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Weihnachten ohne Geschenke?

| 33 Lesermeinungen

Besinnlich hetzen wir durch die Stadt, keine Zeit für Glühwein, es gilt Geschenke zu kaufen. Dabei verschleudern wir aus volkswirtschaftlicher Sicht, eines, nein etliche Vermögen. Oder?

Besinnlich hetzen wir durch die Stadt, keine Zeit für Glühwein, es gilt Geschenke zu kaufen. Dabei verschleudern wir aus volkswirtschaftlicher Sicht, eines, nein etliche Vermögen. Oder?

Ich wäre im Moment bereit, Massen vorweihnachtlichen Schnees gegen etwas Glühwein-und-Kerzen-Romantik zu tauschen. Von ersterem gibt es in der Schweiz reichlich – Nikolaus ist bereits vorbei und ich habe immer noch keinen Glühwein getrunken,mir nicht die Füße auf dem Weihnachtsmarkt einfrieren lassen und keine Lebkuchen gegessen. Wenn ich von der Arbeit komme, ist die Hälfte der Stände nämlich bereits geschlossen, leider.

Vorweihnachtsstimmung beschränkt sich auf die heimischen Dekorationsartikel und zunehmend die sorgenvollen Überlegungen von Freunden und Kollegen, wann und was an Geschenken für die Familie noch zu besorgen ist. Ich habe das bereits erledigt und als gute Staatsbürgerin den deutschen Einzelhandel unterstützt – der bislang mit der Geschäftsentwicklung sehr zufrieden scheint. Unterhaltungselektronik steht alle Jahre wieder ganz oben auf der Gewinnerliste. Nach Erwartung der Einzelhändler soll es in diesem Jahr immerhin besser als im Vorjahr laufen und insgesamt werden Umsätze von 76 Mrd. Euro erwartet. Damit könnte man die ein oder andere Bank retten, oder auch ein paar hungernde Kinder in Afrika, aber wir wollen ja jetzt die schöne Stimmung nicht kaputtmachen.

Bild zu: Weihnachten ohne Geschenke?

Kaufen wir also ein. Was? Schwierige Frage, vor allem bei entfernteren Bekannten und vor allem wenn man ein Mann ist (habe ich mir sagen lassen). Auf Werbung kann man sich ja heute auch nicht mehr verlassen. Für Frauen kann man ja mit Parfums und Schmuck nicht so viel falsch machen, aber Krawatten und Socken für Männer gehen immer mit dem Ruch von Einfallslosigkeit und Langeweile einher. Bücher sind scheinbar ohnehin unmodern geworden (außer in der Kategorie Unterhaltungselektronik, als Kindle, oder so).

Und dann gibt es noch die Sorte Geschenke, die man bei nächster Gelegenheit weiterverschenkt. Kerzenständer in kubistischen Formen, wo man es doch gemütlich mag. Teevariationen mit Kandiszucker verschwinden rasch wieder aus dem Haushalt eines Kaffeetrinkers. Topflappen, und allerlei „witzige Kleinigkeiten“, bei denen beide Parteien eigentlich denken, sie hätten das Geld lieber sparen sollen oder zusammen dafür essen gehen, statt mit mißratenen Geschenken Konventionen zu erfüllen.

Und tatsächlich: das wäre besser gewesen, weiß der Ökonom. Schenken ist nämlich meistens ineffizient und dazu gibt es sogar Studien. Anfangs dachte ich, der Artikel im „American Economic Review“ sei ein Scherz – wurde aber bei der Lektüre eines besseren belehrt.

Volkswirtschaftliche Theorie postuliert, daß im Normalfall jede Person ihre eigenen Präferenzen (vulgo Wünsche) am besten kennt und nur in Ausnahmefällen sehr schlechter Informationslage Dritte die Bedürfnisse anderer Personen besser einschätzen können als diese selbst. Dementsprechend kann jeder seine eigenen Wünsche am effizientesten befriedigen, während bei Geschenken die Wahrscheinlichkeit hoch ist, daß man danebenliegt. Als Ergebnis liegt die Wertschätzung des Beschenkten betreffend das Geschenk unter derjenigen des Geldwertes, das der Schenkende beim Erwerb ausgeben mußte. Hätte der Beschenkte den Geldwert in bar erhalten und gemäß seiner Präferenzen ausgegeben, sein Nutzen wäre höher gewesen.

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Die Autoren beschränken sich nicht nur darauf, diesen Grundzusammenhang zu erläutern, sondern testen die Theorie in der Praxis. Die Autoren befragten knapp 150 Studenten der Universität Yale nach ihren letzten Weihnachtsgeschenken und wollten wissen:

Wieviel haben die erhaltenen Geschenke tatsächlich gekostet?

Wieviel wären Ihnen die Geschenke tatsächlich wert, in USD?

Von wem und was wurde geschenkt?

Erwartungsgemäß stellt sich heraus, daß im Durchschnitt tatsächlich eine Lücke zwischen dem tatsächlichen und dem subjektiven Wert klafft und zwar je nach Perspektive zwischen 60 und 120 USD bei einem Geschenkwert von etwa 500 USD. Dies entspricht einer rechnerischen Wohlfahrtsverlust von zwischen 10 und 16 % – entstanden aus der suboptimalen Auswahl der Geschenke. Die weitergehende Analyse zeigt außerdem, daß die Verlustquote bei entfernten Verwandten (Onkeln, Tanten, Großeltern) größer ist als bei Eltern, Geschwistern und engen Freunden. Weiterhin – der Mensch ist doch rational! – daß gerade die entfernten Verwandten mit größerer Wahrscheinlichkeit Bargeld schenken, so daß die Ineffizienz verschwindet. Obwohl Geldgeschenke ja oftmals als etwas lieblos gelten.

Weiterhin ist die Verschwendungsquote mit fast 25 % besonders hoch bei eher günstigen Geschenken bis 50 USD, und sinkt mit steigendem Wert der Geschenke auf etwa 10 %. Ganz klar, hier schlagen die Nebeneffekte übereilter Einkäufe aus Schuldgefühl und Verpflichtung zu Buche, während bei teureren Geschenken mehr Sorgfalt waltet.

Zugegebenermaßen kann man die Validität der Ergebnisse anzweifeln. 150 Observationen sind nicht viel und Bachelor-Studenten in Yale nicht gerade repräsentativ (zumal 40 von ihnen familiäre Jahreseinkommen von fast 150.000 USD angaben). Dennoch zeigen die Daten, daß der Wohlfahrtsverlust in anderen Einkommensklassen innerhalb der Studentengruppe ähnlich hoch sind. Überträgt man die Ergebnisse auf Deutschland, stehen wir also im Begriff , von 73 Mrd. Euro der Weihnachtshausse 7 Mrd. völlig sinnlos zu verschleudern. Für Kerzenständer, Duftmischungen , handgeschnitzte Holzfiguren und Socken und Krawatten, die der Beschenkte eigentlich gar nicht haben möchte.

Bild zu: Weihnachten ohne Geschenke?

Die Studie krankt natürlich an einem der Grundprobleme der Volkswirtschaft: der rationale Mensch hat nach Adam Smith eine Nutzenfunktion, die ausschließlich das egoistische Eigeninteresse berücksichtigt. Andere Werte, wie Altruismus, Loyalität und gesellschaftliche Verantwortung lassen sich in Nutzenfunktionen nicht systematisch berücksichtigen, weil sie allzu individuell sind. Selbiges gilt für die Freude am Schenken und Beschenktwerden. An Gefühle läßt sich nun einmal kein monetäres Preisschild hängen, ebensowenig wie an die irrationalen menschlichen Beweggründe. Gute Geschenke haben oft die Eigenschaft, daß sie nicht unbedingt notwendig sind und man sie daher nie selbst kaufen würde – sie aber dennoch Freude machen, gerade weil sie ein Luxus sind, den man sich selbst nicht leisten würde. Auch dies eine typische Nutzenkomponente, die sich der Messung entzieht.

Erfreulicherweise gibt es auch zu dieser Sichtweise passende Studien, die eine völlig andere Interpretation vorschlagen. Geschenke – und zwar gerade nicht- monetäre Geschenke – sind ein Signal der Zuneigung und sollen demonstrieren, wie gut man den Beschenkten kennt und wieviele Gedanken man sich gemacht hat. Experimente im Auktions-Design zeigen zum Beispiel, daß die Geschenke von den glücklichen Empfängern zu 120-130 % über ihrem monetären Wert geschätzt werden – wegen der emotionalen Komponente.

Was lernen wir also daraus, wenn man den eigenen Kopf und gesunden Menschenverstand zu den wissenschaftlichen Studien hinzubemüht? Geschenke aus Verlegenheit, Verpflichtungsgefühlen oder gesellschaftlicher Konvention, die lieblos und in Eile gekauft werden, sind vermutlich tatsächlich Geldverschwendung – letzten Endes läßt sich von Kerzenständern ohnehin niemand täuschen über den Grad der gegenseitigen Zuneigung. Die gesparte Zeit sollte man dann in Geschenke investieren, die mit Liebe und Nachdenklichkeit ausgesucht werden.

Würden wir es alle so halten, es gäbe eine doppelte soziale Dividende: erstens wäre man die üblen Höflichkeitsgeschenke los, weniger Wohlfahrtsverlust, und man spart sich die Strategien zum Weiterverschenken. Zweitens würden wir in den ernst gemeinten Geschenken vielleicht tatsächlich öfter die Wünsche des anderen treffen, oder sogar übertreffen – und damit die Wohlfahrt über den monetären Wert hinaus steigern. Das wären dann mal effiziente Weihnachten.

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33 Lesermeinungen

  1. Das nenne ich doch mal eine...
    Das nenne ich doch mal eine besinnliche Betrachtung zum Fest! Danke auch für den schönen Begriff „Wohlfahrtsverlust“, den ich gleich in die Schatulle zu meinen anderen Wortschätzchen packe. In diesem Sinne auch Ihnen ein pareto-optimales Weihnachtsfest!

  2. "…der rationale Mensch hat...
    „…der rationale Mensch hat nach Adam Smith eine Nutzenfunktion, die ausschließlich das egoistische Eigeninteresse berücksichtigt…“
    Immer auf den armen Smith. Besser mal „The theory of moral sentiments“ lesen. Mit diesem Buch erlangte er auch seine Berühmtheit, die „wealth of nations“ kam erst später. Doch auch dort verschließt er sich keinesfalls dem Nutzen von sozialen Bindungen, die auch durch „suboptimales“ Schenken gestärkt werden. Und Nutzenfunktionen entstehen erst 150 Jahre später ganz langsam.

  3. Lieber Kollege, auf Englisch...
    Lieber Kollege, auf Englisch noch schöner: deadweight loss.
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    Lieber Sven, mein Horizont ist leider eher beschränkt und ich habe viel zu wenige Klassiker im Original gelesen. Natürlich kam die Nutzenfunktion erst später und natürlich wurde das Konzept des homo oeconomicus weiterentwickelt und nicht immer zum Vorteil – aber in dem Modell hat eben Eigennutz das erste Interesse und darauf baut das Paper auf. Dafür kann ich nichts.

  4. Hm... Frauen "einfach mal so...
    Hm… Frauen „einfach mal so eben“ Parfüm zu schenken finde ich (als Frau) reichlich gefährlich, denn man muss mich schon sehr gut wissen, um a) zu wissen, was ich mag und b) zu wissen, was an MIR gut riecht – davon abgesehen finde ich dieses ebenso einfallsreich wie Socken, die man wenigstens „versteckt“ verwenden kann. Ebenso kann man mit Schmuck total ins Klo greifen, nicht, nur, welchen man schenkt, sondern DASS man welchen schenkt. ;)
    Ansonsten machen sich die meisten Menschen selbst viel zu viel Stress mit Weihnachtsgeschenken. Bei der eignen Familie hilft es oft, im Jahr mal ein bisschen genauer hinzuhören (oder andere Familienmitglieder zu fragen) und eventuell auch für etwas zusammenzulegen, was sich der zu Beschenkende alleine nicht leisten könnte. Oder man lässt sich den Amazon-Wunschzettel zeigen, oder – ganz altertümlich – einen handgeschriebenen. Und entfernte Verwandte zu beschenken, mit denen man sonst nichts zu tun hat, sollte man in meinen Augen sein lassen und dies auch vorher abklären – oft sind die dafür genauso dankbar wie man selbst erleichtert.

  5. JK, schon, aber mit Parfum...
    JK, schon, aber mit Parfum kann man zumindest den Anschein erwecken, nachgedacht und liebevoll ausgesucht zu haben, und im Zweifel (ebenso wie bei Schmuck) stimmt zumindest der monetäre Gegenwert – Geiz wird einem also auch nicht vorgeworfen. Das ist doch schon mal was?

  6. SAAI, wenn der...
    SAAI, wenn der Wohlfahrtsverlust – ein toller Begriff – dann doch eintritt in Form der Kerzenleuchter o. ä. Staubfängern – vulgo: Stehrumchen, dios grande, so wollen wir doch keinen neuen erzeugen, indem wir der Strategie des Weiterschenkens auf den Leim gehen – selbst wenn es keiner monetären Mittel bedarf, sondern nur generöser. Lösung ist die Mülltonne oder kostenlose Stadtportalanzeige: 1 Karton Flohmarktartikel kostenlos abzugeben.
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    Ernstgemeinte Geschenke? Parfum, Schmuck, Beautys…will heißen: mach was, du langweilst mich. Oder: Deine Armut kotzt mich an. Und ganz schlimm diejenigen, die Tage durch Frankfurt laufen, um Geschenke zu finden, aber zuallererst sich selbst finden – oder auch nicht. Und all das trifft dann auf den Beschenkten, der es nicht wertschätzen kann, da er nicht Tage lief wegen nichts.
    Ein Besuch oder nur ein Anruf ist doch auch schon was. Und zumeist genug der Wertschätzung und unverfänglich, vor allem aber fast CO2-neutral.

  7. @Sophia Amalie Antoinette...
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia: Ich schätze die Klassiker weil sie noch ohne Mathe auskommen durften. Formeln machen es mir so mühsam und schwierig Unsinn zu entdecken.
    @Der hochverehrte Gast: Ich denke in fast allen Familien wird pareto-optimal verschenkt. Den Gameboy des Sohnes will niemand gegen sein Parfum/Herrenpullover/Reitgutschein umgetauschen wollen. Niemand wird sich mit einem Tausch der Geschenke besser stellen können.

    Was schenkst Du Deiner Frau?
    Einen Fußball.
    Was will sie denn damit anfangen?
    Vollkommen egal – sie tauscht eh immer alles um.

  8. @Sophia Amalie Antoinette...
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia: Ich finde, Parfum zeigt (zumindest mir), dass man eben nicht großartig nachgedacht hat, sondern ein „wird ihr schon gefallen“-Standardgeschenk reicht. Und der „monetäre Gegenwert“ nützt mir nur, wenn ich das Zeugs auf eBay weiterverscherbeln kann.

  9. Nico, Stehrumchen gefällt...
    Nico, Stehrumchen gefällt mir! Über ernstgemeinte Geschenke kann man hier nicht schreiben, denke ich, denn ernste Geschenke sind zutiefst individuell. Übrigens habe ich durchaus schon ganz wunderbaren Schmuck geschenkt bekommen, der perfekt passend war – weil mit Liebe und Nachdenklichkeit ausgesucht.
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    Sven, ich mag beides, zunehmend, weil man für Formeln keine 200 Seiten lesen muß um festzustellen, daß es Schwachsinn ist.

  10. JK, ich versuche, die...
    JK, ich versuche, die Perspektive des ratlosen Schenkenden einzunehmen: womit kann man am wenigsten falsch machen? Davon abgesehen könne manche hervorragend Parfum schenken – eines meiner liebsten bekam ich von jemandem, der mich damals zum zweiten Mal traf.

  11. Der Nutzen ist auf jeden Fall...
    Der Nutzen ist auf jeden Fall dann da, wenn man, wie mein Liebster, jedes Jahr aufs Neue einige Wochen vorher allen erzählt, man wolle nichts geschenkt bekommen und schenke selber natürlich auch nichts. Am 24. gibt es immer ein paar Leute (meistens die eigenen Eltern), die es bis dahin vergessen haben.
    Toller Trick, was? Halte ich persönlich zwar nichts von, aber… seufz… man gewöhnt sich an alles.
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    Ein 4-Gänge-Menü ist auch ein schönes Geschenk. Für kochfaule Geschwister zum Beispiel, die man dann an einem der Feiertage durchfüttert.

  12. Werte muscat, das kenne ich...
    Werte muscat, das kenne ich auch, dieses Verhalten. Wir Geschwister allerdings lassen uns noch von unserer Mutter durchfüttern. Die kocht sowieso am besten – Kaninchenterrine! Ente! Zanderterrine! Vorfreu!

  13. <<...daß im Normalfall jede...
    < <...daß im Normalfall jede Person ihre eigenen Präferenzen (vulgo Wünsche) am besten kennt und nur in Ausnahmefällen sehr schlechter Informationslage Dritte die Bedürfnisse anderer Personen besser einschätzen können als diese selbst.>>- tja, liebe SAAI, jetzt wisen Sie auch endlich, wieso Sie immer Parfüms zu Weihnachten bekommen …

  14. SAAI, also Trophäenschmuck,...
    SAAI, also Trophäenschmuck, mit Nachdenklichkeit ausgesucht. Was immer das heißt. Nun, dann war er wohl teuer, denn sonst heißt es ja schnell: Bin doch keine Hure! Wenn ich viel nachdenke, kaufe ich nix.
    Warum muß eigentlich Lieben mit Schenken einhergehen? Reicht nicht lieben allein. Der Schenkende liebt zunächst sich selber, insbesondere der Hedonist. Alles andere ist eine Mär.

  15. Lieber Bob, ich hatte über...
    Lieber Bob, ich hatte über meine Liebsten nie zu klagen, über das ein oder andere Schundbuch von entfernten Verwandten (und Handtücher!) allerdings schon. Siehe oben: die Trefferquote steigt mit der Nähe der Beziehung.
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    Nico, nein, kein Trophäenschmuck, keineswegs. Lieben muß nicht mit Schenken einhergehen – aber manchen Menschen macht es Freude, jenen, die man liebt, eine Freude zu machen. Auch das macht schenken individuell: wenn zwei gar keine Freude daran haben, sollten sie es bitte lassen.

  16. Ergo sollte sich jeder einfach...
    Ergo sollte sich jeder einfach nur selber etwas zu Weihnachten kaufen, schenken, „gönnen“. Wenn jeder nur an sich denkt, ist (auch) an alle gedacht. Den Kindern müsste man dafür natürlich die eigene Kreditkarte leihen, dann könnten sie sich bei Amazon ein schönes 1A-Weihnachten zusammenklicken. Für vereinsamte kranke arme arbeitslose Singles und Senioren könnte eine Organisation herfür Spenden sammeln, oder besser noch, unverkaufte Restbestände des Einzelhandels, die aus den Lagern müssen. An Weihnachten zeigen wir uns dann, was wir geleistet haben, und uns daher leisten können. Das spornt die Minderleister zu Mehrleistungen an. Hurra Neoliberallala!!
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    Mal was anderes: Viel wird immer gejammert, dass Weihnachtsdeko und Lebkuchenregale immer schon im Oktober die Supermärkte schmücken. Das finde ich nicht so schlimm. Was aber nervt: Im hiesigen Einzelhandel waren Lebkuchen, Zimtsterne und Marzipan heuer kurz nach Nikolaus quasi schon abverkauft, nur noch vereinzelt-zerknautschte krümelige Restbestände auf Wühltischen, und herabgesetzt. Muss das sein? Wir sehen uns dann dort wieder im Januar, bei den Faschingsartikeln, neben den ersten Osterhasen.

  17. Wenn man die ursprüngliche...
    Wenn man die ursprüngliche Ausgangslage bedenkt: Es kommen da einige betuchte Figuren, drei an der Zahl (Weise, Royals?), um einem Kindlein aus dem Prekariat, dessen Eltern sehr ungewisser Herkunft sind, in einer frostdurchlüfteten Stallbehausung (Ochs & Esel zugegen) Geschenke knieend darzubringen, von Hirtengesängen begleitet: Transeamus usque Bethlehem….auch soll sollen Engelschöre zu hören gewesen sein, so heißt es.
    Und dann diese merkwürdige Umkehrung zur heutigen, volkswirtschaftlich fest einkalkulierten, Orgie des gegenseitigen Beschenkens, samt 13. Monatsgehalt.
    Die Schraaze erheben sogar chillend, maulend Vollansprüche auf Electronic-Amüsierdingsbumsapparategedöns etc.
    Unfasslich. Der eigentlich spirituelle, nichtkuschelige, Sinn des Schenkens, dem der Selbstentäusserung, ist dabei völlig aus dem Blickwinkel geraten, siehe hierzu auch nachstehenden Link zum Potlatch der nordamerikanischen Natives. Frohe Weihnachten allerseits.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Potlatch

  18. Gonzo, Oktober? Fast schon...
    Gonzo, Oktober? Fast schon September, dieses Jahr. Ich verstehe, daß meine Position nicht ganz deutlich wird, bin aber doch großer Fan von Geschenken. Machen, wie auch bekommen.
    .
    Plindos, leider wahr. Weihnachten wie bei den Hoppenstedts, mit Geschenkestapeln bis unter die Decke, für alle, die es sich leisten können.

  19. @Plindos
    Kommt das Schenken...

    @Plindos
    Kommt das Schenken wirklich von den hl. drei Königen? Waren die Saturnalien nicht zuvor auch schon Schenk-Fest?
    @Sophia
    Früher hiess es: „Etwas selbergemachtes ist am Schönsten.“ Heute ruft diese Ansicht eher humoristische Vorstellungen von grausigen Handarbeitswerken hervor, aber eigentlich stimmt es ja, individueller gehts kaum. Kann man es einfach kaufen und will ich es haben, habe ich es evtl. schon. Aber natürlich geht es vor allem um die nette Geste und den Potlach.

  20. alle jahre wieder...
    werden...

    alle jahre wieder…
    werden sämtliche kinder
    von ihren eltern belogen,
    abertausend tannen geholzt
    und aus den wäldern verschleppt,
    unzähliges federvieh
    wird bis zum platzen gestopft.
    und als höhepunkt schenkt uns
    ein alter verkleideter mann
    mit dunklen rändern um den augen,
    diese gottverdammte geschichte
    von einem zu tode gequälten mann….

  21. Gonzo, gibt es noch, durchaus....
    Gonzo, gibt es noch, durchaus. Erwachsene Handarbeiten können Freude machen, wenn der Handwerker nur geschickt ist.
    .
    soldatenkind, sehr schlimm, das. Wobei die Brot-statt-Böller-Saison erst nächste Woche losgeht, dann packe auch ich mein schlechtes Gewissen wieder aus.

  22. Lieber Plindos, die Vorhersage...
    Lieber Plindos, die Vorhersage fuer Jerusalem lautet +17 Grad, leicht bewoelkt. Nach Aussage meiner alten Tante (die es wissen muss!) war es vor 2010 Jahren nur unwesentlich kuehler. Der Stall wird wohl mehr fliegenumschwirrt, als frostdurchweht gewesen sein.
    Ein Glaeschen heissen Grogs?
    http://www.wetteronline.de/Israel/Jerusalem.htm
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=ggm0SZCWKZo

  23. Grog? Ja bitte! Hier! Tee ist...
    Grog? Ja bitte! Hier! Tee ist ohnehin out, in diesem Salon, heute: Grog!

  24. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, gerne! Zur Winterszeit habe ich davon immer einen grossen Vorrat, und ich gebe gerne ab. Meine Religion verpflichtet mich naemlich zur Naechstenliebe. Ausserdem verbietet sie mir den Gebrauch alkoholfreier Getraenke. (Wasser soll des Teufels sein, sagt der Prophet)
    .
    Es grunzt der Ochse unter’m Joch:
    Das Jesuskind, es lebe hoch.

  25. Was wäre ein blog gar ohne...
    Was wäre ein blog gar ohne ein Filou. Köstlich!
    Wie wärs mit einer Zeitmaschine?

  26. Filou@: Bester Tausendsassa,...
    Filou@: Bester Tausendsassa, it depends, „Die Säulen der Weisheit“ von Lawrence of Arabia berichten da von schlimmen Winternächten in einer Kreuzfahrerburg im Libanon anlässlich seines Fights gegen die Türken WK I. Was Ihre prophetische Getränkeauswahl anbelangt: Noch ein Meter vor der rettenden Oase ist für den Verdurstenden ein Schluck Wasser nicht mit Gold aufzuwiegen.
    soldatenkind@: St. Martin versuchte als Soldat mittels Teilung seines Mantels der Not im Winter ein wenig abzuhelfen, von Völlerei & Prasserei, gestopften Gänsen und Hühnern stand nix bei den vier Evangelisten.

  27. Plindos, dass es da kalt sein...
    Plindos, dass es da kalt sein kann, weiss sogar ein jesusbelatschter Filou. Aber, lieber Plindos, im Libanon? Ja sicher. Oben auf dem Hermon, da sah ich Araber und Israelis Skifahren. Im April! Unten in Kiriat-Schemona, sah man die ersten ueppigigen Blusen und neben der Felafelbude stand ein oller Daihatsu mit aufgeschnallten Skibrettern. 22 Grad war’s da. Plus, Plindos, Plus!
    (Und ich Armer hatte Grippe. Nix Blusen, nix Ski)
    .
    Nun werde ich alt und fromm. Die Blusen verblueht, die Skier verbrannt. Was bleibt: http://www.youtube.com/watch?v=uAcXEBHvfCY

  28. Geschätzter Filou, Wasser ist...
    Geschätzter Filou, Wasser ist definitiv des Teufels, außer am Morgen danach. Bei uns gibt es Glühwein mit Rumkirschen und ich hoffe, die Geschwister haben für Bataillonverköstigung eingekauft. Falls nicht, hole ich mir bei Ihnen noch einen Grog.

  29. @Plindos: st. martin war für...
    @Plindos: st. martin war für mich persönlich lange zeit das sinnbild für wohlfahrt und irgendwie auch für soziale marktwirtschaft. aber wo sind wir mittlerweile angekommen? wieviel wohlfahrtsmarken kleben auf deinen päckchen? und warum ist alle kirche neben den festtagsritualen so still?

  30. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia@ ….. wieso soll das definitiv so sein? Gewiss, der Teufel ist voller Listen und Tücke, und so ein sog. Wässerchen, wie Wodka (russ. Diminutiv) eines ist, hat es in sich. 10 % der Russen, so hab ich´s vernommen, sollen Alkoholiker sein, bei uns sind es vermutlich nur einige „Per-cente“ weniger.

    soldatenkind@: Liebes, armes (?) Soldatenkind. In der Kirche, in der ich heut zur Christmette war, konnte man keinen Platz mehr finden. Es wurde viel gespendet an Scheinen für diejenigen, die wenig oder nichts haben. Die Menschen sangen alle fröhlich miteinander die alten Choräle und wünschten sich: Frohe Weihnachten gegenseitig per Handschlag, so wie ich es Dir und allen anderen hier auch wünsche. Im übrigen vermute ich, rein subjektiv, dass die Kirchen zukünftig wieder voller werden.

  31. Lieber Plindos, das ist dann...
    Lieber Plindos, das ist dann kein Wasser mehr.

  32. @Soldatenkind
    .
    Nun, St....

    @Soldatenkind
    .
    Nun, St. Martin wäre heute wohl Banker, Manager oder Politiker, trüge einen teuren Anzug, und würde den Teufel tun, einem frierendem „armen Bettler“, also einem evtl. auch noch alkoholkranken verwahrlosten Leistungsverweigerer mit oder ohne Hartz4 sein Jacket oder seine Northfacejacke zu überlassen. Erstens ist eine billige Winterjacke im Regelsatz sicher enthalten, wenn man ihn nicht versäuft, und das wiederum hat man eben nicht zu tun, weder an Weihnachten noch sonst. Glück erfährt man an Arbeitsplatz, in Familie und Verein, oder beim Sport, aber nicht aus der Schnaps-Flasche. Und zweitens kann der Bettler sich doch auch Arbeit suchen, statt feine Leute zu belästigen. Nein, heute würde der private Sicherheitsdienst den Bettler sicher schnell aus dem Blickfeld von St. Martin entfernen, damit dieser unbelästigt seiner wirtschaftsstandortfördernden Wege ziehen kann. St. Martin selbst wäre heute auch ganz sicher gegen höhere Hartz-Sätze oder eine Ausweitung des Sozialstaates. St. Martin ritte auch gar nicht auf einem Pferd, sondern brauste mit dem Mercedes durch die Welt. Der Bettler wäre nur ein verwischter Farbtupfer am Straßenrand der Bundesstraße, sein Rufen wäre übertönt von Vivaldi, der aus der Auto-Quadrophonieanlage erklingt. Der Nachteil ist nun natürlich, dass St. Martin heute auf Verehrung, seinen Heiligenschein, auf Laternenlieder und Gänsebrauchtum verzichten müsste. Als guter Protestant und Clavinist wüsste er dafür aber, dass sein eigener Wohlstand nur Ausweis der Gnade Gottes ist, die Belohnung für einen rechtschaffenen Lebenswandel, anders als beim Bettler, der seines Glückes Schmied nicht zu sein und Gottes Wohlgefallen nicht hervorzurufen vermochte. So endet auch schon meine besinnliche Weihnachtspredigt – hinterlässt sie uns ratlos und vergrätzt, rüttelt sie auf, verstört sie, langweilt gar? Das will ich nicht hoffen, hebe das Glas, und wünsche ein angenehmes Restfest.

  33. @Nico, 22. Dezember 2010,...
    @Nico, 22. Dezember 2010, 19:31
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    [SAAI, wenn der Wohlfahrtsverlust – ein toller Begriff – dann doch eintritt in Form der Kerzenleuchter o. ä. Staubfängern – vulgo: Stehrumchen, dios grande, so wollen wir doch keinen neuen erzeugen, indem wir der Strategie des Weiterschenkens auf den Leim gehen – selbst wenn es keiner monetären Mittel bedarf, sondern nur generöser.]
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    Das Paper bezieht sich wohl nur auf das erste Verschenken eines Geschenks. Der Wohlfahrtsverlust ist danach „eingespreist“. Beim zweiten Verschenken muss das Geschenk nicht erneut bezahlt werden. Wenn ich jemanden finde, von dem ich weiß, dass er etwas mag, was mir nicht gefällt, kann ich seine Wolhfahrt erhöhen, indem ich ihm den vermeintlichen Schnickschnack zukommen lasse. Dazu muss ich nicht einmal auf den nächsten heiligen Abend warten, sondern kann jede beliebige Gelegenheit nutzen. Ergo: die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann und irgendwie doch jemand ein „ehemaliges“ Weihnachtsgeschenk erhält, welches seine individuelle Wohlfahrt erhöht, steigt mit der Zahl der weiteren Schenkungsvorgänge und damit sinkt im Nachhinein der originär bis zum Ausgangsweihnachtsfest entstandene Gesamtwohlfahrtsverlust. Sofern die Transaktionskosten des Weiterverschenkens minimal sind. Das alles gilt vorerst selbstverständlich nur theoretisch.

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