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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Weil sie es wert ist

| 24 Lesermeinungen

Die Liebe genießt im Netz einen schlechten Ruf: Sie gefährdet Karrieren und geht dort zudem schneller zugrunde. Also liken wir, aber lieben nicht. Diese Restriktion beschneidet jedoch mehr als nur Gefühle.

„Das Lesen auf der Couch und das Reden über „Beziehungen“ sind bis heute wichtige Kommunikationsmedien, die das Leben vorbereiten. Dabei spielt heute die Literatur freilich eine geringe Rolle. Andere Medien, wie der Film, sind an ihre Stelle getreten. Selbst die junge Frau, die per SMS Beziehungen pflegt, schreibt sich ihren eigenen Liebesroman; auch wenn sie wenig liest, ist sie durch die Vorschule des Liebes- und Eheromans hindurchgegangen. Zwischen dieser jungen Frau und der älteren neben ihr, die einen Roman liest, spannt sich die ganze Geschichte des weiblichen Bewusstseins aus.” 
                              
                                    Hannelore Schlaffer: Die intellektuelle Ehe

 

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Über den Milchschaum auf der Nasenspitze hinweg beobachte ich Cafébesucher in ihrem sonntäglichen Kuschelmodus. Ein iPad ruht auf ihrem Schoß, ein Laptop sitzt ihnen lachend gegenüber am Tisch, ein Mobiltelefon schmiegt sich vertraut an ihr Ohr. Sind diese Menschen einsam?

Seitdem Menschen miteinander sprechen können ohne einander gegenüber zu stehen, verflüchtigen sich nicht nur gesprochene Worte aus dem alltäglichen Erleben, sondern ebenso andere Formen des Handelns. Beziehungen, die früher Wange an Wange gestaltet wurden, finden heute zu großen Teilen in der digitalen Welt statt. Aufzeichnungen des Erlebten, die Paare im Kopf miteinander herumtrugen, wenn sie getrennten Weges gingen, blinken nun auf dem Handydisplay. Und nicht nur die Gespräche mit der Partnerin oder dem Partner haben sich in neue Medienkanäle verschoben, auch die Kennzeichnung der Zugehörigkeit zueinander hat virtuelle Entsprechungen gefunden. „Den Ehering, in der modernen Ehe ohnehin ein Atavismus, ersetzt das Handy: Er lässt seinen Besitzer nie vergessen, dass er verheiratet ist.“ Mit dem Wandel der Kommunikation durch neue Medien verändert sich also auch die Sprache der Liebe, wie Hannelore Schlaffer in diesem Abschnitt ihres Buches „Die intellektuelle Ehe“ darlegt. Doch Kommunikation und Darstellung eines Phänomens bleiben nicht auf die Zeichenebene beschränkt. Wenn sich die Art über die Zuneigung zu anderen zu sprechen ändert, und die Weise, wie wir mit denjenigen, denen wir Gefühle schenken ebenfalls, kann die Liebe selbst nicht unberührt bleiben.

Doch das Balzverhalten auf den Blumenwiesen des Netzes bietet bietet nicht genügend Anschauungsmaterial, um darüber Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Liebe sich im digitalen Zeitalter tatsächlich verändert. Denn über die Mitteilsamkeit in der Onlinewelt wächst das Wissen über das romantische Miteinander nur vermeintlich. Die Dinge, die man beobachten kann, lassen sich eher in das eingangs erwähnte Bild fassen: jemand winkt verträumt in die Spiegelfläche seines Tablet-Computers.

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Denn soziale Netzwerke und soziale Erwünschheit pressen die emotionale Seite des Lebens online in ein enges Korsett. Der erste Nutzen für verliebte Momente, dem man dem Netz offiziell zugestand, waren Dating-Websites für Suchende. (Über kitschige Liebes-E-Mails herrschte Stillschweigen, denn sie duften nicht.) Die Fragebögen, die man hier nüchtern oder übertrieben kreativ ausfüllt, haben selten mit der Wirklichkeit noch etwas gemein. Ihr Formularcharakter übertrug sich dann in die Communities, als deren Konzepter sich mit der Feinfühligkeit einer Serverraumtemperatur an die Darstellung von Beziehungen in Profilen machten. Wir wählen bei Facebook ein Gefühl aus dem Dropdown-Menü. Passen diese Vorgaben nur unzureichend auf das, was man für den Auserwählten empfindet, ist es entweder „kompliziert“, oder man verzichtet darauf überhaupt den Kontakten in einem Netzwerk darüber Auskunft zu geben, dass man sich nebem dem Posten von Youtube-Clips auch noch mit dem echten Mögen von Menschen beschäftigt.

Wir liken, aber wir lieben nicht mehr

Die Liebe hat im Netz einen schlimmeren Ruf als Partybilder und Facebook-Partys: Ein offener Umgang mit Emotionen zerstört erst deine Online-Reputation und dann dein Leben. Schließlich könnte das Mehr an verliebtem Innenleben dem blank polierte Profil scharfe Kanten verleihen; man könnte menschlich wirken, und noch leichter verletzbar sein als es ein hämischer Kommentar über das Video der struppigen Hauskatze ist. “Facebook-Affären” ruinieren die Karriere von hoffnungsvollen konservativen Politikern, immer mehr Amerikaner geben eben dieses soziale Netzwerk als Scheidungsgrund an, billiger Porno ist nur einen Mausklick vom Verlobungsfoto entfernt, und am Ende einer Beziehung steht man vor der unlösbaren Aufgabe, ob das „Lass uns Freunde bleiben“ auch für das Internet gegolten hat, und wie man die gemeinsamen Accounts aufteilt.

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Wir nehmen die Liebe im Netz also erst immer wahr, wenn sie zu Problemen führt. Sei es die Kommunikation mit unserem Partner steht vor einer neuen Herausforderung, oder aber wir fühlen uns durch die Offenheit anderer mit Informationen belastet, die wir als zu viel, zu falsch, zu naiv oder zu sexuell beurteilen. In einer Gesellschaft, die sogar dafür Experten hat, wie man in 140 Zeichen sein Leben so beschreibt, so dass dies nichts und niemanden gefährdet, hat die Vielfalt der Liebe keinen Platz mehr. Was wir für jemanden empfinden, passt entweder in einen vordefinierten Status, oder man schweigt und lässt die wirklich bedeutsamen Dinge privat.

Warum ist es die Liebe nicht wert, geteilt zu werden?

Die Selbstdarstellung im Netz beruht vielfach auf dem Kuratieren von Informationen. Was wir twittern, bloggen, sharen soll aussagekräftig dafür stehen, was uns interessiert, was uns ausmacht, was wir noch erreichen wollen. Wir verraten, welche Produkte wir benutzen, welche Serien wir mögen, welche Musik wir lieben. Abziehbildchen einer Konsumgesellschaft und einer Wissensgesellschaft vertreten also die Menschen im Netz. So nackt, wie Datenschützer glauben, steht der Mensch im Netz nicht da. Wenn das, was wir fühlen nur halb so viel wert sein soll wie die Dinge, die wir besitzen, ist das Leben fürs Netz so stark editiert wie eine Schneeflocke, die auf heißen Grund fällt.

Liebende scheinen in eine Verweigerungshaltung gegenüber der Herausforderung gegangen zu sein, ihre Sprache und ihr Handeln im Netz fortzuentwickeln. Für das private Glück ist dies zwar nicht grundlegend, doch zu lernen die eigene Beziehung online weniger stark bearbeitet zu leben, könnte Schwierigkeiten im Vorfeld abschwächen.

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„Die Angst vor dem Unaussprechlichen mündete in übertriebener Lautstärke“

Viel wichtiger ist es jedoch die Kulturtechnik der Liebe, des Paarseins und des Zusammenlebens weiterzugeben. In einer globalen Gesellschaft, in der jeder Reporter, Zeitzeuge und Medium geworden ist, sollten die Geschichten und Bilder, die wir über das zwischenmenschlich Wertvolle erzählen, nicht der flachen und verzerrten Wiedergabe von Prominentenehen und Rosenkriegen überlassen sein. Denn die Kommentierung von Adelshochzeiten schildert die großen Gefühle nur aus der Beobachtung. Was eine Sache jedoch braucht, um im Netz lebendig zu bleiben, ist User Generated Content. Und der muss nicht perfekt sein. Er darf zu leise ausfallen, zu laut. Die Liebe lebt nun einmal von schwankendem Gefühl – doch sie hat große Tradition. Wenn wir die digitale Welt umarmen, sollten wir unser Herz nicht vergessen. Es wäre zu schade, wenn etwas, das man sein ganzes Leben über so mühevoll erlernt nicht an allen Orten gelebt werden könnte, da wir zu sehr mit kleinen Apps beschäftigt sind, die uns zu faul und zu feige werden lassen, um für ein altes Spiel in neuer Umgebung die richtige Sprache zu finden.

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24 Lesermeinungen

  1. Ich verstehe das Problem...
    Ich verstehe das Problem nicht. Liebe war auch früher nur sehr selten ein öffentlich gelebtes Gefühl. Es blieb beschränkt auf die Beteiligten, vielleicht noch auf Freunde und Verwandte, Extrovertierte und Verrückte ausgenommen. Im westeuropäischen Kanon des gebildeten Bürgertums galten öffentliche Küsse bereits als schlechter Geschmack. Sollte diese Art der Zurückhaltung seeeehr privater Gefühle auf den Intimbereich zweier Menschen über die stets präsente Gefahr der Zwangsentblössung zurückkehren, ist das für die Menschheit im öffentlichen Raum ein begrüssenswerter Fortschritt. In der Öffentlichkeit nehmen Emotionen ohnehin mittlerweile einen Raum ein, der befremdet. Und einen Rang vor dem Verstand, der für das einzige vernunfstbegabte Wesen auf diesem Planeten einer Selbstverzwergung gleichkommt.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. "Wherever you go, go with all...
    „Wherever you go, go with all your heart.“ (Konfuzius)

  3. "Doch das Balzverhalten auf...
    „Doch das Balzverhalten auf den Blumenwiesen des Netzes bietet bietet nicht genügend Anschauungsmaterial, um darüber Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Liebe sich im digitalen Zeitalter tatsächlich verändert.“
    Aber will man das denn sehen? Säuselnde Pärchen sind im richtigen Leben schon schwer zu ertragen. Und dann auch noch all unsere Timelines voll davon? Bitte nicht. Danke.

  4. Das Leben ist zum Spiel...
    Das Leben ist zum Spiel verkommen. Nicht WER bist du, sondern WO bist du, ist hier die Frage.

  5. Ein schöner und richtiger...
    Ein schöner und richtiger Beitrag, der so manchem die Augen öffnen dürfte. Dem Netz fehlt die Zärtlichkeit der realen Welt und vom ständigen Simulieren wird man nicht satt. Mehr davon.

  6. @Bosch Es geht doch gar nicht...
    @Bosch Es geht doch gar nicht um die rosarote Brille. Das ist ja ein Plädoyer dafür, die Liebe online einmal weiter zu denken als Herzchen auf Pinnwänden, Hochzeitsfotos und Babynamendiskussionen. Es soll sich bitteschön gefetzt werden, Spannungspunkte ausgetragen werden. Liebe wird im Netz zu glatt dargestellt, das ist meine Meinung. So kann doch niemand lernen oder eine Vorstellung davon entwickeln, wie Partnerschaften funktionieren. Das tun sie nun mal nicht, nur weil man bei Facebook irgendeinen Beziehungsstatus angibt, und sich bei Twitter gegenseitig empfiehlt.

  7. @TMB: Die zwei Pärchen,...
    @TMB: Die zwei Pärchen, welche ihren Krams abseits von rosaroten auf Twitter wirklich ausleben, die mir jetzt sofort in den Sinn kommen, treiben es indes so weit, dass ich sie stets am liebsten aus meiner Timeline verbannen möchte. Ich glaube, ich möchte das von anderen gar nicht lesen, und ich möchte auch versuchen, eigene Spannungen nicht in die Öffentlichkeit zu bringen, weil dann viele Dinger sicher noch angespannter werden als nötig.
    „Liebe wird im Netz zu glatt dargestellt.“ Das mag so sein, aber im Netz wird eben alles irgendwie dargestellt. Warum sollte man das nun auch noch mit der Liebe tun? (Vorausgesetzt, es gibt sie überhaupt.)

  8. Was bosch sagt, kann ich nur...
    Was bosch sagt, kann ich nur unterschreiben. Ehrlich jetzt.

  9. @bosch Vermutlich sind Twitter...
    @bosch Vermutlich sind Twitter und andere schnelle Netzwerke auch nicht der richtige Ort dafür, um alles in Echtzeit darzustellen. Dennoch finde ich Menschen einfach spannender als Gadgets, deswegen sollte man mehr über Beziehungen sprechen – und weniger über diese flüchtigen Nichtigkeiten der Techszene.

  10. Wo dann? Kein Twitter, kein...
    Wo dann? Kein Twitter, kein Facebook, kein Google+? Sollen wir tagebuchartige Blogs über unsere Beziehungen führen? Natürlich wäre das spannend, mal woanders hineinzuschauen; dem Scheitern der anderen beizuwohnen. Wer soll das aber aufschreiben? Wem bringt das etwas? Ist das nicht Voyeurismus?
    „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich.“ (Tolstoi)

  11. @bosch Darauf habe ich noch...
    @bosch Darauf habe ich noch keine abschließende Antwort. Aber man kann das nicht der gedruckten Literatur überlassen, das wäre rückwärtsgewandt. Und dann gibt es noch Rosamunde-Pilcher-Filme, und eben Prominentenhochzeiten. Das geht so nicht. Vielleicht geht es auch ein wenig um die Entdramatisierung all dieser Gefühle. Weniger hachs, weniger Jammerei, weniger Kreischen. Es geht ja darum, eine neue Sprache zu finden, die der Sache angemessen ist. Aber in Sachen Liebe scheinen bei den meisten Menschen die Schwarz-Weiß-Muster anzuspringen, die Gefühle dann entweder gänzlich ausblenden, oder jenseits des Erträglichen bzw. jenseits der Wirklichkeit darstellen.

  12. Welchen Altersdurchschnitt...
    Welchen Altersdurchschnitt haben die Menschen, von denen hier die Rede ist? Ich nutze mobile, iPad, Notebook, wenn angebracht. Beinahe im Rentenalter angekommen, möchte ich auf reales Leben nicht verzichten, was Emotionen anbelangt. Um Liebe zu leben, will ich einfach meine Sinne gebrauchen. Noch gibt es kein Facebook-smell oder Twitter-feel. Für mich: zum Glück.

  13. Ach, Rückwärtsgewandtheit....
    Ach, Rückwärtsgewandtheit. Warum denn nicht? Brauchen wir eine Dokumentation von Beziehungen in Echtzeit? Rasante Anfänge kann man nicht bringen, weil man viel zu verwirrt davon ist, langweilige Mittelteile schreibt man nicht nieder, weil sie viel zu normal sind, dramatische Schlussszenenen kann man nicht aufschreiben, weil man emotional viel zu beteiligt ist. Wenn man überhaupt etwas halbwegs versthehen kann, dann doch rückblickend – und selbst da bleiben Zweifel.
    Sicher sind weder Rosamunde P. noch Promihochzeiten das wirklich Wahre Leben. Aber eine Liveübertragung aus dem Großerbruderhaus ist es eben auch nicht – auch wenn sie im Netz irgendwie dahingebloggt wird.

  14. Die Entdeckung des...
    Die Entdeckung des Facebook-Buttons, mit dem ich die Einträge von Leuten blockieren kann, ohne sie zu löschen, hat mir ein völlig neues Facebook-Erlebnis geschenkt. Das o.g. rosarote Herzchen-posten durch Mit-Dreißiger, welche offenbar vergessen haben, dass auch ihre Kunden und Klienten in ihrer Freundschaftsliste stehen, ließ mich oftmals in Fremdschämerei erstarren. Nun sind die Herzchen-Spamer auf der Liste und ich kann mich wieder den interessanten Posts widmen und niemand ist persönlich verletzt.
    Weniger Span = weniger Zeit im Netz = mehr Zeit für Gefühle außerhalb des Netzes. Danke lieber Blockierungs-Button, dass ich die exzessive digitale Auslebung von Gefühlen nicht zwangsmiterleben muss.

  15. Wenn in Blogs literarisch...
    Wenn in Blogs literarisch über (echte) Beziehungen geschrieben wird, dann finde ich das durchaus interessant und lesenswert und wünsche mir mehr davon. Dennoch sollten Zauber und das Intime, das einer Liebe innewohnt, nicht dem Zeigen, der Inszenierung geopfert werden.
    Zu Twitter: Mir kommt es oft vor, als würde das Ganze dort instrumentalisiert und die Follower dienen als Jubelperser für das, was eine Liebe darstellen soll.

  16. ich habe mal in einem blog...
    ich habe mal in einem blog dabei zugesehen, wie eine beziehung in die brüche gegangen ist. das war absolut grausam und ich fühlte mich extrem unangenehm berührt und hatte ständig das gefühl, dass das nicht für mich bestimmt sein sollte und mich das nichts angeht. weitergelesen habe ich, weil mich ein anderer askpekt dieses blogs sehr beschäftigt und interessiert hat, aber es war oft eine gratwanderung.
    ich glaube wirklich nicht, dass man echtes einfach so abbilden kann, ohne den schritt der reflexion vorher. ich mag nicht ständig öffentlich dahin gehen wo es wehtut, wo es intim wird. denn öffentlich ist genau das eben nicht: intim. und so bleibt es dann doch irgendwie eine art inszenierung.

  17. Früher mal, vor langer langer...
    Früher mal, vor langer langer Zeit, war Liebe ein Thema für die Literatur und den Film, und wurde dort so schön beschrieben, dass man beim Lesen oder Zuschauen Gefühle spürte.
    Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

  18. Der Beitrag ist stilistisch...
    Der Beitrag ist stilistisch toll geschrieben. Der Inhalt ist doch Schwachsinn! Ich schließe mich denen an, die sagen: Liebe ist eine intime Sache, die eigentlich niemanden etwas angeht. Man sollte es lieber mal von einer anderen Seite betrachten: Nur facebook offiziell ist wirklich offiziell! Hat sich damit schon mal jemand auseinander gesetzt? Sobald der Status geändert wird, freuen sich alle und liken das. Aber was, wenn sich getrennt wird? Nichts! Und wieso? Weil man in facebook nicht nur die engsten Freunde hat, sondern auch Bekannte und Arbeitskollegen. Da reicht ein „Ich bin in einer Beziehung“ völlig aus. Weitere Details gehen das Netzwerk nichts an! Was wollt ihr denn auch mehr? Die Gefühle, die man zu einem Menschen empfindet, die kann man sowieso nicht niederschreiben… Von daher sagen Bilder mehr als tausend Worte und die Realität bedarf keiner Worte. Da stellt sich mir nur eine Frage: Ist die Sensationsgeilheit der Menschen noch immer nicht gestillt durch dumme Nachrichten und Hartz IV Fernsehen am Mittag?

  19. die echte liebe zwischen zwei...
    die echte liebe zwischen zwei menschen gehört nicht ins netz. man lernt sie nicht dort, man lernt sie dort nicht kennen, man kann dort an ihr nicht wachsen und sie kann dort nicht wachsen, man kann sie niemals mit anderen wahrlich teilen ohne sie zu zerstückeln und sie geht in ihrer wahrsten und echtesten form keinen außenstehenden etwas an. die liebe als thema – egal in welchem medium – kann nur bestehen und weiterhin gedeihen, wenn sie in ihrer eigentlichen beschaffenheit eine herzenssache bleibt und nur als verarbeitetes und literarisch verpacktes erfarungsbündel an die öffentlichkeit gelangt.

  20. Vielleicht ist es in einem...
    Vielleicht ist es in einem Meer narzisstischer Selbstdarstellungen nicht verwunderlich, dass dieser Jahrmarkt der Eitelkeiten vorwiegend Bühne der Selbstverliebten ist? Folglich weniger über partnerschaftliche Liebe zu lesen ist, weil diese eben sich selbst genügt und keiner medialen Aufmerksamkeit bedarf?

  21. Mich dünkt, dass kein...
    Mich dünkt, dass kein wirkliches Interesse daran besteht, „Kulturtechniken der Liebe“ (???) in der Timeline zu haben respektive vermittelt zu bekommen. Vermutlich hat es damit zu tun, dass offensive Vorturner im Namen der Liebe schon immer genervt haben – in der Schule, im Freundeskreis, im Club. Das hat mitunter auch damit zu tun, dass eine Liebe, die die Bestätigung von außen sucht, – Achtung, Erfahrungswert! – nicht viel hermacht (oder klarer: keine ist), dem Freundes- oder Bekanntenkreis aber einiges abverlangt (Geduld, Nerven, gespieltes Wohlwollen). Ein soziales Netzwerk macht da keine Ausnahme, potenziert höchstens die hervorgerufene Irritation bei N-2 noch. Meine Empfehlung wäre daher, die eigenen Gefühle erst mal auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor man mit ihnen hausieren geht. Um es dann im besten Fall zu lassen.

  22. @habibald, Herr Schmitz, ganz...
    @habibald, Herr Schmitz, ganz meine Meinung. Für mich sind auch unfähige, unsichere, nach Halt suchende, lebensunerfahrene Menschen, die für sich nur schwer eine Perspektive des Miteinander finden – bei teens und twens zuweilen eben auch nur Dummheit – und nicht selber über persönliche Bemühungen und Beziehungen herausfinden wollen, wie es um das wichtigste Thema bestellt ist. Im Zeitalter 1.0, was ich den Anfang des mobil/handyzeitalters und der sms vor allem bezeichne, ging es noch um: WO bist du. Aus Freundes- und Bekanntenkreisen weiß ich, daß schon vor 10,15 Jahren junge Menschen es nicht schafften, sich einfach zu treffen, da sie zunächst zig sms versandten – und letztlich der Abend an ihnen vorbeizog. Früher undenkbar. Man war einfach da, wo man eben sein mußte, um dabei zu sein. Nun, im 2.0, geht es um: sag mir wieviel „Freunde“ du hast usw,usf. Es soll eben alles mundgerecht und einfach und unter Zuhilfenahme der Meinung anderer erworben werden. Allein die Nennung dieser social networks verursacht bei mir Magenschmerzen. Kurioserweise bezeichnen sich diese Facebook-Jünger als online-Gesellschaft, weil sie jeden Dreck publizieren. Quasireligiöse Produkte von apple, die wie eine Monstranz am Leibe geführt werden, stützen sie noch in Ihrer verklärten Weltanschauung.

  23. Ein sehr mitreißender...
    Ein sehr mitreißender Artikel, der ziemlich deutlich unsere Zeit widerspiegelt! Ich denke, ähnlich wie Habibald, dass die Liebe im sozialen Netzwerk wenig Platz findet, weil die User damit beschäftigt sind sich selbst darzustellen. Eine „Bühne der Selbstverliebten“ ist wohl der richtige Ausdruck! Falls es dann doch mal Pärchen gibt, die ihre Liebe im Netz verbreiten, wird dies auf so übertriebene Art praktiziert, dass es andere Nutzer bereits anwidert. Man müsste hier ein Mittel finden, die Liebe im Netz mitzuteilen, dass es weder übertrieben kitschig noch abwertend rüber kommt. Andererseits vertrete ich aber auch die Ansicht, dass die Zweisamkeit privat ist und man das Gefühl keinem mitteilen muss!

  24. Danke an boschblog.. frage...
    Danke an boschblog.. frage mich zudem, warum das eindimensionale und in der Folge beklemmende Bild und somit quasi als Ordnungspolizei dienende Bild der romantisierten „Liebe“ aus Film und Literatur, unbedingt auch noch im Internet seine tragische Rolle erfüllen sollte? Liebe ist ein Begriff wie etwa Gott, dass muss jeder für sich allein ausmachen, ansonsten wirkt es einschränkend, grenzt aus und erhöht den echten Liebeskummer, der nämlich darin besteht, dass gewisse Menschen es als Unglück empfinden, den gängigen Formaten nicht zu entsprechen, weil ihnen glauben gemacht wird, sie hätten ein Manko aufzuholen: „Schau mal, die lieben sich richtig, Schatz, wir machen alles falsch….“ Ich hoffe, dass das Internet innerhalb einer modernen Gesellschaft eher dabei helfen sollte, diesen wirklich abgrundtief spießigen Mief aufzulösen. „Pärchen, verpisst Euch, keiner vermisst Euch“ ;-) (Lassie Singers)

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