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Plagiatserkennung – ein steiniger Weg für die Computerlinguistik

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Mancher hat sich in der Debatte um plagiierende Politiker gefragt, ob Professoren das nicht erkennen müssten. Oder wenigstens Computer, Allheilmittel der Moderne. Ganz so einfach ist es leider nicht.

Mancher hat sich in der Debatte um plagiierende Politiker gefragt, ob Professoren das nicht erkennen müssten. Oder wenigstens Computer, Allheilmittel der Moderne. Ganz so einfach ist es leider nicht.

Der Sturm der Entrüstung, der unseren ehemaligen Verteidigungsminister ausser Amt fegte, hat sich einigermaßen gelegt, auch wenn immer noch die letzten Ausläufer wie kleine Wellen durch die Medien rollen. Den ein oder anderen Politikerkollegen wird dies vermutlich noch um Job und Ansehen bringen, derweil die Universitäten ratlos sind, wie mit dem Problem des Plagiierens in Zukunft umgegangen werden soll.

Mancher Vorwurf wurde den Professoren und Universitäten gemacht: solchen Betrug, solche Schlampigkeiten müsse man doch wohl erkennen können? Ganz so einfach, habe ich mir sagen lassen, ist das aber gar nicht. Manchmal sind es grobe Fehler, die eher zufällig den Weg zur Originalquelle weisen. Andere erwischen Studenten bei der kreativen Textzusammenstellung, weil in den zunehmend üblichen englischen Hausarbeiten sprachliche Auffälligkeiten waren. Das wortwörtliche Kopieren jenseits der Muttersprache führt nämlich unweigerlich zu Brüchen in der sprachlichen Qualität, und die springen dem Korrektor tatsächlich ins Auge. Wenn Passagen von hervorragender Eloquenz auf dem Niveau eines Muttersprachlers abwechseln mit offensichtlicher Unkenntnis des korrekten Satzbaus, ist es nicht mehr schwer, den Betrüger zu entlarven. Verdächtige Passage kann man bei Gugel eingeben und erhält in aller Regel unter den ersten zehn Treffern die passende Originalquelle. Dabei allerdings ist einem der Anfangsverdacht gewissermaßen ins Gesicht gesprungen.

Anders bei Arbeiten auf Deutsch. Auch wenn die sprachliche Qualität sehr wechselhaft sein mag, ist das doch häufig viel weniger auffällig, weil die Diskrepanzen geringer sind. Man muß schon sehr genau lesen, mit gutem Augenmerk nicht nur auf den fachlichen Inhalt, sondern auch auf die Formulierungen und von vorneherein erhebliches Mißtrauen mitbringen, um solche Stellen auch auf Deutsch zu finden.

Bild zu: Plagiatserkennung - ein steiniger Weg für die Computerlinguistik

Quelle: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

Hinzu kommt, daß gerade bei Doktorarbeiten die Länge zu gewissen Brüchen führt. Über drei Jahre und fünfhundert Seiten kann sich, je nach Stimmung, Thema, und Quellenlage, der Stil durchaus einmal ändern. Ein gut ausgelasteter Professor betreut neben Lehre, Forschung und öffentlichen Tätigkeiten gerne einmal sechs Doktoranden (oder mehr). Geht man davon aus, daß eine Promotion in den Gesellschaftswissenschaften (der bevorzugten Spielwiese von Politikern)  im Schnitt zwei bis drei Jahre dauert, so muß der Professor pro Jahr zwei bis drei Dissertationen lesen, jede mindestens zweihundert Seiten lang – falls die Doktoranden sich kurz gefasst haben. Obendrein kennt er ja den Inhalt bereits in wesentlichen Zügen (hoffentlich!), das macht die Lektüre nicht eben spannender. Unter solchen Umständen sprachliche Brüche zu entdecken ist wahrhaftig keine ganz leichte Aufgabe. Nebenbei sollte man sich auch fragen, wieviel Mißtrauen ein Professor den eigenen Schützlingen entgegenbringen sollte bei der Lektüre?

Umso schöner, daß die Segnungen der Moderne auch hier behilflich sein können: große Teile der Detektivarbeit in den bisherigen Politikerfällen wurden von kollaborativen Wikis geleistet, wo die mühselige Aufgabe des Copy&Paste in Gugel, bzw. der Abgleich mit anderen Quellen, auf viele Köpfe verteilt wird. Nicht immer sind sich diese Köpfe in allem einig – aber das Konzept hat gut funktioniert. Im Rahmen der Skandale wurde auch viel über die Qualität von computerisierten Plagiats-Entdeckungs-Programmen diskutiert. Davon gibt es etliche auf dem Markt, was zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft der akademischen Qualität berechtigen würde – leider aber halten die Programme kaum, was sie versprechen. Woran das liegt, ist schwer zu sagen, denn die Erfinder und Hersteller sind mit konkreten Informationen eher geizig und nur ein Programm basiert auf offenen Quellcodes.

Sicher ist: Algorithmen vergleichen bei derlei Programmen Passagen aus dem zu prüfenden Zieltext mit anderen Texten. Dabei teilen sich jedoch schon die Geister. Viele Programme greifen auf eine eigens aufgebaute Datenbank zurück und verleiben jeden geprüften Text dieser Datenbank auch gleich ein (Datenschutz! Privatsphäre der Studenten!). In dem Fall können Übereinstimmungen natürlich nur gefunden werden, wenn die Originalquelle bereits gespeichert wurde – was bei den von Politikern gerne verwendeten Arbeiten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags wohl eher nicht der Fall sein dürfte.

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Quelle: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Fragment_104_109-129

Davon abgesehen scheint es zwei Varianten von Suchalgorithmus zu geben. Beim Stringvergleich wird vorab die Länge von Wortfenstern (n-grams) definiert, danach sucht der Algorithmus nach Übereinstimmungen. Dabei wird es sich in der Regel um Wortkombinationen handeln. In dem Satz „Unsere Politiker schwindeln nicht, außer wenn sie promovieren“ stecken acht Wörter. Definiert man daraus ein n-gram von drei Wörtern, kann das jede beliebige oder eine bestimmte Kombination aus den obigen acht sein. Die Wahrscheinlichkeit, daß jemand anderes unabhängig von mir drei davon verwendet hat, ist ziemlich groß. Für die Verwendung aller acht Wörter in beliebiger Reihenfolge finden sich hingegen nur noch 35.000 Treffer im Netz. Und die Wahrscheinlichkeit schließlich, daß jemand genau diesen Satz bereits formuliert hat – das n wäre dann acht in genau dieser Reihenfolge, oder eng beieinander stehend – ist ziemlich gering. Ähnliche Modelle verwendet Gugel übrigens auch für die Vervollständigung bzw. Kombination von Suchbegriffen. Hat man nämlich die Rechenmaschine ex ante mit genügend Texten gefüttert, kann man Wahrscheinlichkeitsverteilungen für die nächsten Wörter bzw. Buchstaben oder häufige Kombinationen ableiten.

Ein anderer Algorithmus verwendet eine Methode namens „greedy string tiling„. Dabei identifiziert der Algorithmus Überlappungen zwischen Zieltext und möglichen Quellen. Diese können dann statistisch analysiert werden, nach Anzahl der Überlappungen, Länge der Überlappungen, deren Verteilung etc.

Beide Verfahren suchen dabei offensichtlich nach wortwörtlichen Übernahmen – der gut umformulierte Ideenklau hingegen oder auch übernommene Strukturen ohne eigene Denkleistung werden dabei nicht erkannt.

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Quelle: http://ir.shef.ac.uk/cloughie/software.html

Das hingegen ist mit Autorenverifikation schon eher möglich. Dieses Konzept wurde ursprünglich dazu entwickelt, mittels linguistischer Profile die Urheberschaft zweifelhafter Dokumente festzustellen: also zum Beispiel, ob Shakespeare alle seine Sonette wirklich selbst geschrieben hat. Solche Algorithmen scheinen wesentlich komplexer zu sein, und es setzt voraus, daß man einen ganz sicher vom Autor stammenden Text als Grundlage hat. Dieser wird in seine Bestandteile zerlegt und deren gesamte Struktur analysiert, bis quasi ein sprachlicher Fingerabdruck des Autors definiert werden kann. Dieser berücksichtigt Wortwahl, Satzbau, Grammatik, Komplexität, überhaupt allerlei sprachliche Eigenheiten (ebenfalls, unter anderem, mittels n-grams) und kompiliert diese in einen Vektor. In einem zweiten Block des Algorithmus wird dann programmiert, wie der Vergleich des Fingerabdrucks mit dem Zieldokument vonstatten geht, also wie groß die Gemeinsamkeiten sein sollten (ebenfalls wieder unter Verwendung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen). Daraus ergeben sich dann im zu untersuchenden Dokument Passagen, die ziemlich sicher vom Autor stammen – und solche, die es nicht tun. Diese kann man dann einer weiteren Analyse unterziehen.

Im Rahmen der Plagiatserkennung haben diese Algorithmen den Vorteil, daß sie keine digitale Datenbank von Referenztexten benötigen, sondern nur mit dem Zieldokument arbeiten – daher auch intrinische Plagiatserkennung genannt.

Ob irgendeine kommerzielle Plagiatserkennung solche Algorithmen verwendet, konnte ich nicht herausfinden – es hört sich leider so an, als sei Autorenverifikation zur Zeit eher ein Thema für Wissenschaftler und Computer-Nerds. Es scheint also, als müssten sich die Professoren in der näheren Zukunft weiterhin ohne Computerhilfe die Mühe machen, einen Anfangsverdacht zu etablieren.

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80 Lesermeinungen

  1. "Man muß schon sehr genau...
    „Man muß schon sehr genau lesen, mit gutem Augenmerk nicht nur auf den fachlichen Inhalt, sondern auch auf die Formulierungen und von vorneherein erhebliches Mißtrauen mitbringen, um solche Stellen auch auf Deutsch zu finden.“
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    Eben DAS ist doch der berechtigte Vorwurf an die kontrollierenden Professoren: dass sie eben NICHT „sehr genau lesen“, diese faulen Herrschaften.

  2. Jeeves, schwarze Schafe gibt...
    Jeeves, schwarze Schafe gibt es immer, aber ich glaube, daß man sich das zu leicht vorstellt. Der Publikationsdruck ist groß, die Mittel begrenzt, Lehre, Forschung, Verwaltung, Doktorandenbetreuung – sich dann noch die Zeit zu nehmen, eine 500-S-Arbeit supergründlich, möglichst mehrfach zu lesen, wenn der Inhalt doch eigentlich bereits vertraut ist, das ist viel verlangt. Im Idealfall sollte es so sein, aber dann muß man auch die Voraussetzungen schaffen. Was Aufgabe der Politik ist. Bildungsrepublik, und so.

  3. @Jeeves: dazu bräuchte es...
    @Jeeves: dazu bräuchte es Sorgfalt und Zeit. Die hat man aber nicht, wenn man Turboexzellenzen heranzüchten muß, um im Rennen zu bleiben – entsprechend kommt dann halt Schmock raus.
    @Sophia: gut, daß Sie mal versucht haben, sich schlau zu machen. Ich würde ja gern über die Autorenverifikation noch mehr wissen (ich nehme doch stark an, daß die üblichen Abzapfer da auch mal Teams dran zu arbeiten hatten; öffentlich ist aber wohl nur das von Ihnen benannte). Ich könnte mir vorstellen, daß die z.B. bei dem Facebook-Schmonzes (08/15-Blabla) komplett scheitert, und längere Texte dafür nötig sind.

  4. Das mit den "schwarzen...
    Das mit den „schwarzen Schafen“ hab ich schon ZU oft gehört. Ich vermute deshalb, Sie meinen das ironisch. Denn die Entschuldigungen „Publikationsdruck… Mittel begrenzt… Zeit…“ etc. klingen danach. (Oder sind Sie selbst Prof und entschuldigen die Nachlässigkeiten deshalb?)
    JEDER Beruf hat seine Tücken, Fallen, Bedrängungen, Risiken, Zeitmängel… auch meiner. Im Gegensatz zu mir haben die Profs einen sicheren Job und der wird auch noch sehr gut dotiert. Und niemand kontrolliert sie (offensichtlich). Ich dagegen muss tatsächlich und reichlich ackern. Und wenn ich nachlässig bin, gar sowas wichtiges übersehe wie die „schwarzen Schafe“ unter den Profs es tun, dann bin ich weg vom Fenster, mindestens Pleite, werde verklangt…
    Was hat die Politik mit der Faulheit (Ahnungslosigkeit? Bestechlichkeit? Altherrentreue zum Corps?) dieser Professoren zu tun?
    Was soll also dies ENTSCHULDIGEN dieser reichlich Zeit habenden Doktorväter? Die sollen gefälligst ihrer Arbeit nachgehen. Wenn sie’s nicht können. sollen sie den Job nicht annehmen oder hinschmeißen und was anderes tun. Wie jeder Sterbliche auch.

  5. @Jeeves, kein Grund hier...
    @Jeeves, kein Grund hier rumzubrüllen, oder? Das Doktorvatern ist ja nicht die Haupttätigkeit, für die ein Prof bezahlt wird, da fallen ja nun auch paar andere Dinge an. Aber das Hauptproblem ist doch die enorme Aufblähung aller Wissens- und Forschungsgebiete, die dazu führt, dass man realistischerweie kaum noch den Überblick darüber behalten kann, was zum Themengebiet der jeweiligen Diss schon alles geschrieben wurde. Genau lesen ist das eine, aber daruf zu kommen, dass da so ähnlich schon mal wo stand (und wo genau) das andere. Das ist nicht so trivial wie sich das der Laie gemeinhin vorstellt.

  6. colorcraze, sehr interessante...
    colorcraze, sehr interessante Themen, diese Algorithmen, aber die Informationslage war eher spärlich, oder sehr speziell. Zu speziell für mich, aber auf den entsprechenden Lehrstuhlseiten (guglen: author verification) findet sich noch einiges.
    .
    Jeeves, ich tue mich immer schwer damit, ein Fehlerverhalten zu verurteilen, von dem ich selber nicht sicher weiß, ob ich es besser machen würde. Davon abgesehen glaube ich nicht, daß jeder, der heute über Versäumnisse zetert, jemals den Plagiaten draufgekommen wäre. Egal wie genau er liest.

  7. und Jeeves: nein, ich bin kein...
    und Jeeves: nein, ich bin kein Professor und habe auch keine derartigen Ambitionen.
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    Geschätzter Kollege, eben. Danke.

  8. @Jeeves: "NICHT "sehr genau...
    @Jeeves: „NICHT „sehr genau lesen“, diese faulen Herrschaften.“
    Erstens weiss ich nicht, ob sie es tun. Zweitens, selbst wenn, bräuchten sie immer noch einen vollständigen Überblick über Publiziertes – heutzutage schlicht unmöglich. Drittens aber nützt auch sehr genaues lesen wenig, wenn man nicht die Fähigkeit mitbringt, spezifische (in diesem Falle sprachliche) Muster zu erkennen bzw. zu erkennen, wann diese unerklärlich weit voneinander abweichen. Und zu meiner Überraschung ist die Fähigkeit selten.
    Die einzige Kritik, die ich anerkennen würde, ist die an der Flut von Doktorarbeiten an sich. Daran aber tragen die Hochschul- und Fachbereichsleitungen mindestens ebenso Verantwortung, wie die einzelnen Professoren.
    @Sophia: Spannendes Thema. Allerdings ist das Problem der Übereinstimmung von Texten letztlich (logisch) trivial, anders als die Probleme, die sich bei Übersetzungen oder gar im Sinnverständnis stellen. Von daher – entsprechender Ressourceneinsatz vorausgesetzt – liessen sich zuverlässige Plagiaterkennungen dann vergleichsweise einfach programmieren, wenn alle notwendigen Referenztexte als Textdateien zur Verfügung ständen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  9. Darf ich zum fremdgehen...
    Darf ich zum fremdgehen verleiten?
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    http://deplagio.wordpress.com/
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    Die Kritik gibt es ja nicht wegen einzelner Textbausteine oder meinetwegen sogar Seiten, die ein Doktorvater nicht erkannt hätte. Sie haben oben diese schöne Grafik kopiert (PLAGIAT!!!!! ;) ), die ja praktisch nur aus schwarzen und roten Blaken besteht. Es geht also darum, dass ein Doktorvater nicht mal oberflächlich diese Arbeit überflogen und diese dann auch noch mit scl bewertet hat. Mit dem Leistungsdruck an Professoren lässt sich das nicht rechtfertigen und die Uni Bayreuth hat sich mit ihrer Pseudokomission und dem „Freispruch“ Häberles noch tiefer reingeritten.
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    Als die ganze KTG-Affäre losging habe ich mal meine Textbausteine zusammengefügt und kam auf vierzehn Seiten reinen Text, Kollege kam sogar nur auf knappe neun :)

  10. Leider geht Ihre Verteidigung...
    Leider geht Ihre Verteidigung der Professorenschaft etwas am Thema vorbei: Wesentlicher Teil der zum Entzug des Titels führenden Vorwürfe betrafen nicht fehlende, sondern „falsche“ Zitate im Sinne von nicht kenntlich gemachten wörtlichen Ubernahmen – und zwar in ganz erheblichem Umfang. Da kann man schon die Meinung vertreten, daß bereits bei einer stichprobenhaften Überprüfung von Zitaten ein Anfangsverdacht hätte aufkommen müssen, der Anlaß für eine intensivere Prüfung gegeben hätte.
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    In den Fällen, in denen die Delinquenten dann auch noch den eigenen Dorkorvater wörtlich zitierten, ohne da0 es ihm aufgefallen war, könnte es auch so sein, daß die entsprechende Stelle der Zuarbeit eines wissenschaftlichen Mitarbeiters entstammt (im originellsten denkbaren Fall vom Promovierenden selbst…). Hoffen wir mal, daß der Professor in diesem Fall die Mitarbeit(Zuarbeit publik gemacht hat, wie es üblich ist…
    .
    Der „gut umformulierte Ideenklau“ und die „Übernahme von Strukturenohne eigene Denkleistung“ ist dagegen eher grenzwertig, hier kommt es darauf an, inwieweit sich Verbindungen aufdrängen: nicht jede Idee ist so originell, daß sie nicht ein Dritter unabhängig vom Ersten haben kann, gleiche Strukturen können sich auch aus der Sache oder der (von beiden benutzten) Methodik ergeben.
    .
    @MSdN: Einzelne Worte groß zu schreiben, würde ich noch nicht als „brüllen“ bezeichnen (zumal andere Formen der Hervorhebung hier wohl nicht möglich sind?).
    Und noch ne Frage zum Thema Autorenverifikation: Ich kann mir vorstellen, daß das bei toten Autoren funktioniert, deren vollständiges Lebenswerk bekannt ist. Aber bei lebenden, deren Stil sich entwickelt?

  11. <p>Werter ThorHa, deswegen...
    Werter ThorHa, deswegen wäre Autorenverifikation viel sinnvoller. Da weisen die Algorithmen auf alle möglichen Arten von Brüchen hin und es braucht keine Referenzdatenbank.
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    Asper, ich bin keineswegs für Plagiate und durchaus für rigorose Sanktionen bei akademischem Betrug. Aber gerade den handwerklich gut gemachten Betrug (mit Übersetzungen, Umformulierungen etc.) entdeckt man eben nicht so leicht. Und selbst den handwerlich schlampig gemachten Betrug… dazu die generelle Tendenz im Amtsdeutsch (oder bestimmten Disziplinen) zu hohlen Worthülsen und absurden Satzmonstern…. ich glaube, im Nachhinein sagt es sich leicht: „das hätte doch aufallen müssen“. Weiß nicht, ob das so leicht ist.
    Die fehlende Distanz zwischen Doktorvater und Doktorand ist ein inhärentes Problem dieses Verhältnisses. Aber wieviel ist gesundes Mißtrauen? Und was ist zuviel? Es soll ja doch ein Vertrauensverhältnis sein, wie sonst würde man es drei Jahre lang zusammen aushalten?
    .
    Don Aldduck, das kommt eben auch drauf an, welche Fußnoten man kontrolliert hat. Ja, sollte man. Nein, haben viele sicherlich naiverweise (im Vertrauen auf die Redlichkeit des Doktoranden) nicht sehr gründlich gemacht. Das kann man verurteilen. Vielleicht ist es aber auch nur menschlich.
    @Autorenverifikation – weiß nicht, wieviel Text dafür als Vorlage notwendig ist, aber ich würde vermuten 10 Seiten oder so sollten schon ausreichen für einige grobe Parameter. Je mehr, desto feiner und kleinteiliger wird natürlich der Fingerabdruck, aber schon mit den ersten Parametern kann man ja auch erste „Nicht vom selben Autor“ Treffer landen können. Da müssten Sie allerdings die Profis fragen, wie die Kalibrierung funktioniert.

  12. @Sophia:
    Autorenverifikation...

    @Sophia:
    Autorenverifikation leuchtet mir – bei Plagiatsuntersuchungen – nicht ganz ein. Woher soll auch nur ein entsprechend langer Referenztext kommen?
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  13. <p>ThorHa, also, ich...
    ThorHa, also, ich kombiniere ja auch nur mein Wissen zusammen. Aber Autorenverifikation ist ganz wesentlich Statistik, also die Häufigkeit bestimmter Charakteristika. Schon mit 10 Seiten lassen sich erste Parameter erfassen, nehme ich an. Mit 50 Seiten natürlich mehr, und die statistische Validität (Signifikanz) steigt. Das System taugt also nicht für Bachelor- und nur begrenzt für Masterarbeiten. Für Promotionen hingegen schon, vermute ich. Es würde ja schon reichen, wenn sie die ersten 10-20 Seiten (Einleitung) als Referenz nehmen, die schreiben die meisten (außer G) ja doch selber …. wenn das nicht zum Rest passt, ist doch schon was faul? Als Indikator für Unrat ist die Autorenverifikation wesentlich geeigneter, weil sie „in-sich“ prüft, nicht im Vergleich.

  14. @Don Aldduck: Ihr Einwand mit...
    @Don Aldduck: Ihr Einwand mit den fehlenden „Tags“ für fett, kursiv und unterstrichen ist stichhaltig. Indes hätte ich Herrn Jeeves so eingeschätzt, dass ihm _andere_ Betonungsformen als Caps Lock durchaus zu Gebote stünden, aber ich kann mich da auch irren. (Könnte es mir auch einfach machen und sagen, Kommunikation ist das, was ankommt – aber ich war ja nicht der Adressat seines Kommentars, von daher will ich das mal gut sein lassen).

  15. @Sophia:
    Verehrte Sophia, Sie...

    @Sophia:
    Verehrte Sophia, Sie haben – Recht. Eine kurze Netzrecherche erbrachte hinreichende Indizien dafür, dass auch kürzere Texte (in Link 2 unten zwischen 624 und 1342 Worten) ausreichten,m um mit einer einstelligen Fehlerrate Texte Autoren eindeutig zuzuweisen.
    http://acl.ldc.upenn.edu/J/J00/J00-4001.pdf
    http://acl.ldc.upenn.edu/acl2004/main/pdf/183_pdf_2-col.pdf
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  16. Vielen Dank für diesen sehr...
    Vielen Dank für diesen sehr informativen Text!
    Leider funzt der Link in folgender Textstelle nicht:
    „Davon gibt es etliche auf dem Markt, was zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft der akademischen Qualität berechtigen würde – leider aber halten die Programme kaum, was sie versprechen.“ bzw. der, der unter „halten die Programme kaum“ liegt.
    Können Sie den bitte noch nachreichen?
    Danke.

  17. Thorstena, ich befürchte, wir...
    Thorstena, ich befürchte, wir haben mit dem sensationellen Traffic von hier die Seite gecrasht. Link müßte also funktionieren, nur nicht gerade jetzt. Das ist die Plagiats-Site der Berliner HTW, die testen die Programme regelmäßig.

  18. @ThorHa: soso, Griechen sind...
    @ThorHa: soso, Griechen sind das. Dacht ich mir doch, daß die ganz gute Informatiker haben.
    @Asper: soso, Sie betätigen sich also in Qualitätskontrolle. Nun ja, muß es auch geben. Solange es die Legebatterien noch gibt. Oxford wird ja jetzt „reformiert“, sprich, abgeschafft, der Rest legt noch ein letztes Ei, oder auch zwei.

  19. @colorcraze, da habe ich mich...
    @colorcraze, da habe ich mich missverstädnlich ausgedrückt. Die Seitenanzahl hat sich auf den Textanteil meiner Promotion (so sie denn anerkannt wird) bezogen.

  20. PS: Legebatterien, Oxford,...
    PS: Legebatterien, Oxford, Eier? Wie bitte?

  21. Gugel????...
    Gugel????

  22. Vor Jahren bin ich mal über...
    Vor Jahren bin ich mal über populärwissenschaftliche Berichterstattung zu einem Um-die-Ecke-Verfahren gestolpert, das im wesentlichen mit der n-gram-Methode verwandt ist:
    Man kann digitale Dateien nun packen, dass sie weniger Platz benötigen. Zip-Archive und diverse andere Formate mit leicht anderen Algorithmen wie Rar, 7-Zip, GZip und vieles anderes mehr. Die Funktionsweise ist bei allen im wesentlichen gleich: In der Datei wird nach Übereinstimmungen gesucht, d.h. nach längeren Bit- und Bytefolgen, die gleich sind, sozusagen binäre n-gramme. Diese werden aus dem Korpus entfernt, durch eine spezielle Zahl ersetzt und in einem im Zip-Archiv noch enthaltenen Index wird eine Zuordnungsvorschrift angelegt, die diese spezielle Zahl mit der Reihenfolge mit der Bytereihenfolge assoziert, damit beim Entpacken das platzsparende wieder umgekehrt ersetzt werden kann. Verwendet zum Beispiel ein Autor in seinem Text andauernd das Wort „Transsubstantiation“ wird dieses aus dem Text entfernt und durch einen sehr viel kürzeren Bezeichner ersetzt.
    Das Interessante daran ist nun die Zuordnung von Phrasen zu Kürzeln. Effektiv hat man dadurch eine Auflistung häufigen Sprachgebrauchs eines Autors. Und da ist diese Studie, die ich im Hinterkopf hatte: Anscheinend hatten Wissenschaftler mal überprüft, ob beim Packen des Korpus von bekannten Autoren eine Art statistischer Fingerabdruck herauskommt, anhand dessen man unterschiedliche Autoren voneinander unterscheiden kann. Und soweit ich mich schwach erinnere, kam man da durchaus zu signifikanten Ergebnissen, d.h. nicht nur Shakespeare vs. Bundesgesetzblatt, sondern auch zwischen Autoren, die über die gleichen Themen schreiben.
    Dummerweise lässt mich mein heute sehr lethargisches Google-Fu da im Stich, ich mein, ich hätte das vor acht, neun Jahren oder so mal gelesen, vermutlich im Heise Newsticker oder bei Telepolis.

  23. Sophia,
    ich weiss, dass es...

    Sophia,
    ich weiss, dass es hier im Blog eher um die technischen Aspekte geht. Ich denke jedoch, dass Sie die Herren (und ganz vereinzelten Damen…) Professoren etwas zu pauschal verteidigen. Wenn eine Arbeit zu überwiegendem Teil aus Plagiaten besteht, sollte der Gutachter zumindest das Fehlen der eigenen geistigen Leistung des Doktoranden erkennen – unabhängig vom Erkennen der eigentlichen Plagiate. Ich weiss natürlich auch, dass in den Gesellschaftswissenschaften schon eine neue Zusammenstellung alter Ideen als eigene Leistung zählen kann (solange man die Quellen richtig zitiert) – dies ist jedoch meines Erachtens an sich durchaus schon für sich ein kritikwürdiges Phänomen.
    .
    In einer funktionierenden Wissenschaftskultur sollten das Misstrauen des Gutachters gegenüber dem Doktoranden und die ganze Technik automatisierter Plagiatserkennung garnicht notwendig sein, um ein Plagiat zu auszusortieren, hier würde allein der Anspruch wissenschaftlicher Qualität ausreichen.
    .
    Nichtsdestotrotz ist das Thema Textquellen-Analyse natürlich hochinteressant und auch über den Bereich Plagiaterkennung hinaus von Nutzen.

  24. @Asper: Legebatterien: Unis,...
    @Asper: Legebatterien: Unis, Eier: Diss, M.A. usw. – zu Oxford gabs hierzuzeitung vor paar Tagen einen Artikel, daß sie die hergebrachte Struktur der Colleges auflösen wollen (die seit Jahrhunderten bestehen).

  25. Michael Overdick, Reflex von...
    Michael Overdick, Reflex von Leuten, die der Maschine keine Treffer bescheren wollen. Hier wäre es natürlich gleichgültig.
    .
    Tim Tepaße, es ist schon unglaublich, was man alles machen kann. Und wo sich überall digitale Fingerabdrücke verstecken. Ts.
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    Chris, wenn die Denkleistung anderer geschickt wiedergegeben wird, dann muß er das nicht unbedingt sehen. Ansonsten stimme ich Ihnen zu: die Kompilation des Wissens Anderer ist in der Regel Bachelor-Niveau. Nicht promotionswürdig. Wobei es da in vielen Geisteswissenschaften sicher Grauzonen gibt.

  26. Wer hier freigeschaltet werden...
    Wer hier freigeschaltet werden möchte, möge sich bitte bemühen, sinnvolle Sätze zu konstruieren. Was wie Spam aussieht, wird gelöscht.

  27. @Tim Tepasse: ah, vor 8 Jahren...
    @Tim Tepasse: ah, vor 8 Jahren war das schon Thema? Interessant.
    @Chris: naja, sollte.. ich sehs halt eher als Massenphänomen – wie kommt man der Masse an aktueller Literatur hinterher und der Masse an Studenten- oder Doktorandenproduziertem.

  28. @Sophia: ach, daß die...
    @Sophia: ach, daß die persönliche Schreib- und Redeweise eine Art Fingerabdruck bildet, finde ich – zumindest bei eher literarischen oder persönlichen Texten – nicht überraschend. Bei Twitter, Facebook, Chats erwarte ich derlei jedoch deutlich weniger.

  29. Wenn Chris schreibt:

    "Wenn...
    Wenn Chris schreibt:
    „Wenn eine Arbeit zu überwiegendem Teil aus Plagiaten besteht, sollte der Gutachter zumindest das Fehlen der eigenen geistigen Leistung des Doktoranden erkennen – unabhängig vom Erkennen der eigentlichen Plagiate.“
    und colorcraze antwortet darauf:
    „@Chris: naja, sollte.. ich sehs halt eher als Massenphänomen – wie kommt man der Masse an aktueller Literatur hinterher und der Masse an Studenten- oder Doktorandenproduziertem.“
    dann hat colorcraze erkennbar überhaupt nicht begriffen, wovon Chris spricht.

  30. Nörgler, oder Sie nicht,...
    Nörgler, oder Sie nicht, wovon Colorcraze spricht. Chris meint, Plagiate müsse man daran erkennen, daß keine eigene Leistung vorhanden ist. Colorcraze meint, daß plagiieren ja gerade darin besteht, die eigene Leistung vorzutäuschen, indem man anderer Leute Gedanken neu verpackt. Die Verbindung: Stolpert der Betreuer nicht gerade über handwerkliche Fehler, bleibt nur ein Weg, das Plagiat bei der Lektüre zu entdecken: indem man in der relevanten Literatur perfekt orientiert ist und genau weiß, was schon mal geschrieben wurde. Was wiederum, bei der Masse an produzierter Literatur, schlichtweg nicht möglich ist.

  31. Sophia,
    bei der Kompilation...

    Sophia,
    bei der Kompilation kommt es denke ich darauf an, dass man aus der Zusammenstellung der Quellen dann eine eigene neue Ansicht ableitet.
    .
    colorcraze, das mit der Masse ist in der Tat vermutlich das Hauptproblem – ich bin auch gespannt, wann die ersten Mehrfachplagiate auftauchen – jemand schreibt etwas ab, was vom vermeintlichen Autor bereits (unbemerkt) schonmal abgeschrieben wurde…

  32. Sophia (in der Antwort auf...
    Sophia (in der Antwort auf Nörgler),
    ich denke das mit der Masse hat zwei Seiten, die Masse an existierender Literatur, die heutzutage kaum mehr zu bewältigen ist und die Masse an Doktorarbeiten. Würde man Letzteres reduzieren wäre dies durchaus ein erfolgsversprechender Ansatz da ein intensiverer Kontakt zum Promovierenden dem Gutachter einen besseren Einblick in die Entstehung der eigenen Ideen in der Arbeit – so denn vorhanden – erlauben würde. Eine eigene Idee in einem fertigen Text vorzutäuschen ist das eine. Ihre Entstehung über einen längeren Zeitraum zu imitieren etwas vollkommen anderes. Leider ist dieser intensive Austausch in der Entstehungsphase der Arbeit nichts, was man vorschreiben kann, sondern – wie bereits gesagt – eine Frage der Wissenschaftskultur.

  33. Mal wieder ein sehr...
    Mal wieder ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank!
    Jedoch ist meine wesentliche Kritik, dass viele „Doktortitel“ in keiner Weise gerechtfertigt sind, selbst wenn die Arbeit vollständig selbst erstellt wurde.
    Eine Doktorarbeit soll wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse beinhalten und die Wissenschaft insgesamt voranbringen. Wenn man diesen Maßstab ansetzt, dann kann man doch so einige Doktorarbeiten schon von Anfang an in der Luft zerreissen! Und dazu braucht es keine ausgefeilte Analysemethoden, hier sind nur die Kriterien streng einzuhalten.
    Gegen Gefälligkeitsgutachten hilft auch die beste Software nicht!

  34. Bzgl. Oxford: Dort ist die...
    Bzgl. Oxford: Dort ist die Situation entscheidend besser als in Deutschland, insoweit in Grossbritannien der Betreuer (Doktorvater) die Arbeit NICHT bewertet. Die Bewertung wird von einem anderen Prof. der Heimatuni und einem Prof. einer anderen Universitaet vorgenommen. Wie ein Doktorvater objektiv (und das beinhaltet Plagiatspruefung) die Arbeit seines „Schuetzlings“ beurteilen kann, ist mir schleierhaft. Eine Annaehrung an das britische System waere ein einfacher und effektiver Schritt hin zu einer Aufwertung des Promotionsverfahrens.

  35. Ich bin über die ganze...
    Ich bin über die ganze Diskussion und deren Qualität hier sehr erfreut!
    Ja, ich kann mich der Meinung von Torlin nur anschliessen, eine Doktorarbeit muss Neues auf dem entsprechenden Gebiet erbringen. Ansonsten wäre es nur mit einer Diplomarbeit gleichzustellen, die „nur“ das „eigenständige“ Erbringen einer wissenschaftlichen Leistung erfordert (ich möchte hier aber nicht auf die Feinheiten von „wissenschaftlich“ eingehen, dazu siehe Definition von Karl Popper).

  36. @Chris: ach, das was Sie...
    @Chris: ach, das was Sie „Mehrfachplagiate“ nennen (vermutlich hat das noch eine spezielle Bezeichnung), gibts bestimmt gelegentlich. Und der „Kompilierwahn“ soll auch früher, zu Analogzeiten (im 19. Jhdt. oder noch früher) schonmal sehr ausgeprägt gewesen sein. Aber heutzutage geht es cshneller denn je, eine Masse an Text zu produzieren, bei der ein Mensch, wenn auch schnellesegeübt, es nicht gründlich aufnimmt. Weil halt das nächste dicke Teil wartet.

  37. @Torlin Monger: naja, das ist...
    @Torlin Monger: naja, das ist wohl je nach Fach recht verschieden – in den Massenfächern und Medizin muß man es halt als normale Abschlußarbeit betrachten…

  38. Chris, der intensive Kontakt...
    Chris, der intensive Kontakt fehlt ja nur bei externen Doktorarbeiten. Und das sind eben auch die Kandidaten, denen es weniger um wissenschaftlichen Anspruch als um den Titel als Endergebnis geht.
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    Torlin Monger, solange Universitäten in Rankings auch nach der Anzahl der Promotionen besser bewertet werden, wird sich daran wohl nichts ändern. Anreize, und so.
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    Miguel4, an manchen Universitäten und in manchen Programmen ist das schon so. Überhaupt, Betreuungsverhältnis… das ist ja auch eine Statistik.

  39. Physiker, was die...
    Physiker, was die Originalität der Erkenntnisse betrifft, haben Naturwissenschaftler manchmal, glaube ich, einen zu engen Fokus. Geisteswissenschaften sind einfach anders und auch eine Kompilation unter neuen Gesichtspunkten kann „originell“ sein und die Wissenschaft bereichern. Es ist nur nicht so leicht festzustellen wie in anderen Fächern – weshalb man umso kritischer sein müßte.

  40. ein problem der ganzen...
    ein problem der ganzen „plagiatssoftware“ ist zudem das rechtlich dünne eis, auf dem sich die unis bewegen. studierende werden gezwungen ihre einverständnis zum hochladen ihrer arbeiten auf ausländischen servern zu geben, wo die dann bis zum sankt nimmerleinstag gespeichert bleiben. das urheberrecht wird seit jahren mit füßen getreten, vielleicht sollte das mal jemand durchklagen.
    über die schöpfungshöhe von semesterhausarbeiten im grundstudium mag es unterschiedliche meinungen geben, aber jeder übungsschein hat mehr substanz als so manches, für das hier im netz ein copyright reklamiert wird.

  41. Das Problem ist natürlich...
    Das Problem ist natürlich auch die weltweit allein in Deutschland übliche massive Konzentration aller finanziellen Mittel bei ganz wenigen Professoren. Je nach Schätzungen zwischen 85 und 90 % aller wissenschaftlich Tätigen an deutschen Universitäten arbeiten – in den Geisteswissenschaften, von denen ich Rede, Tendenz auch in Natwissenschaften, aber nicht in dem Ausmaß – OHNE feste Stelle, oft auch zu absoluten Hungerlöhnen (einige hunder Euro pro Lehrveranstaltung pro SEMESTER).
    Die restlichen 10 bis 15 % – Professoren, denn andere feste Stellen sind sehr rar – sind völlig überfordert. Forschende ohne feste Stelle ohnehin, weil sie aus dem „Projektemachen“ nicht mehr herauskommen – und sich sinnvollerweise nicht mit Positionen hervortun, die etwas in Frage stellen, was die „oberen“ 10 % bis 15 % produzierten – die sitzen nämlich in sämtlichen Mittel vergebenenden, also auch Projekte finanzierenden Institutionen.
    Und hier schließt sich der Kreis: Für Betreuerung und eben auch Kontrolle von Doktorarbeiten bleibt in dem Spiel der Kontrolle über Gelder und damit letztlich auch der Kontrolle von inhaltlichen Ausrichtungen und Positionen nicht die geringste Zeit.
    Kontrolle der Kontrollierenden wäre nur durch echte Konkurrenz zu erreichen. In D – und praktisch nur in D – steht die Masse tatsächlich Forschender in prekärer Lage aber mit einer handvoll rundum abgesicherter Forscher in direkter Konkurrenz, wobei letztere faktisch direkt über praktisch alle befristeten Mitteln entscheiden, die ihre Konkurrent/inn/en gegeben werden. Zum Vergleich: Die angelsächsischen „departments“ haben nicht fünf bis zehn Profs. sondern bei vergleichbarer Unigröße 40 bis 100. Jeder dieser Leute kann seine Forscherposition verteidigen, ohne dafür in Existenznot zu geraten. In D muss jede/r damit rechnen, dass diejenige, die ich inhalliche widerlege, über meine Zukunft und Existenz bestimmt. In D ist das wissenschaftliche Ergebnis dieser Verhältnisse: KEINER der nicht wenigen kulturwissenschaftlichen Trends und Turns der letzten Jahre wurde wirklich hier entwickelt – im Gegenteil, die Rezeption wurde lange verzögert und bekämpft, um schließlich mit zehn bis fünfzehnjähriger Verspätung doch noch zu erfolgen – nach dem „natürlichen“ Machtverlust der „älteren“ Professorenriegen eben, der durch Pensionierung und Nachrücken in Gutachterpositionen erfolgt – nicht aber in Auseinandersetzung zwischen gleich oder ähnlich abgesichert Argumentierenden.
    Das den Professorenstatus finanziell und habituell in völlig absurder Weise überhöhende und verknappende Sondersystem D ist der Hintergrund, vor dem die Produktion möglichst vieler Doktoranden und Habilitanden zu einem Statussymbol unter vielen geraten ist – und die extrem knappe Zeit Prof.Zeit wird dennoch lieber in andere Prestigeprojekte wie eigene (!) Drittmittelprojekte mit vielen abhängigen „Mitarbeitern“, in Gutachterposten und last, but not least eigene Publikationen gesteckt…

  42. Was soll denn das immer mit...
    Was soll denn das immer mit „Gugel“?

  43. Autorenverifikation:

    schoen...
    Autorenverifikation:
    schoen und gut, aber was tut dieses Verfahren wenn man sich die Arbeit lektorieren laesst? Dadurch veraendert sich doch der Stil zwangslaeufig wenn auf die Vorschlaege des Lektors eingegangen wird. Vorallem wenn man innerhalb einer Doktorarbeit verschiedene „drueberschauen“ laesst und deren Anregungen einbaut, kann sich der Stil doch relativ unterscheiden.
    Dazu auch allgemein wie angemerkt, dass man seinen Schreibstil entwickelt. Wenn ich meine ersten Hausarbeiten mit aktuellen vergleiche … da kommt es mir vor als haetten das zwei verschiedene Personen geschrieben und da liegen nur etwa 2 Jahre Studium dazwischen. Und das ist in Deutsch.
    Ich behaupte in einer Fremdsprache entwickelt sich das noch schneller, gerade wenn man anfaengt in dieser Sprache zu publizieren.
    Dazu kommt auch einfach noch die grosse Problematik, dass es eine quasi unendliche Menge an Publikationen gibt, und es mir in meiner aktuellen Arbeit aufgefallen ist, dass ich teilweise selbst etwas geschrieben habe um eine sehr aehnliche Formulierung in einem spaeter entdeckten Text zu finden …

  44. Erst mal vielen Dank für den...
    Erst mal vielen Dank für den Artikel! Daß es tatsächlich nicht so einfach ist, habe ich auch als Dozent an einer deutschen Uni erfahren dürfen.
    Wobei ich hier nicht pauschal die Professorenschaft verteidigen will – da läuft tatsächlich vieles schief, gerade bei „netten“ Menschen, die ein „magna cum laude“ auf Dissertationen ohne Fragestellung und Methodendiskussion geben, bei deren Verteidigung im Publikum halblaut über „akademischen Selbstmord“ getuschelt wird… wobei ich das Leuten gegenüber, die sich richtig reinhängen, gar nicht so „nett“ finde. Insofern ist der Vorschlag, daß der Betreuer nicht auch Gutachter sein soll, gar nicht mal so schlecht.
    Übrigens promoviere ich auch extern – und mir geht es vor allem um den wissenschaftlichen Anspruch und nicht bloß um die zwei Buchstaben. Leider kommt es nämlich auch vor, daß man zwar Riesenglück hat und der Wunschdoktorvater einen wegen eines interessanten Projektes nach einigem hin und her doch nimmt, aber keine Stelle, kein Kolleg o.ä. anbieten kann und man woanderes seine Brötchen verdienen muß. Man kann halt nicht alles haben.

  45. Bei aller Freude an den...
    Bei aller Freude an den technischen Details brauchen wir aber doch auch eine Diskussion darüber, ab wann Ähnlichkeiten auf der Textoberfläche auch tatsächlich als Plagiat gelten müssen. Ist es schon ein Plagiat, wenn jemand eine besonders gelungene Formulierung übernimmt, statt umständlicher selbst zu erklären? Oder fängt das Plagiat erst an, wenn Argumente als eigene ausgegeben werden, die andere geliefert haben? Ersteres lässt sich mit computerlinguistischen Methoden leicht identifizieren. Letzteres nicht.

  46. Das Ganze erinnert mich stark...
    Das Ganze erinnert mich stark an die Dopingproblematik im Sport. Es gibt einen neuen Test; Sünder werden erwischt. Falls man Blutproben aller Olympiasieger der letzten 20 Jahre mit heutigen Mitteln testen würde, würden die Medaillen serienweise zurück gefordert werden müssen. Heute gibt es im Sport ein „Wettrüsten zwischen Dopingkontrolleuren und Dopingsündern.
    .
    Genau das werden wir in Zukunft auch im Plagiatsbereich haben: Jeder einigermaßen vernunftbegabte Doktorand (mit Politikambitionen) wird seine Doktorarbeit vor der Abgabe in eine Plagiatssuchmaschine schicken. Gibt es da eigentlich schon kommerzielle Angebote? Angebot und Nachfrage – der Markt wird es regeln.
    .
    Aber haben wir im Ergebnis bessere Doktorarbeiten? Und bessere Politiker? Da habe ich (leider) meine berechtigten Zweifel.

  47. <p>vert, sehr wahr. Ich bin...
    vert, sehr wahr. Ich bin ganz froh, daß das zu meinen Unizeiten noch sehr unüblich war.
    .
    basurino, während meines Studiums habe ich grandiose Professoren gehabt, die eine Zierde ihres Standes waren, ebenso wie überforderte oder gelangweilte Dienstabsitzer. Davon abgesehen zeichnete sich das Studium in D über lange Zeit auch dadurch aus, daß Freiheit und Eigenverantwortung ausgeprägt waren. Das mag nicht mehr zeitgemäß sein, aber nicht alles war/ist schlecht.
    .
    Max, siehe oben. Das ist ein Reflex – auf anderen Seiten (nicht hier) will ich denen nicht auch noch Treffer bescheren, bzw. referenziert werden. Hier wäre es vermutlich schnuppe, aber das ist inzwischen so drin… .

  48. 'Gugel' finde ich klasse....
    ‚Gugel‘ finde ich klasse. Weiter so! z.B. Meikrosoft, Eppel, Feiervox, Eibie-Emm. Aber was machen wir mit Facebook?

  49. Student, Entwicklung im...
    Student, Entwicklung im Zeitablauf ist kein Problem, weil ja neue Dokumente auch neu betrachtet werden. Man würde selbstredend nicht die Bachelorarbeit als Fingerabdruck verwenden und an die Diss anlegen. Verschiedene Autoren/Lektorat sind vermutlich schwierig. Davon abgesehen ist das immer noch eine Maschine: sie gibt errechnete Hinweise, daß es etwas inkonsistent ist. Dann muß der Mensch nachputzen und prüfen, ob da unsauber gearbeitet wurde, oder eben nur lektoriert. Dann sähe man ja auch: sind das die ein oder zwei vergessenen Fußnoten, die jedem Wissenschaftler passieren, oder ist es systematisch.
    .
    Stomps, vielen Dank für die Bestätigung – ich möchte die Professorenschaft gar nicht pauschal verteidigen, aber die pauschale Anschuldigung, die würden alle schludern, halte ich für fragwürdig. Sollen die ganze Schreihälse erst mal selber Plagiate ad hoc entdecken, bevor sie das von anderen einfordern. Defizite in der Wissenschaftswelt unbestritten.
    Umgekehrt möchte ich auch externe Doktoranden nicht pauschal verurteilen – ich denke nur, die Tendenz zur Titelpromotion ist in der Gruppe größer. Im Durchschnitt, methodisch gesehen.
    .
    Linguist, die Übernahme von Formulierungen ist kein Plagiat, wenn mit Fußnote versehen, ebenso wenig wie die Übernahme von Argumenten. Manche Dinge wurden bereits so perfekt ausgedrückt, daß eine Umformulierung nur schlechter würde. Aber dafür gibt es ja das Zitiersystem. Schwieriger finde ich die Frage, wieviele Fußnoten man „vergessen“ kann, bevor man systematischen Betrug unterstellt.

  50. @Student: ja, das finde ich...
    @Student: ja, das finde ich auch eine äußerst interessante Frage, ob durch die verschiedenen Entwicklungen, die man schreiberisch ja macht (man schreibt ja in verschiedenen Genres, über verschiedene Themen, je nach Publikum auch in verschiedenen Stilen usw.). der „Fingerabdruck“ erhalten bleibt, besonders, wenn jemand sich sehr verändert. Müßte man corpora haben von Leuten, die sehr unterschiedliche Sachen geschrieben haben, um dem mal nachzugehen.

  51. W. Wacker, kann ich mir nicht...
    W. Wacker, kann ich mir nicht vorstellen. Schimpfen Sie mich naiv, aber ich glaube fest, daß nur eine Minderheit plagiiert. Nur die müssen vorher testen, ob sie auffliegen können oder nicht und beim aktuellen Stand der Technik muß man wohl sagen: eher nicht.
    Mit Fachkompetenz haben Doktorarbeiten ohnehin nur für Wissenschaftler zu tun. Mit Redlichkeit hingegen für jeden Doktoranden.
    .
    Chefnerd, Gesichtsbuch? Fratzenbuch? FB? Es tut mir leid, es tut mir leid, ich werde in Zukunft meine Beiträge auf blog-jargon-freies Standarddeutsch lektorieren lassen.

  52. "...in Gugel...
    „…in Gugel eingeben“?????
    Laut Duden:
    „Gugel
    Substantiv, feminin – (in der Zeit der Gotik) Kopfbedeckung für Männer in Form einer eng anliegenden [Zipfel]kapuze mit kragenartigem Schulterstück.“
    Ansonsten ist Google immer noch ein Eigenname und sollte auch so geschrieben werden. Technikfeindlichkeit mit sprachlicher Verballhornung zu demonstrieren, macht Ihren Artikel nicht überzeugender.

  53. as3005, vielen Dank für die...
    as3005, vielen Dank für die Belehrung. Wenn Sie den Beitrag nicht überzeugend finden, dürfen Sie auch gerne zu konstruktiver Kritik greifen – davon hätten dann nämlich alle was.

  54. @Chefnerd
    Statt Meikrosoft...

    @Chefnerd
    Statt Meikrosoft besser Winzigweich, sonst vielleicht Facebook = Feyssbuck?
    Gruß K

  55. Kalchas, Buck ist noch zu...
    Kalchas, Buck ist noch zu Englisch. Wenn schon, dann Feyssbug.

  56. Geschätzte SAAI, meine...
    Geschätzte SAAI, meine Glückwünsche zu dem höchst informativen Artikel und – auch! – zu den pointierten Kommentaren. Keine ganz leichte Aufgabe, die Sie sich vorgenommen haben – wer drinsteckt im Betrieb, taumelt ohnehin ständig zwischen Selbstspott und Verzweiflung (und einige Foristen haben offenbar Unis seit langem nur noch von außen gesehen). Wir stehen alle auf der Titanic und beklagen das bißchen Eis, das auf das Oberdeck prasselt. Soll heißen: Die Diskussion um plagiierte Dissertationen dreht sich um ein Luxusproblem, die von außen eingereichten Promotionsschriften. Hier gilt – bei aller berechtigten Empörung -, daß die Mühlen der Wissenschaft manchmal sehr langsam, aber meistens unbarmherzig genau mahlen. Wenn Publikationspflicht besteht, kommt alles irgendwann raus. Nein, das wahre Monster „Eisberg“ lauert unter der Wasseroberfläche und heißt normalakademische „Qualifikationsschriften“ (bis hin zu Staatsarbeit oder Master-Thesis). Nach eher nüchternen Schätzungen sind etwa 30 % der eingereichten Arbeiten nicht regulär zustandegekommen. Wie will man angesichts der katastrophalen Relation Betreuer – Studierende an unseren Unis dieser Welle noch Herr werden?! Ich plaudere jetzt mal aus dem Nähkästchen: Ehe ich Tage und Wochen darauf verwende, akribisch die Täuschungsabsicht nachzuweisen, gebe ich lieber bei hinreichendem Verdacht einen Vierer und befördere die KandidatInnen ans Ende des Rankings. Das ist überhaupt nicht wissenschaftlich, aber pure Notwehr! Und jetzt erwarte ich in Demut die fliegenden Steine …
    Ach, sehr nett, das „Gugel“ – ich plädiere für Beibehaltung und denke zugleich an einen schmackhaften(?) Napfkuchen, in den man hineinspringt: „Gugelhupf“. Und das Facebook?! Warum nicht Fezbock?? Viel Bock auf sinnlosen Spaß.

  57. oh, bis zu 3 Dissertationen...
    oh, bis zu 3 Dissertationen pro Jahr mit jeweils mindestens 200 Seiten! Was für eine Arbeit! Ich fasse es nicht. So viel haben die zu tun? Meine Güte, das ist ja nicht zu schaffen.
    Ich frage mich aber schon, wie mein Chef es schafft, ganze Bücher zu einem Thema zu lesen – mehrere pro Jahr, sicher über 200 Seiten stark – und das bei seinem vollen Terminkalender und noch 5-köpfiger Familie als „Hobby“. Ach ja und ganz nebenbei bekommt er noch jeden Tag gefühlte 3 kg Post!

  58. Liebe Sophia Amalie Antoinette...
    Liebe Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia (heisst so jemand)?
    as3005 hat völlig recht. Es gehört sich nicht, Eigennamen zu verballhornen. Wenn Sie ernst genommen werden möchten, sollten Sie solches nicht tun. Oder darf ich Sie abkürzen in Sopamantin?

  59. kampfstrampler, vielen Dank....
    kampfstrampler, vielen Dank. Ich glaube auch, daß die größeren Probleme viel tiefer im System liegen – begrüße es aber uneingeschränkt, daß zumindest die oberflächlichen Probleme thematisiert (und sanktioniert! ha!) wurden. Schön auch, daß Sie bestätigen können, wie mühsam und zeitraubend die Plagiatssuche ist… sowas dachte ich mir, aber praktische Bestätigung hilft ungemein.
    .
    Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, die Eigennamen von natürlichen Personen würde ich niemals verballhornen, obwohl ich es mit Fassung trage, wie hier mit meinem Namensklüngel gelegentlich umgegangen wird, das ist schließlich selbstgewählt.
    Erstens aber: wie es zu Gugel kommt, habe ich bereits drei Mal erklärt. Ich empfehle: erst lesen, dann nörgeln. Zweitens: Gugel ist keine natürliche Person, die sich persönlich angegriffen fühlen könnte – da finde ich die Sünde läßlich, wenn es denn eine wäre. Drittens: es ist nicht Verballhornung, sondern zweckorientiert. Ich hätte auch G*ogel oder Go*gel oder Goog*l schreiben können, habe mich aber längst an Gugel gewöhnt und nicht weiter nachgedacht. Weil ich nämlich mit den konkreten Inhalten mehr Aufmerksamkeit gewidmet habe.

  60. Wie wäres mit "Fakebuch"?...
    Wie wäres mit „Fakebuch“? Irgendwo hab ich auch mal „Bacefuck“ oder so gelesen…
    .
    Zum Thema: Die Masse der veröffentlichten Literatur mag steigern, aber tut sie das auch zu jedem Thema? Üblicherweise promoviert man doch wohl in einem Thema, in dem der Doktorvater spezielle Kenntnisse hat – und dann auch die wesentliche Literatur kennen dürfte. Das erhöht das Risiko für Plagierende doch spürbar…
    .
    Mir drängt sich da eher der Verdacht auf, daß das Näheverhältnis zum Promivierenden dazu führt, weniger genau hinzuschauen – insbesondere, wenn der prominent ist und damit auch das eigene Ansehen schmückt. Wenn sich dann auch noch ein Kontrast zur Behandlung der einfachen Studenten ergibt, wär das zwar auch ein menschlicher Zug, aber kein besonders schöner.
    .
    Eine Beuirteilung durch Dritte würde dieses Risiko schon mindern. Schliesslich sollen Doktorarbeiten ja zumindest die Fähigkeit belegen, sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, die Frage der Originalität und Menge der eigenen Gedanken ist in der Massenuni und insbesondere auch bei Promotionen über Versuchsreihen (wie sie sich insbesondere in der Medizin finden) vielleicht nicht immer von wirklich hohem Gewicht. Wonei der „Dr.“ natürlich trotzdem nicht zum reinen Googlehupf werden darf….

  61. Meikrosoft und Feysbug geht...
    Meikrosoft und Feysbug geht natürlich gar nicht. Stellen Sie sich nur mal vor, zum gestrigen Geburtstag von Barrack Obama hätte auch nur -ein- Reporter Kanack Osama geschieben… Bitte lassen Sie das, machen Sie sich nicht lächerlich mit sowas. Die Ernsthaftigkeit Ihres Beitrags ist gefährdet.

  62. Ich habe komplett gelesen,...
    Ich habe komplett gelesen, aber: Ich weiss nicht, wo Ihr Problem ist, warum Sie nicht google schreiben wie es sich gehört. Damit es nicht gefunden wird? Warum publizieren Sie Dinge, die Sie nicht gefunden wissen möchten?

  63. Sehr verehrte Sophia Amalie...
    Sehr verehrte Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    wäre das eventuell ein Thema für eine Diss.?
    1.) Eine Gugel ist eine kapuzenartige Kappe, schriftl. u. bildl. nachw. seit dem Hochmittelalter (Tarnkappe?).
    2.) Gugelhupf ist ein hoher Topfkuchen.
    (Läßliche Sünden werden mindestens mit dem Fegefeuer bestraft.)
    MfG & devotestem Handkuß

  64. @Pippilotta Viktualia...
    @Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf:
    mit diesem „künstlernamen“ würd ich an ihrer stelle mal etwas entspannter auftreten. das ist ja mehr als ambivalent. (und um an den artikel anzuknüpfen: nicht nur ein offensichtliches, nein, auch ein schlechtes plagiat.)
    und jetzt dürfen sie gerne meinen namen abkürzen, wie sie mögen – ich heb mir hyperventilation und schnappatmung für was anderes auf…

  65. Das Argument der...
    Das Argument der Arbeitsüberlastung ist schon spannend und würde so in vielen Branchen nicht anerkannt werden. Vielleicht ist das Thema ist dann so belanglos und der akademische Grad so nichtssagend, dass es eh egal ist…

  66. @Pippilotta:
    Seien Sie...

    @Pippilotta:
    Seien Sie dankbar, dass Sophia ein höfliches Wesen ist …

  67. Zitat Prof. Lenzen, HH zu...
    Zitat Prof. Lenzen, HH zu Plagiatoren:
    „Aber es ist schon auffällig, dass diese Betrüger so häufig Politiker werden. Oder umgekehrt, dass sich unter Politikern eine auffällige Zahl von Plagiatoren befindet.“
    Die Bereitschaft zu Lug und Trug und die dazu gehörige betrügerische Energie scheint wohl wesentliche Grundlage für eine Politkarriere zu sein.

  68. @ThorHa
    Bin ich! Sehr sogar...

    @ThorHa
    Bin ich! Sehr sogar :o) wobei natürlich zur Höflichkeit auch gehört, eine Suchmaschine nicht zu einer kapuzenartigen Kappe zu machen ;o)

  69. Also bei Feyssbuck denke ich...
    Also bei Feyssbuck denke ich sofort an den Feyss-Dollar und bei Feyssbug an den klassischen Feyssschen Fehler. Diese Anglizismen machen mich noch ganz verrückt. Sophias ‚Fratzenbuch‘ gefällt mir noch am besten, oder wie wärs mit Exhibitionisten-Bibliothek, abgekürzt Exbi?

  70. Don Aldduck, es liegt in der...
    Don Aldduck, es liegt in der Natur der Sache, daß der Doktorvater seine fünf Doktoranden besser kennt als seine 200 Studenten. Das an sich finde ich nicht schlimm, und eine positivere Meinung aufgrund der besseren Bekanntschaft ist einfach nur menschlich. Eben deshalb bräuchte es, wie Sie und andere hier mehrfach gesagt haben, unparteische Korrekturen.
    .
    Geschätzter Grand Guignol, Sie meinen, ich sollte auf historische Themen umsatteln und nach akademischen Weihen streben? Welch ein Kompliment!
    //*verbirgt sich errötend hinter ihrem Fächer

  71. Pippilotta,
    Das wäre doch ein...

    Pippilotta,
    Das wäre doch ein Dissertationsthema für Sie:
    „Die Grundrechtsfähigkeit einer Suchmaschine unter besonderer Beachtung des § 185 StGB“
    .
    @Sophia Amalie & Kommentatoren:
    Besten Dank für Ihre Beiträge. Es regt zum Nachdenken an.

  72. Pippilotta Viktualia...
    Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminzia Efraimstochter Langstrumpf, es war ein VERSEHEN. Reflex. Ich bewege mich ja nicht nur hier, sondern auch anderswo, und anderswo ist die Abkürzung üblich, um nicht referenziert zu werden. Deswegen wäre es HIER überflüssig gewesen, aber ich habe eben nicht drüber nachgedacht. Es war ein Automatismus beim Schreiben. Jetzt verstanden?
    .
    Asper, Fehler passieren anderswo auch dauernd wegen Arbeitsüberlastung – nur häufig nicht ganz so öffentlich. Das entschuldigt es nicht – aber man sollte auch mit seinen Forderungen realistisch bleiben. Doktorarbeiten SO gründlich zu lesen, daß einem gut getarnte Plagiate auffallen erfordert, denke ich, wochenlange, wiederholte, hypergenaue, hyperreflektierte Lektüre. Die Zeit muß man erst mal haben, oder sich nehmen (sollte man). Ob all die Nörgler das aber in vergleichbarer Position getan hätten, wage ich zu bezweifeln.
    .
    JackMurphy, wenn Professor Lenzen kein Statistiker mit solider Erhebungsmethode im Hintergrund ist, würde ich diesen Zusammenhang anzweifeln. Da vermischt jemand Kausalität und Korrelation. siehe:
    http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2010/08/09/wunsch-oder-wahrheit-die-statistik.aspx
    mich selbst zitierend. Ordnungsgemäß.

  73. @JackMurphy 05. August 2011,...
    @JackMurphy 05. August 2011, 11:21:
    Sie zeigen mir einen erwachsenen Deutschen über 40, der noch nie bei der Steuer geschummelt, seine Versicherung beschissen oder sich anders schon einmal Leistungen ermogelt hat. Und ich zeige Ihnen dann den einen Säulenheiligen, zu dem sie (in Abgrenzung zu DEN Politikern) alle ihre Mitmenschen gerade verkären. Okay?
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  74. Hupf oder doch Kappe.... aha...
    Hupf oder doch Kappe…. aha

  75. @Sophia Amalie Antoinette...
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia:
    Ich will Sie nicht naivisieren, behaupte aber das Gegenteil. Aus der Kenntnis von über 80 Promotionen in 30 Jahren wage ich zu behaupten: keine ist 100% „plagiatsfrei“. Diese Plagiate mögen Auszüge aus Seminar-, Studien- und Diplomarbeiten sein, die der Doktorand betreut hat; vielleicht stammen die (Ab)Sätze sogar von ihm aus seinen Korrekturen. Oder Teile aus (eigenen) Studien und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die ihrerseits nicht korrekt zitiert wurden. Da mag man dann im Einzelfall fundiert widersprechen können, aber die Behauptung „20/30/40“ Plagiate ruinieren den wissenschaftlichen Ruf unwiederbringlich.
    Zugegebenermaßen: ich spreche über Promotionen im Ingenieurbereich. Da liegt die Leistung nicht in der zusammengetragenen Papierarbeit, sondern im Ergebnis: sei es Verfahren, Patent, Prototyp, etc. Aber gerade dort ist das Wissen vorhanden, die eigenen Arbeit auf vermeintliche Plagiate zu prüfen. Und man wird es tun. Und man wird es als Dienstleistung anbieten. Und die Falschen werden die Dienstleistung nutzen und ihren Betrug damit verschleiern. Erst kommt das Geld, dann kommt die Moral.

  76. Chefnerd, ExBi klingt so fremd...
    Chefnerd, ExBi klingt so fremd und uncool. Da würde ich mich genötigt sehen, mit meiner privaten Alternativexistenz auszutreten. Dann lieber Fratzen.
    .
    W.Wacker, 100 % plagiatsfrei sicherlich nicht. Ich bin sogar sicher, daß ich in jeder einzelnen Hausarbeit ein oder zwei Fußnoten vergessen habe. Nicht absichtlich, sondern weil ich sie nach monatelanger Lektüre in den Bergen von Quellen nicht mehr gefunden habe. Dazu kommt die subkortikale Übernahme von Formulierungen, bei denen man es gar nicht bemerkt. Das ist aber doch alles kein Drama. Wieviele Promotionen am Ende im vollen Bewußtsein des Autors geschlampert sind – keine Ahnung. Ich glaube an das Gute im Menschen.
    .

  77. Jösses, die Kindsköpfe....
    Jösses, die Kindsköpfe. Zuwenig Erfahrung mit Sprache. Es ist völlig normal, daß etwas quasi allgegenwärtiges einen deutschen Übernamen bekommt.

  78. Ist das Problem nicht zum Teil...
    Ist das Problem nicht zum Teil auch, daß der betreuende Professor zugleich der Gutachter ist? Da ist das angelsächsische System ja vielleicht doch ausnahmsweise einmal nützlich: der Erstgutachter kommt von einer anderen Universität, und der Zweitgutachter, wiewohl von der gleichen Uni wie Betreuer & Doktorans, sollte nicht in die Betreuung der Dissertation involviert gewesen sein. Würde zumindest das Problem übergroßer Vertrautheit der Prüfenden mit den Prüflingen lösen.

  79. colorcraze, immer diese...
    colorcraze, immer diese Anglizismen, ne? Leider weigert sich mein nicht-virtueller Freundeskreis, irgendeiner meiner deutschen FB-Versionen zu adaptieren.
    .
    Max2002, sicherlich. Zuviel Mißtrauen von Seiten des Betreuers kann ja auch nicht wünschenswert sein – zu große Nähe schadet der ehrlichen Beurteilung. Am elegantesten löste man das sicherlich durch Trennung der Funktionen.

  80. @Sophia: das liegt daran, daß...
    @Sophia: das liegt daran, daß sich noch kein fester Nutzerkreis herausgebildet hat – bzw. es ist noch zu neu, als daß die deutschen Teilnehmer schon gemerkt hätten, daß sie deutsche Teilnehmer sind. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist das ein über Jahrhunderte verfolgbares Muster, wie Neues im deutschen Sprachraum eingemeindet wird. Ob Paraplui- Regenschirm, Trottoir – Gehweg, Perron – Bahnsteig, Computer – Rechner, Net – Netz. Es sind idR die, die viel damit zu tun haben, die das deutsche Äquivalent erfinden und verbreiten, „das Fußvolk“, also die, die es nicht zu einem eher professionellen Umgang damit schaffen, hält sich immer lange Zeit am Fremdwort auf („downloaden“ vs. „herunterladen“), weil sie sich damit als wichtige Kenner ausweisen wollen. – Manchmal wird auch was in einem produktiven Mißverständnis umbenannt – Seeleute sahen in einem fremden Land ein Ding namens „hammock“ und tauften es nach seiner Benutzung in „Hängematte“ um, was so ähnlich klingt. – Die Isländer machen sich einen besonderen Spaß aus dem Benennen in der eigenen Sprache, die Franzosen machen dabei sturen bürokratischen Druck. Im Deutschen läuft das eher über die mittelständische Wirtschaft, die mit deutschen Kunden und deutschsprachigen Mitarbeitern zu tun hat.

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