Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Das Internet, ein konstruierter Leviathan?

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worin auf dygitale Leinwändt hingeworffen wird ein Büldnis dero Monstrosithäten, welche im Netz zu finden seyen, wann man Medien und Politikerei glauben mecht, was zu thun aber mitnichten weise sey.

worin auf dygitale Leinwändt hingeworffen wird ein Büldnis
dero Monstrosithäten, welche im Netz zu finden seyen
wann man Medien und Politikerei glauben mecht,
was zu thun aber mitnichten weise sey.

Nicht nur das Internet, auch seine Darstellung hat gewisse Moden. Zum einen wird das gesamte Netz in der Bereichterstattung auf einige wenige kommerzielle Anbieter reduziert. Facebook und Google sind derzeit einfach mal das Internet. Sie sind die Gallionsfiguren, an denen sich alles Berichtenswerte aus dem Netz festmacht. Klassische Massenmedien benötigen solche memetisch-populären Anker, damit jeder Leser versteht, worüber man spricht.

Zum anderen gibt es das Bild eines Dämons: Mal ist es die unerlässlich saugende Datenkrake, die sich unserer intimsten Geheimnisse bemächtigt. Mal ist das Netz ein Moloch, in dem Pornografie und Gewalt unsere Jugend verderben, und amoklaufende und kinderschändenden Soziopathen züchtet. Oder es ist generell ein rechtsfreier Raum ohne moralischen Kompass, in dem der Terrorismus zügellos wachsen kann. Das Internet ist ein gnadenloser Zeit- und Intelligenzfresser, das uns unsere Konzentrationsfähigkeit raubt, und uns förmlich dazu zwingt, immer „on“ zu sein und vereinsamt Kurznachrichten in die Welt zu rotzen. Das Internet als großer Reputationskiller, der unsere Jugendsünden auf ewig abrufbar macht, und uns regelrecht in eine Hartz IV-4 Existenz zwingt. Das Internet gilt als Sammelbecken von Raubkopierern und Scheckkartenbetrügern, Virenbastlern und windigen Dialerabzockern, die nur darauf warten, uns das Geld aus den Taschen zu ziehen. Das Internet ist abgrundtief böse, und bedroht die gesellschaftliche Ordnung und das kulturelle Niveau.  

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Das ist die düstere Seite, die nach meinem Gefühl derzeit verstärkt durch die Medien verbreitet wird. Natürlich sind diese Ängste nicht unbegründet, natürlich ist das Internet nicht nur eine heile Flauschewelt mit Feen und Elfen. Dennoch sollten wir uns sehr wohl fragen, ob die selbsternannte objektive Berichterstattung wirklich frei von Eigeninteressen ist. Das Internet ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wenn das Internet so ist, wie es ist, dann liegt das daran, dass deren Nutzer sich darin so geben, wie sie sind und sein wollen. Das Internet als abstraktes Monster, als Leviathan, den man so völlig von uns Menschen abtrennen kann, existiert nicht, und wäre nachgerade schizophren. Wir alle sind das Internet und entscheiden Tag für Tag, wie es aussehen soll. Nicht die Maschinen lenken uns, wir lenken die Maschinen.  

Aber warum wird dieses negative Bild derzeit so beliebt? Die großen klassischen Medienformate und -marken bestimmen immer noch maßgeblich mit darüber, was das Volk denkt und meint. Umgekehrt entnimmt die breite Masse der Gesellschaft ihr Wissen, ihre Meinung aus den klassischen Medien, ihren Leuchttürmen in der unüberschaubaren komplexen Welt. Genau diese Leuchttürme sehen sich aber in ihrer Existenz bedroht. Vor einigen Jahren war das noch anders: Das Internet wurde als irrelevant und unwichtig belächelt, denn als Gefahr gesehen. Je mehr Menschen sich aber in kleine Grüppchen, in unkontrollierbare Netzwerke und Kleinstkanäle zurückziehen, desto schwerer wird es für das eigene Geschäftsmodell: Die Einnahmen fließen aber nur dann reichlich, wenn ein Medienformat es schafft, möglichst viele Menschen an einem Punkt zu versammeln, um möglichst viele Werbeflächen zu verkaufen.

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Doch die Einnahmen sinken durch die Zersplitterung, aber auch durch die schwindende  Zufriedenheit.  Anstelle von Entwicklungen für Kundenzufriedenheit und Differenzierung schlägt man eine andere Richtung ein, und spart am falschen Ende. Personal wird eingespart, Geschichten werden eingedampft oder von Agenturmeldungen abgeschrieben, die Differenzierung zu anderen Medienformaten verschwindet, und damit auch die Attraktivität für die Kunden. Statt in Breite und Tiefe zu investieren und Werte zu erschaffen, dampft man alles zu einem kleinen gemeinsamen Nenner ein, der auf jeder oder Aggregationsplattform zu bekommen ist: „Zeige alle 725 ähnlichen Artikel zu diesem Thema“. Die im Netz verfügbaren Inhalte bestehen dann oft aus austauschbaren visuell überreizten Klickstrecken (mal hier etwas Sex, mal dort eine Leiche), überzogenen Überschriften und Klatsch und Tratsch der A- und Z-Kategorie, den sogar des Lesers Wellensittich gut verstehen kann. Daran ist nicht das Internet schuld, daran die ist Unternehmenskultur, die Strategieabteilungen, das Management, das Geschäftsmodell schuld, und der feste Glaube, dass einzig und allein Masse das Überleben journalistischer Geschäftmodelle garantieren kann. Ein fataler und unzeitgemäßer Irrtum. 

Das einzige Gegenmodell lautet dann immer gleich: Bezahlinhalte. Aber das Internet ist nicht nur ein abgrundtief böser Ort, sondern mit seiner Gratiskultur auch noch umsonst. Auch das ist eine Fehleinschätzung: Im Jahr 2008 betrug der weltweite Gesamtumsatz in E-Commerce bei 7,4 Billionen Euro. Vielleicht sollte man sich einmal die Mühe machen, ein genaues Augenmerk auf die Attraktivität der eigenen Waren zu legen, den notwendigen Mehrwert zu entdecken – oder überhaupt erst zu erschaffen. 

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Ein weiterer Denkfehler in Bezug auf die „Gratiskultur“  liegt darin, dass diese Kultur bereits vor dem Internet von den Medien und dessen deren Finanziers selbst mit herangezüchtet wurde: Durch das beschriebene Geschäftsmodell der Werbeschaltungen. Die Nutzer wussten auch vorher schon, dass sich alle private Medien hauptsächlich mit Werbeeinnahmen finanzieren. Jemand anderes zahlte für sie die Rechnung, dafür nahm man Unterbrecherwerbung in Kauf. Natürlich bezahlte man für das bedruckte Papier und den Vertrieb drauf, aber durch den Wegfall der Druckkosten fiel auch die Bereitschaft weg, für weiterhin werbefinanzierte Inhalte zusätzlich auch noch Geld zu bezahlen. Gleichzeitig propagierte die Werbewelt in ihren Anzeigen und Advertorials eine Leben voller Geiz, Überfluss und unstillbarem Verlangen. Wir Konsumenten sollen möglichst alles kaufen, aber um es uns überhaupt alles leisten zu können, müssen die Produkte billig sein. Und um alles billig zu machen, müssen wir an Qualität, Würde und Anstand sparen. Wir beuten hinten herum aus, um vorne herum wieder einzusacken. „Geiz ist geil“ und „Man gönnt sich ja sonst nichts“ waren jahrzehntelang – auch teils vor dem Internet – die Leitmeme unserer Gesellschaft, maßgeblich geprägt durch die Werbeindustrie und Unternehmenskultur der großen Markenkonzerne. An dieser Stelle geht meine Hochachtung übrigens an Amir Kassaei, der als einer der obersten Vertreter der Werbeindustrie genau diese Misere öffentlich in einem Interview der Süddeutschen anprangert, obwohl er selbst jahrelang bei diesem Spiel mitgewirkt hat.

Neben den Medien poltern auch die politischen Systeme gegen das Internet, die durch die fortschreitende radikale Transparenz und Verbreitung von Informationen nicht mehr in der Lage sind ihre konventionelle Machtpolitik auszuüben. Wissen ist Macht, aber eben auch nur dann, wenn es auf der anderen Seite ein entsprechendes Unwissen gibt. Erst durch diese Asymmetrie der Informationen kann ein Machtgefälle richtig funktionieren. WikiLeaks ist derzeit eine enorme Bedrohung im Kontext von Machterhalt und Machtausübung. Vor dem Internet wäre das Durchsickern von Informationen zwar möglich gewesen, aber sicherlich wären diese Informationen niemals dauerhaft öffentlich so einfach zugänglich gewesen. Kein Wunder also, dass immer wieder im Zusammenhang mit WikiLeaks entsprechende Diskreditierungsversuche auftauchen. Doch nicht nur diese Form der radikalen Transparenz ist so bedrohlich, hinzu kommt noch parallel die enormen interaktiven Möglichkeiten des gemeinen Volkes. Plötzlich formiert sich der Unmut, möglicher Protest wird in Windeseile visualisiert und von Teheran bis Stuttgart vor Ort organisiert. Demos werden koordiniert, Aktionen geplant und erfolgreich umgesetzt.

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Mangelnde Visions- und Utopieschübe der sogenannten Netzkultur sind dagegen nicht hilfreich, um dem Bild des Leviathans entgegenzuwirken. Viele selbsternannte „Digital Natives“ und „Social Media Experten“ sind viel zu sehr damit „geschäftigt“, sich über ihre neusten Apps, Gadgets, Strategien, Statistiken, Monitoringergebnisse und Monetarisierungspotenziale auszutauschen, statt der Dämonisierung mit Gegenargumenten die Stirn zu bieten. Sie verpassen es gerade, den Menschen erklären, was das Internet uns an positiven Potenzial – über blanke Profite hinaus – liefern kann. Stattdessen spotten sie zusätzlich über die teilweise sehr berechtigten Ängste von nicht netzaffinen Menschen, und spielen somit den Interessen der bedrohten Systeme zu. Es mangelt ihnen an bewegenden Geschichten und Zukunftsvisionen, die allen vor Augen halten, was mit dem Internet möglich ist. In der Streetview-Debatte ist das Argument des Mehrwerts für einen Maklers natürlich mehr als schwach. Es geht darum zu überlegen, wie wir gemeinsam die bestehenden Systeme so gestalten, dass sie transparenter, demokratischer und qualitativ hochwertiger werden, und einen Wert für alle liefern. Es geht darum, die Lebensqualität zu verbessern, und zu verstehen, dass sie erst ansteigen kann, wenn wir auch die Lebensqualität anderer Menschen verbessern. Das Internet und all die Chancen, die damit zusammenhängen, der interkulturelle Austausch, die Wissensvernetzung, die Informationstransparenz, der freien Handel der demokratische Grundgedanke, den so viele Staatsführer schnell auf den Lippen haben, das alles wird derzeit massiv duech Angst und Kontrollmaßnahmen bedroht. Das muss aufhören. Und zwar jetzt. 

————————- o ————————-

Patrick Breitenbach gründete 2003 „Werbeblogger.de„, das schnell
zum führenden und mitunter auch gefürchteten Fachblog
der Weisspulverbranche wurde.  Heute ist er
Head of Communication & Content
an der Karlshochschule
in Karlsruhe.

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52 Lesermeinungen

  1. Großartig. Und wunderbar...
    Großartig. Und wunderbar geschrieben.
    Das spricht mir aus dem Herzen. Besonders:
    1. Die Eigeninteressen der Medien
    2. Die Angstmache in der Politik.
    Der Resonanzraum in der Bevölkerung ist leider noch sehr groß dafür.
    >> Wir müssen aufklären, danke für den Beitrag.
    Bei den digitalen Großmächten empfehle ich trotzdem eine skeptische Haltung: Macht und Verantwortung sind zwar die zwei Seiten einer Medaille, trotzdem bin ich nicht sicher, wie stabil das Wertegefüge dieser Unternehmen ist, zumal sie eine junge Kultur haben. Hier sei verwiesen auf das aufklärende Buch von Ibrahim Evsan: Der Fixierungscode.

  2. <p>Freiheit.</p>
    <p>Im Spiegel...

    Freiheit.
    Im Spiegel des Internets die größte Herausforderung für den Menschen.
    Verantwortung und Verspieltheit gleichzeitig zu tragen.
    Vernunft und Vertrauen steigern.
    Jede Kritik am Web ist nichts weiter als pure Selbstkritik.
    Jede Verbesserung des Web dadurch aber auch ein Stück gelungene Arbeit am Ich und Wir.
    thks Patrick

  3. "Statt in Breite und Tiefe zu...
    „Statt in Breite und Tiefe zu investieren und Werte zu erschaffen, dampft man alles zu einem kleinen gemeinsamen Nenner ein, der auf jeder oder Aggregationsplattform zu bekommen ist“
    .
    Dem stimme ich voll und ganz zu. Leider ist das auch in der Printausgabe der FAZ zu bemerken, weshalb ich nach 25 Jahren das Abo für die Printausgabe vor zwei Jahren gekündigt habe !

  4. Den Zeilen unterhalb des...
    Den Zeilen unterhalb des letzten Bildes stimme ich zu – mit der kleinen Einschränkung, dass es nicht nur „Ängste“ sind und auch nicht nur „nicht netzaffine“ Menschen, über die da gerne von der selbsternannten „Netzkultur“ gespottet wird. Und auch das Wort „Dämonisierung“ ist da m.E. fehl am Platze. Oben beschreiben Sie, wie zwei, drei starke Marken von manchen Menschen für „das Internet“ genommen werden; mir will scheinen, dass mancher Gadget-Freak und „Social-Media-Experte“ auch für „die Netzkultur“ stehen möchte. Und das nervt gewaltig. Auch durch Ihren Artikel schimmert wieder der Widerspruch zwischen den „Internetverstehern“ und denen, die es einfach noch nicht begriffen haben und deswegen „Ängste“ haben (die die selbsternannten Experten ihnen ganz einfach nehmen könnten, wenn sie bloß mal aufhören würden, dauernd auf ihrem iPhone herumzuwischen).
    Es ist gut möglich, dass Ihre Diagnose, was die Interessen von „alten“ Medien und politischen Parteien angeht, zutrifft – warum sollten die ausnahmsweise nicht ihr Süppchen kochen? So wie auch die „Netzkultur“-Vetreter, die aber natürlich nie und nimmer an ihre eigene Geschäftsgrundlage denken, sondern einzig und allein die Menschen mit dem großartigen Potential „des Internets“ beglücken möchten, ob die das wollen oder nicht.

  5. "Die Zeitungsredaktionen...
    „Die Zeitungsredaktionen richten sich nach dem Fernsehen, das Fernsehen hört die Morgensendungen des Rundfunks, der Rundfunk orientiert sich an den Zeitungen. Dieser Leerlauf produziert das mediale Geräusch der Epoche- alles unisono. Die gleichen Themen, der gleiche Ton.“ David Pujadas

  6. Danke, nnier....
    Danke, nnier.

  7. ego@: Kennen Sie schon den...
    ego@: Kennen Sie schon den neueste Hype? Medwedejew will Infantin von Spanien heiraten. Wie aus offiziösen Quellen aus Moskau zu erfahren ist.

  8. Die Gustl von der Post@: Das...
    Die Gustl von der Post@: Das ist eine gezielte Fehlinformation um die spanisch-russische Freundschaft zu sabotieren.
    Genauso ist eine böswillige Unterstellung, dass der Bürgermeister von Moskau, Herr Juri Luschkow unfreiwillig sein Amt niederlegte. Auf Bitten seiner Gattin Jelena Baturina (einer bedutenden Philantropin)will er sich zukünftig seinen Hobbies widmen. Z. B. Hermeneutik: Die Bedeutung der Figur des Leviathan und Russlands Innenpolitik seit den Reformen Peter des Großen.
    http://www.vol.at/news/politik/artikel/moskaus-buergermeister-will-nicht-freiwillig-abtreten/cn/news-20100924-03190793

  9. Den Widerstand nicht ans...
    Den Widerstand nicht ans Internet delegieren
    .
    Ich stimme Ihnen in fast allen Punkten zu; der Artikel spricht mir aus der Seele. Doch kann ich das nicht so rundherum als positiv ansehen. Denn will mir doch als ein Hauptproblem der Internetkultur erscheinen, dass die Menschen Gefallen daran finden, anonym zu bleiben. Das verstärkt die Tendenz der Atomisierung der Gesellschaft und schwächt den sozialen, den möglichen, Widerstand.
    Auf der anderen Seite senkt diese Anonymisierung eine wichtige Hemmschwelle für den Widerstand: die Angst so vieler Menschen ihre Meinung zu sagen, wo sie sich doch oft als nicht befugt betrachten.
    Das Internet arbeitet solchen Arbeitsteilungen entgegen. Spezialistentum wird so noch schneller obsolet.
    Damit die positiven die negativen Seiten überwiegen, muss weiterhin der soziale Widerstand politisch – massenwirksam – organisiert werden, nicht an das Internet delegiert.

  10. Sehr sprachgewaltiger und...
    Sehr sprachgewaltiger und informativer Artikel.
    Es mangelt also an bewegenden Geschichten und Zukunftsvisionen, die allen vor Augen halten, was mit dem Internet möglich ist.
    und
    Es geht darum zu überlegen, wie wir gemeinsam die bestehenden Systeme so gestalten, dass sie transparenter, demokratischer und qualitativ hochwertiger werden, und einen Wert für alle liefern.
    Genau das mache ich auf meiner Website:
    Praktische Beispiele sind:
    Wie könnte der nächste wirtschaftliche Aufschwung realisiert werden ?
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/355
    meine Geschäftsidee
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/116
    das Open Source Projekt – Entscheidungsplattform
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/13
    das Open Source Projekt – Informationsagent
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/15
    alle Ideen findet Ihr auf dieser Seite:
    http://www.onlinetechniker.de/?q=taxonomy/term/31
    Aber viele Leute scheinen nur neugierig auf Neues zu sein, zeigen aber kein Interesse selbst aktiv mitzumachen. Das scheint mir das größte Problem zu sein. Viele sind nicht fähig aus sich selbst heraus (ohne Geld- und Gruppenzwang) etwas zielorientiertes mit einem anderen Menschen, den sie nicht persönlich kennen, zu machen. Ein weiteres Problem haben viele offensichtlich, wenn sie sich mit den Gedanken ihrer Mitmenschen wirklich tiefsinnig auseinander setzen sollen. Offline merkt man das auch daran, daß viele nicht richtig zuhören können.
    Ich finde gute Ideen und Visionen sollten unbedingt auch realisiert werden, oder nicht ?
    ———————————-
    Wo wären wir denn heute, wenn unsere Vorfahren alle einfach gesagt hätten, das geht doch nicht, und niemand den Weg gegangen wäre, um wirklich zu sehen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich mutig, entschlossen und tatkräftig auf den Weg machen, um sicherzustellen ob etwas wirklich nicht geht ?
    http://www.onlinetechniker.de

  11. @Devin08, den Widerstand nicht...
    @Devin08, den Widerstand nicht ausschließlich ans Internet delegieren, der Meinung bin ich.
    Allerdings braucht man m. E. für Widerstand nicht unbedingt Spezialistentum, welches auch nicht durch anonyme Meinungsäußerung zu veralten droht – im Gegenteil. Lediglich die Differenzierung wird gravierender. Auf Inhalte konzentrieren und den Müll liegen lassen ist das Gebot im Internet, sonst wird alles inflationär. Man muß einfach nur wissen, was einen weiterbringt. Und das war auch ohne Internet schon so.
    Beim Widerstand indes braucht es die Mobilmachung einer Masse. Wenn nur akademisch ausgefeilte Meinungen publiziert werden, so bleibt es, wie es ist. Wo haben uns diese Spezialisten hingeführt? Wir wollen nicht vergessen, daß viele Medienvertreter und sogenannte Wirtschaftsjournalisten und Wirtschaftsprofessoren vor laufenden Kameras unisono bspw. die Rettung aller Banken und Mindestlöhne von 5-6€ gefordert haben. Bei dem Begriff Spezialist bin ich sensibel geworden. Momentan kommt das uns alle gerade sehr teuer. Die finanz. Zukunft der jungen Leute wird gerade verbrannt und was passiert?
    .
    Auch ich stimme Don`s Beitrag zu, insbesondere wegen der aufgeführten fragwürdigen Geschäftsmodelle vieler Unternehmen. Nach den inflationären Angeboten wie `…zeige weiter 725 Inhalte..`, und all die anderen Beispiele, die vollkommen absurd sind, kommen dann die Drückerkolonnen ins Haus, funktioniert die Online-Akquisition, Beschallung im TV und in Sportarenen und Werbeflyer in Hauswurf-Gazetten nicht mehr zufriedenstellend, um Expansionmodelle und Vorstandsgehälter zu realisieren.
    Das Internet dann aber in Gänze als Dämon hinzustellen, wie es gerne von oben getan wird, ist populistischer Schwachsinn und Nichtwissen.
    Das Schüren von Angst funktioniert hierzulande besonders gut, denn kein Mensch ist so gut versichert wie der deutsche. Sommergrippe, Schweinegrippe………
    Der Mensch lebt und stirbt mit dem, was er denkt. Und er denkt, was er sieht. Und hört.

  12. Die Frage nach dem Leviathan...
    Die Frage nach dem Leviathan (der als Metapher in Anspielung auf die Schrift Thomas Hobbes’ schlicht und einfach falsch verwendet worden ist), ist bereits andernorts andiskutiert worden und soll hier nicht Thema sein. Geschenkt. Auch die Reduktionen auf wirtschaftlich bzw. machtpolitisch interpretierte Kritik (»Genau diese Leuchttürme sehen sich aber in ihrer Existenz bedroht«) am neuen Leitmedium ist mir an dieser Stelle egal – obwohl ich denke, dass solche Erklärungsversuche zu kurz greifen. Nach der Lektüre des Beitrags stellt sich mir vor allem die Frage, ob die fast beiläufige Behauptung des Autors haltbar ist, derzufolge wir die Maschinen lenkten – und nicht etwa die Maschinen uns.
    Die zugespitzte Formulierung ist vermutlich eine implizite Replik auf kulturpessimistische und neuromystifizierende Artikel, die nahezu alltäglich abgespult werden (zuletzt und besonders unrühmlich: »Denken, wie das Netz es will« von Uwe Jean Häuser in DIE ZEIT 39 vom 23. September 2010, S. 26f.) und in diesem Kontext sicher ein lobenswertes Unterfangen. Trotzdem (oder gerade deswegen): die bloße Negation dummer Thesen garantiert keine Wahrheit, im Gegenteil. Wer sich zu einer Behauptung wie »Nicht die Maschinen lenken uns, wir lenken die Maschinen« hinreißen lässt, verbreitet meines Erachtens Unsinn. Man lässt dann nämlich unberücksichtigt, dass das Medium (für das Hard- und Software sowie Netzwerk zusammen gedacht werden muss – oder vielleicht noch grundsätzlicher und mit McLuhan: Elektrizität) für die Mehrheit der Nutzer opak bleibt. Das beginnt bei der Architektur der Maschine, setzt sich bei Grammatik und Wortschatz von Programmiersprachen fort und endet nicht bei (potentiellen wie faktischen) sozialen Konsequenzen unreflektierter Nutzung digitaler Technologien. Der Computer bleibt für den Großteil seiner Nutzer eine black box.
    Neben dieser ersten, recht schlichten Einsicht in die Unnachvollziehbarkeit der technisch-medialen Basis ist ein weiterer und gewichtigerer Aspekt zu bedenken: dass die Verwendung eines Hauptverbreitungsmediums unausweichlichen Folgen für Struktur und Kultur der Gesellschaft hat (Dirk Baecker). Und unausweichliche Folgen für Kommunikation, Erkennen und Denken seiner Nutzer – Folgen, die als solche nicht wahrgenommen werden müssen, manchmal nicht wahrgenommen werden können. Kurz: Medien und ihr Gebrauch schreiben sich ein, in Historie, Epistemologie, Sinnbildung der Menschheit.
    Was bedeutet das für den Artikel von Patrick Breitenbach, der Anlass zu dieser Replik ist? Die Reaktion auf kulturpessimistische und technikfeindliche Positionen sollte m.E. nicht in (zu) einfachen Antithesen bestehen; Begeisterung für ein »neues« Medium darf nicht mit einem tieferen Verständnis eben jenes Mediums verwechselt werden (»verwechselt« im Sinne Spencer Browns, der in seinen »Laws of Form« das Gleichheitszeichen als Verwechslung definiert). Wir sind mit technisch-medialen a prioris konfrontiert und täten gewiß gut daran, die Implikationen der Verwendung eines neuen Leitmediums für Gesellschaft zu reflektieren: also Normierungen von Informationsverarbeitung und ihrer Semantik; der nachhaltigen Formatierung des Sozialen (und als solches soll das umfassende Sozialsystem Gesellschaft verstanden sein). Vielleicht fehlt uns zum gegebenen Zeitpunkt einfach das begriffliche Instrumentarium, um diese Herausforderung zu denken? Muss das »neue« Medium daher immer und immer wieder von bereits etablierten Medien unterschieden werden, sich gegen diese behaupten oder gegen »Diskreditierungsversuche« (Breitenbach) zur Wehr setzen? Man ist versucht an Pubertät zu denken: Das neue Leitmedium hat offenkundig die Phase der Gegenabhängigkeit, wie man im Rückgriff auf die Sozialpsychologie und mit Michael Giesecke formulieren könnte, noch lange nicht verlassen. Noch einmal: Wir haben es hier nicht mit Determinismus zu tun oder linearen Abhängigkeiten. Das Internet ist schlicht und einfach noch nicht erwachsen. Seine Folgen für die Gesellschaft unabsehbar, aber gewiss.
    Das Internet »bedroht die gesellschaftliche Ordnung und das kulturelle Niveau« tatsächlich – das ist aber weder »abgrundtief böse« noch ist es uneingeschränkt gut. Das ist zunächst einmal ein Faktum. Wenn sich die Kommunikation bewegt, muss das Denken mit. Der Umkehrschluss gelte gleichermaßen. Jenseits der Binärlogik von Dämonisierung und Euphorie.
    (zugleich: http://autopoiet.de/post/1226914623/leviathan)

  13. Ein recht pubertaerer Artikel,...
    Ein recht pubertaerer Artikel, wie mir scheint. Ich bin selbst mit dem Netz gut vertraut und benutze es staendig zum Wissenserwerb als Wissenschaftler. Jedoch gehoere ich zu den Dinosauriern, die VOR dem WWW gelernt haben, wie man Wissen organisiert, wie man Suche effizient gestaltet und das Neugelernte in das Alte einbaut. Diese strukturierenden Faehigkeiten werden weder in der Schule noch an der Universitaet expliziert gelehrt in der Ueberfuelle des Wissbaren. Nebenbei gehoert die Moeglichkeit und Faehigkeit des Filterns auch zu den Tugenden, die man als muendiger Staatsbuerger braucht. Dieses Filtern soll natuerlich nicht grundsaetzlich von Institutionen (wie Google) vorgenommen werden, sondern vom sich bildenden Nutzer, aber WER haelt heute noch den Nutzer so auf verantwortliche Weise am Haendchen, wie es fruehere Mentoren getan haben – zusammen am Bildschirm etwa? Wikileaks hat uns gezeigt, dass, so gut die Offenlegung von Greueln sein muss, so verantworlich auch ediert werden muss. Es ist hoechst unverantwortlich, Tausende von Irakern oder Afghanen den extremistischen Messern preiszugeben durch die ungefilterte brachiale Publikationspraxis einiger Gutmenschen. Das haben auch Wikileaks Mitarbeiter inzwischen gesagt, die sich von ihrem Chef distanzieren. Mit dem Netz muss eine Faehigkeit des individuellen und (wenn es um zehntausende von Dokumenten geht) auch kollektiven Selbstzensierens aus Verantwortlichkeit vor dem Leben anderer gelernt werden. Jedes einzelne Dokument kann das anonym ausgesprochene Todesurteil fuer einen Menschen (und dessen Familie) bedeuten – eine Form des Nihilismus, den sich Nietzsche nicht in seinen wildesten Traeumen haette ausdenken koennen. Die Antworten von Assange darauf sind zynisch aber sicherlich kein Einzelfall. Dies bedarf einer Form von Bildung und Herzensbildung, die sich offensichtlich bei Technogeeks wenig findet, aber irgendwie muss diese entstehen, wenn Daemonisierungen des ‚Boten‘ (Internet) nicht stattfinden sollen. Zu viel Wissen zur falschen Zeit aktiviert nunmal irrationale Antwortmuster. Nichts davon hat mit Daemonisierung des Netzes zu tun, sondern mit Zivilisation. Zivilisation ist entstanden durch die Etablierung verfeinerter (Selbst-)Kontrollsysteme. Da gibt es einen erheblichen Nachholbedarf und darauf nicht genuegend hier hinzuweisen erscheint mir im besten Fall naiv.

  14. Spezialistentum meiden, doch...
    Spezialistentum meiden, doch nicht von allem etwas wissen
    @Nico: Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt: Eben genau jenes Spezialistentum, wie Sie es auch kritisieren, könnte mithilfe des Internets schneller obsolet werden. Und das ist gut so!
    Und selbstredend muss massenwirksame Politik betrieben werden, aber eben keine massenangepasste, also letztlich opportunistische Politik. Nicht akademisch, aber theoretisch sauber müssen sie agieren, diejenigen, die glauben, die Massen irgendwo hin führen zu müssen/dürfen. Auch das wird durch das Internet leichter, denn die Massen haben die Möglichkeit schneller und auch einfacher deren Argumente zu überprüfen.
    Es sollte aber doch das Niveau möglichst hoch sein, weil sonst zu viele im Trüben fischen. Schlechte linke Politik, wie niedriges linkes theoretisches Niveau, ist immer ein Einfallstor für Provokateure, Geheimdienste und politische Scharlatane.
    Die RAF wäre da für mich das beste Beispiel.
    Theoretiker sein, wäre daher heute mehr denn je kein Zertifikat für eigenes Spezialistentum, sondern eher eine diesbezügliche Aufforderung jedes Spezialistentum zu meiden und zugleich doch so zu schreiben, dass nicht der Eindruck entsteht, man wüsste von allem etwas. Denn so wie ersteres falsches Wissen ist, ist letzteres völlig wertloses, nämlich gar keines.
    Mehr denn je gilt es von den Massen zu lernen, von ihren heroischen wie von ihren bescheidenen Seiten, nicht aber von ihren fehlgeleiteten, opportunistischen.

  15. Mit dämonischer Kraft...
    Mit dämonischer Kraft
    .
    „Wissen organisieren“, wie es Prof. Koentges ausdrückt, scheint mir ein Beleg dafür, wohin es das „Spezialistentum“ gebracht hat. Mag sein, dass man Wissen organisieren kann, nur ist das, was man da organisiert hat, eben nicht einfach „Wissen“. Es ist ein spezielles Wissen, ein solches, das man, wissentlich oder nicht, längst schon auch vor der eigenen ideologischen Matrix gefiltert hat. Es ist letztlich das, was man schon immer glaubte, gesucht zu haben. Und positivistisch wird das dann als gesellschaftlich verantwortbares Wissen verkauft. Und man findet es dann auch, das woran man glaubt, das, was man glaubt verantworten zu können. Und das nennt sich dann „Wissenschaft“.
    .
    Genau diese Art von Wissenschaft steht nun vor ihrer ultimativen Krise. Genau genommen hat sie mit Einstein (vielleicht auch nach Einstein) begonnen. Aber Einsteins Unglaube an das, was heute die diversen Quanten-, oder auch Stringtheorie(n) an Wissen vorgeben, weißt daraufhin, dass mit gängigen wissenschaftlichen Methoden diesen Problemen kaum noch nachgegangen werden kann.
    .
    Auch Einsteins Schwanken in Fragen des „Relativismus“, seine dann doch erst späte Kritik an Mach, machen deutlich, dass wohl auch Einstein schon von der Krise erfasst war.
    Das Internet macht diese Krise einerseits perfekt, denn es schreiben in Wikipedia zum Beispiel sog. seriöse Spezialisten wie auch eine ganze Menge Scharlatane, doch das eigentliche Problem ist, dass der Unterschied schwindet. – Und das ist die Krise!
    .
    Gleichzeitig wächst die Macht derer, die bisher gar keinen Zugang hatten, zu dem Einen wie auch zu Anderen. Es wächst die Macht der Masse, um da wieder mal auf Ortega (http://blog.herold-binsack.eu/?p=750) zu referieren.
    Noch sieht es so aus, als blühe noch einmal das Spezialistentum auf, aber das ist wie mit einer tödlichen Krankheit. Kurz vor dem schrecklichen Ende, sieht der Patient so verteufelt gut aus, als ginge es wieder aufwärts.
    Natürlich kann man sagen, dass der Ausgang offen ist. Doch denke ich – nicht wirklich.
    .
    Das Internet, welches Ende und wessen Ende es auch immer bereitet, es tut dies gründlich.
    Die Klassengesellschaft (wie darunter die arbeitsteilige schon) steht schon lange auf der Agenda des Abschusses. Noch hat das Kapital den kapitalen Schuss (durch seine Gegner) zu verhindern gewusst. Doch es stärkt damit zugleich seinen todbringendsten Feind, sich selbst.
    Mit dem Internet erstarkt es noch einmal als dämonische Kraft, doch diesmal nicht um seine Gegner zu besiegen, da sich selbst.

  16. Ich, auf die Bühne. "Hier ein...
    Ich, auf die Bühne. „Hier ein Stück Kuchen“ zu dem Rothaarigem.
    Er: „Jung, dass ist hier eine ernste Sach‘!“.
    Ich drehe mich um. Tatsächlich, rund 200 Augenpaare starren herauf.
    Der Typ neben ihm sagt grade „Und das Lamm schrie „Hulp““.
    Brave Bürger, auf der Suche nach einer neuen Elite, ehrfürchtig und ergeben, lauschen.
    Komm Lena, weg hier. Ich werd‘ jetzt Punkrocker.

  17. Lieber Herr Prof...
    Lieber Herr Prof Koentges,
    natürlich ist der Artikel pubertär, denn er hinterfragt unbequem das scheinbar selbstverständliche und wirft Fragen und Utopien jenseits der verkrusteten Kontrollmechanismen auf, die sowieso nicht mehr in Zukunft greifen werden.
    Es ist richtig, es gerät außer Kontrolle, jedenfalls außer der uns bekannten, konventionellen Kontrolle, umso wichtiger denke ich sind nun Visionen gefragt, die es in Zukunft verhindern, dass Menschen überhaupt aufgrund von Informationen ermordet werden. Nur durch eine stärkere Transparenz kann man meines Erachtens dem Herr werden. Opfer wird es leider immer geben, die Frage sollte doch viel mehr lauten ob der Tod in irgendeiner Art „viabel“ war.
    Die Verwendung des Begriffs „Zivilisation“ im Zusammenhang mit ihrem Beispiel finde ich übrigens fatal. Das würde bedeuten, dass wir genau diese Terrorherrschaft, die die Familien sowieso permanent bedrohen (und auch sonst töten würden) durch unsere freiwillige Selbstzensur erfolgreich legitimieren und den Bann dadurch niemals brechen werden. Da sträuben sich bei mir schon so einige Haare und ich sehe da wenig Zusammenhang zu ihrer geforderten „Herzensbildung“.
    Das mag für Sie alles sehr naiv klingen, ist es vielleicht auch, aber ohne jugendlich-stürmischen Gedanken, ohne das Hinterfragen von scheinbar Selbstverständlichen, wären wir längst alle (bis auf die elitären Ausnahmen) im finstren Mittelalter verrottet, indem viele Menschen einfach mal ihre Klappe gehalten hätten, aus Angst irgendjemanden anderen zu gefährden. Gerade die Wissenschaft konnte enorme innovative Erfolge und Quantensprünge gerade durch das Hinterfragen von scheinbar Bekanntem, durch Mut und Forschergeist verbuchen.
    Wissenschaft bedeutet eben auch etwas zu erschaffen und nicht nur zu dokumentieren oder zu organisieren.
    Aber ich danke Ihnen trotzdem für ihre Gedanken, die ganz gut die bestehenden Ängste wiederspiegeln. Meine Antwort betrachten Sie dann bitte auch als Reflektion ihrer verwendeten Semantik. Sie wollen mich pubertär sehen, also liefere ich Ihnen pubertär! Das ist doch ein Service oder? ;-)
    Liebe Grüße
    der hochverehrte Gastautor

  18. Noch eine kleine persönliche...
    Noch eine kleine persönliche Ergänzung:
    Ich ziehe es übrigens vor zu lernen mich in Erwachsene hineinzuversetzen, statt das Kind in mir ab- oder vertreiben zu wollen.

  19. @Devin08, dann hatte ich Sie...
    @Devin08, dann hatte ich Sie so falsch nicht interpretiert. Ich bin gleichwohl mit Ihren Ausführungen d`accord, was die bspw. Atomisierung durch anonyme Meinungsäußerung im Internet anbelangt. Ich nicht der Meinung bzw. nicht sicher, ob Widerstand oder der Auruf dazu via Internet etwas bringen wird. Beispiel: „Yes, we can“. Sicher ist nur die Erkenntnis, daß, bei aller Notwendigkeit akademischer Analysen und Betrachtungen, es ist, wie es ist. Und das erstrebenswert hohe Niveau ist eben auch nur der Zielgruppe verständlich, die ohnehin nicht die Probleme hat, wie sie die andere, die dieses Deutungsniveau nicht hat, betrifft. Politik wird hierzulande m. E. nur opportunistisch betrieben, weil allein schon dem Erwerb und Erhalt des Mandats diese Grundhaltung inhärent ist. Was die Fehleitung der Massen angeht, so bin ich eher skeptisch was die Verführbarkeit durch fehlgeleiteten Opportunismus in politischen Fragen angeht. Wir leben nicht mehr in Zeiten mit nur einem Sender, über den indoktriniert wird. Die Zielgruppe, die dafür empfänglich wäre, beschäftigt sich eher mit all den apps, die es zu bedienen und bezahlen gilt und dem Herumstochern und Freunde suchen in social networks. Mir ging es nur um den Aufruf und die Beteiligung von Massen, Meinungen zu artikulieren. Der Erfolg dessen ist eine andere Sache. Die Beteiligung aber wächst.

  20. Die bewusste Masse, nicht die...
    Die bewusste Masse, nicht die schicksalsbehaftete
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    @Nico: Ich wage es und nenne mich als Beispiel. Ich bin ein Arbeiterkind, ein Bauernenkelkind. Wahrlich darauf bin ich nicht stolz, das ist nur Schicksal. Aber es gibt noch ein weiteres Schicksal, das selbstgewählte, das das im Widerstand entstand. Mein Schicksal nämlich, trotz oder gar wegen meiner theoretischen Bildung, dieser Herkunft nicht untreu geworden zu sein. In gewisser Hinsicht!
    In Bezug auf jene „gewisse Hinsicht“ bin ich vielleicht ein wenig stolz, denn das kostet Kraft. Ich verachte den Kleinmut, wie ich ihn all zu oft gerade in diesen beiden Klassen, denen meiner Vorfahren, begegnet bin. Ich fürchte die Gewalt und die Brutalität, die mit diesem Kleinmut einhergeht. Und ich erachte es als meine ehrenvolle Pflicht zu beweisen, dass es auch anders geht.
    .
    Solidarität, statt Konkurrenz, Geist statt brutale Gewalt, Klassenstolz statt Kleinmut. Aber all das verdanke ich nur meiner theoretischen Bildung, bei einem störrischen, sich unaufhörlich plagenden, Geist.
    Von der Sorte gibt es in meiner Klasse mehr als genug, muss es ja auch geben, bei soviel Leid und verzweifelter Wut. Bei soviel unterdrückter Leidenschaft.
    Diese Leute spreche ich an, nicht die dumpfe Masse. Nur auf diese Weise kann ich meiner Klasse treu bleiben, eben nicht, indem ich in dieser aufgehe, mich ihr anpasse, ein Teil von ihr werde, mich von ihr unterjochen lasse. Diesbezüglich bin ich vermutlich kein guter Kommunist.
    .
    Die Masse, so wie ich sie meine, ist zunächst und vor allen Dingen eine bewusste Masse. – Unterschätzen wir diese nicht! Und darin unterscheide ich mich in gewisser Hinsicht auch von dem von mir oft erwähnten Ortega. Für ihn ist die Masse mehr Schicksal als Bewusstheit.
    Auch der Spezialist ist bei ihm ein Vertreter der Masse, ein negativer Vertreter gar, denn Halbwissender. Ihr Verführer, wie ihr Opfer.
    Die bewusste Masse konnte er nicht entdecken, dazu hätte er Marxist sein müssen.

  21. Wer in der Reklameindustrie...
    Wer in der Reklameindustrie groß geworden ist und wer heute so einen ulkigen Titel wie „Head of Communication & Content“ in Charlie’sRest, sorry, in Karlsruhe führt, dem glaub ich kein Wort.

  22. Nun erschrecken Sie mich aber...
    Nun erschrecken Sie mich aber – mit derart brachialen Aussagen und Aufrechnungen hatte ich nach dem doch nicht ganz undifferenziert geschriebenen Blogbeitrag nicht gerechnet. Menschen werden „aufgrund von Informationen“ ermordet, „Opfer wird es leider immer geben“, Terrorherrschaft würde „auch sonst töten“ – aber „die Frage“ sei, ob „der Tod in irgendeiner Art ‚viabel‘ war“ (was auch immer Sie mit dem „viablen“ Tod meinen)? Und dann stellen Sie sich in eine mutige Reihe mit Aufklärern, die die Menschen aus dem Mittelalter geführt haben? Auch wenn Sie da am Ende Ihrer Replik auf Koentges etwas Selbstironie im Hinblick auf die pubertäre Lieferung anzuflanschen versuchen: Das würde ich gerne noch mal genauer erklärt bekommen.

  23. @Jeeves: Zwingt Sie auch...
    @Jeeves: Zwingt Sie auch niemand dazu.
    @mnier: nur ganz kurz, weil ich gleich raus in die Natur will: Spiegelbild.

  24. Ein Nachtrag zu meinem...
    Ein Nachtrag zu meinem Kommentar von gestern morgen nun auch hier, der Vollständigkeit halber und weil er möglicherweise auch den Kommentatoren Georgy Koentges und Devin: Der Autor, Patrick Breitenbach, und ich haben uns an anderer Stelle (http://tumblr.com/x0tkah1dr) weiter über seinen Artikel ausgetauscht. Ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Wissenschaftlichen Maßstäben (der Buchdruckgesellschaft, wie man schmunzelnd und richtig ergänzen könnte) hält der Beitrag hier nicht stand – aber das will er auch gar nicht. Was der Autor wunderbar, möglicherweise nicht immer explizit ausgeflaggt, dokumentiert, ist die Krise, die sich mit dem Auftreten des Computer/Internets als dominierenden Leitmedium ankündigt. Ob das das Ende des Spezialistentums nach sich zieht (Devin) oder Folgen hat, die wir heute gar nicht absehen können: verfeinerte (Selbst-)Kontrollsysteme (Georgy Koentges), Selbstbeobachtungsmechanismen sind angeraten. Ein Literaturtipp:
    »Während wir kommunikativ ohne größere Mühen im Internet unterwegs sind, stecken wir intellektuell häufig noch in der Moderne und emotional in der Antike. Wir wünschen uns das Buch, das uns erklärt, woran wir sind; und wir sehnen uns zurück in aristotelische Zeiten, in denen der Mensch noch das Maß aller Dinge schien und alles im Kosmos seinen eigenen und wohl verdienten Platz hatte.«
    Dirk Baecker – Wie in einer Krise die Gesellschaft funktioniert
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/essay/-/id=6745066/property=download/nid=659852/muiokt/swr2-essay-20100913.pdf

  25. "Spiegelbild"? Wessen? Ist das...
    „Spiegelbild“? Wessen? Ist das eine (zustimmende) Anspielung auf solche Kalendersprüche wie oben von Jens Best („Jede Kritik am Web ist nichts weiter als pure Selbstkritik“)? Dann würde sich eine Diskussion erübrigen. Aber vielleicht erfahren wir ja noch mehr.

  26. Der Spezialist in seiner...
    Der Spezialist in seiner Doppelrolle: Kommunismus oder Barbarei
    .
    @Sebastian: Was sich mit dem Internet zeigt, ist der Zipfel, der uns da aus der Zukunft gereicht wird. Der Mensch hat damit technisch eine Stufe in seiner Entwicklung eingeleitet, die mit der aktuellen Gesellschaftsordnung in jeder Hinsicht im Widerspruch liegt und doch sie zugleich zu unterwandern sucht.
    Das Spezialistentum ist ja nur eine Erscheinung der Klassengesellschaft, welcher die viel ältere Arbeitsteilung zugrunde liegt, die da mit der neolithischen Revolution wohl ihren Anfang nahm. Eine Arbeitsteilung, die nicht nur die Klassen hervorbrachte, sondern auch die Entfremdung der Geschlechter, und somit eine Sicht der Dinge auf die Welt projizierte, die man heute als männlich konnotiert annimmt.
    .
    Auch die Wissenschaft ist hiervon betroffen. Wir sehen die Dinge so, wie man(n) sie sehen kann und/oder will, wie eine bestimmte Klasse als ihrem Interesse zugehörig empfindet.
    Die Spezialisten sind das fachliche, will heißen: scheinbar neutrale, Medium hierfür. Ohne diese Spezialisten sind wir gewissermaßen blind.
    Nur im Hinblick auf diese Zukunft, deren Zipfel uns da gerade von den Spezialisten, den IT-Spezialisten im ganz besonderen Maße, gereicht wird, sieht das so aus, dass wir auch diesbezüglich schon erblindet sind, fachidiotisch geblendet sozusagen.
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    Wenn die einen sehen, dass da eine lichte Zukunft lauert, sehen die anderen die völlig verdunkelte. Beide Sichtweisen löschen sich gegenseitig aus. Das ist alles was Spezialistenwissen dazu noch leisten kann. Das aber ist genau der Grund, warum die Spezialisten obsolet werden. Keiner braucht solch esoterisches Orakel noch. Und doch spiegelt sich darin die Klassenscheidung innerhalb der Spezialisten wider, deutet es sozusagen aus, wer Feind, wer Freund sein könnte – aus der Perspektive der unterdrückten Klasse.
    Die Zeit der Verunsicherung aber, und in der leben wir gerade, zwingt alle Menschen, all die, die mit diesem Internet sich nun vertraut machen, selber zu schauen, ihre eigenen Augen zu benutzen, ihren eigenen Verstand zu schärfen.
    Und das alleine führt schon dahin, dass eine gewisse Grundweisheit (zivilisatorische Grundleistung), die die da ein Kant noch mal aufklärerisch geschönt, in die Welt posaunte, niemanden mehr interessiert: die Welt an sich, die Dinge an sich, oder auch die angebliche Vernunft (das „organisierte Wissen, jene „zivilisatorische Leistung“ also) ist nicht zu schauen. Sie gibt es offenbar nicht!
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    Die Menschen müssen Teil haben an dieser Welt, um sie zu sehen, um sie zu begreifen, um in ihr zu leben, um sie zu verändern. Und sie verändern sie, in dem Moment, wo sie sie zu begreifen suchen.
    Und das verändert auch die Spezialisten, treibt sie weiter auseinander. In einerseits die, die keinen Sinn für überhaupt eine solche Perspektive haben, wo doch ihre Privilegien gefährdet sind, ihr Wissenskapital entwertet wird, und in die, die das Wissen immer noch als erstrebenswert ansehen, selbst zu dem Preis, dass es sie eben ihre privilegierte Stellung kostet.
    Während ersteres zwangsläufig diktatorische Gelüste entwickeln, werden letztere demokratisiert, zu Führern der Massen.
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    Das Internet ist und bleibt ein Werkzeug, das wir erstmals beherrschen müssen, um uns nicht völlig versklaven zu lassen. Von den Werkzeugen? Nein, von denen, die das Werkzeug erschaffen haben um es zu diesem Zweck zu benutzen.
    Von denen, die es zu gebrauchen suchen, eben nicht zur Befreiung des Subjekts, sondern zu dessen völligen Zerstörung, „Atomisierung“.
    Das Subjekt muss also erkennen, in welch gefährlicher Lage es ist, um daraus einen Ausweg zu finden.
    Einen der sich nicht gegen die Technik richtet, sondern mit ihr geht. Diese nutzt.
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    Ob es dabei wirklich vonnöten sein wird, dass a l l e wissen, wie das Internet funktioniert, kann dabei vorerst noch unbeantwortet bleiben, denn es wird uns eben nicht möglich gemacht werden, in der Spezialistenwelt, in der Klassengesellschaft, aber, dass dieses Internet dazu geeignet ist, unser Denken zu verändern, unser Hirn neu zu programmieren, unser Sein zu untergraben womöglich, unser Werden zu manipulieren, scheint mir doch die allerwichtigste, und solchermaßen anzupackende, Herausforderung zu sein.
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    All das, was die letzten 5000 bis 10000 Jahre vielleicht zu vernachlässigen war, nämlich der Umstand, dass wir fremdgeleitete, sich selbst entfremdete, Wesen sind, und dies trotzdem eine kulturelle Revolution nach der anderen möglich machte, oder vielleicht gerade deswegen, wird jetzt auf einmal von sehr großer Bedeutung. Es scheint nämlich damit zu Ende zu sein.
    Es geht nämlich nicht (mehr allein) um die Frage: will ich Hammer oder Amboss sein?, sondern darum, ob ich noch Mensch sein darf.
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    Die Ausbeutung des Menschen hat unter der Lohnarbeit einen Punkt erreicht, wo sie mit herkömmlichen technischen Mitteln bald nicht mehr rentabel sein wird. Lohnarbeit ist so wie sie ist in absehbarer Zeit wirtschaftlich obsolet. Dort wo die Arbeitsmittel menschliche Arbeitskraft beinahe völlig ersetzen, kann kein Mehrwert mehr generiert werden. Das Kapital beginnt sich sozusagen selber aufzufressen („autokannibalisiert“ sich – Robert Kurz), um sich zu verwerten.
    Das Internet treibt diese Entwicklung einerseits auf die Spitze, andererseits deckt es mögliche Wege auf. Ist die Klassengesellschaft nun endlich völlig blamiert, dann wäre das die Option für die eine Möglichkeit, die klassenlose Gesellschaft, die, bzgl. menschlicher Arbeit, auch arbeitslose Gesellschaft, eine solche, wo der Mensch zum Menschsein gekommen wäre. Einem Wesen, das den antiken Philosophen immer schon als das einzig wirkliche menschliche erschienen wäre: das nur noch geistig arbeitende.- Die geistige Arbeit kann nicht aufgehoben werden, sie ist des Menschseins erste Bedingung!
    .
    Da wäre aber auch die zweite Möglichkeit. Sie wird notwendig, wo es den Menschen nicht gelingt, die Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung endgültig zu erlangen. Dann wird die Unterdrückung auf die Spitze getrieben. Eine kleine Minderheit entwickelt sich von den Superspezialisten zu gewissermaßen „Supernaturals“, also Übermenschen, und versklavt den übrigen Rest in einem Maße, wie es selbst die antike Sklaverei nicht gekannt haben wird. Diese Entwicklung wird in dem Maße möglich, wie die biotechnische Revolution sich am menschlichen Genmaterial versucht.
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    Es erübrigt sich beinahe zu sagen, dass solche Wesen aufhören Mensch zu sein. Denken wird ihnen dann nicht mehr verboten, es wird ihnen nicht mehr möglich sein.
    Im Zeitalter des Internets ist der „Spezialist“ gewissermaßen „Hauptfeind“ wie zugleich auch wichtigstes, ja revolutionäres, Subjekt. Die Unterscheidung diesbezüglich muss der Klassenkampf leisten.
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    Ist er revolutionäres Subjekt, dann beginnt er als Spezialist abzusterben. Ist er Hauptfeind, dann versucht er sich mit der herrschenden Klasse zu verschmelzen, um sie letztlich auch zu übernehmen, als einzig noch existierendes (bürgerliches) Subjekt sie zu beerben.
    Das wäre dann die ultimativ letzte Stufe einer Klassengesellschaft, die aber dann eigentlich keine mehr ist. Denn es wäre das Gegenstück zum Kommunismus – die Barbarei.

  27. Sehr verehrter Herr Collega,...
    Sehr verehrter Herr Collega, Ihrer zugespitzte These vermag ich mit all ihren daraus
    folgenden Impikationen einfach nicht folgen. Zumal auch Ihr dezidierter Vorwurf gegenüber dem Blogleiter DA, hinsichtlich seiner möglicherweise noch nicht überwundenen Pubertät eines wahren Epistomologen in seiner ausufernden Polemik
    unwürdig ist. Wenn schon, denn schon: Belegen Sie doch nur mal die mang-elnde „Herzensbidung“ von Technikgeeks. Sie müssen doch selbst zumindest rudimentäre Technikkenntnisse haben, sonst hätten Sie Ihren Beitrag nicht in die Tasten hauen können. Demnach wären Sie auch doch einer, der dieser supra-modernen Kaste zugehörig ist? Worin besteht nun Ihre Herzensbildung, ganz polemisch gefragt?
    Im übrigen werden sich die Menschen schon ihrer Haut wehren können, allen implizierten nihilstischen Unbilden moderner Informationstechnologie zum Trotz, S.
    auch den u. a. Link.
    Bedenken Sie auch den Umstand, dass die Leitmedien durchaus auf Leithammel angewiesen sind, Ortega y Gasset erkannte schon in 30igern des vergangenen Jahrhunderts den expliziten Antagonismus auf den sich unsere Massenkultur hinbewegt.
    Link.http://de.wikipedia.org/wiki/Étienne_de_La_Boétie

  28. @mnier: Es handelte sich um...
    @mnier: Es handelte sich um eine Spiegelreplik. Also das Aufnehmen von Prof Koentges Argumenten und die umgekehrte Spiegelung. Bewusst in pubertärer Manier, wie angedroht.
    Wenn die größte Befürchtung von Prof Koentges es ist Informationen zurückzuhalten, weil dadurch Menschen sterben könnten, kontere ich mit meiner Befürchtung, dass solche Systeme, in denen so etwas passieren sollte, erst durch so ein (Nicht)Handeln dauerhaft legitimiert werden. Vielleicht war das alles etwas unglücklich formuliert oder durch ihren Interpreter nicht so decodiert, wie es von mir gemeint war oder dann doch und sie sind nun enttäuscht.
    Ich stelle mich selbst natürlich nicht in die Reihe der Aufklärer, ich sprach in diesem Zusammenhang von Diensten wie WikiLeaks. Ich glaube aber schon, dass ein offenerer Umgang mit Informationen insgesamt zu eine offenere Gesellschaft führen könnten. Das finstre Mittelalter war für mich geprägt durch absolute Informationsasymmetrie, daher wählte ich das Beispiel. Hätte es also nicht diese mutige Menschen wie die Aufklärer gegeben (zu denen ich mich wie gesagt nicht zählen würde), die in ihrem eigenen Verständnis „viabel“ (habe ich gestern erst gelernt das Wort und ich finde es im Zusammenhang mit dem radikalen Konstruktivismus sehr spannend) gestorben sind oder ihr Leben riskiert hätten – also im Dienste ihrer Sache – wäre dieses System noch heute konserviert (es war ja sehr lange Zeit da).
    Wie dem auch sei, ich persönlich verachte es, wenn Menschen für etwas sterben wollen/müssen, ich verachte es aber auch dass man Systeme legitimiert, indem man eine Vermeidungshaltung eingeht und die Klappe nicht aufmacht. Ich glaube daran dass Informationstransparenz zu großen Teilen erst zu einem gewissen Schutz führen kann. Nichtsdestotrotz ist die Tätigkeit von WikiLeaks mit einer enormen, enormen Verantwortung verbunden, die ganz besonders viel Sorgfalt erfordert.

  29. @Sebastian, danke für den...
    @Sebastian, danke für den Link zu dem Essay von Dirk Baecker, fand den recht lesenswert. Was ich zu sehen meine, ist eine schnelle Erosion und ein Lochfraß bei jeglichen Institutionen und Hierarchien, eine allgemeine Flüchtigkeit.

  30. @Gast: Warum verachten Sie...
    @Gast: Warum verachten Sie Menschen, die für etwas sterben wollen? Denen ist doch zumindest eine bestimmte Grenze wichtig. Und wenn Sie dann auch noch das Raushalten verachten, was bleibt ihnen dann noch? Vollständiger Leerlauf?

  31. @brainblogger.
    Letzterem...

    @brainblogger.
    Letzterem Absatz stimme ich voll zu. Mir ging es darum deutlich zu machen, dass die Macht einer Institution wie Wikileaks, Informationen,die von anderen vertraulich gesammelt worden waren, einer deutlichen Selbstbeschraenkung bedarf und Verantwortlichkeit mehr als ein Nachgedanke sein muss, da es heute so leicht ist, Informationsstroeme fliessen zu lassen und damit Menschen zu
    gefaehrden, die sich nicht selbst in derartige Gefahr willentlich gebracht haben.
    . Man muss eben keine Bibliotheken mehr abschreiben…Nun haben wir die Freiheit, nicht mehr von den althergebrachten Institutionen uns unsere Information kontrollieren zu lassen, aber das entbindet die neuen Informationstraeger nicht der Verantwortung mit vertraulicher Information im Sinne derjenigen umzugehen, die des Schutzes beduerfen. Die Dialektik der Aufklaerung hat auch heute noch ihre Relevanz und die Grenzen zu dem, was altmodische Leute wie ich als Barbarei ansehen wuerden, werden immer mehr aufgeweicht. Transparenz ist kein Selbstzweck,
    manche haetten so etwas frueher die Tyrannei eines Wertes genannt.
    Wenn durch Wikileaks GPS Koordinaten von Afghanischen Alliierten und deren Familien veroeffentlicht werden, dann muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, um welche Perfidie es sich dabei handelt. Man mag die Kollaboration dieser Leute mit den USA bewerten wie man will, man hat kein Recht, im Namen der Transparenz diese preiszugeben an Leute, an denen die letzten 2500 Jahre Aufklaerung voellig vorbeigegangen sind.
    Man stelle sich mal vor, Leute wuerden einer Institution, zum Beispiel im Rahmen eines Forschungsprojektes, welches bestimmte Krankheiten bekaempfen will, vertrauliche mdizinische Informationen von sich geben und letztere publizieren diese einfach mal ganz oeffentlich fuer jeden sichtbar oder, um im Bild zu bleiben, die Hacker veroeffentlichen derartige Datenbasen zum allgemeinen Verzehr. Ich wuerde gerne mal wissen, wie viel Akzeptanz derartiges Verhalten faende im Vergleich. Dieser Vergleich soll dafuer sensibilisieren, wie verfeinert die Selbstkontrollmechanismen werden muessen in der Zukunft.
    Natuerlich haben veroeffentlichte Videos der Kampfhelikopter ihre wichtige Aufklaerungsfunktion gehabt und haben sicherlich auch die Verrohtheit des Krieges mal wieder deutlich gemacht. Hier hat die Offenlegung eine Funktion und Konsequenz, die bestenfalls in der Zukunft Menschenleben schuetzt. Daran zeigt sich deutlich, wie differenziert die Redaktion von Daten heutzutage auch stattfinden muss, selbst wenn es ein Einfaches waere, alle Daten erst einmal ungefiltert auszuspucken. Was mich interessierte hierbei ist , wie durch die Anonymitaet (der Internet-Veroeffentlichung von Zehntausenden von Dokumenten) ein Prozess der ‚Ent-Menschlichung‘ stattfindet, welcher die Greueltaten und Todeslisten der Nazis als Kavaliersdelikte erscheinen lassen werden in ein paar Jahren.
    @Devin08 und @Prof. Don Quixote Dr. phil, Dr. rer. nat.
    Als Wissenschaftler ist mir das Zersprengen von Denkgebaeuden, insbesondere der eigenen, das taegliche Geschaeft, von daher ist mir brainblogger natuerlich sympathisch – das Internet macht dies in einem Grade moeglich, von dem unsere Vorfahren nicht mal haetten traeumen koennen. Jedoch sehe ich unsere
    *gesellschaftlichen* Hauptprobleme nicht in der noch nicht ganz gewonnenen Freiheit , sondern in dem, was danach folgt. Wissenschaftlicher Bildersturm ist ein hochgradig kontrollierter Prozess, da ich mir und anderen darueber Rechenschaft ablegen muss, wie sowas geht, dh. wie ich was widerlegt habe und was meine bessere Hypothese jetzt ist. Das ist ein konstruktiver Prozess und ich fuerchte darum, das die heranwachsende Generation das Zerstoeren mehr lernt (weil es einfacher ist) als das Aufbauen und sich jeder, der sich einloggen kann, auch direkt schon anmasst, ueber alles urteilen zu koennen, selbst wenn es sich um komplexe Probleme handelt, deren Analyse Jahre der (Aus)bildung bedarf. Dazu braucht man nicht deformierte Ideologien wie die von Ortega y Gasset zu bemuehen.

  32. Klärende Worte des...
    Klärende Worte des Blogleiters, die nötig waren. Wo kommen wir hin, wenn Informationen zurückgehalten werden und daurch Unsägliches legitimiert wird. Dummheit ist der größte Feind des Menschen.

  33. @colorcraze: Weil ich...
    @colorcraze: Weil ich körperliche Gewalt für die denkbar schlechteste Methode betrachte zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Deshalb muss ich es verachten. Würde ich es nicht verachten, legitimiere ich es wiederum passiv dieses Vorgehen. Dass ich das „heraushalten“ verachten würde, wäre mir in diesem Zusammenhang allerdings neu. Wo behaupte ich das? Ganz im Gegenteil. Ich befürworte eine Rebellion durch Kommunikation.
    @Prof Koentges: Ich glaube wir sind in großen Teilen einer Auffassung, dennoch betrachte ich ein Informationsgefälle kritischer als die vollständige Informationsverhüllung. Wenn also WikiLeaks es schafft an Informationen zu kommen, wieso nicht dann auch die Gruppierungen, die ein Interesse daran haben um anschließend Greueltaten zu vollziehen? Nur wir bekommen davon dann nichts mehr mit. Darin liegt ein Stück weit der Denkfehler. Aus den Augen heisst eben nicht automatisch aus dem Sinn. Daher ist mir eine globale, zugängliche Transparenz allemal lieber als die partielle im stillen Kämmerlein. Ich bin utopischer Demokrat und Demokratie in ihrer Urform,bedingt den Zugang zu allen Informationen auf dessen Basis ein jeder selbst eine Entscheidung treffen kann. Ich muss nicht über alles informiert werden, ich möchte aber die Informationen erhalten, wenn ich danach suche.
    Noch einmal: Es findet sowieso ein Kontrollverlust statt. Man kann das nicht mehr eindämmen, außer mit drakonischen Strafen, was aber zu einem noch größeren Konflikt führen wird. Die historische Entwicklung zeigt uns ja eigentlich, dass wir mal gewonnene Errungenschaften nur ungerne wieder ablegen. Informationen ist das wertvollste was der Mensch besitzen kann. Die Beherrschung von Daten wird in der Form in Zukunft nicht mehr möglich sein. Alte Machtstrukturen, meist basiert auf Informationsgefälle, bröckeln. Nehmen Sie aktuell Stuttgart21 als Beispiel, nie zuvor konnte man so viele tiefe und unterschiedliche Informationen aus dem Netz ziehen wie es heute der Fall ist. Früher wäre die Sache durchgewunken worden und niemand hätte es interessiert. Das bedeutet, dass sich auch politische Systeme der Transparenz öffnen müssen (momentan versuchen sie ja genau den anderen Weg einzuschlagen, nämlich ihr Machtmonopol auszuspielen) und den Bürger entsprechend kommunikativ mitzunehmen. Das wurde hier verpasst. Mehr Informationen bedeutet größere Komplexität, aber eben auch am Ende eine größere Chance auf Demokratie.
    Wesentlich spannender finde ich die Frage – und nun muss ich meiner Rolle als Utopist wieder einnehmen – inwieweit sich der Umgang mit Informationen, dessen Bewertung, verändert, wenn wesentlich mehr Informationen zugänglich gemacht werden. Entsteht mehr Empathie? Oder mehr Barberei?
    Dazu auch ein neues utopisches Plädoyer von mir:
    http://brainblogger.de/2010/10/wenn-das-internet-vergisst-verdrangen-automatisch-wir/
    Das Internet sollte nicht lernen zu vergessen, wir sollten vielmehr lernen zu verzeihen.
    Wir befinden uns gerade in einem Zwischenzustand. Alte Machtstruktur prallt auf neue Informationspolitik. Empathie trifft auf traditionelle Dickschädel. Kulturen auf Kulturen. Wir müssen uns langsam überlegen ob wir Schulter an Schulter durchs Leben gehen oder weiterhin lieber die Keule schwingen wollen.

  34. @brainblogger. Ich hatte nie...
    @brainblogger. Ich hatte nie von voelliger Informationsverhuellung gesprochen, sondern von der Notwendigkeit, verfeinerte Selbstkontrollmechanismen im Umgang mit grossen Datenmengen einzufuehren, welche zumindest dem Prinzip der Goldenen Regel gehorchen – nicht viel mehr anderem.
    Gibt es denn gar keine Information, die Sie nichts angeht, selbst wenn Sie gerne Zugriff darauf haetten? Lernt man wirklich nirgendwo mehr Diskretion als eine Tugend und die Ellipse als Sprachform?
    Wenn Sie als demokratischer Informationsutopist das wirklich durchziehen wollen, gaebe es fuer keinen mehr einen Schutz, der nicht aus freien Stuecken alle Information ueber sich jedem preisgibt. Die Hoelle waere dann taetsaechlich die anderen. Das koennen Sie wohl nicht wollen: die Aufklaerung hat lange darum gerungen, die Zugriffsrechte des Potentaten zu beschraenken und den Menschen eine Privatsphaere zu sichern. Natuerlich sind die dafuer genutzten metaphysischen Erklaerungen nicht mehr stichhaltig. Heute leben wir in einer Zeit, wo die traditionell gelernte Wehrhaftigkeit gegen die Obrigkeit ins Leere geht, und die Menschen sich freiwillig bis aufs letzte ausziehen und jedem anderen suggerieren, dies auch zu tun. Als wir in USA lebten, machten wir die taegliche Erfahrung, dass und wie das Kollektiv versucht, sich Rechte ueber die Intimsphaere des Einzelnen zu verschaffen – im Austausch fuer Dienste, Gueter etc. In diesem kollektiven Zwang zur Transparenz liegt ein sehr puritanischer, religioeser Zug, der sich m.E. in sozialen Netzwerk-Sites wie Facebook etc perpetuiert und das erscheint mir sehr gefaehrlich da leicht auszunutzen von religioesen Ideologien . Man schaue sich nur einmal die globalen demographischen Entwicklungen religioeser Gruppierungen an, wenn man ueber Informationsdemokratie nachdenkt. Das Resultat wird die Abhaengigkeit von den trivialen Lebensvollzuegen der anderen werden, nun ja.
    Wenders‘ Film (bis ans Ende der Welt) findet am Ende das geschriebene Wort, ie Abstraktion des Nichtanschaulichen als Rettung aus dem See der Bilder und die Stille als die Rettung vor dem Geschwaetz. Moeglichkeiten des Rueckzugs aus der totalitaeren Bilder- und Datenwelt, ohne diese theologisch oder philosophisch legitimieren zu muessen, und die Faehigkeit, selbst ueber die Informationen zu entscheiden, die man der Oeffentlichkeit preisgibt, gehoeren zumindest in meinem nach-metaphysischem Weltbild zur Basis von unabdingbaren Persoenlichkeitsrechten, welche das Leben lebenswert machen. Dafuer fehlt den Datensammlern, den Hordern, deren Weltbild sich nach der Zahl uebertragener bits bemisst, natuerlich voellig der Sinn und das Mass.

  35. @Prof...
    @Prof Koentges
    Eigenverantwortlichkeit und Selbstkontrolle, lernt man erst wenn man nicht mehr fremdkontrolliert wird. Unmündigkeit entsteht, wenn einem alles von fremder Hand abgenommen wird. Auch das sicher ein Effekt der Informationsasymmetrie.
    Informationen sind Informationen. Entscheidend ist doch was wir daraus interpretieren, was wir damit anstellen und wie wir es bewerten.
    Definieren Sie bitte „nichts angehen“. Informationen, die mich nicht interessieren, oder Informationen, die mich brennend interessieren, ich aber dem nicht gewachsen sein soll oder weil jemand Fremdes meint, ich sei dafür nicht mündig sie zu erhalten?
    Die Gefahr sehe ich nicht in der Transparenz, sondern in dessen Zwischenräumen. Ihr beispiel mit den religiösen Gruppen, die das ausnutzen, funktioniert doch nur solange, wie dessen Aktivitäten wiederum nicht transparent werden.
    Es geht mir prinzipiell um die Emanzipation als mündiges Mitglied der Gesellschaft. Wir reden hier andauernd davon, dass wir dauerhaft sowieso im Kontext „beuten und ausbeuten“ leben müssen. Da geht meine Utopie* einen Schritt weiter und ich bin froh, dass ich sie spinnen kann – ohne Schere im Kopf.
    * Utopie ist für mich eine Kunstform, ein geschützter Freiraum, bei dem man jenseits von Vernunft und wissenschaftlicher Empirie neue Formen des Zusammenlebens imaginieren kann und darf. Utopie gilt heute mittlerweile als neue Provokationsform, in einer Welt die durch Zynismus, Ratio und Verdruss geprägt ist. Der Begriff „Gutmensch“ (aka Utopist) gilt mittlerweile in unserem Kulturkreis als Schimpfwort, während im angelsächsischen der „gentlemen“ nicht in der Form negativ besetzt ist. Heute finde ich es in unserem kulturellen Kontext fast schwerer ein fantastischer Utopist zu sein, als den rein rationalen Aufklärer zu mimen. Beides sind jedoch nur konstruierte Rollen, oder wie Heinz von Förster einmal so schön bemerkte (nicht wortwörtlich): Die Wissenschaft ist auch nur eine Geschichte und am Ende gewinnt derjenige, der die beste Geschichte erzählt.

  36. Modernistisch konnotierte...
    Modernistisch konnotierte Arroganz
    .
    @Prof. Koentges: Es will mir doch als ein alter Hut erscheinen, dass eine gegebene Generation von der ihr folgenden immer glaubt, dass diese mehr zerstöre als aufbaue. Was aus der Perspektive der betroffenen Generation wohl verständlich, aber für alle ihr folgenden Generationen nicht akzeptabel ist.
    Ortega y Gasset habe ich ausgewählt, gerade weil er nicht der Meinige ist, sondern einer der ihren, der des Kapitals. Und selbstredend: all deren Ideologien sind „verquer“. Doch heißt das nicht, dass da Wahres nicht drin enthalten sei. Und nur eben dieses, das Fünkchen Wahrheit, finde ich bemerkenswert und daher zitierbar.
    .
    Um es klar zu machen: Selbst einen Sarrazin würde ich zitieren, hätte er auch nur ein Körnchen von diesem Funken an Wahrheit entdeckt.
    Aber am bemerkenswertesten finde ich, und das zeigt, dass Sie immer noch an die Märchen der Aufklärung und eben nicht deren wahren Gehalte glauben, Ihre Annahme, dass nicht nur die Aufklärung, sondern eben die letzten 2500 Jahre an den Menschen in Afghanistan vorbei gegangen seien. Das ist wahrlich eine neue Spitze modernistisch konnotierter Ignoranz.
    .
    So besehen könnte man jeden Afghanen einfach ausstopfen und in irgendein Museum stecken. Keiner würde darin etwas Verwerfliches sehen, sind an dem doch die letzten 2500 Jahre, also geradezu alles was an westlicher Kultur so überlegen scheint, vorbei gezogen.
    Und worüber regen Sie sich eigentlich wirklich auf, im Zusammenhang mit Wikileaks? Darüber dass diese „Halbaffen“ gefährdet sein könnten, oder einfach nur das Leben der kultivierten Besatzer?
    .
    Seien Sie sich dessen bewusst: Diese Menschen leben im gleichen Zeitalter wie wir, und sie denken auch in diesem Zeitalter. Oder woher glauben Sie kommen deren militärischen Erfolge, auch und gerade gegen die letzte Supermacht auf Erden?

  37. @brainblogger. 'Definieren Sie...
    @brainblogger. ‚Definieren Sie bitte „nichts angehen“.
    Ich meine Informationen ueber mich, mein Leben und Umfeld, die ich nicht jedem Beliebigen, der Zugang zu einer Datenbase hat oder bekommen moechte, zu geben bereit bin. Jeder Kommunikationsteilnehmer/Mitglied der Gesellschaft soll diese Option haben und behalten als unveraeusserliches Recht.
    Institutionelle Informationsasymmetrie wird stets erodiert, und das hat auch so sein Gutes, jedoch nicht, wenn dabei die og. Persoenlichkeitsrechte der Beteiligten ausgehoelt werden. Das Leben wird komplexer, da heute ein PC ausreicht, ploetzlich eine ‚Institution‘ zu werden, die das Leben anderer stark beeinflussen kann. Funktionierende Institutionen haben ueber lange Zeiten hinweg ‚checks and balances‘, Selbst(!)kontrollmechanismen durch Umgang mit Feedback usw entwickelt: nur davon rede ich und dem Desiderat, ernsthaft in der Internet-‚Kultur‘ diese zu entwickeln.
    Nun, die Literatur , (ob nun Schiller oder Frisch oder Duerrenmatt als Beispiele genommen) wimmelt von Figuren, die so Gutes wollten und Schlimmes hervorbrachten, weil diese ‚Gutmenschen‘ einen Wert vor allen anderen verfolgten, der sich dann zum Tyrannen entwickelte, und nicht die richtigen Systeme fanden,die bereit waren, sich selbst im Sinne einer groessseren Humanitaet zu verbessern. Ich will Sie nicht weiter damit langweilen. Mich freut, dass Sie utopisches Potential in sich verspueren. Tun Sie das weiter , jedoch bleiben Sie offen fuer ‚reality checks‘ , und halten Sie die Spannung aus, ohne die empirischen Schotten dichtzumachen, was so haeufig passiert. Ja, es gibt so was wie Realitaet, lassen Sie sich nicht von laengst wissenschaftlich ueberholtem konstruktivistischem Unsinn (den gab es schon im Idealismus oder auch schon in der Antike) in die Irre fuehren. Schalten Sie den Bildschirm aus ,gehen Sie auf eine Wiese und beobachten Sie. Zutrauen zu den eigenen Beobachtungen und stetes kritisches Hinterfragen der resultierenden Annahmen ist das Geschaeft des Geistes, das ist keine leichte Uebung. Eine neue Erkenntnis ist besser nicht, weil sie ‚die beste Geschichte ist‘ (nach Ihrem von Foerster Zitat), sondern weil sie einer groesseren Vielzahl ernster Angriffe und Einwaende und konfligierender Beobachtungen *besser* standgehalten hat – wir sind und bleiben in einem probabilistischen System hier, aber einem, das sich am jeweils vorletzten misst und tatsaechlich besser wird, da es unsere Aufgabe war, durch Herausforderung und gezielte Erosion und Umleitung ein Besseres, Robusteres aus dem Schwaecheren zu machen. Das geht weit ueber die Befriedigung persoenlicher Eitelkeiten und Sprachspiele hinaus und vermag ein Menschenherz auszufuellen. Man braucht viel Geduld dazu. Huq. ;-)

  38. Der Konstruktivismus ist mir...
    Der Konstruktivismus ist mir allein schon deshalb so sympathisch, weil er andere Theorien oder Auffassungen nicht gleich als Unsinn deklariert, so wie Sie es mit dem Konstruktivismus selbst versuchen.
    Ich glaube für eine Debatte über den Konstruktivismus, seine angebliche Überholtheit und der subjektiven Wahrnehmung von Realität ist hier nicht der richtige Ort. Ich sehe da auch ganz andere Kommentatoren dazu befähigt als mich.
    Eine Kunstform benötigt im übrigen keine Realitätschecks, weil es schlicht und ergreifend Kunst ist. Das bedeutet aber auch nicht, dass ich ausschließlich Künstler bin/sein will oder immer ein Utopist. Das wäre Unsinn und widerspricht ja meiner konstruktivistischen Grundeinstellung. :-)
    Zum Thema „Gutmensch“. Auch der Begriff ist konstruiert (ja, ich weiß sie glauben an die Wirklichkeit der Natur) und im Laufe seiner Sprachgeschichte mehrfach modifiziert worden, sie sehen es kommt immer darauf an, wie man interpretiert und definiert. Nur weil die Gefahr oder ein Beispiel existiert aus einem Drang nach Weltverbesserung eine schädliche Ideologie zu erschaffen, heisst das doch nicht im Umkehrschluss, dass man alle Absichten zur Weltverbesserung ablegen muss. Denn sofort erschafft man dadurch Totschlagargumente. Wie gesagt, so lange es für mich keine objektive Wahrheit gibt, solange verkneife ich mir nicht das Imaginieren von ungewöhnlichen Fantasien.
    Aber Sie sehen, die Diskussion neigt dazu sich im Kreis zu drehen oder völlig abzuschweifen.
    Auch an der Stelle eignet sich dann ein wunderbares angelsächsisches Idiom, was in unserer Sprache und entsprechendem Kulturkreis so leider nicht existiert: Let’s agree to differ!

  39. @Devin08.
    Ich sehe...

    @Devin08.
    Ich sehe Zerstoerung, ich beobachte taeglich Erosion von Aufmerksamkeitsspanne durch Reizueberflutung, ich bekomme genug von Cyber-Bullying und anderen Nettigkeiten mit, dass ich das Recht habe, mir darueber Sorgen zu machen und auf konstruktive Dinge hinzuweisen. Zusammenrottungen, wie sie Canetti in Masse und Macht einst beschrieb, sind im Zeitalter der Simultaneitaet und Vernetzung auf eine Weise moeglich wie noch nie zuvor. Wer zaehlt die Opfer?
    ‚Ihre Annahme, dass nicht nur die Aufklärung, sondern eben die letzten 2500 Jahre an den Menschen in Afghanistan vorbei gegangen seien. Das ist wahrlich eine neue Spitze modernistisch konnotierter Ignoranz.‘
    Nun ja, da haben Sie wohl etwas missverstanden. Brainblogger ist ein demokratischer Utopist, was mir sympathisch ist ;’demokratisch‘ ist nicht, was der Grossteil der Weltbevoelkerung gerne mag, und die Prinzipien der Aufklaerung sind auch nicht so sehr populaer, da sie sehr schwer zu realisieren sind. Ich meinte Ideologien, die Verhaltensmuster unterstuetzen, die den aufklaererischen Prinzipien widersprechen, welche im letzten Jahrhundert zu internationalem (Menschen)Recht kodifiziert wurden. Wenn Sie jene Errungenschaften der Aufklaerung (welche, wie ich sagte, eine sehr lange Geschichte hat und nicht nur 300 Jahre alt ist) als hinterweltlerische Maerchen empfinden, zeigt das den Grad Ihrer Verblendung. Oeffnen Sie das Fenster und lassen Sie die frische Luft herein!
    ‚Sie denken auch im selben Zeitalter wie wir‘ – was fuer ein Unsinn. Es hat schon immer erhebliche Anachronismen zwischen Voelkern und Bevoelkerungsgruppen in Wissen, Kommunikation, Transparenz etc gegeben und brainblogger’s Informationsasymmetrie ist sicherlich einer der Gruende dafuer , nur werden wir uns im Optimismus sehr unterscheiden, ob und wie (schnell) sich das aendern kann und soll. Ideologien, die nicht offen sind, sondern sich gegen innere Kritik immunisieren, sind, wovon ich geredet habe. Und ein paar Milliarden unserer Zeitgenossen finden jene ganz toll und schaffen durch ihr reproduktives Verhalten globale Mehrheiten in der Zukunft, was einem zu denken geben sollte. Errungenschaften unserer Zivilisation, die hart gewonnen wurden in einem Teil der Welt, koennen auch leicht wieder eingestampft werden und fuer immer in Vergessenheit geraten. Sobald Traditionen zerstoert sind, kriegt man sie nicht wieder. ‚Der abgerissene Strick
    kann wieder geknotet werden, er hält wieder, aber er ist zerrissen.‘

  40. Das hier propagierte, positive...
    Das hier propagierte, positive Zukunftsbild des Internet ist schlimmer als falsch – es ist lächerlich. Interkultureller Austausch? Soziologischen Studien zufolge nutzen die meisten Menschen deas Internet eher als Chance, sich in hermetisch abschliessenden „Informations“welten nur noch ihr Weltbild immer erneut bestätigen zu lassen. Wissensvernetzung? Kleiner Blick auf die politischen, sozialen oder historischen „Informations“seiten von Wikipedia genügt, um sofort einen Bestellzettel für die Encyclopedia Britannica auszufüllen. Und bei Wikipedia handelt es sich um das mit grossem Abstand seriöseste Massenangebot. Informationstransparenz? Schööööönes Schlagwort. Vorausgesetzt, man wühlt sich (in für einen neuen Gebieten) durch die Massen an Infomüll zu dem winzigkleinen Angebot an echten Informationen durch. Um dann mühsam zu prüfen, was davon halbwegs belastbar ist, wofür extensive konventionelle Mediennutzung unverzcihtbar ist. Und wo der Autor im Internet den demokratischen Grundgedanken gefunden hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Ich habe selbst in einem freien Land wie Deutschland im Regelfall (!) Feiglinge gefunden – eine grosse Mehrheit von Menschen auf allen halbwegs politischen Seiten, die unter Pseudonym exakt eine Meinung haben – „alles Schweine ausser Papi“. Was im übrigen eine logische Konsequenz des offenen Internet ist – wo jeder Autor sein darf, ist das Angebot entsprechend. Oder haben Massen in irgendeiner historischen Epoche jemals etwas Erinnernswertes zu Menschheitskultur beigetragen? Das Internet ist DER perfekte Ausdruck der Massenkultur – pöbelhaft, flüchtig, unverbindlich, lautstark, billig, vordergründig, falsch. Menschheitshoffnungern sehen anders aus.

  41. @ThorHa:

    Lieber Herr ThorHa...
    @ThorHa:
    Lieber Herr ThorHa (ich nehme an das ist kein feiges Pseudonym),
    Genau da steckt ja die Diskrepanz zwischen Technologie und Gesellschaft drin. Die Technologie ermöglicht uns theoretisch genau das, was sie als „lächerlich“ titulieren. Wenn wir also das Potenzial des Internets nicht nutzen WOLLEN, dann sicherlich genau auch aus den Gründen, dass es Meinungen wie die ihrigen gibt, dass alles „falsch“, „schlecht“ und „lächerlich“ ist und es von vornherein gar keinen Sinn macht damit anzufangen.
    Dumm bleibt dumm, da helfen auch keine Links!
    Natürlich ist nicht alles im Internet toll, das erwähnte ich aber im Artikel ebenfalls. Nur alles jetzt per se als „lächerlich“ darzustellen und wild irgendwelche Studien zu zitieren ohne sie zu verlinken, ist mir gelinde gesagt in diesem Zusammenhang einfach zu plump. Daher mache ich mir vorerst auch nicht die Mühe direkt auf Ihre Fragen einzusteigen, es hätte ja sowieso keinen Sinn, weil ich in Ihrer hermeneutisch abgeriegelt wirkenden Welt eh keine Chance hätte Gehör zu finden, oder? Falls doch, lassen Sie es mich wissen.

  42. Prof Koentges@: Sehr verehrter...
    Prof Koentges@: Sehr verehrter Herr Collega, den Ortega y Gasset muß ich mir also als verspätete ideologia deformans an´s an die Mantille heften.
    Schön, dann versuchen wir´s mit den neuesten Säulenheiligen, die durch die Lehrhallen
    gejagt werden. Derrida als Dekonstruktivisten p. e., worin ist der intellektuelle Mehrwert in seinen Semiologie und Grammatologie zu finden? Was können ihre angeprangerten Opfer der Moderne mit der „Signifikanz des Signifikanten“ anfangen? Oder zersprengen Sie auf ganz andere Art und Weise mit Ihrem werten Logos die Denkgebäude der herrschenden brain culture? Wir können ja auch noch J. Habermas anführen um uns unsere diesbzügliche Diskursfähigkeit im Jargon gegenseitig testieren.

  43. Herr Breitenbach, versuchen...
    Herr Breitenbach, versuchen Sie bitte nicht in einem fort der Akademiker zu sein, der Sie nicht sind.

  44. das ist der allerletzte...
    das ist der allerletzte schrei.

  45. Keine Angst Herr Niklas, das...
    Keine Angst Herr Niklas, das werde ich ganz bestimmt nicht versuchen, allein aus Rücksicht auf ihr wertes Wohlbefinden.

  46. Die Freiheit, die ich...
    Die Freiheit, die ich meine
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    Für all die, die über Völker räsonieren, deren Ideologie so verschlossen ist, dass sie ausländische Kritik nicht mehr zulassen, folgende Passage aus: „Die endlose Tragödie eines Volkes“ (http://www.inprekorr.de/362-afgh.htm, letztmalig entnommen am 04.101.2010):
    .
    „Die sowjetische Haltung gegenüber Amanullah war von der Überlegung diktiert, dass, weil in diesem Land keine Arbeiterklasse existierte, es weder die Möglichkeit noch Notwendigkeit gab eine Kommunistische Partei aufzubauen. In einem Brief an den sowjetischen Geschäftsträger in Kabul schrieb Tschitscherin, der Volkskommissar für Äußeres, u.a. folgendes: „Wir haben den Afghanen gesagt, dass wir keinen Augenblick daran denken, ihrem Volk ein Gesellschaftsprojekt aufzudrängen, welches nicht seinem gegenwärtigen Entwicklungsstadium entspricht.“ Im übrigen ist festzustellen, dass Amanullah mit seiner eigenen Initiative im muslimischen Zentralasien mehr bewirkte als die sowjetischen Kommissare: Es begann eine Masseneinschulung in den Städten, auch für junge Mädchen; die Zwangsverheiratung der weiblichen Kinder durch die Eltern wurde abgeschafft, es wurde das Projekt einer frei gewählten Nationalversammlung ausgearbeitet, die sich nicht auf die traditionellen Stammeschefs stützte. (Dieses Projekt hatte keinerlei Ähnlichkeit mit der momentan konzipierten Versammlung unter Aufsicht der USA und des Westens und schon gar nichts mit der Rückkehr des greisen König Zahir). Die Frau des Emirs hatte selbst eine Kampagne gegen den Schleier begonnen und war unverschleiert in der Öffentlichkeit aufgetreten. Doch es ist eindeutig, dass das wesentliche Ziel Moskaus die Beibehaltung der Neutralität des Landes war, welche Sicherheit an einer sehr langen Grenze garantieren sollte.“
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    Die junge leninsche Sowjetrepublik war somit der erste und der letzte Repräsentant einer revolutionären Aufklärung, die dem afghanischen Volk nicht vorzuschreiben suchte, wie sie ihren Weg in die Moderne zu finden hätte. Die unerträglichen imperialistischen Einmischungen waren es, die der Engländer, dann die der neuen Zaren (der pseudosozialistischen „Neuen Bourgeoisie“ , die in den Wirren des 2. Weltkrieges die Macht übernahm), dann nun wieder die der US-Amerikaner, die dieses Volk erneut nötigten, sich abzuschließen, sich in die Berge zu verkrümeln und sich einer schon religiösen Ideologie zu öffnen, die ihr zuvor immer fremd gewesen war. Die Afghanen waren eines der aufgeklärtesten muslimischen Völker in Fernost. Und die Taliban, die das geändert haben, waren zunächst mal eine Kreatur des Westens, ein Fremdkörper im afghanischen Volk.
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    Wer heute von Aufklärung redet, meint nicht die bürgerliche Revolution infolge der Aufklärung, sondern die bürgerliche Konterrevolution im Schatten einer längst negativ gewordenen Postaufklärung.
    Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind längst nur Waffen im politischen wie wirtschaftlichen Geschäft, ein Mittel der politischen Intrige, Erpressung und Manipulation diverser westlicher Geheimdienste. Druckmittel im Kampf gegen den Freiheitskampf der Völker gegen kapitalistische Ausbeutung und imperialistischer Unterdrückung.
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    Mag sein, dass das afghanische Volk von der politischen Freiheit eines solchen Westens wenig versteht, aber es weiß mehr über persönliche Freiheit als jeder, der hier den Erben der Aufklärung mimt.
    Die Freiheit, die ich meine, muss sich zunächst entschieden davon distanzieren, andere, im Namen der Freiheit, unterdrücken zu wollen. Denn die Freiheit ist immer die der anderen (Rosa Luxemburg).

  47. Wer wohl zuerst verloren hat?...
    Wer wohl zuerst verloren hat? Der, der sich »Konstruktivist« bezeichnet oder der, der »den Konstruktivismus« als Unsinn deklariert? Dass man einen wie auch immer ambitionierten Konstruktivismus keinesfalls mit Idealismus, Solipszismus oder Skeptizimus gleichsetzen (also: verwechseln) sollte, interessiert hier zum gegenwärtigen Stand der Diskussion wohl eh niemanden mehr (vielleicht war das um 15:07 Uhr noch der Fall, @Prof Koentges?), man bringt die Wahrheiten ja schon von zuhause mit. Außenwelt leugnet niemand, Realität (des Operierens) auch nicht. Ums »neue« Medium geht es nicht mehr, ging es vielleicht nie. Warum das hier trotzdem noch mitgeteilt wird? Man ahnt die Antwort ja bereits: Don’t feed the trolls.

  48. Sollte ich im nächsten Leben...
    Sollte ich im nächsten Leben wieder die Wahl habe zwischen den Klugen und den Dummen, so entscheide ich mich natürlich wieder für die Narren. Die sind so schön vogelfrei.
    Die Kunstrucktaktivisten.
    Sein was wir draus machen.

  49. An den hochverehrten Gast, ein...
    An den hochverehrten Gast, ein Nachtrag!
    Vielleicht fehlt es der Wissenschaft an Kunst. An Artifizialität sicher nicht.

  50. Hochverehrter Gast,
    um mit...

    Hochverehrter Gast,
    um mit dem einfachsten anzufangen (nämlich der vergessenen „Unterschrift“ unter meinem Kommentar) – ThorHa steht für Thorsten Haupts.
    Gehör finden Sie in meiner abgeriegelten Welt übrigens jederzeit, als Projektmensch bin ich ein grosser Freund von Fakten. Wenn Ihnen meine Pauschalverurteilung des Internet als zu plump erscheint, ist das eine Wertungsfrage. Sie beruht auf mehrjähriger, häufiger und aktiver Nutzung der sogar eher seriösen Teile des Netzes – von Blogs über Xing bis hin zum Usenet (heute als „Google Groups“ firmierend).
    Konkrete Beispiele statt pauschal? Bitte. Zeigen Sie uns doch bitte wenigstens ein (eines reicht mir erstmal) Angebot zu aktiver politischer Debatte im Internet, das nicht von Pöblern, Pauschalverleumdern und Pseudonymlingen überschwemmt wird.
    Oder nennen Sie uns eine Möglichkeit, bei der Suche nach belastbaren informationen schnell den Datenmüll und die Linkfarmen von den wenigen seriösen Angeboten zu unterscheiden – eine Aufgabe, die in einer öffentlichen Bibliothek leicht, schnell und sicher mit der Suche nach Brockhaus oder Encyclopedia zu erledigen ist.
    Ist das ein Gesprächsangebot?
    Gruss, Thorsten Haupts

  51. Lieber Thorsten Haupts,

    ich...
    Lieber Thorsten Haupts,
    ich glaube wir reden aneinander vorbei. Das Internet ist für mich keine Garantie für eine blütenreine Scheinwelt. Wie bereits häufiger bemerkt stellt es für mich den Spiegel unserer Gesellschaft dar. Daher werden die „Pöbler“, „Pauschalverleumder“ und „Pseudonymlinge“ immer irgendwo auftauchen, auch da wo es sinnvoll ist (wenn das überhaupt jemand definieren kann). Das war und ist auf dem Schulhof und anderen Lebensbereichen schon so. Das Internet erzeugt dieses Phänomen, was sie beschreiben, nicht, es macht es nur sichtbar. So wie die Wikipedia in weiten Teilen wunderbare Artikel hevorbringt, wovon die Encyclopedia Britannica nur träumen kann, aber eben auch ganz recht umgekehrt. Ich will ja eigentlich nur den gerade stattfindenden Grabenkrieg aufzeigen und versuchen Brücken zu bauen und den Raum für Utopien freiräumen. Wenn Sie also meinen Text aufmerksam gelesen haben, dann werden Sie das denke ich ganz gut feststellen, falls nicht war er vielleicht nicht überzeugend genug fomuliert. Ich sprach darin von der Dämonenwelt und der Feenwelt, die beiden Außenbereiche der Argumentation, die „Wahrheit“ ist irgendwo dazwischen und wir – als Nutzer des Netzes – konstruieren uns die virtuelle und reale Welt täglich aufs Neue. Natürlich sind sie frustriert und verärgert, allerdings wäre das ein Grund mehr für mich, sich aktiv, positiv, quasi mit gutem Vorbild voraus, an der Netzkultur zu beteiligen, statt diese völlig unkonstruktiv und pauschal zu verdammen.
    Ist das eine mögliche Antwort – wenn auch nicht die direkt von Ihnen erwartete?
    Liebe Grüße
    Patrick Breitenbach

  52. super formuliert...

    Es geht...
    super formuliert…
    Es geht darum, die Lebensqualität zu verbessern, den interkulturelle Austausch, die Wissensvernetzung, die Informationstransparenz, der freien Handel der demokratische Grundgedanke
    lg frank

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