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Alles Müller oder was?

| 28 Lesermeinungen

Der Durchschnitts-Nutzer hat das Internet gut in sein Leben integriert – im Netz zuhause ist er aber noch lange nicht. Eine Replik

Der Durchschnitts-Nutzer hat das Internet gut in sein Leben integriert – im Netz zuhause ist er aber noch lange nicht. Eine Replik

Als ich vorige Woche an dieser Stelle den Beitrag von Teresa Bücker über das Ende des Internets als eigenständige Sphäre las, war ich ziemlich hin- und hergerissen. Einerseits ganz klares „ja“: Auch ich kann und will eigentlich kaum noch auseinanderklamüsern, welche meiner Kontakte und Bekanntschaften ursprünglich im Internet ihren Anfang nahmen und welche in der Kohlenstoffwelt. Das Internet ist selbstverständlicher Teil meiner Arbeitswelt und auch meines Privatlebens – aber ist die Trennung zwischen Netz und realem Leben deswegen völlig hinfällig? Und selbst wenn ich das für mich persönlich bejahen würde, kann man das so ohne weiteres auf die gesamtgesellschaftliche Ebene extrapolieren? Sind wir alle wirklich schon so weit „drin“ im prallen digitalen Leben, dass die Trennung dieser Sphären wirklich als überholt und gestrig gelten kann?

Da trifft es sich ganz gut, dass die Werbeagentur Jung von Matt dieser Tage den typischen Norbert Normalnutzer mal etwas genauer unter die Lupe genommen und vermessen hat. Die empirische Basis liefern Daten aus der Onlinestudie von ARD und ZDF, der Allensbacher Computer- und Technikanalyse (ACTA) sowie dem (N)Onliner-Atlas der Initiative D 21 und diversen anderen Statistiken und Befragungen. Den personifizierten Mittelwert daraus haben Hamburger Werber von JvM in eine Kunstfigur gegossen: Thomas Müller, 46, verheiratet ein Kind, Bewohner einer 90-Quadratmeter-Wohnung, deren Wohnzimmer die Werbestrategen als Modell von „Deutschlands häufigstem Wohnzimmer“ nachgebaut haben – mit cremefarbener Sitzgarnitur, Couchtisch mit Glasplatte, Flachbildschirm-Fernseher und seit 2007 auch einem PC-Platz gegenüber der Hellholz-Schrankwand.

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Den Erkenntnissen der Werber zufolge haben die Müllers Computer und Internet recht schnell in ihr  Normalverbraucherdasein integriert. Spon als Startseite, Wanderwetter fürs Wochenende nachgucken bei wetter.com, Schnäppchensuche bei Ebay – und wenn Frau und Sohnemann Müller nicht im Hause sind, wagt Papa auch mal ein bisschen Fleischbeschau. Manchmal geht er aber auch eher unkonventionelle und umständliche Wege: Anstatt die Adresse in die Browserzeile einzugeben oder über die Bookmarks zu gehen, schreibt er „ebay“ in die Google-Suchmaske und klickt dann auf den ersten Treffer. Nach Songs oder Filmtrailern stöbert er gleich auf Youtube. Wer Thomas Müller mehr oder weniger in Echtzeit beim Mausrumrutschen und Anklicken zusehen will, kann das prototypische Nutzerverhalten übrigens in einer interaktiven Graphik mitverfolgen. Bei deren Betrachtung ist man allerdings recht schnell sehr dankbar für den Fast-Forward-Button.

Trotzdem: Wir sollten uns dieses erschütternde Dokument ganz genau ansehen, um ein realistischeres Bild von der digitalen Lage der Nation zu bekommen. Die konstituiert sich nicht allein aus dem was ist, sondern auch aus dem, was nicht stattfindet: Thomas hat seine Claudia nicht über eine Datingplattform oder beim Bloggen kennengelernt. Twitter findet in diesem Müllerschen Mikrokosmos nicht statt, von Location Based Services ganz zu schweigen, iPhone oder andere Smartphones ebenso Fehlanzeige wie Tablet-Rechner. Da kann ein Sascha Lobo noch so schön von seiner neuen Heimat Internet schwärmen – der Normalnutzer bewegt sich in Digitalien allenfalls wie ein Tagestourist, aber noch lange nicht wie ein Einheimischer. Der Weg bis zu seiner echten Einbürgerung in der elektronischen Welt ist womöglich doch etwas länger als es sich die Vordenker und Visionäre einer allumfassenden Always-on-Gesellschaft in ihrer hochvernetzten und technikverliebten Blase vorstellen können.

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Vielleicht verläuft die entscheidendere Trennlinie in der Gesellschaft gar nicht mehr zwischen On- und Offlinern. Die „digitale Spaltung zweiter Ordnung“, vor welcher der Medienwissenschaftler Thomas Burg von der Donau-Universität Krems schon vor einem halben Jahrzehnt warnte, ist kein Hirngespinst. Die Diskussion damals drehte sich um Web 2.0 und sogenannte „social software“- also RSS, Social Bookmarking, Wikis, Blogs und Podcasts. In der Zwischenzeit mögen die Buzzwords mehrfach gewechselt haben, gleichwohl bleibt es dabei, dass die Zukunft womöglich schon da ist, nur eben sehr ungleichmäßig auf die Bevölkerung verteilt.

Teresa Bücker fragt völlig zu Recht, was es bedeute, dass es für zahlreiche Menschen keinen Unterschied mehr macht, wo sie Gespräche führen, Freundschaften pflegen, ihre Zeitung lesen, ihrem Kind eine gute Nacht wünschen, den Wintermantel kaufen, Straftaten begehen oder sich hoffnungslos verlieben. Aber mit gleichem Recht kann man fragen: Was bedeutet das für den Rest der Bevölkerung, dem der Unterschied zwischen On- und Offline-Welt noch ganz real erscheint? Natürlich wäre es wohlfeil und kurzsichtig, ein Phänomen wie Cybermobbing nur als netzimmanentes Problem zu sehen und anzugehen. Aber seien wir mal ehrlich: Von Netzseite klingt der Hinweis auf die gesamtgesellschaftliche Dimension der Problematik oftmals auch nur nach einer lahmen Ausrede, keine Verantwortung übernehmen zu müssen und am liebsten alles so zu lassen wie es ist.

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Wer Netz und Leben einfach 1:1 gleichsetzt, verkennt womöglich auch, dass hier und dort durchaus unterschiedliche Schmerzgrenzen existieren. Ein fieser Spruch an der Klowand der Schule kann verletzen, klar, aber spätestens beim nächsten Streichen des Örtchens ist er wieder weg, und es hat ihn auch nur eine begrenzte Zahl von Rezipienten gesehen. Online steht er wenn es dumm läuft bis in alle Ewigkeit für die ganze Welt zu lesen im Netz. Andererseits lassen wir uns online – gerade auch beim Einkaufen – manchmal in einer Art und Weise behandeln,  die wir einem stationären Händler nie verzeihen würden. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie doch mal dieses Filmchen. Auch wenn es eigentlich nur Werbung für Google Analytics ist – es enthält einen wahren Kern.

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28 Lesermeinungen

  1. Guter Artikel.
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    Brauche aber...

    Guter Artikel.
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    Brauche aber nicht die Erkenntnisse von Jung v. Matt. Das weiß ich auch so.
    (Genauso wie ich deren „J.v.M.-Wohnzimmer“ nicht brauche. Denn meine Verwandtschaft lebt genau so und HAT solche Wohnzimmer.) Bin also nicht abgehoben.
    Vielleicht aber brauchen völlig abgehobene Werber/Netzapologeten sowas, damit sie wieder auf den Boden der Realität kommen. Dann ist es notwendig und eine Superidee, tschakkah!
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    Habe zum bodenständig Bleiben meine liebe Mainstream-Verwandtschaft und auch viele meiner lieben Auftraggeber (nur zwei waren in den letzten zwei Jahren extrem internetaffin), sie repräsentieren genau den durchschnittlichen Umgang mit dem Netz in Deutschland:
    (Zu mir am Telefon als Webdesigner beim gemeinsamen Durchchecken) „Gehen Sie sofort aus der Website raus! Ich kann nicht rein, ich sehe nur die alte Site!“. Ich: „Sie müssen neu laden. Haben Sie schon auf Refresh/ F5 gedrückt?“ – „Wo ist das!!!“
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    Es wird so sein, dass sie im Netz Touristen bleiben. Es ist für sie immer noch wie Fernsehen: es flimmert halt. Im TV sind sie ja auch keine Einheimischen, das verlangt doch ebenfalls keiner da, sondern Zuschauer. Warum soll man beim Internet verlagen, das sie Einheimische werden. Und wozu? Den alten Traum von der Internet-Demokratur noch geträumt?
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    Bei ihnen geht also kaum was voran, und bei mir sehe ich sogar ein Rückschreiten bei mir als Netzaffine. Klinische Symptome („Klinik“):
    1. Single Case Study^^: Ich lese als Netzaffine wieder mehr Papierzeitung. Höre wieder mehr Radio. Bin vom Netz irgendwie genervt zur Zeit, kann es aber an nichts genauem festmachen. Vielleicht weil ich beruflich viel drin sein muss. Der Animateur im Touristendorf kann ja auch nach wenigen Wochen die dortige einheimische Küche nicht mehr riechen. Der Tourist, der nur 14 Tage da ist, ist hingegen begeistert und kocht zuhause nach.
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    2. Viele Blogger/Journalisten machen – im Netz (sic!) – ein Gedöns, dass sie 3 (!) Wochen nicht im Netz waren und wie toll das war (und warum seid ihr dann wieder rein?).
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    3. Viele Blogger machen jetzt wieder ein Gedöns, dass sie aus dem pösen Facebook raus wollen (dann geht doch raus).
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    Trennlinien in der Gesellschaft kann ich nur ausmachen zwischen Leuten, die das Geld haben, sich hie wie dort ausreichend genüsslich zu tummeln – entweder zwecks Geschäftemachen, Shops eröffnen oder zwecks Unterhaltung – und zwischen denen, die das Geld dazu nicht haben. Für iPad, Apps, iPhone, Tralala und um Business damit zu machen.
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    Aber ich sehe keine großen hobby-soziologischen Trennlinien zwischen denen, die ausschließlich im Netz leben (müssen) und und deswegen schon rote Augen haben und zwischen denen, die nur ab zu zweckbedingt reinschauen, weil sie einen Flug buchen wollen oder ein Buch kaufen. Außer, dass ich letztere für die Glücklicheren und Normaleren halte. Und erstere für einseitig technisch überinformierte Geeks und meist arme Internetbiz-Kasper.
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    Herrlicher Film, dieses „Online-Checkout“. Von wegen ist online Einkaufen einfach. Ob der Film damit aber wirklich für Google Analytics geworben hat? (Alte beinharte Onlineshop-Regel, wenn man Conversion will, also wenn man will, dass sie kaufen und nicht abbrechen: „Make it simple. Don’t make them think!“)
    Nein. Er hat eher unfreiwillig Werbung gemacht für das normalere, unkompliziertere Einkaufen im echten Leben.
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    Nachwehen hat das „simple“ online Einkaufen auch noch: Schlage mich gerade damit herum, wie das mit der Steuer (VAT, tax) ist, wenn man aus U.S. oder Shanghai Waren/Dienstleistungen/Software einkauft – wie ich globaler Mensch tat – und wie hoch dann, wenn. Deifi-deifi! (bair.: teufel-teufel). Aus diesen kryptischen Invoices geht es oft nicht klar hervor. Aber das Finanzamt will. Konsequenz: Kaufe dann lieber wieder im echten Geschäft echte Sachen mit echtem Geld statt Euro und mit echten Rechnungen. Statt im Internet.

  2. Offen gestanden, was...
    Offen gestanden, was irgendwelche Werbeheinis herausfinden, geht mir am Allerwertesten vorbei. Die schaffen ständig Unruhe, um letztlich Nachfrage zu schaffen wie die Hauswurfsendungen. Genauso könnte man daran glauben, daß die Politik noch den Normalo versteht. Letztlich werden die mit immensen Budgets auf Hochtouren gepudert, um etwas niederzuschmieren. Fahre ich mit dem Rad durch die Lande, hat sich gar nicht viel verändert, nur die Jahreszeit hat die Blätter in kräftige Farben verwandelt. Wir essen jetzt wieder Kräftigeres, den Rotwein immer öfter, und den kaufen wir ohnehin ums Eck, und alles andere auf dem Wochenmarkt und, äh, ja, die Äpfel sind gut dies Jahr – und man schaut mal bei der FAZ rein.
    Und die Netz-Junkies, dios grande, sollen die sich austoben wie sie wollen. Denen wollte ich nicht vorgestellt werden.
    Marco, bestelle ich im Netz oder telefonisch, habe ich zwei Wochen Widerrufsrecht. Ganz so rechtsfrei ist das Netz nun auch nicht. Und Versandhandel hat nun mal Reibungswerte, die ein persönlicher Auftritt nich hat. Das Problem ist nur, die Menschen lassen sich zu viel gefallen und sind überfordert, da auch das Lesen und Verstehen schwerfällt, bspw. von Internet-Providern.

  3. @Vroni: Danke fürs Feedback....
    @Vroni: Danke fürs Feedback. Der Hinweis, dass es noch ganz andere (im Sinne von: bedeutsamere) Trennlinien durch die Gesellschaft gibt, ist natürlich völlig richtig. Das habe ich hier im Netzdiskurs mal wissentlich ausgeblendet – auch im Vertrauen darauf, dass spätestens Devin 08 aka Herold Binsack den Klassenstandpunkt mit marxistischer Perspektive in die Debatte einbringt.
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    Ich glaube ja, den Erdkontakt mit der Lebenswelt von Norbert Normalnutzer und seiner WoZi-Schrankwand brauchen nicht nur die Jungs von Mattsens (eigens für die hab ich das Reizwort „Klowand“ im Text untergebracht) – sondern auch die binärböhmische Befreiungsfront in Berlin mit ihrem politischen Arm der Seeräuberpartei. Wie auch die Vorturner der Daseinsdigitalität und Propheten der Nichtmehrprivatheit. Damit die ihren Schmetterlingsflügelschlag in Mitte nicht mit einem gesamtdeutschen Orkan verwechseln.
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    Bei mir hat das Filmchen übrigens auch eher als Werbung für den stationären Einzelhandel gewirkt. Der geht mir ja manchmal auch auf die Gonaden, aber da kann ich meinem Ärger wenigstens gleich vor Ort Luft machen, wenn mir danach ist.

  4. Moin, moin,
    herzerfrischend...

    Moin, moin,
    herzerfrischend realistisch, dieser Blick auf den durchschnittlichen Netznutzer. Beschreibt recht gut, wozu ich das Netz selbst nutze – Informationssuche, einkaufen, onlinebanking. Nach einem für die Selbsterkenntnis sehr aufschlussreichen 18 monatigen Ausflug in die sozialen Netzwerke :-).
    Und die beschriebene ungleichmässige Verteilung wird beiben, was die Netz-Viel-Nutzer aka Eingeborenen fälschlicherweise zzum Selbstbetrug veranlasst, sie seien eine Avantgarde. Nur das ihre selbsternannten Vordenker wie Sascha Lobo nicht einmal den Vergleich mit Feld-Wald und Wiesenphilosophen aushalten, wenn es um argumentative Stringenz, gedankliche Tiefe und menschliche Erkenntnis geht.

    Erschreckend finde ich – manchmal, der Mensch ändert sich eben nur im Kontinentalplattentempo – den Totalitarismus, der sich in den verschiedenen Forderungen zeigt, das Normalleben auf Biegen und Brechen netzabhängig zu machen. Sprich, alle menschlichen Dienstleistungen ins Netz zu verlagern, weil es für die noch immer klare Minderheit der „Netzeingeborenen“ einen Mehrwert liefern könnte. Darf einfach nicht passieren, dass Menschen ausserhalb des Netzes, gar ohne das Netz, noch sinnvoll interagieren.

    Und die Spitze gegen die hartnäckige Weigerung, Netzphänomene als netzabhängig anzuerkennen (Cybermobbing z.B.), war ebenso köstlich wie richtig. Sie zeigt die fatale Ähnlichkeit der Netzapologeten zu Anhängern jedweder Heilslehre. Bekehrt Euch, alles wird gut, was nicht gut ist hat nichts mit der Heilslehre zu tun. Wie banal diese immerwiederkehrende Sehnsucht nach dem Paradies ist, wie intelligenztötend und gedankenabwürgend – Netzjünger wollen schon den Einwand nicht verstehen.

    Was die digitale Spaltung angeht, wird sie – wie eh und je – von einer anderen überlagert. Der zwischen denen, die lesen können (und wollen). Und denen, die das nicht können (oder wollen). Ich halte die Frage, welche dieser beiden Gruppen die Netzabhängigkeit fördert, für noch nicht endgültig entschieden. Aber bis jetzt weisen für mich alle Indizien darauf hin, dass für die grosse Mehrheit der Menschen das Netz eine Erweiterung des Fernsehens in Verbindung mit einer Vergrösserung des Supermarktes darstellen wird. Die Kluft sich mithin vergrössert, nicht zum Vorteil der Nichtlesenkönnenden.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  5. @nico: In dem speziellen Fall...
    @nico: In dem speziellen Fall dienen die Befunde der Werbeleute ja nicht primär der Bedürfnisweckung, von daher finde ich es eigentlich schon interessant und lehrreich, was die für ein Bild vom Normalverbraucher haben. Ist ja nicht jeder so offenherzig und leichtsinnig wie die Schlecker-Marketingverantwortlichen, die grad viel Kritik einstecken müssen für ihre sinngemäße Aussage, man habe nun mal nicht gerade den Geistesadel in der Kernzielgruppe. ;-)
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    Ansonsten kann ich nur beipflichten: Das ganze schnelldrehende Netzgehechel gerät auch bei mir immer recht schnell in den Hintergrund, sobald ich auf dem Fahrradsattel sitze und von Woche zu Woche die kleinen Veränderungen auf meinen Hausstrecken sehe und spüre. Da hat das Netz aber zumindest den Nutzen, dass ich kurz vorher noch einen Blick aufs Regenradar werfen kann. Inzwischen bin ich recht gut darin, anhand der animierten Filmchen abzuschätzen, wie groß das Zeitfenster für einen trockenen Ritt ist.

  6. Ich stell mal die...
    Ich stell mal die Systemfrage:
    „Muss man denn im Netz zuhause sein?“
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    Bin der Ansicht, dass es krank ist und macht, dort zuhause sein zu wollen.
    Es hat feuchte Wände, es weht dort der Cyber-Mobbingwind, es wärmt nicht und es gibt dort nichts Richtiges zu essen.
    Schönen Abend noch!
    (muss etzt fernseh)

  7. @Vroni, mit der Systemfrage...
    @Vroni, mit der Systemfrage kriegt man mich ja immer. Und auf die Muss-Frage antworte ich gern mit Max Goldt sinngemäß: Wenn der Welt bislang ein kühner Avantgardist gefehlt hat, der sich öffentlich hinstellt und verkündet, man muss gar nicht, dann will ich diese Rolle gern besetzen. Aber warm werden kanns einem schon – wenn man im Serverraum sitzt. ;-)
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    @ThorHa: Wobei ich da eine etwas differenziertere Sicht vertrete als dass Cybermobbing ein reines Netzphänomen wäre. Die Sorge von Frau Bücker, dass bestimmte Themen nur mit Netzbezug aufgegriffen werden, damit man publikumswirkam an ein paar Online-Symptomen von gesamtgesellschaftlichen Problemen rumdoktern kann, ist ja auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Ansonsten sehe ich in vielen Fällen kein Regelungs- sondern lediglich ein Vollzugsdefizit.
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    Den Punkt mit dem Fernsehen/Supermarkt und der Frage nach der Lesefähigkeit (und -Willigkeit) der Nutzer hatte ich noch gar nicht so recht bedacht. Das vertage ich mal auf nach dem Abendessen.

  8. Titel: Netz-Akrobaten.
    Wir...

    Titel: Netz-Akrobaten.
    Wir sind die Akrobaten des Universums, wissen Sie das Alle? Ist das nicht phantastisch! Wir sind die fittesten, die bestausgestatteten und bestversorgten Mitspieler in der WEITE des DaSeins. Wir Lebewesen in diesem Sonnensystem AlphaEins (ich nenne das jetzt mal einfach so) sind die Flieger und Fänger durch die WissensSphären der PolyGalaktischen SuchMaschine des SEIN. Das ist keine Spinnerei, wie jetzt wieder ein paar sofort im Wortschrank abrufen: Spinner!
    Wägen Sie jedes Wort einzeln ab, wenn Sie soviel Konzentration noch aufzubringen in der Lage sind und ich fasse noch einmal zusammen: WIR sind die Besten! Die Besten Akrobaten des Universums. Und damit Wir das auch garantiert bleiben und nicht beim ersten Fehlgriff dumpf am Boden der UnWissenheit und UnErfahrenheit zerschellen, baut das DaSein UNS, ja Uns!, gerade ein Netz. Ein stabiles Netz, damit Wir auch mal einen Fehlgriff überstehen, aber auch, damit wir noch gewagtere Sprünge wagen können. Sicherheit/Geborgenheit macht(!) nämlich wagemutig. Und Mut brauchen Wir, wenn Wir weiter kommen möchten und die Geschwindigkeit etwas erhöhen wollen, also schneller, als die von Thorsten Haupts bereits eingeführte „Kontinentaldriftschnecklerei“, gähn, ….

    Ja, das Netz wird für Uns gewebt, wird von Uns gewebt, um Uns Geborgenheit für gewagtere, noch akrobatischere Figuren, Formen und Sprünge durch und im DaSein zu ermöglichen. Bis Heute stürzen noch Viel zu Viel ab und werden zerschellt oder verletzt, an der Härte der Uneinsichtigkeit, der Starre der Rücksichtslosigkeit oder der Gnadenlosigkeit der Selbst-Beschau. Sooo viele stürzen gerade wieder ab und prallen an der Teilnahmslosigkeit ab und werden von der Engstirnigkeit in die Vergesslichkeit gedrückt! Ist ja schon vorbei, ich weiss, das ist entsetzlich, selbst wenn Mensch es nur liesst, es beschämt Eines doch, auch wenn Eines absolut nichts dafür kann, das es so ist. NEIN! Mensch kann absolut NICHTS dafür, das es so ist, wie es ist. Da wäre ja noch schöner! Schliesslich habe ich auch nicht HIER! gerufen, als es darum ging, als was ich erscheinen wollte; als Mensch, als Mehlwurm, oder als Galaxienhaufen. NEIN! Ich wurde schlichtwegg nicht gefragt, ich hatte keine Wahl, ich wurde als Mensch losgeschickt, ich hatte ein kleines wenig Glück und bin als hellerer Mensch, mitten in Europa hineingeboren worden, weil es nun mal so gekommen ist, das die etwas dunkleren Menschen in dieser RaumZeit eher benachteiligt sind, genauso, wie die meisten anderen Gegenden in diesem Planeten einen eher schlechteren Umgang miteinander „pflegen“.
    Langer Rede kurzer Sinn, Nein, kein Mensch, auch keine Menschengruppe hat Schuld, das es ist, wie es ist, weil NIEMAND bisher wählen kann, was Es ist, wo Es ist und wie Es ist. Fragen Sie Frau Holle oder auch Ihren Gott, Arzt oder den Wetterbericht, Sie werden erfahren, das Es so ist. So fühle ich das, aber das nur nebenbei, weil Viele so schnell mit Vorwürfen bei der Hand sind.

    Aber Wir sind trotzdem die grössten Akrobaten des DaSein und Wir trainieren auch brav, damit Wir noch besser werden und dafür wird das Netz gerade (aus-)gebaut. Das Bayer fragt jetzt: „Host mi? Und das andere Bayer antwortet kopfschüttelnd: „Na. Bist bläd, oder wos?, wos vazäihstn do für an Schmarrn?, nix hob i, koan Pfenning gib i da, für den Wortsalod, oder? Ja, guad, i hob di.
    Ja, das Netz, das noch unbekannte Wesen des Netzes. Aber Wir knüpfen eiffrig drann, weil Wir es halt brauchen, für eine bessere Zukunft, und: gschmatzt werd imma beim arbatn, is so, weil, ma arbat ned imma gern, manchmoi hengts oam zum hois raus, as arbatn, manchmoi stingts oam a, do mächt ma am liabsten ois hischmeissn, aba ma muass weidamacha, wei, s’huift nix, ohne ko ma a ned lebm. Ja, und wei’s so is mach i jetz erscht amoi feieramd und hau mi vord glotzn, moing där ma weidaknüpfn am Netz, wei s’gibt no so vui zum doa!

    So, der Herr Oberbayer ist jetzt wegg, da habe ich noch Gelegenheit für einen Nachsatz. Die oben erwähnte Schuldlosigkeit mangels vor-lebendiger Alternative ist selbstverständlich kein Ruhekissen, sondern, zumindest für mich, erst recht ein Ansporn, die Fehlstellungen, die Mangelerscheinungen und teils entsetzliche UnReife des Lebendigen zu beheben. Auf Uns! Jetzt gehe ich einen heben.

  9. Puh, da machen Sie jetzt aber...
    Puh, da machen Sie jetzt aber ein Fass von nachgerade kosmischen Ausmaßen auf (hamse’s nich ein büschn kleiner?). Mit dem Netz als großem Beschleuniger der kontinentaldriftlangsamen Evolution sind Sie ja recht nah bei Kevin Kelly, dem Themengeber meines vorletzten Beitrags. Wobei ich mich allerdings schon frage, ob ein paar durch längeren Suchmaschinengebrauch und Always-on-Modus anders zusammengelötete Synapsen tatsächlich schon einen neuen Menschen konstituieren oder ob das nicht der alte Adam bleibt, auch wenn er glaubt, dank seiner Dauerverbindung mit dem Kollektiv (oder zumindest einem Teil davon) ein mentales Exoskelett durch die Welt zu wuchten. Oder anders gefragt, was nützt uns die erhöhte Geschwindigkeit, wenn wir die Richtung nicht erkennen, in die es gehen soll und ob das die gleiche ist, in die wir uns bewegen?

  10. Wer will schon...
    Wer will schon durchschnittlich sein und was besagt das? Fakt ist, das über Social Networks heute wesentlich mehr Kommunikation abgewickelt wird, als über Emails und das Telefongespräch. Es wird immer Leute geben, die viel online sind und Leute, die fast darauf verzichten.
    In meinem Geschäftsumfeld läuft jeder mit Smartphone und Touchpad rum und checkt Emails, Orders, ist auf Fb oder twittert.

  11. Der Beitrag zielte ja nicht...
    Der Beitrag zielte ja nicht darauf ab, den Durchschnitt als Vorbild hinzustellen – sondern auf eine etwas geerdetere gesamtgesellschaftliche Standortbestimmung. Gerade wir Medienleute neigen dazu, die Gewohnheiten und Sichtweisen in unserem hochtourig drehenden Umfeld für repräsentative Teilmengen des großen Ganzen zu halten. Bei Internet-Freaks und Werbern wirds nicht anders sein, und da kann der Blick in so ein Mustermann-Wohnzimmer und auf den Mauszeiger von Norbert Normalnutzer ein hilfreiches Korrektiv für die eigene Blicktrübung sein. Ich will auch keinen abhalten vom 24/7-Twittern und Tablet-Befingern, ich wäre halt nur etwas vorsichtig mit Aussagen à la “ in naher Zukunft werden wir alle…“.

  12. Die meisten Menschen haben ihr...
    Die meisten Menschen haben ihr Auto / Bahn oder andere Fortbewegungsmittel ganz gut in ihr altagsleben Integriert aber sind sie deshalb schon angekommen in der Welt der Mobilität? Wieviele Menschen wissen wie die Gummimischungen der Reifen sich auf das Fahrverhalten auswirken? Wer kennt die Unterschiede der einzelnen Motorsteuerungschips, ESP, ABS und anderer Systeme.
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    Auch im Netz sollte man realistisch bleiben. Die Welt wird komplexer und die Menschheit wird durch Spezialisierung darauf reagieren. Universalexperten gab es zu Zeiten von Galileo und Da Vinci. Wer versucht seine Realität als einzig ware Realität zu sehen, dem kann ich einen alten Witz empfehlen.
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    Aus dem Autoradio ertönt die Warnung „Auf der A7 kommt ihnen ein Geisterfahrer entgegen bitte nutzen sie nur die rechte fahrbahn und überholen sie nicht“ darauf der Autofahrer. „Nur ein Geisterfahrer? Hier fahren hunderte!“

  13. Der Verkehr - schöne...
    Der Verkehr – schöne Metapher. Sind wir nicht alle irgendwie Geisterfahrer auf der Datenautobahn? ;-) Ich gehöre im Unterschied zum Digital-Aktivisten Jens Best nicht zu den netzaffinen Leuten, die das Erstellen von Geodaten-Mashups für einen notwendingen Teil der Allgemeinbildung halten: „Das „Verstehenkönnen“ von Informationsarchitektur und das grundlegende Handwerk der Datenverknüpfung durch Programmierung, das einfache Erstellen und Lesen von Geo-Daten-MashUps sind notwendige Fähigkeiten für den digitalen Bürger.“ – schrieb der Mann in der „Welt“. Ich würds sogar verlinken, aber der Link von damals führt ins Leere. Für den, den’s interessiert, habe ich das an anderer Stelle seinerzeit aufgegriffen:
    http://mark793.blogger.de/stories/1700109/

  14. Dieser Artikel ist wirklich...
    Dieser Artikel ist wirklich sehr gelungen und passt wie die Faust auf´s Auge auf unsere Zeit.
    Am treffendstens finde ich, dass es den Menschen wohl egal ist, wo sie sich unsterblich verlieben, wie sie einkaufen, auf welcher Basis sie diskutieren und streiten, wie sie Freundschaften aufrechterhalten usw.
    Und es stimmt! Wo ist das Shopping-Erlebnis hin, wenn wir bei Zalando bestellen? Wie können wir uns sicher sein, dass es die große Liebe ist, wenn wir uns bei friendscout24 begegnen? Welcher Streit wird noch Auge zu Auge gelöst, wenn es Chatrooms gibt?
    Am faszinierendsten finde ich das Phänomen der Geburtstagsgrüße. Jeder Mensch freut sich, wenn besonders viele an den eigenen Geburtstag denken und gratulieren. Wer bei Facebook angemeldet ist, wird von ca. 100 Leuten gratuliert – ist das nun ein Grund zu Freude? 100 Leute haben an mich gedacht und mich gratuliert? Nein, eigentlich nicht! Diese 100 Leute wurden an deinen Geburtstag erinnert und hätten ihn ansonsten wohl vergessen. Ein „Alles Gute“ an der Pinnwand ist wohl die unpersönlichste Gratulation, die es gibt.
    Wo sind heute die Geburtstagskarten, die vom Postboten gebracht werden?

  15. @Tine: Ehrlich gesagt schreibe...
    @Tine: Ehrlich gesagt schreibe ich auch keine, man kann sich ja nicht mal ansatzweise darauf verlassen, dass sie am gewünschten Tag ankommen. Ansonsten neige ich schon auch eher dazu, das Netz als eine Erweiterung der Möglichkeiten zu betrachten und weniger als Bedrohung des Eigentlichen. Es sollen sich auch schon Leute offline in die falsche Person verliebt haben, und auf Gedrängel im Laden kann man und frau auch gerne verzichten (vor allem, wenn die Arbeitszeiten entspanntes Shoppen zu halbwegs normalen Zeiten sowieso kaum zulassen). Alles eine Frage der individuellen Güterabwägung. Deswegen würde ich nun auch nicht hingehen und behaupten, ohne Smartphone, Tablet und was-weiß-ich-für-Gadgets könne man heute nicht mehr zeitgemäß und komfortabel existieren. Ich sage es auch immer wieder: Um den Arbeitsspeicher im Hirn von all dem Online-Ballast zu befreien, gibt es für mich nichts besseres als mich aufs Fahrrad zu setzen und durch die Landschaft zu sausen, die saisonal wechselnden Gerüche in der Nase zu haben und zu spüren, dass ich lebe. Dafür wird das Internet nie einen adäquaten Ersatz bereitstellen – und wahrscheinlich würde dies nicht mal dem Holodeck auf der Enterprise gelingen.

  16. @Marco Settembrini di Novetre:...
    @Marco Settembrini di Novetre: Sie sagen. „Puh“, ich sage: „Gross denken um nicht klein zu enden“, und damit bin ich auch nur ein Kind der Zeit (… sucht das Super…!?), wenigstens für die warholschen 10 Minuten, oder war es eine viertel Stunde?, egal, hiermit winke auch ich in die Kamera, bzw. ins Netz und setze mein blendenstes Lächeln auf: „Cheeeese!“ Winke, winke im FAZ.Net. Vielleicht sieht mich ja Eines und denkt: „Ach, Super!, siehste/lieste den da, wie er winkt, ist doch nett, oder Schatz!?“ Wär doch schon was. Puh!
    Ist doch auch mal ganz angenehm, den vorherrschenden Themen, wie eben der Gestaltung und Aneignung des WWW, oder der Euro- und sonstigen Krisenbewältigung ‚mal für ein paar Minuten etwas vorauszulaufen. Damit sind Wir schon ausreichend genug beschäftigt, finde ich. Ich hoffe, das ist Ihnen nicht unangenehm.

    Sie fragen: „…, was nützt uns die erhöhte Geschwindigkeit, wenn wir die Richtung nicht erkennen, in die es gehen soll und ob das die gleiche ist, in die wir uns bewegen?“ Sie wissen sicherlich, für welche Leistung die diesjährigen Nobelpreise für Physik vergeben wurden. Die drei Forscher haben mit-bestätigt, das die AusWeitung des Universums in einer Beschleunigungsphase ist. Als Inhalt des Universum, vermute ich, sind auch Wir davon betroffen, schneller immer schneller, mir macht das keine Angst, ich bin nun mal gerne gerast und habe es gehasst, wenn schon bei 250 Schluss war, denn, was für Geschwindigkeiten bleiben Uns Materiebrocken da vorenthalten, also lautet die Frage, welche Weiterentwicklung brauchen Wir, insbesondere das Bewusst-Sein in/von Uns, um mit dem Licht mitzuhalten, um erst mal auch nur annähernd dessen Speed zu erreichen? Kennen Sie „Speedy Gonzales“, noch haben Wir nicht mal den „Roadrunner“ erreicht. Gähn!
    Aber ich bin abgeschweift, es ging Ihnen ja um die Übereinstimmung der Entwicklungsrichtungen. Ich denke, Wir bewegen Uns auf die allgemeine Entwicklungs-Richtung des DaSeins zu, und diese auf Uns. Kongruenz ist das nächste Etappenziel. Wie komme ich darauf? Es findet ein AnGleichungsProzess zwischen EinzelHeit und GesamtHeit statt, dabei wird die GemeinsamKeit der MitGlieder + von Allem erMittelt (A + MG = DaSein). Entweder schütteln Sie jetzt den Kopf oder Sie lachen, aber das ist, so ungewöhnlich es klingt, die in Worte gefasste Summe von allen Natur- und Gesellschafts-Wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Das ist keine Verminderung oder gar Auslöschung der Vielfalt, falls Sie das im ersten Moment meinten, nein, sondern eine AnGleichung der Möglichkeiten, also der FreiheitsGrade, Jedes Einzelnen MitGlieds der Endlichkeit des DaSein. Den vielleicht bedeutendsten Hinweis darauf, finden Sie im Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (S = k ln V). So, da das ja nun überhaupt nicht das Thema hier ist, Schluss ….

    PS: Falls das Entropie-Thema hier mal auftaucht, werde ich mitdiskutieren.

  17. Ich halte diese Replik für...
    Ich halte diese Replik für etwas misslungen, hatte ich den ursprünglichen Beitrag doch anders verstanden. Es kommt nicht darauf an, ob der Durchschnittsbürger „im Netz angekommen ist“. Es ist vielmehr wichtig, dass der Bürger, egal ob er lieber im Netz operiert oder zu Fuß seine Schuhe kauft, gleich angesehen wird und eben keine künstliche Trennung aufgebaut wird.
    Wer zu viel im Internet lebt, wer Internet völlig ablehnt, beide Seiten sind gleichwertig. Was zwischen beiden Extremen als ausgewogen betrachtet werden kann, ist eine ganz andere Frage, die aber dem Einzelnen bitte nicht im Wege von Vorurteilen vorgegeben werden soll, sondern sich als gesellschaftliche Entwicklung darstellen wird.
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    Tine, wenn es ihnen nicht egal ist, ob sie einen Partner über ein Kontaktportal kennenlernen oder z.B. in der Disko aufgabeln, oder wo Sie ihre Schuhe kaufen, dann ist das ihre persönliche Entscheidung. Aber verurteilen Sie bitte nicht die Mitbürger als nicht im Leben stehend oder ähnlich, die das anders sehen und Internet-Möglichkeiten in ihrem Leben als Alternativen nutzen. Auch will nicht jeder Berge von Geburtstags-Pflichtpostkarten wegwerfen müssen. Nicht jedem ist wichtig, ob sich jemand „von selbst“ erinnert, einen Papierkalender hat, oder eine Kalenderfunktion von Facebook nutzt. Gemeinschaft hat eine neue Form gefunden, das ist alles. Der Mensch bleibt Mensch.

  18. Zum „richtigen“...
    Zum „richtigen“ Klassenstandpunkt
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    @Marco Settembrini di Novetre
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    Na schön, Sie haben mich geködert. Dennoch: einen Klassenstandpunkt zu exakt dieser Frage habe ich (noch) nicht. Bzw., eigentlich bin ich da nicht der richtige Antwortgeber zu. Ich empfehle die Anfrage der Piratenpartei weiterzuleiten. Und vielleicht empfiehlt sich zuvor ein Blick in folgendes Blog: http://faz-community.faz.net/blogs/digital/archive/2011/10/08/wie-demokratisch-sind-piraten-parteien-und-wie-elektronisch.aspx (ein wirklich, auch unter semantisch-ästhetischen Gesichtspunkten, geschmackvolles Blog, doch will der Verfasser wohl unter sich bleiben, als eine Art Purist unter den Bloggern, finde ich doch nirgendwo den Zugang zur Kommentarfunktion!)
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    Was mich an dieser Geschichte aber grundsätzlich interessiert, habe ich dort formuliert: http://blog.herold-binsack.eu/?p=1831. Es geht mir dort wie hier um die Zukunft des Subjekts. Wo bleibt die „Illusion der Illusion“ http://blog.herold-binsack.eu/?p=1829, wenn das Subjekt nicht einmal mehr seinem Phantasma zu folgen vermag? Eine virtuelle Existenz, war diese doch schon immer die Übersetzung für eine sog. reale Subsistenz (welche sich das Individuum eben fälschlich als Existenz imaginierte), und welche exakt das ist, was wir unter „freiem Willen“, „Aufgeklärtheit“, oder gar „politischer Identität“ subsumieren, wird hier gewissermaßen noch weiter reduziert, bzw. gar pervertiert. Was passiert denn mit diesem Subjekt, das sich im Internet nicht einmal mehr als Konsumidiot entlarvt sehen darf, denn als Konsumangebot? Ganz ehrlich, und das soll jetzt wirklich nicht die Falschen beleidigen: Ich sehe keinen Unterschied zwischen gewissen Plattformen aus dem horizontalen Gewerbe und Facebook zum Beispiel.
    Dort wir hier bieten wir uns an. Als unser eigenes Produkt. Sind nicht Konsument und schon gar nicht Produzent (es sei denn von der Website).
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    So die Fragen zu stellen, führt vielleicht zum „richtigen“ Klassenstandpunkt.
    @Oliver-August Lützenich:
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    Zum Thema „Entropie“ empfehle ich folgende Lektüre http://www.umwaelzung.info/entropie.html (siehe auch meine diversen Aufarbeitungen unter dem Stichwort Entropie, wie http://blog.herold-binsack.eu/?p=1745). Ich kenne keine bessere Betrachtung des Themas unter historisch-materialistischer Perspektive. (Vielleicht könnte man monieren, dass die dialektische Beziehung zwischen bürgerlicher Wissenschaft und Klassenkampf etwas verkürzt daherkommt, dennoch macht es gerade das so interessant.)

  19. @Falkenherz: Um eine diametral...
    @Falkenherz: Um eine diametral konträre Sichtweise ging es mir ja auch nicht, nur um eine andere Akzentuierung. Das Empfinden, die Trennung von Netz und Leben sei künstlich, ist eben noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und das Empfinden, diese Trennung wäre künstlich ist doch bei Licht besehen nicht minder subjektiv als das Gefühl, das Netz wäre etwas dem Leben fremdes und eine Sphäre für sich. Ich für mein Teil fühle mich jedenfalls nicht davon diskriminiert, dass es Leute gibt, die nicht so recht nachvollziehen können, wie wohl ich mich meinem virtuellen Zweitwohnsitz fühle.
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    @Herold Binsack: Ich sehe das Analogon zwischen Plattformen des horizontalen Gewerbes und den großen social networks wie Facebook wohl auch, denke aber, dass eine 1:1-Gleichsetzung doch das Elend verharmlost, das in vielen Rotlichtbezirken am ältesten Gewerbe dranhängt. Es muss sich auf FB niemand feilbieten, um die Miete, das Essen und den Arzt zu bezahlen.

  20. Selbstgewählter Mangel an...
    Selbstgewählter Mangel an Selbstachtung
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    @Marco Settembrini di Novetre
    „Es muss sich auf FB niemand feilbieten, um die Miete, das Essen und den Arzt zu bezahlen.“ Sie haben Recht. Doch wie erbärmlich dann, wenn man sich ganz und gar eben ohne diese Not „prostituiert“. Bzgl. des Elends der Prostituierten habe ich eine etwas differenziertere Ansicht. Nicht weil ich das Elend verniedlichen will, sondern weil ich das Kapital nicht verniedlichen möchte. Die Prostitution mag wohl oft auch dem nackten Elend entwachsen, doch nicht weniger dem kapitalistischem Kalkül – auch auf Seiten der Damen. Und gerade darin liegt ja gerade der Witz: Nicht die Not allein macht solches, sondern die „Entfremdung“ (ich weiß, ein inzwischen furchtbar missbrauchter Begriff) des Subjekts. Und natürlich nur diesbezüglich ziehe ich Parallelen. Ich habe nach wie vor großen Respekt auch und gerade vor Frauen, die ob ihrer Notlage zu dieser Maßnahme gezwungen sind. Und es liegt mir jedwede doppelmoralische Kritik fern. Ob sie aus dieser Not herauskommen, bzw. ob sie eine Alternative sehen/haben oder nicht, das ist nicht alleine ihre Sache, sondern eine gesellschaftliche. Und da geht es definitiv eben nicht nur um die nackte Not, sondern auch um die Not der Nacktheit, um die Not einer völlig verkorksten Libido. Um Kritik am Patriarchat, um die Aufhebung der Klassenspaltung und die Unterdrückung der Frau. Um die Befreiung auch des Mannes, nämlich von seinem selbstgewählten Mangel an Selbstachtung.

  21. <p>@Herold Binsack: Wenn Sie...
    @Herold Binsack: Wenn Sie die Prostitution so differenziert betrachten können (wobei ich Ihnen durchaus folge oder sogar noch ein, zwei Schritt weiter gehen würde, aber das gehört dann wirklich nicht mehr hierher), dann wird Ihnen diese Übung vielleicht auch dereinst beim Thema Facebook gelingen. So kritisch ich diese Plattform in vieler Hinsicht auch sehe, Ihren impliziten Vorwurf, die Mitglieder und Nutzer seien unterm Strich nichts als billige Nutten, die sich nicht mal aus der puren Not des Broterwerbs heraus prostituieren, finde ich irgendwie unangemessen bis menschenverachtend. Etwaige Kritik in dieser Richtung würde ich allenfalls noch bei Xing oder LinkedIn, wo die Professionellen (no pun intended) unterwegs sind, für halbwegs vertretbar halten. Aber nicht bei Facebook, wo sich die meisten einfach nur mit ihresgleichen austauschen möchten.

  22. Wo der Vergleich hinkt

    @Marco...
    Wo der Vergleich hinkt
    @Marco Settembrini di Novetre
    Es tut mir leid, wenn Sie das so auffassen. Habe ich das „prostituiert“ doch ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, auch um deutlich zu machen, dass der Vergleich nicht 1: 1 gemeint sein kann. Dennoch muss es möglich sein solche Vergleiche unter einem bestimmten Aspekt zu machen. Hier geht es um die mehr oder weniger philosophische Frage nach der Rolle des Subjekts. Nur um das klarzustellen. Auch ich habe einen Facebookauftritt, scheue also nicht den (Selbst-)Vorwurf, dass ich mich prostituiere. Doch ist mir halt ziemlich schnell klar geworden, dass dieses Facebook entweder völlig überflüssig ist, oder eben nur dazu dient, dass sich die Leute dort als Konsumgut vorstellen. Und genau daran übe ich Kritik.

  23. Wenn man die Diagnose...
    Wenn man die Diagnose „überflüssig“ daran festmacht, dass man auch andere Chatprotokolle und Mailingsyteme nutzen kann oder Fotos stattdessen auf flickr hochladen könnte oder seine Ergüsse in einem passwortgeschütztes Blog für eine geschlossene Benutzergruppe bereitstellen könnte, dann ist das technisch betrachtet sicher richtig. Und sicher, die Menschheit kam Millionen Jahre ohne Facebook aus. Mir ist Ihr Punkt mit dem Konsumgut aber zu pauschal und diffus. Wer ist denn dann die Zielgruppe bzw. die Käuferschaft dieses Konsumguts? Und findet da zwischen den Mitgliedern in ihren Zirkeln tatsächlich so etwas wie Wertschöpfung statt oder bleibt das überwiegend auf einer aufmerksamkeitsökonomischen Basis? Natürlich kann man auch argumentieren, wenn Dich dieser Dienst nichts kostet, dann bist Du die Ware, aber jenseits davon wüßte ich schon gerne, wie wir uns auf Facebook in Ihren Augen zur Ware machen.

  24. Wo das Subjekt der Mehrwert...
    Wo das Subjekt der Mehrwert ist
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    Zunächst noch mal ganz grundsätzlich um jedes Missverständnis auszuschließen: Mir geht es um die Darstellung/die Kritik des Übergangs eines vormals produktiven Subjekts, schließlich über ein konsumtives dann zu jenem berühmt-berüchtigten „autokannibalistischen“ (ich zitiere hier den von mir ansonsten sehr kritisierten Robert Kurz).
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    Wir machen uns auf Facebook zur Ware, indem wir uns im Rahmen eines ansonsten schon bekannten Exhibitionismus feilbieten. In aller Regel steht dort nicht die Vermittlung einer Sache/eines Anliegens/eines externen Produkts im Vordergrund, sondern die Selbstdarstellung. Und es ist sicherlich nicht ein reiner Treppenwitz, dass Facebook mittlerweile auch von sog. „Professionellen“ genutzt wird. Da bieten sich Frauen als Freunde an, denen man – gottseidank, möchte man beinahe sagen – sofort ansieht, dass sie lediglich ihre Dienste anbieten. Der Tag dürfte nicht mehr weit sein, wo das nicht mehr so offenkundig sein wird. Wo sog. „Freunde“, „wahre Freunde“ in Wahrheit „Dienstleister“ sind.
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    Doch die eigentlichen Professionellen hierbei sind die Konstrukteure dieser Plattform. So fühle ich mich zum Beispiel von diesen gezielt geködert, nämlich dahingehend, dass ich noch mehr von mir preisgebe. Dieses „Preisgeben“ ist es, was mich intuitiv an die Form der Prostitution denken lässt. Hier gibt man sich preis, bietet sich an, ist weniger Subjekt als Objekt eines Geschehens. Eine solche Preisgabe ist definitiv nur auf einem Feld „zulässig“, auf dem intimen nämlich. Der von mir geliebten Person, der mich liebenden, gebe ich mich preis – partiell natürlich nur, und faktisch eigentlich nur während besonders intimer Momente. Ansonsten sollte gegenseitiges Vertrauen dominieren und eben nicht Preisgabe.
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    Facebook lädt dazu ein, diese Preisgabe öffentlich zu machen, zeitlich wie räumlich uneingeschränkt und quasi damit auch bedingungslos. Denn das Gegenüber ist zu nichts verpflichtet. Es bindet keine intime Beziehung, keine Notwendigkeit Vertrauen zu bewahren.
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    Und genau jene öffentlich gemachte Intimität ist das Wesen auch der Prostitution (wobei in der Prostitution das Vertrauen, Teil des Vertrages ist, einen solchen Vertrag gibt es auf Facebook nicht). Die Swingerclubs wären recht eigentlich das entsprechende Gegenüber. Facebook macht aus einem spezifischen sozialen Leben einen öffentlichen Swingerclub. Der intime Raum ist die unbedingte Bedingung dafür, dass wir was preisgeben, was uns normalerweise die Selbstachtung verbietet. Und um genau diese Grenze zu überschreiten, bietet sich Facebook an. Wieso muss man mir über Facebook mitteilen, wo man gerade ist? Natürlich sehe ich da eine vordergründige Bedingung für. Nämlich, dass das virtuelle Leben, das mit dem Netz, eben genau diese Bestimmung obsolet werden lässt. Dennoch schlüpft da Facebook nicht einfach nur in eine Lücke. Facebook macht die Lücke erst richtig evident. Bietet sich da als Lösung an, wo es Teil des Problems ist.
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    Facebook antizipiert das Subjekt der „Zukunft“, das sich autokannibalisierende, das sich als Konsumgut anbietende. Es schafft die Plattform für ein Subjekt, das genau genommen keinen Mehrwert mehr schafft, sondern selber dieser Mehrwert ist.
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    So wäre selbst, wenn ich über Facebook meine geistigen Produkte anbieten würde, so wie hier jetzt in diesem Blog, eben nicht dieses Produkt das Thema. Meine Selbstdarstellung wäre es, meine Selbstvermarktung, meine diesbezügliche Preisgabe. Und ließe ich mich darauf ein, dann bin ich mir ganz sicher, wird es recht bald Fragen geben, nach dem Grund dieser Preisgabe, kämen Fragen, die nach mehr Preisgabe verlangten. Und dass es da Leute gibt, die es vermutlich gar nicht interessiert, was ich da schreibe, wäre das keine Widerlegung, sondern die Bestätigung dessen, was ich da behaupte. Diese Leute interessieren sich definitiv nur für „mich“. Aber nicht für ein „Mich“, das „mein Selbst“ meint, bzw. das Produkt dieses Selbst (denn einzig öffentlicher Ausdruck, von mir öffentlich preisgegebener, eines jenen Selbst, wäre ja nicht ein sog. „Ich“, und auch nicht ein „Mich“, denn dieses „Mich“ gehört ausschließlich mir, sondern ein „Mein“; und auch wenn man von Letzterem etwas erwerben kann, erwirbt man eben nicht „mich“, oder etwas von „mir“, im Sinne von „mich“). Nein, diese „Freunde“ suchen genau das zu erwerben, das bis dato selbst und gerade im Kapitalismus noch verboten war zu erwerben (Lohnarbeit ist die Abstraktion von Sklaverei, nicht deren Gegenstück). Mein mich, mein ich, und eben nicht mein mein. Und damit suchen sie „mich“ zu konsumieren und eben nicht mehr mein Produkt.
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    Diese Grenze überschreiten wir natürlich auch an anderen Orten. Welcher Geistesarbeiter möchte von sich behaupten, dass er sich nicht in erster Linie zu vermarkten sucht (zumindest wenn das sein Broterwerb ist) und dann erst sein Produkt? Zeigt sich doch genau darin das Wesen der Marktwirtschaft. (Und das scheint mir auch der Grund für zu sein, warum besonders den Geistesarbeitern die Problematik Facebook nicht klar werden möchte, ist ihnen diese doch zu vertraut.) Das Produkt ist Nebenprodukt, das eigentliche Produkt ist die Ware Geld. Doch greift Facebook in einen Prozess ein, der darüber noch hinaus wächst. Denn jetzt ist nicht die Ware Geld die eigentliche Ware, sondern das Subjekt als Ware – als „Geld“ – der Wert, der Mehrwert, eben das Produkt.

  25. Persönlich kann ich Ihnen in...
    Persönlich kann ich Ihnen in Richtung Subjekt = Mehrwert und ich = Konsumgut sogar folgen – gerade vor dem Hintergrund, dass ich als jahrzehntelanger Anbieter von Geistesleistungen das personale Eigenmarketing natürlich in nicht geringem Maß verinnerlicht habe. Aber aus ebendieser Position und Erfahrung heraus sehe ich meine Facebook-Präsenz (und überwiegend auch die meines dortigen Umfelds) als eine davon eher getrennte Veranstaltung. Nämlich mehr so etwas wie elektronische Ersatzhandlungen für das Schreiben von Urlaubspostkarten und dergleichen. Oder allenfalls als flankierende PR-Maßnahme, aber kein Ego-Hardselling auf dem kauftmich-Sektor (ich bin nicht mal mit Klarnamen dort zugange). Mag sein, dass das in Ihren Augen letztlich aufs Gleiche hinausläuft, mir sind diese feinen Unterschiede aber wichtig.
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    Gleichwohl bin ich nicht blind dafür, dass bei vielen anderen diese Grenzen zunehmend zu verwischen scheinen, was Ihre These stützt. Gleichwohl bliebe genauer auszuführen, was denn der Preis ist und in welcher Währung er entrichtet wird, wenn das ich an sich die Ware ist. So wie ich es sehe, macht mich das Präsentieren alleine noch nicht wirklich zur Ware, wenn nicht zumindest potenziell damit auch ein Kaufakt, eine Transaktion verbunden ist. Also: Wer kauft was genau, und wer setzt den Preis fest, wie sind die Marktbedingungen?

  26. @Herold Binsack, Marco...
    @Herold Binsack, Marco Settembrini di Novetre, ich bin als sehr naiver junger Mann, bei meinem ersten Berlin-Besuch Abends über den KuDamm geschlendert, plötzlich tauchte hinter einem der Werbekästen, die dort auf dem Bürgersteig standen, eine etwas ältere Frau auf, für mich war sie damals älter, und lächelte mich an: Na Süsser, haste schon was vor, willste mal, is auch ganz günstig, nur für dich… Wow, ich war platt, ähh? ich?, was für eine Wirkung auf Frauen, so plötzlich, Mann!, ähh?, nein, ach so, das ist eine Prostituierte, schade, nein, Danke, aber ich bin schon verabredet, nichts wie wegg hier, Schwitz! Wow, das ist Berlin!? Und in der Kneipe ein paar Stunden später, hatte ich schon nach dem ersten Bier ein paar neue gute Freunde, die mich für den nächsten Tag, auf eine Party in ihrer WG einluden, was für eine Party, wahnsinn!, ich das erste mal stoned, und Eine neue Freundin fummelte an mir herum, wo ich doch gerade so schön flog, wollte die mich schon wieder festhalten, nein, Danke, ich bin schon … lässt Du das! facebook … ist die distanzierte Variante, oder? Mach mich nicht nass, aber zeigen kannst du mir deinen schon, was hast Du zu bieten, show me your case, Hello Dolly!, was ist daran neu!? Goethe hat zehntausende von Briefen geschrieben um sein Netzwerk zu weben und zu befestigen, Heute kann das Jedes, ist doch toll und Mensch braucht keine Briefmarken und keine Postkutschen mehr, Sie werden mich noch kennenlernen und sie werden voller Freude sein, auch ohne Netz und doppeltes faceboogoogle+ und was immer noch an Pinnwänden unterwegs ist, die Welt ist nun mal gross und ein einsames Herz braucht nicht mehr allein bleiben, in seiner kleinen dunklen novembergrauen Strasse, in Kleinkleckersdorf und Herold, bitte legen Sie ganz langsam die IdeologieKiste nieder, sie wird Ihnen sonst zu schwer und ausserdem riecht es aus ihr schon etwas abgestanden, das rieche ich bis hierher, auch Žižek hat seine Kiste inzwischen in Berlin stehenlassen, bald hat Jedes einen Koffer in Berlin und Marco, kennen Sie schon „Googol“?, eine irre Zahl, aber das irrste ist, das Jedes, also auch Sie, aus mehr davon besteht, soo Viele Entscheidungen, aber das geht zu weit… Wie komme ich bloss von dieser Panik runter, die beständig um mich herum hüpft und schreit: Alles ist so überwältigend, alles ist so superintergalaktisch, sooo weit wegg und Wir sind so klein und Allem so schrecklich ausgeliefert!! … Hilfe!, schon wieder eine Krise, der Papandreou will Unser Geld nicht, Sie haben mit der Prostitution angefangen, also lassen Sie mir Bitte den neuen Griechen, von den alten ist kaum mehr etwas übrig, zumindest in Griechenland, die sind inzwischen alle ausgewandert, vielleicht nach faceboogoogle+ und treiben dort zwischen den Zeilen ihr Unwesen … Hilfe! Philosophen auf die Zeilen bitte, Mann, muss Mann denn alles selbst machen, heute springt keine hübsche junge Frau mehr in meinen Weg und sagt: Hallö Süsser, na, willste mal lecken, oder soll ich dich umblasen, nee, heute verstecken sie sich eher hinter den Glaskästen und warten auf einen anderen Freien oder war es ein Freier, na egal, Verzeihung für die Deutlichkeit, ich bin dann mal wegg, die Bayern rufen … halt, ich hab noch einen, wissen Sie, das inzwischen Google jede Grippewelle in Echtzeit abbilden kann, einfach dadurch, das es alle Nachfragen nach Grippe, Grippeprodukten und so weiter, sowie den Ort der Nachfrage aufzeichnet und auf eine Karte bringt, stark oder?, früher hat das Wochen gedauert, Heute ist Echtzeit, finden Sie das Gute, so jetzt aber, Ciao, liest ja doch keiner mehr …

  27. Die evolutionäre...
    Die evolutionäre Antwort
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    @Marco Settembrini di Novetre/Lützenich
    Subjekt als Konsumgut: Es geht um den „Menschen“ (Achtung: Mensch nichtgleich Subjekt!), in ganzen Stücken, wie um dessen Teile. War es nicht Schirrmacher, der das Hirn zum wichtigsten Rohstoff erklärte (er sagte es anders, aber ich spitze es so zu). Ich weiß noch nicht, wohin das führt. Aber die Biotechnologie wird uns schon noch die Antwort geben. Im Großen und Ganzen betrachtet sehe ich da eine evolutionäre Antwort. Ich sagte es schon an anderer Stelle. Mit dem Ende der semantischen Epoche, die sich identisch zeigt mit der Herausbildung des sog. modernen Bewusstseins, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1697) endet überhaupt die humane Epoche des Menschen (ich rede hier von Mensch, nicht von Subjekt, obwohl auch das Subjekt damit sein Ende findet). Die Epoche deren Abwicklung nenne ich „autistische Epoche“. Ich denke wir stecken mittendrin. Sprache wird obsolet, ja wird zum Hindernis. Der ganze Denkprozess, welcher da umständlich in kommunikativen Formen geleitet wird, erweist sich als zu langsam. Die logische Antwort hierauf wäre die Telepathie, falls es einer Kommunikation überhaupt noch bedarf. Den „Menschencomputer“ (dieser Begriff stammt nicht von mir, sondern vom VDI, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1761) ist im Kommen, und dieser bedeutet radikal gedacht, die Vernetzung aller menschlichen Gehirne. Und dies möglichst außerkörperlich (letzteres wäre auch ein Erfordernis des Eroberns des Weltraums). Dass das auch ein Angriff auf die Philosophie ist, will ich an dieser Stelle gar nicht mehr kommentieren, nicht weil ich etwa befürchten müsste, zu ideologisch zu argumentieren, nein, weil die Philosophie ehe nur noch „Moralphilosophie“ zu sein scheint. Denn das Subjekt zweifelt an dieser – nur noch an dieser! Auch einem Žižek scheint diesbezüglich die Argumente auszugehen. Denn „ich möchte lieber nicht“ klingt doch sehr moralisch. Obwohl ich sehr bemüht bin, darin einen diesbezüglichen revolutionären Impetus (und eben nicht nur Gestus, http://blog.herold-binsack.eu/?p=1853) zu sehen.
    Aber wir können gerne mal über das Thema Ideologie reden. Ich bin da offen. So wie Sie, Herr Lützenich bzgl. der Entropie. Ich sehe da ehe einen geradezu direkten Zusammenhang beider Thematiken.

  28. Korrektur:
    Sorry, es muss...

    Korrektur:
    Sorry, es muss natürlich heißen: „der Menschencomputer“.

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