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Animation mit Amateuren

08.08.2011, 06:40 Uhr  ·  Die VZ-Netzwerke schrumpfen in unaufhaltsamem Tempo. Auch die Betonung eines hohen Datenschutzes vermag es nicht, Mitglieder zu halten. Nun versucht die Plattform sexy zu sein – und fordert Nutzerinnen auf, sich auszuziehen.

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Die VZ-Netzwerke schrumpfen in unaufhaltsamem Tempo. Auch die Betonung eines hohen Datenschutzes vermag es nicht, Mitglieder zu halten. Nun versucht die Plattform sexy zu sein – und fordert Nutzerinnen auf, sich auszuziehen.

 

Lea muss am Rande der Verzweiflung stehen. Eher noch wurde sie an die Klippe der Selbstaufgabe von den Betreibern der digitalen Verzeichnisse gestoßen: für studiVZ wirbt die junge blonde Frau, deren Fotos so auch in den Modelmappen von Heidi Klums Castingshowzöglingen auftauchen könnten, für eine Abstimmung in dem sozialen Netzwerk für Studenten. Die Mitglieder sollen darüber entscheiden, welches Profilbild die VZ-Mitarbeiterin “Lea” in den kommenden Wochen verwenden soll. Ihre Tätigkeit als Community-Moderatorin der VZ-Netzwerke scheint zahlreiche Fotoshootings miteinzuschließen. Doch das Urteilen der Nutzer über das strahlende Lächeln einer Frau mutet an wie die narzisstischen Fleischbeschau- und Flirtportale wie “Hot or not”, auf denen sich Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig Noten für ihre fotografische Selbstdarstellung im Netz geben – und nicht wie ein soziales Netzwerk für Studentinnen und Studenten, das einst als Facebook-Konkurrent gehandelt wurde.

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Nackte Haut und junge Mädchen scheinen ohnehin innerhalb der VZ-Gruppe ein großes Thema zu sein. Eine Sommeraktion um die registrierten Schülerinnen und Studentinnen zur Erweiterung ihrer Fotogalerien zu bewegen, ist die Suche nach der “VZ-Badenixe”: Amateuraufnahmen jugendlicher Bikiniträgerinnen. Hat Facebook mich schon einmal nach einem Bikinifoto von mir gefragt?
Eltern und Lehrer warnen vor Partybildern, doch mit dem Wettbewerb tragen die in Sonne und Wasser badenden Teilnehmerinnen eine kräftigen Datenbank dürftig bekleideter Frauen zusammen. Viele Karrierewege, die einen Bikini-Body fordern, gibt es jedoch nicht. Doch das Netzwerk suggeriert Studentinnen: Wer dazugehören und cool sein möchte, stellt seinen Körper in Mircobikinis zur Schau. Dazu gesellt sich ein weiterer fragwürdiger Aspekt: zwar müssen die Frauen laut Teilnahmebedingungen das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, vielfach sehen sie dennoch aus wie unbeschwerte Teenager. Solche Sammelalben locken bisweilen ein anderes Publikum an, als Bremer Biologiestudenten. In eine ganz ähnliche Richtung geht die Suche nach der “WM Queen”. Auch dieser Fotowettbewerb für Nutzerinnen wirkt eher, als wolle das Netzwerk durch eie Flut von softpornografischen Bildern den Nutzern auch diese Art der virtuellen Bedürfnisbefriedigung anbieten, bevor diese sich auf anderen Portalen Sex in einer anderen Qualität auf die Bildschirme holen.

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Innovation, das bedeutet im Falle der VZ-Netzwerke Animation. Und das Ergebnis dieser Milchmädchenrechnung – sollte der angekündigte Relaunch nur kosmetischer Natur sein – wird immer weniger Mitarbeitern den Mallorcaurlaub finanzieren, wo auch sie ihre Badenixenbeiträge knipsen können. Die Zahlen der AGOF für die Netzwerke verzeichnen harte Verluste für die Angebote, die Google Trends Ergebnisse, die Martin Weigert für netzwertig.com hinzuzog, zeigen sogar einen noch drastischeren Rückgang der Besuchszahlen: “Demnach ist die Zahl der täglichen Unique Visitors bei studiVZ von mehr als drei Millionen im Sommer 2009 auf etwa 175.000 im Juni dieses Jahres zurückgegangen. meinVZ, das sich an alle erwachsenen Nicht-Studenten richtet, erlebte seinen Höhepunkt laut Google-Statistik im April 2010 mit etwas mehr als zwei Millionen Unique Visitors pro Tag. Heute erreicht es etwa 400.000 täglich. schülerVZ fiel von 3,5 Millionen täglichen Uniques Anfang 2009 auf knapp über 300.000 pro Tag im Juni 2011.”

Soll man nun Häme fühlen und an eine gerechte Strafe für das Copycat-Netzwerk glauben? Studi-VZ war zunächst eine deutsche Erfolgsgeschichte, doch die Immatrikulationswelle ist den Betreibern scheinbar so zu Kopf gestiegen, dass sie missachtet haben, dass ihrer Zielgruppe in den Universitäten eingeprügelt wird, sie müssten zu einem Innovationsmotor werden. Dass genau diese Studenten also in einem Netzwerk bleiben, dass ständige Neuerung zugunsten einer Monetarisierung bis in den letzten Winkel aufgibt, ist offenkundgig eine unkluge Annahme gewesen. Anstatt den Weg des “Social Network” zu gehen, sind die VZ-Portale zu “Commercial Networks” umgestaltet worden. Sie zerfasern in unzählige kleine Angebote, die an allen Ecken und Enden auf plumpe Weise versuchen Geld aus den Nutzern zu pressen und an ihnen zu verdienen – ohne dass für diese merkbar wird, dass die Einnahmen in die Zukunft der Plattform investiert würden.

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Zur Abwesenheit einer klaren Strategie gesellt sich außerdem ein kommunikatives Problem, dass die Verzeichnisse weit hinter ihre internationalen Konkurrenten zurückwirft. Studi-VZ fehlt die Geschichte, die Unternehmen besonders im digitalen Umfeld brauchen, um ihre Angebote nicht nur technisch, sondern auch emotional aufzuladen. Storytelling bindet Nutzer, es bindet sie sogar noch mehr, wenn sie in das Erzählen von Geschichten eingebunden werden. Die Geschichte von Facebook ist in diesem Fall Mark Zuckerberg: Gründer, Marke und Plot in einer einzigen Person zusammengefasst. Im letztem Jahr wurde die Geschichte sogar als Hollywoodfilm verewigt. Holtzbrinck-Manager täuschen sich, wenn sie glauben, dass die VZ-Netzwerke durch die Betonung eines vorbildlichen Datenschutzes bei Nutzern gewinnen könnten. Dafür bekommen sie einen freundlichen Empfang bei Verbraucherministerin Ilse Aigner, ein paar begeisterte Elternbriefe, ein DPA-Zitat. Doch Datenschutz ist ein müdes Feature, verglichen mit Justin Timberlake auf Kinoleinwand. Sogar, dass Mark Zuckerberg jüngst zum am schlechtesten angezogenen Mann des Silicon Valley gekürt wurde, ist immer noch eine Geschichte, die verglichen mit dem maroden Webdesign der VZ-Netzwerke vor Sexappeal strotzt.

In Deutschland bringt man sogar den Namen Hans-Peter Friedrich mit (wenn auch fragwürdigen Ideen) zur Zukunft des Netzes in Verbindung, weit bevor man den Namen Clemes Riedl nennt. Vorausgesetzt, man kann den derzeitigen Chef der Netzwerke namentlich benennen, ehe man die Google-Suche bemüht hat. Im Zuge dieser Recherche findet man dann auch erste Hinweise, warum Riedl selten zitiert wird, wenn es um Web-Visionen geht. Denn wie wenig muss man vom Nutzerverhalten verstanden haben, wenn folgendes als große Idee verkauft wird: “Wir wollen die Telefonnummer für VZ-Nutzer überflüssig machen.” Dass die VZ-Plattformen sich nun “erstmals” öffnen wollten, wie ihr Chef im gleichen Handelsblatt-Interview verriet, kommt vermutlich zu spät. Die vielen abgewanderten Nutzer, die sich nun über andere Wege vernetzen und dabei mutmaßlich auf mehr als ein geschlossenes Angebot setzen werden, bekommen diese Ankündigung nicht mehr mit.

Die Universitäten stehen in diesem Semester aufgrund doppelter Abiturjahrgänge und der Aussetzung der Wehrpflicht vor einem Bewerberansturm – studiVZ wird von den Studentenmassen wenig spüren. Denn Generationenwechsel bedeutet für soziale Netzwerke nicht, dass schlicht eine jüngere Gruppe User in die frei gewordenen Plätze nachrückt und sich mit einem gleich gebliebenen Angebot zufrieden gibt. Heutige Studienanfänger und jeder, der sein erstes oder ein neues soziales Netzwerk betritt, tut dies mit einem größeren Erwartungen an die Nutzungsmöglichkeites des Portals. Mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der Nutzer und ihrer Ansprüche Schritt zu halten, ist für große Unternehmen nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Am meisten Aufmerksamkeit und Erfolg versprechen die ganz simplen Dinge: das Like-Button bei Facebook, die Retweet-Funktion bei Twitter, oder sogar einst das Gruscheln bei studiVZ.

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Doch wozu soll man raten, wenn der Schwarm schon so weit voran geschwommen ist? Warum kleben überhaupt noch Nutzer an den hässlichen Pinnwänden? Und was tun sie dort? Ein amerikanisches Netzwerk, dessen Modell sicher kein Beispiel für die VZ-Netzwerke ist, doch daran erinnert , wenn man betrachtet, wie viele junge Frauen dort freiwillig im Bikini posieren, ist seekingarrangement.com sein. Die Dating-Website wird vor allem unter Studentinnen immer populärer und vermittelt “mutually beneficial relationships” an Sugar Daddies, Mommies und Sugar Babies. Amerikanische Studentinnen suchen hier nach Männern, die ihnen gegen Gesellschaft und andere Aspekte, die solch eine arrangierte Bekanntschaft beinhalten kann, finanziell unterstützen um ihre College-Schulden abzubezahlen. Doch das schönste Beispiel für eine profitable Website ist ein Portal, dass Prostitution als eine aufgeklärte Beziehung darstellt, in der die Frau ihren Körper für ein freiwilliges Sponsoring hingibt, sicherlich nicht.

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Vielleicht sucht studiVZ zur Neugestaltung der Seiten bald das schönste Relaunch-Mädchen und das prallste Herbstdekolleté. “»Wir wollen deinen Körper!« klingt ja so viel frischer als »Wir wollen deine Daten!«”, jauchzt der Marketing-Stratege. Das dürfte dann auch zu Frau Aigner durchsickern. Ein bißchen Empörung über den Lookism und Sexismus, der die Einfältigkeit der VZ-Netzwerke übertünchen soll, bereitet dem Trauerspiel hoffentlich ein schnelleres Ende.

 

 

Veröffentlicht unter: Netzwerke, Facebook, studiVZ, Sexismus

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (18)
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0 colorcraze 08.08.2011, 08:42 Uhr

So gehts halt, wenn man den...

So gehts halt, wenn man den Nutzerbedarf mißachtet - dann bleibt irgendwann nur noch das völlige Verrotten.

Ich sehe selbst nach einem...

Ich sehe selbst nach einem Relaunch keine große Hoffnung für die Netzwerke. Der Name hat sich komplett verbraucht und steht für diese Ramsch-Qualität. Ich verstehe nicht, warum man nicht früher auf die Nutzerbedürfnisse reagiert hat und vor allem das Ding mal einigermaßen gutaussehend gemacht hat. Diese Überflutung mit Aktionen, Handytarifen und was auch immer ist schrecklich. Bei Communities sollte der Fokus doch wirklich auf Kommunikation und dem Sozialen sein. Und das rot macht aggressiv.

"Holtzbrinck-Manager...

"Holtzbrinck-Manager täuschen sich, wenn sie glauben, dass die VZ-Netzwerke durch die Betonung eines vorbildlichen Datenschutzes bei Nutzern gewinnen könnten."
Diesen Satz musste ich dreimal lesen, bevor ich seine Anwesenheit glaubte :-). Selten eine drastischere Bankrotterklärung für die Idee gelesen, der Mensch sei ein Verstandeswesen. Denn wäre er eines, würde der Datenschutz - ceteribus paribus - ein herausragendes Argument darstellen. Aber natürlich hat die Autorin Recht.
Gruss,
Thorsten Haupts

Wie falsch auch das Konzept...

Wie falsch auch das Konzept der Namensgebung der einzelnen VZ-Netzwerke war, rächt sich: Ständig steht man an Wendepunkten wie Studienbeginn oder -ende und muss sich als Nutzer schon deshalb fragen, ob man in seinem Netzwerk noch richtig aufgehoben ist. Deutsche Copycats werden es in Zukunft schwer haben – das wird XING sicher auch noch zu spüren bekommen. (Wer wird in Zeiten von Google+ mit circlesensitiven Profilen noch bereit sein, weiterhin 6 Euro/Monat zu berappen, um ein aktuelles Busniessadressbuch im Netz zu haben, das keinen weiteren Nutzen bietet?) Konsolidierung ist nicht das Schlechteste. Irgendwas Neues kommt immer, irgendwas Altes verschwindet. Das Netz ist eben nicht so wie im, sondern es ist das richtige Leben.

0 Violandra_Temeritia_von_Avila 08.08.2011, 11:25 Uhr

Lieber Thorsten, das Manager...

Lieber Thorsten, das Manager Magazin zitiert einen Holtzbrinck-Manager: „Es kann niemandem recht sein, wenn der Markt durch Facebook monopolisiert wird, das beim Datenschutz keine Rücksichtnahmen kennt.“ - Die "öffentliche" Debatte zielt nun einmal sehr auf dieses Thema ab, wir erinnern uns an den Protestaustritt aus Facebook von der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Ich habe jedoch noch gar nicht gecheckt, ob sie stattsdessen in den VZ-Netzwerken präsent ist.

@Teresa: Egal, was ein...

@Teresa: Egal, was ein Holtzbrinck-Manager schreibt. Menschliche (für mich traurige) Realität ist, dass die Geschichte, das Narrativ, allemal wichtiger ist, als die Substanz. Wie im Bogeintrag richtig beschrieben. Und das gilt für alle Bereiche menschlichen Lebens. Was das über uns selbst aussagt ... nun, Vernunftwesen sind wir ganz sicher nicht :-). Gruss, Thorsten Haupts

Danke für den Artikel!...

Danke für den Artikel! Spanned finde ich auch die verlinkte Reportage in der Huffington Post. Das Studium, was der Staat den jungen AMerikanen nicht finanziert, wird also privat von "Sugardaddies" übernommen - gegen sexuelle Dienstleistungen. Von echter Solidarität keine Rede. Schön wäre es doch, wenn Privatpersonen tatsächlich Stipendien vergäben und mit Studenten, die finanzielle Hilfe benötigen, in Kontakt kommen. Vielleicht ja eine Aufgabe für Guttenberg, sobald er die Staaten bezieht.

Ich denke hier sind zwei Dinge...

Ich denke hier sind zwei Dinge parallel gelaufen - zum einen ist Facebook durch die schiere Anzahl an Nutzern so sexy, dass sich kaum jemand dem entziehen kann. Zum anderen hat VZ es nicht geschafft eine Marke aufzubauen und eine klare Positionierung am Markt zu erreichen. Wenn beides zusammen kommt, dann wendet sich der geneigte VZler ab und geht dahin,wo seine Peer-Group eh schon ist. Das System VZ implodiert. Nicht die erste und bestimmt nicht die letzte Plattform, die sich derart verabschieden wird. Das Internet ist schnell - in beiderlei Richtungen.

Solange die "Badenixen"...

Solange die "Badenixen" volljährig sind, finde ich die Aktion in Ordnung. Aber man sieht, dass das eine der letzten verzweifelten Aktionen ist und VZ auch nicht mehr retten wird. Zudecken und weitergehen.

So schnelllebig das Internet...

So schnelllebig das Internet auch sein mag, Google+ ist dann doch irgendwie nicht so der heiße Scheiß. Das Geschwätz, also der Traffic zwischen den Leuten, die sich jetzt fast so identisch in G+ gecirclet haben, ist immer noch bei FB. (Aber XING ist definitiv nicht mehr als ein Branchenfernsprechbuch für diverse Dienstleister).

//Holtzbrinck-Manager...

//Holtzbrinck-Manager täuschen sich, wenn sie glauben, dass die VZ-Netzwerke durch die Betonung eines vorbildlichen Datenschutzes bei Nutzern gewinnen könnten.// Kein Wunder. Bei den VZ-Netzwerken bleibt der intellektuelle Bodensatz mit geringem Horizont hängen. Studenten, die auch ausländische Freunde haben, sind schon vor Jahren auf andere internationale Anbieter umgeschwenkt. Zurück bleiben die Dorfschranzen und vielleicht der eine oder andere FH-Student.

0 TheodorWedel 08.08.2011, 23:44 Uhr

Soziale Netzwerke neigen zum...

Soziale Netzwerke neigen zum Monopol, weil jeder dort sein möchte, wo alle sind. Im Fall von StudiVZ kommt noch hinzu, dass Studenten eine Zielgruppe sind, die häufig auch Kontakte mit Menschen in anderen Ländern, z.B. mit den Freunden aus dem Auslandssemester, pflegen wollen. Da ist ein auf den deutschsprachigen Raum beschränktes Netzwerk suboptimal. Dass man ein Monopol wie Facebook trotzdem knacken kann, demonstriert gerade Google+. 20 Mio. Nutzer in 3 Wochen sind ziemlich beeindruckend. Sobald der Zugang völlig frei ist, dürften es relativ schnell 10 mal so viele sein. Bei etwa 400 Mio. bereits vorhandenen Google-Accounts mit denen man mit nur 2-3 Klicks auch einen G+ Account erstellen kann, keine unrealistische Schätzung. Zudem hat Google durch Android den Trend zum mobilen Internet auf seiner Seite. Hat ein Konkurrent erstmal eine gewisse Größe erreicht, dann geht es mit dem alten Platzhirsch erfahrungsgemäß sukzessive bergab. Siehe Myspace. Siehe StudiVZ.

Google+ wird meines Erachtens...

Google+ wird meines Erachtens nach recht schnell eine sehr hohe Nutzerzahl erreichen,weile viele neugierig sind und die Anmeldung via Google-Account einfach ist. Ob die Circles und der Hangout ausreichen auch tatsächlich Facebook nachhaltig Konkurrenz zu machen steht noch in den Sternen. Die Unternehmensseiten kommen wohl erst zum Jahresende und im Moment wird dort in erster Linie über G+ und Facebook geschrieben. Ich warte ab.

Ähm, ich glaube, dass ich das...

Ähm, ich glaube, dass ich das Foto der Badenixen (2vr) schon mal auf einer anderen Seite gesehen habe. So weit ich mich erinnern kann, sind die beiden irgendwann nackt...

Der angebliche Mangel einer...

Der angebliche Mangel einer "Storyline" der VZ-Netzwerke ist IMO ziemlicher Unsinn. FB hatte den Nutzervorsprung lange vor Hollywood-Filmen über Mark Zuckerberg. Das Problem liegt wie beschrieben vor allem darin, dass VZ technisch und inhaltlich nie eine Weiterentwicklung geschafft hat, wie sie FB mit Games, Like-Buttons etc. geschafft hat. Und wie TheodorWedel völlig treffend schreibt, neigen Soziale Netzwerke naturgemäß zur Monopolisierung. Das führt einerseits dazu, dass sich der aktuelle Marktführer leicht für einen Gott hält, weil sei Monopol so unüberwindlich scheint und entsprechend falsche Entscheidungen trifft. Andererseits führt es dazu, dass der verlust von Marktanteilen an neue Netzwerke offenbar rasend schnell und vor allem irreversibel erfolgt. Beide Mechanismen liessen und lassen sich in fast identischer Form auch bei myspace beobachten, was statt amerikanischer Sexdate-Seiten übrigens auch die wesentlich relevantere Referenz gewesen wäre. Bei MySpace kann man auch schön sehen, dass alle Relaunchversuche letzlich nur eine Störung der Totenruhe sind.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 09.08.2011, 08:16 Uhr

Ah, da hab ich grad einen...

Ah, da hab ich grad einen passenden Link. Die Studie bezieht sich zwar auf Facebook, aber die Mechanismen sind ja wahrscheinlich die gleichen: http://www.ibtimes.com/articles/194434/20110808/too-much-facebook-unhealthy-teens.htm

vom Relaunch braucht man sich...

vom Relaunch braucht man sich nichts erwarten.

schon ziemlich peinlich zu was...

schon ziemlich peinlich zu was die VZs verkommen. Anstatt sich auf die junge Zielgruppe zu beschränken, vergraulen sie diese. Na dann mal weiter so. Dabei sind Fotowettbewerbe doch eigentlich eine tolle Sache. Ich nehme immer gerne an den veschiedensten Fotowettbewerben, zum Beispiel auf http//www.votingbooks.com, teil. Aber möglichst leichtbekleidete Teenies zu bewerten ist wirklich arm und herablassend.

schreibt als freie Autorin vor allem zu netzpolitischen Themen, Geschlechtergerechtigkeit und Liebe. Außerdem arbeitet sie als Referentin für soziale Medien bei der SPD-Bundestagsfraktion.