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Die Web-Welt ist Maß und Zahl

06.01.2011, 11:33 Uhr  ·  War der Zahlenfetisch nur eine Domäne der alten Massenmedienwelt? Mitnichten - im Internet und Mitmach-Web kommen die Zahlenfreunde und Statistik-Enthusiasten erst so richtig auf ihre Kosten.

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Wo wir dieser Tage bei der Kollegin Sophia Amalie so schön über Zahlen plauderten, bleibe ich doch noch ein bisschen beim Thema: Wenn Ihnen ein Medienschaffender oder jemand, der was mit Internet macht, erzählen will, Zahlen interessierten ihn (oder sie) ja so gar nicht, gehen Sie dieser Aussage bitte nicht vorschnell auf den Leim. Sicher, es gibt Fernsehmacher, denen die Einschaltquote nicht über alles geht. Auch Radioleute, die froh sind, Sendungen für ein kleines Nischenpublikum machen zu können, wird man finden können. So wie auch Schreiber, die sich über Auflagen ihrer Blätter oder Abrufzahlen ihrer Geschichten im Netz keinen sonderlich großen Kopf machen. Aber bleiben wir realistisch: Die meisten Kollegen interessieren sich insgeheim doch für die Größenordnung des Publikums, das sie erreichen. Es ist nur – wenn man nicht gerade bei RTL, Pro Sieben oder einer Boulevardzeitung arbeitet – nicht sonderlich schicklich, das auch offen auszusprechen.

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Gerne tun wir Medienarbeiter so, als sei der Sachzwang der Zahlen nur den Notwendigkeiten des Werbeverkaufs geschuldet. Käufer von Anzeigenraum oder Werbezeit in Funk und Fernsehen wollen schließlich den “biggest bang for the buck”, wie es im Marketing-Slang der Madison Avenue so schön heißt, also müssen aussagekräftige Zahlen her. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Und deren andere Hälfte ist, dass nur die wenigsten von uns völlig frei sind von dem Denkmuster, dass ein Mindestmaß an Relevanz eben auch nicht ohne eine gewisse Reichweite zu haben ist. Vor völlig leeren Kirchenbänken predigt auch kein Pfarrer gern, selbst bei vollem Gotteslohnausgleich. Und der irdische Lohn für die Mühen? Der wird zunehmend auch immateriell abgegolten: Die vielfältigen Ablenkungen und Zerstreuungsangebote der Mediengesellschaft machen die Aufmerksamkeit zum immer knapperen (und damit begehrteren) Gut. Für diesen Umstand und seine Folgen hat der Architekt und Stadtplaner Georg Franck das griffige Schlagwort von der „Aufmerksamkeitsökonomie” geprägt. In ihr gelte nicht mehr der monetäre Reichtum als höchstes zu erstrebendes Gut. Als neue Leitwährung sieht Franck vielmehr die Aufmerksamkeit anderer, der „Wunsch, geachtet und anerkannt, geschätzt und bewundert zu werden”.

Das erklärt einiges – etwa, warum sich so viele Zeitgenossen zur Teilnahme an Castingshows drängeln, in Facebook und anderen Netzwerken auf Freundessuche gehen oder ungefragt und unentgeltlich ihre Weltbetrachtungen in Form von Blogbeiträgen oder Twitter-Kurznachrichten ins weltweite Web absondern. Es würde überdies erklären, warum zum Beispiel die Einschaltquoten und Marktanteile des gestrigen Fernsehabends – mithin aufmerksamkeitsökonomische Kennzahlen par excellence – anscheinend mehr Leute interessieren als die Kursverläufe und Indexentwicklungen an den wichtigsten Finanzplätzen. Selbst der Blogger-Kollege Netzökonom rechnet nicht in Dollars, Euro oder Yen, sondern in Marktforschungszahlen, wenn er vermeldet, dass Facebook in der Nutzergunst im Vergleich zu Google enorm aufholt. Das Fachportal Meedia.de leistet sich sogar eigens einen „Mr. Analyzer” in Person von Jens Schröder, der für die journalistische Aufbereitung von TV-Einschaltquoten, Heftauflagen, Radio-Reichweiten und Internet-Nutzungszahlen zuständig ist.

Wer aber nun glaubt, im Web 2.0, in Blogs und sozialen Netzwerken würde den Zahlengöttern weniger gehuldigt als in der Welt der Massenmedien oder gar nicht, liegt völlig falsch: Kaum ein privater Katzenbild-Blogger, der nicht ein Besucherzählprogramm auf seiner Seite installiert hat und auch regelmäßig die sogenannten „Referrers” checkt – also über welche Verlinkungen und Suchmaschinen-Abfragen die Besucher auf seinem Blog gelandet sind. Da werden Seitenabrufe (Pageviews) und Besucher als „Unique Visitors” genauso akribisch nach IVW-Richtlinien gezählt wie auf FAZ.NET oder T-Online. Der Besucherzähldienst Blogcounter bewirbt sein Top-100-Reichweiten-Ranking denn auch recht unverblümt als “Schwanzvergleich”. Der funktioniert beim Kurznachrichtendienst Twitter noch viel einfacher: Wieviele Follower man da hat und wessen Tweets man selber followt, steht offen in den Profilinformationen zu lesen. Aber nein, natürlich spielt wenn man Twitteure und Twitteusen fragt die Zahl der Follower als solche natürlich gaar keine Rolle – genauso wenig wie die Zahl der Facebook-Freunde oder Xing-Kontakte. Jaja, schon klar. Machen wir uns nichts vor: Das Bedürfnis des Einzelnen nach Quantifizierung seines elektronischen Ego-Marktwerts und der Aufmerksamkeits-Äquivalenzwerte ist groß. Und begeisterte Zahlenspieler und Tabellenbastler wie der besagte Jens Schröder geben dem Affen gerne Zucker: Nach Feierabend stellt der Meedia-Zahlenexperte nämlich regelmäßig die Deutschen Blogcharts zusammen. Die Daten muss er selber nicht erheben, seine Ranglisten basieren auf Verlinkungswerten der Spezialsuchmaschine Icerocket, die Schröder nachbearbeitet und gewichtet.

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Uns steht also im sogenannten Mitmach-Web von Seitenabrufen und Visits über Verlinkungszahlen bis zu Twitter-Followern und Facebook-Freunden ein breit sortiertes Zahlenangebot zur Verfügung. Und doch bleibt die Frage, ob es das schon gewesen sein soll. Benedikt Köhler, Director Digital Strategy and Research bei Ethority in Hamburg und gefragter Social-Media-Experte, glaubt, dass viele der Kennzahlen aus der alten Welt der Massenmedien nicht mehr das Maß der Dinge sind, um das individualisierte und vernetztere Nutzerverhalten im Web 2.0 adäquat abzubilden. Bei der Messgröße „Seitenabruf” beispielsweise lässt sich exemplarisch ein Problem aufzeigen, das immer dann auftritt, wenn eine Messgröße zur Zielgröße wird: Viele Seitenabrufe sind gut, wenn man Werbebanner möglichst teuer verkaufen will. Wenn Redaktionen aber immer mehr klickträchtige Bilderstrecken zusammentackern oder Sudokuspiele so programmieren, dass jeder Klick auf ein Zahlenkästchen einen neuen Seitenabruf erzeugt, geht die Aussagekraft der Abrufzahlen über die Attraktivität des Angebots natürlich irgendwann Richtung Null.

Seit einiger Zeit tüftelt Köhler deswegen in der von ihm 2008 mitgegründeten Arbeitsgemeinschaft Social Media an einem neuen Open-Source-Zählsystem, das für Blogs, Foren und Communities valide Reichweitendaten liefern soll. Aber der Etat ist nicht üppig, zählbare Resultate lassen auf sich warten, und die Web-Welt dreht sich auch ohne die versprochene „erweiterte Reichweite” weiter. In den USA macht derweil ein Online-Bewertungsdienst namens Klout Furore als das potenziell nächste große Ding. Klout verspricht, den „Einfluss” von Personen im Netz messen zu können. Dieser Einflussfaktor errechnet sich mit Hilfe komplizierter Algorithmen aus Tweets, Likes, LinkedIn- und Facebook-Vernetzung, Google-Erwähnungen, Statusmeldungen und anderen Lebenszeichen im Netz. Neben dem Klout-Zahlenwert zwischen 0 und 100 erfährt man dann auch, ob man eher dem Typus „Explorer”, „Thought Leader” oder „Specialist” zuzurechnen ist. Den höchsten Klout-Index von 100 erzielt übrigens das Teenie-Idol Justin Bieber vor US-Präsident Barack Obama mit 88, der somit auch dem Dalai Lama (89) und Lady Gaga (90) hinterher schauen muss. Kritik an den Kalkulationen von Klout kann da nicht ausbleiben. „Esoterik” oder „Mumpitz” gehören noch zu den freundlicheren Attributen, mit denen der Bewertungsdienst bedacht wird. Auch stoßen sich viele daran, dass Klout die Methodik seiner Berechnungen nicht offen legt.

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Aber wie auch immer man zu den Ergebnissen dieses ersten Einfluss-Messversuchs stehen mag, eines dürfte klar sein: Die Vermessung der digitalen Welt hat gerade erst begonnen.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (20)
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0 Benedikt Köhler 06.01.2011, 14:50 Uhr

Die Vermessung ist die eine...

Die Vermessung ist die eine Sache. Was die Zahlen bedeuten, ist eine ganz andere (und viel spannendere) Sache. Ein bisschen ist hier auch die Terminologie schuld. Viele der Social-Media-Maße beziehen sich - das liegt auch nahe - auf die Social Network Analysis (SNA). Dort gibt es zum Beispiel Maße für Einfluss, Prestige oder Nähe. Wenn man das dann auf Blogs, Foren und Twitter überträgt, ist der Schritt vom Einfluss im Sinne der Netzwerkanalyse hin zum sozialen Einfluss schnell gemacht. Zu schnell. Denn dass der sehr hohe Einfluss-Wert von Justin Bieber wirklich auch sozialen Einfluss bedeutet, ist noch lange nicht gesagt. Es kommt eben darauf an, was in einem Netzwerk die Knoten und Verbindungen zwischen ihnen bedeuten. Wenn ich ein Netzwerk von Finanzierungs- und Beteiligungsströmen untersuche, hat ein Einflussmaß eine ganz andere Bedeutung als wenn ich das Klicken auf eine "Follow"-Schaltfläche messe.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 06.01.2011, 15:14 Uhr

@Benedikt Köhler: Ja, Sie...

@Benedikt Köhler: Ja, Sie haben recht, wahrscheinlich ist das Problem mit dem Einfluss nicht zuletzt ein terminologisches. Wobei ich mal unterstelle, dass Klout eine gewisse begriffliche Unschärfe, ob mit dem Messergebnis tatsächlich der soziale Einfluss gemeint ist, durchaus in Kauf nimmt. Aber wir Journalisten und Blogger sind daran auch nicht ganz unbeteiligt, wenn wir uns diese Unterschiede nicht bewusst machen. Von daher bin ich Ihnen für den vertiefenden Hinweis auf die Social Network Analysis und die dazugehörigen Termini dankbar (und ich staune auch ein bisschen, wie schnell Sie nach Veröffentlichen dieses Beitrags hier aufgeschlagen sind).

0 Nadine Motter 06.01.2011, 17:03 Uhr

Ich beschäftige mich bereits...

Ich beschäftige mich bereits seit längeren mit diesem Thema. Als Pressesprecherin von simyo setze ich bereits seit über 2 Jahren diese sog. Social Media Kanäle effizient und erfolgreich ein. Aber was bedeutet unterm Strich eigentlich erfolgreich? Dies misst sich meiner Meinung nach nicht nur in Reichweite. Was nützt mir die größte Reichweite, wenn keine Interaktion stattfindet und wenn man keine Transferleistung zu den Unternehmenszielen herstellen kann. Stichwort ROI Return on Invest und nicht ausschließlich Return on Interest. Ich glaube, dass 2011 hier ein Menge passieren wird und Social Media als integraler Bestandteil in vielen Unternehmen seine nachweisbare Berechtigung hat.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 06.01.2011, 17:30 Uhr

@Nadine Motter: Kanäääle!...

@Nadine Motter: Kanäääle! Sie hat Kanäääle gesagt! ;-) . Ein Social-Media-Hohepriester, der auf sich hält, müsste jetzt eigentlich Schnappatmung kriegen - verkünden die Gurus dieser neuen Glaubensrichtung doch ohne Unterlass, dass social media eben KEIN weiterer Kanal wäre, den es zu bespielen gelte, nein, sondern etwas gaaanz anderes. Dialog, Gespräch, Longtail, Cluetrain, Augenhöhe, ich denke, Sie ahnen die Richtung. Ich verweise dazu auf einen Beitrag beim Werbeblogger, wo ich mit dem ambitionierten Versuch gescheitert bin, in der Diskussion mit Ralf Schwartz das letzte Wort zu behalten. Da ging es übrigens auch um Social-Media-ROI und die Frage, ob es für standardisierte Antworten (kurzum: eine neue Währung) nicht noch zu früh sei: . http://www.werbeblogger.de/2010/02/08/der-social-media-roi-oder-wehret-den-fruehen-waehrungen/ . Ich denke, um die Kurve zum heutigen Beitrag zu kriegen, dass die Frage nach dem Erfolg für ein Unternehmen ungleich komplexere Antworten nach sich zieht als die Betrachtung, wie ein Promi oder eine Privatperson im social web "performt", wie man auf Neudeutsch sagt. Aber wie ein nachvollziehbarer Erfolgsnachweis aus Unternehmenssicht aussehen könnte, interessiert mich schon auch.

0 Ärmelschoner 07.01.2011, 10:24 Uhr

Die paar Nutzerzahlen und...

Die paar Nutzerzahlen und Klickraten sind doch Erdnüsschen im Vergleich zu dem Kennzahlen-Kult, der in jedem normalen Unternehmen getrieben wird - auch jenseits des klassischen Controllings. Ich sage nur: balanced scorecard...

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.01.2011, 11:09 Uhr

Puh, da machen Sie jetzt aber...

Puh, da machen Sie jetzt aber ein Fass auf. Eine Ex-Schwägerin von mir hat mir mal beim Smalltalk an der familiären Kaffeetafel versucht näherzubringen, was das ist. Zumindest habe ich inzwischen einigermaßen verinnerlicht, dass KPI in der Regel nicht die Kommunistische Partei Italiens bezeichnet. Aber in der Welt der Worte bin ich halt doch mehr zuhause als im Zahlenuniversum.

Hier ein kleiner comic zu...

Hier ein kleiner comic zu diesem Thema: http://bradcolbow.com/archive/view/the_brads_twitter_outage/ Gruß

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.01.2011, 21:01 Uhr

Hihi, der triffts voll auf die...

Hihi, der triffts voll auf die 12. Danke für diesen Lacher am Abend! . Übrigens macht immer wieder mal das Gerücht die Runde, man könne Follower kaufen. Bin der Sache aber nicht nachgegangen, nicht zuletzt mangels echtem Interesse an diesem Dienst.

0 ralf schwartz 07.01.2011, 21:37 Uhr

Nun hat er ja doch das letzte...

Nun hat er ja doch das letzte Wort sich errungen ...lieber Marco... nach endlos langen Tagen, Wochen, Monaten, fast einem Jahr des Bangens, ob es ihm doch noch geLänge in aller Kürze. Ichselbst gebe mich gerne in diesem Sinne geschlagen ...

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 07.01.2011, 22:16 Uhr

Nur nicht vorschnell aufgeben,...

Nur nicht vorschnell aufgeben, lieber Ralf. Nach dem Thread ist vor dem Thread, und mein Link auf die alte Geschichte war durchaus als Ansporn gedacht, das Thema vielleicht mal auf Wiedervorlage zu legen. Ich würde meine Äußerungen dazu jedenfalls nicht als letztgültig verstanden wissen wollen im Sinne von "roma locuta, causa finita". Dazu ist einfach zu viel im Fluss. Und da man laut Heraklit nie zweimal in den gleichen Fluss steigt, könnte der Werbeblogger doch mal einen aktuelleren Pegelstand und die Fließgeschwindigkeit messen, oder?

0 ralf schwartz 07.01.2011, 22:40 Uhr

Mal sehen, denn allzuoft wird...

Mal sehen, denn allzuoft wird mir das Thema zu orthodox von den falschen Leuten betrieben, zu kreuzritterlich, dem neuen Denken abgewandt - obwohl panta rei, wie Du mit anderen Worten sagst - an alten, erlernten, heißgeliebten Ellen und Maßen festgehalten ... gleichzeitig zu euphorisch von manchem Jungspund ohne jegliche, relevante Erfahrung überdehnt, daß es kracht im fehlenden Rückgebälk. Nur Annäherung ist möglich, da gebe ich Dir recht.

I am under influence-dont...

I am under influence-dont believe in numbers.

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Marco, naja Follower kaufen, denk sicher so was wird gemacht, kann ja immer als Werbewert verkauft werden. Was sicher gemacht wird ist fiktive Follower anzulegen, kostest ja kaum mühe. -- Ich habe auch, wie Sie, kein Interesse in diese Art von Diensten. -- (nicht ganz zu diesem Thema) Was ich aber schon sehr spannend finde ist, das meist nur durch etwas blättern in diesen Blogs, Twitte, ect. schon recht viel um die Umstände der jeweiligen Person herausfinden kann. Meist leicht auch den Wohnort, Beruf, Kinder, ect. Aber Privacy-Ängste entstehen aber erst, wenn das öffentlich angesprochen wird. Vorher gilt für Popularität wird alles Preisgegeben ohne jegliche Räson. In diesem Sinne ein schönes Wochenende. Mit den besten Empfehlungen, Ihr Gast.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 08.01.2011, 12:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Gast, ich...

Sehr geehrter Herr Gast, ich selber bin ehrlich gesagt auch nicht frei von diesem Dilemma, das Sie sehr richtig diagnostiziert haben. Ich twittere zwar nicht, aber in meinem privaten Blog liefere ich dem, ders wissen will, schon einige Puzzlestücke. Namen und Wohnort zwar nicht, aber letzterer ist zumindest für die ortskundigen Leser aus der Region relativ leicht zu erraten. Auf der anderen Seite habe ich auf diesem Weg aber auch eine Reihe von angenehmen Bekanntschaften geschlossen, ein paar meiner Texte auch mal im Rahmen einer Bloggerlesung vor Publikum zum Besten gegeben. Da ich mich als Blogger auch mit Leuten in der Kohlenstoffsphäre getroffen habe und mit meinem Blogger-Nick auch in berufs- und branchenrelevanten Blogs kommentiere, ist es mit meiner Anonymität freilich nicht mehr sonderlich weit her. Aber wenn ich es im Rückblick auf die letzten knapp sechs Jahre bilanzieren müsste, würde ich sagen, das wars wert. . Auch Ihnen ein schönes Wochenende!

0 Einfach mal ein Kommentar 08.01.2011, 13:01 Uhr

Hallo, sehr schöne...

Hallo, sehr schöne Unterhaltung, jedoch hebt diese etwas vom Thema ab und nimmt Kurs auf eine philosophische Auseinandersetzung. Muss aber nicht unbedingt schlecht sein. So etwas erfährt man in Foren zu 90 %, jedoch weniger wenn es sich um Problemlösungsversuche im Internet und rund um die Technik selbst handelt. Meiner Meinung nach beeinflusst was den Leser bzw. Betrachter überzeugt und oder dessen Zeitnerv trifft, wobei das Medium dann keine Rolle mehr spielt. Was mir auf jeden Fall einen Schrecken eingejagt hat, war folgender: "Am 24. Dezember 2010 befinde ich mich in einem Spielwarenladen einer Kette Namens Mül***, dort entscheide ich mich spontan für ein Kinderspiel Ministeck und bezahle wie üblich mit meiner EC Karte und erwerbe nur diesen einen Artikel. Zuvor hatte ich noch nie von diesem Spiel oder von der Firma jemals gehört, weder noch habe ich mich im Internet darüber erkundigt oder gegoogelt. Nach dem Heilig Abend vorbei ist, schwinge ich mich am nächsten Tag vor meinen Laptop und gehe auf FB, MFG etc., eben ins Internet und bemerke mit der Zeit, dass ungewöhnlich viel Werbung von Ministeck auf meinem Bildschirm flimmert. !!! Hallo !!! Da haben wohl die Statistik Netzwerke gerattert !! Besten Gruß

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 08.01.2011, 14:14 Uhr

Öha! Sind wir tatsächlich...

Öha! Sind wir tatsächlich schon an dem Punkt, dass die Internetwerbung jetzt auch schon mit den Datenspuren des bargeldlosen Einkaufs in Offleiningen abgeglichen wird? Für unmöglich halte ich das nicht, aber es könnte sich freilich auch um Zufallstreffer handeln - dergestalt, dass Ihnen nach dem entsprechenden Kauf die Werbung für das Produkt eben stärker ins Auge fiel. Aber wer weiß? Ich hatte beim Freemailanbieter meiner Wahl vor einigen Monaten auch mal eine Bannerwerbung unseres hiesigen Auto-Vertragshändlers mit den vier Ringen auf dem Bildschirm - und zwar just an dem Tag, wo ich da eh mal anrufen wollte, um einen Inspektionstermin für das Auto meiner Frau auszumachen. Das war aber dort nicht gekauft gewesen, wir hatten uns dort nur mal einen Vorführwagen angesehen, und unsere letzten einschlägigen Suchanfragen lagen auch schon eine ganze Weile zurück, also nach menschlichem Ermessen muss da Kollege Reiner Zufall Dienst gehabt haben. . Aber wo wir davon sprechen, diesen spannenden Themenkomplex haben wir hier neulich auch schon mal angerissen (den Beitrag schrieb ich allerdings noch als "der hochverehrte Gast"): http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2010/12/20/bekenntnisse-eines-streuverlustes.aspx

0 Malte Widenka 09.01.2011, 20:01 Uhr

Das ist ganz sicher Zufall....

Das ist ganz sicher Zufall. Abgesehen davon, dass ihr Konto sicher interessantere Daten als das Ministeckspiel hat, warum sollte man ein Spiel nach dem Kauf bewerben?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 09.01.2011, 20:49 Uhr

Dass ein Artikel gekauft...

Dass ein Artikel gekauft wurde, heißt in der Logik der Werbevermarkter (leider) nicht, dass das Interesse erloschen ist. Wie in meinem anderen Beitrag schon beschrieben: Ich habe in den E-Bay-Kleinanzeigen im Spätherbst ein Gebrauchtrennrad erworben, und seitdem verfolgen mich die Rennradanzeigen von E-Bay, wo ich im Netz gehe und stehe. Wenn wenigstens so viel Minimal-Intelligenz dahinter wäre, mir einen Helm, eine Windstopperjacke oder sonst was passendes anzudienen. . Aber wie gesagt, in dem Fall mit dem Ministeck-Spiel halte ich Zufall für die plausiblere Erklärung. Oder vielleicht erzeugt die EC-Karten-Transaktion auch morphische Felder. ;-)

0 Daniel Schultz 10.01.2011, 23:30 Uhr

Die Auswüchse mit...

Die Auswüchse mit Klickstrecken, Sudokuspielen & Co. zeigen doch welch Aufwand betrieben wird, um bei der Reichweite gut dazustehen. Zahlenmanipulation - bis halt das Vertrauen in die Währung weg ist. Und sobald über eine andere Währung ermittelt wird, wohin die Marketingetats fließen, werden Begehrlichkeiten geweckt auch dieses System zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dennoch finde ich es gerade zu putzig, wie Hubert Burda der Reichweite hinterher jammert, um im nächsten Moment auf Google und Facebook zu schimpfen. „Und dann kamen noch die Werbekunden, die sagten: Endlich haben wir ein Modell, wo wir die Response auf eine Kampagne genau messen können.“ Hubert Burda http://meedia.de/nc/details-topstory/article/wir-schaffen-gesprchsstoff--nicht-google_100031562.html Je länger ich mich selbst mit dem Thema befasse, desto mehr frage ich mich, ob solche Währungen nicht mehr Probleme aufwerfen, als sie an Nutzen versprechen? http://www.presseschauer.de/?p=1079

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.01.2011, 00:21 Uhr

@Daniel Schultz: Zu dem...

@Daniel Schultz: Zu dem grundsätzlichen Problem, das daraus entsteht, wenn Messwerte zu Zielwerten erhoben werden, hat Benedikt Köhler einige sehr interessante und lehrreiche Gedanken zusammengetragen, auf die ich gern nnochmal verlinke: http://blog.kooptech.de/2008/07/messen-nach-dem-ende-der-massengesellschaft-ueber-reichweiten-und-relevanzmasse/ . Ansonsten muss man auch sehen, dass die Manipulationen mit der Zeit auch egalisierenden Charakter haben, weil es irgendwann alle machen mit Klickstrecken und Klickspielchen oder mit den exzessiven Gewinnspielchen mit fünf mal Stationsnamen nennen in der Sekunde in der Zeit, wenn die Radio-Mediaanalyse "im Feld" ist. Ansonsten haben Sie recht, wenn eine Währung keinen echten Gegenwert mehr repräsentiert, muss eben eine neue her, das ist der Lauf der Dinge. Die PageImpressions waren (zumindest für den Planungsprofi) aber nie wirklich eine harte Währung, sondern mehr so eine ungefähre Richtgröße wie die technische Reichweite oder der weiteste Hörerkreis beim Radio. Ich weiß aus dem Stand nicht, wie weit die Bemühungen der Onliner gediehen sind, die AGOF-Zahlen komplett konform zu den Richtlinien der AGMA zu liefern, aber da wird es hingehen, was auch immer dann im einzelnen gemessen wird. . So sehr ich über Hubert Burda oft den Kopf schütteln muss, sagt er in dem Interview auch ein paar richtige Dinge. Seine Diagnose, dass die Cost-per-click-Seuche den Verlagen das Online-Werbegeschäft verdorben hat, ist ja nicht von der Hand zu weisen. Nur war die Reichweite der nicht gerade mit Hochdruck betriebenen Verlagsangebote im Netz halt auch nicht so beeindruckend für die Werbekundschaft, dass man Abrechnung auf Tausendkontaktpreis-Basis wie in denalten Medien am Markt seinerzeit hätte im Netz flächendeckend durchsetzen können. Das Überangebot an verlagsfremden Flächen, die genauso viele Klicks oder noch mehr aufbieten konnten, war und ist ja da. . Dass die Web-Werbung bei gleichbleibend großem Angebot auf breiter Front aus dem Cost-per-whatever-Modell rauskommt, sehe ich irgendwie nicht. Spannender wird eher sein, ob und inwieweit die anderen Mediengattungen ihre traditionelle TKP-Abrechnung am Markt dauerhaft halten können oder ob man da irgendwann auch auf den Resterampen und in der CPC-Hölle landet. . Und abschließend noch: Die Probleme, die man sich im Marketing mit Zahlen und Währungen einhandelt sind nichts gegen den Horror, ohne Zahlen einen totalen Blindflug absolvieren zu müssen. ;-)

dichtete und vertonte in seinen sittlich desorientierten Jugendjahren Spottverse, deren Vortrag er mit der Mandoline begleitete.