eben immer Kind seiner Zeit ist und sich Veränderung günstigenfalls in Jahrzehnten bemisst. Dass Hergé Zerrbilder von Schwarzen gezeichnet hat, ist aus heutiger Sicht eindeutig. Damals aber fand man seine Darstellungen urkomisch, und gewiss nicht nur aus rassistischer Voreingenommenheit. Das Bild von Schwarzen wurde ja eher von den geschminkten Akteuren des Minstrel-Shows bestimmt als von eigener Anschauung.

Just diese Anschauung ist seit der Aufhebung der strengen durch die Apartheid vorgeschriebenen Rassensegregation in Südafrika vor bald einem Vierteljahrhundert dort nun möglich. Doch Kannemeyer zeigt, wie die Vorurteile munter fortwuchern. Er packt dabei auch solch unschöne Themen an wie den Vergewaltigungsversuch eines Schwarzen an einer weißen Joggerin, die aber das Phantombild dann nur im Stil einer Farbigen-Karikatur hinbekommt. Die Episode ist ausgewiesen als nach einer wahren Geschichte erzählt. Man hätte das tatsächliche Phantombild gern gesehen.

Die Geschichten, die Kannegießer in „Papa in Afrika“ versammelt hat, sind nicht alle im Stil der Klaren Linie gezeichnet, aber wenn, dann sind seine Parodien besonders grandios. Ganze Seitenarrangements adaptiert er aus „Tim im Kongo“ und steigert deren Geschehen ins Abstruse. Die längeren Erzählungen greifen dann eher amerikanische Einflüsse aus (Leseprobe unter http://www.avant-verlag.de/comic/papa_in_afrika). Immer wieder zwischengeschaltet sind großformatige Acrylbilder im Cartoonstil, die als gigantische Witzzeichnungen einen Sarkasmus vorführen, der keine Tabus kennt – weder sexuelle noch soziale oder religiöse. Kannemeyer würde gut ins Umfeld des deutschen Satiremagazin „Titanic“ passen, das mit dem Belgier Kamagurka einen seelen- und stilverwandten Kollegen publiziert.

Besonders perfide ist jedoch die Sorgfalt, die Kannemeyer der Nachempfindung des „Tim und Struppi“-Looks seines Albums hat angedeihen lassen. Gerade weil alles so grandios nahe am Original, aber doch immer konsequent pervertiert ist, wandelt der Zeichner aus Kapstadt traumwandlerisch auf dem heikelsten Feld der Comic-Rechtstreitigkeiten, ohne belangt zu werden. Das allein ist schon eine großartige Leistung und eine größere Empfehlung, als wir sie hier überhaupt aussprechen könnten. Für sensible Leser ist das aber nichts.

 

08. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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01. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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Planwirtschaftsversagen beim Fall der Mauer

Am 10. November 1989 fuhr ich mit einem Freund von Köln nach Frankfurt am Main. Natürlich war die Öffnung der Berliner Mauer am Vorabend Hauptgesprächsthema (obwohl mich die Nachricht bei einem Geburtstagsfest in einer dunklen Aachener Souterrainwohnung erreicht hatte, in der wir dann zwar im Fernsehen die Bilder verfolgten, aber die Festivität nicht einfach zugunsten der  Weltgeschichte umwidmen lassen wollten). Wir beide hatten gemeinsam eine Banklehre hinter uns gebracht, also erörterten wir die Möglichkeiten, aus der Sache Kapital zu schlagen: Die Mauer auf- und dann in kleinen Portionen als Andenken verkaufen, das war unser Plan. Aber die Idee hatten zweifellos viele, und wir haben sie nicht weiterverfolgt.

Diese Überlegung zeigt jedoch, dass wir schon einen Tag nach dem völlig überraschenden Öffnungsbeschluss von dessen Unumkehrbarkeit ausgingen und nicht damit rechneten, dass es für die DDR noch irgendetwas zu verteidigen gäbe. Wie man mittlerweile weiß, war das falsch. Egon Krenz hatte an jenem Freitag, dem 10. November, die NVA in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Dazu gehörte auch ein standardisierter Angriffsplan auf West-Berlin, für den spezielle Durchbrüche in der Mauer vorgesehen waren, um die Panzer einzusetzen. Die Öffnung hätte sich also auch als Beginn eines militärischen Abenteuers erweisen können, an dessen Ende ein Weltkrieg wahrscheinlich gewesen wäre. Warum es nicht so kam, weiß man in diesem Falle heute noch ebenso wenig wie in dem des geheimen Internierungsplans des Stasi-Chefs Erich Mielke, der kurz vorher noch 85000 unliebsame DDR-Bürger festnehmen und in Lager bringen lassen wollte.

Es waren wohl einfach zu viele geworden, um solche Maßnahmen erfolgreich durchzuführen. Als Mielke seine Idee ausheckte, marschierten auf den Montagsdemonstrationen in Leipzig schon mehr als 85000. Diese Zahl an Inhaftierten aber sollte nach Mielkes Überzeugung für die ganze DDR ausreichen – wieder einmal Planwirtschaft mit wenig Realitätsbezug. Und am 10. November strömten dann zu viele Menschen in Berlin an die Grenzübergänge, als dass man ohne Blutbad hätte Panzer rollen lassen können. Zivilisten als Hindernis waren im militärischen Standardplan zur Besetzung West-Berlins nicht vorgesehen.

Von diesen und anderen Ungereimtheiten im Berliner Herbst 1989 erzählt ein genau zum Jubiläum erschienener Comic namens „Treibsand“. Gezeichnet hat ihn Kitty Kahane, geschrieben wurde er von Max Mönch und Alexander Lahl, alle drei Berliner, die zwei Szenaristen aber wohl zu jung, als dass sie das Geschehen vor 25 Jahren schon aufmerksam hätten verfolgen können. Wem die drei Namen schon etwas sagen, der erinnert sich wohl an den im vergangenen Jahr erschienenen Comic „17. Juni“, der das Trio erstmals vereinte (damals noch erweitert um einen dritten Szenaristen, Tim Köhler, der diesmal immerhin noch in der Danksagung auftaucht). Gefördert wurde dieses Debüt um einen einzelnen Protagonisten des Volksaufstands von 1953 von der Brandenburger Landeszentrale für Politische Bildung. Bei dem neuen Comic ist nun keine Institution mehr finanziell beteiligt. Das ist ein gutes Zeichen: Offenbar traut der Metrolit Verlag, der auch „17 Juni“ herausbrachte, der zweiten Arbeit des Trios zu, aus eigener Kraft die Kosten einzuspielen.

Und in der Tat sollte man ihn kaufen und lesen, denn er ist sehr informativ und dabei auch noch klug erzählt. Protagonist ist der amerikanische Journalist Tom Sandman, der für eine Zeitung arbeitet, die von einem Kommunistenfresser geleitet wird. Im Frühjahr 1989 sollte Sandman auf dessen Geheiß schon in Peking den ersten fallenden Dominostein zum Kollaps des Ostblocks beobachten, doch die Erwartungen des Chefredakteurs erfüllten sich nicht. Im Herbst wird Sandman deshalb nach West-Berlin geschickt, wo ihn die vor Jahren aus ostdeutscher Haft freigekaufte verurteilte Republikflüchtige Ingrid Bärwolf als Informantin erwartet. Beide verlieben sich ineinander, und Sandman lernt auf zahlreichen Einzelbesuchen in Ost-Berlin die DDR kennen.

Der dank des journalistisch erfahrenen Protagonisten nicht naive, aber doch ungläubige Blick von außen verschafft „Treibsand“ eine reizvolle Erzählprämisse. Zumal immer wieder erklärende Informationen oder Zusammenfassungen auf Notizzetteln in die Handlung eingebaut sind – bis hin zu einem neunseitigen Anhang, der als Notizbuch gezeichnet ist, in dem dann noch einmal die wichtigsten Phänomene des zuvor erzählten Stoffs erläutert werden. So erweist sich die Wahl eines Reporters als ideale, weil zwanglose Voraussetzung für einen durchaus auch didaktisch gedachten Comic. Mönch und Lahl haben da ein grandioses Konzept ersonnen.

Seltsam nur, dass sie eines einzelnen (gewiss reizvollen, aber keinesfalls entscheidenden) Gags wegen just diese Prämisse zum Finale am 9. und 10. November opfern. Sandman, dessen Namen sich der Titel des Comics wohl eher verdankt als der recht bemühten Erwähnung von Treibsand als Metapher für die Entwicklung in der DDR in einem seiner Artikel, hegt den Aberglauben, dass immer dann weltumstürzende Ereignisse anstehen, wenn er Zahnschmerzen hat. Die erleidet er tatsächlich dauernd während des Berlin-Aufenthalts, und da er keine Zeit zum Arztbesuch hat, wird es immer schlimmer, bis er asgerechnet während der berühmten Pressekonferenz, auf der Günter Schabowski mehr oder minder aus Versehen die Öffnung der Mauer bekanntgab, kollabiert. Fortan erlebt Sandman nichts mehr direkt mit, weil er im Krankenhaus liegt, aber wieder erweist sich sein Name als Omen: In regelmäßig eingestreuten Träumen, die er akribisch notiert, wird die Entwicklung der Lage kommentiert. Allerdings sind die Fakten, die den Hauptteil des Comicgeschehens ausmachen, fortan nicht mehr durch seine Beobachtung erzählerisch beglaubigt.

So gibt es einen Bruch in der Fiktion, und „Treibsand“ wandelt sich dadurch mehr als nötig zum Sachcomic. Kitty Kahanes bewusst krude gehaltene Art brut als Zeichnerin (leider keine Leseprobe unter http://www.metrolit.de/programm/graphic-novel/treibsand) gleicht das jedoch mehr als nur aus. Ihre schwungvoll-assoziativen Bilder, die nicht selten auch Schemazeichnungen oder Ortspläne bieten, sind extrem passend, weil sie ein bisschen wie Kinderblicke auf die Situation wirken. Damit kommt der eigene Erfahrungshorizont des jungen Szenaristenduos doch noch unangestrengt zu seinem Recht.

Und man lernt so viel aus dieser subjektiven Schilderung. Vor allem, mit was für einem Glücksfall man es am 10. November zu tun hatte. Oder auch, dass die erfolgreichste Grupp von Flüchtlingen sich aus den Grenztruppen selbst rekrutierte, denn die wussten ja, wo die Schwächen im System lagen. Andererseits gibt es auch die unglaubliche Geschichte von zwei Grenzsoldaten, die nur zum Spaß mal in den Westen gingen und auf dem Rückweg ins Minenfeld gerieten. Wie das ausging, muss man selbst nachlesen, und ich habe bewusst nicht nachgeprüft, ob die Sache wahr ist. Aber fürchten muss man es angesichts des Wahnsinns, der 28 Jahre lang an der deutsch-deutschen Grenze herrschte, schon. Dagegen sind die letzten Tage der Mauer geradezu hochvernünftig abgelaufen, weil sich die Verteidiger irgendwann ins scheinbar Unvermeidliche geschickt haben. Von diesem Witz des Weltgeistes erzählt „Treibsand“.

01. Dez. 2014
von Andreas Platthaus
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27. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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Jetzt kommt’s dicker für das Standardwerk

Meine Güte, das ist bereits sechs Jahre her! Damals erreichte mich die Publikation eines kurz zuvor gegründeten Verlags, dessen Initiator, Christian A. Bachmann, ich im Jahr darauf bei einer Comic-Tagung am Freiburger Institut frias kennenlernen sollte. Dort trug auch der Autor des Buchs vor: der Bonner Romanist Rolf Lohse, und er sprach über aktuelle Literaturadaptionen im französischen Comic. Dafür bot ihm der Gegenstand seiner Studie keine Anschauung, denn sie widmete sich dem Comic-Künstler Marc-Antoine Mathieu, der nur nach eigenen Szenarien zeichnet.

Gleichzeitig ist Mathieu einer der experimentierfreudigsten und literarischsten Vertreter des Fachs, und sein wichtigster Protagonist, der stets bebrillte und behutete Julius Corentin Acquefacque, hat in seinem Nachnamen Kafka versteckt – wenn man Acquefacque französisch ausspricht, wird daraus Akfak, also Kafka rückwärts. Und ähnlich mystisch-klaustrophobisch sind auch die Geschichten.

Lohses Studie „Der Ingenieur der Träume“ widmete sich vorrangig den Bänden der Achquefacque-Reihe, die von 1991 bis 2004 auf fünf Teile gekommen war. In Deutschland sind diese Bände beim Reprodukt Verlag erschienen, und auch wenn die Mathieu-Fangemeinde hierzulande sicher übersichtlich ist, wurde doch schon 2009 eine zweite Auflage des Buchs notwendig. Doch 2013 erschien dann ein sechster, „La décalage“, der damals auf meinem Blog auch gewürdigt wurde (http://blogs.faz.net/comic/2013/12/30/mitten-drin-gehts-los-454/), und Lohse nahm das zum Anlass, sein Buch noch einmal für eine dritte Auflage zu überarbeiten.

Wobei dabei ein neues Buch entstanden ist, denn nicht nur fügte er ein umfangreiches Kapitel zu „La décalage“ (hier eine Möglichkeit zum Einblick in die Geschichte: http://www.editions-delcourt.fr/catalogue/bd/julius_corentin_acquefacques_6_le_decalage) hinzu, die Erkenntnisse, die dieser neue Band vermittelte zwangen Lohse auch dazu, die anderen Teile zu ergänzen und die programmatische Einleitung von neun auf vierzehn Seiten zu bringen, so dass „Ingenieur der Träume“ nunmehr 172 statt ehedem 133 Seiten umfasst. Der Preis stieg von 12 auf 16 Euro, aber es wurde auch festeres Papier verwandt, alles neu gesetzt und besser reproduziert.

Man darf es eine Sensation nennen, dass ein deutscher Wissenschaftler sich einer solchen Mühe unterzieht, um seine Studie aktuell zu halten. Und das ist nicht nur in Deutschland unüblich, sondern auf dem immer noch überschaubaren Feld der Comic-Studien auch international. Zu klein ist das Segment, zu wenig lohnend die Beachtung in Fachkreisen, als dass sich großer Aufwand lohnte. Lohse indes ist ein Überzeugungstäter, einer der wenigen wirklich engagierten Comic-Ästhetiker, der sich über Jahre hinweg mit seinem Thema befasst. Gut, dass er nun den Maßstab dafür setzt, wie man in der akademische Welt mit der Comicforschung umzugehen hat: genauso akribisch und ständig aktualisierend wie in den längst etablierten Disziplinen.

27. Nov. 2014
von Andreas Platthaus
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