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Über Gott und die WWWelt

Wer bin ich und wie viele?

| 58 Lesermeinungen

Soziale Netzwerke wie Facebook und Google+ fordern Klarnamen von ihren Benutzern. Aber was ist mit unseren pseudonymen Netzidentitäten, die längst ihr digitales Eigenleben entwickelt haben? Warum müssen die draußen bleiben?

Soziale Netzwerke wie Facebook und Google+ fordern Klarnamen von ihren Benutzern. Aber was ist mit unseren pseudonymen Netzidentitäten, die längst ihr digitales Eigenleben entwickelt haben? Warum müssen die draußen bleiben?

Ein Klassiker des Netzdiskurses erlebt gerade mal wieder ein Revival: die Klarnamendebatte. Auf der einen Seite die Klarnamensverfechter, die davon träumen, das Netz wäre ein liebenswerterer Ort mit besseren Umgangsformen, wenn wir alle nur noch mit unserem bürgerlichen Namen im Netz auftreten würden: Lässt nicht die Möglichkeit, ohne Namensnennung rumpöbeln zu dürfen, bei vielen die Sau erst so richtig vom Pflock? Nein, argumentiert die Gegenseite, oder wenn doch, dann gilt es das (zumindest im Rahmen der bestehenden Gesetze) auszuhalten, schließlich gehe es auch um die Freiheit, unbequeme Dinge sagen zu dürfen ohne deswegen persönliche Nachteile und Sanktionen zu erleiden.

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Aktueller Aufhänger der Debatte ist die Sperrung von diversen pseudonymen Profilen in Googles neuem Netzwerk Google plus. In Einzelfällen sind Profile nach eingehender Prüfung auch wieder freigeschaltet worden. Aber so richtig einsichtig ist es im derzeitigen Stadium nicht, nach welchen Kriterien Google dabei vorgeht. Im viel beachteten Fall des Software-Entwicklers Enno Park war es so, dass er sich zunächst unter seinem richtigen Namen ein Profil angelegt hatte, dann den Namen änderte in „Die Ennomane“ (unter diesem Namen bloggt und twittert er auch). Jemand meldete Google das Profil mit dem Hinweis auf den Verstoß gegen die Richtlinien, woraufhin es gesperrt wurde. Enno Park nahm Kontakt mit Google auf und legte den Sachverhalt dar, erst wurde sein Google-Konto wieder entsperrt und 20 Stunden später auch sein Google-Plus-Profil.

In den Community-Richtlinien von Google plus heißt es zur Namensfrage: „Verwenden Sie den Namen, mit dem Sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden. Dies dient der Bekämpfung von Spam und beugt gefälschten Profilen vor.“ Statt Michael Sebastian Müller ginge beispielsweise auch Michi Müller oder Bastian Müller. Das ist schon etwas mehr Entgegenkommen als bei Facebook. Aber dass sich Google weder beim Abklemmen noch beim Wiederaufschalten der Ennomane zu Erklärungen hinreißen ließ, macht die Sachlage irgendwie kafkaesk. Der Nutzer Tobias Wimbauer wurde trotz korrekten Klarnamens geblockt und versteht auch nach dem Entsperren (und holpriger Antwortmail von Google) die Welt nicht mehr.

Was präjudizieren diese Fälle denn nun für die eigene digitale Lebenspraxis? Nachdem ich keinerlei Anstrengungen unternommen habe, all meinen Freunden, Kollegen und Familienangehörigen rechtzeitig beizubringen, mich Mark Siebenneundrei oder Marco Settembrini di Novetre zu nennen, führte für mich kein Weg an der Einsicht vorbei, dass ein entsprechender Nutzername wohl nicht im Sinne der Richtlinien von Google plus ist – und deswegen habe ich das Profil von Mark Siebenneundrei (das ich zunächst unter meinem Klarnamenkonto angelegt habe) vorsorglich gelöscht vor einigen Tagen. Nicht, dass ich auf mein gmail-Postfach vital angewiesen wäre, andere personalisierte Dienste von Tante Gu nehme ich auch nicht in Anspruch. Aber die Vorstellung, wie ein bußfertiger Bittsteller um die Entsperrung meines Postfachs betteln zu müssen, ist mir doch einigermaßen zuwider. Überdies habe ich auch 47 Jahre lang gut ohne Google plus gelebt. Ich kann also getrost abwarten, bis sich Google zu einer nutzerfreundlicheren Identitätspolitik aufrafft.

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Andere sind da deutlich ungeduldiger. In die erste Begeisterung vieler Early Adopter über das vermeintlich bessere Facebook aus dem Hause Google mischt sich jetzt zunehmend Kritik an der Namenspolitik des Suchmaschinenriesen. Christian Heller hat aus Protest seinen zunächst korrekten Profilnamen in seinen Netz-Namen plomlompom geändert und fordert andere Nutzer auf, es ihm gleichzutun, um Druck auf Google aufzubauen. Dabei geht es ihm als bekennendem Postprivatisten gar nicht um Anonymität aus Datenschutzgründen: „Ich habe die Schnauze voll von der Gutsherrenart, mit der Google bestimmt, wie wir uns hier nennen dürfen oder nicht. Fleißig werden Nutzer suspendiert, weil sie es wagen, sich einen anderen Namen zu geben als einen bürgerlich klingenden. Anale Fixiertheit auf „Realnamen“, also auf die Unfälle in unseren Personalausweisen, dieses Verweisen auf staatliche Identitäts-Zertifikate, das war schon das außerordentlich Obrigkeitshörige, was mir im de-Usenet auf die Eier ging. Unsere Sozialräume im Netz sollten mehr sein als nur Erfüllungsgehilfen staatlicher Ordnung, und dasselbe gilt für die Namenswahl.“

Wie viele Nutzer sich der Aktion bisher angeschlossen haben, ist nicht bekannt. Dass der Druck ausreicht, um Google zu einer freizügigeren und dem Netz gemäßeren Namenspolitik zu bewegen, darf indes bezweifelt werden. Auch wenn einzelne pseudonyme Profile wieder freigeschaltet oder erst gar nicht geblockt werden, hält Google an dem erklärten Ziel fest, einen Begegnungsort zu schaffen, an dem „sich reale Menschen mit anderen realen Menschen verbinden können“. Dabei muss man kein Poststrukturalist oder ähnliches sein, um diesen Realitätsbegriff für einigermaßen wacklig oder zumindest konstruiert und willkürlich zu halten. Ich habe als mark793 ganz real in einem Frankfurter Café mit anderen Bloggern vor zahlendem Publikum Geschichten gelesen. Und wenn ich als Marco Settembrini real genug bin, um im Online-Angebot dieser altehrwürdigen Zeitung zu publizieren, dann reicht es doch, wenn die Buchhaltung meinen Realnamen und die Bankverbindung hat. Google ist weder meine Hausbank noch mein Vermieter noch ein Auftraggeber, also wo genau liegt jetzt das Realitätsdefizit meiner pseudonymen Existenz? Was ist mit all den vielen Leuten, die im Netz unter ihren Nicknames viel bekannter sind als unter ihrem Realnamen, warum sollten ausgerechnet diese Leute bei Google plus außen vor bleiben?

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Ich glaube ja nicht unbedingt an hochfliegende Motive für eine Handlungsweise, wenn ich auch niedrigere finde. Also stellt sich die Frage, was uns Google mit seinem neuen Netzwerk eigentlich verkaufen will, auf dass wir unsere Klarnamen als Gegenleistung rausrücken. Olaf Kolbrück, Blogger in Diensten des Werbefachblatts „Horizont“, sieht die Cloud als die große Leitidee dahinter . Und den Kampf darum, wer die bequemere Brücke in diese neue digitale Landschaft baut, in der jeder Nutzer jederzeit von jedem Endgerät aus auf seine Daten zugreifen kann. Wer wie er, der Kollege Kolbrück, schon so ein bisschen zum Plus-Mensch geworden sei, verliere die Hemmschwelle, auch das bisher kaum genutzte gmail-Postfach intensiver zu verwenden, eventuell den Google-Browser Chrome zu instalieren, damit die Features von Google plus noch besser funktionieren. Der Google-Reader sei eh schon sein favorisiertes Feedmagazin. So fügt sich eins zum anderen, und da ist vom Smartphone und dem Android-Betriebssytem noch gar nicht gesprochen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Namensfrage dann schon fast wie ein Nebenschauplatz, wo um Symbolik gekämpft wird. Als voll entwickelter Plus-Mensch mit allen Google-Features steckt man womöglich schon so weit drin im Borgwürfel, dass man es vielleicht auch dereinst hinnimmt, wenn Google einem für die Cloud einen neuen Benutzernamen zuteilt wie zum Beispiel Siebenvonneun. Mich darf man, das möchte ich hier schon mal vorsorglich anmelden, dann übrigens gerne zwölfvonelf nennen, falls das mit der 793 irgendwie zu sperrig sein sollte.

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  1. Da mich die google-spezifische...
    Da mich die google-spezifische Debatte weniger interessiert, hier nur ein paar Anmerkungen zur Klarnamendebatte:
    1) Es ist evident im Sinne von praktisch erwiesen, dass Debatten unter Klarnamen um Grössenordnungen ziviler geführt werden, als solche unter lauter Pseudonymen. Wer das nicht glaubt, werfe einen kurzen Blick auf die politischen Diskussionsforen in XING und auf beliebig herausgegriffene Internetforen zu politischen Themen im Netz.
    2) In einer Demokratie haben Bürger Macht, und sei es auch nur die des Stimmzettels (nei, sie reicht faktisch natürlich viel weiter, aber dann ist Engagement gefragt). Zu macht gehört Verantwortung. Wer nicht einmal zu seiner Meinung stehen will, verweigert aktiv Verantwortungsübernahme schon im kleinsten Rahmen. Ich würde niemals jemanden wählen, von dem mir nur ein Pseudonym bekannt ist. Warum soll ich mit einem Pseudonym also politische Fragen diskutieren?
    3) Das einzige diskussionswürdige Anti-Klarnamen-Argument ist „mögliche berufliche Nachteile“. Ich habe das oft, sehr oft gehört. Leider fehlt mir bis heute auch nur EIN konkretes Beispiel aus Deutschland, geschweige denn die Masse, die für die Stichhaltigkeit dieses Argumentes notwendig wäre. Ich erlaube mir daher, es für frei erfunden zu halten.
    4) Ohne Klarnamenzwang wird das Netz niemals die politische Wirkung entfalten, die viele Leute immer wieder für die Zukunft prophezeien. Aus einem ganz einfachen Grunde – etwas verhärtete Gemüter wie ich nehmen Pseudonymlinge nicht ernst. Und etwas sensiblere werden sich gar nicht erst die Mühe machen, im Misthaufen pseudonymer Debattenforen die berühmte Stecknadel zu finden, die eine Diskussion lohnenswert macht. Also bleiben die Pseudonymlinge unter sich – das Ergebnis ist jedem Netzsurfer hinlänglich bekannt.
    5) Ein gangbarer Ausweg für den Erhalt von Pseudonymen wäre eine Anmeldung unter Ausweiszwang. Dann wäre der Klarmane wenigstens dem Forenbetreiber bekannt – und ich hätte eine reale Möglichkeit, pseudonyme Verleumder und Beleidiger bei Überschreiten bestimmter Grenzen gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist bezeichnend, dass Proponenten der Netzanonymität auch das vehement ablehnen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. Jo, Geschäftsmodell und...
    Jo, Geschäftsmodell und Geschäftspolitik und wie was verkauft werden kann muß man sich immer vor Augen halten. Ich finde Google als Suchmaschine ja nach wie vor recht exzellent, und das geht in hohem Maße auf ihre ursprüngliche Idee der Übernahme der traditionellen Trennung von Nachrichten (Suchergebnisse) und Anzeigen zurück. Dieses Geschäftsmodell sprudelt nach wie vor, und dadurch, daß sie in einigen Teilen der Welt ein Quasimonopol haben (z.B. D), ist das auch ein ziemlich ausfallsicheres Geschäft, von dem man annehmen kann, daß es auch noch in 10 Jahren ähnlich gut läuft. Mit ihren Weiterungen (Maps, was ich auch oft nutze, Streetview, Android und jetzt +) haben sie aber noch keine derart glückliche Hand bewiesen.

    Bei Maps und Streetview schlägt mit brachialer Gewalt die Aktualisierungsfalle zu. Ja, das ist ganz klasse, wenn ich z.B. auf Maps gucken kann, welche Geschäfte ich im Umkreis eines Bahnhofs, an dem ich voraussichtlich landen werde, zu erwarten habe. Kann ich manchmal wirklich brauchen, hat mir schon oft geholfen. Nur: das wird ganz schnell unbrauchbar, wenn die Geschäfte wechseln und keiner trägts ein. Die Vermüllungsgefahr ist da sehr groß. Und man toleriert in der Hinsicht nicht viel Müll – da läßt mans dann lieber gleich.

    „Cloud“ als Leitidee hinter + ist keine Erklärung (ein bißchen deutlicher: wer bei „Cloud“ Kuhaugen bekommt, hat „Client-Server“ einfach nicht begriffen). „Cloud“ ist weder eine Anwendung noch ein Geschäftsmodell, nur ein Stück Infrastruktur. Data Center und die nötigen Kraftwerke dazu stehen überall in der Welt rum, und damit hat es sich ausgewölkt. Ja, Google hat viele davon, und will natürlich u.a. auch resteverwertungsmäßig die Kapazitäten bestmöglich nutzen, und probiert entsprechend diverses aus. Aber nur weil ein Konzern auf die Idee kommt, wir könnten mal diese oder jene Anwendung starten – ist ja völlig in Ordnung, neue Geschäftsfelder zu erschließen – heißt das noch lange nicht, daß diese Anwendung auch wirklich praxistauglich ist und bei den Kunden ankommt.

    Daß bei + die Klarnamensdebatte wieder aufkommt, zeigt mE, daß es eben nicht wirklich praxistauglich ist, sowenig wie Facebook. Weil es auf eine infantile Selbstauslieferung an eine Totalität hinausläuft. Es ist eine Sache, seinem Telefonprovider die wichtigsten Rufnummern auf den Server zu schmeißen – man meint zumindest, daß man sich durch regelmäßiges Bezahlen ein gewisses Maß an Vertraulichkeit und Zuverlässigkeit sichert. Bei Facebook war das „Ätschbätsch, wir fragen euch nicht zur Veröffentlichung eurer Daten“ u.a. ja auch deswegen so leicht, weil sie für irgendeine Zuverlässigkeit gegenüber den Nutzern ja nicht bezahlt wurden, also auch keinerlei finanzielle Abhängigkeit bestand.

  3. @ThorHa: 1) bis 3) sind mir...
    @ThorHa: 1) bis 3) sind mir bei weitem zu einseitig für eine realistische Beschreibung z.B. meines Kommunikationsverhaltens und auch als Bausteine für einen anzustrebenden Sollzustand von Netzöffentlichkeit. Ja, das auch. Aber das ist bei weitem nicht alles und als Regulierungsgrundlage viel zu wenig. So in Richtung von 5) habe ich aber auch schon gedacht, also daß man eine Art Mittler haben müßte, dem die „reale Identität“ bekannt ist und der auch Sanktionsmöglichkeiten hat, aber gleichwohl „Netzrollen“ zuläßt. Mit den Kommentarfunktionen der Zeitungen wird das z.T. versucht auszuprobieren, allerdings recht halbherzig.

  4. @ThorHa: Danke für Ihre...
    @ThorHa: Danke für Ihre ernstzunehmenden Einlassungen: Ich fange gleich mal hinten bei Punkt 5 an: Mir ist kein Fall bekannt, wo ein ernsthafter Versuch, den Urheber justiziabler Äußerungen zur Rechenschaft zu ziehen, am fehlenden Klarnamen gescheitert wäre. Es mag nicht jedem ausreichend bewusst sein, aber de facto haben wir die Hosen längst auf Kniehöhe, dank der ganzen IPs und Logs und Surfhistorien undundund. Im Übrigen hätte ich – um mal gei google plus zu bleiben – kein Problem damit, wie auch bei gmx eine korrekte und ladungsfähige Anschrift zu hinterlassen, wenn das das Pseudonym-Problem von Tante Gu lösen würde.
    .
    Zu allen vorigen Punkten: Es steht jedem frei, ernst zu nehmen, was und wen er will. Und Politik, hach Gott, dazu wird auch am Stammtisch von real existierenden Menschen viel geblökt und eher wenige substanzielle Argumente ausgetauscht, also warum sollte da im Netz ein höheres Niveau herrschen als im echten Leben? Ich glaube die Verheißungen nicht, dass das Netz uns eine tollere politische Zukunft mit mehr Partizipation bringt, wir müssen womöglich eher aufpassen, dass es nicht irgendwann zum Überwachungs- und Unterdrückungsinstrument umgewidmet wird.
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    Und dafür, dass Sie Pseudonymlinge nicht sonderlich ernst nehmen, dikutieren Sie hier (wie auch bei Sophia Infinitesimalia und Don Alphonso) doch immer wieder recht engagiert mit. ;-))
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  5. Seit wann kann man sich bei...
    Seit wann kann man sich bei Facebook nur noch mit richtigem Namen anmelden? Ich selbst habe hunderte Freunde, die einfach nur „Rote Pille“, „Empört euch“ usw. heißen… Scheiss auf Google+!

  6. Wie wird das bei...
    Wie wird das bei Schauspielern? Musikern? Sonstigen Künstlern? Alle unter bürgerlichem Namen?

  7. @anderl: Das ist jetzt...
    @anderl: Das ist jetzt Kremlastrologie, aber ich denke nicht, das Google plus die Klarnamenspolitik so brachial durchsetzen wird. Es wird wohl mittelfristig darauf hinauslaufen, die pseudonyme Option offiziell zu ermöglichen, wenn auch wahrscheinlich mit der Einschränkung, das man sich irgendwie legitimieren muss als Nutzer.
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    @Stefano di Paolo: Es soll zumindest schwerer geworden sein, da Facebook bei Neuanmeldung in jüngster Zeit angeblich Telefonnummer oder was auch immer verlangt. Ich bin da auch noch unter Pseudonym unterwegs, aber es kann jederzeit passieren, dass die Forderung kommt, sich mit AGB-konformem Realnamen anzumelden, wenn der Account nicht gesperrt werden soll.

  8. Man muß da schon sehr...
    Man muß da schon sehr aufpassen, wie man mit Normen schneidet. Denn nicht nur Vermüllung und kriminelle Dreistigkeit sind Probleme, sondern auch die Verunmöglichung vertraulicher Absprachen und der öffentlichen Weitergabe von grauen Informationen. Auch letzteres kann den politischen Prozeß zerstören.

  9. Auch ich wurde als "Nixe...
    Auch ich wurde als „Nixe Muschelschloss“ in Google Plus wegen meinem Pseudonym gesperrt.
    Nachzulesen unter Kommentare (Kommentar LXX – 17. Juli 2011 – um 18.46) im Blog von Enomane http://www.ennomane.de/2011/07/15/jetzt-wurde-auch-mein-googleplus-profil-gesperrt/
    Warum ich als Pseudonym im Internet sein will und auch bin:
    Bin Frau, alleinstehend, über 50 Jahre alt und meinen realen Namen gibt es nur 1x in Deutschland.
    Das dürften genug Gründe sein!

  10. @Nixe Muschelschloss: Ja, ich...
    @Nixe Muschelschloss: Ja, ich hatte davon gelesen, war mir aber nicht sicher, ob das bei Ihnen nicht vielleicht in der Zwischenzeit auch behoben ist. Ich verstehe das (auch als Mann) durchaus, meine Kombination Vorname.Nachname gibts nämlich auch nur einmal in D (und nach menschlichem Ermessen auch eher nicht im Rest der Welt). Da ist man schon deutlich exponierter als ein Michael Müller.
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    Haben Sie versucht, mit dem Formular Kontakt zu Google aufzunehmen? Irgendeine Rückmeldung?

  11. @colorcraze: Meinen Sie jetzt...
    @colorcraze: Meinen Sie jetzt wikileaks, anonymous & Co.?

  12. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    Ja, habe ich – Keine Reaktion von Google. (Siehe auch meinen Kommentar auf der Seite von „Ennomane“)
    Mittlerweile habe ich meinen Account komplett bei Google gelöscht.

  13. @Nixe Muschelschloss: Kollege...
    @Nixe Muschelschloss: Kollege Don Alphonso merkte gestern dazu an, Google spiele ja wohl zunehmend Gott, den wahren Deus ex Machina. Man möchte ergänzen, ja, und zwar nach dem Grundsatz „sola gratia“ – allein durch die Gnade.
    .
    Da bekommt der Topos der „Exkommunizierung“ eine ganz neue Bedeutung, und man kann Ihren Schritt vor diesem Hintergrund durchaus als Kirchenaustritt verstehen.

  14. Ich zitiere mal Florian...
    Ich zitiere mal Florian Rohrweck der mit seinen Analysen selten daneben lag:
    „People report accounts as fake NOT THE GOOGLE+ TEAM!
    It’s the userbase that assumes a fake profile and suspends it!
    EVERYONE who got a suspended account can thank their followers! The Google+ team has nothing to do with it! After a certain amount of reports, an Account gets automatically suspended!!“
    Und das macht Sinn oder sitzt tatsächlich Herr Google und kontrolliert die 10 Mio. Accounts

  15. Tja, das ist ja nun etwas...
    Tja, das ist ja nun etwas ungeschickt, wenn man eigentlich gerade mal einen großen Schwung Leute ins frische, neue, leere Hastenichtgesehen-Sozial-Netzwerk schaufeln wollte. Aber mit Klarnamen sind die Profile wohl einfach mehr wert.
    @Also stellt sich die Frage, was uns Google mit seinem neuen Netzwerk eigentlich verkaufen will
    Uns? Was kostet denn so ein Platz im Netzwerk? Die Kunden sind da Andere.
    @Klarnamen, Netz
    Ich finde lustige Pseudonyme viel erfrischender, freier, virtueller im besten Sinne, und auch das was sie sagen, sich zu sagen trauen. Ohne die lästigen Gepflogenheiten der hierarchischen, verlogenen, buckelnden alten Realwelt, zu der das freie anonyme Netz vor Facebook und Co. mal ein angenehmer Kontrapunkt war. Und wenn ich mir (selten) mal die eine oder andere Diskussion bei Facebook ansehe, dann trollieren, diffamieren, mobben und pöbeln die Klarnamen dort eigentlich auch nicht zurückhaltender als vormals die Pseudonyme. Aber jetzt kann man sie gleich googeln: „Ach, das ist ne Friseuse, hehe. Achso, bei Xing, „Berater“, und auf den Fotos mit McKinsey-Gewinnerlächeln, war ja klar. Prolliger Abiturient aus einem Elendskaff – na viel Spaß auf dem Berufsweg. Oh Gott, das ist dieser Typ von Wikipedia.“, usw.

  16. Oh, bei Gurgelplus ist ein...
    Oh, bei Gurgelplus ist ein Sack Pseudonyme umgefallen…
    Und zwar von wegen der Post-Privatheit – deren Evangelisten kichern sich jetzt in die kleinen Fäustchen. Ich lass meinen Klarnamen jetzt auch verpixeln.

  17. @Ich glaube die Verheißungen...
    @Ich glaube die Verheißungen nicht, dass das Netz uns eine tollere politische Zukunft mit mehr Partizipation bringt, wir müssen womöglich eher aufpassen, dass es nicht irgendwann zum Überwachungs- und Unterdrückungsinstrument umgewidmet wird.
    Solche Ansichten finde ich immer lustig angesichts des längst real gewordenen Wandels, nicht nur in Stuttgart oder Ägypten, an denen das Netz ja seinen Anteil hatte, wenn auch nicht alleinige Ursache war. Aber Katalysator. Früher dachte ich beim Lesen von Diskussionen oft: yeah Leute, wie recht ihr habt, wie schön, dass ihr das auch so seht, aber schade, dass ihr das immer nur foglenlos im Netz diskutiert, und in der Realwelt so weitermacht wie anno 1985. Aber irgendwann in den letzten 2, 3 Jahren hat sich das gedreht, und die ihrer gemeinsamen Interessen und Macht bewusst Gewordenen schwappten mit ihren neuen Ideen zunehmend in die Realität/Realwelt. Klein fings an, hier eine Abmahnung, dort eine Jack-Wolfskin-Tatze, da eine Schäublone, die auf Demos auftauchte. Inzwischen stürzen sie Diktatoren.

  18. @Hajo: das zeigt dann nur die...
    @Hajo: das zeigt dann nur die weitere Vulnerabilität der Konstruktion. Ich sags ja: nicht praxistauglich.
    @Marco: nein, eigentlich nicht, mir schwebte eher so das Geplauder bei DA vor, oder auch die Abschweifungen vom Thema in desd früher. Ob man das nun unter „Freizeit“ oder „Ausbreiten von Lebenserfahrungen“ einsortiert, jedenfalls erfährt man da ähnlich wie an einem Stammtisch, zu dem sich mal dieser, mal jener gesellt, doch immer mal überraschend Neues. Und sowas wäre unter Facebook- oder Google+ Bedingungen mE nicht so möglich.
    Der Herr Schirrmacher hat einen nicht uninteressanten Artikel geschrieben, in denen er die Phänomene der Zeiteinteilung, mit der wir inzwischen zu tun haben, ein bißchen aufspießt. Das ist ja eine ganz merkliche Sache, daß Synchronisationen von erkennbaren Gruppen vielerorts verlorengegangen sind und daß es inzwischen recht schwierig ist, mit verschiedenen Leuten RL-Kontakt zu halten, eben aus diesem Grund. Das Stichwort „digitale Demenz“, das er anbringt, finde ich auch für einige Phänomene treffend, etwa die zunehmende Orientierungslosigkeit von Autofahrern ohne Navi. Früher merkte man sich Hauptstraßenverlauf und Himmelsrichtung und fuhr danach und kam an, das verlernen die Leute völlig.

  19. @Rumpelstilzchen: "die Kunden...
    @Rumpelstilzchen: „die Kunden sind da andere“ – jo, seh ich auch so.

  20. Wikileaks, Anonymous etc sind...
    Wikileaks, Anonymous etc sind mE eher im Bereich „Schwarzinfo“ angesiedelt.

  21. @Hajo: So ähnlich habe ich...
    @Hajo: So ähnlich habe ich mir die Mechanik dahinter auch schon zusammengereimt. Aber: Dieser Logik von Herrn Rohrweck folgend könnte man auch feststellen, dass sich gesteinigte Ehebrecherinnen beim sittlich empörten Volk bedanken können, das die Steine geworfen hat – und nicht etwa bei denen, die die Moralgesetze machen, deren Einhaltung überwachen und das Strafmaß bei Übertretung feststetzen und das Kommando „los, werft!“ geben. In der Form grenzt das schon an Desinformation.
    .
    @Rumpel Stilzchen: Ich habe auf Facebook auch schon üble Verbalkeilereien gesehen – unter Leuten, die sich namentlich und sonstwie kannten und ansonsten auch durchaus Kinderstube hatten. Das bürgt also für nicht viel. Wenngleich ich mich auch nicht zu der Behauptung versteigen würde, dass Anonymität nur die edelsten Züge des Menschengeschlecht hervortreten lässt. Auf alle Fälle bietet sie im besten Falle aber die Chance, über einen fremden Gedanken nachzudenken mal ganz losgelöst von der Frage, wer ihn äußert.

  22. Was machen eigentlich die fast...
    Was machen eigentlich die fast 2000 Helmut Schmidts, wenn sie sich mit Klarnamen anmelden müssen? Werden die durchnummeriert? Wer bekommt dann die Nummer eins…

  23. @Marco: "im besten Falle aber...
    @Marco: „im besten Falle aber die Chance, über einen fremden Gedanken nachzudenken mal ganz losgelöst von der Frage, wer ihn äußert“ – gut gesagt, ja, das ist ein wichtiger Punkt.

  24. @Rumpel Stilzchen: Über die...
    @Rumpel Stilzchen: Über die digitale Revolutionsromantik in Sachen Nordafrika habe ich mich an anderer Stelle schon mal ausgelassen:
    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/02/06/jeder-twitt-ein-tritt.aspx
    .
    @rainersacht: Eben nicht. Eine (mich zumindest) überraschende Wendung an der Sache ist ja, dass sich prominente Postprivatisten durchaus pro Pseudonym aussprechen.
    .

  25. @die Chance, über einen...
    @die Chance, über einen fremden Gedanken nachzudenken mal ganz losgelöst von der Frage, wer ihn äußert
    Ganz genau, und die Konsequenzen davon versuchte ich gerade zu beschreiben. Sicher macht das Netz selten bessere Menschen aus uns, aber es kann zu überraschenden Einsichten und dem Feststellen von unvermuteten Gemeinsamkeiten führen. Ob in intimen persönlichen Fragen, oder in politischen, oder als Konsument. Wenn ich mir dagegen vorstelle, die Belegschaft einer Firma bildet sich 1:1 mit Realnamen in Facebook ab, und führen dort dann nur das fort, was sie sowieso schon im Büro tun… wie öde.

  26. @EinerVonAllen: Ja. Nach der...
    @EinerVonAllen: Ja. Nach der Reihenfolge. – Das war jetzt trivial. Datenbankenprimärschlüssel zählen in der Regel durch.

  27. @ Marco Settembrini di Novetre...
    @ Marco Settembrini di Novetre 18. Juli 2011, 10:02
    „Mir ist kein Fall bekannt, wo ein ernsthafter Versuch, den Urheber justiziabler Äußerungen zur Rechenschaft zu ziehen, am fehlenden Klarnamen gescheitert wäre.“ Mag sein. Aber der Aufwand ist ziemlich hoch, weil man im Zweifel über mehrere Institutionen muss, die alle nicht begeistert mitspielen. Und macht man´s nicht sofort, scheitert´s schon an der fehlenden Vorratsdatenspeicherung, sprich, die Logs von Forenbetreiber/Verkäufer/Netzbetreiber sind gar nicht mehr verfügbar.
    „Und dafür, dass Sie Pseudonymlinge nicht sonderlich ernst nehmen, dikutieren Sie hier …“ Stimmt. Ich kann mir, da moderiertes Forum einer grossen deutschen Qualitätszeitung, relativ sicher sein, beleidigungsfrei durchzukommen. In gewisser Weise bürgt die FAZ für Sie. Und bei der Anmeldung zu FAZ online wird der Klarname verlangt (wenn auch wahrscheinlich nicht geprüft).
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  28. Postprivatisten für...
    Postprivatisten für Pseudonyme – das nennt man IRL Bewusstseinsspaltung :-).

  29. Ich behaupte mal, je enger,...
    Ich behaupte mal, je enger, verkrusteter, hierarchischer und verlogener eine Gesellschaft (und ihre Kommunikation) ist, je größer der Kontrast zur anonymen und freien Netzkomunikation, desto größer die Bedrohung durch Sprengkraft dieser neuen/alten Netzkommunikation für sie. Das Netz als Ort, wo man sich darüber verständigt, dass der Kaiser/Pahrao ja garnichts anhat. Was man in der Realwelt nie wagen würde, wegen der negativen Konsequenzen, man denkt es allein für sich, oder sagt es mal ganz leise dem Partner ins Ohr, aber sonst…
    Die Realnamen heben das wieder völlig auf, so wird es nur ein Wurmfortsatz der Realität. Welcher Blogger in Ägypten hätte gewagt, unter Realnamen zu äussern, dass man dem Beispiel der Tunesier folgen sollte? Und wieviele würden auch hierzulande den Innenminister vorsichtshalber mal lieber nicht scharf kritisieren?

  30. @Marco: Wie Sie in Ihrem...
    @Marco: Wie Sie in Ihrem damaligen Beitrag so richtig sagten: „Wir, die wir irgendwas mit Medien und Internet machen“. Eine Gefahr ist, glaube ich, daß das selbstreferentiell wird, und echte Nachrichten (in der „Zeit“ diesen Sonntag: „nicht jede Nachricht braucht beachtet zu werden.“ – mE nicht richtig, denn: was nicht beachtet werden braucht, ist keine wirkliche Nachricht.) oder auch nur Meldungen gar nicht mehr durchdringen durch den Wust an aufgeregtem Rauschen. In GB wurde eine Quelle von größtenteils hysterischem Rauschen ja nun abgesägt (Murdoch). Nur ist es damit wie mit dem Mailfilter auch: Kanal völlig zu machen wäre auch deppert, weil dann eben die paar Nachrichten, die durch das Rauschen durchdringen, auch nicht mehr da sind.

  31. @colorcraze: Wenn ich Helmut...
    @colorcraze: Wenn ich Helmut Schmidt heißen würde, würde ich mich aber nicht als Helmut Schmidt1324 anmelden wollen…

  32. @ThorHa: Schadet nichts, dass...
    @ThorHa: Schadet nichts, dass eine gewisse institutionelle Hürde davor ist. Die Gerichte kollabieren eh schon wegen der Überzahl an Bagatellverfahren. Handlungsbedarf sehe ich vor allem bei Schülermobbing-Portalen und dergleichen. bei publizistischen Angeboten (bis hin zu meinem kleinen und unbedeutenden Privatblog) ist es Betreibersache, dafür zu sorgen, dass gewisse Mindeststandards des Miteinanders nicht unterschritten werden. Wie ich in meinem Beitrag über die Diktatur des Kommentariats schrieb, macht Spiegel Online mittlerweile einiges richtig, ich lese da manchmal freiwillig die Forenkommentare zu Artikeln.

  33. @Marco/Hajo: andernorts habe...
    @Marco/Hajo: andernorts habe ich gelesen, daß Google sich ziemlich am Ende der technischen Sortierung befände und nicht mehr wirklich weiter klarkäme damit, und sie nun in Richtung „Personalisierung“ nachdächten. Dies wäre ein schwerer Schlag gegen die Qualität der bisherigen Google-Suche. Das Eingrenzen auf Länder- oder Sprachbereiche war sinnvoll, wiewohl es mich auch schon sehr ärgerte, daß es keine einfache Umstellmöglichkeit gab, aber Personalisierung wäre das Grab. Das ginge dann wirklich in Richtung digitale Demenz und jeder schmort in seinem Kästchen. Dann ist es vorbei mit dem Nachrichtenwert von Google.

  34. @Einer von Allen: tja, wir...
    @Einer von Allen: tja, wir können alle nur das nehmen, was es gibt, und nur manchmal ist auch mal was dabei, was wir auch wollen.

  35. Ich finde es auch nicht...
    Ich finde es auch nicht verkehrt, sich ab und an zu überlegen, wie es denn wäre, wenn manche Institution einfach von einem Tag auf den anderen „nicht da“ wäre. Könnt ja mal vorkommen, Insolvenzen soll es ja ab und an geben. Nehmen wir mal Google: damit wäre doch z.B. der ganze schöne Internetservice der deutschen Zeitungen und der Ämter „am Arsch“, weil den von einem Tag auf den anderen kein Mensch mehr finden würde.

  36. <p>@colorcraze (14 Uhr 08):...
    @colorcraze (14 Uhr 08): Die Personalisierung läuft ansatzweie schon. Zum Stichwort „Filter Bubble“ gabs neulich einen interessanten TED-Talk, dessen Schlussfolgerungen (man müsse Google und andere Suchmaschinen auf gewisse, irgendwie objektive Relevanzkriterien verpflichten) ich zwar nicht 1:1 teile, aber die Diagnose ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Frank Schirrmacher geht da in eine ähnliche Richtung mit den wegfallenden Synchronisierungsmechanismen, auch wenn er das mehr im zeitlichen Sinne und mit Blick auf Speicherorte ausführt.
    .
    Ich kenne und nutze sicher nicht alle Kniffe, die der fortgeschrittene Google-User draufhat. Da wäre auch auf Nutzerseite noch manches zu optimieren. Aber ich habe schon länger den Verdacht, dass die Suchmaschine in den letzten Jahren mehr Links mit eindeutig merkantilen Interessen nach vorne spült. Ich würde mir manchmal eine Suchoption wünschen, die Kaufangebote von vornherein ausblendet oder zumindest die Möglichkeit zulässt, explizit im kaufen-will-Modus zu suchen (um nur mal ein Beispiel zu nennen).

  37. @14 Uhr 21: Ach ja, ich gucke...
    @14 Uhr 21: Ach ja, ich gucke ab und zu auch, was ask.com und bing so alles finden. Da sind manchmal Sachen dabei, die Google nicht liefert.
    .
    @Rumpel Stilzchen: Guter Punkt. Die Freiräume im Netz, die sicher von manchem auch über Gebühr verbal ausgereizt werden, sind unterm Strich doch zu wertvoll. Als gesellschaftlicher Seismograph, als reality check, auch wenn es nicht immer chön ist, diesen Realitäten in Auge zu blicken. Man muss auch nicht alles zum Kulturgut adeln, was da so alles verzapft wird, wenn der Tag lang ist. Aber wie heißt es in „Karlsson vom Dach“ immer so schön? Das stört keinen großen Geist.

  38. @Marco: objektive...
    @Marco: objektive Relevanzkriterien, nur wo sollen die herkommen. Auch die Zeitungen waren immer mal unter Druck hinsichtlich Anzeigenkunden und ihren Wünschen, zum Beispiel. Als Institutionen haben sich dann die gehalten, die dem Druck nicht zu sehr nachzugeben brauchten oder konnten. Und geholfen hat dabei sicher Konkurrenz als harte Bandage – daß nämlich die Käufer (also ein Teil der Einnahmen) eine Alternative haben. Wie ausgeführt, ist ein Punkt der möglichen Google-Degeneration von der Institution zum Marktschreier und Freibeuter eben die Monopolstellung.

  39. Kaufen/nicht-kaufen ist...
    Kaufen/nicht-kaufen ist durchaus ein modaler Unterschied, ja. Je nachdem stören einen ganz andere Sachen. Bing hat mir bisher nicht sonderlich gefallen, an Ask.com stört mich, daß Antivir die jetzt eingebunden hat. Ich will keine eingebundenen Suchmaschinen in Browserleisten. Die sollen sich mit Favoritenlinks und IP-Adressen zufriedengeben. Ätzend.

  40. Google ist bei AVG mit an...
    Google ist bei AVG mit an Bord, vorher wars die Yahoo-Suche, man entgeht seinem Schicksal anscheinend nicht.
    .
    Und zu der Relevanzkiste, genau da setzte die Kritik an dem Vortrag auch an, dass es irgendwie ein rückwärtsgewandtes Konzept ist und bleibt, auf Gatekeeper zu setzen, ob da nun traditionelle Instanzen walten oder neugeschaffene. Meine Meinungbildung dazu ist noch im Schwange, grundsätzlich teile ich den Kulturpessimismus nur bedingt, dass der common sense und die gemeinsamen Erfahrunghorizonte zwangsläufig aussterben, wenn jeder seinen persönlichen Pfad durchs Info-Dickicht schlägt.

  41. @Marco: "grundsätzlich teile...
    @Marco: „grundsätzlich teile ich den Kulturpessimismus nur bedingt“. Danke dafür. Reiner Pessimismus würde einem nämlich auch den Blick verstellen auf mögliche Entwicklungen. Das Konzept, auf Gatekeeper zu setzen, halte ich jedenfalls keineswegs für rückwärtsgewandt, sondern für genau das, was sich als Zivilisationsstandard etabliert hat und wir deswegen weiterhin halten sollten in einer gewissen Art. Und, ja, da herrscht schwere See, wer Gatekeeper bleibt oder wird, und das ist eine empfindliche Angelegenheit, wo man sich ein Marktversagen nicht leisten kann.

  42. Ich verwende sowohl bei FB als...
    Ich verwende sowohl bei FB als auch bei G+ meinen Klarnamen. Da ich eine Website betreibe und das eine oder andere poste ist mein Name ohnehin öffentlich. Ich verstehe aber jeden, der lieber anonym blieben will und sich trotzdem mit einer gehörigen Portion Respekt und gutem Benehmen in den Sozialen Netzen tummelt. Die Anbieter brauchen eben auch die Klarnamen, um die Vermarktungsmaschinerie auszubauen. Der Klarname ist dazu ein wichtiger Baustein, zumal in Kombination mit all den Diensten, die drumherum genutzt werden. Da helfen auch alle Beteuerungen der anbieter nichts – es geht ums Business und sonst nichts.
    Auf meiner Website – ein Sandkorn am langläufigen Google-Strand – hat jeder die Wahl seinen Namen zu wählen. Auf der Site geht es zuweilen um sehr private Dinge und der Zwang seinen Klarnamen angeben zu müssen wäre fatal. Im übrigen mag ich diese Art von Zwang nicht, zumal von einem Privatwirtschaftlichen Unternehmen, dass mittlerweile viel rigider mit Daten umgeht, als dies der Staat machen würde.

  43. @raoul
    ich ihre richtung...

    @raoul
    ich ihre richtung würde ich auch argumentieren.
    leserbriefe schreibe ich auch öfters mit meinem „klarnamen“, blogg-beiträge bei DA oder hier unter pseudonym. ich denke das sind auch zwei literarische gattungen. g’rade bei DA z.b. sind viele der pseudonyme mit ihrem meinungsspektrum so breit angelegt und haben sich schon etwas verselbständigt, wie viele literarische figuren. es gibt auch den anderen fall eines versteckens hinter dem pseudonym, aber das trifft eher auf bloggs in der sz oder im standard zu

  44. ThorHA

    Es sind Werte und...
    ThorHA
    Es sind Werte und Prinzipien zu seiner geäusserten Meinung zu stehen und das Rückrad zu haben, die in der modernen zunehmend verwildern oder gar verloren gehen. Gerade im WWW!!
    Die Annonymität hat sicher auch ihre guten Seiten, so hilft sie so manches Tabuthema anzukratzen und jenen Mut zu machen, die dies aufgreifen und schließlich das Rückrad zeigen selbst dazu zu stehen.
    Andererseits bietet diese „Namenlosigkeit“ einen Nährboden für Rechtsextremismus, Islamismus, Terrorismus, Salsfismus und Dinge die den Kranken Köpfen der Menschen erst noch einfallen müssen. Denn schreiben kann man so erstmal was man will ohne Konzequenzen fürchten zu müssen. Wer nun denk, dass ja schließlich durch die Strafverfolgungsbehörden und über die Anbieter und Provider der Urheber ermittelt werden kann, der unterschätzt die größe des rechtsfreien Raumes im www deutlich.

    In dem Fall von Google+ sehe ich das aber eher so:
    Google bietet diese Plattform an. Google ist Eigentümer und gibt die Nutzungsbedingungen vor wie jeder andere Eigentümer auch, bestimmt Google wer was wie darf. Vergleichbar mit dem Hausrecht bzw. den Rechten des Eigentümers gem. BGB.
    Wer nun etwas dagegen hat, der muss sich da ja nicht anmelden bzw. wer sich nicht daran hält, der wird eben gesperrt.
    Wenn ich eine Party gebe und verlange, dass da nicht gekifft wird, erwarte ich auch, dass sich daran gehalten wird… wer das nicht will braucht erst garnicht zu kommen oder wird an die frische Luft gesetzt.

  45. Ich denke das eine große...
    Ich denke das eine große Problem aller bisherigen Versuche sozialer Netzwerke ist folgendes.
    Der Kommunikations-Raum der geschaffen werden soll, ist im Prinzip ein öffentlicher. Es sollten die Regeln gelten die auch im öffentlichen Raum gelten und die sind im wesentlichen geregelt durch etwas, was wir freie Meinungsäusserung nennen – mit allen Rechten und Pflichten die Debatten mit sich bringen (auch wenn diese in der Mediokratie stark erodieren und wir zusehendes nur noch diejenigen hören, die am lautesten schreien können).
    Gegen diesen (idealen) öffentlichen Raum steht im ’sozialen Netzwerk‘ die Tatsache, daß diejenigen, die diesen Raum bereit stellen, private Unternehmer sind – mit allen entsprechenden Interessen. Interessen die nicht vom Gedanken geleitet sind einen freien Meinungsaustausch zu gewährleisten sondern Profit zu generieren.
    Damit ist der Interessenkonflikt programmiert. Beispiele gibt es viele. Eines der kleineren ist z.B., daß Facebook versucht zu verhindern, daß man seine Freundeslisten nach Googl+ exportiert. Wie sozial ist das, wenn man gewissermaßen verboten bekommt sein Adressbuch mitzunehmen, wenn man von Frankfurt nach Hamburg zieht?
    Schlimmer und schwerwiegender ist aber, daß das Eine was ein soziales Netzwerk wirklich ausmachen würde, in dieser Umgebung schlicht und ergreifend unmöglich ist: Politik (im besten Sinne).
    Nehmen wir mal folgendes Gedankenspiel: jemand beginnt eine Debatte darüber, daß Atomenergie, unter der Voraussetzung die Endlagerproblematik sei gelöst, eine gute Lösung wäre (zugegeben ein völlig irres Gedankenspiel, da die Endlagerfrage nicht gelöst werden kann!). Angenommen die Debatte zieht eine Menge ‚Freunde‘ an. Flux gibt es einige Tausend ‚Likes‘. Nun ist die Idee aber derart politisch unkorrekt, daß das Thema viele andere ‚User‘ höchstgradig verärgern wird. Unter der derzeitigen Form der Sozialität in diesen Netzwerken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Projekt abgeschaltet wird. Und falls nicht, besteht zumindest die Gefahr dafür. Letzteres alleine recht schon um eine wirkliche politische Aktivität in diesen sozialen Netzwerken zu verhindern. Jedes Projekt steht immer unter dem Damoklesschwert der jederzeit möglichen Abschaltung.
    Solange also das ’soziale Netzwerk‘ nicht die Rechte beinhaltet, die das öffentliche Leben einer offenen Gesellschaft allgemein ausmachen, daß ich nämlich auch eine unorthodoxe Meinung äußern darf ohne gleich einen Maulkorb zu bekommen, solange ist es ein soziales Netzwerk, das auf dem Zwang zur der Konformität aufbaut! D.h. es ist ein Rückschritt, oder noch deutlicher: es ist antidemokratisch!
    Das Problem Pseudonym vs. Klarnamen ist demgegenüber ein untergeordnetes.

  46. Ich möchte mich an dieser...
    Ich möchte mich an dieser Stelle einmal darüber beschweren, dass man als Niederländer nicht nur von den Deutschen beim Fußball diskriminiert wird („Ohne Holland fahren wir zur WM!“), sondern mittlerweile auch von Google, wenn man seinen Klarnamen benutzen möchte. Als ich mich mit meinem niederländischen Realnamen „van der Google“ bei Google+ anmelden wollte, kam nur der kurze Hinweis, dass mein Name nicht den Community-Richtlinien entspräche, dass ich ihn doch bitte überprüfen solle und es dann erneut versuchen solle. Dies habe ich selbstverständlich getan. Ich habe also meine niederländische Geburtsurkunde herausgekramt und sie mit meiner Eingabe bei Google+ abgeglichen. Wie erwartet, war natürlich kein Unterschied feststellbar. Das Ende von dem Lied war, dass ich mich selbst meiner eigenen Identität berauben musste indem ich mir den Namen „van der Googgle“ gegeben habe! Was würde bloß mein Vater dazu sagen, wenn er nicht schon in der Gruft der van der Googles verweilen würde? Ich bin zu tiefst über die Minderheitenpolitik von Google schockiert (auch wenn ich selbst wahrscheinlich daran nicht ganz unschuldig bin, da ich stolzer Besitzer von immerhin eine Google-Aktie bin)!Jemand muss dem Ganzen endlich ein Ende setzen! Niederländer, Holländer, von der Googles dieser Erde vereint euch und kämpft endlich für euer Recht auf freie Selbstentfaltung, euer Land, eure nationale Identität!
    Viele Grüße aus den Niederlanden
    Euer Plus von der Google ;)

  47. solange es den gläsernen...
    solange es den gläsernen Politiker nicht gibt, behalte ich mir das Recht vor, manches unter Pseudonym zu veröffentlichen. Mein Internetprovider kennt meine reellen Daten. Meine „friends“ bei Facebook ebenfalls. Ich weiss aber bis heute nicht, von wem mein Volksvertreter die Tausender zugeschoben bekommt, und mir dann Volksnähe vorgaukelt. Da ich ausserdem hermetisch gegenüber Werbung bin, will ich einfach nicht, dass irgend ein Algorytmus mir über Analyse meines Browserverhaltens Unsinniges vorschlägt. Spuren verwischen, so könnte man das nennen, ja. Ich hab halt keine Lust auf einmal in einer Welt zu leben, in denen zwei physische Personen sich das gleiche anschauen, und aufgrund irrsinniger Verkaufsmaschen zwei verschiedene Dinge sehen…ich denke, dass ich der Sache trotzdem nicht entkommen kann…des weiteren sind mir Leute die unter Realnamen Fäkalsprache benutzen genau so unlieb und vergessenswert, wie Leute, die gleiches unter Pseudonym tun. Eine gute Idee wird weiterleben, ob anonym geäussert oder anders.

  48. In Zeiten der Debatte zur...
    In Zeiten der Debatte zur Kennzeichnungspflicht für Polizisten hat diese Angelegenheit eine besondere Würze.

  49. Das Google etwas derartiges...
    Das Google etwas derartiges verbietet hat meiner Meinung nach damit zu tun das Google sein Geld hauptsächlich mit Werbung verdient. Der Zusammenhang wird klar wenn man weiß wie Firmen mit IT-Sektor heutezutage an einem besseren Google-Page-Rank arbeiten.
    Dazu werden maßenhaft „Fake-Accounts“ angelegt, mit Bildern anderer Menschen und falschen Identitäten. Dies dazu um als Blogger tätig zu sein um die Firma zu verlinken, oder z.B. bei Xing „Link-Tausch“ zu betreiben und dabei Anonym zu bleiben.
    Dies ist so nicht im Interesse Googles, den Google verdient sein Geld damit das dort „Clicks“ etc. gekauft werden. Die Firmen sollen dazu gezwungen werden auf dieses Mittel der Page-Rank Aufwertung zurückzugreifen und somit selbst dabei handlungsunfähig werden. Dadurch hätte Google viele weitere Milliarden € mehr!

  50. @sieh an: Inwiefern? Da ist...
    @sieh an: Inwiefern? Da ist das nachvollziehbare Informationsbedürfnis des, äh, Endkunden, mit welchem Vertreter der Staatsmacht er es zu tun hat, abzuwägen mit dem legitimen Schutzbedürfnis des Beamten. Eine Dienstnummer wäre da meines Erachtens ein tragfähiger Kompromiss.
    .
    @Aender Tronco: Wie gesagt, die Personalisierung der Suche läuft bereits, wobei die Browser- und Suchhistorie wahrscheinlich nicht so recht berücksichtigt, dass dieser Rechner bisweilen auch von meiner Frau genutzt wird. Wenn mich irgendwelche Zalando-Ads verfolgen, weiß ich auch wieder Bescheid. ;-)
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    @Plus van der Google: Jetzt stellen Sie sich vor, Sie hießen auch noch Bing mit Vornamen, weil Ihre Eltern Bing Crosby toll fanden…
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    @Matthias Steingass: Das Dilemma mit dem öffentlichen digitalen Raum in Händen privatwirtschaftlicher Unternehmen ist kein geringes. Christian Heller hat dazu einige Gedanken formuliert, die ich hier einfach mal weiterreiche:
    https://plus.google.com/105021561293211020643/posts#110920968192867562142/posts/9LgnxXXWrAH
    .
    Anonsten vermag ich Ihnen bei dem Gedankengang, Politik sei gewissermaßen das konstitutive Element eines wahren sozialen Netzwerks, nicht vollumfänglich zu folgen. Wobei ich die Schwierigkeiten politischer Diskurse auf netzbasierten Plattformen keineswegs verkenne. Aber vielleicht sind diese Plattformen dafür auch gar nicht gemacht, womöglich sollten wir FB, Gu+ & Co. einfach als Freizeitparks oder Stammkneipen betrachten, um uns keinen falschen Vorstellungen hinzugeben, was diese Dienste für das Funktionieren des Gemeinwesens leisten können und was nicht.
    .
    @ExKontingent: Formal gesehen ist das Argument mit dem Hausrecht natürlich richtig, aber wenn uns die Telekom jetzt Vorschriften machen wollte, welche Wörter wir am Telefon nicht mehr sagen dürfen oder dass wir uns jedesmal mit Name, Dienstgtrad, Einheit melden müssen, wenn wir angerufen werden, würden Sie gegen eine solche Reichsfernmeldeverordnung sicher auch Einwände erheben. Ich kann auch Sie nur nochmal auf die Argumente von Christian Heller verweisen, der sich über die besondere Verantwortlichkeit von Infrastrukturanbietern einige Gedanken gemacht hat, die es wert sind, mal darüber nachzudenken – selbst wenn man in der Klarnamensfrage eine abweichende Auffassung vertritt.

  51. @Matthias Steingass 19. Juli...
    @Matthias Steingass 19. Juli 2011, 07:04
    Sie sprechen da ein Problem an, das nicht an die Klarnamendebatte gebunden ist. Nämlich – inwieweit würde die Netzgemeinde Meinungen tolerieren, die völlig aus dem Spektrum des in ihr zulässigen herausfallen, ohne deshalb per se extremistisch zu sein (definiert als „gegen das Grundgesetz verstossend“)? Militarismus, Pro-Atomkraft, traditionelle Hierarchien befürwortend etc.? Nach meinem Eindruck gäbe es über kurz oder lang Teile der Netzgemeinde (und seien es nur kleine), die sich berechtigt fühlen würden, gegen solche Formen von Meinungsäusserung mit virtueller Gewalt vorzugehen. Sprich, Angriffe gegen den Server, Besuchsaufrufe zur Realaddresse eines Unliebsamen, konzentrierte Trollattacken. Die Netzgemeinde ist eher weniger tolerant, als reale Gruppen, wenn es um Meinungen geht, die gerade nicht im Zeitgeist liegen. Hier unterscheidet sich heutige Netz von seinem Vorläufer, dem Usenet mit seinen Diskussionsgruppen. Allerdings ist das kritisierte Verhalten ein eher (rein?) deutsches Netzproblem.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  52. @Marco Settembrini di Novetre....
    @Marco Settembrini di Novetre. Danke für den Link. plomlompol bringt es auf den Punkt: Google muß sich als „politischer Körper öffnen und Freiheiten geben, statt sie zu nehmen.“ Politik ist dabei das Recht der freien Meinungsäußerung, so meine ich das. Das Thema dabei kann ganz banal oder extreme wichtig sein. Tatsächlich könnte man FB etc. als Stammkneipen abtun. Nur, wenn wie bei FB bald so ziemlich alle Menschen dieses Planeten tagen UND der Konformitätsdruck erhalten bleibt, dann ist das eben in ganz eigener Art politisch indem es zu einer endgültigen Entpolitisierung führt.
    Und zu dem Problem mit dem Hausrecht. Das scheint mir nicht so eindeutig zu sein. Der der da Hausrecht beansprucht, benutzt gleichzeitig eine öffentliche Infrastruktur. Der Wirt hat Hausrecht in seiner Wirtschaft – aber nicht wenn er seine Bier draussen auf dem Marktplatz verkauft. Das ist eine Grauzone ähnlich der bei Public-Viewings (Fußballmeisterschaften etc.), wo man freundlich aber bestimmt genötigt wird doch bitte das T-Shirt der Konkurrenzbiermarke des Hauptsponsoren auszuziehen – obwohl das Viewing auf einem öffentlichen Platz stattfindet und es (hierzulande) keine Keiederordnung gibt.

  53. @Raoul und bertholdIV: Sehr...
    @Raoul und bertholdIV: Sehr sympathisch, dieses pragmatische und kontextabhängige Identitätsmanagement. In dem ganzen ernsthaften Themenkomplex haben wir das spielerische Element ein wenig vernachlässigt. Das, was sich bei manchen pseudonymen Netzpersönlichkeiten und Kommentatoren verselbständigt nach einer gewisen Zeit. Als Marco Settembrini mache ich mir bisweilen einen Spaß daraus, mein Foto in allerlei absurden Varianten auf die FAZ-Starteite zu bringen, vorhin war ich als Chaot vermummt zu sehen, neulich hatte ich mir ein Stanniolkäppi aufgesetzt. Solche Spielchen habe ich in meinem privaten Blog auch gemacht. Und dass ich das unter Pseudonym tue, heißt nicht, dass ich dazu nicht stehen mag, wie mir ein Mitdiskutant in früheren Debatten dazu immer wieder anhängen wollte. Tatsächlich wissen die meisten Auftraggeber, Kollegen und Freunde von diesem Hobby und meiner Zweitexistenz als mark793. Und das hat sich halt verselbständigt, nachdem ich vor fast sieben Jahren im Privatblog von Don Alphonso einen Kommentar loswerden wollte, auf die Schnelle einen Nickname suchte, den ich mir merken kann und darauf kam, mein damaliges Kfz-Kennzeichen MA-RK 793 als Benutzernamen zu verwenden. Jemand mit Zugang zur Halterdatei in Flensburg hätte mich also auch damals schon jederzeit enttarnen können. ;-)

  54. Nach §13 (6) Telemediengesetz...
    Nach §13 (6) Telemediengesetz gilt:
    „Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.“
    siehe http://dejure.org/gesetze/TMG/13.html
    Aber wo kein Kläger, da kein Richter …

  55. @Steingaß 10:00: ja, wie...
    @Steingaß 10:00: ja, wie Meinungsverschiedenheiten und Debatten überhaupt ausgetragen werden können, ist ein wichtiger Punkt. „Hausrecht“ allein ist zu mager, den Punkt „ein großer Anbieter ist zwangsläufig auch Formgestalter“ fand ich bei plomlompom sehr richtig. Die weiteren von Herrn Schirrmacher in seinem heutigen Artikel bedachten Auswirkungen sind allerdings recht gruslige; sie handeln von einer Formerosion, der mit technischen Mitteln eben nicht beizukommen ist.

  56. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    Ich denke auch, dass neben aller notwendigen Ernsthaftigkeit auch der Spass nicht unerwähnt bleiben sollte. Denn ohne Freude am Tun ist alles nur halb so schön.

  57. Wenn wir über Spaß reden,...
    Wenn wir über Spaß reden, will ich an dieser Stelle auch nicht verschweigen, dass die Kommentare (ganz gleich, ob unter Klarnamen oder unter Pseudonym abgegeben) eine nicht unerhebliche Freudenspende bei der Bloggerei darstellen. Es soll hier ja Kollegen geben, die es eher für eine Zumutung halten, sich damit befassen zu müssen. Aber ich kann mich da nur nochmal wiederholen:
    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/03/22/die-diktatur-des-kommentariats.aspx

  58. @Marco Settembrini di...
    @Marco Settembrini di Novetre
    spielerische element trifft es gut. nur mit diesem pseudonym kann ich in diesem spiel ein viel breiteres, auch widersprüchliches schreiben betreiben. wenn ich all das mit meinem echtnamen verbreiten würde, würde man schnell als falsch, schizofren etc. den echtnamen nehme ich halt, wenn ich eine politische petition etc. im netz unterschreibe. letzendlich würde ich das – mein theologiestudium schlägt durch – auch unter den begriffen sitz im leben (zenger et. al) und gattungskritik als zwei verschiedene dinge betrachten

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