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	<title>Comic</title>
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	<description>Die Idee des Comics ist ein Geniestreich: das Beste von Kunst und Literatur, untrennbar vereint.</description>
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		<title>Dieses Chamäleon bleibt gern braun</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/05/23/dieses-chamaleon-bleibt-gern-braun-363/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 May 2013 14:45:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Ecce homo: Gerald Hartwig erzählt auf mehr als 250 Seiten über sein Jahrzehnt in Kalifornien, wohin er als junger Man aufbrach, um im Filmgeschäft zu reüssieren, und als gereifter Mann zurückkam, um eine Familie zu gründen. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/05/23/dieses-chamaleon-bleibt-gern-braun-363/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Staunen darf erlaubt sein. Da kommt ein Mann, von dem ich noch nie gehört habe, und zeichnet einen zweihundertfünfzigseitigen autobiographischen Comic, in dem er so schonungslos mit der eigenen Vergangenheit umgeht, wie man es nur selten sieht. Gut, der man ist Profi, nämlich Illustrator für den Film und für Zeitschriften, aber solch ein ambitioniertes Comicdebüt ist denn doch die Ausnahme. Übrigens wurde es teilweise mit Crowdfunding finanziert.</p>
<p>Nun aber weg vom eindrucksvollen Umfang und dem Mut zu Selbstbetrachtung und -finanzierung. Beides zusammen reicht nicht zu einem guten Comic. Wie steht es um Inhalt und Form in „Chamäleon“ von Gerald Hartwig?</p>
<p>Vergleichsweise konventionell (Proben unter <a rel="nofollow" href="http://zeichenstrich.de/Zeichenstrich/Chameleon_2">http://zeichenstrich.de/Zeichenstrich/Chameleon_2</a>). Dabei setzt das Ganze originell ein: Der Vater des Protagonisten ist gestorben, und mit Frau und Kind macht er sich sofort aus Berlin nach Österreich auf. Beim Abflug schaut er aus dem Fenster und denkt an einen Anflug, mehr als anderthalb Jahre zuvor. Damals flog der gerade Zwanzigjährige nach Los Angeles, um in der Filmindustrie sein Glück zu machen. Der Landsmann Schwarzenegger hat es ja auch geschafft.</p>
<p>Und dann wird von Seite 20 an eben aus Kalifornien erzählt, über lange Zeit hinweg, bis zum bitteren Ende nach immerhin elf Jahren, als das amerikanische Abenteuer endet. Jerry (so nennt sich der junge Gerald Hartmann, als der sich Gerald Hartwig im Comic maskiert, in Amerika) hat es nicht geschafft. Es geht zurück nach Europa. Aber schließt sich auch erzählerisch ein Kreis? Nein, die Anfangsepisode um die Reise mit der Familie zum toten Vater wird nicht wieder aufgenommen. Wozu wurde sie dann eingeführt? Ein narrativer Trick ist verpufft.</p>
<p>Wie sieht das Ganze aus? Verwaschen. Hartwig fasst seine Panels oft in Rahmen mit abgerundeten Ecken, als sollten es Bildschirme sein, und sofort denkt man angesichts der Lavierungen an altertümliches Fernsehgeflimmer. Dabei sollen wohl eher Touchscreens à la iPhone gemeint sein (die es natürlich 1993ff. noch nicht gab, aber als Erinnerungsspeicher werden sie evoziert). Die Seitenarchitektur dagegen ist hoch abwechslungsreich, der Bildrhythmus wechselt ständig, und das Lettering ist gut lesbar. Aber die Figurendarstellung bleibt leider auch wieder eher verwaschen, teilweise anskizziert, dann wieder realistisch. Ich würde in Gerald Hartwig einen guten Storyboardzeichner vermuten. Aber das ist etwas anderes als ein Comic.</p>
<p>Alles in Kalifornien ist braun, wie eingefäbt vom permanenten Sonnenglast. Nur als es einmal nach Berlin geht, wird’s wieder grau wie zu Beginn – und noch bei Träumen. Das ist klug gemacht, aber das satte Braun lässt zu wenig emotionale Nuancierung vor, die auch durch Farbgebung ausgedrückt werden kann. Die monochrome Stimmung suggeriert eine gleichbleibende Einstellung gegenüber dem geschehen, aber nichts könnte weniger richtig sein. Jerry lernt einiges übers Leben während seiner elf kalifornischen Jahre, und „Chamäleon“ ist ein Bildungsroman, doch wenn man schon ein Tier in den Titel setzt, dass  jedem Leser die Vorstellung von Farbwechsel eingeben wird, warum ist die Anpassung dann nur eine rein erzählte und nicht auch gezeigte?</p>
<p>Trotzdem bleibt der Band ein beachtliches Buch – auch im Scheitern. Er zeigt, wie wagemutig Autoren und Verlage (hier der ohnehin kaum genug zu preisende Luftschacht Verlag aus Wien) mittlerweile sind, wenn es um Comics geht. Und so, wie Gerald Hartwig das Leben im Amerika der neunziger Jahre beschreibt, hat man es auch noch selten vorgeführt bekommen. Lohnt sich die Lektüre? Durchaus. Nur steckte in der Grundidee noch mehr als das, was nun  gedruckt wurde.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>So sehen komische Comics aus</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/05/21/so-sehen-komische-comics-aus-358/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 08:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bastien Vivès]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Delcourt]]></category>
		<category><![CDATA[Der Geschmack von Chlor]]></category>
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		<category><![CDATA[Shampooing]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Bastien Vivès, geboren 1984, ist ein Jungstar des französischen Comics und einer seiner produktivsten Vertreter. Nun ist ein kleiner Band in Frankreich erschienen, der ihn auch als Großmeister der Komik und Selbstironie zeigt. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/05/21/so-sehen-komische-comics-aus-358/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sprechen Sie Französisch? Wenn nein, dann entgeht Ihnen was. Denn es steht zu fürchten, dass „La Bande dessinée“, der jüngste Band des (immer noch) jungen Comiczeichners Bastien Vivès nicht ins Deutsche übersetzt wird. Zwar hat Vivès mit dem sehr guten Album „Der Geschmack von Chlor“ und dem deutlich weniger guten „Polina“ auch hierzulande ein Publikum gefunden, aber „La Bande dessinée“ ist in der schwarzweißen Taschenbuchreihe „Shampooing“ erschienen, die der Comic-Tausendsassa Lewis Trondheim beim Verlag Delcourt herausgibt. Und von den bislang dort erschienenen Bänden hat es noch keiner über die Sprachgrenze geschafft.</p>
<p>Trondheim publiziert darin Arbeiten von Zeichner, die er schätzt, und meist handelt es sich um Comics, die diese Autoren zuvor schon als Blog-Einträge veröffentlicht haben. So ist es auch im Falle der Geschichten von Bastien Vivès, die zuvor schon alle unter <a rel="nofollow" href="http://bastienvives.blogspot.de/">http://bastienvives.blogspot.de/</a> zu lesen waren. So wird das flüchtige Medium des Internets (flüchtig nicht bezüglich der Dauer, sondern bezüglich der Reizüberflutung) doch noch ins klassische Speichersystem eines Buchs überführt. Alle freut’s: Die Leser haben die Dinge gesammelt im Regal, die Zeichner haben ein neues Buch, ohne etwas Neues zeichnen zu müssen.</p>
<p>Vivès ist nun ein spezieller Fall. Sein „Geschmack von Chlor“ zählt für mich zu den beeindruckendsten Comics der letzten Jahre, und witzigerweise hat Vivès in seinem neuen Band eine Geschichte, in der er bei einer Signierstunde auf einen Fan trifft, der (oder die; man sieht die Person nie) ihm von seiner Begeisterung für diesen Band vorschwärmt, während der Zeichner selbst es längst satt hat, immer noch auf das alte Ding angesprochen zu werden. Das ist wunderbar ironisch geschildert, aber ein Körnchen Wahrheit wird wohl dran sein.</p>
<p>Was Vivès danach publiziert hat, fand viel weniger mein Gefallen, ja enttäuschte mich regelrecht, vor allem seine pornographischen Kurzgeschichten und „Polina“. Aber nun zeigt er sich mit „Bande dessinée“ als Meister des Komischen – und er ist gleich so komisch, dass mich der Band bisweilen lauthals zum Lachen gebracht hat.</p>
<p>Das liegt natürlich auch am Thema. Alle Geschichten drehen sich irgendwie um Comics oder das Zeichnen von Comics. Allein die zwei Lektionen des fiktiven amerikanischen Comicexperten Brad übers richtige Erzählen im Comic sind grandios, komisch sowieso, aber in ihrem Aberwitz auch wirklich lehrreich. Oder die zwei Abenteuer des Superhelden „Flashman“, die ein Kunststück der Wiederholung sind und eben auch ein Exerzitium des Superheldentums. Überhaupt: Wie es Vivès gelingt, teilweise ganze Geschichten in Bildern zu erzählen, die fast ausschließlich immer dasselbe zeigen und nur durch die Sprechblasen die Handlung voranbringen, das ist schlichtweg atemraubend. Da sieht man, wie man in Bilder etwas hineinliest, was nur durch den Text suggeriert wird.</p>
<p>Kurz gesagt: Bastien Vivès hat bei mir jetzt wieder einen Stein im Brett, der noch dicker ist als der nach „Der Geschmack von Chlor“. Und mir scheint fast, das könnte auch so bleiben. Wer so intelligent zu witzeln versteht (und einmal auch herrlich zu romantisieren, als er sich selbst eine Begegnung mit Penelope Cruz vom Herzen zeichnet, die dem Comiczeichner mit Haut und Haaren verfällt), der ist ein ganz Großer.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Kompendium für die Comic-Zukunft</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/05/13/kompendium-fur-die-comic-zukunft-356/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 09:42:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Mit der zehnten Ausgabe stellt die Hamburger Anthologie „Orang“ ihr Erscheinen ein. In ihr hat der junge deutsche Comic genauso ein Forum gefunden wie internationaler Nachwuchs. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/05/13/kompendium-fur-die-comic-zukunft-356/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Feiern hören kaum auf. In Berlin, Leipzig, Hamburg – überall, wo man Bücher und Comics gleichermaßen liebt – hat „Orang“ das Erscheinen seiner letzten Ausgabe schon gefeiert. Zu Recht, denn mehr als ein Jahrzehnt lang hat das von Sascha Hommer begründete Magazin dem Comic-Nachwuchs nicht nur aus Deutschland eines der interessantesten Foren geboten. Line Hoven, Aisha Franz, Kati Rickenbach oder Anna Haifisch (um einmal nur Frauen zu nennen) haben hier früh ein Publikum gefunden. Und Anke Feuchtenberger, in deren Comic-Klasse an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften die Idee zu „Orang“ entstand, ist zum Finale auch wieder einmal vertreten: mit der Bildergeschichte „Effi redet Blech“, die einen ganz neuen Realismus der Zeichnerin zeigt.</p>
<p>„Heavy Metal“ lautet das Thema der Abschlussausgabe (mehrere Kostproben einzelner Seiten unter <a rel="nofollow" href="http://www.orang-magazin.net/">http://www.orang-magazin.net/</a>), und einen größeren Namen als den der stilprägenden Comiczeitschrift der siebziger Jahre hätte man ja zum Schluss gar nicht wählen können. Wobei die siebzehn enthaltenen Beiträge das vorgegebene Thema sehr frei interpretieren. Ja, es gibt Beiträge, die sich der Heavy-Metal-Kultur widmen, und ja, es gibt auch Comics darin, die sich in die Traditionslinie von Moebius, des künstlerischen Vaters der Zeitschrift „Heavy Metal“, stellen lassen. Zu Letzteren gehört auch das von Hommer und Bellstorf gemeinsam konzipierte Cover, das sich auf alle vier Seiten des Umschlags ausdehnt und eine kleine Mutationsgeschichte erzählt.</p>
<p>Ansonsten halten sich die beiden bekanntesten „Orang“-Herausgeber (neben ihnen sind auch noch Till Thomas und Klaas Neumann redaktionell beteiligt) zurück. Von Bellstorf ist gar nichts im Heft, von Hommer eine nur vierseitige (aber umso schönere) Episode namens „Drifter“. Den Gästen in der Anthologie wird schon seit einigen Nummern mehr Platz eingeräumt. Diesmal sind unter anderen aus Finnland Amanda Vähämäki, die ein europäischer Star des Independent-Comics ist, und die beiden chinesischen Zeichner Zuo Ma und Yan Cong (der einmal im Heft falsch „Yang“ geschrieben wird) dabei. Zuo erzählt eine Kindheitsgeschichte mit Horrorelementen, Yan von seiner Begegnung mit Sascha Hommer, als der Deutsche 2012 sich für einige Monate in China aufhielt.</p>
<p>Die Kunst von „Orang“ bestand noch mehr in der Herstellung solcher Kontakte als in den veröffentlichten Arbeiten. Das Magazin wurde zu einem wichtigen Faktor in der weltweiten unabhängigen Comicgemeinde und zu deren Schaufenster in Deutschland. Dass von der Nummer 6 an der Reprodukt Verlag den Vertrieb übernahm, sorgte für größere Verbreitung, wobei mit solchen Publikationen niemals Geld zu verdienen ist.</p>
<p>So darf es als ein Wunder gelten, dass Hommer,  Bellstorf und Thomas (Line Hoven, die früher auch Herausgeberin war, wurde durch Neumann ersetzt) überhaupt so lange durchgehalten haben, obwohl sie selbst mit ihren Comics längst auf ganz anderen Hochzeiten tanzen. Die Liebe seiner Herausgeber zum rauhen, ungebärdigen Zeichnen (das sie selbst gar nicht betreiben) macht „Orang“ bisweilen zur schwierigen und ästhetisch herausfordernden Lektüre. Comics wie „Fender Mom“ von Anna Haifisch oder “The Werewurf“ von Angela Dahlinger in der zehnten Ausgabe sind alles, nur nicht mehrheitsfähig. Aber im Zweifelsfalle zählten das Experiment und die Freiheit des graphischen Erzählens mehr als die Rücksicht aufs Publikum.</p>
<p>Mittlerweile haben sich diverse Hochschulcomicmagazine in Deutschland etabliert, so dass „Orang“ nicht mehr so dringend gebraucht wird wie noch vor einigen Jahren. Man darf gespannt sein, was in der deutschen Comichauptstadt Hamburg in die Lücke vorstößt. Und ob vor allem Sascha Hommer seine nimmermüden Aktivitäten jetzt etwas mehr aufs eigene Zeichnen verlegt. Jedenfalls ist der Abschluss von „Orang“ nach zehn Ausgaben ein schöner Beweis für die natürliche Überlegenheit des Dezimalsystems.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Vorstufe zum Welterfolg</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/04/29/die-vorstufe-zum-welterfolg-353/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Apr 2013 12:56:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[André Franquin]]></category>
		<category><![CDATA[besetztes Belgien]]></category>
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		<category><![CDATA[Zweiter Weltkrieg]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Emile Bravo hat vor fünf Jahren mit einem Album Furore gemacht, dass den legendären Comichelden Spirou im Belgien der unmittelbaren Vorkriegszeit in eine Intrige der Nationalsozialisten verwickelte. Nun gibt der Carlsen Verlag diesen jungen Klassiker in einer Sonderausgabe zusammen mit allen Vorzeichnungen Bravos neu heraus. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/04/29/die-vorstufe-zum-welterfolg-353/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Selten genug werden Comics sofort zu Klassikern, und noch seltener passiert das bei längst klassischen Serie, die von neuen Zeichnern fortgeführt werden. „Spirou“, 1938 von Rob-Vel (Robert Velter) erfunden und somit in diesem Jahr 75 Jahre alt, wurde zum Klassiker unter der Feder von André Franquin, der die Serie 1946 übernahm. Keine andere französischsprachige Comicreihe mit der Ausnahme von „Tim und Struppi“ kommt seinen Arbeiten an Ruhm gleich. Seit Franquin sich 1969 entschied, die Serie in andere Hände zu legen, versuchten sich ein halbes Dutzend Nachfolger daran, aber nur einer der mehr als drei Dutzend seitdem erschienenen Bände wurde selbst zur Legende: Emile Bravos „Porträt eines Helden als junger Tor“ von 2008.</p>
<p>Es war ein Geniestreich des 1964 geborenen Franzosen, den Hotelpagen Spirou just in jene Zeit zurückzuversetzen, als die Figur gerade das Licht der Welkt erblickt hatte – ins Jahr 1939. Bravo nahm damit eine Idee des 1990 verstorbenen Zeichners Yves Chaland auf, der die Geschichte Spirous unter der deutschen Besatzung Belgiens erzählen wollte, aber vom Dupuis Verlag nie den Zuschlag dafür  bekommen hatte. Bravo ging es etwas vorsichtiger an und siedelte das Geschehen seines Comics vor dem Einmarsch der Deutschen an. Davon profitierten später Yann und Olivier Schwartz, die nach dem Erfolg von Bravos Band tatsächlich ein Spirou-Abenteuer erzählen durften, das den Pagen unter die Nazi-Besatzer versetzte.</p>
<p>Im „Porträt eines Helden als junger Tor“ tauchen aber auch schon genug Nazis auf, denn das Brüsseler Hotel Moustique, in dem Spirou angestellt ist, wird zum Ort von Geheimverhandlungen zwischen Deutschen und Polen über territoriale Zugeständnisse seitens der Polen. Natürlich sollen sie über den Tisch gezogen werden, zumal parallel schon die Verhandlungen mit der Sowjetunion über den späteren Hitler-Stalin-Pakt laufen. Am Ende des Bandes ist der Zweite Weltkrieg entfacht, und Spirous Freund Fantasio wird zur belgischen Armee eingezogen.</p>
<p>Es ist faszinierend, wie Bravo die Zeitgeschichte in die imaginäre Welt der Abenteuer von Spirou versetzt (eine Leseprobe findet sich hier: <a rel="nofollow" href="http://www.carlsen.de/sites/default/files/produkt/leseprobe/LP-9783551776969.pdf">http://www.carlsen.de/sites/default/files/produkt/leseprobe/LP-9783551776969.pdf</a>). Sein Held erscheint als eine zwiespältige Figur, doch auf höchst subtile Weise wird in diesem Band alles schon angelegt, was Spirous Charakter später prägen soll. Bravo hat Franquins Klassiker genau studiert, und das war die Voraussetzung dafür, einen eigenen zu schaffen.</p>
<p>In Frankreich war der Erfolg des Bandes 2008 riesig, und in Deutschland verkaufte sich die Übersetzung ein Jahr später auch sehr gut. Grund dafür ist vor allem die Zeichenkunst Bravos, der das Zeitkolorit der späten dreißiger Jahre grandios einfängt, ohne aber den noch unbeholfenen Comicstil der frühen „Spirou“-Jahre zu kopieren.</p>
<p>Und nun kann man zum 75. Geburtstag der Serie einen hochspannenden Einblick in die Werkstatt Bravos tun, denn der Carlsen Verlag hat aus Frankreich eine aufwendige Doppelausgabe übernommen, in dem  das eigentliche Album von einem zweiten Band begleitet wird, in dem sämtliche vorgezeichneten Seiten zum „Porträt eines Helden als junger Tor“ versammelt sind. Man lernt nicht viel über die Genese der vertrackten Handlung, denn es sind Entwürfe, die in der Seitenarchitektur schon genau dem entsprechen, was später im finalen Druckbild erscheinen sollte, aber was in diesem Zusatzband deutlich wird, ist die atemraubende Leichtigkeit des Bravoschen Strichs, der noch viel mehr Dynamik enthält als in der später getuschten Version – in gewisser Weise ist Bravo hier so nah an Franquin wie sonst nie.</p>
<p>Das muss man sehen, auch wenn das Ganze mit fast fünfzig Euro ein teurer Spaß ist. Aber beide Bände stecken in einem sehr schönen Schuber, und die Druckqualität ist hervorragend, so dass die Blaustiftvorzeichnungen zum Entwurf einen Einblick ins Handwerk des Zeichners gestatten, wie man ihn sonst nie bekommt – vor allem nicht bei noch aktiven Comicstars, die sich schwer damit tun, der Perfektion ihrer fertigen Alben zu viel vom Zauber zu nehmen, indem sie die Umstände von deren Entstehen offenlegen.</p>
<p>So ist der Spirou-Jubiläumsschuber nicht nur ein Sammlerstück, sondern vor allem eine Augenschule, die kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Dass die originale Handschrift Bravos in den Entwürfen durch eine deutsche Version ersetzt wurde, ist der einzige Schönheitsfehler. Da man ja eh beide Bände nebeneinander liest, hätte man da gut den französischen Text belassen können. Andererseits hat der Letterer Hartmut Klotzbücher hervorragende Arbeit in der Annäherung an Bravos Handschrift abgelegt. Also hält sich das Leid in Grenzen, und gegen die Freuden dieser Edition fällt es gar nicht mehr entscheidend ins Gewicht.</p>
<p><em></em></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie man sein Leben wiederaufbaut</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/04/22/wie-man-sein-leben-wiederaufbaut-346/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 13:22:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Amnesie]]></category>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Eloise]]></category>
		<category><![CDATA[Gilles Roussel]]></category>
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		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Pénélope Bagieu]]></category>
		<category><![CDATA[Sabine Witkowski]]></category>
		<category><![CDATA[Wie ein leeres Blatt]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Carlsen hat im letzten Jahr eine Graphic-Novel-Reihe für Frauen gestartet – ein inhaltliches Desaster. Jetzt aber kommt der erste gute Comic dieser Serie, trotz einiger Mängel spannend wie ein Krimi. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/04/22/wie-man-sein-leben-wiederaufbaut-346/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Na bitte, geht doch. Fünf Bände mussten wir abwarten, unglaubliche Banalitäten und Klischees erdulden, uns wundern über das, was der Carlsen Verlag, eines der deutschen Schwergewichte im  Comicgeschäft, und seine Redakteurin Sabine Witkowski, eine der besten Kennerinnen auf europäischem Terrain, als geeignete Lektüre für Frauen ansah. Doch nun erscheint in der Serie „Graphic Novels für Frauen“, die gottseidank auch nicht mehr eigens als solche ausgewiesen wird, der Comic „Wie ein leeres Blatt“, geschrieben von Boulet (im wahren Leben Gilles Roussel) und gezeichnet von Pénélope Bagieu.</p>
<p>Also wieder ein Comic, der von einem Mann erdacht ist, aber von Carlsen für Frauen angekauft worden ist. Doch diesmal ist das Ergebnis alles andere als peinlich. Boulet hat eine Handlung erdacht, die zum Miträtseln einlädt: Eines späten Nachmittags findet sich eine junge Frau mitenm in Paris auf einer Bank am Straßenrand wieder und weiß nicht, wie sie dahin gekommen ist und wer sie ist. Ansonsten weiß sie viel: Sie kennt die populären Filme, weiß um die Stars der Boulevardpressse, hat alle Kulturtechniken einer Großstädterin parat, doch sobald es privat wird, fehlt jede Erinnerung. Keine Freunde, keine Familie, keine Wohnung, kein Job.</p>
<p>Das alles will sie zurück. Und so beginnt mit dem Inhalt ihrer Handtasche die Rekonstruktion eines Lebens (eine französische Leseprobe bietet das ganze erste Kapitel:<a rel="nofollow" href="http://www.editions-delcourt.fr/catalogue/bd/la_page_blanche">http://www.editions-delcourt.fr/catalogue/bd/la_page_blanche</a>). Bald steht sie in einer Wohnung. Doch ist es überhaupt ihre? Bevor sie eintritt, malt sich die junge Frau, die alsbald den Namen Eloise für sich akzeptieren wird, aus, was sie hinter der Tür erwarten könnte. Drei Seiten verwendet Pénélope Bagieu darauf, um in elf Panels elf verschiedenen Visionen zu zeigen – von der Leiche über den untreuen Ehemann bis zur Doppelgängerin. Ihjre Phantasie wird Eloise immer wieder die tollsten Streiche spielen, und wir dürfen bei mancher Sequenz des Comics erst einmal rätseln, ob es jetzt bloß wieder Vorstellungskraft oder Realität ist, was wir sehen. Aber bald merkt man, dass hier ein Dutzendleben wiederentdeckt wird. Und das ist erst recht spannend.</p>
<p>Allerdings opfert Boulet als Szenarist etliche Dinge, in denen man Hinweise auf das frühere Leben der jungen Frau vermuten könnte. Sie kann etwa virtuos im Kopf rechnen, hat eine kleine Wunde am Hals, findet tausend Dinge in der Wohnung, mit denen sie mangels Übung gar nichts anfangen kann – doch das alles spielt am Schluss gar keine Rolle. Es ist, als hätte Boulet sich vorgenommen, eine Geschichte rund um ein Dutzend McGuffins zu schreiben.</p>
<p>Was sich aber hinter all den Ablenkungen in „Wie ein leeres Blatt“ entfaltet – Enttäuschung von Erwartungen, banale Überraschungen, simple Auflösungen –, das entspricht genau dem Erkenntnisprozess von Eloise, so dass wir als Leser spüren, wie sie empfindet. Die Hilflosigkeit der Medizin angesichts ihrer Amnesie etwa. Hinter dem Leben, das will dieser Comic klarmachen, steckt nichts außer dem, was wir aus ich machen. Und Eloise ist da am Ende ihrer Geschichte auf einem guten Weg, obwohl sie nicht das findet, mit dem sie gerechnet hat.</p>
<p>Und auch graphisch findet man nicht das, was man erwarten könnte. Das Kleinmädchenschema, das Pénélope Bagieu zu bedienen scheint, erweist sich als höchst ausgefuchstes Spiel mit wechselnden Zeichenstilen und Seitenarchitekturen, die ihrerseits dazu beitragen, dass sich die Überraschungen (und Wiederholungen) auf anderen Ebenen abspielen, als vermutet. Dazu hat der bewährte Uli Pröfrock, der sich mehr und mehr zum besten Übersetzer von französischen Comics entwickelt, einen unaufdringlichen eigenen Ton für Eloise gefunden, der dem gelegentlichen Jargon des Originals deutsche Entsprechungen an die Seite stellt, die nichts Gesuchtes haben. So werde ich als Mann gern die Graphic Novels für Frauen weiterlesen. Und ich bin arrogant genug anzunehmen, dass es sich beim weiblichen Publikum genauso verhält.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Warum tut man diesem Leiden solches Leid an?</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 13:27:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Nohl]]></category>
		<category><![CDATA[Beate Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[Beltz Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Bram Stoker]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Daran erinnere ich mich gern]]></category>
		<category><![CDATA[Das große Durcheinander]]></category>
		<category><![CDATA[Demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Twain]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Louis Stevenson]]></category>
		<category><![CDATA[Sarah Leavitt]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Haubold]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Vor neun Jahren starb Sarah Leavitts Mutter. Sie hatte Alzheimer. Was bedeutet das für eine Familie? Darüber erzählt die kanadische Autorin eindrucksvoll. Aber sie musste das Geschehen auch zeichnen. Und das ist alles andere als eindrucksvoll geraten.
 <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/04/15/warum-tut-man-diesem-leiden-solches-leid-an-344/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ach je, irgendwann hat man es leid, alles und jedes als „Graphic Novel“ kategorisiert zu sehen, weil sich das gerade gut verkauft. So auch Sarah Leavitts Buch „Das große Durcheinander“ – angeblich „die erste Graphic Novel zum Thema Alzheimer“ und „als erste Graphic Novel für den Sachbuchpreis der Writer’s Trust of Canada nominiert“. Nun wissen wir nicht, ob letzteres Faktum erwähnenswert ist, aber die erste Graphic Novel zum Thema Alzheimer ist diese Bildergeschichte sicher nicht. Denn da gibt es ja das Bilderbuch „Daran erinnere ich mich gern“, über das ich schon vor dreieinhalb Jahren geschrieben habe – eine praktische Hilfe fürs Gedächtnistraining von Demenzkranken (<a href="http://blogs.faz.net/comic/2009/11/11/mit-bilderbuechern-gegen-demenz-99/">http://blogs.faz.net/comic/2009/11/11/mit-bilderbuechern-gegen-demenz-99/</a>). Und wenn Leavitts Buch eine Graphic Novel ist, dann das von Beate Wolf und Thomas Haubold allemal.</p>
<p>Beides sind natürlich keine Graphic Novels, aber das wird man Verlagen, die alle unbedingt welche im Programm haben wollen, wohl nicht mehr klarmachen können. Sobald Bild und gezeichnetes Text auf einer Seite auftauchen, ist die Sache verloren. Mal schauen, wie lange es dauert, bis endlich mal ein klassisches Bilderbuch, etwa von Wolf Erlbruch oder Lisbeth Zwerger zur Graphic Novel „geadelt“ wird.</p>
<p>Dabei müssten es Häuser wie Beltz, einer der großen deutschen Bilderbuchverlage, doch besser wissen. „Das große Durcheinander“ (im Original 2010 erschienen und „Tangles“ betitelt) ist eine sehr persönliche Geschichte, die von der Alzheimer-Erkrankung erzählt, die Ende der neunziger Jahre bei der Mutter der kanadischen Autorin und Cartoonistin Sarah Leavitt ausgebrochen ist. Es geht im Buch um die Belastung für die Familie, um den Verlust der Persönlichkeit der Mittfünfzigerin, um die verzweifelten Versuche, ihr noch so etwas wie Normalität zu verschaffen. Es geht aber auch um die Emanzipationsgeschichte der älteren von zwei Töchtern einer säkularen jüdischen Familie, die als Studentin ihr lesbisches Coming-Out hat und am Ende des Buchs, unter dem Eindruck der Ereignisse, Trost in den Ritualen der längst abgelegten Religion findet.</p>
<p>Alles eindrucksvoll, aber leider eine Geschichte, die so aussieht, als hätte sich jemand daran versucht, der noch nie im Leben vorher einen Comic gesehen hat (Leseprobe unter <a rel="nofollow" href="http://www.beltz.de/de/ratgeber/beltz-ratgeber/titel/das-grosse-durcheinander.html">http://www.beltz.de/de/ratgeber/beltz-ratgeber/titel/das-grosse-durcheinander.html</a>). Interessante Seitenarchitektur? Fehlanzeige. Graphisch gelöste Dialogführung? Nicht vorhanden. Handwerkliche Souveränität? Nichts davon. Ich weiß, dass kindlich-schlichte Zeichnungen derzeit in Mode sind. Aber „Das große Durcheinander“ legt die Latte so tief, das es schmerzt.</p>
<p>Als Comiczeichnerin also ist Sarah Leavitt eine Fehlbesetzung. Als Autorin dagegen nicht, und es ist schön, dass der Beltz Verlag mit Andreas Nohl einen versierten Übersetzer (Mark Twain, Robert Louis Stevenson, Bram Stoker) engagiert hat. Der erzählerisch-assoziative Tonfall, als blättere man ein Erinnerungsalbum durch, ist sehr gut getroffen, doch die Bilder! Solche ein Erinnerungsalbum möchte man um keinen Preis aufschlagen.</p>
<p>Natürlich könnte man argumentieren, dass hier das kindliche Verhältnis zur Mutter abgebildet werden sollte. Aber das ist Nonsens, es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass Sarah Leavitt anders hätte zeichnen können. Dieses Sachbilderbuch (und das ist es, keine Graphic Novel) ist ein weiterer Beleg dafür, dass weder Autoren noch Rezipienten mehr verstehen, in was für Kategorien sie arbeiten respektive lesen. Hätte Sarah Leavitt die Erinnerungen an das Sterben ihrer Mutter aufgeschrieben statt aufgezeichnet, wäre ein eindrucksvolleres Buch dabei herausgekommen. Aber es musste ja „die erste Graphic Novel zum Thema Alzheimer“ sein. Ist es eigentlich Zynismus, wenn Form gar nichts mehr und Marketing alles bedeutet?</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Klein, aber oho</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Apr 2013 13:55:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Batman]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Dolle-Weinkauff]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Ware]]></category>
		<category><![CDATA[Christian A. Bachmann]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Comics intermedial]]></category>
		<category><![CDATA[Comiqhefte]]></category>
		<category><![CDATA[David Carrier]]></category>
		<category><![CDATA[Dietrich Gründewald]]></category>
		<category><![CDATA[Gropiusbau]]></category>
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		<category><![CDATA[Lars Banhold]]></category>
		<category><![CDATA[Lino Wirag]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Engelns]]></category>
		<category><![CDATA[Superhelden]]></category>
		<category><![CDATA[Véronique Sina]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Heftchen“ – so werden Comics gern abqualifiziert. Aus dem Klischee macht Christian A. Bachmann als Verleger eine neue Reihe, die „Comiqheft“ heißt und kleine Aufsätze bietet, die sich mit Bilderzählungen beschäftigen. Die ersten drei Ausgaben sind schon da.
 <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/04/08/klein-aber-oho-342/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wo hätte man mehr interessante Comickenner erwarten dürfen, als beim Auftritt von Chris Ware im Berliner Martin-Gropius-Bau? Einer von ihnen war Christian A. Bachmann, ein Mann, den ich vor vier Jahren im Rahmen eines Freiburger Kolloquiums über Comics, das er mit ausrichtete, kennengelernt habe und der seitdem in Essen einen eigenen Verlag gegründet hat, in dem er Studien über Comics publiziert. Die jüngste Publikation trägt den Titel „Comics intermedial“ und versammelt etliche Autoren, die in Deutschland zum engen Kern der Comicforschung gezählt werden müssen, vom Urgestein Dietrich Grünewald über den kaum weniger wichtigen Bernd Dolle-Weinkauff bis zu jungen Autoren wie Bachmann selbst oder Véronique Sina. Der Band hat entsprechend 220 Seiten.</p>
<p>Weitaus weniger bei zudem viel kleinerem Format haben die Ausgaben der Reihe „Comiqheft“, die Bachmann im vergangenen Jahr begründet hat (Näheres dazu unter <a rel="nofollow" href="http://www.christian-bachmann.de/cbq.html">http://www.christian-bachmann.de/cbq.html</a>). Der Name verdankt sich der Tatsache, dass er als Netz-Domain noch verfügbar war, aber er sieht auch gut aus, und wenn die Underground-Zeichner immer von „Comix“ schwafeln, ist „Comiq“ allemal berechtigt. Die Hefte haben so wenige Seiten (16 oder 24), dass die ersten drei nicht einmal paginiert sind, aber sie kosten auch nur jeweils einen Euro. Für diesen Preis bekommt man viel Anregung.</p>
<p>Wobei es überraschend ist, wie sehr sich die Schwierigkeiten, Comics wissenschaftlich zu behandeln, selbst in diesen kleinen Aufsätzen spiegeln. Nicht, dass die drei Hefte Unsinn erzählten, aber wenn der amerikanische Kunsttheoretiker David Carrier im Auftaktheft mit dem ambitionierten Titel „What Is a Comic?“ einige seiner Ansicht nach Irrwege der Beschäftigung mit Comics beschreibt, so gehören dazu explizit auch Bücher, die sich mit der Frage befassen, ob Batman schwul ist. Und just solche ein Buch ist dann als zweite Ausgabe von „Comiqheft“ erschienen: Lars Barnholds „Pink Kryptonite“ (Untertitel: „Das Comic-Out der Superhelden“), in dem Batman wie schon immer den Kronzeugen für Homosexualität im Comic abgeben muss.</p>
<p>Nun ist Banholds Essay weiß Gott nicht schlecht, aber er trägt nichts zum ästhetischen Verständnis von Comics bei, weil er nicht mehr darstellt als eine kleine Beispielsammlung für die wachsende thematische Bedeutung von Homosexualität in einem Metier, das sich damit traditionell schwertut. Wieso allerdings ausgerechnet Fredric Wertham, der größte ausgewiesene Comichasser der Geschichte, mit seinen interessegeleiteten Unsinnsuntersuchungen als willkommener Beleg dafür herangezogen wird, dass Batman-Lektüre schwule Neigungen unterstütze, ist mir schleierhaft. Und Autoren, die eigens betonen müssen, dass sie selbst aber nicht schwul seien, finde ich etwas verklemmt.</p>
<p>Carrier macht in seinem Heft übrigens die kluge Beobachtung, dass chinesische Kunst und Comics durch die gängige Verbindung von Schrift und Bild viel gemeinsam haben. Einen aussagekräftigen Schluss zieht er daraus nicht, aber sein Text regt an, über diese Frage weiter nachzudenken. Und das tut auch Lino Wirags Aufsatz „Von Comicwissenschaft zu Comicwissenschaften“, der nicht weniger fordert als den Abschied von einem alles bestimmenden Verständnis dessen, was wissenschaftliche Beschäftigung mit Comics zu sein habe. Stattdessen wünscht sich Wirag mehr Mut zu Fragestellungen, die mit allen theoretischen Ansätzen arbeiten, die die Kulturtheorie bereithält. Einem Donaldisten wie mir ist das hochsympathisch. Genauso arbeiten wir seit Jahrzehnten, wenn auch nicht als Comictheoretiker oder -historiker.</p>
<p>Comicbeispielbilder sind für den Preis von einem Euro nicht drin, aber die Comiqhefte sind individuell gestaltet (mal quer-, mal hochformatig, mal mit freien Illustrationen, mal bloß Text). Und das Lektorat bei Bachmann ist besser geworden, wenn auch der englische Text von Carrier noch ein paar Fehler bietet. Man darf gespannt sein, was Heft 4 bieten wird, in dem sich Markus Engelns der angeblich neuen Popularität der Superhelden widmen wird. Dieses „Comiqheft“ wird fünf Euro kosten und immerhin 48 Seiten umfassen. Wahrscheinlich dürfen wir da mit Bildern rechnen, was fast schade wäre, weil dann der schöne Pamphletcharakter der Reihe verloren gehen könnte.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>So steht man quer zum Mainstream</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 11:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Das große Rauschen]]></category>
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		<category><![CDATA[Dieter Jüdt]]></category>
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		<category><![CDATA[Verciconium]]></category>
		<category><![CDATA[Verena Postweiler]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Dieter Jüdt ist nicht nur ein Veteran unter den deutschen Comiczeichner, er hat auch als einer der Ersten seiner Zunft konsequent mit literarischen Vorlagen gearbeitet. Jetzt hat er nach Texten von Verena Postweiler, einer Graphikdesignerin aus Berlin, einen höchst ungewöhnlichen Band gestaltet: „Das große Rauschen“, im extremen Querformat. Ein Comic-Strip, der aber nie zuvor in Fortsetzungen erschienen ist. <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/04/03/so-steht-man-quer-zum-mainstream-340/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Sie reden nicht, die Protagonisten von „Das große Rauschen“. Zumindest nicht in Sprechblasen. Jeweils vier Panels hat jede einzelne Comicseite des extrem querformatigen Albums (Ansicht unter <a rel="nofollow" href="http://www.dieterjuedt.com/?page_id=81">http://www.dieterjuedt.com/?page_id=81</a>), und die Texte dazu stehen jeweils darüber. Manchmal gibt es wörtliche Rede, doch meist folgen wir als Leser einem stream of consciousness, der uns durch eine Stadt begleitet, die ihrerseits zu den Figuren spricht – durch das titelgebende Rauschen des Lebens in ihr.</p>
<p>Die Stadt ist Berlin, auch wenn dieser Name nicht fällt. Aber die Orte erkennt man, die Stimmung, die Menschen. Und schon auf der ersten Seite ist vom Palast der Republik die Rede. Wir sind also in einer Geschichte, die zurückgeht in die Erinnerung an die Stadt Berlin und ihre Wandlungen. Und es ist nicht nur eine Geschichte, sondern es gibt deren fünfzig, jede eine Seite und vier Panels lang. Doch sie folgen aufeinander wie ein Fluss.</p>
<p>Vor zwölf Jahren haben Kai Pfeifer und Tim Dinter in den „Berliner Seiten“ der F.A.Z. einen  Comic nach ähnlichem Konzept gezeichnet: „Der Flaneur“. Aber der war, wie es dieser Fortsetzungsplatz erforderte, als Säule angelegt: also vertikal statt horizontal. Und waren Pfeiffers und Dinters Protagonisten meist tagsüber unterwegs, sind die in „Das große Rauschen“ Geschöpfe von Tag und Nacht gleichermaßen. Über allen Tageszeiten aber liegt ein bronzerotes Licht.</p>
<p>Gäbe es eine Farbe, die für Dieter Jüdt, den Zeichner von „Das große Rauschen“, steht, dann wäre es solch ein Bronzerot. Es prägte schon „Viriconium“, den ersten Comic, mit dem der 1963 geborene Jüdt Aufsehen erregte – vor dreizehn Jahren. Der war nach einem Roman des britischen Science-Fiction-Autors M. John Harrison entstanden und brachte eine kafkaesk wirkende Mischung aus Phantastik und Archaik aufs Papier, die zuvor nur Reinhard Kleist in seinem „Lovecraft“-Comic erreicht hatte. Jüdt war dennoch als ein Solitär erkennbar, vor allem als er im Jahr danach den Band „Engel – Pandoramicum“ folgen ließ, im selben Stil, nur diesmal schwarzweiß. Diesmal hatte er ein Szenario des deutschen Phantastik-Schriftstellers Kai Meyer umgesetzt.</p>
<p>Danach habe ich ein Dutzend Jahre lang nichts mehr von Jüdt gesehen; keine Bildergeschichten zumindest, als Illustrator tauchte er bisweilen noch auf. Und nun kehrt er mit „Das große Rauschen“ zu den Comics zurück. Ein großes Publikum wird er damit nicht finden, denn das in der Edition Panopticon des Berliner Verlagshauses J. Frank erschienene Buch ist mit 39,90 Euro ziemlich teuer. Aber es lohnt die Lektüre. Und es sieht wunderschön aus, wenn man Coolness als ästhetisches Prinzip goutiert.</p>
<p>Wieder hat Jüdt nach einer fremden Vorlage gearbeitet; diesmal nach der bislang noch nicht als Schriftstellerin in Erscheinung getretenen Berliner Graphikdesignerin Verena Postweiler, siebenunddreißig Jahre alt. Man darf wohl Freundschaft unter Kollegen unterstellen. Aber die Texte sind  gelungen, sie haben ein sachliches Pathos, das dem Großstadtlebensgefühl abgelauscht ist. Und Jüdt illustriert sie nicht nur, er interpretiert sie. So werden aus einzelnen Worten gezeichnete Seitenwege, die eine parallele Geschichte erzählen. Und das in jeweils nur den vier gleichgroßen Panels, die als strenges Raster fungieren.</p>
<p>Es sind also klassische Comic-Strips, aber kein Periodikum hat sie vorabgedruckt, sondern man bekommt das ganze Konvolut auf einmal, schön unterteilt in fünf Kapitel, die jeweils mit einer architektonischen Einzelillustration eingeleitet werden. So entsteht ein Rhythmus der Lektüre, der tatsächlich einem Gang durch die Stadt gleicht: ständig neue Perspektiven, Menschen, Gesprächsfetzen, Ablenkungen. Es ist erstaunlich, was da geboten wird. Und ein Jammer, dass bislang so wenige Comicfreunde wissen, dass Dieter Jüdt zurück ist.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Bitte alles vom Alleskönner</title>
		<link>http://blogs.faz.net/comic/2013/03/27/bitte-alles-vom-alleskonner-337/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 12:39:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arzach]]></category>
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		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<category><![CDATA[Hermetische Garage]]></category>
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		<category><![CDATA[Inside Moebius]]></category>
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		<category><![CDATA[Splitter]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Als im März 2012 Moebius starb, verlor Europa seine einflussreichsten Comiczeichner. Doch das Erbe lebt weiter, und erfreulicherweise gibt es einen Verlag in Deutschland, der auch die kleinen Meisterwerke hierzulande endlich wieder zugänglich macht.
 <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/03/27/bitte-alles-vom-alleskonner-337/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einem Jahr starb Jean Giraud alias Moebius, der einflussreichste europäische Comiczeichner der letzten vierzig Jahre. Noch kurze Zeit vor seinem Tod war kaum noch etwas von seinem riesigen Werk in Deutschland verfügbar – wenn man die Moebius-Hälfte seiner Künstlerexistenz heranzieht. Von Jean Giraud, der als Zeichner des Western-Comics „Blueberry“ firmierte, gab es dagegen sogar eine Gesamtausgabe, die der Ehapa-Verlag vorbildlich ausstattete. Moebius aber, der ästhetisch weitaus wichtiger war, schien vergessen.</p>
<p>Dann brachte der Splitter-Verlag seine berühmteste Serie neu auf deutsch heraus: „Der Incal“, das Science-Fiction-Epos um den Privatdetektiv John Difool. Und der Verlag Cross Cult gab sich an die zahlreichen Einzelbände, die in Frankreich all die Jahre lang lieferbar geblieben und nun in schönen Neuausgaben von Moebius selbst neu herausgebracht  worden waren. Darunter Klassiker wie „Arzach“ oder „Die hermetische Garage“, aber auch die ganzen wegweisenden Science-Fiction- und Fantasy-Kurzgeschichten der siebziger Jahre, deren Erzähl- und Zeichenstil den Comic verändert haben.</p>
<p>Sieben solcher Bände sind es bei Cross Cult schon (eine Leseprobe im Netz existiert leiser nicht, aber hier kannman sich ansehen, was verlegt ist: <a rel="nofollow" href="https://www.cross-cult.de/news-details/items/moebius-collection.html">https://www.cross-cult.de/news-details/items/moebius-collection.html</a>), und die jüngsten beiden sind „The Long Tomorrow“ und „“Die blinde Zitadelle“, beide erst ganz kurz vor dem Tod von Moebius in Frankreich mit neuen Vorworten, in den sich der Zeichner an die Entstehung erinnert, herausgekommen. Ausgaben letzter Hand also, und darin einige der berühmtesten und verblüffendsten Arbeiten von Moebius. So die Titelgeschichte von „The Long Tomorow“, in der jenes Zukunftsbild erstmals gezeichnet wurde, das seitdem die urbane Science-Fiction in Comic und Film – bei Ridley Scott, bei Luc Besson, bei James Cameron, um nur wenige zu nennen – gleichermaßen prägt. Oder „Anflug auf Centauri“, wo Moebius seinen eigenen Stil mit dem des Freundes Philippe Druillet verschmolz.</p>
<p>Man kommt aus dem Staunen über diese Phantasien gar nicht wieder heraus. Und auch wenn etliches thematisch zeitgebunden wirkt (die oft spürbare Angst vor dem Atomkrieg etwa), so sind andere Geschichten gerade heute erst richtig aktuell geworden. Wenn Moebius etwa 1978 in „Albtraum in weiß“ von fremdenfeindlicher Gewalt erzählt (und auch von der Zivilcourage, die sie verhindern kann), so könnte das auch als direkter Kommentar zur gegenwärtigen französischen Zwangspolitik gegenüber den Roma entstanden sein.</p>
<p>Es gibt eine Lovecraft-Horrorhommage namens „Ktulu“, die ihren Stil auf der letzten der fünf Seiten drastisch wechselt und in jene malerische Ästhetik übergeht, die Moebius abseits seiner Comics kultiviert hat. Er konnte eben alles, aber er kombinierte auch alles, was jede noch so kurze Episode (die kürzeste umfasst gerade mal zwei Seiten) zu einem graphischen Abenteuer macht. Man weiß nie, was beim Umblättern wartet.</p>
<p>Und so sind die beiden Bände das schönste Gedenken, das sich ein Mann wie Moebius wünschen konnte. Die Neugier auf den nie auszurechnenden Zeichner bleibt wach. Selbstverständlich gibt es wie immer, wenn er selbst seine Szenarien schrieb, einiges an den Stoffen zu bemängeln – dieses Zeichengenie war kein großer Erzähler (oder nur sehr selten wie in „Mister Blueberry“), aber die Freiheit, die er in die Comics brachte, ist auch in der assoziativen Weise zu spüren, mit der er geschrieben hat. Einen wie ihn werden wir nie wieder haben. Wer macht in Deutschland nun endlich das wahre Opus magnum, die sechsbändige Autobiographieparodie „Inside Moebius“?</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Liebe läuft Amok</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Mar 2013 09:27:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>platthaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anke Feuchtenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas Jüliger]]></category>
		<category><![CDATA[Moki]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt]]></category>
		<category><![CDATA[Vakuum]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Aus dem Nichts steht plötzlich ein virtuoser deutscher Comicerzähler vor uns: Lukas Jüliger, gerade einmal vierundzwanzig Jahre alt. Der Hamburger Schüler von Anke Feuchtenberger hat mit „Vakuum“ eine romantisch-rätselhafte Geschichte gezeichnet, die im Dürrenmattschen Sinne zu Ende gedacht wird.
 <a href="http://blogs.faz.net/comic/2013/03/22/liebe-lauft-amok-330/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ursprünglich stand an dieser Stelle als erster Satz: &#8220;Ein Mord: Eine Schülerin wurde umgebracht.&#8221; Ein Leser dieses Blogs weist mich darauf hin, daß sie vergewaltigt wird, aber überlebt, der Tod schlägt woanders zu. Der Irrtum ist ein Zeichen für zweierlei: mangelnde Gedächtnisleistung meinerseits  durch Erschütterung nach der Lektüre und die Unwichtigkeit der Tatsache, wer hier stirbt. Denn der erste Tod ist ein MacGuffin &#8211; es geht um einen späteren.</p>
<p>Als noch einmal von vorn und anders begonnen. Ein Verbrechen: Eine Schülerin wurde vergewaltigt. Der Täter: ein schüchterner Mitschüler. Eine Liebe: Eine Schülerin wird bewundert. Der Bewunderer: ein schüchterner Mitschüler. Die Schülerinnen sind nicht identisch, die Mitschüler auch nicht. Aber das Schicksal der vier (und noch zwei weiterer Jungen) ist durch die gemeinsame Schulzeit miteinander verknüpft, und Lukas Jüliger hat um dieses Sextett eine hochspannende Phantasie über Pubertät und Rivalität entwickelt.</p>
<p>Dass der 1988 geborene Jüliger an der Hamburger Hochschuke für angewandte Wissenschaften ein Schüler von Anke Feuchtenberger war, sieht man seinem Buch an (und auch den Arbeiten, die er auf seiner Homepage zeigt: <a rel="nofollow" href="http://laluq.de/?page_id=28">http://laluq.de/?page_id=28</a>). Es ist die kühle Stilisierung seiner Figuren bei gleichzeitig dichter Textur seiner Schraffuren und Linien, die sofort an die Feuchtenbergersche Ästhetik denken lassen. Noch ähnlicher aber ist der Stil den Arbeiten der gleichfalls in Hamburg arbeitenden Zeichnerin Moki, und der Ton wiederum gleicht dem von Arne Bellstorf. Da entsteht eine selbständige Hamburger Comicdramaturgie, die bemerkenswerte Ergebnisse zeitigt.</p>
<p>„Vakuum“ heißt der 120 Seiten starke Band (und hier sei einmal die immer häufigere Unsitte des Reprodukt- und vieler anderer Comicverlage angeprangert, auf Paginierungen ihrer Comics zu verzichten). Vakuum herrscht im Leben des namenlosen Protagonisten und seines besten Freundes Sho, dem Sohn japanischer Eltern. Fülle verspricht die Freundschaft zu einem gleichfalls namenlosen Mädchen, dessen Name aber „nach Sommer klingt“. Doch es erweist sich als höchst seltsam, was beide nicht davon abhält, sich ineinander zu verlieben. Und wie Jüliger das Auf und Ab dieser Beziehung erzählt, ganz aus der Perspektive des Jungen, aber mit größter Sensibilität für das Mädchen, das verrät großes Talent.</p>
<p>Blass sind die Farben in „Vakuum“, hellbraun, gelb, fahlblau, grüngrau. Das entspricht der Grundstimmung des Buchs, das wie aus einer Albtraumwelt erzählt, die aber ganz alltäglich aussieht. Gewalt und Tod aber verändern sie, und in den Wäldern warten Geheimnisse, die den Comic aufs Feld der Phantastik führen. Coming-of-Age-Erzählung, Fantasy-Geschichte, Horror-Roman – es gibt viele Genres, in die „Vakuum“ passt, und auf allen schlägt das Buch sich beachtlich.</p>
<p>Dass alles auf ein Finale hinsteuert, das etwas zu effekthascherisch gerät, ist der einzige Schwachpunkt. Aber da das Ende im Dürrenmattschen Sinne erreicht wird, ist die Offenheit der allerletzten Seite ein zusätzlicher Schlag in die Magengrube, der zeigt, wie effizient Jüliger seien Mittel einsetzt. Ein starkes Debüt, nichts für schwache Nerven.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/comic/author/platthaus/">platthaus</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/comic">Comic</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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