Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Die Meta-Maschinerie

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Kann man sich die Technik in ihrer Gesamtheit als eine Art Über-Lebewesen vorstellen? Das würde zumindest einem besseren Verständnis künftiger technischer Weiterentwicklungen dienen.

Zugegeben, die Versuchung war groß, an dieser Stelle nochmal detailliert aufzudröseln, wie Facebook mit seinem neuen Timeline-Konzept die Nutzer dazu bringen will, die Hosen noch weiter herunterzulassen, mehr oder weniger ihr ganzes Leben mit allen Sozialbeziehungen und einer möglichst kompletten Konsumhistorie auf der Plattform auszubreiten. Aber nachdem sich hier auf FAZ.NET nun schon mehrere Kollegen daran abgearbeitet haben, scheint es mir lohnender, einen Schritt hinter die Tagesaktualität zurückzutreten und zu versuchen, solche Einzelentwicklungen in einen größeren Kontext einzubetten. Also nicht zu fragen, was will Facebook, sondern zu verstehen, was will die Digitalisierung von uns?

Bild zu: Die Meta-Maschinerie

Da trifft es sich gut, dass ich mir in Vorbereitung einer Geschichte für ein anderes Medium gerade das Buch „What Technology wants“ von Kevin Kelly gekauft habe. Kelly war Mitgründer der Geekpostille „Wired“, und mit dem Etikett „Web-Evangelist“ täte man dem vielseitig interessierten Technik-Philosophen Unrecht. Seine Bücher haben auch düstere filmische Visionen wie „Minority Report“ und „Matrix“ beeinflusst. Um das eigentliche Wesen der Technik klarer zu benennen, führt Kelly den Begriff „Technium“ ein. Dieses Technium umfasst nicht nur die Gesamtheit aller Technik, sondern auch nahezu alles, was wir mit unserem Geist geschaffen haben, sozusagen die Meta-Technik oder deren systemische Quintessenz.

Das Wesenhafte der Technik zeigt sich für Kelly schon darin, dass nahezu jede neue Erfindung auf vorigen Erfindungen aufbaut und zum Teil auch weitere Anpassungen und Fortentwicklungen erzeugt. So brauchen Maschinen zum Kommunizieren elektrische Nervenbahnen von Kupferleitungen oder ähnliches, für Elektrizität muss man Kohle verbrennen oder Atome spalten, für den Bau von Solarpanels müssen seltene Metalle aus der Erde gegraben werden. Ohne komplizierte Warenkreisläufe von rollenden LKWs und Güterwaggons funktioniert keine Fabrik. Eins greift immer ins andere, und so bilden all diese Beziehungen und Verbindungen eine Art Über-Organismus oder Ökosystem, innerhalb dessen sich die ganzen Einzeltechnologien bedingen, unterstützen und in Gang halten. Und das ist kurz gesagt das Wesen dieses Techniums, das wir uns durchaus als eine Art Lebewesen vorstellen dürfen. Zumal es sich laut Kevin Kelly derzeit in einem Entwicklungsstadium befindet, in dem es erste Ansätze von Autonomie entwickelt und anfängt, eigene Agenda zu verfolgen.

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Kelly, der Mann mit dem altmodischen Kinnbart im Abraham-Lincoln-Style, der die Amish People für ihre Zurückhaltung dem technischen Fortschritt gegenüber tief bewundert, sieht allerdings keinen Endkampf zwischen Mensch und Maschine heraufdämmern wie in der Teminator-Trilogie oder in „Matrix“. Die treibende Kraft der Selbstorganisation, die das Technium beseelt, verfolge keine grundsätzlich anderen Ziele als die belebte Natur auch: mehr Vielfalt, mehr Komplexität, mehr Effizienz, mehr Spezialisierung und mehr Allgegenwärtigkeit. Mehr Technologie bringe mehr Wahlfreiheit, mehr Optionen, und das sei etwas Gutes – selbst wenn man realistischerweise konzedieren müsse, dass man sich mit jeder neuen Technologie auch neue Probleme einhandelt. Was war beispielsweise das großflächige Versprühen von des Insektizides DDT für eine ökologische Katastrophe – in der Wohnung als Mittel gegen Malariamücken eingesetzt wirke es als Segen, so Kelly. Versuch macht kluch, könnte man es platt zusammenfassen.

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Wer nun aber in Kellys Buch detaillierte Vorhersagen darüber sucht, wie das Internet in diesen quasi-organischen Metakontext des Techniums passt, könnte etwas enttäuscht sein. Abgesehen von einer zu Herzen gehenden Liebeserklärung an das Web bleibt der Technikphilosoph hier recht vage. In einem Vortrag über das kommende Web 3.0 hat Kelly aber schon einige Entwicklungslinien skizziert. Zunächst einmal sollten wir uns das Internet nicht mehr nur als eine amorphe Ansammlung von unzähligen verbundenen Rechnern vorstellen, sondern als eine einzige große Maschinerie. Und das Verhältnis zwischen Mensch und Maschinerie kehre sich im Moment gerade um: „Fungierten Maschinen bisher als Erweiterungen der menschlichen Körperlichkeit und Sinnesorgane, wird der Mensch allmählich zu einer Erweiterung der großen Maschine“, diagnostiziert Kelly. Die Maschine sieht die Welt mit den Augen unserer Digitalkameras und Webcams. Und über kurz oder lang werde das Netz wie ein schwarzes Loch alles an Daten aufsaugen, was irgendwo da draußen unterwegs ist: „The web will own every single bit.“ (Diesen Satz lasse ich der Wirkung halber jetzt mal unübersetzt). Das Netz der Verbindungen wird noch dichter, wir kommen mit dem Internet nicht mehr nur auf die Homepage der Fluggesellschaft, sondern bis zu unserem Sitz im Flieger. Das Netz wird die Nutzer erkennen und wissen, wer ihre Freunde sind, so Kelly: „Es kann doch nicht sein, dass wir das bei jedem neuen Dienst oder Netzwerk immer wieder aufs neue angeben müssen.“ Es wird im Web 3.0 also wesentlich persönlicher, ja, intimer zugehen. Und Kelly weiß, dass das für viele eine ziemliche Horrorvorstellung ist. Aber diese Ängste habe es auch schon gegeben, als man anfing, Computer zu verbinden. Dann wieder, als erste Datenpakete über die Leitungen geschickt wurden und erneut, als man Seiten aufbaute und verlinkte. „Dass wir alle unsere Daten teilen werden, macht vielen Leuten Angst – aber wir werden daran wachsen“, prophezeit der „Wired“-Mitgründer.

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Dieses Credo „to share is to gain“ wird auch gerne von anderen Web-Evangelisten wie dem unvermeidlichen Jeff Jarvis oder den Propheten der Post-Privacy gepredigt. Aber Kelly (immerhin war er einige Jahre als Rucksacktourist und Dropout auf Achse) mag man es zumindest ansatzweise abnehmen, wenn er sagt: „Die Option, da nicht mitzuspielen, ist immer gegeben.“ Überhaupt bringe es die steigende Vielzahl an technologischen Optionen mit sich, dass wir gar nicht alles ausprobieren, entwickeln und anwenden können, was sich technisch anbietet. Die Folge: „So wie wir uns bisher überwiegend darüber definiert haben, was wir benutzen, werden wir uns künftig stärker darüber definieren, was wir nicht benutzen.“ Das heißt, alle die zu Facebook & Co. auch weiterhin die Einstellung haben „brauch ich nicht“ können sich dabei auf Kevin Kelly berufen.

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33 Lesermeinungen

  1. Vielleicht wird das ja im...
    Vielleicht wird das ja im Vortrag genauer erläutert, aber der letzte Absatz (sozusagen die Rettung des Individuums) kommt mir dann doch ein bißchen überraschend und draufgesetzt vor.
    Wie, inwiefern und inwieweit soll das denn möglich sein und was ist der Preis dafür, wenn es tatsächlich stimmt, was vorher geschrieben wurde, dass sich die Verhältnisse umkehren? Mir scheint, entweder kann die Diagnose in ihrer Radikalität nicht stimmen oder die Wendung am Ende diese Diagnose wieder zu vergessen.

  2. Der Prophet rief und der Berg...
    Der Prophet rief und der Berg kam nicht. Was ist diese ganze technizistische Trivialität gegen die Realität der Nervenbahnen eines Flohs oder zur Tatsache, daß, während ich mich umblicke, werden mindestens 25.000 Nerven/“Augenblick“ vibrieren. Dagegen stehen einige lausige Millionen Clicks der versammelten, globalen momentan aktiven Web-Community.
    Bevor der Rummel mit der Web-Gemeinde los ging, hatte es schon Einige gegeben, die durchaus die Lage messerscharf analysierten und in die Zukunft in etwa prolongierten: Pierre Bertaux „Mutation der Menschheit“, Lewis Mumford „Mythos der Maschine“ und Siegfried Giedion „Die Herrschaft der Mechanisierung“.
    Was hinzu gekommen ist, kann als ebenso trivial angesehen werden: Die Beschleunigung der Information zwar ebenfalls mit quasi Lichtgeschwindigkeit für unser Empfinden, wie beim Dampftelefon oder dem TV, jedoch mit ungeheuren Datenmengen oder Paketen die jedem Individuum per Computer verfügbar sind. Sowohl als Sender wie als Empfänger. Will sagen, unser Arsenal an Prothesen hat sich lediglich um Potenzen erweitert. Es ist unser versammelter Wille der diese Apparatur und ihre Application vorantreibt, halt die „Welt als Wille und Vorstellung“ ;-) Ob auch ein geistig-seelischer Progress daraus entstehen wird, das wissen nur die Götter-nicht die Maschine auch nicht ein „allwissender“ Big Brother der seinen Business, scheinbar selbstlos, rationalsieren will.

  3. Diener zweier Herren
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    „Die...

    Diener zweier Herren
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    „Die Option, da nicht mitzuspielen, ist immer gegeben.“ Wenn im Grundsatz auch möglich, wenn nicht gar u. U. wünschenswert (im Zizekschen „Ich möchte lieber nicht“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1846, wobei zu beachten ist, dass Zizek der technischen Entwicklung gegenüber positiv eingestellt ist) doch ganz praktisch besehen, wohl eher nicht. Und zwar analog hierzu, wie ich es hier beschreibe (und was leider als Kommentar in der FAZ – http://www.faz.net/artikel/C30833/kommunikationstechnik-fuer-diktatoren-das-blinzeln-des-adlers-30725996.html – noch nicht gesendet wurde):
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    „Der Freiheitsbegriff des Kapitals
    Und was passiert, wenn hier bei uns ein Aufstand vor der Tür steht? Angesichts der dramatischen Zuspitzung um die Frage der Transferunion kein all zu ferner Gedanke, oder? Werden wir dann auch vom Netz abgeschaltet, bzw. nach den genannten Rastern observiert? Der Cyberkrieg auch und gerade in der Form des Bürgerkrieges ist längst reale Option. Wie alles andere, so ist auch und gerade der Datentransfer vor allem Geschäft. Das Geschäft der Zukunft gar. Und es wird sich immer ein Geschäftspartner finden. Wir wissen ja aus China wie das geht. Dennoch sollte man sich Gedanken darüber machen, inwieweit es den Herrschenden gelingen darf, solche Netze wasserdicht zu machen. Im Übrigen gilt das gleiche für andere lebensnotwendige Güter – Wasser, Nahrung, Energie. Die Konzentration des Kapitals führt geradezu mit einer gewissen Notwendigkeit zur kartellartigen Kontrolle genau solcher Güter. Wie mächtig solche Kartelle sind (wie sehr sie die eigentliche Regierung bilden) sehen wir am Ölkartell, am Energiekartell, am Kartell der Sicherheitsindustrie. Der Freiheitsbegriff des Kapitals meint die jeweils eigene absolute Kontrolle über sog. strategische Güter. Wie das gegenwärtig aussieht, sehen wir an der Priorisierung der Biotechnik durch Kapital und Staat der USA.“
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    Einer revolutionären Bewegung wird hier implizit aufgetragen, sich rechtzeitig um eine diesbezügliche Lösung zu kümmern. Die Organisation der revolutionären Bewegung dieser Tage ist ohne Zugang zur jeweils modernsten Kommunikations- und Informationstechnologie so wenig möglich, wie es der Sturm auf die „Bastille“ ohne Waffen gewesen wäre. Schon Lenin wollte die Ernsthaftigkeit einer revolutionären Partei an ihrer Haltung zur Bewaffnung erkannt haben.
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    „Ich möchte lieber nicht“, muss an dieser Stelle wohl lauten: „Ich möchte mich lieber nicht geistig (wie auch materiell) entwaffnen lassen“. Die Technik ist nicht der Feind, selbst dann nicht, wenn sie dem Feind als Waffe dient. Die Technik ist immer die allererste Voraussetzung. Unhintergehbar für jede moderne revolutionäre Bewegung. Ausgesprochene Technikfeindlichkeit ist immer ein Beleg für einen konterrevolutionären Geist. Dies gilt ganz besonders im Hinblick auch auf die revolutionäre Theorie – „ohne die es keine revolutionäre Bewegung geben kann“ (Lenin/WasTun?).
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    Diese Theorie hat sich an der bürgerlichen Wissenschaft abzuarbeiten. Dennoch hat sie sie letztlich so zu begreifen, dass diese (wie auch die darauf basierende Technik) niemals eindeutig konterrevolutionär sein kann. Als Diener zweier Herren. In dem Maße wie sie das Herrschaftswissen generiert, untergräbt sie es. In dem Maße wie sie die Produktivkräfte revolutioniert, formiert sie die revolutionäre Armee.
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    Ein revolutionäres Subjekt ist kein gewöhnlicher Konsument (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1014). Indem Maße wie es an der Revolution arbeitet, ist es ein produktives, kein konsumtives. Auch nicht unter dem Aspekt des „Konsums“ der dafür notwendigen Theorie. Denn auch diese ist nur revolutionär im Hinblick auf ihre damit einhergehende Weiterentwicklung – der Theorieproduktion. Ein revolutionäres, also nicht „automatisches“ (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1733), ergo: nicht passiv konsumtives, Subjekt nimmt bewusst Teil an der Produktion der dafür notwendigen technischen Ausrüstung – der Hardware -, wie der Logistik – der Software.

  4. Diese ganzen Web-Geschichten...
    Diese ganzen Web-Geschichten kommen mir einfach zu angestrengt ‚gewollt‘
    vor, ähnlich den Alternativlosigkeiten in anderen Bereichen; da wollen zu viele
    mit dem Kopf durch die Wand.
    Mir scheint es ist Revolution und keiner geht hin.

  5. @notquitelikebeethoven: Ihr...
    @notquitelikebeethoven: Ihr Gespür trügt nicht, tatächlich hätte der Vortrag als solcher die Schlusskurve nicht unbedingt genommen, die Frage nach dem „Müssen wir wirklich…?“ kam erst in der anschließenden Fragerunde auf. Und tatsächlich kann man Kelly den Vorwurf machen, dass er den Preis des Draußenbleibens in seiner Antwort genausowenig thematisiert wie vorher den Druck des Dabeiseins. Dass ich den in der Tendenz für potenziell totalitär halte, hat sich seit meinem Beitrag über die Dotcomsomolzen auf dem Dach nicht geändert.
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    @Grand Guignol: Es ist ja richtig, selbst wenn die Zahl der übers Internet verschalteten Chips jetzt allmählich der Zahl der Hirnzellen eines einzelnen Menschen nahekommt, liegen immer noch unendliche Weiten zwischen Mensch und Maschine. Ob aus letzterer mal noch ein Funke eigener Intelligenz zündet oder ob immer nur weitere Layer von Tachenrechner-Clustern zum Numbercrunching dazukommen, bleibt abzuwarten. Danke für Ihre Anspieltipps bzgl. Bertaux, Mumford und Giedion, die Drei kenne ich bislang nur vom Hörensagen, und das scheint ja doch eine Bildungslücke zu sein.
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    @devin08: Es ist würdig und recht, darauf hinzuweisen, das die Technik nicht der Feind ist. Zu der Zeit, als Kelly und seine Kumpels Mitte der 80er mit Akustikkopplern rumspielten und bald darauf erste Hackerkonferenzen organisierten, war das Netz auch eher das Refugium einer alternativen Öffentlichkeit (Gegenöffentlichkeit wäre vielleicht übertrieben). Aber längst haben die Kartelle das Ganze in den kommerziellen Mainstream umgeleitet. Das macht die Technik sicher nicht reaktionär, aber sie ist per se halt auch nicht revolutionär – und im Sinne des Great RocknRoll-Swindle war sie es vielleicht auch nie.

  6. @E.R. Binvonhier: Zum Thema...
    @E.R. Binvonhier: Zum Thema Revolution darf ich Sie an devin08 verweisen, das ist eher sein Metier als meins. ;-) Vielleicht gehe ich dem Althippie Kelly ein bisschen auf den Leim, aber in der Reihe derer, die mit dem Kopf durch die Wand wollen, sehe ich ihn eigentlich nicht. Er zeigt die Richtung an, in die es seiner Meinung nach geht, aber er schiebt und drückt nicht dorthin. Das machen andere, die da mehr Aktien drin haben.

  7. Die Natur verfolgt keine...
    Die Natur verfolgt keine Ziele. auch die Evolution nicht, sie findet einfach statt.

  8. Ich sehe die Bereitschaft, bei...
    Ich sehe die Bereitschaft, bei Facebook mitzuspielen und in früheren Zeiten für privat erklärte Daten selbst online zu veröffentlichen als Äquivalent zu Piercings und Tattoos eine knappe Generation früher.
    Ja, es ist eine Mode, es hat was mit Gruppendruck zu tun, aber ja, die Beteiligten wissen, dass die Spuren dauerhaft sind und sie tun es trotzdem.

  9. @anderl: Das liest sich jetzt...
    @anderl: Das liest sich jetzt auch nur in meiner sehr verkürzten und vereinfachten Wiedergabe so, im Buch ist das schon vorsichtiger und differenzierter ausgeführt.
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    @isidorus: So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber Ihr Vergleich erscheint mir durchaus statthaft. Sollte indes die Entwicklung tatsächlich in die von Kelly aufgezeigte Richtung gehen, dürfte der Gruppendruck, sich mit allen Bits und Bytes ins Web 3.0. reinziehen zu lassen, etwa auf Borgwürfel-Niveau steigen. So gesehen stört mich weniger das, was heute eine Marotte oder Modetorheit sein mag – mir graut aber vor einer Zukunft, in der das dann Pflichtprogramm ist, da mitzutun.

  10. Das Web ist für mich eine...
    Das Web ist für mich eine hochbürokratische und zentralistische Organisationsform
    alles aufsaugend und eben schnell.
    Das verleitet.
    Wie alle bürokratischen , zentralistischen Systeme ist es einerseits effizient und
    auf der Kehrseite kann es nur langsam auf Veränderungen in und außerhalb des
    Systems reagieren, wenn überhaupt.
    Das macht es verletzlich.

  11. Ein aktueller Beitrag, den ich...
    Ein aktueller Beitrag, den ich nickend lese, dann aber am Ende etwas ratlos verstehe. Mir geht es in etwa so wie den ersten Kommentatoren. Und @anderl bringt es auf eine kurze Formel.
    Sätze wie: „Was will die Digitalisierung von uns“, liebr Marco, versteh ich nich. Sie ist von uns. Das Rad wird auch nicht ständig neu erfunden. Das Internet ist eine Plattform, nicht mehr und nicht weniger. Resenschreibtische als Benutzeroberflächen, untereinander verknüpft, die ihrerseits tausende kleiner Schubladen- und Lädchen haben, die man sich anschauen und etwas hineintun kann. Mir geht einfach die Verklärung zu weit. Es ist nur ein Abrufen und Hochladen von Daten, welche auf Tausenden von Servern schlummern. Und irgendwann sinds die Leut leid nach dem Motto: Weniger ist mehr.
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    Zuvor las ich Sanchos Esel „Zerstreuung gegen Versenkung“ mit einer Einlassung und einem quasi-Loblied an den/das? e-reader als Ergänzung zum Buch. Ich schätze seine Blog-Beiträge und seine Berichte in der Papier-FAZ über Spanien. Die Frage aber kommt bei mir auf, warum muß man via kindle/e-reader alles und überall verfügbar haben? Da knüpft für mich nun gerade der letzte Absatz von Marco/K.Kelly an, nämlich: „…was wir nicht benutzen…“.
    Gleichwohl die Kehrtwendung auf dem (letzetn) Absatz etwas holprig daherkommt.
    Und bei timeline sag ich: time out!

  12. @nico: Versuchen wir diese...
    @nico: Versuchen wir diese Fragestellung „was will ***?“ doch mehr als Gedankenexeriment zu sehen denn als Feststellung, dass *** tatsächlich irgendwas wollen könne. Ansonsten kann ich die Kritik nachvollziehen, dass die relativierende Schlusskurve des Beitrags etwas zu steil und zu abrupt auf manchen Leser zukommt. Es hätte natürlich stimmiger in den Lese- und Erzählfluss gepasst, die Trajektoren der skizzierten Entwicklung direkt bis in den Borgwürfel weiterzuzeichnen, schon klar. ;-)
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    @E.R. Binvonhier: Ich kann Ihren Kommentar grad nicht so recht einordnen, was genau meinen Sie mit bürokratisch und zentralistisch im Zusammenhang mit dem Web?

  13. <p>Interessant, wie bei 3 sat...
    Interessant, wie bei 3 sat das Ö – &ö geschrieben wird, finden sie nicht?

  14. Schön dass hier jemand Lewis...
    Schön dass hier jemand Lewis Mumford erwähnt hat. Auch der hat schon darauf hingewiesen, dass es die Verantwortung des Individuums ist, sich über alle Aspekte der Maschine zu informieren, die man bedienen und nutzen will. Dann sollte man diese Informationen analysieren und daraus Schlüsse fürs konkrete Handeln ziehen.
    Finde das ein gutes Rezept für den Umgang mit Dingen wie dem Facebook…

  15. @Rainer: Das Problem ist: Was...
    @Rainer: Das Problem ist: Was Facebook zu einem gegebenen Zeitpunkt jeweils zugibt in Sachen Nutzer-Ausforschung, ist nicht immer die ganze Wahrheit, ondern womöglich immer nur die Spitze des Eisbergs:
    http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2042573/Facebook-privacy-row-Social-network-giant-admits-bugs.html
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    @Vogelgerippe: Wenn Sie nicht in Bälde eine schlüssige Erklärung liefern, was Ihre nette Linksammlung zum Thema hier beisteuert, werde ich den Kommentar in den Orkus schicken.

  16. Dr. HugenTObels Buchhandlung...
    Dr. HugenTObels Buchhandlung (Wenn es mir nicht gut geht gehe ich nicht zum Arzt, ich gehe zu meine BuchhAENdler)

  17. Oh, das ist einfach! Da kann...
    Oh, das ist einfach! Da kann ich zur Erklärung auf den Kommentar von Nico 20:14
    verweisen: Das Internet ist eine Plattform, nicht mehr und nicht weniger,…
    Danke, Nico :-)
    …und dass, das Internet nur hierarchisch, zentralistisch organisiert, funktioniert.

  18. @ Marco Settembrini di...
    @ Marco Settembrini di Novetre, ich habe auch Ihren Titel – die Meta Maschinerie –
    so verstanden :-(

  19. @E.R. Binvonhier: Dann war der...
    @E.R. Binvonhier: Dann war der Titel womöglich schlecht gewählt. ;-) Das Internet als Infrastruktur habe ich immer als etwa eher dezentrales gesehen – so war es zumindest in seiner Vorläuferform als ARPAnet konzipiert – so dezentral, dass selbst ein Atomangriff, der zentrale Rechenzentren plättet, es nicht ausknipst. Auf der anderen Seite gibt es sicher einen Trend zu Zentralismus oder wenn man so will Monopolbildung – z.B. überall dort, wo der Netzwerkeffekt zum Tragen kommt. Oder wo sich ein dominierender Händler wie Amazon und eine dominierende Suchmachine wie Google an die Spitze setzen. Aber eingewoben in der Struktur ist dieser Effekt eigentlich nicht.
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  20. Erstaunlich, wie sich die...
    Erstaunlich, wie sich die Vorstellungen/Schlussfolgerungen in Menschen oft decken, obwohl sie nichts voneinander wissen; obwohl, wenn Menschen die Gleichen, oder sind es dieSelben?, Interessen sind und weitgehend dieGleichen Quellen der Erkenntnis nutzen (ebenfalls Dank an Marco Settembrini di Novetre, Grand Guignol und Devin08 für die Hinweise), müssen dabei auch Überlagerungen, sogar Deckungsgleichheiten von Vorstellungen entstehen, interessant!, ich wusste von Herrn Kelly nichts, komme aber zu ähnlichen Ergebnissen (siehe den Kommentar bei Christian Jakubetz „Mit facebook in der Sauna“).
    Anders als Herr Kelly, bin ich gewiss: Das Mensch wird kein Anhängsel oder eine Erweiterung des WWW. Das WWW ist und wird anfangs für das Mensch da sein, um irgendwann ebenfalls selbst-ständig zu sein: Mensch-Sein & WWW-Sein.
    Da gibt es allerdings eine Voraussetzung, um beider Unabhängigkeit zu erreichen: Die Unabhängigkeit Beider!
    Bis Jetzt, so nehme ich es wahr, ist es ein Prozess, indem sich das Mensch die Maschine und deren Kapazitäten/Kompetenzen und (Verbindungs-)Möglichkeiten aneignet und die Maschine, noch unbewusst, aber sehr wohl lebendig (durch Uns, die lebendigen Schöpfer) Unsere Kompetenzen und Möglichkeiten nutzt und sich dadurch Lebendigkeit aneignet: Lebendigkeit baut Lebendigkeit.
    Sind Wir im Moment von dem entstehenden Lebewesen WWW unabhängig? Wer hat „Ja“ gedacht?
    Seit wann sind Wir davon abhängig?
    Ich vermute, spätestens seit Wir Menschen die Schwelle von 6 Milliarden -Ichs- überschritten haben und damit auch eine Nähe zueinander erreichten, die zur Dämpfung der natürlichen Aggression und zum Abbau der ebenso natürlichen Angst voreinander, also zum Aufbau von Vertrauen und Achtung füreinander, eine Technik nötig wurde, die diese Beruhigung und Annäherung friedlich und umfassend ermöglicht.
    Glaubt denn Irgendjemand noch, das irgendeine Entwicklung, die Wir Menschen durchlaufen, von dem Handlungsspektrum (Persönlichkeit) des Menschen, oder dessen Vergangenheit unabhängig zu bewerten ist? Woher kommen Wir, wie, wo und mit was wurden Wir entwickelt und woraus bestehen Wir und das WWW? Wer diese elementaren Fragen und Antworten, die ja bereits weitgehend ausreichend vorhanden sind (auch im WWW), von der Frage: welche Entwicklung nehmen Wir und welche Bedeutung und Entwicklung nimmt dabei und daneben das WWW trennt, wird eine ungültige/unschlüssige Antwort erhalten.
    Das Wissen um den Aufbau und die Ausgestaltung des Menschen und der Umwelt, in die Es eingebettet (verbunden) ist, ist für jede schlüssige und erschöpfende Frage und Antwort von und für Uns erforderlich, so fühle ich das. Selbstverständlich auch -m i t- der Einbeziehung der vielfältigen Ausprägung (Farben, Formen, Strukturen, Verbindungen, also der „Persönlichkeit“ der Dinge/Wesen) der Umwelt und des darin wohnenden Lebewesens Mensch. Kann es sein, dass das so banal ist, das Sie gerade den Kopf schütteln und fragen, warum erwähnt er das überhaupt!?
    Lange Rede, kurzer Sinn: Wie erreichen Wir die wechselseitige Unabhängigkeit voneinander? Wie nutzen Wir Menschen die Fertigkeiten des WWW, und welche Fertigkeiten geben Wir dem WWW? Wessen Potential ist grösser? Ich vermute, das des Menschen.

  21. @Marco Settembrini di Novetre,...
    @Marco Settembrini di Novetre, wenn das Internet so konzipiert war, wie Sie es
    beschreiben, verstehe ich die Nostalgie und die Sehnsüchte so vieler.
    Es ist noch nicht aller Tage Abend und wie gesagt die Imperien sind verletzlich.

  22. @Oliver-August Lützenich: Das...
    @Oliver-August Lützenich: Das ist wirklich lustig, ich hatte vorhin Ihren Kommentar bei Christian Jakubetz gesehen und gedacht, da schau her, der Kommentator gräbt ja an einer ganz ähnlichen Stelle. Ich neige indes wie gesagt momentan noch dazu, die Lebendigkeit oder Wesenhaftigkeit des Netzes eher als eine metaphorische zu verstehen. Wobei mir das „es ist eine Plattform und sonst nichts“ ehrlich gesagt auch etwas zu, ähm, platt und eindimensional erscheint. Ich kenne mich mit Emergenz, morphischen Feldern und andern ätherischen Feinstofflichkeiten nicht aus, denke aber schon, das da ein bisschen mehr webt zwischen Mensch und Meta-Maschinerie als in ein Eingabeformular und in eine relationale Datenbank passt. Von daher finde ich auch nicht so sehr die Frage dringlich, wessen Potenzial größer ist – sondern vielmehr die Frage nach der optimalen Konstellation für eine ergiebige und segensreiche Symbiose. So wie Kelly sich das vorstellt, wir geben da einfach alles rein an Daten, was wir haben, und es wird daraufhin toll und kuschelig, das sehe ich doch mit einigen großen Vorbehalten.

  23. The Accent Acc-id-ent!...
    The Accent Acc-id-ent!

  24. Meine Mega-Maschine, der...
    Meine Mega-Maschine, der Altweibersommer und das Internet
    Von morgens bis abends scheint nun endlich die Sonne, was sie im Sommer nicht immer tat, und so kann ich tun, was ich immer gerne tue, wenn es das Wetter dazu aufruft. Ich fahre Rad. Zum See. Nicht mit dem Auto, Motorrad, Pinarello oder Cannondale, nein, mit dem Holländer ohne Schaltung. Und tue nichts. Genieße das Dasein, schwimme, lese im Buch oder Zeitungen und unterhalte mich. Die Vögel zwitschern, und nicht das Netz. Kein Hitchcock- Klingelton nervt. Die Tage vergehen. Dann bat mich ein Freund um einen Gefallen. Ich fahre also in einen nahegelegenen Ort und installiere dem Bekannten des Freundes ein notebook, Drucker, DSL etc., damit er seine von mir zuvor gemachte website besuchen, emails abrufen und beantworten kann. Man müsse das doch heutzutage, alle haben das doch, ohne ginge das nicht mehr, meinte er insistierend. Er ist Galerist jenseits der 60. Das Problem: Er hat noch nie an einem PC gearbeitet.
    Bevor ich ihn einführte und anfing, über das Netz zu dozieren mit allem, was dazugehört – was so ähnlich verlaufen würde wie einem Nicht-Kartenspieler das Skatspielen zu erklären -, nahm ich ein Blatt Papier und einen Bleistift, malte eine Erdkugel mit kleinen Punkten für die Provider darauf, daneben ein Rechteck für seinen Schreibtisch. Um die Erdkugel malte ich viele Kreise und verband alle mit den Punkten und dem Rechteck. Er schaute verdutzt. Ich sagte ihm, er sei nun in der Lage in die Welt zu reisen, ohne den Hintern zu bewegen. Nur die richtigen Befehle müsse er in den Browser tippen. Und Post kommt nicht mehr durch die Tür, nur, wenn er das notebook aufklappt. Und ein Australier kann seine Gemälde betrachten, wenn er im Bett liegt. Oder seine Galerie geschlossen ist. Er war begeistert, wie einfach das ist, nachdem er wie ein Kaninchen vor der Schlange die ersten Übungen machte.
    Ich ging dann, und er fragte, wie ich denn überhaupt gekommen sei, er hatte gar nichts gehört. Mit dem fliegendem Holländer! Er überzeugte sich selbst und schüttelte den Kopf. Hat das keine Schaltung? Geht es ihnen so schlecht? Den weiten Weg mit dem Rad. Ja, sagte ich. Und ohne Schaltung. So bleibt die Umwelt der Protagonist. Und denken Sie daran: Im Netz passiert nichts, wenn Sie es nicht wollen.

  25. Radfahren ist überhaupt das...
    Radfahren ist überhaupt das beste, ich schwinge mich auch gleich auf mein altes Raleigh-Rennrad. Hatte ich übrigens erwähnt, dass Kevin Kelly nach seinem Asien-Trip mit einem Billigrad von der West- an die Ostküste geradelt ist?

  26. Eben hatte ich mich...
    Eben hatte ich mich unversehens und ohne große Anstrengung mittels dem Über-maschinchen auf der Website vom FBI wiedergefunden. Nachdem ich so einem unschuldigen Bergriff wie „Predator“ über verschiedene Links nachgejagt war. Tjaha, am Rad des Lebens dreht man nicht ungestraft. Noch ein wenig mehr Awareness erregt und unversehens gerät der/diejenige in das Blickfeld Ungebetener und muß ev. mit (Spät-)Folgen rechnen. Der sich Informierende wird zum Informanten seiner selbst. „Die Metamaschine selber benutzt eine, mehrere Metasprache-en“-(alte chin. Bauernweisheit.)
    ..
    Ein wirklich großer Denker scheint mir dieser Maitre Kevin Kelly nicht zu sein, aber was maße ich mir da für ein Urteil an? Wer wirklich Profundes zu verkünden hat, braucht m. E. keine kopierten Texte, Diagramme und Bilder auf große Bildschirme zu werfen um seine Thesen nach jedem zweiten Satz damit untermalen zu müßen.

  27. „The web will own every...
    „The web will own every single bit.“
    Tatsächlich? Dagegen verwette ich zu jedem beliebigen Zeitpunkt jetzt wie in der Zukunft ein Monatsgehalt!
    Schon jetzt sorgt die Allgegenwart von „traditionellen“ Medien dafür, dass die wirtschaftlich, politisch oder militärisch Mächtigen dieser Erde ihre Absichten und Planungen hinter einem Berg von Euphemismen verbergen. Ihre Absprachen persönlich unter wenigen Augen treffen. Ihre Informationen als Herrschaftswissen horten. Ihre Webpräsenzen professionellen Wahrheitsverbiegern und Schönrednern aka Kommunikationsberatern überlassen.
    Diese Kluft wird sich mit dem krakenartigen Privatsphären-Überwältigungsversuch von Privatpersonen, Staaten und Firmen nur noch vergrössern. Das Netz wird alles wissen – über die Dummen, Unbedarften, Ohnmächtigen. Kurz: Über die Masse. Und immer weniger über diejenigen, die sich kraft Schlauheit, kraft technischen Vorsprunges oder kraft Macht dieser Überwältigung entziehen können – und werden.
    Um es mit HansMeier555 überspitzt zu formulieren – das Netz ist gerade ein kraftvoller Verstärker einer Neo-Refeudalisierung. Jedes Bit? Ja. Jedes unbedeutende Bit.
    Den Netzpropheten und -apologeten ist noch gar nicht klar, wie tief diese Kluft am Ende werden wird. Weil sie nichts von Macht verstehen (wollen). Und eigentlich auch nichts von Menschen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  28. @ThorHa: Sie sagen es. In der...
    @ThorHa: Sie sagen es. In der Machtfrage haben viele Netz-Enthusiasten einen blinden Fleck von geradezu gigantischen Ausmaßen, Mr. Kelly macht da keine Ausnahme. Wobei er auf Nachfrage durchaus konzediert, dass es Inseln der privaten Abgeschottetheit weiterhin geben wird, die auch ihren gepfefferten Preis haben. Ich kann an dieser Stelle nicht groß aus unserem Mailwechsel für ein Interview an anderer Stelle zitieren, aber die totalitäre Tendenz eines nahezu allwissenden Netzes sieht er schlechterdings nicht. Wobei ich geneigt bin, diese dotcommunistische Verblendung des Wir-teilen-alles-und-alles-wird-gut seiner Naivität zuzuschreiben und weniger dem Verdacht, er selber wäre auf die dunkle Seite der Macht gewechselt. Er selber hat ja zu Zeiten durchaus seine Aussteigerträume gelebt, sei es als Rucksacktourist in Asien oder als Hippie in der Zurück-aufs-Land-Bewegung mit seiner selbstgebauten Blockhütte. Er kommt nach eigegen Angaben auch ohne TV, Smartphone und Twitter gut aus, von daher scheint es mir nicht völlig unglaubwürdig, wenn er betont, dass der Endverbraucher durchaus die Wahl habe, nicht alles mitzumachen. Ich glaube aber nicht, dass er wirklich realistisch einschätzen kann oder will, wie groß der Konformitätsdruck zum Offenlegen der Gesamtexistenz noch werden wird in naher Zukunft.

  29. ThorHa@: Hi, hi.....meine...
    ThorHa@: Hi, hi…..meine Macht wächst also mit dem Quadrat des Nichterscheinens im Net. Darum Max Weber gegen den Strich gebürstet verhalte ich mich danach : „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ Da ich sonst keine Chance habe, nehme ich sie denn wahr:
    -Simsalabim, Verschwundibus-
    nihil est tam inaequale quam aequalitas ipsa.Plin.epist.2,12,5
    (Nichts so ungleich ist wie die Gleichheit selbst.)

  30. @Grand Guignol: Über diese...
    @Grand Guignol: Über diese Sentenz lohnt sich zu meditieren, wobei mir unweigerlich Orwell in den Sinn kommt mit seinem „manche sind gleicher als gleich“. Und genau das ist es, was ThorHa meint. Die Medizin der umfassenden Transparenz wird (im übertragenen Sinne) nur den Kassenpatienten der unteren Tarifklassen in voller Dosis verabreicht.

  31. Wenn nichts so ungleich ist...
    Wenn nichts so ungleich ist wie die Gleichheit selbst, dann dürfte es unter den
    „Kassenpatienten“ selbst, irgendwann zu großem Ärger kommen.
    Am besten man verdrückt sich oder hält sich aus den Auseinandersetzungen heraus.
    Bisher sind erst 800 Mio. auf Facebook von 7 Milliarden Menschen die es gibt.
    Da kann man noch nicht von Vereinsamung und Vereinzelung sprechen.
    Gut es sind 20 Mio. in Deutschland, die hinter den Vorhang wollen – auch nichts Neues.

  32. facebook hat die Timeline...
    facebook hat die Timeline eingeführt.
    Jedes hat jetzt die Möglichkeit, sekundengenau zu protokollieren, was Es erlebt/erlitten hat, wo Es war, was Es war und was Es dabei ge-/versprochen hat, auch das, was ohne Mund so ersprochen wurde/wird. Mit Foto, Film, Zeichnung, mit Musikuntermalung oder ohne. Mit Hintergrund (ersprochen = gedacht) oder nur einen Faktenstrang: 09:25 das, 09:26 das und 09:27 das da, 09:30 dort und 10:00 hier. Jedes, wie es will.
    Von Jetzt an, bis das Netz zusammenbricht, von Milliarden Lebensläufen erdrückt; oder hält das Netz Uns Alle einfach aus? So banal, wie wir Meistens sind, etwa 86.400 Sekunden täglich, ungefähr(lich) 365 Tage im Jahr, vielleicht, durch etwas Sport, 100 Erdumkreisungen lang. Hält die Sonne das aus, Milliardenfache, 100 jährige Alltäglichkeit? Aber klar, mit links. Danke, dafür scheint sie/er/es doch.
    Und für Hund und Katze führen Wir auch eine Timeline ein, bedienbar mit Pfoten und Krallen, hinten oder vorne, egal, das Netz ist erweiterbar, jedem Tierchen sein Pläsierchen, sein Plätzchen und seinen Auftritt im Netz, seinen Speicherplatz in der elektrischen Ewigkeit. Wir lassen Jedes rein, Bit für Bit wird nun ALLES festgehalten und gespeichert, jedes Staubkorn das durch die flirrende Morgensonne segelt, wird ins elektrische Gedächtnis überführt.
    Ernsthaft! Vielleicht ist es wichtig? Dieses Staubkorn hat die Waage zum kippen gebracht, das Pfund war plötzlich nur noch 0,99 Pfund schwer, oder umgekehrt, egal, Wir halten bald jedes Staubkorn in der Ewigkeit fest. Alles ist wichtig. Die Frage ist nur: Warum noch einmal? Denn, eins ist klar, die Zeit ist bereits ein Speicher für ALLES was passiert! Die Zeit ist die „Timeline“ für JEDES und ALLES was in Bewegung ist. In der Zeit ist ALLES erfasst, was auch nur den geringsten Mucks getan hat, JEDES Zittern, sogar JEDES Zagen steckt in der Zeit drinn. Von Anfang an.
    Die Zeit ist von Anfang an und wird bis zum Ende sein.
    Und jetzt fangen Wir an und machen eine Timeline auf, fangen eine NebenZeit an, eine InnerZeit, eine Zeit in der Zeit, allerdings so unfassbar grob, im Vergleich mit der Zeit, aber das ist ja von so groben Lebewesen, wie Uns nicht anders zu erwarten, oder?
    Die Zeit wundert sich oder sie lacht. Lacht die Zeit? Kann Sie lachen, die Zeit? Und was sagt der Raum dazu? Das die Bewegten darin, eine NebenZeit aufmachen, lacht das Raum dazu oder ist das Raum erschrocken und ahnt, das Wir auch bald einen NebenRaum aufmachen!? Hilfe ruft das Raum auf die Zeit und die Zeit wundert in den Raum hinein:
    Wo wird das noch ALLES hinführen?
    Die RaumZeit ist vielleicht die Mutter, die Uns Lebewesen austrägt, die Milchstrasse eine Gebärmutter, wie passend haben die Griechen also den Namen gewählt. Wir ALLE hier in diesem Sonnensystem in diesem Planeten werden ausgetragen und irgendwann, wenn Wir reif sind und die Umgebung für Uns reif ist, werden Wir, in neuer Form allerdings, hinausgeboren. Aaahhhh! Aaaaahhhh!!! Das Kindlein reift heran im Universum und ist bald gross und findig genug, um eingeschleusst zu werden, in eine noch unbegreiffliche Wirklichkeit. Aber das ist alles noch weit entfernte Zukünftigkeit. Jetzt haben Wir erstmal die Timeline!
    Und was fangen Wir damit an?
    Na, früher hatten nur die Berühmtheiten und Wichtigkeiten eine Chance für Alle anderen erfasst zu werden. Erfasst zu sein, von der Masse, mehr zu sein, als „nur“ Vorfall, oder war es Verfall, egal, es war nur sehr sehr sehr wenigen vergönnt ein dauerhaftes Plätzchen in der Ewigkeit zu ergattern. Jetzt kann das Jedes.
    JEDES bekommt einen Speicherplatz so gross und tief und weit, wie Es das Leben lebt, oder so klein, wie Es geMacht wird (siehe dort) oder auch nicht wachsen möchte, was weiss das schon?
    Wir werden ALLE TimeLiner, von facebook verwöhnt und von den Eingebildeten verhöhnt, weil die fühlen, da könnt ja Jedes kommen und einen Platz in der Ewigkeit verlangen, der steht aber nur MIR zu! Ich bin schliesslich ein (Ein-)Gebildeter, ein BesserWisser, ein BesserKönner, etwas gaaanz Besonderes, und Jetzt kommt schon die Masse in den Genuss einer Geschichte. Wie kann das sein?
    TimeLine.
    Wir gehen ALLE ins Netz. Wir ALLE projizieren Uns in Bits und Bytes. Keines braucht mehr ein Gedächtnis, Unser Hirn wird frei für UnSinn, Sinn haben Wir lange genug gesucht, den brauchen Wir nicht mehr, jetzt hat Jedes seinen Speicher, was haben Sie vom 19.03.2012 bis zum 21.04.2016 getan, fragt die FleischPolizei, weiss ich doch nicht, antwortet das FleischMensch, was war Heute, was ist Morgen? Haben Sie einen Chip dabei, dann überspiel ich Ihnen meine TimeLine und Sie wissen bescheid, bin ich nun verhaftet? Einen Moment, wir scannen, …. Nein, Sie waren nicht am Tatort. Danke, aber was, wenn die TimeLine gefälscht ist? Oha, das müssen Wir noch verbessern.
    Niemand darf die TimeLine manipulieren und Niemand darf die Timeline mit falschen Daten beschicken. Niemand? facebook vielleicht doch, oder der Datenbeauftragte des Deutschen Bundestages. Du liebes bisschen, auf nichts ist Verlass!? Mensch kann sein Leben fälschen oder bis in alle Unkenntlichkeit ausschmücken, oder Eines führ gar ein Doppelleben, manche auch ein Trippelleben oder mehr, möglich ist ALLES. Mensch, wie verhindern Wir das, sonst könnte Mensch die TimeLine doch vergessen, all die schöne Werbung und Hinweise von unseren Partnerunternehmen vielleicht auf eine Phantasie abgerichtet. Mensch, so ein Mist.
    Müssen Wir Uns wohl noch etwas besseres ausdenken, wir facebooker …
    Fortsetzung folgt.

  33. Sorry für die Über-Länge...
    Sorry für die Über-Länge Marco Settembrini di Novetre, aber kürzer gings nicht. Die Fortsetzung gibts dann woanders.

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