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Brauchen Daten Liebe?

| 30 Lesermeinungen

Netzaktivisten fordern freie Fahrt für sämtliche Daten, die schon im Netz kursieren. Als ob alles, was „drin" ist, damit schon hinreichend geadelt wäre, um es auch unter allen Umständen drin zu belassen.

Ich muss gestehen, dass mich das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Post-Privacy seit meinem letzten Beitrag dazu immer noch umtreibt. Neben den üblichen Verdächtigen haben sich in der Zwischenzeit neue Zirkel formiert, deren Inhalte ein Spektrum von Datenschutzkritik bis hin zu wenig reflektierter Offenheits-Euphorie abdecken. Und in diesem Zusammenhang bin ich auch auf einen Topos aufmerksam geworden, der mit der Frage nach der Schutzwürdigkeit personenbezogener Daten streng genommen nicht unmittelbar zu tun hat, sondern mehr auf einer technisch-wertneutralen Meta-Ebene operiert. Die Rede ist von datalove, zu deutsch Datenliebe. Und deren zentraler Forderungskatalog lautet wie folgt (Übersetzung des Verfassers):

Data is essential (Daten sind essenziell)
Data must flow (Daten müssen fließen)
Data must be used (Daten müssen verwendet werden)
Data is neither good nor bad (Daten sind weder gut noch schlecht)
There is no illegal data (Es gibt keine illegalen Daten)
Data is free (Daten sind frei)
Data can not be owned (Daten können kein Eigentum sein)
No man, machine or system shall interrupt the flow of data (Kein Mensch, keine Maschine oder kein System soll das Fließen von Daten unterbrechen)
Locking data is a crime against datanity (Daten sperren oder wegschließen ist ein Verbrechen gegen die Datenheit)

Bild zu: Brauchen Daten Liebe?
Gut möglich, dass meine Stegreif-Übersetzung bestimmte Feinheiten des Originals unterschlägt, ich hoffe dennoch, den Spirit dieses Manifestes einigermaßen wiedergegeben zu haben. Und bitte, fragen Sie nicht mich, was denn bitteschön eine Datenheit sein soll. Ich habe nur versucht, den englischen Originalbegriff (den es nach meinem Kenntnisstand im offiziellen Sprachgebrauch nicht gibt) in mein geliebtes Deutsch zu übertragen. Und ein wenig komme ich mir dabei vor wie Doktor Faust, der bei seiner Übersetzung des Neuen Testaments schon beim ersten Satz auf enorme Schwierigkeiten stößt beim Versuch, für den Begriff „logos” im Deutschen eine Entsprechung zu finden. So ähnlich wie Goethes Dramenheld geht es mir übrigens mit diesen ganzen Prinzipien der Datenliebe: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, dass das die Antwort auf alle netzpolitischen Fragen sein kann.

Zumindest legen die Urheber der Daten-Liebeserklärung Wert auf die Feststellung, dass es ihnen nicht um die Einführung von Daten-Kommunismus oder die Abschaffung der Privatsphäre zu tun sei. Es gehe dabei auch nicht um Informationen oder Kontexte – sondern nur um den ungestörten Fluss der Daten, die in das Internet eingespeist werden: Sobald Daten jeglicher Art ins Internet eingespeist sind, müssen sie auch entsprechend gleichbehandelt werden. Daten, die als privat betrachtet werden, sollten erst gar nicht im Internet landen. Somit müssten Krankenakten oder andere persönliche Datensätze keineswegs ins Internet gestellt werden für mehr gesamtgesellschaftliche Transparenz. Diesen Schuh der Post-Privatisten zieht sich Stefan Urbacher, einer der Mitverfasser des Datalove-Manifestes, nicht an. Er und seine Mitstreiter bei der Aktivistenvereinigung Telecomix plädieren im Zweifelsfall eher für „Verschlüsseln, wo es nur geht”.

Bild zu: Brauchen Daten Liebe?

Aber auch mit dieser Einschränkung bleibt das ganze Thema revolutionär genug, wenn zum Zwecke der freien Datenliebe mal eben Urheberrechte, geistiges Eigentum und alle anderen realen und denkbaren Obstruktionen eines freien Datenverkehrs als unbedingt zu überwindende Hindernisse deklariert werden. Natürlich ist man dabei nicht so unsensibel und taktisch unklug, explizite Freifahrtscheine auch für kinderpornographische und sonstwie strafrechtlich relevante Inhalte im Netz zu fordern. Aber letztlich läuft es eben doch darauf hinaus, das alles billigend in Kauf zu nehmen, wenn das Belieben des einzelnen Anwenders alleinige Instanz sein soll. Und spätestens da kommen wir an den Punkt, an dem ich meine Schwierigkeiten mit diesem Konzept der Datenliebe habe. Demnach gäbe es zur Auswahl nur alles oder nichts: Entweder wir lassen alle Arten von Daten ungefiltert wandern wohin sie wollen – oder aber wir schränken den Transport bestimmter Arten von Daten ein, und das führt dann jedenfalls nach Ansicht der Datenliebe-Propagandisten „unausweichlich dazu, dass der Fluss aller Daten gehemmt wird”. Deswegen müsse man allen Politikern entgegentreten, die mit dem Hinweis auf Kinderpornographie oder „Hate Speech”-Inhalten versuchten, andere in ihren kommunikativen Möglichkeiten zu beschränken.

Nun neige ich gewiss nicht dazu, Politikern bei ihren Versuchen der Netzregulierung hochfliegende Motive zu glauben, wenn ich auch niedrige finde. Natürlich gibt es keine Gewähr, dass es dauerhaft beim Sperren oder Löschen von Kinderpornographie bliebe, wenn das Instrumentarium für Netzeingriffe erst mal verfügbar und erprobt ist. Auch halte ich Netzsperren, digitale Radiergummis oder digitale Rechte-Managementsysteme für ein aussichtsloses Rumdoktern an Symptomen. Ich sage aber auch ganz offen: Das Recht, ungehindert kinderpornographische Inhalte, Nazi-Propaganda und Islamisten-Terroraufrufe (um nur mal die gängigsten Horror-Klischees zu bemühen) übers Internet verbreiten zu dürfen, ist nicht unbedingt ein Anliegen, für das ich auf die Straße gehen würde. Mit dem Ratschlag, ist halt so, lernt damit zu leben und es zu lieben, dass im Netz auch jede Menge Dreck mitschwimmt, macht man es sich ein bisschen zu einfach. In diesem Kontext kann man If data of any kind is exposed to the internet, it has to be treated equally from then on. If some data is meant to be private, it should not reach the internet in the first place auch so verstehen: Natürlich haben kleine Kinder in Brunnen nichts verloren. Aber wenn sie reingefallen sind, dann sind sie nun mal Teil des Brunnens. Und die erhabenen Grundsätze der Brunnenheit verbieten uns Eingriffe in die Integrität von Brunnenanlagen. Lassen wir sie also drin.

Bild zu: Brauchen Daten Liebe?

Liefe also die konsequente Umsetzung dieser Datenliebe-Postulate letzten Endes nicht darauf hinaus, das Internet mit seinem Datenbestand zu einer Art heiligen Kuh zu erklären und deren Integrität höher zu achten als diverse menschliche und allzumenschliche Belange sowie rechtsstaatliche Prinzipien? Oder liegt der Knackpunkt lediglich in meinem begrenzten Verständnis dieses sublimen Konzeptes der Datenliebe und wie es für Friede auf Erden sorgen könnte, wenn alle nur dran glauben und nicht in den freien Fluss der Datenströme eingreifen? Zumindest in einem Punkt gibt sich Stefan Urbach gegen Ende seines Versuchs, Datenliebe von Post-Privacy abzugrenzen, keinen großen Illusionen hin: “Vermutlich wirft dieser Text wieder mehr Fragen auf als er Antworten gibt.” Da möchte man nicht widersprechen – und womöglich wird auch mein Beitrag dazu dieses Schicksal teilen.

 

 

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30 Lesermeinungen

  1. Brauchen Daten Liebe? Im...
    Brauchen Daten Liebe? Im Prinzip gilt auch hier die Leitlinie nach Radio Eriwan (ehem. UdSSR): Nein. Jedoch: Alles obig Geschriebene des sehr verehrten Blogautors verbleibt ohne Widerspruch in den Weiten und Tiefen des IN. Dagegen mein Bedarf an Daten ist ungestillt, somit sind Daten durchaus geliebt.

  2. Datalove? Ich vrstehe dieses...
    Datalove? Ich vrstehe dieses ganze Getue nicht. Daten sind doch keine Erfindung oder Entdeckung des IT-Zeitalters. Solnge Menschen ein Gedächtnis haben und dort gespeicherte Erinnerungen über Sprache an ihre Mitmenschen weitergeben können, gibt es einen Datenaustausch. Dank Höhlenwänden, Sandsteintafeln, Papyrus, etc. haben Menschen die Möglicheiten zur Datenspeicherung und -weitergabe immer weiter verbessert und vergrößert. Mit dem Internet gibt es nun ein Netz, in das jeder Daten werfen kann und nicht immer genau weiß, wer sie nutzt. Die daten aus dem Netz wieder zu entfernen,ist auch ein Problem. Weshalb aber die Daten nur wegen dieser Form der Speicherung nun ein Eigenleben entwickeln sollen, ist mir unbegreiflich. Das recht an diesen Daten muss doch stets das gleiche sein, unabhängig davon, wie und wo sie gespeichert sind. Eine Verwendung, die z.B. einer Zeitung verboten ist, muss auch jedem Internetanwender verboten sein. Daten können nicht frei und herrenlos werden, nur weil sie über das Internet transportiert werden.

  3. Meines Erachtens nach liegt...
    Meines Erachtens nach liegt das Problem in der Vernetztung der Daten. Ein privater Post macht noch keinen gläsernen Menschen. Erst die Vernetzung dessen, was wir an Daten auch unbewußt herausgeben, sei es in Sozialen Netzwerken, in Suchmaschinen, Browsern, Kreditkarten etc. macht die “Sache” nebulös. Ich erfahre nichts davon und den Nutzen haben grundsätzlich andere. Datenliebe ist auf dem Papier eine lohnenswerte Diskussion, die von der Realität schon eingeholt ist. Von Freiheit wage ich da nicht zu sprechen, denn frei im engeren Sinne bin dann nur, wenn ich versuche keine Daten ins Netz zu speisen.

  4. @elbsegler: Genau da liegt...
    @elbsegler: Genau da liegt mein Problem. Wenn die Belange des Internets über allen anderen Interessen stehen sollen, dann wird die Nerd-Ideologie allmählich protoreligiös (dass die Diktion dieser Datenliebe-Prinzipien an die 10 Gebote oder ähnliches erinnert, passt da gut ins Bild).
    Aber fairerweise muss ich auch anmerken, dass ich mit anderen Anliegen dieser Telecomix-Typen durchaus sympathisiere. Es waren, wenn ich das richtig verstanden habe, unter anderem diese Leute, die während der Internet-Blockade des Mubarak-Regimes Einwahlknoten und dergleichen mehr eingerichtet haben, um Ägyptern trotz abgeschalteter Netzknoten alternativen Zugang zum Netz zu ermöglichen. Zudem ist man anscheinend nicht so naiv, die Verheißungen der Post-Privatisten für bare Münze zu nehmen, es müssten sich alle nur genug nackig machen und dann würde alles gut.
    .
    @datenklau: Ich bin gewissermaßen Stammhörer von Radio Eriwan. ;-)

  5. @RaoulLuebeck: "Ich erfahre...
    @RaoulLuebeck: “Ich erfahre nichts davon, und den Nutzen haben grundsätzlich andere.” Tja, sagen Sie das mal den vermeintlichen Vordenkern einer neuen Ethik, die dem radikalen Recht des (wie auch immer gedachten) Anderen grundsätzlich Vorrang einräumt – und das Zurückhalten von Daten als Egoismus und Asozialität brandmarkt. Da ist spätestens der Punkt erreicht, wo ich zum Anti-Dotcommunisten werde.

  6. Man muss sich immer die Frage...
    Man muss sich immer die Frage stellen, als was der zitierte das Netz sieht. Nicht wenige Studien haben sich bereits damit auseinander gesetzt, ob man sich nicht per Internet bzw. Cyberspace nicht per quasi Vernetzung der gedankenflüsse auf dem weg der nächsten evolutionsstufe befindet.
    Unter diesem aspekt muss man sich die Frage stellen, inwieweit es sinnvoll ist ungewollten Inhalt aus dieser Menge zu entfernen. Das Internet besitzt heute weit mehr charakterbildende Tendenzen als früher, da es so exzessiv genutzt wird.
    Aber die Welt ist nunmal nicht immer schön und zu einem freidenkenden Menschen gehört eben auch das wissen um die Dinge, die wir alle gern löschen würden.

  7. „Verschlüsseln, wo es nur...
    „Verschlüsseln, wo es nur geht”.
    ?
    Wenn die Daten verschlüsselt sind, sind sie ja nicht mehr “free” und auch das “must be used” ist da doch plötzlich nicht mehr gegeben, ganz abgesehen von dem Gebot: “Locking data is a crime” …aber Verschlüsselung ist doch “locking”?
    Nix selbst machen, erzeugen: keine guten Texte, Musik, Fotos, Bilder, aber all das von anderen nutzen wollen, natürlich umsonst. Wegen der pösen pösen “Contentmafia” wie die das ja wohl nennen.
    Das ganze ist einfach nur doof. Oder will’s nur lustich sein? palim, palim…
    Übersetzt man Telecomix womöglich mit Telekomisch?
    Und was hat “Love” mit all dem zu tun? doch nix.
    Wie alt (oder besser: jung) sind die Leutchen, die dahinter stehen?
    .
    Sollte man solch’ unreifen Unsinn nicht besser gnädig übersehen?

  8. "... dass ich mit anderen...
    “… dass ich mit anderen Anliegen dieser Telecomix-Typen durchaus sympathisiere. Es waren, wenn ich das richtig verstanden habe, unter anderem diese Leute, die während der Internet-Blockade des Mubarak-Regimes Einwahlknoten und dergleichen mehr eingerichtet haben, um Ägyptern trotz abgeschalteter Netzknoten alternativen Zugang zum Netz zu ermöglichen. ”
    In einer Diktatur machen die mordenden Herrschenden AUCH Dinge, die man gutheißen kann. Deshalb ist die Diktatur aber nicht per se entschuldigt. (Eine blonde ex-TV-Dame ist doch schon prominent an solch’ Relativierung gescheitert).

  9. @SpecialK: Die Frage mit der...
    @SpecialK: Die Frage mit der nächsten Evolutionstufe kann man durchaus stellen (wenn man sie nicht unbedingt rein genetisch-biologisch, sondern eher phänomenologisch versteht). Ich neige diesbezüglich auch nicht sonderlich zum Kulturpessimismus, und Ausblenden-Lernen wird als Kulturtechnik mit Sicherheit immer wichtiger.
    .
    @jeeves: Das war doch klar gesagt, dass Daten, die jemand als privat erachtet, erst gar nicht ins Internet gestellt werden sollten. Von daher kann ich da keinen grundlegenden Widerspruch zum Prinzip Datenliebe erkennen, wenn die Aktivisten ihren Mailverkehr und dergleichen verschlüsseln. Der Gedanke ist eher, was öffentlich im Netz ist, habe auch öffentlich zu bleiben.
    .
    Die totale Absage an Urheberrechte und dergleichen wäre noch mal ein Thema für sich, aber nachdem dieser Themenkomplex bis zum Erbrechen auch schon im Zusammenhang mit Tauschbörsen, Piratenpartei-Programm-Debatten und der sogenannten Kostenlos-Kultur des Internets rauf und runter diskutiert wurde, wollte ich das hier nicht so prominent abfeiern. Aber es ist natürlich Ihr gutes Recht, den Finger zu erheben (zumal es ja auch Ihr Business direkt betrifft).

  10. @MSdN
    Diese pseudoreligöse...

    @MSdN
    Diese pseudoreligöse Verklärung des offenen Internets ist nichts als undiffernzertes Geschwafel. Es kann doch wohl nicht im Ernst jemand glauben, jeder solle auf alles im Netz frei zugreifen können ohne Rücksicht auf Persönlichkeits- und Urheberrechte. Das ist Kinderei. Diese Mischung aus Kinderei, unüberschaubarer Technik und kalter Geschäftemacherei, ist allerdings eine gefährliche Entwicklung. Wenn man sieht, wie bedenkenlos durchaus intelligente Leute persönliche Informationen in sogenannte soziale Netzwerke stellen, kann einem nur noch schlecht werden. Schlimm wird es aber vor allem dann, wenn es Informationen über Dritte sind, die ins Netz gestellt werden, ohne dass die Betroffenen überhaupt davon erfahren. Da es auch technisch aufwendig ist, überhaupt festzustellen, von wem eine Information ins Netz gestellt wurde,helfen auch Verbote nur bedingt. Das andere Problem ist die Akkumulation von Daten zu einer Person. Selbst Banalitäten könne so in der Gesamtschau ein echtes Problem werden. Eine Lösung sehe ich als Laie nicht. Da kommen noch spannende Zeiten auf uns zu.

  11. @elbsegler: Wo wir gerade von...
    @elbsegler: Wo wir gerade von Pseudoreligion sprechen: Fundamentalistische Filesharer versuchen, ihr Tun als offizielle Religion anerkennen zu lassen:
    http://torrentfreak.com/file-sharers-await-official-recognition-of-new-religion-110410/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+Torrentfreak+%28Torrentfreak%29
    .
    Anonsten: Sicher klingt die ich-will-alles-und-zwar-sofort-Attitüde kindisch, aber man muss fairerweise auch sehen, dass Dinge wie Urheberrecht, Datenschutz und dergleichen nicht a priori in der dezentralen Struktur des Netzes angelegt sind, sondern erst mit einem teilweise enormen Aufwand implementiert oder anderweitig durchgesetzt werden müssen. Was die Leute in soziale Netzwerke reinstellen ist gar nicht so sehr meine Sorge, über die Akkumulation oder das Profiling und Targeting mache ich mir weit mehr Gedanken. Und über die Frage, ob sich ab einem gewissen Punkt sogar ein sozialer Druck dahingehend aufbaut, es mit der Selbstdarstellung im Netz immer weiter zu treiben, die Hosen immer weiter runterzulasen und nichts mehr dabei zu finden, ja, es eher verdächtig zu finden, wenn da jemand nicht mittun will. Der Druck auf Sie oder mich mag vernachlässigbar sein, aber was ist mit unseren Kindern, Neffen und Nichten? Und sind unsere Enkel vor lauter always on dann schon mehr Borg-Drohnen als Menschen? ;-)

  12. @MSdN
    Es ist sicher richtig,...

    @MSdN
    Es ist sicher richtig, dass Dinge wie Urheberrecht, Datenschutz und dergleichen nicht a priori in der dezentralen Struktur des Netzes angelegt sind. Aber weshalb das nach Meinung mancher Leute den Rückschluss zulassen soll, diese Dinge hätten für das Netz keine Bedeutung, verstehe ich nicht. Das Problem trifft auf jeden Dialog zu. Auch am Kneipentresen sind diese Dinge a priori nicht angelegt. Da fehlt einigen beteiligten wohl einfach das Unrechtsbewußtsein. Das wäre dann teilweise auch eine Erziehungssache, dafür zu sorgen.

  13. Ich heisse Stephan Urbachm...
    Ich heisse Stephan Urbachm nicht Stefan Urbacher, wie einmal oben geschrieben. Ansonsten: Danke für diesen Artikel. Jetzt weiß ich, warum mein Server in die Knie geht :D

  14. Ups. Urbachm? Sorry, ich werde...
    Ups. Urbachm? Sorry, ich werde es sofort ändern. ;-)

  15. @elbsegler: "Aber weshalb das...
    @elbsegler: “Aber weshalb das nach Meinung mancher Leute den Rückschluss zulassen soll, diese Dinge hätten für das Netz keine Bedeutung, verstehe ich nicht.”.
    Nun, da ist der Wunsch wohl Vater des Gedankens. Und ich bin skeptisch, ob Erziehung wirklich verhindern kann, dass sich das Rechtsempfinden in bestimmten Bereichen wandelt. Im 16. Jahrhundert stand Kaffeetrinken unter schwerer Strafe, in jüngerer Zeit haben wir die Abschaffung des Kuppelparagraphen und des berüchtigten § 175 begrüßt, und ich halte es in Rechtsfragen nicht mit der Auffassung eines ehemaligen NS-Marinerichters, der sagte, was damals Recht gewesen wäre, könne heute kein Unrecht sein.
    .
    Ich sehe so etwas wie einen Generationen- oder Grundkonflikt in der Frage, ob das Netz mehr den bestehenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden sollte oder ob das gewünschte Gesellschaftsmodell sich nicht vielmehr an der dezentralen und hierarchiefreieren Struktur des Netzes ausrichten sollte. Man mag letztere Vision vielleicht für naiv oder überzogen halten. Das war das vom Zimmermannsohn ausgesprochene Gebot der Feindesliebe oder die Vorstellung vom Kommunismus als Endzustand nach überstandenen Klassenkämpfen auch – was der Wirkmächtigkeit dieser Ideen aber nicht unbedingt Abbruch tat.

  16. pff...
    pff

  17. Urbachm, ist das georgisch...
    Urbachm, ist das georgisch oder so?
    @marco, der artikel hat mich zum ersten mal auf den gedanken gebracht, dass radikale maßnahmen gegen kinderpornographie etc. gerne auch als vorwand benutzt werden, freie kommunikation im internet zu unterbinden. das spricht nicht gerade für meine geistige wachheit, aber langsamkeit kann ja gerade heute auch von vorteil sein. man kann dadurch viele unnötige innovationsstufen überspringen.
    Im übrigen ist es immer besser, Fragen aufzuwerfen, als ständig Antworten zu liefern. Die richtigen Fragen zu stellen, ist eine große Kunst. Man versteht auch viele Antworten nicht, weil man die Fragen nicht kennt, und dann irrt man im Dunkeln umher und kann seine Ver-ant-wortung gar nicht richtig wahrnehmen!

  18. @Jordanus: Dann hat sich der...
    @Jordanus: Dann hat sich der Beitrag allein dafür (und um den Server der Datenliebhaber in die Knie zu zwingen ;-)) doch schon gelohnt. Ehrlich gesagt fragte ich mich zu Beginn der Netzsperren-Diskussion ja auch, ob die Unterstellung einer weitergehenden Agenda gegen missliebige Inhalte jedweder Art nicht ein bisschen paranoid ist. Aber wenn ich sehe, was da aktuell auf Länderebene wegen irgendwelcher Sportwetten (!) wieder für Überwachungs,- Sperr- und Blockadephantasien ventiliert werden, kommen mir die Weihnachtsplätzchen vom Vorjahr wieder hoch. Bisschen mehr Background dazu hat Thomas Knüwer:
    http://www.indiskretionehrensache.de/2011/04/sportwetten-und-der-kampf-um-das-internet/#more-6718

  19. Neulich hat in einer anderen...
    Neulich hat in einer anderen Diskussion jemand den ehemaligen Bundespräsidenten Heinemann zitiert. Wenn man das Zitat mal aus der Sicht des Datanismus umschreibt, hieße es wohl: “Ich liebe nicht mein Land sondern meine (und deine und überhaupt alle) Daten”. Irgendwie klingt das Ganze doch ziemlich lächerlich.
    Der geneigte Datanist mag zwar seine eigenen Daten verschlüsseln (auf den immananten Widerspruch wurde schon zuvor hingewiesen), aber das, was andere über ihn schreiben, darf er nach seiner eigenen Anschauung nicht beeinflussen. Und wenn ihn genügend Netnatives als Scientologen, Neonazi, Islamist oder was weiß ich was bezeichnen, dann ist er das dann für das Netz – egal, obs stimmt oder nicht.
    Ob es ihm dann immer noch so gut gefällt?

  20. Das Internet und damit die...
    Das Internet und damit die Freizügigkeit der Daten ist nicht aller Unding Quelle. Egal, ob das nun Urheberrechtsverletzungen oder Kinderpornografie betrifft. Durch den unkontrollierten Fluss der Daten werden die Auswirkungen fassbarer. Eine Kontrolle des Internets ist für die Behebung von Misständen unzwecksmässig. Lediglich die Ausmaße können kontrolliert werden. Die […konsequente Umsetzung dieser Datenliebe-Postulate…] würde zu einer weiteren Monopolisierung und gleichenfalls die an sich, fehlerbehaftete und unzureichende, non-apriori Festlegung und Idealisierung der Menschenrechte deutlich werden lassen. Die werbung zielt durch die Verwendung tiefenpsychologischer Mechanismen gegen die freie Handlungsfreihiet und darauf folgend die menschliche Würde ab. Stört das die Mehrheit? Nein. Ganz im Gegenteil. Es ist praktisch. Das Ende des Ganzen – auch wenn absichtlich überzeichnet – entspricht dem Bild, welches der englische Schriftsteller H. G. Wells von der Zukunft der Menschen hatte.

  21. @Don Aldduck: Wie gesagt, so...
    @Don Aldduck: Wie gesagt, so groß ist der immanente Widerspruch nicht, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass die datalovers die Existenz und Schutzwürdigkeit personenbezogener Daten nicht in Abrede stellen. Aber der Heinemann-Spruch lag mir auch auf der Zunge, wenn auch mehr so in dem Sinne: Ich liebe keine Daten, ich liebe nur meine Frau (und meine Tochter).
    .
    @MDSchmidt: Welches Ende meinen Sie – die Aufspaltung der Menschheit in Morlocks und Eloys? Ansonsten haben Sie natürlich recht, dass das Internet mit seinem freien Datenverkehr nicht die Quelle allen Übels ist, sondern lediglich die Auswirkungen fassbarer macht. Ansonsten sehe ich nicht unbedingt, dass die Datenliebe unbedingt auf die Menschrechte einzahlt, ich sehe da eher eine Tendenz, die Integrität des Datenraums höher wertzuschätzen als die kleinlichen Belange dieser komischen Kohlenstoffwesen. Wobei ich natürlich auch der Auffassung bin, dass die Politik nicht verpflichtet ist, überall dort rumzukratzen, wo das Internet irgendjemanden juckt. Wie schrieb damals das Verfassungsgericht sinngemäß in der Begründung zum sogenannten Bennetton-Urteil: “Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtpositionen einschränken darf.”

  22. Natürlich brauchen Daten...
    Natürlich brauchen Daten Liebe….. und Fürsorge!!
    Im Netz allein gelassene Daten sind nicht geliebt.
    Eine Notiz am globalen schwarzen Brett ist meine Sache, ich habe sie angepinnt.
    Mißbrauch (oder erstmal harmloser: Andersnutzung) nehme ich damit in Kauf.
    Solange ich nicht gezwungen werde (auch Gruppendruck wie bei FB etc. zähle ich dazu), kann ich damit leben.

  23. @MSdN: Nach Ihrer Aussage...
    @MSdN: Nach Ihrer Aussage bzgl. des in den Brunnen gefallenen Kindes finde ich Ihre Antwort auf meinen Beitrag schon ttwas überraschend. Der Schutz personenbezogener Daten gilt bei den Datanisten doch offenbar nur solange, wie die Daten noch nicht im Netz sind – sind sie einmal drin, sollen sie gerade nicht mehr geschützt sein. Und zwar – und das ist das Bedenkliche daran – unabhängig davon, wer sie ins Netz gestellt hat. Damit wird die Schutzwürdigkeit dann aber völlig ausgehöhlt, somit zum reinen Lippenbekenntnis.

  24. Das alte Motto des Chaos...
    Das alte Motto des Chaos Computer Clubs heißt: Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

  25. Daten sind, auch wenn sie...
    Daten sind, auch wenn sie verschlüsselt oder unsinnig oder zufällig sind, weiterhin Daten. Daten kann man auch nicht ansehen, ob sie nützlich oder unnütz sind – das werden sie erst in einem gegebenen Kontext. Wenn wir über das Internet telefonieren, dann wandern auch Daten und kaum jemand möchte jetzt den Zusammenhang zwischen ISDN, DSL, TV, Handy, Skype usw. nur deswegen in Frage stellen, weil es Daten sind, die da durch die Leitungen oder den Äther fließen. Und klar, es müssen auch nicht Bits und Bytes sein, auch analoge Daten (Welcher Haushalt verbraucht um 2 Uhr nachts mehr Strom als andere) können genauso wie die Symbole vor rund 2000 Jahren auf Blechtafeln Daten sein. Pheromone sind auch Daten, meist sogar substanzielle.
    Daten sind nie privat, denn auch Selbstgespräche mit Daten sind kommunikative Akte. Insofern hat Zuckerberg schon recht, dass wir uns ein wenig anstellen, wenn wir uns so anstellen. Eigentlich sind wir nackt geboren und es bleibt auch nicht viel von uns übrig, wenn wir die Welt wieder verlassen. Der Bohai, der um den Schutz von Daten gemacht wird, hat doch meist nur etwas damit zu tun, dass wir uns entweder nicht die Spielregeln halten wollen oder befürchten, dass andere es nicht tun. Also wäre es doch eher an der Zeit, sich die Spielregel unseres Menschseins vorzunehmen.

  26. @Don Aldduck: Ich hätte...
    @Don Aldduck: Ich hätte besser geschrieben: “so groß ist der immanente Widerspruch formal betrachtet nicht…”, das war jedenfalls gemeint. Vom Ergebnis her gesehen haben Sie natürlich völlig recht.
    .
    @Isidorus: Tja, klingt im Prinzip immer noch völlig plausibel, aber wenn sich die alten Trennlinien zwischen öffentlich und privat verschieben und überdies analoge Sachverhalte für die digitale Sphäre nachverhandelt werden müssen, bleiben uns Diskussionen nicht völlig erspart. Hat man ja bei Google Street View gesehen, dass für die “gefühlte Öffentlichkeit” bei vielen doch einen Riesenunterschied macht, ob zufällig Vorbeikommende sehen, was da halt zu sehen ist oder ob es prinzipiell für die ganze Welt sichtbar im Netz steht.

  27. @itari: Ausgerechnet von...
    @itari: Ausgerechnet von Zuckerberg, dessen Geschäftsmodell sehr stark auf der Anstachelung und Kapitalisierung eines gewissen Exhibitionismus der FB-Nutzer beruht, muss ich mir nicht sagen lassen, ich solle mich nicht so haben. Was ich als Gegenleistung für den Striptease kriege, sind allenfalls Glasperlen, während mit den aggregierten Strip-Einlagen der Nutzer (da könnte man genauso gut auch Payback nennen) unglaubliche Gewinne erzielt werden. Die Diskussion über die Spielregeln ist doch längst in vollem Gange, aber man muss weder Marxist noch Paranoiker sein, um zu sehen, das die Spielregeln nicht Sie und mich begünstigen, sondern die Zuckerbergs, Paybacks, Googles und wie die Datenkraken alle heißen mögen.
    .
    Und wie im vorigen Kommentar schon angerissen, mit dem Begriff “privat” als Diskussionssgrundlage kommen wir auf Dauer nicht so recht weiter. Die PIN-Nummer meiner EC-Karte “gehört” mir nicht privat, aber dass ich sie dem Geldautomaten mitsamt seiner Datenverbindung anvertraue, sollte sie nicht unbedingt öffentlich machen. Und was heißt das in diesem Zusammenhang, dass wir nackt geboren werden und nackt sterben – dass wir uns in der Zwischenzeit ämtliche Textilien auch sparen könnten?

  28. Eigentlich haben Datenklau...
    Eigentlich haben Datenklau (!), die Stimme aus dem OFF und Radio Eriwan dem Thema ‘Daten und Liebe’ schon den Garaus gemacht.
    Seine privaten Daten – geliebt oder nicht – moechte keiner mit dem Staatsschutz teilen (Rechtsgrundlage ?).
    Andererseits moechte man neben den suendhaft teuren Federhaltern (100.000 EUR ?) fuer Abgeordnete auch schon gern folgende Daten einsehen:
    “Die Bundesländer haben reagiert. So gibt es eine *interne* Internet-Plattform des Bundes und der Länder, um Untersuchungs- und Messergebnisse zu sammeln und diese zügig auszuwerten. Auch Erkenntnisse aus den Forschungseinrichtungen fließen hier ein. „Das System ist einsatzbereit, aber noch sind uns keine Auffälligkeiten gemeldet worden“, erklärte der Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Helmut Tschiersky-Schöneburg.
    Ob Auffaelligkeiten auffaellig sind oder nicht, moechten wir schon gern selbst beurteilen, oder ?
    Besonders nach dem Eiertanz mit Herauf- und Herabsetzung der Grenzwerte !

  29. @Isidorus, "Das alte Motto...
    @Isidorus, “Das alte Motto des Chaos Computer Clubs heißt: Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen” offenbart doch bereits das Dilemma. Wenn meine privaten Daten, möglicherweise gegen meinen Willen, den Weg ins Netz finden, dann sind sie in diesem Moment öffentlich. Und dann sollen sie das auch bleiben dürfen-sollen-müssen?
    Einmal drin, immer drin? Stellt beispielsweise irgendeine Mitarbeiterin einer Anwaltskanzlei oder Staatsanwaltschaft, eines Gerichts oder einer Polizeistation eine komplette Ermittlungsakte über jemanden ins Netz, dann waren diese Daten bis dahin privat. Sie hätten auch nicht öffentlich werden sollen und dürfen. Sie sind es aber nun. Was tun mit ihnen?
    Sie lieben?

  30. @anderl: Genau das meinte ich...
    @anderl: Genau das meinte ich mit dem Kind und dem Brunnen.
    .
    @kroesus2: “open government” geht irgendwie anders, das ist leider nur zu wahr.

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