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Nackte und weniger nackte Politiker im Netz

26.01.2011, 22:45 Uhr  ·  worin sich der Verfasser eyn kleins Scherzleyn erlaubet mit dero nochverherten, gar stillschweygenten Politikherren undt schlecht an=gezogenen Internet-Aktyvistten alldie welche nit sehen wollen welch ächte Problemae allen Bürgern gezeyget werden sollten.

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worin sich der Verfasser eyn kleins Scherzleyn erlaubet mit dero
nochverherten, gar stillschweygenten Politikherren undt schlecht
an=gezogenen Internet-Aktyvistten alldie welche nit sehen wollen
welch ächte Problemae allen Bürgern gezeyget werden sollten.

Haben Sie es schon gehört? Nein! Die Topnachricht auf allen Kanälen im Internet! Das Gesprächsthema aller politisch interessierten Netzaktivisten! Seit heute Mittag ist da der Teufel los, es brennt die Luft, es scheppert bei Twitter, und alle Medien, die was auf sich halten, sind auch schon drauf. SPON, Heise, Süddeutsche und jetzt natürlich auch noch wir. Skandal! Ein Anschlag auf die Mitbestimmung der Bürger!

Das ist passiert: Seit Mai 2010 gibt es eine Enquete-Kommission des Bundestages mit dem vermutlich auf Fortschrittlichkeit getrimmten Titel  “Internet und digitale Gesellschaft”. Dort sitzen 17 Mitglieder des Bundestages aus eher hinteren Reihen zusammen mit 17 sog. Experten vom richtigen Datenschützer bis runter zur Twittercoacherette oder wie man das nennt, wenn jemand Geld nimmt, um Firmen das Twittern beizubringen. Im September fasste man dort den gleich über eine Pressemitteilung verblasen Plan, in Zukunft Bürgermitsprache im Internet über ein System namens “Adhocracy” einzuführen. Was wie eine seltene Geschlechtskrankheit klingt, setzt sich aus den Begriffen “Ad hoc” – lateinisch für “aus dem Stegreif” – und dem hinterem, für “Herrschaft” stehenden Rest des englischen Worts Democracy (oder auch Cleptocracy? Man kann es nicht sagen.) zusammen. Dazu gibt es auch eine Theorie, die uns hier aber in all der Erregung nicht beschäftigen soll.

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Denn mit diesem Beteiligungssystem im Internet, mit dem jeder Bürger Vorschläge und Anmerkungen für die Arbeit der Kommission machen könnte, hat sich nun auch eine andere Parlamentariergruppierung beschäftigt: Die “Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und Kommunikationsmedien”, angesiedelt beim Ältestenrat des Bundestages. Dieses Dingens hat nun mit den Stimmen und CDU und FDP Adhocracy den Garaus gemacht: Zu kompliziert, zu schwierig, nicht schnell genug einsatzbereit, und vor allem zu teuer. Statt dessen will man jetzt ein Forum und ein Blog einrichten.

Nun sind Foren und Blogs absolut keine demokratischen Einrichtungen; ein Blog ist eine Art Diktatur des Bloggers, der jederzeit Kommentare rausschmeissen kann, und ein Forum ist eine Einladung für jeden Irren, Kranken, Ahnungslosen, Extremisten und Kinderpornogibtesnuriminternetgläubigen, mal richtig die Sau rauszulassen. Ob dieser Dingenskommission klar ist, wie teuer die Moderation so einer Troll- und Spinnerhölle sein wird? Und was haben solche Wischiwaschi-Projekte noch mit effektivem Vorschlagswesen und Mitbestimmung zu tun? – fragen nicht zu Unrecht erboste Internetaktivisten, und überschwemmen Twitter mit Forderungen nach Mitsprache zu Abgeordneten und Twittercoacherette und was da sonst noch ist. Auch werden erste Rücktrittsforderungen gegen Experten laut, und der Sinn der ganzen Kommission wird als Alibiveranstaltung erkannt. Zusammengefasst: Es sei mal wieder typisch für Deutschland, so eine Veranstaltung mit “digitale Gesellschaft” einzuführen, dafür Experten und solche, die sich dafür halten, alle paar Tage nach Berlin zu bringen, und dann zu knickrig und faul zu sein, an die digitalen Bürger, um die es eigentlich geht, zu denken. Ziemlich nackt stehen jetzt die Mitglieder der Kommission in dem, was man neuinternetdeutsch als “Shitstorm” bezeichnet. Und ich kann nicht ganz umhin zuzugeben, dass der ganze Fall nicht gerade ein schlagender Beweis für Internetkompetenz ist. Ob sich die Politiker schon mal Gedanken um Googlesuchergebnisse und ihre Bedeutung für Jungwähler gemacht haben?

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So weit, so vorhersehbar. Der engagierte Internetbewohner schätzt es nicht, wenn er nicht gefragt wird zu Belangen, die er als die seinen betrachtet. Es geht um Deutungshoheit und in welche Richtung das Netz geht, ob es offen bleibt und möglichst transparent für die Gestaltung der Politik eingesetzt wird, ob es Mitsprache erlaubt und den Bürgern mehr Einfluss bietet: Idealerweise, wenn es um Netzthemen geht. Andere Themen….

Nun, andere Themen sehen so aus: Da hat das EU-Nachrichtenportal Euractiv eine Nachricht, die zeigt, wie man jenseits des Shitstorms Politik ohne jede moralinsaure Einmischung betreibt. Glaubt man dem Bericht, handelt es sich dabei um eine “Taskforce einer Arbeitsgruppe”, oder, salopp gesagt, das typische politische Hinterzimmer, in dem wichtige Entscheidungen getroffen werden. Namentlich über den Euro, die Schulden, die Bailouts maroder Staaten, die Steuerpolitik, und angeblich unter starkem Druck der Deutschen ohne Aufmerksamkeit der Medien, aber dafür mit Vertretern, die allenfalls begrenzt demokratisch legitimiert sind, und dennoch bereden, was Parlamente nachher abnicken. Hier sollen Schäubles Schergen der Griechen Gierschlünder stopfen und des Berlusconis Bengel züchtigen, hier wird entschieden, wie der Euro inflationiert und die Staatshaushalte wackeln. Aber am besten redet man noch nicht mal über die Existenz dieser Veranstaltung, die sich sicher nicht die digitale Gesellschaft und ihre Vorstellungen von Offenheit auf die Fahnen geschrieben hat. Es geht dort nicht um Wohltaten, sondern um sehr, sehr schmerzhafte Wahrheiten. Die muss man als Bürger nicht wissen, die erfährt man am besten, wenn es zu spät ist, und nicht mehr in die Schweiz kann.

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Nun, jetzt steht es doch im Internet, und ein grosses, bekanntes Blog einer Finanzzeitung verbreitet es weiter. Das Thema ist weitaus bedeutender als die Frage, auf welcher Software welcher Gschaftlhuber Eingaben macht, die andere Gschaftlhuber nur pro Forma zur Kenntnis nehmen. Der Schleier ist gelüftet – und es passiert nichts. Kein Aufschrei. Keine Klage nach Offenlegung und Transparenz, keine Forderung, die Namen der Beteiligten zu nennen, Tagungen zu streamen und ein Forum einzurichten. Niemand will deren private Teile sehen. Hier wird die nächste Milliardenspritze für eine Bank vorbereitet, hier wird die Grundsatzentscheidung getroffen, die zum Sozialabbau führt -Twitter schweigt. Blogger schweigen. Netzaktivisten schweigen. Vielleicht, weil es noch nicht bei Heise oder SPON steht, vermutlich aber, weil es kein Internet ist, sondern etwas, das man verstehen müsste. Ein Aufruf zur Netzneutralität ist schnell mal an eine Kommission geschrieben. Aber wer würde sich, würde man bei der EU derartige Vorgänge offen diskutieren, sich die Mühe machen, die Bilanz einer spanischen Sparkasse durchzugehen. Ah, einer. Und sonst?

Und sonst sind es halt Internetaktivisten. Gibt man ihnen eine App, eine Software, eine Bedienoberfläche, am besten alles auch für Android und iPhone, und sind sie zufrieden, weil sie etwas zum Demokratiespielen haben. Gibt man ihnen darüber ein paar Dokumente, kommen sie sich wichtig vor. Nimmt man es ihnen weg, sind sie beleidigt. Macht man etwas, das sie nicht verstehen, ist es ihnen egal. Putzige Leute. Irgendwann wird auch diese komische Dingenskommission begreifen, dass es reicht, ihnen so eine Software zu geben, damit sie die Offenheit und Transparenz als durchgesetzt erachten. Alles andere macht man dann in Brüssel, in abhörsicheren Räumen, wo es keiner erfährt, wenn man den Iren Angebote macht, die sie nicht ablehnen können. Nur wenn dann die Betroffenen am Ende gegen die Politiker revoltieren – dann werden die Netzaktivisten sagen, dass sie sich per Twitter zur Strassenlaternenschmückung verabredet haben. LOL. Internetdemokratrie halt.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (51)
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/totally agree Das ich das mal...

/totally agree Das ich das mal unter einen Artikel von Don Alphonso schreibe, hätte ich auch nie gedacht....

@Don Alphonso: Gratulation,...

@Don Alphonso: Gratulation, bissig und wahr, schliesslich spiegelt das Internet nur die Gesellschaft. Oder nach C.N. Parkinson: " In Diskussionen werden die einfachsten Themen am ausführlichsten diskutiert, weil davon die meisten Teilnehmer Ahnung haben- und nicht die Themen, die am wichtigsten sind."

Das da oben im Glas:...

Das da oben im Glas: Bundestagsabgeordneten-Popel in Aspik? . Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, heißt es immer so schön. Die Scheinvielfalt der Informationen ist es, von der wir uns blenden lassen und die uns unwissend macht. Hinterher wird höchstens geplärrt, dass das Detail, auf welches es ankam, nicht fett genug gedruckt war. . Schön und geheimnisvoll dazu garniert die japanischen(?) Farbdrucke hinter der Tür. Eleganter Abschluss.

Tja. Kein Engagement darf halt...

Tja. Kein Engagement darf halt länger als 5 Minuten dauern - und kein Thema ohne ausdrücklichen Netzbezug diskutiert werden. Demokratie auf internettisch. Danke für die Polemik :-).

0 HansMeier555 27.01.2011, 09:21 Uhr

Es bleibt noch die Frage,...

Es bleibt noch die Frage, welche Musik man dabei hören, wie man die Röcke tragen, woher man die Trüffel beziehen und überhaupt welche Drogen man dazu nehmen sollte.

0 donalphonso 27.01.2011, 09:42 Uhr

Meiner, das war jetzt aber...

Meiner, das war jetzt aber auch nicht so schwer, sich auf solche Punkte irgendwie zu einigen. Ein wirklich schockierender Fall von WFT. Und #epicfail. . ego, ich sehe das Versagen auf ganzer Linie, aber natürlich bin ich auch fassungslos über die "Ne wollma nich"-Haltung der Politik. Ich habe mich wirklich gefragt: Wenn die Ägypter Twitter ausschalten, nennen wir sie ein Regime. Wenn unsere Regierung nicht mal bei so einer Winzveranstaltung eine Software laufen lässt, nennen wir das ... nun?

Bravo! Bravo! Bravo!...

Bravo! Bravo! Bravo!

0 Don Aldduck 27.01.2011, 10:03 Uhr

Sind Internetnutzer, die ihr...

Sind Internetnutzer, die ihr angenommenes Revier verteidigen, nicht eigentlich auch Lobbyisten? . Und als Lobbyisten dann per definitionem ganz was Schlimmes? . Ansonsten hat der Mitkommentator ego schon das zutreffende Zitat von Parkinson eingeführt. Leider trifft dies nicht nur auf die Diskussionsteilnehmer allgemein zu, sondern auch auf Journalisten. Derartige Berichterstattung erinnert dann immer mehr an Sportberichterstattung (häufig auf Regionalliga-Niveau): es wird nur noch geschrieben, wer sich gegen wen durchgesetzt hat (wobei auch das häufig spekulativ ist), während der Leser über den Inhalt der verschiedenen Konzepte bestenfalls schlagwortartig informiert wird. Die Schlagwörter werden dabei von den cverschiedenen Akteuren übernommen, ohne kritisch hinterfragt zu werden. Und dann wundern sich die Medien über ihgren Bedeutungsverlust...

0 Don Aldduck 27.01.2011, 10:12 Uhr

Zuerst einmal bitte ich meine...

Zuerst einmal bitte ich meine Tippfehler im vorigen Beitrag zu entschuldigen. Im Übrigen ist Ihr Vergleich mit Agypten m.E. nach schon "orthopädisch herausgefordert" (vulgo: er hinkt). Hierzulande gibt es genügend Möglichkeiten, sich zu äußern, auch ohne daß es dafür extra eine Software gibt. Demokratie funktioniert offline recht gut.

Nein, Don Aldduck, das tut sie...

Nein, Don Aldduck, das tut sie leider nicht. Sie funktioniert nur gerade gut genug. Die verbotene Frage dazu lautet: Gut genug wozu? Oder: Für wen?

Ach, welche Möglichkeiten der...

Ach, welche Möglichkeiten der Demokratie gäbe es mit dem Internet. Stellen wir uns doch einmal vor, an jedem Samstag ständen alle zur Entscheidung anstehenden Gesetzes-, Steuer- oder Haushaltsänderungen in leicht verständlicher Sprache im Internet zur Abstimmung und jeder Wähler hätte die Pflicht zur dieser. Angeblich ist die kollektive Intelligenz ja größer als es einem vorkommt und es wäre auf jeden Fall "des Volkes Willen" Aber solange es Menschen gibt, die besser wissen, was "des Volkes Wille" sei, werden wir von diesen "task forces" und "think tanks" nur den Schatten sehen, den sie durch unfähige Politikergehirne verzerrt und gefiltert auf die Leinwand der Presse werfen.

0 donalphonso 27.01.2011, 11:15 Uhr

Ganz ehrlich, ich denke,...

Ganz ehrlich, ich denke, vieles hätte einfach nicht genug Breitenwirkung, um mehr als nur ein paar Leute zu interessieren. Viele sagen, die werden schon das richtige tun. Und wenn es wirklich darauf ankommt, wird man es doch wieder hintenrum machen. Die Politiker werden sich doch ihr zukünftiges Geschäftsmodell in der Wirtschaft nicht versauen.

0 donalphonso 27.01.2011, 11:18 Uhr

muscat, das ist die Küche....

muscat, das ist die Küche. Und Kirschmarmelade. Das Argument "war doch alles bekannt" hatten wir doch auch schon bei Stuttgart21. Momentan wird ja eher in die Richtung "zukunftsfähig ohne Bürgerbremsen" argumentiert. . ThorHa, ich fürchte auch, dass man Politik nur dann twittertauglich machen wird, wenn es um nichts geht - und ansonsten wird man auf die Trägheit der Leute setzen. Schnell aufbrausend, aber dann, oh! Ein neues Level von Angrsbird und was? die Janine ist jetzt plötzlich in a relation? Was ist da los? So ist das, mit dem Engagement.

0 holofernes 27.01.2011, 12:42 Uhr

allein diese hoffnungslosen...

allein diese hoffnungslosen polemiken zu lesen, hat etwas tröstliches.

Don, lassen Sie es mich so...

Don, lassen Sie es mich so formulieren: Gerechtigkeit durch Verfahren (gleichwertige Teilnahme aller am Diskurs) ist eine Idealvorstellung, die in unserer Gesellschaft sicherlich nicht hinreichend umsetzbar ist (und bleibt). Allerdings gibt es, nach Descartes, ein einziges Gut auf dieser Welt, das absolut gerecht verteilt ist und welches Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Diskurs ist. Der menschliche Verstand. Ich erinnere mich zumindest nicht daran, dass einer der S21-Gegner sich beklagt hätte, zu wenig davon abbekommen zu haben.

Nunja, ego, „Stellen wir uns...

Nunja, ego, „Stellen wir uns doch einmal vor, an jedem Samstag ständen alle zur Entscheidung anstehenden Gesetzes-, Steuer- oder Haushaltsänderungen in leicht verständlicher Sprache im Internet zur Abstimmung…“ Das bedeutet, es muß jeweils eine Frage formuliert werden, die mit ja/nein/weißnicht beantwortet werden kann. Wer formuliert die Fragen? Und wer möchte eine Politik, deren Antworten sich auf Multiple-choice reduzieren läßt? Ich muß dienstlich immer mal wieder solche Fragebogen ausfüllen. Alle sehr ausführlich, mit Kontrollfragen dazwischen und einer schönen Punkteskala von 1 bis 10. Ich sehe dann immer schon vor mir, wie die Ergebnisse fein säuberlich zwei Stellen hinter dem Komma ausgerechnet werden und fast nichts besagen. Denn die Fragen (keine politischen, fachliche) sind so formuliert, daß ich mir immer vorkomme als würde mir das Wort abgeschnitten. Ich würde gerne Einwände machen im Stile von „Ja, schon, aber…“ Der Fragebogen fordert aber: mach schon, mach schon, mach das Kreuz! Ja, ich mache also. Wie jeder Skeptiker vergebe ich nie die höchsten und die niedrigsten Werte. Wie soll ich aber zwischen 6 oder 7 oder 8 unterscheiden? Meine Einwendungen sind ja nicht in der Frage enthalten. Dann stehe ich da wie Buridans Esel und gebe eine 5, immer schön in die Mitte. Wie aussagefähig ist sowas? Wie aussagefähig sind Abstimmungsergebnisse wie die letzten Wahlen in NRW (in SH, in Hessen etc. etc.), die hinterher in Hinterzimmerkonferenzen zu Machtspielchen einladen? Ein moderiertes Forum halte ich da für viel sinnvoller. Oder die Möglichkeit, einzelne Vorlagen zu kommentieren oder Änderungsideen einzubringen. Das kostet aber Kraft, Zeit und Nerven. Und Geld natürlich auch. Ich würde niemanden um die Moderatoren-Rolle beneiden.

@muscat: Vollkommen d'accord...

@muscat: Vollkommen d'accord mit Ihrem ersten Satz. Zum zweiten Satz ergänzend: Nicht nur Verstand ist kartesisch gerecht verteilt - ich kenne ebenfalls niemanden, der von sich behaupten würde, er hätte zu wenig Sinn für Humor. Wenn's bloß wahr wäre, what a wonderful world this would be!

0 Der Tiger 27.01.2011, 13:38 Uhr

Vor ungefähr 25 Jahren hat...

Vor ungefähr 25 Jahren hat mir mein damaliger Boss in einer kanadischen Ingenieurfirma einmal die, in Karrierebesprechungen typische Frage gestellt: „wo sehen Sie sich mit 55?“-„ Als europäischer Minister für Forschung und Technologie.” Erstaunlicherweise hat er mich nicht für verrückt erklärt und wir sind auch heute noch Freunde. (Gar nicht so abwegig, denn was nutzt ein europäisches Patent, wenn auch das Europäische Patentamt eine Bananenrepublik ist?) . Meine Antwort war spontan und ehrlich. Aber in dem Moment, in dem ich es meinem Boss gesagt hatte, war mein Ziel öffentlich. Nun hatte ich ein Problem. Ich habe keinerlei Begabungen, die einen Berufspolitiker auszeichnen, Reden halten, das Bad in der Menge, das Bedürfnis beim Davoser Wirtschaftmittel teilzunehmen etc. „Alle deine Freunde erwarten jetzt hohe europäische Politik von dir. Wie schaffst du das?“ habe ich mir überlegt, „The only competitive advantages you have are: du bist unschlagbar im Aufsetzen von Lastenhefte, im Verhandeln und im Schreiben von fiesen Faxen, mit denen du jeden Gegner in die Knie zwingst.“

@Savall, in einem stimme ich...

@Savall, in einem stimme ich Ihnen zu: "Wer soll die Fragen stellen?" ist das Hauptproblem. Im anderen Punkt glaube ich allerdings, daß eine Auswahl des geringsten Übels des Einzelnen (und eine andere Wahl wird es wohl nicht geben) in der Summe die geringsten Übel für die Allgemeinheit bedeutet.

Hhm, der Ältestenrat...

Hhm, der Ältestenrat also. . Seit wann ist zu teuer ein Argument? Und schwierig kann es doch meist nicht genug sein. Ich wundere mich. . http://www.bundestag.de/bundestag/aeltestenrat/aeltestenrat_m.html

Werte DerTiger, vielen Dank...

Werte DerTiger, vielen Dank für den Hinweis darauf wie alt diese Personalerfrage ist. Wenigstens einviertel Jahrhnundert! Vielleicht sollte man nicht nur fragen: WER frägt, sondern auch wie alt/antiquiert die Fragen denn sein dürfen.

Warum das keinen "Aktivisten"...

Warum das keinen "Aktivisten" oder Internet-Prekarianer "aufregt"? Weil keiner Ahnung hat von dem Hochfinanz- und Banken-Gedöns. Mehr so von Döner. . Habe ja selber kaum Ahnung. Wer z. B. kann schon Bilanzen von börsendotierten AGs lesen? Und verstehen? Außer ein paar Attac-Aktivisten vielleicht, die sich zufällig auf so ein Thema oder auf Hochfinanz spezialisiert haben. Hab mich mal da reingefuddelt zu Dotcom-Zeiten mit dem Ergebnis: Kopfweh. . Na, dann gibt es doch noch ungeahnte Blogideen (für die, die glauben, es sei schon über alles gebloggt und es gebe keine Themen mehr): "Das Hochfinanz-Watchblog" "Das-EU-Arbeitsgruppen-WatchBlog: Warum ist die Banane immer noch krumm?" Futter gibt es genug: http://www.google.de/search?hl=de&lr=&as_qdr=all&q=alle+EU-Arbeitsgruppen&btnG=Suche&aq=f&aqi=&aql=&oq= . Das "Top Secret EU-Arbeitsgruppen-Watchblog für das, was nicht im Internet steht" wird schon schwieriger. Dazu braucht es Whistleblower. . Die Grundfrage ist für mich auch noch nicht geklärt: Welche Befugnisse haben diese EU-Arbeitsgruppen. Wer kommt rein und warum. Mir pesönlich ist auch nicht klar, ob sie nur zuarbeiten oder bereits gesetzgeberische Relevanz haben. Welche Verwandtschaft z. B. zu Fraktionen oder Ausschüssen des Bundestags besteht. Mer waas: nix. . Von Bundestagsfraktionen weiß man ja, dass im Grunde bereits alles darin ausgekartelt ist, was später mit großem Gedöns als Bundestagsdebatte übertragen wird und auf den ahnungslosen Bürger Ohren wirkt, als werde grad erst frisch drüber diskutiert und man formuliere grade erst Positionen. Aber alles schon gelaufen.

0 Aktivisten-Blogsaubär 27.01.2011, 14:45 Uhr

Zuerst die Headline: Buridans...

Zuerst die Headline: Buridans Esel ist verhungert wg. mittlerer Enscheidungs-schwäche. Danach: Fragen dürfen nur in Abstimmung mit mir gestellt werden, so eine allerhöchstaufgestellte Person. Standards entspr. der vorgegebenen Linie des Zentralkomitees. Worum geht´s den eigentlich? Hatten wir das nicht schon mal auf der Agenda? Der Tiger@ Frage: Warum sind Sie es nicht geworden? .. Fragen über Fragen, die alle sssehr wichtig sssind und dringend einer Lösung resp. Antwort harren.

Auch eine Form der...

Auch eine Form der Bürgermitsprache: . http://www.wdr.de/themen/computer/internet/openleaks/index.jhtml

Versuchen wir’s doch mal mit...

Versuchen wir’s doch mal mit einer Abstimmungsfrage für nächsten Samstag, zu beantworten per ja/nein/weißnicht: Version 1: Sind Sie dafür, den spanischen Banken 1 Billion Euro für Schrottimmobilien zu überweisen? Version 2: Sind Sie dafür, alles für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Euro, die Stabilität der Europäischen Union und den Weltfrieden zu tun und unseren spanischen Freunden einen nichtkonditionierten Einlagenrettungsschirm zu gewähren?

Excellent Don Alphonso! Ein...

Excellent Don Alphonso! Ein gelegentlicher Leser und zunehmender Fan.

0 Der Tiger 27.01.2011, 15:21 Uhr

@Aktivistenbär – ich sehe...

@Aktivistenbär – ich sehe Sie sind neu in diesem Blog. Um die regulären Blogbewohner unseres sehr verehrten Gastgebers Don nicht mit Wiederholungen zu langweilen, verweise ich Sie auf die Stützen der Gesellschaft, insbesondere meine Kommentare in: . http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/03/03/die-neuen-herren-und-die-alten-westviertel.aspx und http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/05/27/davoser-kanten-fuer-bessere-kreise.aspx

0 Der Tiger 27.01.2011, 15:40 Uhr

Nachdem sie die Kommentare...

Nachdem sie die Kommentare studiert haben, können sie vielleicht auch verstehen, dass meine Freunde im technischen Bereich durchaus denken, dass ich das mache, was die wichtigste Aufgabe eines europäischen Technologie Ministers wäre: nämlich sicherzustellen, dass (eines Tages wenigstens) Erfindungen, die beim europäischen Patentamt angemeldet werden, wirklich geschützt werden. Da gegen Angestellte des Europäischen Patentamtes kein Staatsanwalt von sich aus ermitteln kann, ist es nicht schwer für Außenstehende (Europäer und nicht Europäer), diese zu bestechen und die Patentbeurteilung damit zu manipulieren.

0 HansMeier555 27.01.2011, 15:55 Uhr

Aber auch die seriöse...

Aber auch die seriöse Qualitätspresse scheint sich für viele Dinge erst dann zu interessieren, wenn sie bei SPON stehen.

0 windsbraut 27.01.2011, 15:57 Uhr

Werter Don Um noch einmal auf...

Werter Don Um noch einmal auf die wirklich wichtigen Fragen zurückzukommen, die muscat schon angeschnitten hat: Was ist das Japanische da, was hinter der Küchentür hervor lugt? Hokusai (ich erinnere mich dunkel, dass Sie mal was auf dem Flohmarkt erstanden haben)? Und wie nennt sich das Dekor des Silberlöffels, denn wenn mich nicht alles täuscht habe ich das gleiche und Sie wissen es bestimmt. * @Vroni „Weil keiner Ahnung hat von dem Hochfinanz- und Banken-Gedöns. * Ja, da haben Sie recht. Ich denke auch, dass das ein Teil des Problems ist. Und machen wir uns nichts vor, die meisten Menschen haben einfach andere Sorgen. Die haben nach einem langen anstrengenden Arbeitstag einfach keine Energie mehr, um sich noch mit solchen Fragen zu beschäftigen.

0 Aktivisten-Blogsaubär 27.01.2011, 16:29 Uhr

Der Tiger@: Sie haben aber...

Der Tiger@: Sie haben aber auch sämtliche aufgestellten Europäischen Apparate-Fettnäpfchen n i c h t ausgelassen. WoW! Aber, haben Sie schon etwas Neues in der Röhre, in der Richtung etwa? Savall@: Selbstverständlich ist die Version 3 die Beste!

0 Aktivisten-Blogsaubär 27.01.2011, 16:29 Uhr

Der Tiger@: Sie haben aber...

Der Tiger@: Sie haben aber auch sämtliche aufgestellten Europäischen Apparate-Fettnäpfchen n i c h t ausgelassen. WoW! Aber, haben Sie schon etwas Neues in der Röhre, in der Richtung etwa? Savall@: Selbstverständlich ist die Version 3 die Beste!

@windsbraut Was aber der...

@windsbraut Was aber der sogeannte "mündige bürger" schon wissen und hinterfragen sollte: Wer macht wasm warum und wie sind die legitimiert. . Eine Taskforce, die einer Arbeitsgruppe noch drübersteht und die nicht gewählt ist, geht nicht. Die Legitimation zu hinterfragen geht schon udn muss, auch wenn man keine Ahnung von Finanzkram hat. Ich bezieh mich auf den Link von Don: http://ftalphaville.ft.com/blog/2011/01/26/469876/psst-have-you-heard-about-the-eus-secret-committee/ (Blog einer großen Finanzzeitung) . Wer in lumpigen WEG-Versammlungen von Eigentümern mal dabei war, der weiß, was ich meine: Es zählt nicht nur, WAS in so einer Versammlung alles geblubbert wird, sondern WIE die Anwesenden legitimiert sind. Ob ihnen überhaupt eine Wohnung da gehört, ob sie in den letzten Jahren auch brav sein Wohngelder überwiesen haben und last but not least: ob die Versammlung überhaupt im vorgeschriebenen Rahmen mit einem legitimierten Verwalter und Beirat stattfindet. Sonst kann man problemlos alles kippen, was da stundenlang beschlossen wurde. Wie Tagesordnungs- und Verfahrensfüchse wissen.

@ Windsbraut Hokusai kriegt...

@ Windsbraut Hokusai kriegt man, denke ich, nicht auf dem Flohmarkt.

0 Mythmaker 27.01.2011, 18:57 Uhr

Natürlich wäre das eine...

Natürlich wäre das eine tolle Sache. Demokratie über das Internet - alle technischen Manipulationsmöglichkeiten mal ausgeschlossen. Das könnte selbst bis zur Utopie "Liquid Democracy" reichen. Aber mir fehlt da deutlich der Glaube. Einmal schon gut erkannt: Wer stellt die Fragen oder bestimmt, was überhaupt zur Abstimmung kommt? Wer hat zudem Lust und auch den Verstand sich ernsthaft mit Sachverhalten tiefgehend zu befassen? Dafür gibt es ja die parlamentarische Demokratie. So ein Land wird nicht über Hartz IV - ja oder nein - und S21 ist was ganz schlimmes gesteuert. Das geht richtig ans Eingemachte. Man merkt doch auch beim in Marsch gesetzten Wutbürger, dass er nur marschiert, wenn es um vermeintlich einfache Ja/Nein- Themen geht. Wenn man sich mit vielen Menschen unterhält, dann merkt man, dass die nicht mal wissen, wie das Rentensystem funktioniert oder das Gesundheitssystem, also Dinge, die sie naturgemäß deutlich interessieren müssten. Bei Dingen wie dem Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge o.ä. ist dann definitiv Schluss. Am Stammtisch hört sich alles immer so einfach an. Das Problem ist allerdings, dass die meisten Politiker auch nicht mehr verstehen über was sie eigentlich abstimmen. (Lobby-Probleme etc. mal außen vor.) Zudem habe ich ein tiefes Mißtrauen in diese typischen Netz-Checker. Das ist doch alles nur Oberfläche, Flüchtigkeit. Wenn man mal ernsthaft zupacken muss, was auch längerfristige Arbeit bedeutet, dann ist man doch schon einen Datenknoten weiter.

0 Der Tiger 27.01.2011, 19:28 Uhr

@Aktivisten-Blogsaubär –...

@Aktivisten-Blogsaubär – nein, ich habe nichts in der Röhre. Ich denke, als nächstes wird das Bundesverfassungsgericht ankündigen, wann es das Ergebnis seiner Überlegungen zu meinem Rechtsfall zu veröffentlichen gedenkt. Da ich den Bundesverfassungsgericht Newsletter-Service abonniert habe, müsste ich das so schnell erfahren wie mein Anwalt und die Presse.

0 donalphonso 27.01.2011, 20:18 Uhr

Mythmaker, nun ja, Stuttgart21...

Mythmaker, nun ja, Stuttgart21 war ja auch durchaus komplex - man sollte nie die Möglichkeit des Menschen zum Durchdenken unterschätzen. In Bayern tobte die CSU gegen den Bürgerentscheid, inzwischen ist das allgemein akzeptiert und auch entsprechend beliebt. Viele Dinge werden allein durch die Existenz eines Drohpotentials der Abstimmung auf Bürgerebene verhindert. . Das Problem, das ich bei Liquid Democracy sehe, ist, dass es von Geeks für Geeks ersonnen wurde. Es mag denen nicht gefallen, aber es muss eine Lösung sein, die alle mitnimmt und von allen getragen wird.

Don Alphonso, wenn Sie Recht...

Don Alphonso, wenn Sie Recht haben, werden wir (oder unsere Kinder und Enkel) die Demokratie bald ruiniert haben, ein menschlich unperfektes System, aber immer noch das am wenigsten schlechte, dass die Menschheit in ihrer langen Geschichte bisher probierte. Wird ohnehin DIE spannendste Frage der nahen Zukunft, ob dieses Politiksystem, dass auf aktive langfristige Beteiligung von Bürgern angewiesen ist, dem dreifachen Zangenangriff standhält: Von Medien, die skandalisieren anstatt zu berichten, von Bürgern, die bespielt zu werden verlangen und von Unternehmen, die sich den ganzen Menschen einverleiben. Wir werden sehen, entschieden ist da - allen Untergangspropheten zum Trotz - noch nichts.

Also ich bin ja nicht sicher,...

Also ich bin ja nicht sicher, ob die Aussagen zu Liquid Dem- oder Ahdhocracy so stimmen. Kommen diese querulatorischen Tendenzen nicht eher daher, dass ständig irgendwer versucht, den Netzbürger um seine kostenlosen MP3s, Filme und den Pr0n zu bringen? Das Marmeladenglas-Foto ist übrigens grandios.

"Demokratie funktioniert...

"Demokratie funktioniert offline recht gut", und damit der Bürger den klaren Blick nicht verliert, bekommt er vom Stuttgarter Ophtalmologen Dr. med. Mappuse die nachhaltige Augenspülung.

0 Aktivisten-Blogsaubär 28.01.2011, 09:53 Uhr

On ne sait jamais,...

On ne sait jamais, chéri.... Eine steile Behauptung: Unsere gegenwärtige Lebens-und Kommunikationsweise samt Religions,-Politik,- Erziehungs,-Finanzapparatur scheint mir ein spezieller Grenzwertvelauf einer möglichen und bisher stattgehabten Spezialfalls der Naturgeschichte zu sein. Es hätte ja auch um einige, entschiedene Grade anders ablaufen können....und.....könnte womöglich auch eine potentiell so ganz anders verlaufende Zukunft sein. Die Evolution hat ja schon einige interessante Experimente geliefert. Diesbezüglich gescheiterte oder abgebrochene Verläufe sind in allen möglichen Museen zu besichtigen. .. Wo steht denn geschrieben, dass das, was uns umgibt und was wir als Gattung so betreiben, mit ehernem Griffel für alle Zeiten als Fahrplan in einer Steinplatte à la Hammurabi oder Assurbanipal eingemeisselt ist? Dann erübrigten sich unter Umständen für späterhin sogar manche Ja/Neinfragen von vornherein.

0 Aktivisten-Blogsaubär 28.01.2011, 09:57 Uhr

Der Tiger@ ...und die...

Der Tiger@ ...und die Europäischen Justitiare samt deren einschlägigen Institutionen könnten doch auch einmal ein diesbezügliches Räuspern vernehmen lassen, oder haben die sich alle weggeduckt?

0 windsbraut 28.01.2011, 10:03 Uhr

@Vroni "Was aber der sogeannte...

@Vroni "Was aber der sogeannte "mündige bürger" schon wissen und hinterfragen sollte: Wer macht wasm warum und wie sind die legitimiert." * Natürlich sollte der „mündige bürger“ das eigentlich wissen wollen und hinterfragen, denn ihn treffen ja auch die Folgen. Ich sehe aber, dass bei vielen meiner Mitmenschen die dazu benötigten Ressourcen einfach nicht mehr vorhanden sind. Die bilden sich dann ihre Meinung doch nur über die üblichen Medien. Sehr interessant zum Thema ist auch der Link, der im anderen Blog des Dons letztens zu lesen war. http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html * Ja, ich war auch der Meinung, dass man Hokusai nicht auf dem Flohmarkt bekommt. Der Don berichtete aber mal, dass er da ein paar der 36 Ansichten in irgendeiner Grabbelkiste gefunden hat und mein Neid darum hält immer noch an.

0 Aktivisten-Blogsaubär 28.01.2011, 10:03 Uhr

Nörgler@:... für die rektale...

Nörgler@:... für die rektale Spülung durch den Internisten im Ärztehaus, bei möglichen Blockaden im Abdomen, sorgt der bewährte Wasserwerferverein.

Maschmeyer/Rürup/Riester sind...

Maschmeyer/Rürup/Riester sind aber, ThorTa, nicht erst ein Problem unserer Enkel. Ein Wissenschaftler hat eine Kommission geleitet, in der er und andere die Ergebnisse so 'gestalteten', daß ihre Bereicherungsinteressen bei der Privatisierung von Altersvorsorge und Krankenversicherung befriedigt wurden, um nur mal einen Fall zu nennen. Dieses System ist längst endemisch: Vorneherum sind die demokratischen Institutionen weiterhin formell intakt, aber der Inhalt ist vor- und außerdemokratisch.

0 donalphonso 28.01.2011, 11:11 Uhr

Man sieht das ja immer wieder...

Man sieht das ja immer wieder an den Beiträgen der Kollegin Infitessimalia: Am Ende kommt es nur darauf an, dass die Modelle entsprechend passend konstruiert werden. Und dagegen lässt es sich dann nur schwer mit "Menschenverstand" argumentieren.

0 donalphonso 28.01.2011, 11:12 Uhr

(Ganz unabhängig davon, und...

(Ganz unabhängig davon, und auch das gehört zur Mündigkeit des Bürgers: Investiere nur dort, wo Du verstehst, was die mit Deinem Geld tun. Genauso wie man entsprechend wählen sollte.)

0 donalphonso 28.01.2011, 11:15 Uhr

windsbraut, es waren leider...

windsbraut, es waren leider nur vier der 36 Ansichten, und der Verkäufer hat es nicht für nötog erachtet, von den sehr hochwertigen Rahmen auf den Inhalt zu schliessen - also habe ich es für den Gebrauchtrahmenpreis bekommen. . Aktivisten-Blogsaubär, ich bin der Meinung, dass man speziell unsere Epoche des Plünderungsreichtums dereinst als "angesichts ihrer Möglochkeiten schwer gescheiterte Oligarchie" betrachten wird.

0 Latifundius 28.01.2011, 12:43 Uhr

wie sooft stehen die...

wie sooft stehen die interessanten Dinge nur im Kleingedruckten und eben dort, wo die Aufmerksamkeit nicht hingelangt. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Online- und Offlinewelt (Online ist es nur auffälliger, weil da der Erregungszyklus kürzer ist). Ansonsten ist es ziemlich egal, ob es im Hinterzimmer in Brüssel um die Bankenrettung geht, oder um Änderungen in Versicherungsbedingungen - sobald zuviele Details aus unbekannten Bereichen vorkommen, schalten die meisten Zuhörer ab - egal, welche Auswirkungen diese Dinge auf ihr Leben haben.

@Nörgler: Mag sein. Ich weiss...

@Nörgler: Mag sein. Ich weiss nur tatsächlich nicht, wie es anders gehen sollte. Wer jemals schon in einem kleinen Kreis (Meeting in einem Unternehmen) gelernt hat, wie Menschen im allgemeinen und Manager im besonderen auf zuviel Kleinkram reagiert hat, der weiss, was ihm blüht, wenn er den notwendigen Kleinkram öffentlich diskutieren würde. Vollversammlungen an Unis genügen dafür auch. Als kleine Prognose: Nach zwei Jahren wäre sich vielleicht eine Mehrheit der dann noch Verbliebenen über grundsätzliche Fakten einig, wobei diese Einigung trotzdem vollkommen realitätsblind ausfallen kann. Ein Jahr später stünde dann der Grundsatzentwurf des Gesetzes, der kurz vor Verabschiedung durch eine Mehrheit der Unentwegten (etwa 0,1 bis 1% der ursprünglich Mitmachenden) noch einmal über den Haufen geworfen wird, weil ein empathisch und emotional argumentierender Wohlmeinender den einen Menschen gefunden hat, der durch das Gesetz benachteiligt würde. In dem ausbrechenden Durcheinander gehen die drei, die den Prozess bisher am Leben erhalten haben, zum Psychiater - und ein erbostes Volk demoliert das Rechenzentrum, auf dessen Servern sich die Debatte abspielt. Kurzfassung: Für die grosse Mehrheit der Leute ist das Leben zu kurz, als dass sie sich mit den echten Details von Gesetzgebungsarbeit auseinandersetzen wollen. Und diejenigen, die dafür sowohl die Zeit als auch die Nerven mitbringen, sind nach meiner Lebenserfahrung NICHT diejenigen, denen ich Entscheidungen anvertrauen möchte ...

0 windsbraut 28.01.2011, 14:20 Uhr

@DA Das tröstet mich jetzt...

@DA Das tröstet mich jetzt auch nicht! Und vier Stück sind doch schon mal ein guter Anfang. Die restlichen 42 schaffen Sie bestimmt auch noch.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.