Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Bekenntnisse eines Streuverlustes

| 22 Lesermeinungen

Endlich nur noch Werbung, die den User auch wirklich interessiert - das versprechen die Online-Werber schon seit Jahren. Aber trotz Targeting, Tracking und Profiling regiert doch zumeist noch das Prinzip Gießkanne.

Ein Geständnis gleich vorneweg: Ich finde Werbung gar nicht sooo schlimm. Etliche meiner Bekannten arbeiten in der Werbung, und ich für mein Teil verdiene meine Brötchen mit Berichten in der einschlägigen Fachpublizistik. Aus diesem Interesse heraus surfe ich auch nicht mit Ad-Blocker auf Maximalstufe, sondern versuche lediglich, mir nervige Pop-ups und kaum wegklickbare Layer-Ads vom Hals zu halten.

Aber es gibt da ein paar Anbieter, die meine Nachsicht in Sachen Banner-Werbung allmählich ganz schön strapazieren. Nennen wir doch Namen, da wäre zum Beispiel die Kuppel-Plattform Elite-Partner, die mir (und anderen) ständig „Akademiker und Singles mit Niveau“ andient. „Liebe ist kein Zufall“, lautet der Claim dieses Portals, aber die Platzierung seiner Werbebotschaften anscheinend schon. Die erreicht mich nämlich unter anderem auch im eingeloggten Bereich meines Freemail-Anbieters. Und das irritiert mich dann doch nicht wenig; immerhin habe ich dort schon vor Jahren in meinen Profilinformationen den Status/Familienstand in „verheiratet“ geändert. Mag ja sein, dass der heilige Ehestand manche Zeitgenossen nicht davon abhält, im Netz auf die Balz zu gehen. Aber ich kann auf derlei Angebote wirklich gut verzichten. Digitale Dating-Dienste sowie deren analog-konventionelle Pendants habe ich übrigens auch in den Jahren meines Single-Daseins nie in Anspruch genommen.

Bild zu: Bekenntnisse eines Streuverlustes

Was lehrt uns dieses Beispiel nun? Es ist in vielen Fällen anscheinend immer noch günstiger, Werbung nach dem Prinzip Gießkanne zu verteilen als den Aufwand zu treiben, die enger gefasste Zielgruppe auf dem richtigen Fuß zu erwischen. Gut, ich sollte mich eigentlich damit zufrieden geben, dass man mir AkademikerInnen und potenzielle PartnerInnen mit Niveau andienen will. Und nicht etwa versaute, Pardon: aufgeschlossene Osteuropäerinnen, die keine Tabus kennen oder sittlich bedenkliche Fernsprech-Offerten, die Fernsehzuschauern oftmals nach 23 Uhr ins Wohnzimmer gurren. Ich dachte immer, der Deal mit meinem Freemail-Anbieter (ein einheimischer Dienst mit drei Buchstaben) wäre der, dass ich einige persönliche Angaben mache – und der Dienstleister bemüht sich im Gegenzug, die unvermeidliche Werbung einigermaßen auf meine Interessen und Bedürfnisse zuzuschneiden. Das Bemühen ist ansatzweise auch erkennbar: Zumindest schafft man es mittlerweile, die Werbung von Elektronik-Großmärkten so maßzuschneidern, dass der Postleitzahlbereich der mir als Anlaufstelle genannten Filiale halbwegs zu meinem Wohnort passt.

Damit ist der Gipfel der von mir beobachteten Präzisionsleistungen noch nicht erreicht: Irgendwie hat sich im Netz auch herumgesprochen, dass ich privat krankenversichert bin. Und folgerichtig bekomme ich Wechselangebote und Vergleichsberechnungen angedient sonder Zahl. Google hat sich gemerkt, dass meine Frau an meinem Notebook-Heimrechner mal eine Zahnarztpraxis in Düsseldorf suchte. Seitdem vergeht kein Tag im Netz ohne einschlägige Textanzeigen, deren Lektüre einen mit den Zähnen knirschen lässt: „Strahlendes Lächeln wie die Stars“, oder noch krasser: „Endlich lästigen Mundgeruch loswerden!“ Hallo, geht’s noch? Das ist kein Mundgeruch, gestern gab’s Knoblauchbrot beim Italiener. Wird das jetzt auch schon erschnüffelt von den Datensammlern? Kürzlich habe ich in den Kleinanzeigen von Ebay ein gebrauchtes Rennrad als Zweitrad für den Winterbetrieb gesucht und gefunden, seitdem verfolgen mich die Rennrad-Anzeigen der Ebucht im Netz, wo ich gehe und stehe, auf der Startseite meines Blogdienstes, auf hinteren Seiten bei Spiegel Online. Meine Frau, die mein heimisches Notebook nach Feierabend auch manchmal nutzt, argwöhnt bereits, ich wolle womöglich ein eigenes Team für die Tour de France ausrüsten oder ein Fahrradmuseum errichten. Kurzum: Das mit der auf die Interessen der Nutzer zugeschnittenen Werbung funktioniert irgendwie noch nicht so richtig. Dass ich privat versichert bin, heißt nicht, dass ich permanent wechselbereit bin. Und dass ich mal ein Fahrrad übers Internet erworben habe, macht es bei Licht besehen nicht sonderlich wahrscheinlich, dass ich das unmittelbar danach gleich wieder tue, oder?

Dabei sind die Anstrengungen, die Werber und Vermarkter im Netz schon heute mit dem sogenannten Targeting (also dem möglichst zielgruppengenauen Einspielen von Werbebotschaften) treiben, ziemlich beachtlich. Wikipedia unterscheidet zwischen Geotargeting, Predictive Behavioral Targeting, Keyword-Advertising, Semantischem Targeting, Sozio-Psychographischem Targeting, Time & Date Targeting und neuerdings auch Social Media Targeting, das mehr oder weniger die anderen Ansätze in sozialen Netzwerken kombiniert. Stets ist das Ziel die Reduzierung der sogenannten Streuverluste, bis im Idealfall jeder User nur die für ihn jeweils relevante Werbung eingeblendet bekommt, der Schuss ins Schwarze sozusagen.

Bild zu: Bekenntnisse eines Streuverlustes

Stefan Noller, Gründer und Chef des Targeting-Dienstleisters nugg.ad, vergleicht diese ausgefeilten Methoden gerne mit dem Erfolgsrezept von Tante Emmas Laden um die Ecke: Die Inhaberin dort kennt einen und gibt personalisierte Empfehlungen – was nur geht, weil sie stets aufmerksam verfolgt, wie ihre Kunden sich verhalten. „Behavioral Targeting ist der Tante-Emma-Laden als Algorithmus: schauen, was Leute tun, und darauf basierend der Werbung relevantere Antworten geben“, sagt Noller. Wobei für ihn nicht nur das Klickverhalten zählt, zusätzlich setzt seine Firma auch auf Befragungen unter den Besuchern von Websites. Da werden dann Produktpräferenzen und soziodemographische Daten wie Alter, Geschlecht, Formalbildung und Einkommensgruppe erhoben, die in die statistischen Modelle einfließen. Nugg.ad betont, es gehe nicht persönlich um den konkreten User Erich Mustermann und dessen personenbezogene Daten, sondern sozusagen um seine statistischen Zwillinge, die in den für die jeweilige Kampagne relevanten Merkmalen mit ihm übereinstimmen.

Denken wir das ganze Thema aber weiter in die Welt der mobilen Datendienste, dann sind wir dem gläsern Kunden demnächst womöglich doch ein Stück näher. Denn über sein Smartphone und seine Positionsdaten ist der mobile Internet-Nutzer individuell ansprechbar und nicht nur seine statistischen Zwillinge. Amerikanische Rechengenies und Profiler im Dienste der Werbewirtschaft behaupten, sie bräuchten von jedem Menschen nur 20 Datenpunkte, dann könnten sie mit weit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit prognostizieren, welchen Geschmack er hat und welche Dinge er mögen wird. Bringe man die richtige Botschaft für diesen jeweiligen Menschen im richtigen Moment aufs Handy, dann funktioniere das fast so gut wie eine Fernsteuerung.

Bild zu: Bekenntnisse eines Streuverlustes

Aber Zweifel an diesen vollmundigen Versprechen sind angebracht. Schließlich hören wir die Sirenengesänge von ach so individuell passend zugeschnittenen Werbebotschaften übers Netz schon seit Mitte der Neunziger. Warum mein Handy genauer verraten sollte als mein Computer, wann ich vielleicht wieder ein Fahrrad kaufe, darf man mir gerne mal erklären. Ich halte es da mit Max Goldt, der zum Thema Datenparanoia wegen Volkszählung mal sinngemäß sagte: Was haben sich damals alle drüber aufgeregt aus Sorge, zum gläsernen Bürger zu werden. „Bin ich davon etwa gläserner geworden? Nein, mein Treiben ist undurchsichtig wie eh und je.“

———————————————- o ————————————————
Unser Gast des Monats nennt sich nach dem Kennzeichen seines Darkmobils
MARK793, betreibt unter http://mark793.blogger.de seine Netzpräsenz
und schreibt dort nicht nur über störenden Netzunbill,
sondern auch über Familie, Fahrrähder,
und als Medienjournalist
auch woanders.

0

22 Lesermeinungen

  1. Die Anmeldung eines fake...
    Die Anmeldung eines fake accounts bei facebook machte mich um exakt eine Erfahrung reicher: Fortan trudelten wieder und wieder und wieder gefakte Kontaktwünsche gefaketer Damen nebst gefaketer Nacktansicht der Oberkörpers in die mailbox meiner gefaketen Identität. Ich habe mich auch schon versuchsweise mit den persönlichen Daten von Hitler und Stalin bei verschiedenen Plattformen angemeldet, das geht ja alles problemlos. Klebt man sich mal für zwei Wochen „Stalin“ an den Briefkasten, dann kommen auch Bestellungen dort an. Das daraus entstehende Persönlichkeitsprofil würde ich gerne mal sehen.

  2. Im Ernst? Vielleicht ist das...
    Im Ernst? Vielleicht ist das ja Spezialbehandlung für gefakete Accounts. Ich bin im Gesichtsbuch mit dem richtigen Gesicht unterwegs (wenn auch unter Pseudonym), verfolge dort das Treiben von ein paar Freunden aus der Real- und Bloggerwelt. Aber solche halbseidenen Kontanktanbahnungsversuche waren bislang Fehlanzeige. Lediglich ein paar übereifrige Kontaktsammler aus dem Umfeld der Web-2.0- und Startup-Szene musste ich abschlägig bescheiden. Vielleicht bin ich einfach zu seriös unterwegs (oder sagen wir es rundheraus: ein zu langweiliger und spießiger Typ), als dass man mir zweifelhafte oder moralisch fragwürdige Angebote machen würde. ;-))

  3. Interessante Erfahrungen haben...
    Interessante Erfahrungen haben Sie da schon gemacht. Ich habe den Eindruck, ich verpasse da richtig was hinter meinem eisenen Vorhang.
    (Jeez! Selbst der „Hinzufügen“-Kopf hier ist Javascript.)

  4. Doch, doch. Etwa zehn dieser...
    Doch, doch. Etwa zehn dieser „Kontaktversuche“ in einem Monat. Dann allerdings ist es Woche still geworden. Nadja, Tanja, Shelby und wie sie heißen, schmollen wohl mangels Rückantwort.
    Ich bin allerdings dort absolut inaktiv. Es existiert nur der account, den ich nun auch wieder lösche.

  5. Ich kenne mich mit den...
    Ich kenne mich mit den Methoden der Branche nicht so gut aus. Ich könnte mir vorstellen, dass gar nicht mal die soziale Spezifizerung der Werbung, also der Zuschnitt auf gerade Sie, das Problem ist, sondern die Zeitdimension: Wann genau kommt Werbund für einen Zahnarzt, ein KV-Angebot, ein Rad oder auch einen neuen oder weiteren Partner zur rechten Zeit? Wie stellt man das fest?

  6. Ich mag Werbung jeglicher Art...
    Ich mag Werbung jeglicher Art nicht mehr sehen (abgesehen von den unvermeidlichen, aber zuweilen doch interessanten Empfehlungen aus dem virtuellen Amazonas-Delta). Daher surfe ich mit Opera und völlig geblockter Reklame. Ein herrliches Gefühl! Und wie irritierend der gelegentliche Blick auf anderer Leute Bildschirme, wo es an allen Ecken aufmerksamkeitsheischend blinkt und tutet…
    P.S.: Ja, ich weiß, daß kostenlose Web-Angebote irgendwie finanziert werden müssen. Und?

  7. Das wäre doch die Grundlage...
    Das wäre doch die Grundlage für einen soliden Algorithmus: Wenn die vorliegenden statistischen Daten absolut nicht zusammenpassen und widersprüchlich sind, dann ist die Zielperson ein Datenschutzfanatiker und Wirtschaftssaboteur. Eingeblendet wird folgerichtig Werbung für biologische Koffein-Limonade, Katzenbildchen und Werbeblocker („hätten Sie diese Software installiert, würden wir Sie jetzt nicht nerven können…“)
    .
    Bankverbindung für Provisionszahlungen reiche ich nach.

  8. @notquitelikebeethoven: Die...
    @notquitelikebeethoven: Die Behauptung der Branchenexperten, aus der Datenfülle ließen ich anhand bestimmter Nutzungsmuster entsprechende Indizien ableiten, steht im Raum. Aber was davon im Einzelnen zu halten ist, kann ich aus der Ferne nicht so recht beurteilen. Angebote zum Wechsel der Autoversicherung lassen sich ja aufgrund des Stichtags recht einfach terminieren, aber bevor ich nicht aktiv ein Vergleichsangebotsformular ausfülle oder anderen einschlägigen Content aufrufe, wüßte ich nicht so recht, wie man den Wechsel der KV-Anbieters antizipieren will. Aber ich frage bei Gelegenheit mal nach.
    .
    @anderl: So recht erklären kann ich mir das nicht, wieso ich von dergleichen weitestgehend verschont blieb.
    .
    @kristof: Mir als Gastautor stünde es nicht gut zu Gesicht, die technische Infrastruktur dieses Angebots öffentlich zu kritisieren, aber ich muss gestehen, dass schon so manche diesbezügliche Klage (auch über das Fehlen von html-Tags in den Kommentaren beispielsweise) an mein Ohr gedrungen ist. Auf den Fluren ist auch die Rede davon, dass einige Punkte in naher Zukunft nachgebessert werden sollen. Aber fragen Sie mich nicht nach Details.

  9. "Amerikanische Rechengenies......
    „Amerikanische Rechengenies… welchen Geschmack er hat und welche Dinge er mögen wird.“
    Schön, wenn man seine Einkäufe auf dem Wochenmarkt oder auf dem nächsten Bauernhof tätigen kann. Und bar zahlt.
    (Das Funktelefon liegt ausgeschaltet zuhause und dient – nur bei Bedarf – als „Telefonzelle“.)

  10. "Ein Geständnis gleich...
    „Ein Geständnis gleich vorneweg: Ich finde Werbung gar nicht sooo schlimm. Etliche meiner Bekannten arbeiten in der Werbung, und ich für mein Teil verdiene meine Brötchen mit Berichten in der einschlägigen Fachpublizistik. “
    …und schon les ich nicht mehr weiter. Reklame ist die neue Pest. Und alles was die Täter zur Entschuldigung vorbringen sind -was sonst?- Reklame. Also Lügen.

  11. @Sehr schön Herr Gast,
    Was...

    @Sehr schön Herr Gast,
    Was mich betrifft, ich hätte ja gegen zielgerichtete Werbung, in Maßen versteht sich, gar nichts einzuwenden. Ich bin zum Beispiel seit Jahren Terry-Prachett-Fan. Da wäre es doch schön, wenn mich die gezielte Werbung auf Neuerscheinungen, Sonderausgaben und Hörbuchvarianten etc. aufmerksam machen würde. :)
    *
    Haha, da habe ich gerade neben an was über einen Zahnarztbesuch kommentiert und schon bewirbt man mich mit Zahnzusatzversicherungen.

  12. Ich kann so ziemlich alle...
    Ich kann so ziemlich alle Beobachtungen des hochverehreten Gastes nur seufzend bestätigen. Das beste, was Zielgruppenmarketing bisher hervorgebracht hat, sind die „Empfehlungen“ von Amazon. Da ich dort meist für mich persönlich einkaufe, passen die empfohlenen Artikel meist erstaunlich gut zu Teilen meines Interessenprofils – es sei denn, ich habe einen Artikel aus einem Bereich für die Verwendung in einem ganz anderen gekauft. Der hinter der Amazon-Werbung stehende Algorithmus scheint aber höchst simpel zu sein – eine Häufigkeitsauswertung, welche anderen Dinge diejenigen kaufen, die sich den selben Artikel besorgt haben, den ich bestelle.
    Ansonsten hat das Zielgruppenmarketing ohnehin das gleiche Problem wie Marketing überhaupt – nämlich überhaupt erst einmal wahrgenommen zu werden. Die Marketingsüberflutung im öffentlichen raum wie im Internet hat zumindest meine Wahrnehmungsschwelle für Werbung auf nahe 0 absinken lassen.

  13. @: Genau. So geht...
    @: Genau. So geht datensparsames Leben. Grade gelesen, dass Payback von American Exzess übernommen wurde. Ich rieche Synergie-Effekte, die mir das Frühstück förmlich wieder hochholen.
    .
    @reklamehasser: Ein legitimer Standpunkt, der mir freilich etwas kurz gesprungen scheint. Konsequent weitergedacht basiert unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem auf Lügen, die Werbung ist da nur der plakative Punkt, an dem es auch dem sich kritisch und aufgeklärt dünkenden Mindermerker auffällt. Letztlich weiß auch jeder Werber, dass es überspitzt gesagt darum geht, Leute dazu zu bringen, Geld auszugeben, das sie nicht haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, um damit Mitmenschen zu beeindrucken, die sie nicht mögen. Natürlich darf jeder Werbung doof finden oder auch hassen, aber der Betreffende muss sich auch fragen lassen, wie er sich sein alternatives Gesellschaftsmodell vorstellt, in dem die Bevölkerung mit weitaus weniger werbegetriebener Wertschöpfung auskommen muss. Dass jeder wieder seine eigenen Kartoffeln anbaut und auf dem Wochenmarkt zum Tausch anbietet, sehe ich bei der derzeigen Bevölkerungsdichte und Bedürfnisstruktur irgendwie nicht so recht. Also immer her mit konkreten Vorschlägen!

  14. Konkrete Vorschläge? Ich kann...
    Konkrete Vorschläge? Ich kann nur für mich sprechen. Ich mache keine Werbung für mich. Ich stelle mich und mein Tun nirgends vor. Ich arbeite ausschließlich auf Empfehlung. Wer mit mir zufrieden ist, sagt dies anderen, die dann hoffentlich auch zufrieden sind. Ich verzichte auf Laufkundschaft, so bleiben mir die Spinner vom Leib. Angeblich soll das gar nicht gehen. Nun lebe ich aber seit 17 Jahren davon. Möglich, dass ich auf andere Weise mehr verdienen könnte, wohlhabend würde. Für mein Wohlbefinden ist es jedoch so, wie es ist, besser.

  15. Also was jetzt: kein Problem...
    Also was jetzt: kein Problem mit Werbung oder doch? Ich empfehle: einfach ein Google Konto anlegen. Dann ist die Werbung sofort ziemlich zielgerichtet.

  16. Werbung oder zurück in die...
    Werbung oder zurück in die Steinzeit? Pardon, aber das erscheint mir dann doch ein bisschen einfach. Ich würde gern erleben, was passierte, wenn vier Wochen lang jegliche Werbung, on- und offline, gestoppt würde; so eine Art Reklamefasten also. Würden die Leute plötzlich verwirrt zu Hause sitzen und nicht mehr wissen, wie man Geld ausgibt? Oder würden sie sich daran erinnern, dass man ja auch mal den Nachbarn fragen kann, wie zufrieden er mit seiner Waschmaschine ist? Wobei, Moment mal … genau das passiert im Netz ja gerade, wenn ich mich nicht irre. Ist der ganze „gemanagte“ Werbekrams vielleicht nichts als die Endphase eines Systems, das demnächst von den Social Media pulverisiert wird?

  17. Mein Facebook-Account bleibt...
    Mein Facebook-Account bleibt ebenfalls von schlüpfrigen Kontaktanfragen verschont … vl. sind die ja auf einsame (also: keine Facebook-Freunde habende) Menschen programmiert – das wäre ja zeilgerichtete Werbung ;-)

  18. @dr_ksp: Ich habe seit Jahr...
    @dr_ksp: Ich habe seit Jahr und Tag auch ein gmail-Postfach, aber irgendwie bin ich mit dem vielgepriesenen Look & Feel nie so recht warmgeworden. Ich lasse da berufliche Mitteilungen und Newsletter der niedrigeren Dringlichkeitsstufe reinlaufen, mag die Adresse aber nicht zum Hauptwohnsitz machen (was sich irgendwann auch ändern kann, who knows?)
    .
    @Giannozzo: Ich würde das Experiment eines Reklamefastens auch begrüßen, keine Frage. Wahrscheinlich würde der Konsum auch nicht zusammenbrechen, jedenfalls nicht kurz- bis mittelfristig. Ich denke übrigens nicht, dass social media und das netzbasierte Empfehlungsgedöns die Werbewirtschaft komplett umpflügt oder obsolet macht. In Produktkategorien mit hohem Involvement wie Autos oder PCs wird das Thema sicher wichtiger werden als bei den sogenannten „schnelldrehenden Konsumgütern“. Hinzu kommt, dass die Mechanismen der Markenbildung und -Pflege doch etwas komplexer sind, als dass man diese kompletten Prozesse einfach mit Social Media substituieren könnte. Die wenigen Marken, die Social Media beachtliche Erfolgsgeschichten geschrieben haben, bauten dabei ja auch auf einer Menge bereits vorhandenem impliziten (und überwiegend offline erzeugten) Markenwissen beim Verbraucher auf. Die tollen, neuen Consumer-Marken, die das Web 2.0 groß gemacht hat, sehe ich derzeit irgendwie nicht. Aber das kann ja noch kommen.

  19. Ein interessanter Artikel und...
    Ein interessanter Artikel und einige etwas verkehrte Kommentare. Man sollte das Internet und die reale Welt etwas differenzieren. Ich habe damit absolut kein Problem das auf faz.de Werbebanner eingeblendet sind, da ich natürlich mir bewusst das die Redakteure und Co bezahlt werden müssen. Allerdings finde ich es sehr nervend wenn ich mir eine Zeitung kaufe und diese zu 50% aus Werbung besteht. Dafür zahle ich auch noch Geld? Was ist aber die Alternative für Werbung im Netz? Sollen alle Seiten nur noch gegen Geld betretbar sein? Gerade hochwertiger Content ist nicht einfach in 3 Minuten erstellt. Die AdBlocker-Nutzen gehen sicherlich auch arbeiten(sollten Sie zumindest) und werden auch für Ihre Arbeit entlohnt. Wie soll aber ein Redakteur oder Blogger für seine Arbeit im Netz entlohnt werden? Etwa direkt vom Kunden in monetärer Form? Da würden aber Viele aufschreien. Und bedenken die AdBlock User(die sicherlich viele auch in Firmen arbeiten, welche Ihr Geld direkt oder indirekt durch das Internet verdienen) das Ihre Arbeitsplätze auch zum Teil durch Werbung finanziert werden? Daher sehe ich Werbung durchaus positiv.
    @Giannozzo
    Glauben Sie tatsächlich das Social Media einfach nur von Usern generiert wird und nicht bewusst gesteuert durch Werbeagenturen & Co. Manche Unternehmen investieren ja nicht zum Spaß Millionen von Euros in Social Media. Aufbau von Fans und Freunden bei Facebook ist schon lange ein großes Geschäft bei dem ganze Agenturen den ganzen Tag damit beschäftigt sind. Social Media ist nicht der Tod des Systems sondern nur eine Weiterentwicklung. Gerade Facebook liefert hervorragendes Targeting.

  20. "Die wenigen Marken, die...
    „Die wenigen Marken, die Social Media beachtliche Erfolgsgeschichten geschrieben haben, bauten dabei ja auch auf einer Menge bereits vorhandenem impliziten (und überwiegend offline erzeugten) Markenwissen beim Verbraucher auf.“ – Hochverehrter Gast, das ist ganz sicher so. Allerdings gibt es zB Facebook ja auch erst ein paar Jahre. Es wird spannend zu beobachten sein, was die Generation, die jetzt mit Social Media aufwächst, in ein paar Jahren oder Jahrzehnten unter „Marke“ versteht – und welche Strategien die Werbung daraus ableitet. Dass „X. hat ein Fahrrad gekauft, also bieten wir ihm noch mehr Fahrräder an“ nicht wirklich funktioniert, haben Sie ja bereits beschrieben.

  21. HucklberryFin, vielleicht habe...
    HucklberryFin, vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Mit „System“ meine ich nicht Werbung an sich, sondern klassische Werbung, die klar zwischen Sender/Werber und Empfänger/Konsument unterscheidet. Das wird in den SM alles sehr viel unklarer und aus Sicht der Werber wohl auch riskanter: Kampagnen entwickeln ein Eigenleben, konkurrieren mit ungesteuertem user content usw. – Tod oder Weiterentwicklung des alten Systems ist dann eher eine Frage der Wortwahl.

  22. @Gianozzo: Sicher, auf der...
    @Gianozzo: Sicher, auf der Seite der Gleichung haben wir ein paar zusätzliche Unbekannten. Auf der anderen Seite macht uns die Nutzung von Facebook und mehr noch von mobilen Datendiensten mit all den Info-Bits, die wir den Datensammlern liefern, berechenbarer denn je. Es wird spannend, welche Resultanten sich jeweils aus diesen unterschiedlichen Vektoren ergeben. Vielleicht wird die Marke der Zukunft ja tatsächlich „fraktal“, wie es ein von mir nicht über die Maßen geschätzter Trendguru in den späten 80ern oder frühen 90ern proklamierte.
    .
    @huklberryFin:
    Aus diesem Dilemma sehe ich auch keinen komfortablen Ausweg. Aber eine aufs schlechte Gewissen der Adblock-Benutzer abzielende Jammerarie, wie sie der Spiegel-Online-Kollege Frank Patalong voriges Frühjahr absonderte, würde ich trotzdem nicht unterschreiben wollen. Etwas Schwund in der Zielgruppe ist halt immer, und die Fernsehsender reden ja auch keinem ein schlechtes Gewissen ein, der in der Werbepause seinen menschlichen Bedürfnissen nachgeht, anstatt sich an den Produktpreisungen zu delektieren.
    .
    Ansonsten haben Sie aber völlig recht, in der Tat unternehmen Agenturen längst enorme Anstrengungen, um in den Netzwerken und Plattformen was gebacken zu kriegen. Die Lernkurve ist steil, und über die offenkundigen Flops wird natürlich lauter geredet als über die vielen kleinen Lernerfolge, die es heute schon gibt. In ein paar Jahren ist das Thema womöglich schon business as usual.

Kommentare sind deaktiviert.