Deus ex Machina

Deus ex Machina

Über Gott und die WWWelt

Guttis Groupies geben Gas

| 71 Lesermeinungen

Das Netz hat zu Guttenberg nicht gestürzt, aber einen massiven Stolperstein geliefert. Via Facebook formiert sich nun auch die Fankurve des Ex-Ministers - aber sie kriegt ihre PS nicht auf die Straße.

Das Netz hat zu Guttenberg nicht gestürzt, aber einen massiven Stolperstein geliefert. Via Facebook formiert sich nun auch die Fankurve des Ex-Ministers – aber sie kriegt ihre PS nicht auf die Straße.

Jetzt, wo sich der Pulverdampf um die Causa zu Guttenberg allmählich verzieht, ist es mal wieder Zeit für den in Digitalien so beliebten Diskurs: Welche Rolle hat das Netz dabei gespielt? Ist der zurückgetretene Bundesminister der Verteidigung tatsächlich der erste Politiker, den das Internet gestürzt hat, wie es Robin Meyer-Lucht bei carta.info so pointiert zuspitzt? Zunächst spricht einiges für diese These: „Ohne das Guttenplag-Wiki, ohne dieses akribisch zusammengetragene Abschreiberegister, ohne die darin enthaltene Visualisierung der absurden Copy&Paste-Orgien des Ministers wäre der Druck auf zu Guttenberg nicht derart groß geworden. Diese allgemein zugänglichen Fakten wirkten wie eine klaffende Wunde in der Selbstdarstellung des Ministers“, analysiert Meyer-Lucht. Ins gleiche Horn stößt Christian Stöcker bei Spiegel Online: „Ohne die akribische Dokumentation der Plagiate im GuttenPlag-Wiki wäre die Debatte versandet. So aber brachte der Minister Deutschlands Wissenschaftselite gegen sich auf – nicht einmal die „Bild“-Zeitung konnte seinen Job retten.“ Der Intellektuellen-Darsteller Roger Willemsen erklärte in einem Interview auf 3Sat das Internet gar zum „Sieger über die Bildzeitung“.

Bild zu: Guttis Groupies geben Gas

Aber dieses Heldengemälde von den digitalen Davids gegen Guttis Goliath-Hilfstruppen aus dem Hause Springer hat einen kleinen Schönheitsfehler: Es stimmt so nicht ganz. Es blendet aus, dass zu Guttenberg auch aus den etablierten Medien ein zunehmend schärferer Wind entgegen blies. Es war die „Süddeutsche Zeitung“, welche eine kritische Rezension der Dissertation des Ministers aufgriff und den Stein überhaupt erst ins Rollen brachte. Auch die FAZ hat mit Kritik nicht hinter dem Berg gehalten, wie der Blogger egghat in der Kommentarspalte von carta.info betont: „Guttenplagg war wichtig. Der Rest des Internets nicht. In Berlin interessieren die Shitstorms, die Facebook-Like-Seiten, etc. niemanden. Viel wichtiger war, dass sich die FAZ vom ersten Moment an *klar* gegen Guttenberg positioniert hatte (weil sie kopiert wurde? Weil die Doktoren in der Leserschaft sauer waren?). Das dürfte die Union deutlich stärker beeinflusst haben als das Internet.“

Gleichwohl bleibt festzuhalten: Die Medien ihrerseits hätten den Druck auf den Minister nicht unbedingt aufrecht erhalten ohne die schnelle und kollaborative Fleißarbeit der Plagiat-Jäger in dem eigens aufgesetzten Wiki. Die Bedeutung des Faktors Zeit – oder genauer gesagt Geschwindigkeit – kann man dabei gar nicht hoch genug ansetzen. Nicht nur dürfte zu Guttenberg selbst ziemlich kalt erwischt worden sein von dem Tempo, mit dem sich die öffentlich einsehbare Plagiatsgraphik minütlich und stündlich zu seinen Ungunsten veränderte; das Wiki hat „die informationschronologische Hegemonie des politisch-medialen Komplexes aufgelöst“, heißt es bei hackr.de unter den schönen Überschrift „Am Ende der Guttenberg-Galaxis“.

Bild zu: Guttis Groupies geben Gas

Aber ist diese eine Krümmung in unserer gewohnten medialen Raumzeit tatsächlich schon eine Singularität, das Ende des Netzes, wie wir es kennen? Ralf Schwarz diagnostiziert in seinem Blog mediaclinique.com einen massiven Umbruch sowohl in der Politik als auch im Internet, wobei er die eigentliche Zäsur nicht in den wissenschaftlichen Wühltätigkeiten der Guttenplag-Wikinger sieht oder in dem vielbeachteten offenen Brief der Doktoranden. Das eigentliche Novum ist vielmehr, dass sich jetzt auch verstärkt die Fankurve des verkrachten Kurfürsten Karl-Theodor im Netz zu Wort meldet. Das Netz ist somit kein homogener Resonanzraum mehr wie zu Zeiten des Protestes gegen die Netzsperren und Zensursula. Der Riss geht vielmehr mitten durch die digitale Öffentlichkeit: auf der einen Seite das Guttenplag-Wiki und die #guttbye-Kampagne auf Twitter, und auf der anderen Seite die Facebookgruppe Wir-wollen-Guttenberg-zurück, die in den vergangenen Tagen mehr als eine halbe Million „gefällt mir“-Bekundungen einsammelte. Auch wenn Zweifel angebracht sind, ob die ganzen Profile und Likes durch die Bank echt sind, die Zeichen stehen an der Wand: Mit der alleinigen Lufthoheit der alteingesessenen Netizens und Gadget-Guys, der Piratenpartei-Unterstützer und digitalen Bohemiens ist es vorbei. Jetzt reden auch seitengescheitelte Pullunderträger mit, die vielleicht im Ortsverein der Jungen Union engagiert sind. Und es bringt auch nichts, die Gutti-Groupies nur als Facebook-Phänomen abzutun und sich damit zu trösten, dass Twitteure und Twitteusen alles in allem resistenter zu sein scheinen gegen die Infektion mit der Gutti-Gutfinderitis.

Mit den traditionellen demoskopischen Maßstäben wie der Sonntagsfrage und der Frage „welcher Politiker sollte Ihrer Meinung nach künftig eine größere Rolle spielen?“ ist das Phänomen zu Guttenberg jedenfalls nicht hinreichend zu beschreiben. Die eigentliche Zäsur sieht Michael Spreng, einst Berater im Dienste von Edmund Stoiber, darin, dass mit zu Guttenberg die Popkultur in die politische Kultur eingebrochen sei: „Das ist ein völlig neues Phänomen, das man bisher allenfalls von Berlusconi und den italienischen Wählern kannte. Der „Popstar“, der „Superstar“, wie zu Guttenberg genannt und gefeiert wurde, hat Millionen Fans wie ein wirklicher Pop- oder Rockstar.“ Nun lag Spreng neulich zwar (ebenso wie Ihr ergebener FAZ-Blogger in seiner privaten Dunkelkammer) grottenfalsch mit seiner Einschätzung, der Popstar-Status könnte den Minister davor bewahren, zurückzutreten oder geschasst zu werden. Aber wer die Einträge in der Facebook-Unterstützergruppe liest, sieht Sprengs restliche Analyse aufs schönste bestätigt: „So, wie Enthüllungen über Drogenexzesse den Fan eines Rockstars nicht erschüttern können, so kann eine gefälschte Doktorarbeit den Guttenberg-Fan nicht von seinem Idol trennen. Im Gegenteil: ihre Liebe und Verehrung wird umso stärker, je mehr ihr Idol angegriffen wird, weil sie glauben, es beschützen zu müssen.“

Bild zu: Guttis Groupies geben Gas

Aber wie hieß es hier in diesem Blog, als es um die Rolle von Twitter und Facebook bei den politischen Umstürzen in Tunesien und Ägypten ging? „Wichtig ist auf dem Platz.“ Einen „gefällt mir“-Button klicken, einen Tweet oder Forenkommentar absetzen ist eine Sache, ganz real für seine Auffassung auf die Straße zu gehen, eine andere. Gemessen an dem Facebook-Hype darf man die Bilanz der Pro-Guttenberg-Demos am Wochenende in mehreren deutschen Städten durchaus enttäuschend nennen. Gingen in seiner oberfränkischen Heimatgemeinde Guttenberg nach Veranstalterangaben immerhin rund 2000 Unterstützer auf die Straße, blieben andernorts die Teilnehmerzahlen zwei- oder dreistellig. Und zum Teil hatten die Guttenberg-Gutfinder gegen die ebenfalls anwesenden Spötter und Spaßguerilleros einen schweren Stand mit ihrem Kampfruf „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Gutti klaut.“ Aber zumindest wurden dem Vernehmen nach keine Kuscheltiere geworfen.

0

71 Lesermeinungen

  1. Hallo Welt da draussen:
    Ich...

    Hallo Welt da draussen:
    Ich lese keine keine Bildzeitung und ich will Guttenberg nicht zurück!
    Bin ich eigentlich der einzige, der noch bei klarem Verstand ist und NICHT von einem Lügenbaron regiert werden möchte??
    Bitte um Rückmeldung!

  2. Bei näherem Hinsehen drängt...
    Bei näherem Hinsehen drängt sich eine Interpretation auf: Herr Guttenberg ist einfach eine Reinkarnation des Felix Krull. Charmant, aber ein Hochstapler. Darum lieben ihn seine Fans: weil er den Traum vieler lebt: Er schert sich nicht um die Beschränkungen unseres Daseins.
    >Praktikum irgendwo = internationale Kompetenz
    >Spindoktor konzept = Authentisches AC/DC Fantum, Bürgernähe
    >Lebenslaufpöstchen = Wirtschaftskompetenz
    Wo Herr Guttenberg wirklich punkten kann ist: Medienkompetenz. Ansonsten: Aufgeblasene Selbstgefälligkeit. (Aber liebenswürdig….)
    Ich persönlich versuche möglichst kein Bild in irgendeiner Präsentation ohne Nachweis / Lizenz zu verwenden – auch wenn es wirklich nicht drauf ankommt. Und dieser Schaumschläger … Naja, Schwamm drüber. Good riddance

  3. Es ist ja nicht leicht, sich...
    Es ist ja nicht leicht, sich diese parallel laufenden und teilweise voneinander abhängigen Prozesse künstlich isoliert vorzustellen – aber für mich war das Plagiats-Wiki durchaus der Treibsatz, der alles andere entscheidend befeuert hat. Wäre ohne die (durch die technische Infrastruktur überhaupt erst ermöglichte) parallele Arbeit, die mich an das hier http://www.youtube.com/watch?v=R3Mt2E1M6dU erinnert hat, doch vieles in den langsamen akademischen Mühlen versackt – man prüft, man untersucht, und in drei Wochen redet niemand mehr darüber? Ich denke, dass diese eindrucksvolle Visualisierung samt der Möglichkeit, jederzeit selbst die Dissertation mit ihren nicht angegebenen Quellen direkt zu vergleichen, einfach soviel Stoff geboten hat, dass die offenbar geplante Verteidigungsstrategie (Abwiegeln, Abwarten, Aussitzen) nicht mehr greifen konnte, zu schnell kamen die Einschläge näher – und ich kann mir vorstellen, dass auch die dankenswert klaren Worte in der faz (vgl. auch am Wochenende von Volker Zastrow: http://www.faz.net/s/RubF3CE08B362D244869BE7984590CB6AC1/Doc~E6A4CCD1B561C46C59551E2D14B914411~ATpl~Ecommon~Scontent.html) ohne diese Unterfütterung so nicht gefallen wären, die Ausmaß und Dreistigkeit eben erst so klar sichtbar machte.

  4. @ Sophia Amalie Antoinette...
    @ Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia – leider hatte ich keine Zeit auf Ihren Einwand in Ihrem letzten Blog zu antworten. Sie halten es also für falsch, auf einen Fehler nicht aufmerksam zu machen. Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass ich bei der europäischen Raumfahrtbehörde entlassen wurde, weil ich die deutsche Regierung davon informiert habe, dass diese Organisation nicht den Grundsätzen eines Rechtsstaats entspricht. Eine dort vergewaltigte Sekretärin kann zu keiner Polizei gehen – weil es dort keine Judikative gibt. Das hat natürlich auch zur Folge, dass dort Manager, die sich persönlich bereichern, keinen Staatsanwalt zu fürchten brauchen. Wenn Sie mehr wissen wollen, können Sie das in Don Aphonsos Blog nachlesen, insbesondere in:
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/03/03/die-neuen-herren-und-die-alten-westviertel.aspx
    und
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/05/27/davoser-kanten-fuer-bessere-kreise.aspx
    Wer ist nun verantwortlich, diesen Fehler nicht an die Öffentlichkeit zu bringen?

  5. @Reinhold Gruber: Ich kann Sie...
    @Reinhold Gruber: Ich kann Sie trösten: In meinem Umfeld – on- wie offline – hat sich bislang niemand (in Zahlen 0 Personen) als Fan des verkrachten Kurfürsten Kar-Thoedor geoutet. Ich habe – trotz der erklecklichen Zahl seiner Facebook-Fans nicht den Eindruck, als wäre Gutti derzeit mehrheitsfähig.
    .
    @boooster: Ja, da ist was dran. Pippi Langstrumpf oder Michel von Lönneberga punkten beim Publikum ja auch hauptsächlich mit ihren Regelverstößen. Nach dem Motto: Man liebt uns nicht wegen unserer Tugenden, sondern wegen unserer Fehler.
    .
    @nnier: Definitiv, so in etwa hatte ich es da oben im dritten Absatz ja auch verstanden wissen wollen. Wiki heißt ja bekanntlich schnell, und hier hat die kollaborative crowd action die Prüf-Vorgänge wirklich auf Warp-Geschwindigkeit beschleunigt – auch ohne Zeitraffer-Kamera wie in dem schönen Video. ;-)

  6. Werter Tiger, dies ist nicht...
    Werter Tiger, dies ist nicht mein Blog (wir schreiben hier mit verschiedenen Autoren in einem Forum), die Antwort finden Sie bei mir, im vorigen Beitrag.

  7. Ich bin selbst bei Twitter und...
    Ich bin selbst bei Twitter und Facebook aktiv und stimme dem Standpunkt im Beitrag zu, dass der Einfluss hier sich doch in Grenzen hält. Viele Postings bezogen sich auf Artikel in Meinungsbildenen Medien und wurden entsprechend kommentiert. Das Wiki spielt hier eine maßgeblichere Rolle, denn die Medien zitierten hieraus und so wurde der User-Content in die Welt getragen. Es gibt eben doch noch einen Unterschied zwischen einem „Gefällt mir“ und substanziellem Content.

  8. In diesem Fall bin ich doch...
    In diesem Fall bin ich doch der Meinung, dass ,,das Internet“ (das ich nie als homogen fantasiert habe) der ausschlaggebende Faktor war. Durch GuttenPlag war es unmöglich die bisher übliche Methode des Aussitzens durchzuhalten. Freilich darf nicht übersehen werden, dass der Trigger nicht das Netz war , sondern vielmehr der Artikel in der Süddeutschen, in welchem Fischer-Lescano berichtete. Außer einem mehr oder weniger passiven ,,Zutreiben“, Hochhalten der öffentlichen Aufmerksamkeit haben die deutschen Blogs hier wenig bewirken können. Herr Meyer (,,Don Alphonso“) war immerhin der Erste, der den Kernpunkt des Vorsatzes entdeckt hatte (die aus dem Englischen übersetzte Fußnote, eigentlich der Fangschuß), doch fand das nicht das richtige Echo. Es sieht so aus dass hierzulande bisher nur die NachDenkSeiten selber ein Thema ,,bringen“ könnten, die Selbstgespräche der Blogger und ihrer Stammkunden aber nicht.
    Dass ein Dossier wie
    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/632-das-guttenberg-dossier-teil-2.html
    in diesem Zusammenhang endlich die hinreichende Aufmerksamkeit fand und von Vielen gelesen wurde, die so etwas wegen des ein wenig schrägen Publikationsmediums nicht so ernst genommen haben dürten zu anderen Zeiten finde ich bemerkenswert. Denn damit achtet ein sehr viel größeres Publikum als bisher auf die Inhalte, die das Model Guttenberg im Auftrag seiner ,,Hintermänner“ (sorry, mir fällt kein besseres deutsches Wort ein) popularisieren sollte. Und damit erscheint die fast schon aberwitzige Unterstützung des Models durch die Springer-Presse und sogar durch di Lorenzo und Ulrich (bis hin zum Risiko, den eigenen guten Namen aufs Spiel zu setzen) in einem ganz anderen Licht.
    Wie gesagt: ohne ,,das Internet“ wäre all dies nicht gegangen.

  9. Alles wider bester...
    Alles wider bester Absicht
    .
    Also ich bin ja jetzt wirklich FAZ-Leser, Online-Leser. Nicht vielleicht aus Leidenschaft, dennoch aus guter Überlegung. Und was ich sehe ist, dass es gerade innerhalb der FAZ-Leserschaft weniger die Doktoren, wenigstens die Ausgewiesenen, waren, die da den Sturm anführten, sondern quasi der übliche Durchschnitt. Als Leserkommentator kenne ich inzwischen so einige Kandidaten darunter. Und festzustellen glaube ich, dass die FAZ-Redaktion gewaltig unter dem Druck einer bisher eher seltenen „Verschwörung“ zu leiden hatte.
    .
    Konservative wie Revolutionäre waren sich weitgehend einig: Das Plagiat muss weg! (vgl. mein: „Im Phasenübergang verloren gegangen“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1483). Nun könnte man sagen: Jede Zeitung hat die Leserschaft, die sie verdient (man sehe nur „Die Zeit“ mit ihrem rechten bis rechtsliberalen Publikum). Dennoch glaube ich, dass auch eine Redaktion von einer Leserschaft positiv beeinflusst werden kann. Allerdings nur im Rahmen ihrer Generallinie.
    .
    Das Interesse der FAZ liegt doch auf der Hand. Es ging ihr, wie der Bundesregierung auch, um Schadensbegrenzung. Dabei hatte sie vielleicht das Gespür doch noch rechtzeitig, nämlich dass je länger man den Schaden zu begrenzen sucht, dieser umso größer wird. Aber genau diese Meldung war es, die die FAZ von ihren Lesern zurück bekam.
    .
    Es mögen nur Nuancen sein, die sich da in einer FAZ solchermaßen widerspiegeln, dennoch waren es die, die ihr am Ende die Linie im Falle Guttenberg vorschrieben. Ja auch gar im Negativen. Auch dem Bashing konnte sie sich nicht enthalten. So zu sehen u. a. unter den Guttenberg-Witzen und vergleichbaren Kommentaren. Da verlor die FAZ nicht nur die Contenance, sondern definitiv auch die Führung gegenüber dem Publikum (darin nicht unähnlich vielen „Linken“. „Unbrauchbare Instinkte – für Linke“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1449). Ja, sie wich von ihrer Generallinie ab – der Suche nach Schadensbegrenzung.
    .
    Alles in Allem kann man sagen, dass der Einfluss des Online-Publikums nicht unerheblich war, allerdings nur auf der semantischen/politischen Ebene, weniger auf der faktischen, der „wissenschaftlichen“. Und genau darin zeigt sich ein unerwartet positives „basisdemokratisches“ Element, wenn man das mal so nennen darf. Und dies gerade gegenüber einer FAZ-Radaktion, die dem fast hilflos ausgeliefert war.
    .
    Diese Hilflosigkeit kommt natürlich aus ihrer Ambivalenz (vergl. auch: „Die bevorzugte Option“, gerade weil von der FAZ nicht gesendet!, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1467), ob ihrer konservativen Grundhaltung. Der Konservative wird durch die Aufspaltung seines akademisch-staatstragenden Habitus in eine kritische und dann wieder staatstragende Haltung geradezu systemisch überfordert. Guttenberg hat die Konservativen maßlos irritiert und somit diesen Staat geradezu revolutionär („In der Wirkung eine revolutionäre Massenaktion“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1470) in Frage gestellt. Natürlich alles wider bester Absicht.

  10. <p>@Der Tiger: Nachdem Sie ja...
    @Der Tiger: Nachdem Sie ja nun Ihren Punkt auch an anderer (höherer) Stelle gemacht haben, sehe ich keinen Sinn darin, dieses sachfremde Thema hier weiter zu verhandeln. Ende der Durchsage.

  11. Kommentare von "Der Tiger"...
    Kommentare von „Der Tiger“ waren bisher immer (in Dons Blog vor allem – oder nur?) sehr angenehm zu lesen: fundiert, intelligent, humorvoll…

  12. @Jeeves
    Dem kann man nur...

    @Jeeves
    Dem kann man nur zustimmen. Dennoch verfehlen die o.g. Kommentare von ,,Der Tiger“ in diesem Thread das Thema. Auch wenn ich ihr die Daumen dafür drücke, die nötige öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Problem herzustellen.
    @Devin08: die Gründe für die Haltung der FAZ kenne ich natürlich nicht. Aber wenn man viele Jahre gegen das Internet wettert (weil es eben auch ein wirtschaftlicher Konkurrent ist) muss man die Tatsache, dass das Vorwort der Arbeit eine direkte unlegitimierte Kopie eines FAZ-Artikels ist, als brutalstmögliiche Provokation werten und entsprechend reagieren. Sonst macht man sich zum Gespött.
    Das absolute Törichte an Guttenbergs Umgang mit diesem Problem war doch seine mangelnde Intelligenz: in den letzten Jahren habe ich Niemand sehen können der vergleichbar tolpatschig eine feste Koalition von Richtungen zusammen brachte, die sich sonst spinnefeind sind, wie ihm das gelungen ist. Er hat es sogar geschafft zu erreichen, dass seine Unterstützer (denen es um die von ihm nun diskreditierten Inhalte ging) nun auf das Peinlichste befleckt da stehen. Seine Abtrittsrede (der Bezug zu den toten Soldaten) läßt Einem anständigen Menschen doch keine andere Wahl als diejenige sich dafür einzusetzen, dass wir diesen Menschen nie wieder in irgendeinem öffentlichen Amt sehen müssen.

  13. @devin08: Interessante...
    @devin08: Interessante Hypothese. Als freier Blogmitarbeiter ohne Anbindung an redaktionelle Abläufe und Richtlinienkompetenzen kann ich das weder verifizieren noch in Abrede stellen, ob es hauptsächlich um Schadensbegrenzung ging und ob das Leserecho tatsächlich so mitentscheidend war in dieser Frage. Ihr Punkt mit der systemischen Überforderung des Konservatismus durch diesen Fall ist nicht von der Hand zu weisen, ich denke aber, so ein monolithisch konservativer Block ist diese Zeitung gar nicht, sie ist im Übrigen auch nicht das Leib- und Magenblatt der Transatlantiker, insofern hat da manches andere konservative Presseerzeugnis jetzt größere Probleme, sich zu positionieren.
    @jeeves: Mag ja sein, aber das stellt keinen Freibrief dar, Diskussionen zu ganz anderen Themen mit völlig sachfremden Belangen zu hijacken. Ich hatte gehofft, der entsprechende Hinweis der Kollegin Sophia Amalie wäre klar genug gewesen.

  14. Ja, natürlich...
    ...und...

    Ja, natürlich…
    …und deshalb schrieb ich „bisher“ in meinem kurzen Beitrag.

  15. Hallo liebes Volk,

    es geht...
    Hallo liebes Volk,
    es geht hier nicht darum, ob jemand mehrheitsfähig ist, oder wie er sich präsentiert.
    Das Problem liegt auch nicht in den Medien, die eine sog. „Hetzjagd“ auf unseren ehemaligen Verteidungsminister veranstaltet hat.
    Das Problem liegt meiner Meinung viel tiefer in der momentan vorherrschenden Gesellschaft.
    Auf der einen Seite der Mob, gesteuert durch die BILD und andere Boulevard-Medien, meist nicht zum Bildungsbürgertum gehörend.
    Auf der anderen Seite die kritischen Stimmen, gut ausgebildet und meist aus besser situierten Kreisen.
    Diese ganze Posse um Herrn zu Guttenberg ist meiner bescheidenen Meinung nach nur ein Spiegelbild dieser Gesellschaft.
    Auf der einen Seite die Befürworter des entlarvten Freiherrn, denen es anscheinend „schnurz“ ist, wer oben an den Stellschrauben dreht und auf der anderen Seite die Leute, die sich nicht von den Massenmedien unterer Coleur einsuseln lassen und denen Integrität und Glaubwürdigkeit wichtiger ist als das IN&OUT der größten deutschen Tageszeitung!
    Was das für unser zukünftiges Zusammenleben heißt möchte ich mir nicht ausmalen.
    Diese Regierung hat nicht nur einen weiteren großen Schritt in Richtung Politikverdrossenheit ausgeführt, sondern die Gesellschaft mit Ihrem Lamentieren und Lobbyieren immer weiter auseinander getrieben.
    Zu einer Rückkehr von Herrn zu Guttenberg kann ich nur sagen: „Wer einmal lügt, dem glaubt man später auch nicht mehr!“
    Vom unglaublich törrichten Verhalten unseren Kanzlerin einmal ganz abgesehen!
    Dieses Mal ist aus dem Aussitzen nichts geworden!
    So wird die Wahlbeteiligung nicht mehr steigen – zu Recht!

  16. @gelegentlich: Das absolut...
    @gelegentlich: Das absolut katastrophale Krisenmanagement ist es auch, was mich so kopfschüttelnd zurücklässt. Da hat man doch immer das große politische Talent gerühmt, und dann sowas.
    .
    Und was ich zu dem Thema tote Soldaten die ganze Zeit schon loswerden wollte: Wenn er die Verluste der Truppe tatsächlich so als vordringliches Problem wahrgenommen hätte, hätte er doch alles daran setzen müssen, unsere Jungs aus diesem letztlich sinnlosen und kaum zu gewinnenden Kampfeinsatz zurückzuholen, oder?
    .
    @gelegentlich: Danke fürs Verlinken des zeitgeist-online-Textes. Wer es schafft, zum Thema CFR lesenswertes zusammenzutragen ohne gleich in das konspirologische New-World-Order-Geklingel und das Sichten schwarzer Helikopter abzudriften, hat sich ein breiteres Publikum durchaus verdient.
    .
    @Raoul: Genau: „Substanz entscheidet“, wie es in dem Werbeslogan eines Wirtschaftsblattes so schön heißt. Ein paar rotzige Retweets oder böse Blogbeiträge machen noch keine Revolution und stürzen auch keine Minister.

  17. @Horsen: Ich darf Ihnen dazu...
    @Horsen: Ich darf Ihnen dazu nochmal ausdrücklich den Beitrag von Ralf Schwartz ans Herz legen, der sich Gedanken darüber macht, wo das noch hinführen soll:
    http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2011/03/das-ende-von-netz-und-politik-wie-wir-sie-kennen.html

  18. Eine denkwürdige Kapriole...
    Eine denkwürdige Kapriole zugunsten der revolutionären Dialektik
    .
    @Marco Settembrini di Novetre: Sie haben natürlich recht. Es gibt da wesentliche konservativere Blätter, wie zum Beispiel „Die Welt“. Dennoch lese ich zum Beispiel eine Frankfurter Rundschau aus Prinzip nicht, weil deren Strukturen den Unterschied zwischen Information und Ideologie kaum noch erkennen lassen, bzw. gerade die wichtigen Nuancen (in den informativen wie auch ideologischen Aspekten, dazu weiter unten) darin erst gar nicht erscheinen. Die Frankfurter Rundschau ist das Feuilleton einer pseudolinken kleinbürgerlichen Gemeinde, welche sich geradezu sektenhaft nach außen abgekapselt hat.
    .
    Man muss die Zeitungswelt der herrschenden Bourgeoisie vor deren inneren „Hauptwiderspruch“ analysieren. Und dieser zeigt sich auch als einer zwischen Katholiken und Protestanten. Ja, so unglaublich das klingt: im 21. Jahrhundert nach jenem Christus, auf den sich da alle berufen, gibt es noch einen solchen Widerspruch!
    .
    Dieser Widerspruch tritt u.U. auf als einer zwischen Konservativen und Liberalen (der Widerspruch zwischen Sozialdemokraten und Christdemokraten hat für mich nur noch Vergangenheitswert), doch in der Hauptsache als der zwischen einem plebejisch/bäuerlichen/subproletarischen (bayrisch-katholischen) Mob und einer sog. gebildeten Klasse (welche sich eben jenem Mob auch als „linkes“ Feuilleton einer FAZ oder als die ganze „Rundschau“, oder als die „Süddeutsche“ darstellt) wobei jene Klasse ja gar keine „Klasse“ ist – auch und schon gar nicht im übertragenen Sinne -, wie wir nicht erst seit Guttenberg wissen).
    .
    Dieser Widerspruch aber wurde in dem Feldzug um Guttenberg versucht auf beiden Seiten zu bedienen. Darin sah ich übrigens die größte demagogische Gefahr, gerade für eine authentische linke Kritik. Eine Merkel gab das Stichwort, indem sie erwähnte, dass sie keinen akademischen Mitarbeiter, sondern einen Minister engagiert hätte (so hat sie es nicht gesagt, doch so kam richtigerweise an) und die Meute tobte.
    .
    So hatten wir die Causa Guttenberg genau dort, wo sie konservativem Denken wieder mehr nutzen sollte als schaden. Der (konservative) Mob wurde bedient, hingegen der Akademiker sollte geopfert werden. Das hatte schon was von einem gewissen „Antisemitismus“, welcher im Übrigen von einem Herrn Sinn in jenem Bankster-Bashing 2008/2009, völlig zu recht, wie ich denke, skandalisiert wurde. Da er den Grund dafür aber nicht nennen konnte oder wollte, zog er seinen Einwand wieder schnell zurück.
    .
    Die Herrschenden haben es gelernt, Teile von sich zu opfern, wenn das Ganze es erfordert. Das musste auch ein Herr Sinn lernen. Die brutalst-möglichste Version hiervon, haben uns die Nazis vorgeführt. Seitdem wird darüber geschwiegen – die FAZ ist da ein gutes Beispiel für, sie scheint das Thema Antisemitismus auf dem Index zu haben. Von staatlichen Aufträgen bis hin zur Verstaatlichung beherrschten die Nazis das ganze pseudosozialistische Repertoire. Ja überhaupt war es genau das, was damals anstand, in der ersten großen systemischen Krise des Finanzkapitals. Und so ganz nebenbei wurden die primitivsten Instinkte der kleinbürgerlichen/kleinbäuerlichen aber auch großer proletarischer Massen bedient.
    Nicht nur das potentielle Kriegsopfer – gleich ob im Inland (Kommunisten/Juden…) oder im Ausland (Russen, Polen…) -, wurde da der Meute zum Fraße vorgeworfen, sondern auch der Intellektuelle, welcher per se des Bolschewismus (wenn nicht schon zuvor des „geistigen Judentums“) verdächtigt war. Das war schon immer das „sozialistische“ Element im deutschen (bürgerlichen) Nationalismus. Auch ein Bismarck konnte damit umgehen. Der Kapitalismus ist per definitionem die Herrschaft über die Massen. Die (despotische) Herrschaft „der Massen“ ist u. U. nur eine notwendige Option.
    .
    Im Prinzip werden (seit dem) auch alle Kaderprobleme der Herrschenden vor dem Hintergrund einer solchen Fragestellung gelöst. Man könnte es auch zynischer formulieren: Ab wann ist ein politischer (oder auch wirtschaftlicher Kader!) tot nützlicher als lebendig? In nicht wenigen Fällen wird sich für den toten Kader entschieden!
    .
    Selbst das von Ihnen genannte GuttenPlag wurde von der FAZ ganz gezielt so gebraucht. Vor dem Hintergrund es FAZ Motivs der Schadensbegrenzung.
    .
    Ich sah die Chance einer Kritik im Fall Guttenberg sehr wohl. Denn selten geworden sind da Staatskrisen, ja revolutionäre Systemkrisen. Dennoch: unter den gegenwärtigen Kräfteverhältnissen, lauern die größten Gefahren genau dort, wo ein „Sieg“ am einfachsten zu erreichen wäre. In der Mobilisierung der Massen. Mit meinen Beiträgen habe ich daher gezielt gegen den Strom gebürstet. Ohne die Massen dabei zu beleidigen, was nicht selten passiert, wenn Linke gegen die Massen agieren. Ich sehe daher die Chance einer revolutionären Kritik erst noch kommen – in der Aufarbeitung des Skandals nämlich. Die Bourgeoisie möchte das Thema natürlich damit beerdigt sehen. Das darf ihr nicht gelingen! Nicht wenige meiner Beiträge wurden daher von der FAZ – und werden auch weiterhin – vor diesem Hintergrund unterdrückt.
    .
    Die Rückmeldung der Leser auf meine Beiträge, auch und gerade auf die, die erst nach massiver Wiederholung gesendet werden (ich kommentiere das gelegentlich, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1468) bestätigt mich dahingehend, dass selbst die Konservativen unter den Lesern es honorieren, wenn man sich nicht opportunistisch in ihren Strom begibt. Was man auch so interpretieren kann, dass die Redaktion der FAZ wohl im Fall Guttenberg die Führung verloren hat; denn diese beugte sich dem Strom. Dass sich die FAZ geärgert habe über das Plagiat gar aus ihrer eigenen Zeitung, halte ich ebenso für nebensächlich, bzw. fragwürdig, wie übrigens die Tatsache, dass offenbar noch keiner jener Abgekupferten Strafanzeige gegen Guttenberg gestellt hat. Hier scheint „Blut“ (die Schmiere an der konservativen Seilschaft) doch dicker als Wasser zu sein. Auch aus diesem Grund, denn das stößt gerade den Konservativen so befremdlich auf, halte ich das für eine denkwürdige Kapriole zugunsten einer revolutionären Für mich ist es die Systemkrise des Kapitals (welche natürlich durch das Internet beschleunigt wird), welche da der eigentliche Grund für den Sturz eines Guttenberg darstellt! Wie gesagt: Im Phasenübergang ist verloren gegangen.
    .
    P.S.: Ich finde es übrigens nicht witzig unter meinem Namen (Nicknamen: Devin 08) Beiträge zu posten, die so definitiv nicht von mir sind. So frage ich mich, was mein Zitat, ohne es als ein solches gekennzeichnet zu haben, mit einem WMBlog zu tun hat, unter dem es hier gesendet wird. Wer sich an meinen Beiträgen stört, dem sollte es auch nicht an Mut fehlen, sich mit diesen auseinander zu setzen. – Offen!

  19. @Horsen
    Ob das unbedingt der...

    @Horsen
    Ob das unbedingt der Mob ist/war weiß ich nicht. Es sind aber definitiv die Politikverdrossenen, denen das Politische egal ist, weil sie nicht mehr daran glauben dass es so etwas wie Teilhabe geben kann. Die sehen in ihren Medien den Schau-Effekt und weigern sich, m.E. nach bewußt, kritisch zu hinterfragen was sei da sehen. Die spüren dass die Antwort unerfreulich wäre und dann würde auch das bißchen Spaß kaputt sein, das man so dem Alltag abgewinnt. Für solche Leute zählt dann ,,…kommt cool und jung rüber…“, ohne dass sie wissen wollen was eigentlich ,,rüber kommt“.
    @Marco Settembrini di Novetre
    Die Soldaten sind dem wurscht – und das müssen sie auch sein. Denn seine Botschaft ist ja: klar, Krieg, es wird Zeit dass wir Deutschen mit diesem doofen Pazifismus aufhören und Seite an Seite mit unseren Freunden (Transatlantik) für unseren Lebensstandard kämpfen. Wenn es denn sein muss warum nicht am Hindukusch?
    @Devin08: wer im Einzelnen alles bei GuttenPlag mitgemacht hat wissen wir nicht, Sie nicht, ich nicht. Schlüsse dieser Art sind also verfrüht.
    Was ich persönlich noch nicht verstehe:
    – was war bei der Süddeutschen los? Die war bisher immer besonders internetkritisch, oft sogar richtig abgedreht.
    – hat sich bei SPON Irgendetwas verschoben? Da äußern sich zwar immer noch dei altbewährten neoliberalen ,,Kampfschweine“ wie Mohr und Matussek und Fleischhauer (letzterer wurde wohl von allen bekannten Autoren am stärksten blamiert in seinem Einschätzungsvermögen), aber jetzt eben auch Leute wie Kuzmany und Stöcker – ganz anders. Was ist da los? Fängt man an um Restglaubwürdigkeit zu kämpfen?
    Bisher jedenfalls konnte gelten: wer die Karten in der Hand hält die Guttenberg vor 14 Tagen besaß dem konnte in Deutschland politisch nichts passieren. Das ist nun völlig anders geworden – und wenn man einen Hauptfaktor dafür benennen sollte dürfte dieser das Internet sein.

  20. SchnuckiPlag war der Pranger,...
    SchnuckiPlag war der Pranger, von dem er dann nicht mehr loskam.
    .
    Dieses Balkendiagramm hatte eine ähnliche Wucht wie 1992 das Video, das Polizisten in Los Angeles dabei zeigte, wie sie einen schwarzen Autofahrer grundlos verprügelten.

  21. Pop ist ja meist auch noch...
    Pop ist ja meist auch noch eine höchst kurzlebige Sache. Jeder will da Madonna sein, aber die meisten enden als Eintagsfliege Nicole. Spätestens bei der Kanzlerwahl wärs doch ähnlich ausgegangen, auch ohne den Dr. gutt.. Zu jung, zu unerfahren, zu Luftikus. Wär nichts geworden.

  22. @HansMeier555: Wär jetzt...
    @HansMeier555: Wär jetzt nicht mein erster Vergleich gewesen, aber kann man so sagen.
    .
    @gelegentlich: Mir ist das auch klar, aber für ein paar Merkbefreite da draußen kann man es gar nicht oft genug sagen, dass dem die getöteten Kameraden insofern wurscht sind, als er nie vorhatte, strukturell und grundsätzlich etwas dagegen zu unternehmen, dass deutsche Soldaten dort verheizt werden. Ich kriege mich auch nach Jahren immer noch nicht ein über dieses Thema (und ich bin wirklich nicht überempfindlich oder totalpazifistisch unterwegs; ich habe als W 15er immerhin selber Wachdienst geschoben in einer Raketenstation, in der unsere Verbündeten auch Nuklearsprengköpfe lagerten).
    .
    @devin08, da haben Sie mir ja mal wieder ein Kompendium von Kommentar hingeklotzt, das es schwer macht, auf alle interessanten Aspekte gleichermaßen ausführlich einzugehen. Auch an die Adresse von @gelegentlich muss ich sagen, dass Blattlinien nicht in Erz gegossen sind. Ob man das Schadensbegrenzung nennen muss, wenn man sich redaktionell auf eine neue Nachrichtenlage einstellt, weiß ich wirklich nicht. Das implizierte ja wohl, dass es der FAZ mit einem intakten Verteidigungsminister besser gegangen wäre, aber so simpel sind die Verhältnisse und Abwägungen in aller Regel nicht.
    .
    Gleiches gilt auch für die vermeintlichen Polaritäten oder Dichotomien zwischen katholisch-ländlich einerseits und gebildet-protestantisch andererseits, als ob es nicht auch jede Menge unterschiedlich zusammengesetzte Mischformen und Schnittmengen gäbe. Selbst ein soziographisch weit komplexeres Modell wie die Sinus-Milieus vermag die gesellschaftliche Vielfalt von Einstellungen und Wertorientierungen kaum noch angemessen zu beschreiben, und da kommen Sie mir mit solchen Holzschnittmustern. Unter „authentisch links“ versteht doch auch jeder Linke ausschließlich seins, und „die Bourgeoisie“ als solche ist doch auch längst kein monolithischer Block mit einer eigenen klar definierten und abgrenzbaren Interessenlage mehr. Sie arbeiten sich da zum Teil an Projektionen ab. Die Bourgeoisie hat nicht zwangsläufig Interesse daran, dieses Thema endlich zu beerdigen. Ich könnte mir sogar gute Gründe denken, dieses Fass nicht so schnell zuzumachen, aber das würde uns jetzt hier zu weit führen.
    .
    Ihre Überlegung, dass die Herrschenden durchaus partikulare Opfer darbringen können, wenn es dem Systemerhalt dient, ist jedenfalls nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen. Ich denke, unsere kleine Runde könnte z.B. auch gut den Verlust des Kommentars verschmerzen, den Ihnen jemand unterjubeln wollte – und deswegen werde ich ihn auch gleich löschen. ;-)

  23. @HansMeir555
    Herzlichen Dank...

    @HansMeir555
    Herzlichen Dank für die Erinnerung an dieses Bild! Genau, das hatte ja auch gleich die damaligen riots initiiert.
    In unserem Fall hat das Balkendiagram bei GuttenPlag sicherlich den Betrüger festgenagelt und somit die Situation so fixiert, dass er am Ende aufgeben mußte.
    Obwohl ja der Fall offenbar schon viel länger bekannt war:
    http://www.westfaelische-nachrichten.de/_em_cms/_globals/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&em_cnt=1499740&em_loc=327&em_ref=/lokales/muenster/nachrichten/&em_ivw=lok-mue-nac&em_etracker=Nachrichten_aus_Muenster
    Nur hat man es, sic (!), nicht für opportun gehalten dies zu publizieren. Das sagt auch ein wenig über die Atmosphäre in diesem Land aus.
    Für den jetzt kommenden politischen Effekt freilich ist dieses Bild hier mindestens genauso wichtig:
    http://www.youtube.com/watch?v=cME9qZWkA7c
    Merkel erfährt auf der CEBIT um 09:12 Uhr dass er zurück tritt und ihre Mitintrigantin Schavan auch. Niemand, der ein wenig Menschenkenntnis hat, wird diese Gesichter falsch interpretieren.
    Der ganz kurze Triumph dass die Intrige geklappt hat: ihm mit vollem Mund die Unterstützung, auch im Namen der eigenen ,,Truppe“, zu versichern und ihn gleichzeitig durch Nadelpulse aus dem Dunkeln zum Abschuss freizugeben.
    Wenn diese Bilder in den kommenden Wahlkämpfen den wankelmütigen Teil der Unionswähler erreichen werden sie unerwünschte Folgen haben. Wenn mein Gedächtnis nicht trügt – weiß hier Jemand mehr? – ist es das erste Mal, dass die Dame sich bei einer Intrige erwischen ließ.
    Im Übrigen: man schreibt so leicht Guttenbergs Krisenmanagement sei töricht gewesen. Ist es nicht eher das Problem seines ,,Führungsoffiziers“ gewesen, wer immer das sein mag? Frau Beck zeigt ja, dass er Jemand ist den man ,,gebracht“ hat und all seine Aktionen bis heute zeigen wirksame Akteure im Rückraum auf. Man hätte doch viel schneller merken müssen dass das junge Model aus privater Eitelkeit die Mission gefährdet hat und ihn schon nach 1-2 Tagen vom Feld beordern können. Dann wären diese unzähligen Schmutzflecken auf dem Prachtkleid der neoliberalen Mission gar nicht da!

  24. ja, freuen wir uns darüber,...
    ja, freuen wir uns darüber, dass wir den vonundzu los sind.
    .
    aber dann lehnen wir uns einmal zurück und überlegen kalt und logisch:
    war die guttenbergiade eine episode oder ein experiment?
    meien these, das war ein experiment, das beriets bewiesen hat, dass die berlusconisierung der republik weit fortgeschreiiten ist; das nächste mal suchen wir uns wieder einen mit schönen haaren und telegener gattin, diesmal aber ohne doktortitel.
    .
    nicht frau dr. müller entscheidet die wahlen sondern lieschen müller, und was lieschen müller wählt, entscheiden bild und die privaten fernsehsender. wer dann noch die mutterinstinkte anspricht (kinderschänder – todesstrafe, ausländer – raus) wird kanzler anstelle der kanzlerin.

  25. interessant ist im fall...
    interessant ist im fall guttenberg, der einschlaegigen fb-groups und vorallem der berliner spassdemo nicht die frage von „right vs wrong“, sondern das verschwimmen der grenzlinien. – schoen oszillierend form gefunden in den wunderbaren plakaten „solidaritaet mit dem oberkommandierenden“, „du hast die haare schoen“, „wir sind dein volk“ etc etc… – das ist DADA wie seit hundert jahren nicht mehr. final zu beurteilen gerade nicht aus dem jetzt, sondern nur dereinst in rueckschau.
    demokratie, wie wir sie kennen, ist nicht das ende der geschichte. – warum sollte sie es auch sein?

  26. Das Volk vergibt seinen...
    Das Volk vergibt seinen Lieblingen sexuelle Verirrungen und Korruption, aber ordinärer Betrug und Fälscherei verträgt sich nicht so ganz mit Bürgertugenden wie Anstand und Ehrlichkeit.
    Aber mein Lieblingsplakat war: „Rettet Gutti, Hargel ist nicht illegal“.

  27. Wesentlich für die...
    Wesentlich für die Beschreibung der Rolle des Internets in dieser Sache ist doch die Parallele GuttenPlag – Wikileaks auf. Mit Hilfe des Internets wurden Leute zusammengebracht, die wiederum mit Hilfe des Internets Fakten recherchieren konnten, die wiederum von jedermann überprüft werden konnten und sich als belastbar erwiesen. Wikileaks hat dies mit den Bildern des Helicopter-Angriffs auf Zivilisten im Irak geschafft, die eine unerträgliche Praxis der Kriegsführung zeigten.
    Das Facebook-Phänomen der Gutti-Fanboys wird von den Politikern jetzt zwar genau beobachtet werden, aber was passiert dort denn außer heißer Luft? Die größte und als einzige ernst zu nehmende Demonstration für zu Guttenberg fand doch in seinem Heimatort statt, woanders waren die Gegendemonstranten zahlenmäßig oder von der Auffälligkeit doch genauso stark.
    Als neu könnte man betrachten, daß mit Facebook die „schweigende Mehrheit“ sich mittlerweile auch des Internets bedient. Mehrheit meine ich jetzt nicht unbedingt wörtlich, sondern die Leute, die sich sonst eher nicht äußern würden, weil es ihnen zu aufwendig ist und sie sich selbst mit ihrer Meinung auch eher im Mainstream sehen (im Sinne von Noelle-Neumann/Allensbach). Aber von Facebook bis zu einer Demo ist es noch ein weiter Weg, wie Sie schreiben. Man kann jedenfalls sehen, daß Facebook ein weiterer Meilenstein ist, der das Internet verändert, so wie es in den 90er Jahren AOL gewesen ist.
    Noch als Hinweis für die unter 30jährigen: Es war auch schon vor dem Internet möglich, Plagiate bei Doktorarbeiten zu erkennen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747175,00.html
    Aber nebenbei bemerkt: War eigentlich niemand in den letzten Tagen auf http://www.zuguttenberg.de und hat die Veränderungen bemerkt? Die ganzen schönen Sprüche auf den Fotos, die sich vorher allmählich eingeblendet hatten, sind jetzt weg. Ich habe ein paar Schreenshots in meinem Blog veröffentlicht, aber mit dem Google Cache kann es jeder auch selbst überprüfen.
    Dieter

  28. @dunnhaupt: Dann sind es...
    @dunnhaupt: Dann sind es vielleicht wohl eher simpel gestrickte Kleinbürger-Gemüter, die Guttis Betrugsmanöver mit einem Spickzettel in der Klassenarbeit vergleichen und bagatellisieren?
    .
    @abf: Ja, die Realsatire der ernsthaften Fanbekundungen und das satirische Hoppnehmen der Spaßguelilla lagen streckenweise ziemlich nah beieinander.
    .
    @gelegentlich: Ich frage mich: Ist das wirklich amtlich, dass dieses Video den Eingang *dieser* SMS von Gutti zeigt oder hat die Kanzlerin vielleicht einen lustigen Mailanhang bekommen, den sie mit der Bildungsministerin teilen möchte? Aber wenn es ist, was es sein soll, dann ist es schon (ausnahmsweise in Ermangelung eines passenden deutschen Begriffs): creepy.
    .
    Zur Frage nach dem „Führungsoffizier“: Kann mir da auch als geübter Hobby-Konspirologe nicht so recht einen Reim drauf machen. Ließ man ihn vielleicht ins Messer laufen? Aber zu welchem – im Sinne der Mission – höheren Zweck?

  29. <p>@Dieter W: Nicht so...
    @Dieter W: Nicht so ungestüm, selbst wenn ich schnell freischalte, dauert es manchmal ein Weilchen, bis Kommentare auf der Seite erscheinen. Ich erlaube mir, eine Doublette zu löschen.

  30. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    Das Video: weiß ich nicht. Man sieht die Uhrzeit auf der Armbanduhr von Schavan ganz genau auf 09:12-09:15 Uhr, man weiß das die BILD etwa 45′ vorher davon wußte, um 10:15 wurde es irgendwo mitgeteilt. – Ich denke wenn der konservativ-gutwillige Teil der CDU-Wähler das sieht wird das verhaltensändernd wirken.
    Führungsoffizier: Beck zeichnet den Weg eines von mächtigen Backern nach vorne begleitenden, mal nach vorne gestupsten aussichtsreichen jungen Mannes. Offenbar hatte man ihm zugetraut, die Deutschen auf das letzte Stück Westintegration vorzubereiten. Nämlich diesen dummen Pazifismus mal langsam zu vergessen und bereit zu sein, auch am Hindukusch oder sonstwo unsere Lebensweise zu verteidigen, GG legen wir mal beiseite. Und das zur Not mit ein wenig Berlusconismus, Liebling der Medien in einer Bevölkerung, die man u.a. seit der Einführung des Privatfernsehens ein wenig sediert hatte, die Medienakteure hat man eh auf seiner Seite (Mal in die Teilnehmerlisten der Transatlantiker schauen). So wurde er hochgeschrieben (hat es nicht mit seinem eigenen ,,Büro“ gemacht) und gehyped. Immer hat Jemand das was vorbereitet.
    Ja, der Mann wirkte stets wie ein Model.
    ,,Oliviero Toscani, jener italienische Fotograf, der in den neunziger Jahren die provokative Werbung für den Modekonzern Benetton machte und mithin ein Fachmann in Sachen Inszenierung ist, äußert sich wenige Tage nach dem ersten Frontbesuch Guttenbergs in Afghanistan im August 2010, nach dem coole Bilder des halbuniformierten Ministers veröffentlicht werden, kritisch über diesen. Die Fotografien hätten die „lächerliche Seite“ des Ministers preisgegeben. Toscani versucht zu erklären, warum Guttenberg so auftritt: „Wenn er zu der Art Politiker gehört, die inszenierte Bilder lieben, heißt das vielleicht, dass er nicht so gern die Wahrheit sagt.“
    http://www.faz.net/s/Rub1ED0C280BBA14ACAB16800E2F760DF3E/Doc~E5BEADEB5AB1F4470ACAA070D31ADEB69~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Wer genau hinschaut wird genau diesen Zug von Anfang an finden. Übrigens ein Lob an die FAZ: was Zastrow heute über Schneiderhahn und Wichert erinnert (es war ja durchaus vorher schon bekannt!) gehört mit zum Schärfsten, was während dieser Episode über Guttenberg berichtet wurde. Von der politischen Bedeutung für die o.g. gutwillig-konservativen CDU-Wähler nicht abgesehen!
    Und so gehe ich davon aus dass sich stets Leute um ihn ,,gekümmert“ haben. Und das sind diejenigen Menschen, die bei dieser Episode jämmlerlich versagt haben. Sie hätten den jungen Herrn in den ersten 1-3 Tagen aus dem Verkehr ziehen müssen, denn sie konnten danach im Sinne ihrer Mission nur noch verlieren. Und wir wollen doch hoffen dass sie verloren haben?

  31. @Dieter W: Doch, ist mir...
    @Dieter W: Doch, ist mir aufgefallen, dass die Sprüche aus der Diashow getilgt wurden. Habe mir aber nicht so akribisch gemerkt, was sich noch alles verändert hat dort.
    .
    Die wikileaks-Parallele, nunja, mehr als ein gerüttelt Maß an Empörung ist meines Wissens auf das Video nicht gefolgt, so brisant dessen Inhalt auch gewesen ist, oder?
    .
    Den Vergleich Facebook heute/AOL damals finde ich durchaus statthaft. Meine Güte, ich war anno 1995 mit dem compuserve-Account im Büro ja auch nicht gerade ein early adopter in Sachen Internet, und von den Annehmlichkeiten einer privaten E-Mailadresse habe ich mich auch erst 1999 überzeugen lassen, aber AOL mit seinen dauernden CDs, das ging ja nun wirklich gar nicht. Aber vielleicht geht es mittelfristig da wieder hin – zu den walled gardens, die Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit versprechen. Aber das hatten wir hier schon ein andermal:
    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/01/18/fuetterung-ausserhalb-der-umzaeunten-gaerten.aspx

  32. Sie legen den Finger in den...
    Sie legen den Finger in den wunden Punkt der so oft bejubelten Fähigkeit des Netzes zur Aktivierung gesellschaftlicher Anliegen. Es ist eben hundert Mal einfacher, den Knopf „Gefällt mir“ zu drücken oder eine kurze Meinung abzugeben, als sich ernsthaft (und dauerhaft) zu engagieren. 95% der Politik im Netz ist schlichter Meinungsmüll, die Guttenberg-Fans produzieren fleissig mit.

  33. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    07. März 2011, 15:26
    …warum kommt mir dann immer dies in den Sinn??..
    http://www.youtube.com/watch?v=6sSJDKju1Zw
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit..

  34. @JoeKotsch: So hat jeder seine...
    @JoeKotsch: So hat jeder seine eigenen popkulturellen Referenzen. ;-)
    .
    @ThorHa: Wer wollte bestreiten, dass auch auf der politisch korrekteren Seite des Spektrums jede Menge platter Meinungsschablonen abgesondert werden. Aber was ich in diesen Gutti-Fanclubs auf Facebook gelesen habe, war größtenteils erschütternd. So gut wie keiner ist da in der Lage, mehr als Gefühlsschwurbel zu der Frage abzusondern, was diese vermeintliche Lichtgestalt denn für politische Verdienste erworben haben soll in der kurzen, aber steilen Karriere.
    .
    @gelegentlich: Eben dieses orchestrierte von null auf hundert auf allen Kanälen hat mich schon früh stutzig gemacht. Nicht, dass mir zu Guttenberg von Anfang an unsympathisch gewesen wäre, aber für jemand mit einem halbwegs medienkompetenten Background war ziemlich schnell klar, dass es massive Interessen dahinter geben muss, diesen Mann als Hoffnungsträger aufzubauen und zu positionieren. Dann fällt es auch nicht übermäßig schwer, das Gewollte und Inszenierte rund um diese Figur zu erkennen. Es ist einfach alles „too good to be true“, um es auf Englisch zu sagen – und spätestens mit der ganzen Transatlantiker-Connection passt alles zusammen – bis auf die Frage, wie er aus Sicht seiner Hintermänner so komplett außer Kontrolle geraten konnte. So wild rumzuspekulieren, dass dieser Komet mit seiner steilen Flugbahn und spektakulärem Absturz nur als Nebelkerze für den eigentlichen Plot gedient haben könnte, ist nicht mal ein Berufsparanoiker wie yours truly. ;-)

  35. Ein Anschlag auf den guten...
    Ein Anschlag auf den guten Geschmack
    .
    @Marco Settembrini di Novetre: Ich gestehe, dass es mich enttäuscht, dass Sie mir jetzt mit diesem Standardeinwand kommen.
    .
    Ich unterstelle jetzt mal ganz ins Positive, dass sie dem allgemeinem Bedürfnis nach einem etwas konkreter beschriebenen Klassenbegriff das Wort reden. Ich gebe zu, dass die Epoche des Finanzkapitals, spätestens gar seit der „Globalisierung“ einen solchen einfordern mag. Dennoch sehe ich alle bisherigen diesbezüglichen Versuche (von Max Weber bis Bourdieu, siehe auch: „Schichtenorakel“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=615) als grundsätzlich gescheitert an, wenn auch in Teilaspekten durchaus als hin und wieder nützlich.
    .
    Was wir nämlich darin vorfinden ist keine Weiterentwicklung im Sinne der Theorie und Methode der Kritik der Politischen Ökonomie, wie sie Marx oder Engels noch beherrschten, sondern eine Soziologisierung des historischen und dialektischen Materialismus eben derselbigen, zuletzt gar im Stile einer Roswitha Scholz, die mit ihren „Differenzen“ („Differenzen der Krise – Krise der Differenzen“) genau die Klassen zu ersetzen sucht, welche ein Robert Kurz mit seiner „Krise des Subjekts“ zuvor schon ins Nirwana verbannt haben wollte („Philosophus Mansisses“, http://blog.herold-binsack.eu/?page_id=7, vgl. auch: „Es wird bald ‚zurück geschossen“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1372, wo ich mich neben einer konkreten Kritik an jenen „Differenzen“ eben auch noch mit „Wechselwirkung“ und „Differenzierung“ im Besonderen beschäftige, wobei ich auf Engels berühmte Beschreibung der materialistischen Dialektik abhebe, welche ich an dieser Stelle gerne noch einmal wiedergebe:
    .
    „Die politische, rechtliche, philosophische, religiöse, literarische, künstlerische etc. Entwicklung beruht auf der ökonomischen. Aber sie alle reagieren auch aufeinander und auf die ökonomische Basis. Es ist nicht, daß die ökonomische Lage Ursache, allein aktiv ist und alles andere nur passive Wirkung. Sondern es ist Wechselwirkung auf Grundlage der in letzter Instanz stets sich durchsetzenden ökonomischen Notwendigkeit.“ (Engels an Starkenburg, Marx-Engels Briefe über „Das Kapital“, S. 366).
    .
    Es ist nämlich ein alter Vorwurf an den Marxismus – insofern wähne ich mich da mal ganz ungeniert in bester Gesellschaft -, nämlich dass dieser die Dinge so vereinfache. Da wo er Klassen vermutet, sind doch eigentlich nur Menschen – Leute eben, die so unterschiedlich seien, wie die Blumen auf diesem Planeten. Und die ganze Geschichte, wie die darin enthaltenen Kategorien, sei doch eigentlich nur „Projektion“.
    .
    Entschuldigen Sie diese direkte Bezugnahme zu Ihrer Kritik, denn wann auch immer Marx schon die großen wie grundsätzlichen Entwicklungslinien und gesellschaftlichen Strukturen darzustellen gewusst hatte (vgl. auch: „Spiegelverkehrtes Denken, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1359), verübelte man es ihm, dass er sich nicht mit jeder Marotte eines jeden Kritikers gleichermaßen beschäftigt. Tat er es dann aber mal doch (z.B. wider eines gewissen Proudhons „Philosophie des Elends“, dann war ihm der Hass eben so sicher, wie seine sofortige und solchermaßen nachhaltige Verdrängung.
    .
    So führe ich Sloterdijks ignorantes „Plagiat“ („Sloterdijk-Debatte aus marxistischer Sicht“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=518) eines Proudhons „Diebstahls-Theorie“ – Eigentum ist Diebstahl – auf denselben Verdrängungsreflex zurück, wie ihn eben auch den noch jungen (Anti-)Wikileaksaktivisten, namens Domscheid-Berg (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1451), erfasst haben mag, als dieser ausgerechnet Proudhons „Was ist Eigentum“ als das „bedeutendste Buch, das je geschrieben wurde“, einem konservativen wie gleichermaßen kritischen Publikum unter zu jubeln suchte.
    .
    Beiden ist Marxens „Das Elend der Philosophie“ offenbar so „unbekannt“, wie es eben auch ungelegen gekommen wäre, in ihrer beider „terroristischen“ wie auch „ökonomistischen“ (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1326) Anschlag, nämlich auf die Grundsätze einer revolutionären Kritik (der politischen Ökonomie des Kapitals), wie eben auch auf den guten Geschmack – ganz generell.
    .
    Fußnote 1) Ich halte es für bezeichnend, dass während die Word-Rechtschreibprüfung das Adj. „ökonomistisch“ nicht mal zu kennen scheint, in Wikipedia die Beschreibung des Substantivs „Ökonomismus“ sofort mit der Kritik Poppers am diesbezüglichen marxschen „Historismus“, ergo: „Ökonomismus“, beginnen will, während eine leninsche Definition, wie zum Beispiel in „Was Tun?“ (siehe oben) quasi nur als Fußnote („polemischer Begriff“) erscheint (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomismus). Hier scheut die herrschende Wissenschaft den selbstkritischen Bezug zu ihrer eigenen Ökonomie, also zu ihrem quasi systemischen Ökonomismus, ebenso wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Was eines Poppers Unterstellung angeht, vergegenwärtige man sich das gerade oben dargestellte Engels-Zitat und man erkennt jene poppersche Bösartigkeit auf Anhieb. Vorausgesetzt man ist nicht selber bösartig.
    .
    Fußnote 2) Ich bedanke im mich für die Entfernung der „Fälschung“. Ich erlebe auch diese nun nicht zum ersten Mal – in einem FAZ-Blog -, und vermutlich durch die gleiche Person – die „Handschrift“ scheint mir unverkennbar -, worin ich übrigens ebenso einen Anschlag auf den guten Geschmack erblicken will.

  36. Bei aller geschriebener Kritik...
    Bei aller geschriebener Kritik der FAZ und der jetzt daraus hier resultierenden Selbstbeweiraeucherung, auch die FAZ waehre sehr viel ehrlicher im Umgang mit der Causa Guttenberg, wuerde sie echte Konsequenzen folgen lassen.
    Momentan sind noch keine Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Hof wegen Urheberrechtsverletzung direkt Betroffener eingegangen, auch nicht von der FAZ.
    Will sich es da die FAZ mit der Regierung nicht komplett verscherzen? Ist das doch Feigheit vor dem Feinde? Angst, dass man sich im Leben zweimal trifft?

  37. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    ,,…bis auf die Frage, wie er aus Sicht seiner Hintermänner so komplett außer Kontrolle geraten konnte.“
    Darauf wird er nur selber eine Antwort geben können. Es sieht wohl so aus dass es einfach individuelles Geltungsbedürfnis war, das ihn diese völlig überflüssige Promotionsarbeit beginnen ließ. So etwas hat dann eine Eigendynamik irgendwann – und wenn man dann nicht entspannt genug ist sich selber einzugestehen dass es so nichts wird und man es besser ruhen läßt… ich vermute nicht dass hieran Irgendetwas geplant war. Da wird man wieder auf reine Zufälle warten müssen. Dann kommen weitere Einzelheiten irgendwann an die Oberfläche.
    Ich habe Jahrzehnte warten müssen bis heraus kam, wer das Attentat auf den Bahnhof von Bologna unternommen hat. Damals konnte man nur ,,spüren“ (nicht wissen) dass es nie und nimmer ,,die Linke“ gewesen ist.
    Um auf den Anfang des Threads zurück zu kommen. Für die noch kommenden Diskussion mit Gutti’s Groupies sind zwei Elemente wichtig:
    – die Lügen im Fall Schneiderhahn/Wichert
    – das o.g. Video von der CEBIT (mit seinen Rahmendaten)
    Und natürlich die Frage, warum er überhaupt zurücktrat, wenn ihm doch die Kanzlerin ihre Solidarität nochmals am Sonntag und am Montag versicherte. Wenn man annimmt es sei eh nur eine linke Kampagne gegen einen guten Politiker gewesen: zu diesem Zeitpunkt war doch deren Munition längst verschossen.

  38. @Marco / @gelegentlich: Ich...
    @Marco / @gelegentlich: Ich denke wie Sie, wir sollten nicht die Grenze zum Verschwörungswahn überschreiten, indem wir jedes Ereignis (auch den Rücktritt) mit einer Mega-Verschwörung in Verbindung bringen. Nein, das war nicht geplant. Ja, KT wurde wohl unter anderem auch durch die Transatlantiker aufgebaut, und zwar ganz klar mit einem Publicity-Konzept à la America. Und ich denke, hier liegt der Fehler: Man ist zu weit gegangen. Was in den Staaten alltäglich ist (Inszenierung von Politikern vor Soldatenkulisse etwa) kommt hier nur mäßig an. Mit der Kerner-Geschichte wurde eine Grenze überschritten. Und dann kam die ganze Dynamik der Plagiatsgeschichte mit umso größerer Wucht, weil Medien/Internet Lunte gerochen haben, dass da ein Blender und Schauspieler am Werk ist. Und dann hat man bis zuletzt versucht, zu retten, was zu retten ist, und das nicht mal schlecht – lange sah es ja so aus, als könne er das aussitzen. Der Rücktritt kam zwar spät, wird aber möglicherweise für ein großes Comeback reichen.

  39. <p>@devin08: Puh, was...
    @devin08: Puh, was verausgaben Sie sich denn schon wieder so, Ihren Standpunkt in der Klassenfrage hatte ich doch gar nicht attackiert. Den großen und anhaltenden Milieu-Unterschied zwischen Evangelen und Katholen haben Sie ausgerufen, nicht ich. Darauf habe ich lediglich erwidert, dass die gesellschaftliche Ausdifferenzierung von Milieus mit ihren jeweiligen Wertorientierungen schon wesentlich weiter fortgeschritten ist, als dass uns die alten Dichotomien wie ev.-kath. oder Stadt/Land noch allzuviel lehren könnten. Die Klassenfrage sehe ich davon eigentlich recht unberührt und weiterhin aktuell. Da brauchen Sie mir nicht ständig Ringvorlesungen zu halten und sich an einer Marxismus-Kritik abzuarbeiten, die hier niemand thematisiert hat. Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit auch ein offenes Wort bezüglich Ihrer Kommentare: Ich finde es bei aller inhaltlichen Bereicherung zum Teil extrem anstrengend, Ihnen jedesmal aufs Neue vom Hölzchen aufs Stöckchen Ihres Theoretiker-Namedroppings zu folgen, Bourdieu hin, Lenin her, Sloterdijk rauf, Popper runter. Da möchte ich Sie manchmal fragen: Hallo, ham Sie’s nicht mal paar Nummern kleiner? Können wir nicht mal bei einem eingegrenzteren Thema bleiben, ohne dass Sie wieder tausend Anlässe finden, Ihre eigenen Theorien, Welterklärungsmodelle und Abrechnungen mit Fehldenkern zum soundsovielten Male zu verlinken und breitzutreten? Ehrlich gesagt habe ich meine Zweifel, ob man andernorts Ihrer Kommentare wegen ihrer vermeintlichen Brisanz bisweilen überdrüssig wird oder ob es nicht vielleicht sein könnte, dass der eine oder andere allmählich die Lust verliert, jedesmal wieder Ihrer großen Neueröffnung des Theoretiker-Baumarkts beiwohnen zu müssen.
    .
    Kurichan65: Ich kann da kein großes Versäumnis drin erkennen, dass sich die FAZ bislang nicht zu einer Anzeige durchgerungen hat (oder hat sie vielleicht doch? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht). Ich halte das für einen Nebenschauplatz und erinnere an den schönen Spruch, dass ein Plagiat die aufrichtigste Form eines Kompliments ist. Und wegen dieses Absatzes die Gerichte zu bemühen erschiene mir kleinlich, zumal gegen zu Guttenberg angeblich eh schon 80 Strafanzeigen eingegangen sind. Was solls also?
    .
    @gelegentlich: Bologna, da sagen Sie was. In meiner früheren Bürogemeinschaft war eine Italien-Kennerin, die Ende der 90er dann auch als Korrespondentin nach Rom ging. Wir haben bei den Rauchpausen auf dem Balkon oft über die ganzen Ereignisse gesprochen, auch die Ungereimtheiten um den Tod Aldo Moros, P 2 und die möglichen Hintergründe dieser Geschichten, die Mitte der 90er sehr nach Verschwörungstheorie klangen, die aber in den folgenden Jahren doch bestätigt wurden (Stichwort „Gladio“, Strategie der Spannung etc.).
    .
    Und wo wir grade über Verteidigungsminister reden: Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass Rudolf „Bin Baden“ Scharping ziemlich trickreich abgesägt wurde, und dass man ihn bewusst und gezielt in die Falle des schlecht getimten Foto-Termins laufen ließ. Über die Hintergründe kann ich nur spekulieren, aber die engen Verbindungen zu Moritz Hunzinger legen den Verdacht nahe, dass da mehr dahinter war. Vielleicht hat sich die Rüstungsindustrie von Scharping sehr viel erhofft (z.B. bei der Frage, wieviele der geplanten neuen Transportmaschinen will sich die Bundeswehr leisten), aber Scharping konnte schon allein aufgrund der im Kabinett vorgegebenen Sparzwänge nicht annähernd die ursprünglich versprochene Stückzahl garantieren. Oder so etwas in der Art.

  40. @Lukeman: Ja, manche...
    @Lukeman: Ja, manche Inszenierung war ganz klar zu amerikanisch inspiriert (wer fühlte sich nicht an die Top-Gun-Positur von George W. auf dem Flugzeugträger erinnert?). Wobei ich glaube: Bei der Truppe dürfte zu Guttenberg damit durchaus gepunktet haben.
    .
    Ein Comeback halte ich für so gut wie sicher. Der Mann ist noch jung, und wenn er die richtigen Schlüsse aus der Geschichte zieht, könnte er aus dieser Schwächung langfristig sogar gestärkt hervorgehen.

  41. Der Guttenberg ist in Bayern...
    Der Guttenberg ist in Bayern unten durch
    .
    @Marco Settembrini di Novetre: O.K. Ich verstehe Ihren Ärger. Und ganz sicher, wird es nicht wenige geben, die Sie darin unterstützen. Doch genau die „kleinen Brötchen“, die werden zu oft gebacken. Doch freue ich mich natürlich, wenn Sie meinen Standpunkt in der Klassenfrage nicht in Frage stellen.
    .
    Was die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten angeht, da würde ich Ihnen zustimmen, wenn wir in der Zeit zurück kehrten, z. B. vor 1989. Bis dahin schien das Thema in Deutschland ausgestanden (bis auf Bayern, wo bis Dato ein Protestant niemals Karriere innerhalb der CSU hätte machen können, denn auch ein protestantischer Beckstein als Minister – zumal als Franke – ist eine „späte Geburt“). Die Mehrheit der Protestanten lebte nun mal im Osten. Und im Westen konnten daher ungestört die Katholiken in den christdemokratischen Parteien herrschen, wie sie wollten. Was übrigens der Minimalkonsens des Bündnisses zwischen der CSU und CDU war.
    .
    Dass dieses Thema nun wieder aufgebrochen ist, verdanken wir einer Nebenwirkung der Wiedervereinigung. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in Deutschland nachwievor keine wirklich große politische Karriere außerhalb der beiden christlichen Kirchen geschmiedet werden kann – auch Sozialdemokraten haben da was in den Klingelbeutel zu werfen, siehe: Johannes Rau, seligen Angedenkens -, bleibt diesem alten Konflikt zwischen den Kirchen, gewissermaßen die alte Spannkraft erhalten.
    .
    Und ich gehe jede Wette mit Ihnen ein, dass man in den katholischen Ländern Deutschland eher eine Frauenquote in den Führungsriegen des Kapitals austariert haben wird, als eine Quote zwischen Katholiken und Protestanten.
    .
    Wie auch immer: Dieses Thema ist quasi die Achillesferse des deutschen Kapitals. Und es ist mitnichten nicht mehr von Bedeutung. Wie bedeutend das noch ist, haben wir u.a. auch erlebt im Zusammenhang mit den Mißbrauchsskandalen in den Kirchen und kirchlichen Einrichtungen. Was ist bisher geschehen, von Staatswegen? Nichts!
    .
    Und auch die Causa Guttenberg, um mal wieder zum Thema zurück zu kehren, ist vor dieser christsozialen, sprich: hauptsächlich katholischen Seilschaft in Bayern zu verstehen. So wie die katholische Kirche eine geschlossene Gesellschaft ist, so ist es auch die CSU. Nicht nur die Kinder der Bayern werden dort „missbraucht“ – der ganze „Freistaat“ wird es doch, von der Kirche, wie von der CSU. Wer die Verhältnisse in den irischen katholischen Parteien beobachtet hat, der weiß auch, wie es in Bayern aussieht. Nicht anders!
    .
    Eintreten kann man, sowohl in die CSU als auch in die katholische Kirche. Aber austreten? Ich habe es getan. Das war gerade so, als erklärte ich meinen Austritt aus der deutschen Staatsbürgerschaft, der bayrischen, meine ich natürlich. Austreten bedeutet gleich Exkommunizierung. Und wer diese erlebt, kann sich in Bayern nicht mehr sehen lassen. Er wird dort betrachtet wie ein wildes Tier, das da einem Zoo ausgerückt ist. Ich weiß wovon ich rede, ich komme aus Bayern, wenn auch aus dem subalternen Franken. Und ich kann sowohl diesen Guttenberg-Stall riechen, wie auch jene ganze bigotte Gemeinde um ihn herum. All die Nachkommen seiner ehemaligen Hintersassen. Man gönnt ihm diesen Abstieg, so wie man vorher den Herrn Baron um seinen Glanz, und noch mehr um den seiner Frau, beneidet hat. Denn „die da oben“ mag so richtig keiner im Volk – dort.
    .
    Doch man ist auch Bayer und vor allem Katholik. Und daher soldatisch loyal bis zur Unkenntlichkeit – der eigenen Person, wie auch der Loyalität. Denn in aller Heuchelei. So glaube ich auch im Fall Guttenberg nicht so sehr an die Wirkung der sog. amerikanischen Seilschaft, obwohl er zu dieser gehört, via: Atlantik-Brücke. Auch ich habe darüber berichtet („Wie die Atlantik-Brücke womöglich ihre Probleme löst“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1456).
    .
    Auch Strauß, unseligen Angedenkens, gehörte zu den Fans der USA. Doch er beutete den Fan-Club nur aus. Auch in Bayern ist man überzeugt von einem braven Soldatentum, von der Nibelungentreue innerhalb einer Seilschaft. Und man hat so seine Rituale, um diese zu erhalten. Schneidig ist man nicht, das wäre preußisch, dennoch fesch. Gut will jeder aussehen, das ist des Bayern ganze Eitelkeit. Und trotz die ihn umgebende Aura der Korruption wie der „fremden Einflüsse“ (seine Frau stammt von den Preußen ab!), hat der Guttenberg gefallen – in Bayern. Das Gefühl eine Wahl zu haben, kennt man in Bayern sowieso nicht. Es geht einem dort, wie inmitten jenes Gülle-Nebels, den die Bauern da regelmäßig über ihre Felder versprühen. Man kann ihn kilometerweit riechen. Widerlich! Ich glaube nicht, dass das irgendjemand schmeckt. Doch ohne diesen, kann man sich Bayern eigentlich nicht vorstellen. Er gehört dazu, wie der Weihrauchduft zur katholischen Messe. Alles hat dort ein besonderes Geschmäckle, einen besonderen Duft. Zwangsläufig, und schon immer.
    .
    Dennoch: In Bayern ist der Guttenberg unten durch. Denn mit Verlierern hat dort niemand Mitleid. Verlieren heißt: Bayern beleidigen. Wenn überhaupt, dann kann er nur noch in Berlin was werden. Dann muss er sich in Bayern aber nicht mehr sehen lassen.
    .
    Ich verstehe den Wunsch, eine solch bigotte wie gleichermaßen intrigante Welt der Vergangenheit zuordnen zu wollen. Doch in Bayern hat die Vergangenheit nie aufgehört.
    Es mag daher sein, dass die bayrische Perspektive nicht völlig identisch ist mit der gesamtdeutschen. Und das merkt man vermutlich auch in meinen Beiträgen.

  42. Genau, ich war´s:...
    Genau, ich war´s: 2,3,4,5……n! (Aufrufe in Folge) Wir woll´n unseren Gutti wiedaham.

  43. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    Wenn aus einer beliebigen Meinung ein Standpunkt, eine Überzeugung wird und daraus ein Handeln resultiert, dann wird es spannend.

  44. @lukeman
    Lunte riechen - das...

    @lukeman
    Lunte riechen – das ist das Stichwort, danke!
    ,,Der Rücktritt kam zwar spät, wird aber möglicherweise für ein großes Comeback reichen.“
    Genau das will ich nicht hoffen. Dass er Schneiderhahn/Wichert zu Vertraulichkeit verpflichtete und dann selbst dem SPIEGEL die Details in seiner Version zusteckte und dass Merkel, die wußte er würde unhaltbar sein sobald der Staatsanwalt auftritt, so tat als ob sie ihn stützt, bricht hoffentlich Beiden das Genick beim relevanten Teil ihrer bisherigen Wähler. Denn Beides war unanständig, ehrlos. Ich selbst fand die Rücktrittsrede am schmutzigsten: die Bezugnahme auf die toten Soldaten – von denes es ja aufgrund seiner (!) Politik noch viel mehr geben wird. Spontan dachte ich: der muss schauen Niemanden von deren Angehörigen im Dunkeln zu treffen.
    @Marco Settembrini di Novetre
    ,,…Scharping ziemlich trickreich abgesägt wurde, und dass man ihn bewusst und gezielt in die Falle des schlecht getimten Foto-Termins laufen ließ.“ – Sieht wohl so aus. Genau der gleiche Mechanismus, den offenbar Herr Söder mit der sog. Schönen Landrätin und ihren Latex-Glamour-Bildern wiederholt hat. Söder natürlich als (vermuteter) Stichwortgeber. Der läßt sich sicherlich nicht so leicht erwischen…
    Die Intrige, die dieses Land aber am stärksten umgestaltet hat, war sicherlich das Absägen von Lafontaine/Flassbeck durch Schröders Hilfskraft für die dirty little tricks, Bodo Hombach. Wenn man bedenkt dass es für die dann kommende Agenda 2010 nirgendwo ein kleines bißchen Mandat des Wählers gab… dagegen hat es Guttenberg geschafft, gegen ca. 80% der Bevölkerung den Umbau der Bundeswehr zu einer (Freiwilligen-) Söldnerarmee durchzuwinken und zur offenen Diskussion zu grundgesetzwidrigen Ressourcenkriegen zu bringen – ohne ,,falsche Tabus“. Ist doch was.

  45. @Marco SDN: Sicher, er hat bei...
    @Marco SDN: Sicher, er hat bei Teilen der Truppe damit gepunktet. Aber das reicht hierzulande einfach (zum Glück) noch nicht, schließlich sind wir alle hier durch unsere Geschichte (noch?) arg sensibilisiert.
    .
    Das Problem mit amerikanischer PR ist: die denken in „Campaigns“, also schnell und mit großer Wucht etwas in der Öffentlichkeit konstruieren; meist fallen diese Konstrukte hier aber nach einiger Zeit in sich zusammen. Wir ticken da anders. Wer die Öffentlichkeit in Deutschland für seine Zwecke manipulieren will, der braucht mehr als Springer und Show. Der muss Wissenschaftler vereinnahmen, die Feuilletons begeistern (sehr gelungen z.B. Schröders Gespräch mit Martin Walser 2002) etc. Das haben die Gutti-Macher verpasst, glücklicherweise.

  46. @Raoul: Beziehen Sie sich auf...
    @Raoul: Beziehen Sie sich auf meinen Kommentar von 11:01 mit dem Comeback?
    .
    @devin08: So kann ich das schon besser einordnen. Wiewohl meine Eltern katholisch waren (und meine Mutter damals nachgerade strenggläubig) hat die Konfessionsfrage in meiner Heimatstadt Mannheim keine große Rolle gespielt, früher war die Kurpfalz eine protestantische Enklave, aber im 20. Jhd. hielten sich beide Konfessionen in der Stadt einigermaßen die Waage. Hier am Niederrhein, wo ich jetzt wohne, ist die katholische Prägung zwar noch stärker spürbar (ebenso der Güllegestank im Umland), aber trotzdem ist das noch mal ein ganz anderer Schnack als in Bayern.
    .
    @lukeman: Was nicht ist, kann noch werden. Wobei die Union in Sachen Intellektuellen-Einbindung im Vergleich zur SPD noch nie was gerissen hat. Das wäre im Übrigen auch nichts, was ich einem zu Guttenberg im Falle eines zweiten Anlaufs anraten würde. Intellektuelle Durchdringung eines Gegenstands ist ja seine Sache nicht, sondern mehr so das Zielen auf Affekte.
    .
    @gelegentlich: Ja, wenn einer auf dem Rücken der toten Soldaten rumgetrampelt ist, dann Gutti himself – mit dem Versuch, sie für seine Reinwaschungs- und Ablenkungsversuche zu missbrauchen. Die Nummer holt mir auch das Weihnachtsgebäck vom Vorjahr wieder hoch.

  47. gelegentlich@:...und bleibt...
    gelegentlich@:…und bleibt auch nach wie vor Grundgesetzwidrig. Welches Interesse steht in hinter dieser Transformation ohne echte Information?

  48. @Marco: Ich glaube, ohne die...
    @Marco: Ich glaube, ohne die Plagiatnummer hätte Guttenberg auch jenseits von Springer punkten können, die seriöse Presse war ihm ja zumindest vor der Kerner-Geschichte nicht abgeneigt. Und ganz dumm kommt er ja nun nicht rüber (gerade im Vergleich zur Konkurrenz). Und die paar vom Redenschreiberling vorbereiteten Sätze von Schröder im Gespräch mit Walser waren ja auch nicht gerade der Knaller, aber hängengeblieben ist damals: Schröder, der kann mit Walser über Patriotismus reden und macht dabei gar keine schlechte Figur.
    .
    Sicher, im Fall KT hätte man das etwas anders aufziehen müssen, aber er hat(te) definitiv das Zeug dazu, sich als jemand zu profilieren, der sich für (rechts)konservative Theorie und Intellektuelle interessiert. Diese Lücke besteht ja zweifellos. Hätte ich ihn beraten, ich hätte gesagt: Einen Gang zurück beim Boulevard, dafür mal ein hübscher Gastbeitrag (natürlich Ghostwriter) in der FAZ. Lieber eine Gala weniger, dafür mal mit Historikern öffentlich über die Geschichte der Bundeswehr palavert…

  49. @Plindos
    Welches Interesse...

    @Plindos
    Welches Interesse dahinter steckt weiß ich nicht. Man liest im Netz so Einiges zur Frage, wie Souverän Deutschland eigentlich in Wirklichkeit ist. Es gäbe da eine Menge nicht kommunizierter Dinge im Hintergrund… kann ich nicht beurteilen, Vieles davon klingt nach VT sensu strictu, der deutsch-national-rechtslastige Hintergrund vieler derartiger Autoren (Viele im Gelben Forum) läßt diese Dinge nicht eben glaubwürdig-seriös erscheinen. Dass sie fließende Grenzen (besser: eine ,,offene Flanke“) gegenüber der Internet-Jauchegrube PI u.ä. haben kommt dazu.
    Was ich aber sehr wohl sehe, und seriös dokumentiert finde, ist der Mechanismus, mit dessen Hilfe man Guttenberg zu einer Art Vasallenfürsten aufbauen wollte – und dies immer noch tut: anders kann ich mir die bis an die Peinlichkeitsgrenzen der Zunft gehenden Einlassungen von di Lorenzo. Ulrich, Joffe, Döpfner (neulich gegenüber ,,dem Islam“) nicht erklären. Da wird doch einem grundkonservativen, anständigen deutschen Bildungsbürger nur noch schlecht.
    @Marco Settembrini di Novetre
    Doch, ich fände es ausgezeichnet wenn die FAZ und andere Geschädigte jetzt eine Anzeige erstatten würden. Denn nur das zwingt (!) wohl die Staatsanwaltschaft nach Pflicht und Gesetz vorzugehen und nach nichts Anderem. Mit dem erwartbaren Resultat dass ein verurteilter Guttenberg selbst mit allen Milliardärsmedien zusammen im Hintergrund in Deutschland kein öffentliches Amt mehr bekleiden kann. Und dieses Resultat wünsche ich mir.
    Dass die nicht unbedeutenden Investitionen interessierter Kreise in diesen mandschurischen Kandidaten dann vergeudet sind nehme ich billigend in Kauf.

  50. @gelegentlich: Ja, von der...
    @gelegentlich: Ja, von der Souveränitätsfrage ist es leider nur ein kurzer Schritt bis ins Revier der Reichsdeutschen und zu angeblichen Flugscheiben in der Antarktis. Ebenso kurz wie vom Buchstabenkürzel CFR bis hin zu wilden Annahmen über eine im Schatten agierende Weltregierung. Aber der Nexus von zu Guttenberg und den Transatlantikern ist hinlänglich seriös belegt. Und ich glaube auch nicht, dass man die Investitionen in dieses asset allzu schnell abschreiben wird.
    .
    Es würde mich auch wundern, wenn eine Verurteilung wegen Urheberrechtsverletzungen dafür garantieren könnte, dass diese Person nie wieder ein öffentliches Amt bekleidet. Nichts dagegen, es damit zu versuchen, aber wie gesagt, darauf wetten würde ich nicht.

  51. @gelegentlich
    .
    Haben Sie auch...

    @gelegentlich
    .
    Haben Sie auch in der Zeit gelesen, wie Jöffele die Rücktrittserklärung kommentierte?
    .
    Kiffhoysermäßig.

  52. @HansMeier555: Meinen Sie die...
    @HansMeier555: Meinen Sie die Lobesarie der „strategischen Brillianz“? Was für ein widerwärtig-euphemistisches Geschleime. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finden soll, einen zur Selbstkritik völlig unfähigen Ausredenkönig, der zum wiederholten Mal hinter Soldatengräbern Zuflucht sucht oder einen Schreiberling, der ihm für seine moralische Flexibilität auch noch Lorbeerkränze ins Haar flicht und Lobesarien singt.

  53. Sie meinen das hier?
    ,,Diese...

    Sie meinen das hier?
    ,,Diese Rede hat gezeigt, was tatsächlich in dem Mann steckt – und nicht, was ihm die bunten Blätter angedichtet haben: ein brillanter Spindoktor, Härte gepaart mit Geschmeidigkeit, höchste politische Intelligenz, Machtwillen, kurz, das Holz, aus dem man Großpolitiker schnitzt.“
    Profaner: ein Vorbestrafter wird hierzulande nicht mal verbeamtet. Ein CDU-Politiker ist in Niedersachsen für eine vergleichsweise geringfügige Schummelei hart bestraft worden; einigen Bundeswehroffizieren ging es auch so – sie wurden degradiert. War deren Holz zu weich?
    Und meine Frage an diejenigen Mitleser hier: dieser Herr Joffe ist doch kein Praktikant. Wie kommt ein erfahrener Journalist dazu so etwas zu schreiben? Wenn ihm nicht Jemand im Genick sitzt, der verlangt, ein wertlos gewordenes Blatt noch mal aufzulegen. Vielleicht merkt es ja keiner?
    @Marco Settembrini di Novetre: sagen wir zu ,,moralischer Flexibilität“ in diesem Fall nicht besser ,,rattenhafter Überlebenswille“?

  54. Selbst wenn die FAZ vorhätte,...
    Selbst wenn die FAZ vorhätte, die Ausgabe mit dem Artikel (oder meinetwegen nur diesen), aus dem zG kopiert hatte, nochmals aufzulegen (was man ja üblicherweise nicht macht, da ja bekanntlich nix so alt ist wie die Zeitung von gestern), würde das Interesse an dem Zweitaufguß durch die ganze Affäre eher gesteigert werden – schon deshalb erscheint mir ein finanzieller Schaden für die „diese Zeitung“ kaum gegeben zu sein. Im Gegenteil hat „diese Zeitung“ sicherlich im Zuge der ganzen Affäre ein paar Exemplare mehr verkauft.

  55. @Don Aldduck: Ich weiß gar...
    @Don Aldduck: Ich weiß gar nicht, ob die Schadenshöhe dabei eine so entscheidende Rolle spielen würde, kann aus dem Stand auch nicht sagen, ob die plagiierte Passage aus einer Geschichte einer freien Mitarbeiterin stammt (dann wäre sie die Hauptgeschädigte). Aber wie auch immer: Nach meinem Kenntnisstand (von gestern) sind um die 80 Strafanzeigen gegen zu Guttenberg eingegangen, und die Staatsanwaltschaft muss sich damit befassen, ein Ermittlungsverfahren wurde wohl eingeleitet. Ob die FAZ da jetzt als Nebenklägerin oder sonstwie mitmischt, halte ich für nicht sonderlich entscheidend für den Ausgang.
    .
    Es wäre zudem noch die Frage, ob der betreffende Artikel von einer Redakteurin oder einer freien MitaIn allererst

  56. Ich will jetzt mal wirklich...
    Ich will jetzt mal wirklich wissen, was an G-Punkt brillant ist.
    Immer nur diese Andeutungen aus der Qualitäts-Presse.
    .
    Zu G-Punkts Fangemeinde, besser: I-like-it-Klickgemeinde, fällt mir nichts ein, außer das was bereits gesagt wurde: Sie kriegen als Sofa- und Gutfühldemonstranten ihre PS nicht auf die Straße. Auf Facebook rumklicken reicht einfach nicht. Die Ägypter konnten das schon mal besser. Ist halt altes Kulturvolk …

  57. Hatte Seehofer noch...
    Hatte Seehofer noch Faschings-Restalkohol? Jetzt auch er Gutti-Groupie?
    „Seehofer beschwört Guttenberg-Comeback“
    .
    Ich versteh’s nicht, bin über 30, wer hilft mir über die Straße.
    Seehofer war dem doch nicht grün, und jetzt das?
    .
    Typisches, aber aus Schuldgefühl übertriebenes, nihil nisi bene?
    .
    Oder strategisches über die Bande Spielen, weil Seehofer für zukünftigen „Blödsinn“ nicht ohne Watschenmann dastehen will? Mein Gott, was steh‘ ich als Franke in Land der BayWa aus.

  58. @Vroni: Da gibt es so vieles,...
    @Vroni: Da gibt es so vieles, was ich nicht verstehe. Auch seine Fans wußten ja auf Nachfrage kaum zu sagen, was Gutti denn so an Großtaten vollbracht haben soll.
    .
    Und was Seehofer jetzt reitet; Tja, vielleicht sagt er sich, fordern kann man viel, bis der wieder satisfaktionsfähig ist, bin ich eh in Rente. Auf alle Fälle muss es auch in seinem Interesse sein, dass da nicht allzuviel Schmach hängenbleibt an Gutti, denn auf die eine oder andere Art färbt das immer auch ab auf die Partei (und die hat ja bekanntlich immer recht).

  59. Hmmh, ich weiß nicht ob das...
    Hmmh, ich weiß nicht ob das so schwer zu verstehen ist. Ich habe auch nie eine prüfbare Antwort auf die Frage erhalten worin denn seine Leistungen bestanden haben sollen.
    Seehofer fordert sicher für die Tribüne, wohl wissend, dass sich in nächster Zeit nichts materialisieren wird. Die Staatsanwaltschaft verhindert das.
    Worum man aber politisch Angst hat zeigt beispielhaft dieser Thread bei GuttenPlag:
    http://de.guttenplag.wikia.com/index.php?title=Forum:Ich_bin_CDU-Mitglied_und_wertkonservativ!_Aber_auch_ich_bin_sauer!&t=20110308224437
    Der belegt auch, wie aufmerksam man auch den o.g. Auszug aus Merkels Auftreten bei der CEBIT studiert hat. Diese Intrigantin ist wohl nicht geschmeidig genug, den Spagat zwischen den Forderungen der anständigen Konservativen und den der Springerpresse/Zeit/Transatlantikern nach einem baldigen Comeback noch sehr viel länger auszuhalten.

  60. Also am einleuchtendsten bei...
    Also am einleuchtendsten bei der ganzen Sache war mir der Beitrag in der letzten FAS, der zwischen Pop- und „Normal“-Politikern unterschied (Namen des Verfassers habe ich mir nicht gemerkt, er war wohl derjenige, der das „Ken&Barbie“-Bild gemacht hat). Facebook ist nur Nachklapp, so wie Lafontaine nachgetrauert wurde oder im Westen gegen die Wiedervereinigung demonstriert wurde. G. ist mindestens auf einige Jahre versenkt, ein Comeback dürfte arg schwierig, wenn nicht komplett unmöglich, sein. Die Balsamspenden von Merkel, Seehofer, Joffe, Facebook oder sonstwem ändern daran nichts. Er hat es nicht geschafft, die losbrechende Skandalisierungswelle sofort von unten her auszuhebeln und zu brechen, daraufhin blieb ihm nur noch schwimmen bis ans Ufer. – Facebook ist offenkundig geeignet, „same moods“ zu aggregieren, aber das ersetzt keine Organisation.

  61. @colorcraze: Wohlverstanden,...
    @colorcraze: Wohlverstanden, wegen mir könnte der kopflose Ken (stimmt, sehr schöner Beitrag übrigens) auch ganz in der Versenkung bleiben. Allein ich habe die Befürchtung, diejenigen, die so massiv in ihn investiert haben, drängen auf baldigen Return on Invest. Facebook ist da nur ein Echo im Resonanzraum, das ich auch nicht überbewerten würde.

  62. @MarcoSdN: hm, Devin08...
    @MarcoSdN: hm, Devin08 klamüserte auseinander, warum Bayern nicht geht, und deutete auf Berlin. Ich meine aber, Berlin geht auch nicht, weil dort, in welch verdünnter Form auch immer, der preußisch-protestantische Benimm nebelt. Und für diesen hat er sich mit der Sache unmöglich gemacht. Und daß die Berliner Politik so sehr ferngelenkt werden kann, bezweifle ich – sonst gäbe es Westerwelle nicht, vielleicht nichtmal Seehofer.

  63. Ich wünschte ja, die Bayern...
    Ich wünschte ja, die Bayern und die Berliner werden sich, wenn es so weit sein sollte, an die ihnen hier vorgegebenen Generallinien halten. ;-)

  64. @MarcoSdN: also für mich ist...
    @MarcoSdN: also für mich ist der auf G. nachfolgende Name dafür eigentlich Nachweis genug, daß diese Homöopathie gewirkt hat…

  65. Tja, fragt sich nur, wie lange...
    Tja, fragt sich nur, wie lange die Wirkung anhält.

  66. Ein Zitat von HansMeier555 vom...
    Ein Zitat von HansMeier555 vom 17. Februar 2011, 19:06 drüben bei Don Alphonso:
    „Wenn wir nicht zwei Jahrzehnte hinter uns hätten, in denen die selbe Sorte Politiker immerzu „Exzellenz“ und „Brillanz“ und „Rankings“ gefordert hätte und sich einfach nicht damit abfinden wollte, dass irgendein Wissenschaftler Ruhe hat zum Arbeiten.
    Was soll denn bei dem ganzen Gehechel anderes herauskommen als Schaumschlägerei und Betrug?“
    .
    Kompliment und Hut ab für diese weise Bemerkung.
    In den letzten Wochen war ich viel in Sachen „Exzellenz“ und „Initiative“ und „Cluster“ unterwegs (die Begriffe können übrigens beliebig kombiniert werden). Keine Sitzung ohne das Thema Guttenberg.
    Obwohl ich mich beruflich vor allem unter Naturwissenschaftlern und Ingenieuren bewege, nagt gerade bei Wissenschaftlern in Ministerien diese Affäre stark am Selbstbewußtsein. Man hat zwar mit dem Verteidigungsministerium und der Juristerei nichts zu tun und kennt den Guttenberg auch nur aus der Zeitung, aber man fühlt sich in der Defensive, weil der Rücktritt so lange gedauert hat, weil man eine solche Figur so lange an der Spitze eines Ministeriums geduldet hat. Die übliche Arroganz der (vermeintlichen) Macht ist derzeit ein wenig zurückgedrängt. Auch hier gilt: Mal sehen, wie lange das anhält.

  67. Die eigenartigen...
    Die eigenartigen unangemessenen Reaktion aus Bayreuth über diesen Mega-Skandal haben vielleicht immer noch nicht genügend öffentliches Interesse darauf gerichtet, was für ein verkommener Sumpf dieses Bayreuth wenigstens teilweise auch ist:
    http://www.freitag.de/community/blogs/thinktankgirl/unappetitliches-aus-bayreuth
    Hier sehen wir mittelbar Guttenberg im neoliberalen Organhandel. Richtig, das ist kein Monopol der UCK. Offenbar will der junge Mann nicht nur die Freude am Krieg spielen hierzulande popularisieren. Ein Hinweis noch: den o.g. Link bitte nur auf nüchternen Magen klicken!

  68. @gelegentlich: ach, der war...
    @gelegentlich: ach, der war auch von der Uni Bayreuth? Konnte mich noch vage an diese Äußerung erinnern und daß sie als abartig empfunden wurde.
    @apreslude: tja, die Jungen im Netz waren schneller, und vor allem entschlossener darin, den G. abzuschießen. Wenn Wissenschaftler in Ministerien meinen, _sie_ hätten das eigentlich können sollen, täuschen sie sich aber mMn in ihrer Rolle. Sie haben nicht die Minister zu bewerten oder zum karriereschonenden Umgang mit Öffentlichkeit und Presse zu beraten – das ist Sache der politischen Klasse.

  69. @colorcraze
    Ja, der war nicht...

    @colorcraze
    Ja, der war nicht nur ,,…auch von der Uni Bayreuth“. In der Periode, in welcher die Familie Guttenberg via Rhön-Klinik in die Privatisierung des Gesundheitswesens investierte, wurde auf deren Betreiben an der Uni Bayreuth dieses Institut für Gesundheisökonomie eingerichtet, dieser Oberender eingesetzt (er war sogar 2x Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, bis => 2006! Klingelt’s?) und er betrieb gleichzeitig (!) ein ,,Institut für angewandte Gesundheitsökonomie“.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Oberender
    ,,Außerdem war Peter Oberender Mitglied des Wissenschaftsrates, in dessen Arbeitsgruppe „Public Private Partnership in der Hochschulmedizin“ er immer noch Vorsitzender ist.“
    Meine Quintessenz ist: wenn es zwei Personen gibt, in denen sich die politische und moralische Verkommenheit des Prinzips Neoliberalismus als Philosophie der Rattengesellschaft in fast schon überirdischer Klarheit illustriert, dann sind dies Peter Oberender und KT vuz Guttenberg. Und wer einen wirklich langen Atem beim Recherchieren im Netz hat wird unschwer erkennen, dass die Bertelsmann-Stiftung in Deutschland erheblich mehr gestalterische Macht besitzt als alle Parteien im Bundestag zusammen.
    An dieser Stelle aber muss auch darauf hingewiesen werden dass bei diesem Sumpfkomplex die Macht des Internets endet. Dafür braucht man Personen, die sich dem Faulschlamm in Bayreuth intensiv widmen können. Also hinfahren, vor Ort recherchieren usw.usf. – was auch Geld kostet, welches die Blogger nicht haben. In kollaborativer Arbeit, als Projekt ,,BaySumpf“ ähnlich ,,GuttenPlag“, könnte es aber klappen.

  70. @gelegentlich: nein, 2006 sagt...
    @gelegentlich: nein, 2006 sagt mir nichts (mehr). – Bin mit Ihrer Empörung ja durchaus einverstanden (eine Bertelsmann-Aversion schleppe ich eh seit meinem 16. Lebensjahr mit mir herum), nur: faute de mieux. Man wird halt mal das Sollen und die Grenzen einer Basisgesundheitsversorgung definieren müssen. Und die höhere Metzgerkunst, ob Transplantation oder Facelifting, einschränken.

  71. Wurde nicht 2006 Guttis...
    Wurde nicht 2006 Guttis Promotion zugelassen? Laut zeit.de war aber zu der Zeit ein Karl-Georg Loritz Dekan. Wie auch immer, es bleibt auch so unappetitlich genug.

Kommentare sind deaktiviert.