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Alles Zufall? Über Wahrscheinlichkeiten

| 85 Lesermeinungen

worin die Autorin räthselt, ob wir allhier „Narren des Zufalls“ seyen, über ein Druckwerk und dessen Autor contemplieret und am Ende nur wenig gelernet hat.

worin die Autorin räthselt, ob wir allhier „Narren des Zufalls“ seyen, über ein Druckwerk und dessen Autor contemplieret und am Ende nur wenig gelernet hat.

Am Wochenende war ich mit meiner Familie bei einer Hochzeit. Das Abendessen war insgesamt hervorragend, leider fand meine Schwester gegen Endes des Hauptganges ein Lakritzdings in ihrer Sauce. Noch während sie darüber sinnierte, was das kleine zäh-harte Dings in ihrem Mund mit dem schneidenden Geschmack – weit weg von Schweinefilet und rosa Pfeffer – sein könnte, war es auf dem Weg die Speiseröhre hinunter und als ihr die Erkenntnis dämmerte, war es bereits zu spät. Die nachfolgenden Desserts waren nach einhelliger Meinung der Höhepunkt des Abendessens, aber meine Schwester war durch nichts mehr zum Essen zu bewegen – das Vertrauen in die Küche war zu nachhaltig beschädigt. Angesichts der Tatsache, daß den Köchen der gehobenen Gastronomie vermutlich eher selten Lakritzbonbons ins Essen fallen, angesichts einer begrenzten Zahl von Gästen, Tellern und Gerichten und des bereits geschehenen Unglücks versuchte ich ihr zu erklären, daß die Wahrscheinlichkeit, keine weitere Ekeligkeit auf dem Teller zu finden, nie wieder geringer sein würde als jetzt. Vergebens, ihre Intuition war dagegen. Und hatte, streng genommen, damit sogar recht. Das Auffinden von Lakritz in rosa Pfeffersauce steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Auffinden von, sagen wir, Kaugummis in Mousse au Chocolat, – folglich hätte es ihr sehr wohl passieren können, noch einmal den schwarzen Peter zu ziehen. Ersteres ist Statistik. zweiteres Zufall, oder randomness.

Über diesen Problemkomplex (Zufälle und Wahrscheinlichkeiten) wurden ganze Bücher geschrieben – völlig zurecht, weil es sich um eine komplizierte Angelegenheit handelt und der Mensch ganz offenbar für das Denken in Wahrscheinlichkeiten nicht gemacht ist. Werden Probanden gebeten, zufällige Zahlenfolgen zu entwickeln, sind diese niemals zufällig und enthalten namentlich zu selten Wiederholungen derselben Zahl. Eine wahrhaft zufällig Zahlenfolge sind hingegen die Nachkommastellen der Zahl Pi – auch wenn man gerade da gerne irgendeine Gesetzmäßigkeit vermuten würde.

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Eines der aktuellsten und vermutlich bekanntesten Bücher stammt von Nassim Nicholas Taleb: „Fooled by randomness“. Im Gegensatz zum genannten Autor bin ich kein „voracious reader“ (wie er mehrfach anmerkt), jedenfalls nicht von Sachbüchern, was daran liegen mag, daß ich bei der Mehrzahl der populärwissenschaftlichen Lektüren der vergangenen zwei Jahre die Autoren irgendwann unerträglich selbstherrlich fand. Aber dazu später.

Taleb wurde im Rahmen der Finanzkrise bekannt, weil seine Investment-Strategien von Verlusten deutlich weniger betroffen war, und irgendwie erhofft man sich von dem Buch Aufschlüsse über die Hintergründe der umjubelten Strategie – leider vergebens. Man kann aber einiges lernen über den Menschen und wie er ein Spielball der Zufälle ist, ganz ohne es zu merken. Es ist eine Grundwahrheit, daß die meisten Menschen die Ereignisse, die sie erleben, interpretieren. Wir stellen Zusammenhänge her, entdecken oder konstruieren Muster oder systematische Verhalten, weil wir allzuoft den Zufall nicht als solchen erkennen oder sein Wirken verkennen. Kartenspieler fangen plötzlich an, nach einem besonders erfolgreichen Tag eine neue Krawatte als Glücksbringer zu betrachten (was ganz offensichtlich kindisch ist), Vermögen werden mit technischen Kursanalysen aus dem Computer gemacht (die niemand mehr intuitiv nachvollziehen kann), und ganz sicher möchte niemand seinen beruflichen Erfolg auf einen ordinären, unverdienten Zufall zurückführen.

Leider ist der Autor bei seinen klugen Betrachtungen eher geizig mit mathematischen Beweisen oder auch nur Hinweisen auf die Herkunft seiner Theorien, aber auch ohne das kann ich ihm bei seinem Grundkonzept folgen: für jede Realität, die wir erleben, gibt es „alternative histories“ – also andere Verläufe, die ex ante ebenso möglich gewesen wären, aber zufällig eben doch nicht wahr wurden. Warum ausgerechnet an jenem Tag Kinder auf den Gleisen spielen, an denen ich die letztmögliche Bahnverbindung abends riskiert habe, weiß ich nicht – aber ich glaube nicht an Murphy’s Law. Das ist einfach dummer Zufall und mir ist oft bewußt, daß auch alles ganz anders hätte kommen können.

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Zufälle gibt es nach Ansicht des Autors sehr viel mehr, als man gerne annehmen möchte. Soviele, daß sie sich über einen begrenzten Zeitraum durchaus wie systematische Reihen darstellen und man meinen könnte, es sei kein Zufall, sondern System. Zum Narren machen sich jedoch all jene, die ihr Handeln an eingebildeten Systemen ausrichten, statt Zufälle und Wahrscheinlichkeiten vernünftig zu berücksichtigen. Computer, Modelle, statistische Auswertungen eignen sich alle hervorragend, solche Muster zu entdecken, auch wenn eigentlich der Wunsch Vater des Gedankens war und die entdeckten Muster nur zufällig entstanden sind. All die Händler zum Beispiel, die über 10 oder 20 Jahre gute Gewinne erzielen, konstant über Durchschnitt, und das ihrer ganz besonderen Strategie aus dem schwarzen Kasten zuschreiben, weil Menschen nun einmal dauernd versuchen, den Ereignissen der Vergangenheit ein Muster zu entlocken. Daarüber vergessen sie völlig, daß Märkte nicht berechenbar sind und irgendwann – selten, aber doch gelegentlich – ein Crash kommt, der in seinen Charakteristika nicht vorherzusehen war und jede systematische Strategie zerschießt. Unabhängig davon wird es – um beim Beispiel zu bleiben – aufgrund der schieren Anzahl von Akteuren an Kapitalmärkten immer einige geben, die selbst in der Krise noch gut dastehen und dies ihrer herausragenden Strategie zuschreiben. In Wahrheit jedoch, wenn ich den Autor richtig verstehe, ist alles nur Zufall und die beste Strategie ist, gerade die seltenen Ereignisse sorgfältig zu berücksichtigen und insgesamt soweit möglich mit dem Zufall zu kalkulieren. Wenn es um Kapitalmärkte und Trading geht.

Für den Alltag tue ich mich noch schwerer, irgendwelche Lehren aus 196 Seiten Lektüre zu ziehen. Es gibt mehr Zufälle im Leben, als wir meinen? Sicher doch – das relativiert dann also Erfolge und Mißerfolge. Die Beförderung hatte möglicherweise nur begrenzt mit meinen Leistungen und meinem Verhalten zu tun? Wohl kaum. Fast alle wesentlichen Dinge im Leben sind multikausal und untrennbar mit dem eigenen Verhalten verbunden. Ohne Einsatz keine Beförderung, ohne vorausschauendes Fragen am Bahn-Schalter keine alternative Verbindung bei Verspätungen. In welchen Fällen der Zufall mich jedoch aus meiner Eigenverantwortung entläßt, und wo ich mich doch an die eigene Nase fassen soll oder darf, wird nicht so recht deutlich. Auch wenn man fast das Gefühl bekommt, daß alle Investmentbanker außer ihm immer nur Glück hatten und sowieso dumm sind.

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So weit, so nachvollziehbar. Warum es jedoch für diese Botschaften erforderlich ist, die Nase so hochzutragen, daß es beinahe hineinregnet, ist mir nicht begreiflich. Sätze wie „both of us surround ourselves with scholars and scientists, not businessmen (talking to successful scientists is a good discipline to aovid pedestrianism in our own thinking)“ hinterlassen bei mir einen bitteren Geschmack im Lektüregedächtnis. Überhaupt bin ich immer wieder über allerlei persönliche Einlassungen gestolpert, die in ihrer einheitlichen Selbstdarstellung irgendwann ermüdend waren – auch wenn Wikipedia mir das als Stilmittel verkaufen möchte. Die endlosen ironischen Seitenhiebe auf MBAs und andere „non-trained“ oder „non-scientist“ Personen verloren nach 100 Seiten ebenfalls ihre Originalität. Vielleicht liegt es in der Natur des populärwissenschaftlichen Sachbuchs, daß das Wort „ich“ allzu oft vorkommt (und hier sitze ich möglicherweise im Glashaus und werfe Steine), aber mir verleidet das die Lektüre. Davon abgesehen ist die Vielfalt der Themen, Beispiele, Argumentation so kapriziös und zappelig, daß ich mich an das Verhalten hyperaktiver Kinder erinnert fühle – alles anfange, aber nichts zu Ende bringen.

Ich habe mehr über Zufälle und Wahrscheinlichkeiten nachgedacht, als je zuvor, ich habe gedankliche Konzepte gelesen, die mir bedenkenswert scheinen, ich habe anfangs einige Male lächeln müssen, und war durchaus unterhalten von der ein oder anderen Banker-Anekdote – aber den ganz großen Hype, der um das Buch vor einigen Jahren gemacht wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Dafür bleiben die Thesen zu vage, die einzelnen Bestandteile zu fragmentiert und die Beweisführung zu wenig stringent. Immerhin: wenn ich das nächste Mal beruflich scheitere, schiebe ich einfach alles auf dummen Zufall und berufe mich auf Taleb.

 

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85 Lesermeinungen

  1. Liebe Sophia, ich kann mich...
    Liebe Sophia, ich kann mich nicht entsinnen, dass ein besonderer Hype um just dieses Buch gemacht wurde – das war wohl eher der Nachfolger mit dem schwarzen Vogel (den man dann tatsächlich nicht mehr lesen brauchte).
    Ich fand es damals ganz unterhaltsam und habe es bewußt nicht als „wissenschaftliche“ Lektüre betrachtet (was zugegebenermaßen auch nicht schwer fiel).
    Es war in Teilen schlicht das erfrischende Gegengift zu den den abstrusen Theorien der Knöpfchendrücker und data miner – geschrieben von einem, der sein Handwerk, das Asset Management, versteht. Sonst nichts.
    Nun ja, ich hoffe, dass ich Sie mit meiner kleinen Empfehlung neulich nicht von wichtigerer Lektüre, z.B. von der eines bald Ex-SPD-Genossen, abgehalten habe…

  2. Sehr verehrte Redakteurin, zu...
    Sehr verehrte Redakteurin, zu dem angeschnittenen Thema fällt mir ein gelesener Satz aus dem Werk Ernst Jüngers ein: Zufall ist das was der Fall ist. Persönlich habe ich die merkwürdige Beobachtung gemacht, dass Erscheinungen, Bilder und Ereignisse in verwandelter Form, aber mit Bezug zueinander, in kurzem zeitlichen Abstand von etwa einer Stunde auftauchen können. Natürlich ist das überhaupt nicht wissenschaftlich belegbar, läuft somit unter subjektiv-privater Kiekerei.
    muscat@:
    Da erhebt sich doch glatt die Frage ob die richtige Genmischung bei der Kiellegung zur späteren Erreichung des Status Vollscientist vom Zufall abhängt oder ob´s eher ausschliesslich ein Produkt des soz. Environments ist?

  3. Sophia,
    auch wenn ich das von...

    Sophia,
    auch wenn ich das von Ihnen genannte Buch nicht kenne, hoffe ich doch sehr, dass der Autor nicht nur die Zufälligkeit an sich behandelt, sondern auch auf die Problematik unterschiedlicher Wahrscheinlichkeitsverteilungen eingeht. Meiner Erfahrung nach basieren mindestens ebenso viele Irrtümer zum Thema Zufall auf der (unbewussten) Annahme einer falschen Wahrscheinlichkeitsverteilung wie auf mangelndem Verständnis von statistischer Unabhängigkeit. Wenn Journalisten über das Oderhochwasser (Verteilung entspricht näherungsweise einem Potenzgesetz) ähnlich schreiben wie über die Anzahl von Verkehrstoten (weitgehend Poisson-verteilt) ist das ein gutes Beispiel.
    .
    Übrigens kann Zufall auch ein sehr nützliches Instrument sein – man denke nur an Monte-Carlo-Integration.

  4. Liebe muscat, das zweite Buch...
    Liebe muscat, das zweite Buch ist bekannter geworden als das erste und es ist ja auch schon eine Weile her – aber so toll, wie es mir zuweilen verkauft wurde, finde ich es nicht. Ich bin auch grundsätzlich immer für BWLer-Bashing zu haben, aber das war mir zuviel und zu herablassend.
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    Plindos, wahr ist: jedem Zufall (oder „random event“) lassen sich theoretisch Wahrscheinlichkeiten zuordnen, mehr oder weniger gut. Genau diese aber können wir nur schwer vernünftig beurteilen oder bewerten. Manches, was uns zufällig erscheint, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Anderes, was uns nicht zufällig erscheint (wie zum Beispiel Investmentstrategien) sind hingegen viel mehr Zufall, als man meinen sollte.
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    Chris, der Autor kommt ohne diese technischen Finessen aus – genau das meine ich mit oftmals schwer nachvollziehbarer Argumentation. Für den nicht-vorgebildeten Leser macht es das einfacher, wenn man hingegen nach mathematischen Beweisen sucht, ist man bei Taleb fehl.

  5. Ihre Lakritzschwester war in...
    Ihre Lakritzschwester war in der Situation eines Roulettespielers, an dessen Tisch die Kugel zehnmal nacheinander auf „Rot“ gefallen ist. „Nun muss aber ‚Schwarz‘ fallen!“, denkt der Spieler, und doch ist die Chance wieder exakt 50% (wenn wir die grüne „Null“ mal rauslassen).
    Eine Küche ist kein Roulettetisch, man könnte sich also fragen, ob dort, wo mit Lakritz um sich geworfen wird, nicht sogar eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, auch noch Gummibärchen im Fischsalat zu finden.

  6. <p>Das ist genau der Punkt,...
    Das ist genau der Punkt, lieber nnier: die Wahrscheinlichkeit, daß so etwas in besseren Hotels passiert, ist sehr gering. Im ersten Moment sollte man meinen: war man einmal dran, müßte die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederholung noch geringer sein. De facto jedoch sind das erste und zweite und dritte Mal alle unabhängig voneinander, folglich alle gleich wahrscheinlich. Es hat meine Schwester ja aber am Ende nur einmal erwischt, danach haben wir uns ohnehin den Getränken zugewandt.

  7. nnier@:Was verblüffender ist...
    nnier@:Was verblüffender ist als eine ev. Folge von Gummibärchen, das ist die Tatsache, dass nach dem double trip der USA nach Nagasaki und Hiroshima Anno 1945 nicht noch einmal solch ein event stattfand. Zumal ja danach die Menge und Sprengkraft der zur Verfügung stehenden A-Waffen um Potenzen gestiegen ist. Die Wahrscheinlichkeit, zumal während der Kubakrise, hätte durchaus dafür sprechen können, dass es zum Clash kam. Die Proliferation spaltbaren Materials ist ja auch nur begrenzt eingehegt.

    Überhaupt das Wahrscheinlichkeitskalkül in der strategischen Planung, scheint mir ein Hantier mit sehr vielen Unbekannten zu sein.
    In diesem Sinne äusserte sich Moltke d. Ä., er war ein äusserst gewissenhafter Planer und Orginasator, sinngemäss: Nach dem Fallen des ersten Schußes ist der Ausgang einer Schlacht, eines Feldzuges ungewiss. Fr. d. Gr. soll die Conduitelisten
    der jungen Lieutenants mit den Randbemerkungen versehen haben: Hat der Kerl fortune ?

  8. Passt doch irgendwie zur...
    Passt doch irgendwie zur angeschnittenen Thematik und zum hiesigen Blog? Stand heut auch im FAZ-Print.
    http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E8A0D43832567452FBDEE07AF579E893C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  9. @Plindos: gut daß Sie den...
    @Plindos: gut daß Sie den Link hier reinstellen, das habe ich auch grad gelesen… und zusammen mit dem empörenden Lakritzbonbon in der Suppe läßt es mich am Kopf kratzen: wie stellt man heutzutage eigentlich noch Verläßlichkeit her?

  10. Das hier ist übrigens auch...
    Das hier ist übrigens auch noch ein schönes Beispiel für „Investorenglück“ und „goldenes Händchen“, auch bekannt aus deutschen Landen:
    .
    http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/09/22/348371/flowers-the-decline-of-a-dealmaker/

  11. Plindos, wenn es trivial...
    Plindos, wenn es trivial wäre, realen Ereignissen Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen, wäre Planung soviel einfacher. Aber siehe oben, schon von Herrn nnier angesprochen: das Auffinden einer Ekeligkeit im Essen könnte dafür sprechen, daß das Restaurant besonders schlampig war, folglich wäre die Wahrscheinlichkeit für weitere Ekeligkeiten erhöht. Es könnte aber auch sein, daß nach diesem Ausrutscher die Köche ganz besonders vorsichtig waren – dann wäre die Wahrscheinlichkeit niedriger.
    .
    Colorcraze, ist Sicherheit nicht schon beinahe eine Illusion, wenn man soviele Aufgaben und Kompetenzen an Maschinen ausgelagert hat, die der Durchschnittsmensch nicht einmal mehr oberflächlich beherrscht?

  12. @Sophia: naja, Sicherheit, ein...
    @Sophia: naja, Sicherheit, ein weites Feld… Maschinen oder Programme laufen einfach durch, Menschen versuchen zu flüchten, wenn es ihnen sinnlos erscheint. Was demnächst vermutlich mal wieder aktuell wird: Programme, bei denen man den händischen Not-Aus vergessen hat einzubauen, und bei denen die Steuerung keinen Totmannknopf hat. War ja keine Zeit dafür. Ich denke da an die Überweisungen nach Lehmann, als Lehmann bereits tot war.

  13. Werte Sophia Amalie Antoinette...
    Werte Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    den Taleb fand ich auch überschätzt, er ist halt unterhaltsamer als z.B. der Gigerenzer. Doch mir gefiel, dass er auf den selektiven Bias abhob.
    @Plindos, 12:15
    Eine hohe Wahrscheinlichkeit bedeutet nicht, dass ein Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt unabwendbar eintreten muss (dazu müsste die Wahrscheinlchkeit für diesen Zeitpunkt 100% betragen). In der Kuba-Krise war die Welt nahe dran, es ist halt gut gegangen. Wahrscheinlichkeiten verwendet man immer dann, wenn es so viele unbekannte Faktoren gibt, dass man kein rein deterministisches Modell angeben kann. Zufall ist dann ein Maß für das Nicht-Wissen. Ob es einen „echten“ Zufall gibt, ist eine interessante Frage, über die man endlos diskutieren kann.
    Was die Kiellegung angeht: Es ist – rein rechnerisch – beides, plus die Interaktion.

  14. die wahrscheinlichkeit ist...
    die wahrscheinlichkeit ist kleiner, da zumindest eine der köchinnen nun kein lakritzbonbon mehr im mund hat, welches in den topf fallen könnte. oder ?

  15. colocraze, sowas kann doch mal...
    colocraze, sowas kann doch mal vorkommen? Damit konnte doch nun WIRKLICH niemand rechnen. Manuellen Kontrollen werden sowieso unterschätzt, sobald die Maschine erst mal am Start ist.
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    Observator, natürlich liest er sich spannender als „Introduction to Probability & Statistics“ oder so. Trotzdem, das merke ich ja selber gerade: will man solche Dinge vernünftig erklären, geht es nicht ohne Technik, und da wird er irgendwie seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht, finde ich.
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    r., die hat sich vielleicht danach ein Zahnreinigungskaugummi gegönnt? Oder gleich eine ganze Runde für die Küche geschmissen.

  16. Die Köchin könnte sich...
    Die Köchin könnte sich wieder eins in den Mund stecken, da sie gerade eines verloren hat. Neues Bonbon, neues Glück.

  17. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, da haben Sie völlig Recht. Ich denke, er hat da gar nicht soviel in petto, das er erklären könnte.

  18. @Sophia: nönö, damit rechnen...
    @Sophia: nönö, damit rechnen mag keiner, aber wenn sie ihre Entwickler ordentlich arbeiten ließen, würden die ihnen das zumindest mal vorher sagen, sofern denen das Handwerk vor lauter Pfuschanforderungen noch nicht völlig ausgetrieben worden ist.
    @Observator: eher so. Falls es nicht jemand von den Gästen war, würde ich es jedenfalls frei nach Taleb als sicheres Zeichen für den baldigen Untergang dieses Restaurants ansehen. Ich habe weiß Gott für manches Küchen- und Serviceproblem Verständnis, aber Lakritz in Suppe geht garnicht.

  19. @colorcraze
    Allerdings. Es sei...

    @colorcraze
    Allerdings. Es sei denn, es ist irgend so ein asiatisches Süppchen mit Thaibasilikum, das wäre vom Aroma her nahe dran. Aber auch dann würde ich eine andere Würztechnik bevorzugen. Unter einer geheimen Zutat stelle ich mir etwas Anderes vor.

  20. Das Buch (und der Nachfolger)...
    Das Buch (und der Nachfolger) sind wirklich nicht besonders hilfreich. Ich habe beruflich mit Investitionsentscheidungen zu tun und kann Ihnen versichern, dass die meisten, die in dieser Industrie arbeiten, wissen, dass ihre Entscheidungen im Grunde genommen nichts anderes als „Entscheidungen unter Unsicherheit“ sind. Das heisst nix anderes als im Grunde genommen Wetten auf zukuenftige Ereignisse. Der Trick ist die jeweiligen Risiken zu identifizieren und selbst (!) fuer sich persoenlich die Entscheidung zu treffen, diese Risiken zu akzeptieren oder es bleiben zu lassen. Diese Entscheidung und Einschaetzung kann einem schlicht und ergreifen nicht von einem Modell – oder einer Ratingagentur :) – abgenommen werden. Von daher macht Hr. Taleb – der die Nase wirklich recht weit oben hat – viel Laerm um nichts. Und das recht profitabel in zwei Buechern.

  21. Observator, ich glaube, der...
    Observator, ich glaube, der ist hochintelligent. Aber auch ein Selbstdarsteller mit Hang zum Populismus.
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    colorcraze, das kann vorkommen. Wenn für 80 Leute vorgekocht wird, kann man es ja nicht einfach aus dem 20l Sauceneimer rausfischen. Ich habe selbst in der Gastronomie gearbeitet und der Standardspruch war: trau keiner Suppe, bei der man nicht bis auf den Grund schauen kann.

  22. @Sophia: wie, sieben und...
    @Sophia: wie, sieben und untersuchen der Festbestandteile geht nicht? Das geht sehr wohl, wenn man genügend Leute mit genügend Sieben und Löffeln zum Anrichten vorübergehend abstellen kann. Daß man das nur machen kann, wenn man _weiß_ daß da was Unrechtes reingefallen ist, versteht sich von selbst. Aber der gute Ruf sollte es einem eigentlich schon wert sein, ein solches Malheur auszubügeln.

  23. Oberpfaelzer, Taleb hat sicher...
    Oberpfaelzer, Taleb hat sicher Recht, daß seltene Ereignisse und der Einfluss von Zufällen tendenziell unterbewertet werden – gerade auch von Profis, die vor allem auf ihre (begrenzten) Erfahrungen und weniger auf statistisches Fachwissen vertrauen. Die Lektüre ist trotzdem bestenfalls Unterhaltung, wenn man’s mag, mit ein paar Denkanregungen garniert.
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    colorcraze, bei dem rauen Ton in der Gastronomie würde ich mir auch dreimal überlegen, ein solches Malheur dem Chef mitzuteilen. Und das Personal zum Sieben ist bei der knappen Kalkulation im Zweifel trotzdem nicht abkömmlich.

  24. Na, jede Entscheidung ist doch...
    Na, jede Entscheidung ist doch eine Entscheidung unter Unsicherheit, oder? Der Liebe Gott ist ja keiner von uns. Sofern man frei entscheiden kann, ist jede Entscheidung eine Abwägung von rationalen und irrationalen Dingen, oder wird als solche überhaupt nicht wahrgenommen. Nichts zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung. Aber alles unsicher.
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    Wenn mir jemand eine Pistole an den Kopf hält und nur ein „Ja“ von mir hören will, damit er sie wegnimmt, dann berechne ich keine Wahrscheinlichkeiten. Dann entscheide ich aber auch nicht frei, dann bin ich nicht frei. Ich hoffe nur, dass meine Quote nicht allzu schlecht ist, an einen Psycho geraten zu sein, der mich trotzdem abknallt. Eigentlich denke ich da gar nix und scheiß in die Hosen.
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    Aber es gibt Leute, die haben „Instinkt“, die haben ein „Bauchgefühl“, „einen Riecher“. Es gibt diese Leute, die haben das, ohne endlos Number Crunching zu betreiben. Und was die machen, ist definitiv biased. Nur denken die nicht groß drüber nach. Aber seltsamerweise immer ein „Näschen“
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    Hat Hans im Glück Statisktik II im Grundstudium gehabt? Und wenn ja, wärs anders gewesen? Mit welcher Wahrscheinlichkeit?
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    Meine H1 ist „Nein“

  25. "De facto jedoch sind das...
    „De facto jedoch sind das erste und zweite und dritte Mal alle unabhängig voneinander, folglich alle gleich wahrscheinlich.“
    Warum sollten sie das sein? Das ist eine der problematischsten Annahmen die in der (Finanz)Welt gemacht wird

  26. schusch, das ist die intuitive...
    schusch, das ist die intuitive Sicht und die hat ihre Berechtigung. Aber Investmentbanker, die ihre Strategie nach Bauchgefühl oder Intuition ausrichten, ohne die Odds für seltene Ereignisse zu durchdenken – das ist mir unsympathisch.
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    A.G. das kommt auf die Argumentation an, oder? Wie oben gesagt, kann man es auch anders sehen, das eine Bonbon könnte auf schlampige Küche hinweisen, es könnte auch dazu führen, daß der schlampige Koch danach besonders vorsichtig wird. Dann wären die Ereignisse natürlich abhängig voneinander. Ansichtssache, würde ich meinen, tendiere aber zur relativen Unabhängigkeit.

  27. Was ist denn relative...
    Was ist denn relative Unabhängigkeit? Per Definition ist doch alles was nicht unabhängig ist in irgendeiner Weise abhängig.
    Bedingte Unabhängigkeit vielleicht? Aber auch das ist eine starke Annahme.
    Vielleicht bedingt darauf, dass ich die Gedanken des Besitzers der Lakritzpackung lesen kann und dort der Zufall herrscht.
    Solange nichts dafür spricht, dass hinter dem Ablauf echter Zufall steckt sollte die Annahme auf keinen Fall Unabhängigkeit sein.

  28. A.G., genau, das wird man doch...
    A.G., genau, das wird man doch wohl noch fragen dürfen!
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    Sophia, schreiben Sie Herrn Taleb doch mal Ihre Meinung. Allerdings sollten Sie dabei nicht mehr als 39 Worte verwenden (siehe Hinweise ganz unten):
    http://www.fooledbyrandomness.com/
    Er ist ein eitler Scherzkeks, keine Frage…

  29. A.G., es gibt verschiedene...
    A.G., es gibt verschiedene Gerade der Abhängigkeit und ich meine ganz pragmatisch: vermutlich wäre eine weitere Ekeligkeit im Essen fast unabhängig gewesen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Alternativen werden gerne gehört, bevorzugt mit Begründung.
    .
    muscat, ich wollte dem Autor gerade anbieten, seine scheußliche, dilettantische Website zu verbessern, aber das kann ich nicht in <40 Worten. Also wird da nix draus.

  30. Plindos, auf Ihre erste Frage:...
    Plindos, auf Ihre erste Frage: Offen gestanden habe ich es selber noch nicht ausprobiert – ich setze aber auf das soziale „Environment“ (bleibt mir ja gar nix anderes übrig).

  31. Ich wollte nur darauf hinaus,...
    Ich wollte nur darauf hinaus, dass hier theoretische Konzepte der Unabhängigkeit (z.B. Wiederholung unabhängiger Experimente) falsch auf die Wirklichkeit abgebildet wurden.
    Es gibt kein „fast unabhängig“, sondern eben nur unabhängig und abhängig.
    Konzepte wie bedingte Unabhängigkeit sind hier auch nicht anzuwenden.
    Wenn man schon versucht mit Begriffen aus der Wahrscheinlichkeitstheorie zu sprechen, dann wenigstens richtig.
    „De facto jedoch sind das erste und zweite und dritte Mal alle unabhängig voneinander, folglich alle gleich wahrscheinlich.“
    Hier ist zudem logisch falsch, dass aus Unabhängigkeit eine gleiche Wahrscheinlichkeit folgt.

  32. A.G., ich habe mich sicher...
    A.G., ich habe mich sicher unpräzise ausgedrückt. Mir ging es aber darum aufzuzeigen, wie sich subjektive Wahrnehmung und statistische Wahrscheinlichkeit unterscheiden können – ähnlich wie beim oben erwähnten Roulettespieler, der meint, wenn lange kein rot mehr fiel, müsse es jetzt umso wahrscheinlicher kommen. Daß Lakritz im Essen natürlich nicht gleichermaßen zufällig ist wie Roulette, sondern von anderen Faktoren beeinflußt wird, ist mir schon klar.
    .
    Die Übertragung theoretischer Prinzipien auf die Realität führt meiner Meinung immer dazu, daß man unterschiedlicher Meinung sein kann, je nachdem, wie man Argumente bewertet – und ob man Annahmen glaubt oder nicht.

  33. Sophia, so ist es. Empirie und...
    Sophia, so ist es. Empirie und Evidenz sind halt zwei Welten. Da kann man die sog. „Finanzwissenschaften“ nicht oft genug dran erinnern.

  34. @Sophia: rauher Ton hin oder...
    @Sophia: rauher Ton hin oder her, wenn solcherart Fehlerbehebung nicht wenigstens ein bißchen einkalkuliert ist (meist braucht mans ja nicht), dann ist das für mich so ähnlich wie die fehlende Abschaltmöglichkeit für ein durchlaufendes Programm. Also Pfusch, nichts auf Dauer Angelegtes. (Es ist mir schon klar, daß meistens aus ökonomischem Druck gepfuscht wird, und mir tun alle Beteiligten daran leid, daß sie pfuschen müssen. Aber Pfusch ist einfach eine nicht erstrebenswerte Minderqualität, und wenn es irgendwo bessere Nichtpfusch-Qualität zu bezahlbarem Preis gibt, ziehe ich die bei weitem vor.)

    Die Hoffnungen der Theoretiker liegen ja darin, die Annahmen und Argumente ähnlich stringent, überzeugend und vereinheitlichend wie in der Mathematik vorbringen zu können, also mit Beweiskraft. Nur habe ich da erhebliche Zweifel, weil der Lauf der Welt weder ein deterministisches Uhrwerk noch völliger Zufall ist, und man _das Neue_ nicht vorherberechnen kann.

  35. Kenne jemanden der ein...
    Kenne jemanden der ein Spitzenklasse Wissenschaftler ist, der genau weiss, was es mit Wahrscheinlichkeiten und deren mathematischen Gesetzmässig-keiten (Fallstricken) auf sich hat, dennoch jeut er, wg. des Kicks. Wenn man sich die think tanks seit den Sechzigern bis bis in die Gegenwart und deren Ergebnisse in ihren precognition studies anschaut, dann kann einem schon das Grausen ankommen. Es ist bei Allem was wir tun, sei es noch so highsophisticated, immer fliesst ein Rest human touch hinein. Das kann man als tröstlich ansehen, rät aber auch dazu, unsere Fähigkeiten nicht zu überschätzen.
    Allein die Ziel(e)definition beinhaltet schon einen grossen Teil des Ergebnisses …..und wat schiefjehen kann, dat jeht ooch schief. diese Möglichkeit wird meistens ausgeklammert. Deswegen glänzen auch alle Projektprospekte so wunderschön und bunt, um diese Ungewissheit im Keim zu ersticken. Alle Expertisen für Gouvernments, Instutionen, Banken, Auktions-häuser etc. sollen doch das gewünschte positive prognostizierte Ergebnis stützen und nicht den Reinfall.
    Niklas Luhmann sieht in Organisationen, die Denkfabriken entsprechen, eine Antwort auf die – seiner Meinung nach – fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für eine Kopplung von Macht und Geld: „Man finanziert nicht Wahrheiten, sondern Organisationen, die sich um die Feststellung und Erforschung von Wahrheiten bzw. Unwahrheiten mehr oder minder erfolgreich bemühen. Mutatis mutandis ergibt sich eine ähnliche Situation bei der Konversion von Eigentum und Geld in Macht.

    clairvoyance, dat is et, colorcraze ;-) Man sollte sich viel mehr mit Kaffeesatz-lesen beschäftigen. Das ist etwas Handfestes.

  36. Ich wäre mit dem...
    Ich wäre mit dem Kaffeesatzlesen einverstanden, wenn man auch inquisitorische Strafen für erfolglose Hellseher einführte. Das Problem ist ja nicht so sehr, welchem Aberglauben die Auguren jeweils huldigen, sondern wie man sie daran hindert, den ganzen Laden an sich zu reissen.

  37. colorcraze, das ewige Problem...
    colorcraze, das ewige Problem der Sozialwissenschaften: die Sicherheiten der Naturwissenschaften wird es nie geben. Das mindert ja nicht die Erkenntnis, die sich mittels Annahmen und Modellen gewinnen läßt, nur eben keine absoluten Wahrheiten.
    .
    plindos, ich mag die Unberechenbarkeit des menschlichen Handelns. Bounded Rationality ist doch eines der spannendsten Arbeitgebiete überhaupt – nur sollten sich viele andere Fachgebiete davon etwas abgucken.
    .
    Observator, man könnte ja das schlechteste beider Ansätze kombinieren und die Kaffeesatzleser mit experimentellen Studien testen. Und danach die Parteien in den Ringkampf schicken. Oder so.

  38. Liebe Sophia A.A.I., lieber...
    Liebe Sophia A.A.I., lieber Plindos, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich hätte auch nichts gegen Sanktionen für erfolglose Prognostiker. So einiges von dem, was die treiben, ist auch Aberglaube, das versuchen Sie ja in Ihren Beiträgen so treffend zu entzaubern.

  39. Eine Frage: Ist die...
    Eine Frage: Ist die Information `Lakritz in der Suppe´ auch in der Küche ange-
    kommen?

  40. ...beim Küchenchef?...
    …beim Küchenchef?

  41. Observator, wir sind uns also...
    Observator, wir sind uns also einig: Sanktionen für alle!
    .
    Liebe Minna, da das Beweismittel verspeist worden war: leider nein. Man will ja auch gerade an solchen Abenden nicht mäkelig sein.

  42. Hat man sich innerhalb der...
    Hat man sich innerhalb der wissenschaftlich betriebenen Statistik schonmal
    mit dem bedauerlichen Einzelfall und ggf. mit dessen Häufung beschäftigt?

  43. Prognostik (incl....
    Prognostik (incl. vorausschauender Expierence) ist im Ruhrpott sehr beliebt:
    Sacht dea Mann zu die Frau: „Jibb dat Kind kein Fisch!“
    Wat tut die Frau:“Jibb dat Kind Fisch!“
    Wat tut dat Kind?
    Richtich jeraten: „Kotzt!“
    oder
    In der Versuchsanordnung: Anlass>Einladung>Dinner>Küche>Menü(Unvorhergesehenes: Dess Koches Kindchen besucht die Arbeitsstelle des Papas und schmeisst versuchsweise Lakritz in die soupe à la xyz brune) sind ja doch mehr als eine Variable enthalten, die allenthalben mehr oder weniger irrationales menschliches Handeln implizieren. Die Bestrafung des Delinquenten (Kind) scheidet da ja wohl nach heutigen Pädogogikgrundsätzen aus.
    Und hier kommt Task Force >minna< in´s Spiel: Bitte übernehmen!

  44. Observator@:Wg. dieser exemp....
    Observator@:Wg. dieser exemp. Versuchsanordnung, Sonderfall „Ladenansichreissen“ hatte man ja das GG unter den Augurenblicken der drei westl. Alliierten eingeführt. Schon Cäsar hatte da so seine Ambitionen.
    Schön der Ruf der Italiener zu Neujahr: „Auguri“ Drum schauet auf die Insignien:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Augur

  45. "Eine wahrhaft zufällig...
    „Eine wahrhaft zufällig Zahlenfolge sind hingegen die Nachkommastellen der Zahl Pi – auch wenn man gerade da gerne irgendeine Gesetzmäßigkeit vermuten würde.“
    Aber, verehrte Sophie, es GIBT DOCH eine Gesetzmäßigkeit – und zwar genau die, die man vorher benutzt hat, um die Stellen der Zahl Pi zu errechnen. Denn sie wurden errechnet, nicht erwürfelt.
    Übrigens witzig: Man kann nie von einer gegebenen Folge von Zahlen sagen, ob sie zufällig ist. Denn es gibt IMMER einen Algorithmus, der genau diese Folge erzeugen kann. Man muss ihn nur finden…
    Wenn man ihn gefunden hat, kann man die nächste Zahl errechnen und mit der neuen, um eines größeren Folge von Zahlen vergleichen. FALLS die Zahlen wirklich zufällig sind, dürfte der Algorithmus die falsche Zahl gegeben haben. Worauf die Suche nach einem neuen Algorithmus von vorne beginnt. Wir werden IMMER einen finden.
    Umgekehrt: WENN wir eine echte Zufallsfolge hätten (die Nachkommastellen von Pi sind’s nicht, aber vielleicht eine Zahlenfolge, die durch einen Prozess wie das Klicken im Geiger-Zählrohr entstehen könnte), könnten wir doch nie beweisen, dass es eine Zufallsfolge ist.
    Ziemlich verückt…

  46. rodion@: Man könnte es ja...
    rodion@: Man könnte es ja auch ohne die Zahl Pi versuchen:
    Die Erwartung, der Koch, das Menu, das Kind (mit Lakritz, aber von dem Gbr fernhalten) und das Galtonbrett:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Galtonbrett

  47. Rodion, die Stellen folgen...
    Rodion, die Stellen folgen aber keinem erkennbaren Muster und erfüllen alle Anforderungen an zufällige Zahlenfolgen: http://www.spiegel.de/…/0,1518,353818,00.html
    .
    plindos, warum hat mir dieses Brett niemand vorher gezeigt? Das wäre im Grundstudium unendlich hilfreich gewesen!

  48. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia@: Weil die Welt voller Neuigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten steckt….sobald man nur die richtigen Fragen stellt: Sesam öffne dich!

  49. @Plindos: Naja, man kann aus...
    @Plindos: Naja, man kann aus allem eine Wissenschaft machen, auch aus dem morgendlichen Eierkochen, nur die Ergiebigkeit dieses Aufwands für ein gutes Leben scheint mir doch eher gering, im Vergleich zum Herausfinden einer einigermaßen gut funktionierenden Alltagspraxis. Ich habe Zweifel, daß man mit weiterer Mathematisierung verschiedener Finanzaktionen groß was verbessern kann. Meiner Meinung nach sollte man eher am Verständnis des Geldes, seiner möglichen Einhegungen und des Finanzkapitals überhaupt arbeiten. Und im Verhältnis dazu Staaten und Organisationen; Luhmanns Ingenieursblaupausen kommen dem nicht bei, weil man bei sowas von Geschichte, Wertungen, Menschen, Zeitumständen nicht absehen kann. – Akzeptanz schaffen für die Kopplung von Macht und Geld durch Finanzierung von Forschern, Künstlern und Schreibern kannte doch wohl schon das alte Reich der Pharaonen, neu ist das wirklich nicht. Daneben finde ich eher die Vorstellung, Denken industrialisieren zu wollen („Denkfabrik“ – da sollen dann wohl theoretische Eier im Minutentakt gelegt werden. Aber ist das dann noch Denken? Das kann doch über Capricchios, schnell verschossene Einfälle und plattestes Epigonentum nie hinauskommen.). – Ich dachte ja zuerst, die Auguren seien die, die in den Leberli rührten, aber nein, das seien die Haruspices gewesen. Na gut, Vogelbeobachtung: wir haben hier seit letztem Jahr Eichelhäher. Letztes Jahr brachten sie uns eine Eichel in den Blumenkasten, die aber leider trotz Eintopfversuchen nichts wurde, dieses Jahr eine geröstete Erdnuß, die die Nachbarn ausgelegt hatten, und die sie dann wohl auf dem Baum verzehrten, nachdem mein Mann sie auf den Tisch gelegt hatte. Was davon zu halten ist, dürfen Sie sich selber ausdenken, wenn Sie wollen, mir fehlt da der phantasievolle Spieltrieb dazu.
    @minna („kam die Nachricht in der Küche an“): ja, daran dachte ich auch. Spätestens beim Bezahlen der Abschlußrechnung hätte ich das auf jeden Fall mitgeteilt.

  50. "schusch, das ist die...
    „schusch, das ist die intuitive Sicht und die hat ihre Berechtigung. Aber Investmentbanker, die ihre Strategie nach Bauchgefühl oder Intuition ausrichten, ohne die Odds für seltene Ereignisse zu durchdenken – das ist mir unsympathisch.“
    Mir ganz und gar nicht, wenn diese Entscheidung ein Konglomerat aus „Ahnung“ (sowohl so als auch so gemeint), „Erfahrungshorizont“, „Selbstvertrauen“ und „Risikobereitschaft“ ist, was irgendwie zueinander passt. Oder wie will man denn Unternehmertum, ja so im Schumpeter’schen Sinne, fassen?
    Ja, liegt aber auch nicht jedem, so Unternehmer zu sein. Vor allen nicht denen, die dazu gezwungen werden, damit sie vorübergehend aus der Statistik fallen. Liegt aber auch nicht jedem hochqualifizierten Zahlenschubser.
    Mit liegts leider auch nicht.

  51. "Übrigens witzig: Man kann...
    „Übrigens witzig: Man kann nie von einer gegebenen Folge von Zahlen sagen, ob sie zufällig ist. Denn es gibt IMMER einen Algorithmus, der genau diese Folge erzeugen kann. Man muss ihn nur finden…“
    Das ist natürlich richtig, rodion. Für endliche Zahlenfolgen. Deshalb beruht die Wahrscheinlichkeitstheorie ja auch auf unendlichen Zufallszahlenfolgen. Um die zu erzeugen, gibt es keinen angebbaren Algorithmus, das folgt eigentlich direkt aus dem, was Sie gesagt haben. Ob es in der Natur echten Zufall gibt, gehört wohl zu den unentscheidbaren Fragen, da haben Sie recht. Vogelschau’n mer mal.
    Plindos, so ein Brett konnten wir in meinem Studium noch in der Vorlesung sehen, nette Sache. Auguri ist witzig, das muss ich mir merken.
    Als ich vor ein paar Stunden hier reinschaute, hatte ich eine merkwürdige Sinnestäuschung. Um 19:54 stand ein anderer Name über dem Kommentar. Zufall?

  52. Die Geschichte mit dem per...
    Die Geschichte mit dem per Zufall in die Sauce gespuckten Lakritzbonbon gab’s schon mal in der Fernsehserie „Seinfeld“, wo ein im Operationssaal ausgespucktes Pfefferminzbonbon zufällig ungesehen in der offenen Wunde des Patienten landete und zu dessen unerklärlicher mirakulöser Heilung beitrug.

  53. Die Sache mit den...
    Die Sache mit den Lakrritzbonbons erinnert mich an die Geschichte des ängstlichen Fluggastes, der aus Gründen der Flugangst eine Bombe mit an Board des Flugzeugs schmuggelt. Als sein Mitreisender dies bemerkt und ihn nach den Gründen für das Mitführen der Bombe fragt antwortet der änglichste Fluggast: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Bombe an Board eines Flugzeiges befindet ist äußerst gering…aber das sich ZWEI Bomben an Board befinden ist ganz und gar unmöglich“.

  54. Ihre Thesen zum Thema Zufall...
    Ihre Thesen zum Thema Zufall sind einigermaßen abstrus und nur schwierig mit den Erkenntnissen der Mathematik in Zusammenhang zu bringen. Sind Sie wirklich sicher, dass das besprochene Buch für Sie unerträglich war, oder haben Sie es vielleicht einfach nur nicht verstanden?

  55. Hallo Sophia,
    ich bin seit...

    Hallo Sophia,
    ich bin seit Jahren Leser der FAZ und muss feststellen, dass der Sinn für Orthographie und Grammatik stark nachgelassen hat. Fehler wie „Daarüber“ lösen daher leider nur noch ein müdes Lächeln bei mir aus. Des Weiteren dreht sich mir als Mathematiker der Magen um wenn ich lesen muss, dass die Wahrscheinlichkeit eines Events A ansteigt, obgleich eigentlich die Gegenwahrscheinlichkeit gemeint ist. Ich habe das Buch leider nicht gelesen, jedoch lässt mich das – wie auch deine Schwester im Artikel – an der gesamten Kritik zweifeln. Schade!

  56. Mit welcher Wahrscheinlichkeit...
    Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist SAAI ein Mann?

  57. Ich finde die Betrachtungen...
    Ich finde die Betrachtungen der Autorin zur Wahrscheinlichkeit der weiteren Verseuchung des Essens nach Auffindung von Lakritz in der Suppe völlig falsch, denn „die Wahrscheinlichkeit, [k?]eine weitere Ekeligkeit auf dem Teller zu finden,“ ist mitnichten, abgesehen von der falschen Formulierung (der Kontext sagt mir, dass es ein und nicht kein sein sollte) „nie wieder geringer … als jetzt“. Von Zufall spricht man wenn man die Wirkzusammenhänge nicht kennt. Hier aber ist die Wahrscheinlichkeit, das das Personal bereits gelutschtes Lakritz in die Suppe spuckt, hoch. Damit erhöht sich für mich die a-priori-Wahrscheinlichkeit, dass das Personal weitere Ekelhaftigkeiten in der Küche verzapft, erheblich.

  58. colorcraze und minna: wir...
    colorcraze und minna: wir waren ja Gäste des Brautpaars…, da schien es irgendwie unpassend, sich zu beschweren. Andernfalls hätte ich mich selbstverständlich beschwert.
    .
    schusch, ich gebe zu: ich bin biased. Bei normalen Unternehmungen stimme ich zu – bei Investmentbankern nicht, weil die Hebelwirkung bei Derivaten so groß ist, da sollte man sich mittels Statistik gelegentlich die Grenzen klarmachen.
    .
    Observator, soll schon mal vorkommen. Oder es war ein Zufall?

  59. dunnhaupt, aber war das...
    dunnhaupt, aber war das Zufall? Oder die zufällige Entdeckung einer systematischen Heilmethode?
    .
    tov, darüber habe ich in den letzten Tag oft nachgedacht, denn genau das erzähle ich meiner flugänstlichen Mutter immer – und lag damit genauso falsch.

  60. "Keine Regel ohne Ausnahme",...
    „Keine Regel ohne Ausnahme“, dieses ist für deutsche Rechtsstaatsfanatiker, Gleichmacher und Weltverbesserer ein Schlag in die philosophische Zentralachse.
    Dementsprechen ist die Reaktion: „Was der Bauern nicht kennt, dat fritt er nit“
    Aber die Welt ändert sich, zB Alice Schwarzer schreibt für Bild. Wer hätte dies je gedacht…

  61. <p>Herrschaften, ich bin kein...
    Herrschaften, ich bin kein Mathematiker und dies ist keine Mathematik Vorlesung. Ich fand die ein oder andere These interessant und bedenkenswert, aber wollte ich die Dinge 100% korrekt aufschreiben, würde das zu lang, zu technisch, und es würde nur noch eine Minderheit interessieren. Darüberhinaus bin ich für Kritik immer offen, aber gerne so, daß es der Debatte zuträglich ist oder ich etwas dabei lerne. Ich bin übrigens auch kein Germanist und für gelegentliche Tippfehler entschuldige ich mich. Auch hier dürfen Sie gerne verbessern
    .
    andreas1, Sie haben selbstverständlich recht: es hätte EINE Ekeligkeit heißen müssen. Davon abgesehen kann ich mir unzählige Wirkungszusammenhänge vorstellen, von Nachlässigkeit beim Personal bis hin zu unheilbarer Lakritzsucht, aber die Mehrheit davon ist für mich nicht beobachtbar. Folglich blinde Spekulation, ich konnte ja schlecht die Zustände in der Küche kontrollieren gehen. Was ich subjektiv für valide Annahmen halte, ist Ansichtssache und ich halte alle möglichen Positionen für vertretbar. Mir ging es aber um den einen Punkt: nach einem solchen Vorfall denkt man, eine Wiederholung sei praktisch ausgeschlossen, und bildet sich ein, die Wahrscheinlichkeit für das zweite Mal sei verschwindend gering. Das aber stimmt vermutlich nicht – so wie auch der Würfelspieler unrecht hat, der glaubt, daß mit vielen Würfen ohne Sechs die Wahrscheinlichkeit für eine Sechs steigt. Das ist die Sache mit der Unabhängigkeit, über die oben schon diskutiert wurde. Ob sich das auf das Lakritzbonbon übertragen läßt, ist wiederum Ansichtssache.

  62. @kroetz1000 "Mit welcher...
    @kroetz1000 „Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist SAAI ein Mann?“ 50%, wie bei Nicholas Bourbaki? Es stimmt doch, dass, wenn nur zwei mögliche Resultate zu erwarten sind und man keine Anhaltspunkte dafür hat, welches wahrscheinlicher ist, 50% Wahrscheinlichkeit a priori eine vernünftige Arbeitshypothese darstellt, oder? Aber wenn es doch mehr als zwei Resultate geben könnte, was dann?

  63. Gewordene Tatsache
    .
    Zufall...

    Gewordene Tatsache
    .
    Zufall und Notwendigkeit, beides ist nicht zu trennen. Da aber auch der Zufall notwendig ist, stellt sich uns das alles als wahrscheinlich dar. Marx nannte diese Beziehung, anlehnend an Hegel, dialektisch, allerdings ging Hegel noch von einer geschlossenen Beziehung aus, einer solchen, die am Ende aufgeht, die Notwendigkeit siegen lässt, den Zufall beinahe eliminiert. Zizek nennt sie daher lieber eine „Parallaxe“, stark noch von der Spekulation um Kants „Ding an sich“ geprägt, denn er findet dazwischen eine Lücke, ein „Nichtsein“?, oder einfach nur den blinden Fleck, das was wir vielleicht als „Freiheit“ in der Notwendigkeit erkennen würden, den Bereich also, der immer unzählige Möglichkeit offen lässt. Es ist das „Ganze“, das „niemals abgeschlossen“ sein wird, das zählt (vgl.: http://blog.herold-binsack.eu/?p=1120). Ein Ganzes, das nicht abgeschlossen ist? Ein Widerspruch, aber ein fruchtbarer, denn Grund für jedes Werden im Sein, wie jedes Werden im Denken. Ewa so schwer zu verstehen wie ein endliches Universum, das sich in Richtung unendlich ausdehnt.
    .
    Die Frage, die sich hier stellt: Ist das alles objektiv oder einfach nur eine Konstruktion in unserem Denken?
    Beides wohl. Ein „Objektives“ gäbe es nicht, wäre es nicht erkennbar (das Kantsche Ding an sich bleibt daher ein Paradox, eines, das nicht erklärt, was ein unerkennbares Ding sei), doch kann es nur in Form einer Konstruktion, das Objektive gewissermaßen nachbauend, erkannt werden. Und da liegt sie schon, die Lücke, die Freiheit, die Möglichkeit, nennen wir es Zufall.
    .
    Denn das Objekt kann niemals völlig identisch sein mit der Konstruktion. Und daher (auch) ist die Konstruktion nicht abgeschlossen, unendlich erweiterbar, verbesserbar. Doch auch das Objekt entwickelt sich, entsprechend einer „inneren“ Logik, die allein auf Grund dessen, mit der des Konstrukts (mit der von außen zugeführten Logik) nicht völlig übereinstimmen kann. Selbst der Begriff des Algorithmus kann diese eben nur mathematisch, aber nicht systemisch, nicht systematisch, nicht intrinsisch, erfassen. Was bleibt ist die Lücke, sie ist objektiv wie subjektiv vorhanden. Und nicht nur in Folge einer Gegenständlichkeit des Dings für den Betrachter.
    .
    Freiheit ist daher machbar, aber weder als Notwendigkeit noch als Zufall, denn eher als Chance, welche weder die Notwendigkeit noch den Zufall zu ignorieren sucht.
    Die Zins- und Zinseszinsspekulationen, die im Übrigen mit Auslöser der letzten Krise waren, sind eben nicht Ausdruck einer solchen Chancenwahrnehmung, sondern wohl eher der Versuch einer Manipulation (der Märkte nämlich) gewesen.
    .
    Wenn spekuliert wird, dass der durch Spekulation künstlich hoch gehaltene Wert einer Immobilie dauerhaft schneller steigt als durch Hypothekenzinsen dagegen gehalten wird, dann ist das nichts anderes als ein Zirkelschluss oder anders ausgedrückt: die Idee (die Illusion) von einem perpetuum mobilem in Bezug auf Geldmachen. Diese Illusion konnte nur dort entstehen, wo das Geldmachen nicht verstanden wird, nämlich als Mehrwertabschöpfung, also als Abschöpfung von etwas, was i s t , und nicht was vielleicht sein wird.
    .
    Letztlich läuft diese Spekulation darauf hinaus, dass das was vielleicht mal sein wird, sich schneller darstellt, als das was ist.
    Das aber ist eine direkte Folge eines durch Computersimulationen verwirrtenVerstandes.
    Die Bilder/das Konstrukt mögen ja schneller sein, doch die objektive Wirklichkeit ist trotz allen Werdens immer nur Sein, Gegenwart, wenn auch gestreckte, Endlichkeit, wenn auch in Richtung unendlich mögliche.
    Die Wirklichkeit kommt zuerst, dann das Abbild. Das Sein bestimmt das Werden wie übrigens auch das Bewusstsein bzgl. eines solchen. Die Möglichkeit steht nicht außerhalb, sondern nur innerhalb von Notwendigkeit und Zufall. Sie ist keine neue Realität, keine „Hyperrealität“, sondern folgt der Realität, die, wenn sie ist, wie sie ist, keine Möglichkeit mehr enthält, sondern gewordene Tatsache ist.

  64. Ein zentrales Problem ist,...
    Ein zentrales Problem ist, daß es verschiedene Arten von Zufall gibt (wie ganz oben bereits angemerkt) und daß man erst hinterher (manchmal) ableiten kann, welche es gewesen ist.
    Einigermaßen rechnen kann man nur mit ein paar wenigen davon, die haben Namen wie Poisson oder Gauß. Für die Berechnungen der Finanz werden diese nun verwendet, nicht weil sie stimmen, sondern weil man damit rechnen kann! Im Prinzip ist das auch den Banken bewußt – die geben nämlich nicht nur viel Geld aus für Analysten, die mit Gaußverteilungen rechnen, sondern außerdem auch noch für „Chartanalysten“, die das Gegenteil annehmen, daß nämlich psychologische Faktoren wichtiger sind als der Zufall. Wieso sollte sonst der Dax eine „wichtige Barriere“ bei genau 6000 haben? – der Computer sieht das als 1011101110000.
    Wenn auch Taleb oft schrill und recht selbstgefällig daherkommt – wenn nur ein paar seiner Leser und Leserinnen etwas mißtrauischer werden gegenüber Zahlen, die von irgendwelchen Experten vorgezeigt werden, dann wäre das schon ein Gewinn.
    Die von ihm kritisierten Prognoserechnungen werden nämlich nicht nur von durchgeknallten Investmentbankern verwendet, sondern sind auch Grundlage der offiziellen Regularien, mit denen der Sicherheitspuffer für Banken berechnet wird. Vor knapp zwei Wochen wurde immerhin der Beschluß gefaßt, diesen Puffer deutlich zu erhöhen…

  65. kroetz und pardel: angesichts...
    kroetz und pardel: angesichts des Namens dürfte die Wahrscheinlichkeit doch etwas höher als 50 % liegen, daß ich eine Frau bin, oder?
    .
    Devin08, ich bin wenig philosophisch veranlagt (und null Ahnung, fachlich gesehen), daher erlaube ich mir, zu 100% an den freien Willen zu glauben, im Rahmen dessen, was die Zufälle des Lebens als Grenzen vorgeben. Oder so.
    Der Kapitalmarktspekulation hingegen täte weniger freier Wille nur gut.
    .
    exilastronom: gerade weil ich Talebs kritische Ansichten zum menschlichen Umgang mit Zahlen teile, wollte ich das thematisieren, trotz meiner intellektuellen Unzulänglichkeiten. Vieles spricht mich an, der Ton hingegen nicht, aber darüber zu reden, kann nie schaden. Bis zur Umsetzung von Basel III hingegen werden wohl noch einige Jahre des Tauziehens und Aufschiebens vergehen.

  66. Als Determinist gehe ich davon...
    Als Determinist gehe ich davon aus, dass bereits beim Urknall das unglückliche Lakritzbonbonereignis angelegt war. Kann man nichts machen, als auf ein neues Universum warten … So ist das sehr bequem für mich, wei mir diese Sichtweise den Kopf frei hält – vor allem frei von Religion.
    Als mit Statistik und ökonomische Modellen vertrauter Mensch möchte ich Joanne Robinson zitieren: „Ein Modell, das die ganze Buntheit der Wirklichkeit berücksichtigte, würde nicht nützlicher sein als eine Landkarte im Maßstab Eins zu Eins.“ Für diesen schönen Satz könnte ich sie küssen.
    Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie sind nicht dazu da, jede Abhängigkeit von Ereignisse aufzudecken, sondern Ereignisse und Prozesse unter zumutbarer Unkenntnis einer Restmenge von Einflussgrößen zu verstehen, zu modellieren und ggfs. zu prognostizieren.
    Zum Lakritzbonbon selbst: Sie haben dort vielleicht 30 min gegessen. Die Menge der Bonbons, welche innerhalb dieser 30 Minuten zum Suppentopf gelangen und in ihn hinein fallen könnten, nahm bereits um 1 ab. Angesichts der Tatsache, dass es noch mehr Suppentöpfe in anderen Restaurants gibt, wäre die Wahrscheinlichkeit tatsächlich gesunken, dass ausgerechnet die Schwester einen weiteren findet. Aber nur solange die Lakritzbonbonproduktion und der -transport die verfügbare Menge nicht konstant halten oder erhöhen. Aber auch diese Logik hat ihre Macken.

  67. @Devin08: jo, so in etwa sieht...
    @Devin08: jo, so in etwa sieht das aus.
    @Sophia: selbstverständlich, das ist Sache der betroffenen Braut, der Organisatoren und Rechnungsbezahler, es wäre sehr ungehörig, wenn die Gäste, die die richtige lakritzlose Suppe erhalten haben, sich da einmischen würden.
    @Diel: der Glaube an vollständigen Determinismus ist doch nur eine Verpackung für Entscheidungsfeigheit.
    @Plindos („clairvoyance“): oh, solche leichtfertigen Manipulationsversuche sind schon König Midas schlecht bekommen.

  68. @colorcraze

    "@Diel: der...
    @colorcraze
    „@Diel: der Glaube an vollständigen Determinismus ist doch nur eine Verpackung für Entscheidungsfeigheit.“
    War nicht ernst gemeint. Ich kenne auch keinen Deterministen, der sich als Sklave der Ereignisse begreift. Aber es scheint eine reizvolle Sicht auf die Welt zu sein … immerhin sind dann die Begriffe Zufall und Wahrscheinlichkeit wertlos und man riecht schon das absolute Wissen. Der Knackpunkt ist die Frage, ob die uns bekannten nicht-deterministischen physikalischen Prozesse ihre Wirkung auf der Ebene unserer Entscheidungen überhaupt entfalten – m.a.W. ob unser Gehirn von Quanteneffekten betroffen ist. Gemeinhin nimmt man an, dass auf der Ebene von Proteinen, Neurotransmittern und Hormone keine Quanteneffekte relevant sind und wir deshalb deterministische „Maschinen“ sind. Das ist ungefähr der Ansatz von neurobiologischen Deterministen wie Wolf Singer oder von früheren Physikern wie Erwin Schrödinger.

  69. "Ein Modell, das die ganze...
    „Ein Modell, das die ganze Buntheit der Wirklichkeit berücksichtigte, würde nicht
    nützlicher sein als eine Landkarte im Maßstab Eins zu Eins.“
    .
    Werter Diel, ich schließe mich Ihrer Begeisterung für diesen Satz an.
    Nur hab ich als Laie und Medienkonsument das Problem, daß versucht wird, mir und anderen genau das Gegenteil davon weißzumachen; d.h. man macht
    glauben, man kann „Alles“ steuern, da man ja über „alternative Erkenntniswelten“ verfügt.

  70. Diel, der Satz ist großartig,...
    Diel, der Satz ist großartig, keine Frage. Problematisch wird es, wenn Menschen Modelle anwenden und vergessen, daß sie immer eine Vereinfachung der Realität bedeuten – was mir oft genug der Fall zu sein scheint.
    @Determinismus: wäre die Welt ohne Zufälle nicht aber auch wesentlich langweiliger?
    .
    minna, siehe oben. Stimme zu.

  71. @D_Diel
    Nichtlineare...

    @D_Diel
    Nichtlineare deterministische „Maschinen“ können schon ohne Quanteneffekte unvorhersagbar genug sein, um nicht so ohne weiteres vorherberechnet werden zu können. Merkwürdigerweise könnte so etwas wie „freier Wille“ sogar in einer deterministschen Welt auftreten. Praktisch immer, wenn von freiem Willen die Rede ist, geht es um Interessenskonflikte, entweder innerhalb oder zwischen Personen. Die hätte man auch in einer deterministischen Welt, wenn innerhalb und zwischen den Individuen, bzw. den Umwelten genügend Varianz vorliegt. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich bin kein lupenreiner Determinist. Ich habe nur den Verdacht, dass diese Frage nicht entscheidbar sein könnte und dass sich einige Neurobiologen zu weit aus dem Fenster lehnen. Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass es auch in einer deterministischen Welt sinnvoll und nötig sein könnte, Freiheit einzufordern.

  72. @Sophia
    Ich finde es auch...

    @Sophia
    Ich finde es auch besonders schön, dass der Satz von einer Frau stammt, die sich (in den 50ern) in einer Männerdomäne behaupten musste. Von heutigen männlichen Ökonomen wird sie immer noch als „streitbar“ bezeichnet.
    .
    Um mal bei Statistik zu bleiben: wenn ich ein Modell bastele, welches mir, sagen wir, 78,4% der Varianz meiner zugrundelegenden Daten erklärt, habe ich 21,6% Unsicherheit. Aber 78,4% ist noch recht gut. Wenn ich jetzt entscheiden müsste, auf Basis dieses Modelles 12 Mrd € auszugeben, würde mir ein bisschen schlecht werden. Für die Menschen, die solche Entscheidungen treffen, ist es eine Frage von Professionalität, sich nicht verunsichern zu lassen. Und vielleicht haben wir deshalb eine Ordnung geschaffen, in der niemand direkte, vollständige Verantwortung übernehmen muss für die Fälle, in denen das Modell nicht funktioniert hat.
    .
    Achso: nehmen wir einfach mal an, die Welt sei deterministisch. Würde ihr Leben uninteressanter, nur weil sie das wüssten? Würde irgendein Gott heute nachmittag an der Currybude da unten verkünden, die Welt sei deterministisch, wüssten wir ja auch nicht mehr als das und dürften all uns Sorgen und Freuden behalten und ausleben.
    .
    Übrigens mag ich Ihre Texte.

  73. @Observator
    Wenn die Welt...

    @Observator
    Wenn die Welt deterministisch ist, existiert kein freier Wille. Dann ist jeder von uns unfrei und unser Bewusstsein notiert lediglich die Gedanken und Handlungen, welche unser „Organismus-System“ bereits bewerkstelligt hat. Damit hinkt unser vermeintlich freies Denken der Realität immer etwas nach und jede gedankliche Analyse oder Rechtfertigung einer Handlung ist irrelevant.
    Nicht-lineare deterministische Systeme ist ein anderes Begriff für temporär deterministische Systeme, deren Zustand sich chaotisch verändern kann. Damit haben wir einen Determinismus light, dem langfristige Nicht-Determiniertheit innewohnt. Das ist meines Erachtens ein Oxymoron.
    Ich bin überzeugt, dass wir niemals soviel über unser soziales System wissen werden (also über uns), um die Relevanz dieser Frage überhaupt jemals nachweisen zu können. Deshalb leben wir, als ob wir frei wären. Und dann sind wir es auch. Wenn ich irre, würden wir in einer deterministischen Welt mit ausreichend Information die Zukunft vorhersagen und nicht (!!) ändern können. Das klingt absurd, oder?

  74. D_Diel, ich danke für die...
    D_Diel, ich danke für die Blumen, das entschädigt mich ein bißchen für die fachliche Prügel, die ich heute (sicher nicht ganz zu unrecht) eingesteckt habe. (Denken Sie sich hier ein ironisches Augenzwinkern).
    Eine deterministische Weltsicht würde natürlich am Gang der Dinge nichts ändern, aber doch vielleicht an der Wahrnehmung. Ich jedenfalls schätze das Gefühl, daß alles immer auch anders kommen kann, daß jeder Tag Überraschungen bereithält und die letzte Entscheidung immer bei mir liegt. Gefühlt, zumindest.

  75. Kritik erwünscht
    @colorcraze:...

    Kritik erwünscht
    @colorcraze: Danke, aber Sie dürfen mich verbessern. Das ist ein Thema, das nicht aufhört mich zu beschäftigen.

  76. Keine Frage, Taleb schreibt...
    Keine Frage, Taleb schreibt etwas „laut“ – aber bereits dafür gibt es mehrere mögliche Gründe wie zB persönlicher Stil, kulturelle Prägung (nach Ansicht des Kabarettisten K. Beikircher klingt z.B. das Hessische „immer etwas belaaidischt“), Ausdruck der Verzweiflung, weil keiner zuhört…..
    Am besten liest man ihn mit etwas Watte im Kopf.
    Genauer betrachtet gibt es bei der gängigen Rechenmethode ja sogar noch ein zweites Problem: selbst wenn sie richtig wäre, wird sie meist falsch interpretiert. Eine typische Aussage ist z.B.: „mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9% ist der Verlust bei dem Geschäft nicht höher als 73″ – wozu die oft vergessene Ergänzung aber lautet: “ und bei den restlichen 0,1% ist auch der Fall dabei, daß der Verlust wesentlich höher ist als mein gesamtes Vermögen“. Normalerweise werden eben nur die 73 versichert – was kann bei 99,9% Sicherheit schon schiefgehen?
    Dies war aber jetzt nur unter der Voraussetzung, daß die Rechnung stimmt – was aber in vielen Fällen offensichtlich falsch ist (die Verhältnisse von Roulette, Würfel & Co stimmen eben nicht überall!): nicht nur auf dem Finanzmarkt, wo plötzlich Zahlen sehr weit außerhalb jeder berechneten Varianz vorkommen können, sondern auch dann, wenn z.B. ein „Jahrhunderthochwasser“ 7 Jahre nach dem vorherigen kommt.
    Wer es übrigens bei dem Thema etwas ruhiger mag, dem sei B. Mandelbrot empfohlen („Fraktale und Finanzen“).

  77. Liebe Frau...
    Liebe Frau Infinitesimalia,
    Interessant, also es sind wieder einmal die versteckten Annahmen, wie bei (fast) allen Kommunikationsproblemen. Ich nehme an, dass die Lakritzaffäre und potentielle weitere Vorfälle in der Mehrheit der denkbaren „Küchen-states-of-the-world“ abhängig zusammenhängen, es also für mich eindeutig eine Nichtwürfelsituation (unabhängige Versuche) ist. Sie nicht. OK, darüber kann man nicht so gut diskutieren, das ist wie Kunst- oder Wurstgeschmack. Vielen Dank für die Klarstellung.
    Taleb ist ein arroganter Blasebalg, keine Frage. Ich habe mal seinen „schwarzen Schwan“ gelesen, das war ähnlich unerträglich. Liest man ihn, glaubt man er sei der Einzige, der das alles verstanden hat. Es gibt vermutlich bessere Bücher, mit soliderer Einführung in Wahrscheinlichkeits-Mathe vorrangig in Prosaform und nicht so von oben herab, zB Dan Borges „The Book of Risk“ oder Ian Hackings Bücher…

  78. @D_Diel 14:34
    Nichtlineare...

    @D_Diel 14:34
    Nichtlineare usw. sind ja (zumindest in der Theorie) völlig deterministisch, nur nicht langfristig vorherberechenbar (jedenfalls nicht in kleineren Auflösungen), weil schon kleinste Messfehler zu völlig anderen Vorhersagen führen. Man muss hier unterscheiden zwischen dem System und der Modellierung des Systems, das man zur Vorhersage verwendet, daher wäre es in diesem Sinne kein Oxymoron, sondern eine Erkenntnisgrenze.
    „Wenn ich irre, würden wir in einer deterministischen Welt mit ausreichend Information die Zukunft vorhersagen und nicht (!!) ändern können. Das klingt absurd, oder?“
    Ja, genau das ist die Pointe des Determinismus. Er wäre nur ernstzunehmen, wenn die Zukunft sicher vorhersagbar wäre – und dann wären Vorhersagen nutzlos, weil nichts zu ändern wäre, das haben Sie genau auf den Punkt gebracht. Freiheit erwächst aus Ungewissheit, ob sie nun im Gewebe der Welt angelegt oder nur eine Illusion ist. Selbst wenn sie nur ein absurdes Sprachtheater wäre, würde ich sie nicht missen wollen.
    Werte Frau Infinitesimalia, ich dachte erst, der Taleb wäre kein lohnendes Thema, doch ich habe mich geirrt. So tief gegründelt wurde noch nie.

  79. @Andreas1

    Wurde eigentlich...
    @Andreas1
    Wurde eigentlich jemals bewiesen, dass zwei Würfe beim Würfeln voneinander unabhängig sind? Im Lichte der modernen Physik kann man das bezweifeln und landet bei der Erkenntnis, dass zum Zwecke der Modellierung die Annahme weitestgehender Unabhängigkeit sinnvoll ist. Abhängigkeit im Bereich von „lächerlich“ bis „juckt mich nich“ zu betrachten ist doch keinem Wissenschaftler zuzumuten. Da käme man ja nie bis zur Publikation.

  80. exilastronom, am...
    exilastronom, am unangenehmsten finde ich das Bedürfnis des Autors, andere dauernd niedermachen zu müssen, Händler, nicht-Wissenschaftler, MBAs und wer ihm sonst noch alles nicht das Wasser reichen kann oder darf.
    .
    andreas1, ich finde, über sowas kann man wunderbar diskutieren und am Ende überzeugt man sich oder geht mit unterschiedlichen Meinungen auseinander – solange der Diskurs nur Freude macht. Eventuelle Unterschiede haben aber in diesem Fall doch vor allem damit zu tun was man — für wahrscheinlich hält.

  81. Liebe Frau Infinitesimalia: Na...
    Liebe Frau Infinitesimalia: Na gut, dann diskutieren wir eben:) Ich finde in der gegebenen Situation Ihre Unabhängikeitsannahme sehr unwahrscheinlich.
    Lieber D_Diel: Beweis? Weiß ich nicht. Sicher haben Sie recht: Wenn wir die Würflerin in einem Green Room filmen, ihre Handbewegung in James Camerons Motion Capture Technology erfassen, diese Daten dann in eine Halle voller Blue-Gene-Terraflop Computer speisen und diese dann die Antwort (wahrscheinlich 42:) ausspuckt, dann kann man das Würfelergebnis determinieren. „Aber:…“ um mit dem großen Torwart und Finanzexperten Oliver Kahn aus einem seiner Werbespots zu sprechen: „… wer will das schon?“
    Jedoch impliziert meiner Ansicht nach die moderne Physik, dass wenn die zu determinierenden und dann als vernachlässigenswert befundenen Effekte immer kleiner werden, also kleiner als Würfelabwurfwinkel und -höhe usw., dass wir dann bei Heisenberg, Schrödinger und seiner permanent halbtoten Katze landen, oder nicht? Und dass die Wahrscheinlichkeitsrechnung mit ihren ewigen Würfel- und Münzmodellen doch recht sinnvoll ist…

  82. andreas1, am Ende ist es ja...
    andreas1, am Ende ist es ja alles nur ein Hilfskonstrukt, das uns die Realität berechenbarer machen soll. Ich bewundere Personen, die Grundlagenforschung betreiben, finde das auch äußerst sinnvoll, aber mir selbst geht diese Neugier ab, dafür bin ich zu pragmatisch. Als Lehre nehme ich jedoch mit, daß Wahrscheinlichkeiten viel komplizierter sind, als man meinen sollte – und der Mensch für den Umgang damit nicht optimal geschaffen ist.

  83. (Ich war auf Weinprobe)
    So mir...

    (Ich war auf Weinprobe)
    So mir bekannt, haben die 68er das Thema schon bearbeitet: Determinismusdebatte. Warum gehen wir demonstrieren, wenn die Welt determiniert ist? Antwort: Sie ist determiniert, wehren muss man sich aber trotzdem.
    Ich habe für mich den „disziplinierten Determismus“ erfunden: Mitten im Wald begegnet dir ein Mädchen mit (natürlich) roter Kopfbedeckung. Du sagst: Mädchen, geh nach Hause, sag deiner Mutter, dass sie eine böse Hexe ist und hol dir ne Kopfbedeckung in anderer Farbe.

  84. T-Rex, das Thema wurde von...
    T-Rex, das Thema wurde von allen möglichen Personen und Gesellschaften bereits beackert. Ich finde es jedes Mal spannend, wohin die Diskussionen hier am Ende führen – ganz besonders, wenn ich dabei noch was lernen kann!

  85. Gerade in einer Diskussion...
    Gerade in einer Diskussion über Zufall und Wahrscheinlichkeit auf Vertreter des Determinismus zu treffen zeigt doch nur die Anmaßung einiger Neurowissenschaftler, die nach Theologie, Philosophie und Jura jetzt auch noch auf die Mathematik einprügeln.
    Insofern sei das Giftgeschenk mit freundlichen Grüßen zurückgeschickt. Ohne Möglichkeit keine Wirklichkeit. Ohne Wirklichkeit keine Möglichkeit. Freiheit immer in Verbindung. Wo ist da ein Oxymoron? Der Laplacesche Dämon ist mir von seiner strukturfunktionalistischen Konzeption her einfach zu weltfremd, aber gut, man kann ihn ja Gott nennen und sich selbst einen Deterministen. WahrScheinlich fühlt man sich ihm dann trotzdem nicht nah, aber zumindest ein Stück größer als man sich ureigentlich wähnt.

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