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Eat, Pray, Was?

18.11.2010, 08:03 Uhr  ·  Andreas Kilb schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „Eat, Pray, Love“ sei der „wieder aufgewärmte Schaum“, der bei „Pretty Woman“ in der Badewanne zurückgeblieben war. Was den Film angeht, so bleibt Kilb nichts hinzuzufügen. Aber das Problem mit schlechten Filmen ist, dass die seriöse Kritik sich an ihnen nicht beschmutzen will, so dass die Botschaft des Werks keiner näheren Betrachtung unterzogen wird. Es sei denn, es handelt sich um einen Gewaltfilm und gerade hat wieder ein Amoklauf stattgefunden. Nun handelt es sich aber bei „Eat, Pray, Love“ tatsächlich um einen Egoshooter. Und wenn dieses Werk seine Wirkung nicht verfehlt, wird das erste Opfer des Amoklaufs die Liebe sein.

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Andreas Kilb schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „Eat, Pray, Love“ sei der „wieder aufgewärmte Schaum“, der bei „Pretty Woman“ in der Badewanne zurückgeblieben war. Was den Film angeht, so bleibt Kilb nichts hinzuzufügen. Aber das Problem mit schlechten Filmen ist, dass die seriöse Kritik sich an ihnen nicht beschmutzen will, so dass die Botschaft des Werks keiner näheren Betrachtung unterzogen wird. Es sei denn, es handelt sich um einen Gewaltfilm und gerade hat wieder ein Amoklauf stattgefunden. Nun handelt es sich aber bei „Eat, Pray, Love“ tatsächlich um einen Egoshooter. Und wenn dieses Werk seine Wirkung nicht verfehlt, wird das erste Opfer des Amoklaufs die Liebe sein. Sie erinnern sich vielleicht: Die Liebe, das war einmal der Wunsch nach Überwindung der unüberbrückbaren Distanz zwischen zwei Menschen (für Polyamoristen: zwei kann hier auch im Sinne von „viele“ gelesen werden). Man wusste um die Unüberbrückbarkeit, es ging darum, es zu versuchen, um die Hilfestellung, die man dem anderen geben musste, damit er nicht aufgibt. Ernsthaft jemanden zu lieben, das war einmal eine Aufgabe, der sich ein Mensch zu stellen hatte. Man könnte auch sagen: Ernsthaft jemanden zu lieben, das war einmal.

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„Eat, Pray, Love“ spielt in einer Zeit, in der an die Stelle der Liebe zu einem anderen die Suche nach seinem Selbst gerückt ist. Das riesige, ewig hungrige Selbst, das niemanden neben sich duldet, das ergründet und befühlt, bemeditiert und gepriesen werden will.

Zu Beginn des Films wird der Ehemann entsorgt. Dieser Ehemann ist wie alle Männer des Films eine lächerliche Figur, ein kindischer Waschlappen, einer von dieser Sorte, die Realität für eine Erfindung der konservativen Medien hält, und gern mal einen guten Weinkrampf hat. Und doch ist dieser Ehemann der einzige Mensch in der posthumanen Wirklichkeit des Films. Er möchte sich nicht scheiden lassen, er verlangt ein Gespräch und er ist der Ansicht, seine Frau hätte ihm mitteilen sollen, was sie stört. Damit hat er leider recht. Deswegen heißt es ja auch „Ehe“ und nicht „Sexwochenende“. Er ist ein Träumer und einer dieser ewigen Jungs, aber man könnte mit ihm reden. Und er ist nicht zuletzt ja eigentlich – und das wäre die Logik früherer Romantic Comedies gewesen – ihr Träumer, ihr ewiger Junge. Und was zu einem gehört, das lässt man doch nicht so einfach zurück.

Hier aber steht er nur dem gigantischen Ego seiner Frau im Weg. Das Ego würde sich jetzt gerne mal selbst finden, es wurde von seiner Mama im Kinderparadies abgegeben und nicht abgeholt, jetzt irrt es durch eine bunte IKEA-Welt, die nur deswegen nicht von IKEA ist, weil wir uns hier im gehobenen Mittelstand befinden. Im Spiegel, das bin nicht ich, ich bin mehr als tausend Worte, ich bin ein Gedicht, ein Epos, ich bin vor allem: ziemlich hungrig.

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Das Selbst fragt eine „Freundin“ (Freundin in Anführungsstrichen, weil sie natürlich keine Freundin ist im veralteten Sinne von „die mag ich“ ist, sondern einfach nur eine Komparsin im Film der Hauptdarstellerin – und ich rede hier nicht etwa von der Hauptdarstellerin Julia Roberts, sondern von der Figur, die wie alle Selbstsüchtigen Hauptdarstellerin in ihrem Film ist. In diesem Sinne könnte ich alle weiteren Figuren, den „Guru“, den „Lover“, den „Mentor“, den „Latin Lover 1“, den „Latin Lover 2“ in Gänsefüßchen setzen, aber ich lasse das jetzt), was sie heute gegessen habe. Die Freundin antwortet, sie habe einen Salat verzehrt, worauf das Selbst kreischt: „Siehst du, ich habe keinen Hunger mehr!“

Da könnte nun einfach ein schlechter Dialogschreiber am Werk gewesen sein, denn normalerweise läuft ein Dialog ja nicht so („Was hast du heute gegessen?“ – „Einen Salat“ – „Ich habe keinen Hunger mehr“) ab, aber diese non-sequitur-Dialoge sind eben gerade folgerichtig, wenn der andere definitionsgemäß nur Stichwortgeber ist.

Weil es keinen Hunger mehr hat und eben doch so hungrig ist, reist das Selbst also nach Italien, um es leer zu fressen. Nein, Moment, erst wendet sich Julia Roberts (als Gottesanbeterin par excellence) noch rasch Gott zu. Sinngemäß sagt sie ihm: Hey Gott, du bist bestimmt froh, dass ich wieder dabei bin. Bisher dachte ich, Demut sei der Kern jeder religiösen Botschaft, aber ich dachte ja auch, man heirate jemanden, um bei ihm zu bleiben, und nicht, um ihn gegen einen Pastateller einzutauschen.

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Warum eigentlich Demut? Zeit für einen winzigen Exkurs. Im Gespräch mit Chrismon sagte ein Kinderherzchirurg über seine Arbeit: „Als ich anfing, war ich etwas egozentrisch. (…) Inzwischen weiß ich: Wir können nur kleine Dinge bewirken. Dieses Wunder, dass ein Herz nach der Operation wieder schlägt, kann nur die Natur vollbringen. Ein Chirurg allein kann nie ein Herz zum Schlagen bringen. Wenn man das versteht, sieht man, dass die eigene Rolle viel kleiner ist, als man anfangs denkt.” Dieser Mann rettet jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr Kindern das Leben. Nimm das, Riesenego! Die Einsicht, dass man klein ist, kommt selbst im Kindergebet noch vor „Mein Herz ist rein“. In der großen Nabelschau „Eat, Pray, Love“ jedoch ist das Selbst das ganze Universum. Dieses Universum will in Balance gehalten werden. Balance kann man in Indien suchen, das ist ein Land, das Kalendersprüche exportiert, oder in Indonesien, das ist im Grunde dasselbe wie Indien, heißt ja auch so ähnlich, nur mit einer Prise alternativer Medizin und unprofessionelleren Touristenabzockern, Verzeihung: Gurus. Balance ist übrigens auch das große Ding in der Kosmetikindustrie und eine Industrie ist auch „Eat, Pray, Love“. Das dem Film zugrunde liegende Buch stand über drei Jahre auf der Bestsellerliste der New York Times und ein Blick auf die Facebookseite des Unternehmens offenbart, was man außer Selbsterfindungsseminaren auch noch verkaufen kann.

Bild zu: Eat, Pray, Was?

EAT PRAY LOVE by Dogeared… simple jewels to wear daily, ornate pieces that tell stories of their own, and accessories to carry as new adventures unfold. Inspired by the story, celebrating your journey. (Good Karma necklaces, Make a Wish necklaces, charmed earrings, peace bracelets). Bevor man sich jetzt beruhigt zurücklehnen möchte, weil doch bestimmt nur wahnsinnige Amerikaner auf so etwas herein fallen: Nirgendwo war der Film außerhalb der USA so erfolgreich wie in Deutschland. Sie sind mitten unter uns. Goodbye, Love. Hallo, Selbst.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (32)
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ist doch alles Banane; ich...

ist doch alles Banane; ich würde Julia Roberts egal wo zuschauen, einfach weil sie klasse ist; schöne Faru in schöner Landschaft, das reicht! wen interessiert da den Plot?

Ganz wunderbar böse. Merci!...

Ganz wunderbar böse. Merci!

0 NicanderAvonSaage 18.11.2010, 09:49 Uhr

Ihre Frau beispielsweise....

Ihre Frau beispielsweise.

Es täte den Leuten besser,...

Es täte den Leuten besser, wenn sie bei mentalen Defiziten in die Kirche gingen statt in Schwulstfilme. Hat mehr Substanz und ist preiswerter.

ja und nein. eat pray love ist...

ja und nein. eat pray love ist ja kein schlechter film, sondern die schlechte verfilmung eines immerhin (im original) recht lesenswerten buches. wo man im buch amuesiert und leicht den gedanken der protagonistin folgt, als waeren es die oft unausgesprochenen eigenen, schafft die besichtigung im film eine quasi therapeutische distanz. - liz gilberts buch ist kein literarisches meisterwerk im engeren sinne, aber von einer fast vorauseilenden zeitgenossenschaft, die eat pray love das dauerabo internationaler bestsellerlisten sicherte. ein buch, das wer sich fuer den puls der gegenwart interessiert - genau wie ein, zwei harry potter baende - durchaus gelesen haben kann. die aufgekochte filmsuppe in beiden faellen ist merchandising - einmal mehr, einmal weniger glueckliches.

0 HansMeier555 18.11.2010, 13:01 Uhr

Die Liebe ist ein fernes Land....

Die Liebe ist ein fernes Land.

0 a²+b²=x² 18.11.2010, 13:30 Uhr

HansMeier555@Die Liebe ist ein...

HansMeier555@Die Liebe ist ein fernes Land......erreichbar, aber erst nach dem ersten, getanen, Schritt.

0 HansMeier555 18.11.2010, 13:42 Uhr

"Titanic" fand ich übrigens...

"Titanic" fand ich übrigens gar nicht so schlecht. Das muss man erstmal nachmachen, bevor man es als Kitsch verdammt. . Dort gab es auch sinnvolle, psychologisch glaubwürdige Massenszenen, wie man sie in den letzten Jahrzehnten im Kino auch kaum noch zu sehen bekam. . Der Grund ist einfach. Massenszenen sind fast immer politisch und darum im Mainstreamkino schwer unterzubringen. . Was einem heutige REgisseure in 120 Minuten zeigen, könnte man aller Regel auch 10-15 Minuten zusammenschneiden, und es wäre immer noch nicht spannend.

kennen Sie die Pumuckl...

kennen Sie die Pumuckl Technik? von einem Blog zum andern undjetzt schauen sie sich Domrep und Haiti ganz genau an

0 HansMeier555 18.11.2010, 13:54 Uhr

...

@tiberiat . Julia-Roberts-Filme finde ich furchtbar, aus dem gleichen Grund, aus dem mich Klaus-Kinski-Filme (Aguirre Fitzcaraldo etc.) immer nur angeödet haben. . Niemand will sich 100 Minuten lang die Mona Lisa anglotzen. Und auch keine Indios, die einen Raddampfer über den Hügel ziehen.

@Nicander A. von Saage meine...

@Nicander A. von Saage meine Frau schaut mit @adolar mmmh, tja, ..., meinem Papagei fällt auch nichts dazu ein, sorry; @HansMeier555 zum Glück sind iei Geschmäcker verschieden; außerdem glotze ich nicht, ich schaue und genieße, und von Kinski war keine Rede; seine Wallaceeinsätze finde ich immer noch toll, den von ihnen erwähnten Film habe ich allerdings nur in Auszügen gesehen!

0 HansMeier555 18.11.2010, 19:55 Uhr

@tiberiat Dann war das (10:35)...

@tiberiat Dann war das (10:35) gar nicht ironisch gemeint? . Fragt sich in den Arm zwickend

0 Foersterliesel 18.11.2010, 20:00 Uhr

lieber Hans Meier555, the...

lieber Hans Meier555, the wrath of god - eine Metapher für Leninismus und Voluntarismus! lieber Nicander, den besprochenen Film und das ihm zugrundeliegende Buch kenne ich zwar nicht, aber das mit den immensen Selbsten (und den dazugehörigen Kitschdevotionalien) stimmt ganz und gar!

0 HansMeier555 18.11.2010, 20:52 Uhr

Dem Lenin ging es bestimmt...

Dem Lenin ging es bestimmt auch nur ums Gold.

0 Neoliberal 18.11.2010, 21:47 Uhr

Super! Danke! Was für eine...

Super! Danke! Was für eine wunderbar treffende Zeitgeistanalyse.

"Sich selbst zu lieben ist der...

"Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze." Man kann diesen Trend schon lange an der Geburtenrate ablesen. Die Leute haben nicht mal mehr Lust, kleine Kinderherzen zum schlagen zu bringen, dabei ist das ganz einfach, auch wenn man kein Chirurg ist.

Jeder Versuch sich mit einem...

Jeder Versuch sich mit einem nicht-egoistischen Leben auseinanderzusetzen, endet irgendwann digital beim Glauben. Wenn das alles wirklich in gesamt 80 - 100 Jahren vorbei ist und nichts mehr kommt, warum dann nicht-egoistisch handeln? Wenn "helfen" und "sozial sein" Glück bedeuten, sind die verbundene Handlungen auch der Glücksmaximierung geschuldet und damit egoistisch. Der Film schildert lediglich den Status quo eines Einzelnen, der im Wesentlichen unabhängig ist und deshalb egositisch sein kann. Und Menschen die deutlich unabhängiger sind von Ihrer Umwelt (Nachbarn, Familie, Vereine, etc.) als vor 50 Jahren, gibt es immer mehr.

Ich muss sagen diese Kritik...

Ich muss sagen diese Kritik ist zum Todlachen. Sehr schön..haha ich sehe das absolut genau so.

0 CrissCross 19.11.2010, 00:28 Uhr

inDOKTRInation: Der Pf...affe...

inDOKTRInation: Der Pf...affe hat viele Gläubiger. ;o)

0 PickelHut 19.11.2010, 01:01 Uhr

Dr Lenin wartet in seinem...

Dr Lenin wartet in seinem Mausoleum immer noch auf seine Wiederauferstehungt!

0 heimspiel 19.11.2010, 05:37 Uhr

Wenn man das Buch liest, dann...

Wenn man das Buch liest, dann muss man sagen, dass Liz Gilbert ihren Mann durchaus respektvoll behandelt, jedenfalls im Buch. Er wird mit keiner Silbe naeher beschrieben, weder in seinem Aussehen noch in seinem Verhalten, das einzige Negative was ueber ihnr geaeussert wird, ist, dass er sich mit Haenden und Fuessen gegen die Scheidung zu wehren scheint und sie so lange wie moeglich hinauszoegert. Ausserdem ziemlich hartnaeckig im Einfordern von materiellen Dingen ist, die beide sich im Laufe ihrer Ehe erworben haben, was durchaus legitim ist. Also sie geht sehr diskret mit ihm um. Keines weg stellt sie ihn in einem schlechten Licht dar, abgesehen von den obigen Fakten, die sie als einzige uber ihn der Oeffentlichkeit preis gibt. Insofern ist so ein Film dann vermutlich eine nicht gelungene Umsetzung des Buches und die Frage ist jetzt inwiefern das auf das Konto der Autorin geht oder nicht. Ansonsten ist das Buch durchaus lesenswert, weil einfach so gut geschrieben, dass man es gerne liest und geradezu suechtig wird nach ihrer Art von sehr lebendiger Plauderei. Abgesehen davon geht sie ueber das Literarische hinaus ins Eingemachte hinein und da finden wir dann vieles sehr Bedenkenswertes von ihr diskutiert auch wenn wir nicht immer mit ihr ueber einstimmen muessen. Jedenfalls Hut ab vor der Autorin! Den Film kene ich nicht.

0 Vielschichtigkeitsjunkie 19.11.2010, 08:05 Uhr

"Bevor man sich jetzt beruhigt...

"Bevor man sich jetzt beruhigt zurücklehnen möchte, weil doch bestimmt nur wahnsinnige Amerikaner auf so etwas herein fallen: Nirgendwo war der Film außerhalb der USA so erfolgreich wie in Deutschland." Das hätte eigentlich keiner gesonderten Erwähnung mehr bedurft. Die Deutschen, das ehemalige Volk der - angeblich - "Dichter und Denker", amüsiert sich bei jeder Gelegenheit über den "dummen Mainstream" made in Hollyschund und das es sowas ja nur in "Amiland" geben könne, tjaha, die Fast food- und Junk brain-Amis sind halt ein bisschen rückständig, nicht? Um dann zu Millionen vor DSDS zu sitzen und sich von Bohlen freiwillig in den Kopf kacken zu lassen. Oder sich im Kino egalitär-eierlose Kloblödien anzuschauen, die Witze auf Sonderschulniveau verschleudern und politisch ganz doll korrekt bloß niemanden "beleidigen" wollen - und gerade deshalb so primitiv, unerträglich flach und geistlos sind. Wer bitte glaubt denn noch an das alberne Märchen vom kulturell überlegenen Deutschland.

0 Moritz Micalef 19.11.2010, 08:43 Uhr

Erst einmal herzlichen Dank...

Erst einmal herzlichen Dank für Ihren Blog Eintrag aus der Stadt, in der Egos wie Flipperbälle durch die Straßen schießen: Berlin. Es sind vor allen Dingen Ihre Ausführungen über den Begriff der "Demut", die mich fasziniert haben. Als nicht konfessionell gebundener Single in einer Metropole, deren Bewohner die Selbstdarstellung und Selbstentfaltung zu ihrem Mantra erkoren haben, habe ich selbst einige Erfahrungen im Umgang mit Demut. Der Zusammenhang ist dabei meist ähnlich: Ich komme mit jemanden in einer BAr, auf einem Konzert oder sonstwo ins Gespräch. Bereits in dieser unverbindlichen, frühen Phase des Kennenlernens ist es hier Gang und Gebe, dass man innerhalb kürzester Zeit seinem Gegenüber einen ausführlichen Abriss über all die unfassbar interessanten Dinge gibt, die man bisher unternommen hat, um dem eigenen Anspruch an Selbstverwirklichung und kreativer Entfaltung gerecht zu werden. Es sind also keine Gespräche, in denen das gegenseitige Kennenlernen über das Finden gemeinsamer Standpunkte zu Themen wie Film, Politik oder Literatur passiert. Vielmehr geht es um das Präsentieren des Selbst in seiner ganz eigenen Grandiosität. Das eigentlich erschreckende an solchen Begegnungen ist, das zur Schau stellen eines eklatanten Mangels an Neugier und Interesse an dem Gegenüber. Man ist sich selbst prinzipiell erst einmal genug und sucht gar nicht nach Ergänzung, Vervollkommnung oder auch nur einem Echo in dem anderen. Denn man hat ja bereits alles in sich. Vielen Dank für Ihren Text. ein schönes Wochenende Moritz Micalef

0 HansMeier555 19.11.2010, 09:23 Uhr

Diesen Frauen fehlen einfach...

Diesen Frauen fehlen einfach ein paar (eigene) Kinder. . Man muss dieses Kampfwichsertum gar nicht erst in Beziehung zur Sarrazunsinn-These setzen ("wir schaffen uns selber ab") um zu begreifen, was die Moslems uns voraus haben.

Also liest man diese Kritik...

Also liest man diese Kritik kann man wirklich nur beginnen zu lachen! Ich hoffe dafür gibt es nicht noch Geld! Das erste was mir persönlich durch den Kopf ging war: wie frustriert muss der Autor sein, es tut einem schon wieder leid! Mal ganz ehrlich, es handelt sich schlicht um einen Film, NUR um einen Film! Soviel Engerie in diesen Artikel, dieses Zerreißen des Filmes zu verschwenden...was für verschwendete Kraft und Zeit! Und genau darum geht es ja in dem Film (der Vorteil wenn man sich darauf einlässt und zuhört!). Es geht um Lebensqualität, Dasein und den inneren Frieden. Wenn man innerlich unglücklich, einsam und zerstört ist, wie kann man dann noch fähig sein jemand anderen zu Lieben und vor allem diesen Menschen glücklich machen, so wie er es verdient!??? Ist man selber mit sich nicht im reinen, kann man das denn mit anderen sein? Für mich klingt es nach Wut, Frustration und Traurigkeit des Autors. Vielleicht ist ihm das gleiche wiederfahren...was schrecklich ist, jedoch sollte man nicht andere dafür verantwortlich machen oder bestrafen! Ist es nicht besser ehrlich zu sein, der Wahrheit ins Auge zu schauen und sein Leben neu ordnen! Nicht alles macht im Leben Sinn, jedoch sollte man sich eines bewahren und das ist die Ehrlichkeit gegenüber anderen und vor allem zu sich selbst! Auch wenn es schmerzhaft und manchmal ungerecht erscheint, aber lieber ehrlich also ein Lebe lang in bzw. mit einer Lüge leben!

0 Observator 19.11.2010, 10:24 Uhr

Nichts gegen Fitzcarraldo -...

Nichts gegen Fitzcarraldo - ich schaue gerne Leuten dabei zu, wie sie sinnfreie Schwerstarbeiten verrichten. Der Figur, die Kinski verkörperte, kann man außerdem zugute halten, dass sie zumindest etwas Bleibendes erschaffen wollte, während es bei Eat,usw. offenbar nur auf Gedöns hinausläuft.

0 NicanderAvonSaage 19.11.2010, 10:48 Uhr

@Moritz Micalef Sie müssen...

@Moritz Micalef Sie müssen tatsächlich in dem Berlin leben, in dem ich auch lebe. Berlin: Die Stadt derer, die EIGENTLICH Künstler sind. Das mit dem Job hier ist nur eine Phase. @Paul Sie wären erstaunt, wie wenig Mühe das macht.

0 NicanderAvonSaage 19.11.2010, 10:51 Uhr

@HansMeier555 Ich sehe das...

@HansMeier555 Ich sehe das ganz und gar nicht als Frauenproblem. Allerdings gibt es da schon einen Zusammenhang zwischen der fehlenden Bereitschaft, Kinder zu bekommen und dem Tanz ums Selbst. In den meisten Beziehungen gibt es ja schon ein Kind: Den quengeligen Mann, der noch nicht recht weiß, der sich gern nochmal ausprobieren würde, der Angst hat, weniger Zeit für seine Spielkameraden zu haben.

0 HansMeier555 19.11.2010, 12:16 Uhr

Werdet wie die Kinder. Ob Mann...

Werdet wie die Kinder. Ob Mann oder Frau ist egal, besser wäre sowieso ganz ohne Geschlecht. Diese Einsicht verdanken wir längt Michel Houellebecq.

0 donna laura 19.11.2010, 12:21 Uhr

lieber geschätzter Nicander...

lieber geschätzter Nicander A. von Saage, das mit dem kind, das der mann von beginn an in die ehe miteinbringt, ist hübsch formuliert - ich würde geneigt sein, noch eines darauf zu setzen: die frau bringt auch ihres mit. so gesehen, hätten wir dann dreizehn. . im ernst, den film, den sie besprachen, würde ich mir nicht ansehen, einfach, weil man schon ahnt, wie dieses kasperltheaterähnlich zusammengestellte etwas läuft (wie chocolat und all diese abstrusen genrefilme), und wie entsetzlich langweilig er sein wird. wer möchte sich da noch mit den inhalten auseinandersetzen; doch etliche schauen sich solche filme an, es bleibt nur die vage hoffnung, dass sie die inhalte kritisch reflektieren. . den partner wie das kostbarste geschenk zu behandeln, das einem im leben (auch aufgrund eigenes zutuns, denn man hätte in der kennenlernphase auch ignorant und grässlich sein können) zugelaufen ist, das unterstreiche ich stets und immer wieder. . dass einem auch weitere kostbarkeiten zulaufen können, was nichts mit dem partner, wohl aber viel mit einem selbst zu tun hat, möchte ich nicht verschweigen. wobei es dann darauf ankommt, niemals den partner herabzusetzen und zu kränken. ideal ist es, wenn er derselben auffassung ist und diese dann auch leben kann. . doch bei ersten schwierigkeiten das ende und/oder bei neuen begegnungen die grosse neue liebe auszurufen, und damit den partner abzuservieren, hat nichts mit zuverlässigkeit und daraus resultierender treue zu tun, die man doch einander feierlich nicht nur auf dem standesamt versprochen hat. wenn man davon ausgeht, dass man es sich gut überlegt hat, wen man heiratet, wäre es kurios, etwas so grosses und wichtiges im leben einfach so hinzuwerfen. der andere hat, ebenso wie man selbst, ein recht auf planungssicherheit (um es mal technokratisch auzudrücken) im einzigen leben, das er hat, auf ernsthafte, verantwortungsvolle, liebevolle auseinandersetzung und auf das leben seiner träume, wenn er es möchte.

Natürlich sind es nicht nur...

Natürlich sind es nicht nur die Frauen, die angeblich nicht wollen. Auch Männer haben Angst vor der Verantwortung! Kinder sind eine Herausforderung, der viele nicht gewachsen zu sein glauben. Was ja bei manchen auch stimmt. Allerdings unterschätzt man den positiven erzieherischen Einfluß, den Kinder auf Ihre Eltern haben - wenn die die Herausforderung annehmen. Es könnte durchaus ein positiver Beitrag zur Persönlichkeitsbildung sein!

Den besten Kommentar zum Film...

Den besten Kommentar zum Film gibt es auf Youtube: Einfach nach "Kermode", "Uncut" und dann "eat"...suchen... Erleuchtend zur Rolle der Frau in diesem Streifen...