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Kleine Kulturgeschichte des Digitalbildhasses

14.11.2011, 20:45 Uhr  ·  Feinde der Bildschwemme im Netz befinden sich in bester Tradition: Auch kleinbildkameras und Farben aus Tuben galten Kennern früher als verabscheuungswürdiger Tand der Ignoranten.

Von

Seien wir echt, auch wenn wir hässlich sind.
Gustave Courbet

Stellen Sie sich vor, es ist Frühling. Sie nehmen Ihre Staffelei und eine frische Leinwand und die Pinsel, und gehen an den See. Die Sonne scheint, das Motiv ist prächtig, Sie geben sich alle Mühe, und so entsteht langsam ein Bild in kräftigen Farben, das Licht und die Wärme des Tages einfängt. Sie tun keinem etwas zu Leide, und bereiten, denken Sie sich zumindest, jemandem eine Freude, der Ihnen dann ein Lächeln schenkt für Ihre Anstrengung. Gut, es ist kein El Greco und auch kein August Macke, aber das ist ja auch nicht Ihr Anspruch, sondern einfach nur ein hübsches Bild, und etwas kulturelle Betätigung. Sie denken, als Sie den Inhalt der Farbtube ausdrücken, also an ihre Bekannte, lächeln –

Bild zu: Kleine Kulturgeschichte des Digitalbildhasses

und dann kommt einer daher und pöbelt sie an. Kein Skinhead, kein Unterprivilegierter, kein Yachtbesitzer, dem sie den Weg zu seinem Boot versperren, nein, ein Künstler. Was Ihnen denn einfallen würde, hier Farbtuben zu verwenden und damit auf der Leinwand herumzuschmieren. Das gehe ja wohl überhaupt nicht. So dürfe man nicht malen. Man müsste auf die Linien und die Form achten, die Farbe sei als Kolorierung nachrangig. Also, sagt er und stösst die Staffelei um, zeichnen Sie gefälligst erst einmal auf Papier vor, machen Sie Skizzen, gehen Sie dann nach Hause ins Atelier und malen Sie dort. Dann haben Sie auch genug Zeit, am Bild zu arbeiten. Allein das Anmischen der Farben, das Mörsern der Pigmente, das Grundieren der Leinwand, das gute Jahr Trocknungszeit, bevor die Firnis aufgetragen werden kann – das alles gehört dazu. Was zum Teufel, ereifert er sich, fällt Ihnen überhaupt ein zu denken, Sie könnten mit diesen vorgefertigten Tubenfarben irgendwas machen? Hä?

Das klingt jetzt vielleicht reichlich übertrieben, ja, vielleicht sogar verrückt, aber die Erfindung der Tubenfarbe – und in ihrer Nachfolge der Aufstieg der Freiluftmalerei und der Erfolg des Impressionismus – führte im Frankreich des 19. Jahrhunderts zu dergleichen erbitterten Reaktionen. Unter Führung des Malers Ingres wehrte sich die akademische Strömung der Malerei gegen die – Ihres Erachtens – schnell hingepfuschten Farbkleckserein, die nicht im Mindesten der langwierigen, harten Arbeit des Bildermachens entsprach: Ein geheimnisvolles Kunsthandwerk mit vielen Arbeitsschritten, die plötzlich alle verzichtbar waren, als es fertig grundierte Leinwände und Tubenfarben zu kaufen gab. Wie. Konnten. Sie. Es. Wagen. Wer sich nicht an die alten Regeln halten wollte, wurde bei Ausstellungen ausgeschlossen, verlacht, und runtergeputzt. Es dauerte ein paar Jahrzehnte, bis man den pastosen Auftrag der Farben mehr als genau gemalte Locken des Klassizismus schätzte, bis das scheinbar Nichtswürdige von den besseren Schichten akzeptiert wurde. Ob die Farbe aus der Tube kommt, oder in einem fast alchimistischen Prozess hart erarbeitet wird, ob das Bild an einem Tag gemalt wurde, oder jahrelang durch Verzögerungen den Auftraggeber zum Verzweifeln brachte, ist später nicht mehr so entscheidend.

Bild zu: Kleine Kulturgeschichte des Digitalbildhasses

Solche Debatten sollte man sich stets vor Augen führen, wenn es um den angeblichen Niedergang einer Kunstgattung durch das Digitale geht. Führende Publikationen – auch diese hier – gefallen sich immer wieder mal im Kritisieren von Nutzern, die einfach Unmengen von schlechten Bildern und Videos ins Netz stellen, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Über Modeblogs, in denen junge Frauen Kleider, Flohmarktfunde und Bücher vorführen, ohne dafür eine Lizenz zu besitzen. Aber dafür digitale Gerätschaften, die ihnen helfen, das mühelos und ohne jede Ausbildung und Kenntnis der journalistischen Kriterien zu bewerkstelligen. Wie. Können. Sie. Es. Wagen. Damit stehen die Kritiker in einer, für sich genommen, durchaus respektablen Tradition, und wenn sie das in einer guten Zeitung verkünden, ist meist auch ein Photograph vor Ort, der sie kenntnisreich und schwarzweiss in Szene setzt. Auf Film natürlich, 24×36 Millimeter. Digital? Niemals!

Auf der gleichen Art Film, in der gleichen Art Spiegelreflexkamera übrigens, die vor einem halben Jahrhundert mit bösen Worten von Andreas Feininger verdammt wurden. Ohne Zweifel war Feininger einer der wichtigsten Photokünstler des 20. Jahrhunderts, und seine Lehrbücher zur Photographie sind bis heute grundlegend und amüsant zu lesen. Allerdings war Feininger auch ein Anhänger jener Haltung, die, soweit möglich, mit Lichtmessgerät und Mittelformatkamera unterwegs war, und alle Einstellungen von Hand und aus langjähriger Erfahrung vornahm. Als „Die neue Foto-Lehre” erschien, kamen die ersten Spiegelreflexkameras auf den Markt, die dem Besitzer mit Belichtungsautomatik viel Arbeit abnahmen: Die Konica Autoreflex war in ihrer Zeit das für die Photographie, was 100 Jahre zuvor die Farbtube für die Malerei gewesen ist. Eine Revolution. Die einen sagten mit Feininger, dass hier eine Kunst ruiniert wird. Andere verwiesen schon damals darauf, dass die Technik eine Reihe von Aufgaben übernehme, und deren Besitzer sich deshalb anderen Aufgaben wie der Bildkomposition zuwenden könnte. Nachträglich muss man wirklich fragen, ob ein Bild weniger Gefallen erregt, wenn das Motiv vorher nicht von Hand mit dem Belichtungsmesser untersucht wurde, der, offen gesagt, ja auch nur ein technisches, vereinfachendes Instrument ist, für ein Ergebnis, das unbegrenzt vervielfältigt werden kann – übrigens fanden auch Kupferstecher und Lithographen die Knipserei und ihre Verwendung in Zeitungen ganz, ganz schlimm.

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Diese beiden Stiche aus der Zeit um 1750, die wie Kreidezeichnungen aussehen, stammen übrigens Francios Boucher, der für die Verbreitung solcher leichten Sujets zu seiner Zeit bekannt war. Und beliebt. Und sehr verhasst bei den Traditionalisten. Boucher war das herzlich egal, er liess seine Entwurfe auch auf Tapeten drucken, als Gobelins weben und damit Porzellan verzieren, sehr zum Ärger der Kulturpessimisten katholischer oder aufklärerischer Natur. Boucher erzählte mit seinen Bildern ausgesprochen leichte, man könnte fast sagen, seichte und belanglose Geschichten. Bei Boucher ringt kein Held ein Ungeheuer nieder, er malte auch keine geistliche Erbauung. Er machte das, was der Markt wollte, und nicht das, was seine Gegner verlangten.

So ähnlich ist das auch mit all den Bildern und Videos im Netz: Es geht, es findet ein Publikum, es muss nicht allen gefallen, aber die Kreativität macht den Erstellern Spass. Sie bemühen sich. Sie könnten auch Ballerspiele spielen, Pr0n herunterladen oder die Rechner noch Kulturpessimisten hacken. Ihre Vorstellungen entsprechen nicht dem, was Medien vielleicht gerne abdrucken. Ihre Neigung zu Inszenierung der eigenen Person mag seltsam wirken, aber wer Portraits des 18. Jahrhunderts kennt, wird davon ebenso wenig schockiert sein, wie von der mangelnden Bildkomposition – auch das 18. Jahrhundert neigte dazu, Gesichter mit dem Pinsel zu photoshoppen und dann bei den kleinen Details, die keiner so genau anschaut, weil daneben das Inkarnat der fast nackten Brust ist, zu schludern.

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Alles wie gehabt, der Zweikampf der unbedarften Macher und der Kulturpessimisten darf weiter gehen. Wobei man vielleicht neben der schwindenden Qualität der Bildersteller nicht übersehen sollte, wie auch die Qualität der Pessimisten abnimmt: Boucher wurde von Diderot kritisiert, die Impressionisten von Ingres, Leica-Kleinbildfreunde wie Capa von Feininger –

und heute beklagen uns plaudernde Blogger die Medienwissenschaftler und Journalisten. Da würde man sich von den Menschen mit hängenden Mundwinkeln, bevor man das nächste hübsche Blog mit Mädchen und Rädern oder Retromode besucht, ein klein wenig mehr Qualität wünschen.

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (63)
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0 colorcraze 14.11.2011, 21:18 Uhr

Ja, lohnt sich durchaus, diese...

Ja, lohnt sich durchaus, diese Zeitreihe mal anzusehen. Und morgen komme ich vielleicht am Senefelder-Denkmal vorbei. Die Lithographen haben seinerzeit zusammengelegt, um dieses Denkmal machen zu lassen, aus Dankbarkeit, daß er mit seiner Technik so viele in Lohn und Brot gesetzt hat. _Das_ ist der Effekt, der mal wieder auftreten sollte... das letzte Mal erlebte ich ihn durch die Internet-Blase (inzwischen durchmonopolisiert).

0 donalphonso 14.11.2011, 21:27 Uhr

Das waren jetzt nur mal die...

Das waren jetzt nur mal die Beispiele, die zu meiner Sammlung gepasst haben - man könnte weinen, wenn man die Qualität der gedruckten Crayons von Boucher mit mittelprächtigen Malereien von deutschen Kleinadeligen der gleichen Zeit vergleicht. Worauf es mir ankommt, wäre so eine Art der gelassenen Offenheit in Anbetracht der Tatsache, dass das ganze Geschimpfe in 200 Jahren kein Mensch mehr versteht. . ich denke mal, dass der Wechsel bei den Energien ähnlche Effekte haben wird, nur nicht so schnell. Was aber auch ganz gut ist, man denke an die Schludrigkeit der New Economy.

Don, da haben Sie aber ein...

Don, da haben Sie aber ein heikles Thema angeschnitten - es gibt ja genügend Leute, die der Fotographie generell die künstlerische Komponente absprechen... . Wie dem auch sei - ich denke, dass man vieles, was an Bildern im Netz zu sehen ist, nicht auf das Bild selbst und isoliert reduzieren sollte, sondern der Reiz oft - so denn vorhanden - im Zusammenhang zu sehen ist, als digitale Installation. . Wobei in einem Punkt möchte ich doch widersprechen, oder zumindest einen anderen Schwerpunkt setzen - bei "das ist ja auch nicht Ihr Anspruch...". Denn Kultur ohne ein Mindestmaß an Anspruch ist meines Erachtens keine Kultur. Und gerade deshalb sollte man Entwicklungen wie Tubenfarben oder Digitalfotographie aufgrund der neuen Möglichkeiten, die sie mitbringen, begrüßen. Trotzdem habe ich durchaus Verständnis dafür, dass manch einer das sich hieraus ergebende Verschwinden von Film-Fotographie als Kulturverlust empfindet.

Ich fühle mich ertappt. Es...

Ich fühle mich ertappt. Es ist aber auch nicht ganz einfach, sich zwischen aktuellen Moden und dem sinnvollen Fortschritt zu entscheiden, resp. den Unterschied zu erkennen und das Richtige zu wählen. Wenn ich längst tot bin, wird man (zumindest meine sehr viel jüngere Gattin) feststellen, ob ich Avantgarde war oder einfach nur altmodisch. Denn momentan hab ich weder Auto, noch "Handy", noch ipod, geschweige denn eBook, und natürlich auch keinen Rasenmäher und was der "Baumarkt" oder der "Media-Markt" noch so anbietet. Das Neueste von heute ist morgen das Altmodische von gestern (oder so ähnlich geht doch der Spruch, oder?) . Danke erneut für die kleine Lektion in Kulturgeschichte. Ich lerne gerne. Und noch besser: ich freue mich, wenn vage eigene Ideen so kenntnisreich bestätigt werden.

0 Paulchen P 14.11.2011, 22:53 Uhr

Aus der Perspektive eines...

Aus der Perspektive eines Anhängers klassischer mittelformatiger Schwarzweißphotographie hat sich durch die Digitalisierung selbst eigentlich gar nicht viel geändert; gute Bilder kann man mit beiden Techniken machen, aber... . Früher knipste die breite Masse höchst mittelmäßige Photos mit höchst mittelmäßigen Kameras, außer Opel-Fahrern. Diese knipsten höchst mittelmäßige Bilder mit durchaus teuren japanischen Spiegelreflexkameras mit einem dicken "Tele-Zoom" dran. Jedem das seine und keiner störte den anderen, meistens zumindest. . Damals kostete Bilder zu entwickeln Geld und damit war eine gewisse Zurückhaltung eingebaut. Heute knipsen und filmen angehende Superstars mit Handys, iPötten, Digiknipsen, Notebooks usw. alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist. . Dieser ständige Übergriff strengt schon etwas an, wenn man gerade in die Schusslinie geraten sein sollte.

Werter Don, die Qualitaet der...

Werter Don, die Qualitaet der Bildersteller kann ich schwer beurteilen, aber die Qualitaet der Bilder scheint mir seit Aufkommen der digitalen Fotographie sogar zugenommen zu haben. Ich kenne einige Hobbyfotographen, die kompositorisch und technisch vorzuegliche Bilder machen. Vermutlich rechnen Sie sich selbst auch dazu (zu Recht). Was die Verteidiger des Alten wohl oft am meisten schmerzt, ist die Erkenntnis, dass es nicht ihre einmalige Begabung ist, die sie bislang hervorgehoben hat, sondern die zeitliche und zum grossen Teil auch die finanzielle Komponente, die viele Dilettanten vom Experimentieren abgehalten hat. Wenn ich mit einer Digitalkamera hundert verschiedene Blenden- und Belichtungseinstellungen durchprobieren kann und das Ergebnis dann auch noch sofort am Bildschirm betrachten, dann liegt die Hemmschwelle sicherlich tiefer, genau das auszuprobieren, als wenn ich wahlweise eine Dunkelkammer mit allem Zubehoer einrichten oder zig Euro fuer Filmentwicklung ausgeben muss - und in beiden Faellen auch noch warten. Letztlich wird sich grosse Kunst oder auch "nur" hohe Qualitaet immer durchsetzen - wer zu klagen hat sind die, die nur weil sie eine Fertigkeit "gelernt" haben, sich schon automatisch fuer einen Meister halten. Diderot ist in der Hinsicht eine Ausnahme, weil er sich soviel ich weiss ja selbst nicht als Maler hervorgetan hat. Und als Kritiker muss er sich ja fuer eine Position entscheiden, wobei seine Bedenken wohl auch eher moralischer Natur waren.

0 Paulchen P 14.11.2011, 23:40 Uhr

Bester T.I.M., haben Sie denn...

Bester T.I.M., haben Sie denn den Eindruck, dass das 100-Bilder-knipsen-für-ein-gutes tatsächlich auch zu einem Erkenntnis- und Fähigkeitsgewinn bei diesen Photographen führt? Ich bin da eher skeptisch. Wer lernen wollte, konnte dies auch schon früher. Wer kein Auge hat oder wen's nicht interessiert, der lernt auch heute nicht. Und mit neuer Technik hat das alles ziemlich wenig zu tun. Color-Photo hatte zu analogen Zeiten einen "ewigen" Photowettbewerb auf den letzten Heftseiten; die Bilder sind mit den heutigen auf flickr oder fotocommunity qualitativ absolut vergleichbar.

Wertes Paulchen, 100 knipsen...

Wertes Paulchen, 100 knipsen fuer ein gutes ist natuerlich nicht Sinn der Sache, aber 100 (oder 10000) knipsen, um auch praktisch ein Gespuer fuer die Technik und die Resultate zu bekommen, das geht jetzt wesentlich einfacher und schneller als zu Analogzeiten. Was ich meinte: Es ist noch in k(aum )einer Technik ein Meister vom Himmel gefallen - der Weg zu ansprechenden Ergebnissen wird im Falle der Digitaltfotographie nur deutlich leichter gemacht fuer den, der lernen will (also den es interessiert und der "ein bis zwei Augen dafuer" hat). Experimentieren wird man als Anfaenger analog wie digital im etwa gleichen Umfang muessen (die Physik bleibt ja dieselbe), nur ist dieser Umfang bequemer zu bewaeltigen. Ich wollte auch nicht aussagen, dass die besten Hobbyfotographen digital besser sind als analog (oder heute besser als frueher), aber die Breite an Hobbyfotographen, die tatsaechlich gute Bilder abliefern, hat gefuehlt schon zugenommen - aus oben genannten Gruenden.

0 Thorsten Haupts 15.11.2011, 08:39 Uhr

Bezüglich Kunst und...

Bezüglich Kunst und Kreativität wird der Autor durchaus Recht haben - davon verstehe ich zu wenig. Vermute aber, die heftige Reaktion auf das digitale Bild könnte eine Ursache in dem damit verbundenen Verlust von Privatsphäre im öffentlichen Raum haben. Denn nicht das Internet hat die eigene Wohnung zu ausschliesslich letzten privaten Ort gemacht. Sondern die Flut von Digitalkameras, inzwischen fester Bestandteil jedes 08/15 Mobiltelefons. Und bedient von Menschen, die nicht einmal mehr auf die Idee kommen, die Fotografierten könnten Einwände gegen die prinzipiell weltweite öffentliche Zurschaustellung ihrer Konterfeis und Korpusse haben. Gruss, Thorsten Haupts

0 E.R.Langen 15.11.2011, 09:52 Uhr

Don Alphonso, sicherlich haben...

Don Alphonso, sicherlich haben Sie, was Mayes Möpeleien angeht, inhaltlich erschöpfend reagiert. Da müht man sich, intellektuell zu tun, und plötzlich kommen "Mädchen" und scheren sich nicht darum. Natürlich weckt das gelben Neid. Allerdings sehe ich hinter der Empörung doch noch eine andere Not. Irgendwann, meist in der Gegend des mittleren fünften Lebensjahrzehntes, reift die kränkende Einsicht, dass man bei den jungen Mädchen nicht mehr ankommt. Selbst auf Beethoven gestylte Toupets helfen nicht mehr. Ob es aber tröstet, den Aesopschen Fuchs zu geben und die jungen Mädchen herabzuwürdigen? Ihnen Gymnasialhalbbildung anzukreiden? Ihnen youporn als passenderen Ort der Selbstdarstellung zu empfehlen? Vielleicht hilft das ja - hilflos wirken tut´s in jedem Fall.

0 donalphonso 15.11.2011, 10:17 Uhr

Die Doppelmora an der Sache...

Die Doppelmora an der Sache ist ja, dass weder Medienwissenschaftler noch hilfreicher Frager selbst mit 16 Jahren Zettels Traum gelesen haben dürften. Und ich denke auch nicht, dass mein eigenes Verständnis von TTexten in der AG Literatur damals meinen heutigen Sichtweisen mit 3000 Büchern mehr entspricht. Natürlich kann man das doof finden, dass Maye mit 15 Zettels Traum nicht auswendig aufsagen konnte (was ich mal vermute). Man darf alles mögliche blöd finden und runtermachen. Aber dann muss man eben auch sagen, was besser wäre. Bei Ingres war es die Linie und das glattgeschliffene Bild. Bei Didierot waren es die Drucke der Enzyklopädie. Bei Feiniger war es Mittelformat. Bei Maye ist es - . nichts. . Und das ist, angesichts seines Alters und Strandes, peinlich, . Ich will das aber gar nicht an ihm allein aufziehen, er steht nur pars pro toto, in der SZ liest man sowas auch immer wieder mal vom Graff.

0 donalphonso 15.11.2011, 10:24 Uhr

T.I.M., als jemand, der mit...

T.I.M., als jemand, der mit Bildern auch durchaus sein geld verdient hat, sehe ich den grossen Fortschritt bei den Digitalbildern auch in der schnellen Überprüfbarkeit. Man lernt einfach viel schneller als beim Analogfilm, bei dem Tage und Wochen zwischen Ablichtung und fertigem Bild lagen. man vergisst Blende und Belichtungszeit, und man weiss auch nie, ob es wirklich gut wurde. Die Möglichkeiten, die einen Profi früher zum Meister werden liessen, hat man heute weitgehend selbst. Und das zu einem wirklich lachhaft günstigen Preis. . Was man dann aber auch sieht: Es muss nicht so bleiben. Als ich viel mit Audio gemacht habe, war am Anfang so gut wie alles auf dem Rechner, Tonspuren, digitale Kompressoren, EQs, simulierte Preamps. Und erst danach habe ich angefangen, vieles ins Analoge zu verfrachten.

Werter Don, sehr schöner...

Werter Don, sehr schöner Beitrag! Über diese historischen Vergleiche hatte ich mir bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht! Habt Dank für die Aufklärung! Und natürlich wem die neuen Medien nicht gefallen, der muß Sie ja auch nicht nutzen! Grüße FS

Lieber Don, das Geschimpfe der...

Lieber Don, das Geschimpfe der Traditionalisten (Malerei, Lithografie, Fotografie) ist nicht nur Dünkel (das auch), sondern zu einem gut Teil auch deren berechtigter Angst vor Einkommensverlust geschuldet. Zumindest heutzutage. . Der Fotograf ist ein gutes Beispiel: Natürlich gehört zu einer guten Fotografie mehr als die Technik (das richtige Objektiv, gute Kamera, ob digital oder analag), sondern das Gespür für Licht und Komposition. Es braucht schon immer noch eine Ausbildung oder ein Studium, und das dauert. Eigentlich müsste gerade wegen letzterer Dinge ein guter Fotograf kein Angst haben vor Amateuren und Anfängern, die jetzt mit leistungsfähigen Kameras herumhantieren und das Netz vollstellen. Hat er aber teilweise doch. Denn gerade gute Lichtführung, guter Bildaufbau, das sind Dinge, die mancher Auftraggeber nicht sonderlich gut beurteilen kann warum auch immer. Er sieht die Qualitätsunterschiede nicht (ähnlich ist es im Fach Design), obwohl sie für das Auge des Profis deutlich da sind. . Der klare Einkaufsvorteil für den Fotografen (rasch abrufbare Qualität, genau das Bild, das man sich vorgestellt hat, perfekte Lichtführung, Komposition, Tiefenschärfe gestalterisch eingesetzt und nicht nur technischer Zufall...) schrumpft, weil seine Auftraggeber diesen Vorteil nur unzureichend wahrnehmen. . Du zum Beispiel bist ein recht fitter Foto-Amateur, die Bilder sprechen an, machen Spaß (sowohl dem Ersteller als auch dem Betrachter) und heben sich durchaus vom Knipser-Ramsch ab. Da Gespür für Situationen, habe oft gute Schnappschüsse von Dir gesehen. (Herrlich einmal dieses Bild von einem grauen Kater, eine Mimik wie ein Pirat oder kleiner Raufbold; Katzen zu fotografieren ist schwer, habe selbst ein solch unbotmäßiges Fotoobjekt zuhause ...) . Zu echter Profiqualität fehlt es jedoch auch. Zumindest ich sehe die Fehler und Fehlerchen (Ausleuchtung, Bildaufbau), denn ich habe nicht nur einfach Design studiert, sondern auch Fotografie (gehörte zum Studium mit dazu, ich weiß nicht, wie das heute ist). Später im Beruf kann man mit diesem Wissen hervorragend Fotoregie machen (den Profi-Fotografen beim Licht-Aufbau und Shooting ärgern, ähm "beaufsichtigen", ob er das Motiv so wie angedacht und perfekt umsetzt). . Ich sehe diese Don-Fehlerchen alle, aber sie stören mich nicht, denn seine Bilder sind dennoch oft besser als das, was sonst im Blogger-Amateur-Netz herumfliegt: Sie haben eine Aussage, sie haben eine klugen Text dazu, das Motiv ist durchdacht und nicht einfach losgeknipst (außer diese lustigen Auto-Fahrbilder aus der Hüfte). . Viele Auftraggeber sehen die Unterschiede von Profi zu gutem Amateur aber nicht (im Bildjournalismus gibt es dazu eine breitere Auffassung von Qualität). . Über die Gründe, warum der Auftraggeber/Bezahler das nicht sieht, könnte man sich jetzt viel und Stunden austoben, vielleicht schlechter Kunstunterricht in der Schule, vielleicht Wurschtigkeit, keine Ahnung. Ich sehe ja selbst auch nicht unbedingt und auf Anhieb, ob das Gewinde und der Durchmesser einer Schraube passen, dazu fehlt mir genauso die Übung. Ich kann eigentlich auch nicht beurteilen, ob ein Fliesenleger gut ist. Ich werde es erst dann merken, wenn die Fliesen vor der Zeit abplatzen. . Wenn verbiesterte Hobby-Traditionalisten den Hobby-Anfänger fertig machen, so stört mich das auch, was soll das. Oft sind jedoch auch darniedergehende Branchen betroffen. Da muss sich der darniedergehende Profi echt etwas einfallen lassen. Aber Beschimpfen der Amateure geht gar nicht. Das ist die schlechteste Form der Akquise, die es gibt.

Ein wirklich schöner Artikel,...

Ein wirklich schöner Artikel, den ich gerne zitieren werde, wenn sich mal wieder in entsprechenden Foren die Fraktion der "klassischen Techniken" (Aquarell, Öl, Acryl, ...) und die des "Digital Art" (Photoshop, Painter, Gimp, ...) gegenseitig die Schädel einschlagen.

0 donalphonso 15.11.2011, 13:24 Uhr

Vroni, sicher. Aber: Diese...

Vroni, sicher. Aber: Diese Dünkelhaftigkeit plärrt mich mit besonderer Vorliebe aus der Süddeutschen Zeitung an. Die online selbst schon mit Bilderübernahmen aufgefallen ist, oder Quellen nicht nennt, oder Bilder bei istock etc. bezieht. Hauptsache billig, idealerweise umsonst. Dann sollen die Betroffenen doch mal bei den dortigen Kulturgimpeln vorstellig werden und denen sagen, was sie von der dort gelebte Realität halten.

Lieber Don, na dann muss sich...

Lieber Don, na dann muss sich die Dünkel-Billig-SZ allmählich warm anziehen: SEO-Gerüchten zufolge sieht das Panda-Update (oder schon früher) von Google vor, Webseiten mit Billig-Stockphotos im SERP niedriger zu ranken. . Google will "unique content". In Text UND Bild. Und Stockphotos sind definitiv keiner, werden von Google als nicht-uniquer Müll eingestuft. Vor allem eben die mit den einfachen, nicht-exklusiven Nutzungsrechten. Gelebte Realität, hihi.

Warum soll Eines das Andere...

Warum soll Eines das Andere ausschliessen? Würde denken, dass das mit Farben herumhantieren einen Blick schärfen kann: Jemand erzählte mir mal, dass früher, also bevor ich geboren wurde, in der Anatomie gezeichnet wurde. Bücher mit guten Abbildungen gab es da schon, aber aus pädagogischen Gründen: mit dem Bleistift selbst gezeichnet, weiss man eben genau ob der Knochen nun zwei oder drei Hubbel hat.

0 Der Tiger 15.11.2011, 13:55 Uhr

@ die Herren Blau und...

@ die Herren Blau und Bangel von Der Zeit
faz-community.faz.net/.../auf-der-schiefen-gerade-der-umverteilung.aspx (mein Kommentar am 10. Nov. 21:04)
Sehen Sie, so ein Beitrag bringt mich mehrmals zum lachen ……. Und die alte Dame hat sogar noch etwas Interessantes gelernt.

Nicht jeder der einen Ikea...

Nicht jeder der einen Ikea Schrank zusammenbauen kann, ist deshalb auch gleich Tischler. Schönes Kasti hier, schönes Kasti dort. Und? Kommt das wirklich auf´s Gleiche? Schöne Bilder kann man mit einer Vielfalt von Dingen erzeugen; qualitativ hochwertige nicht. Mit den Grundlagen der Photographie beschäftigt sich der Besitzer einer Consumer Digitalkamera, die er im Media Markt im Sonderangebot erstanden hat, nicht. Das ist mit diesen Geräten auch gar nicht möglich. Kontrastumfang, Blende, Belichtungszeit, Brennweite, Schärfentiefe, Farbtemperatur und Licht sind die Palette des Photographen. Dem potentiellen Hobbyphotographen mag es gelingen, ab und an ein wirklich gutes Photo zu schießen, dies sei ihm auch in jeder Hinsicht vergönnt, doch selbst wenn er mit Gespür und Talent in der Lage ist eine gute oder interessante Bildkomposition festzuhalten, bleibt dennoch der Rest dem Zufall überlassen. Es ist schön wenn er in der Lage ist Stimmungen einzufangen; das Handwerk diese bewußt herzustellen fehlt ihm dennoch. Er ist also in seinen gestalterischen Möglichkeiten äußerst beschränkt. Es ist nicht mehr entscheidend ob digital oder analog photographiert wird. Es gibt auf beiden Seiten Vor,- und Nachteile. Neben den immer wieder genannten, deren Richtigkeit sich auch nicht leugnen läßt, nachstehend noch folgende: Auf professioneller Ebene ist die Arbeit mit analogen Geräten einfacher, denn da weiß man was man bekommt. Man arbeitet mit feinmechanischen, sehr zuverlässigen Maschinen. Man weiß wie welche Emulsion reagiert. Diese Welt kennt man in,- und auswendig. Die digitale Revolution vereinfacht zwar oberflächlich Vieles, praktisch steht man jedoch vor einer völlig neuen Technologie die zu einigen Abstrichen zwingt, oder zumindest Probleme aufwirft die es bis dato nicht gab. Bislang war man Mechaniker, jetzt plötzlich muß man Elektrotechniker sein. Beides sind Berufe für sich, das wird neuerdings einfach vergessen. Fakt ist, daß man sowohl analog als auch digital zu guten Endergebnissen kommen kann. Man muß nur wissen wie. Und das Wie zu verstehen wird mit den kleinen digitalen Verbrauchergeräten definitiv nicht vereinfacht. Die Diskussion um Pigmentpulver versus Farben aus der Tube ist obsolet. Das Eine ist nicht schlechter als das Andere, aber der Vergleich hinkt. Wir reden über den Unterschied zwischen Handwerk und Malen nach Zahlen.

..ich habe hier in irgendeinem...

..ich habe hier in irgendeinem kommentar die phrase- àngst haben´. entdeckt. wieso sollte der profi angst bekommen, wovor? ich fotorafiere seit jahren auf radtouren mit einer ziemlich kleinen,älteren nikon. die fotos gefallen mir so gut, dass ich denke, sie können von der motivwahl und gestaltung mit einigen(vielen) veröffentlichungen bspw. in "naturfoto" mithalten. der trick ist einfach nur der, das über das transportmittel fahrrad eine ganz bestimmte bildausbeute pro -sagen wir "trip" möglich ist(ich wiederhole mich hier!). man hat mehr zeit und kommt in entlegene gebiete. der tag beinhaltet zum beispiel auch ein grösseres programm als es sich für einen wanderer ergibt.. Eingeschränkt bei längeren reisen ist die möglichkeit der mitnahme von hochwertigem zubehör. hier muss man opfern. an die profis von "naturfoto": ihre bilder sind wirklich beeindruckend! unabhänig von der wahl ihres camera-systhems. ich habe mir nach jahren auch eine besseres gerät zugelegt-meinen bedürfnissen (noch) mehr entgegenkommend-...leicht, grosser zoom, robust..rel. klein... die spektakulären werte, bzw. die schwerpkte. der ausgewählten eignungsbereiche haben meine radkollegen z.T. zu solch unsachlichen kommentaren veranlasst, dass ich die camera bei gemeinsamen ausflügen zuhause lasse. ..davor könnte man ein wenig angst haben... >die fotos sind gut! ..um einen gedanken an den Malereiexkurs von don A. anzuschliessen . bei besuch meiner ehemaligen kunstschule betrachtete ich ein projekt einer/meiner damaligen lehrerin(landschaftsmalerei). das motiv war, so glaube ich eine torfstichscene in vielen 6 o.mehr gestaltungsschritten, malphasen, farbauftragstechniken usw... die objekte waren klein >der effekt bezaubernd;es entstand tiefe..u.a. ..meine landschaftsbilder(wenige) entstehen mit weniger aufwand, sind abgeleitet von schönen erlebnissen in umbrien, dem engadin (licht!!!) oder sonstwo, dokumentiert als fotografie. die ergebnisse..nun, ich habe meinen spass daran! ..und an den abstrakten sachen sowieso,>und die sind schnell! .....aber bis man mit dem fahrrad....

0 Paulchen P 15.11.2011, 16:28 Uhr

Die Digitalisierung der...

Die Digitalisierung der Breitenphotographie hat auch die Perspektive auf das fertige Bild verändert. Photos werden nicht mehr so häufig gedruckt/ausbelichtet. Sie hängen seltener an den Wänden. Damit ändert sich auch der Maßstab für die Beurteilung der Qualität eines Bildes von langanhaltender Qualität zu schnellem Effekt, ganz im Sinne des vom Don beschriebenen Langfristtrends. . P.s.: Das Fehlen einer digitalen "Schülerkamera" verwundert mich auch nach wie vor. Man stelle sich eine Exa in digital vor (http://de.wikipedia.org/wiki/EXA): Blende, Belichtungszeit, Fokus, fertig. Für ein solche Produkt sollte es doch eine Nische unterhalb der X100 oder M8/M9 geben, neben all den Allesautomatischkönnerklonen.

Schön, wie sich das Bild...

Schön, wie sich das Bild erweitert, sobald man einen Schritt von der Gegenwart zurücktritt. Bilder und Kamera? Zum Glück gibt es auch außerhalb der Bilderkunst Interessantes zu sehen, so daß man nicht als Künstler zur Welt kommen muß. Es lässt sich mittels des Wunderwerks Kamera fixieren und zeigen. Ich habe in diesem Bereich die gleiche kindliche Begeisterung für Technik, die einst z.B. die Camera Obscura hervorrief. (Was kein Maler vermag: Bewegung! Im Winde schwankende Pflanzen!) Als Kunstwissenschaftler leide ich so oft unter standardisierter Qualität- für die ich als BWLer im Gedanken Zeit bzw. Kosten überschlage (Sollen wir einen Kameramann herstellen- fünf Jahre. Oder einkaufen- 100.000 €?) Da sollten die Leute in ihrer Freizeit nicht noch kunsthandwerklich arbeiten müssen.

0 HansMeier555 15.11.2011, 16:47 Uhr

@TA In der sechsten Klasse hat...

@TA In der sechsten Klasse hat uns unsere Kunstlehrerin mit großem Pathos in die Hefte diktiert: "Schönheit ist kein Kriterium". -- "Und nach welchen Kriterien benoten Sie dann?", fragte der vorlaute Schüler. -- "Danach ob eine Arbeit gut ist." -- "Und wann ist sie "gut"? -- "Wenn die Ränder ordentlich gezeichnet sind und so." Da fiel dem Schüler nichts mehr ein.

Eine sehr interessante...

Eine sehr interessante Zeitreise! Die heutigen Möglichkeiten der Technik und deren Verfügbarkeit bieten eben auch einen Freiraum für Kreativität und zumindestens im Ansatz einen Beweggrund die Umwelt wahrzunehmen. Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Da denke ich nicht an die Qualität der Bilder oder den künstlerischen Wert. Professionelle Bilder erkenne ich als solche an und schätze die Arbeit und das Know-How, dass dahintersteckt - das ist für mich Kunst und Leidenschaft. Hier eine kleine Geschichte zum Thema (nichtkommerzieller Link) über die Zeit vor den Digitalkameras - http://goodnewstoday.de/gute_nachrichten/2010/12/25/wie-spannend/

Folgende Erfahrung musste ich...

Folgende Erfahrung musste ich machen, gebe aber direkt zu, dass dies wahrscheinlich nicht repraesentativ sein wird: 1. Menschen, die halbwegs gut zeichnen koennen, sind oft gute Fotografen. 2. Maler (ich kenne ein paar) koennen selten gut fotografieren. 4. Leute mit gut entwickelter Phantasie scheitern an der fotografischen Realitaet. 4. Musiker koennen nur Musik. Manchmal koennen sie gut malen, aber siehe 2. . Die Kenntnis der physikalischen/ chemischen Grundlagen analoger/ digitaler Fotografie sind mehr als hilfreich, machen aber dennoch kein gutes Bild. Die Verwendung einer hochwertigen Kamera ist keine Voraussetzung fuer ein gutes Foto (Kunst); geniale Schlamperei schon eher. Die Meinung eines beliebigen Bildbetrachters ist voellig unerheblich. Erst wenn der Bildautor eine gewisse Reputation hat, wird das Bild beachtet. Manchmal sogar gelobt. . Bilder auf denen Mutti drauf ist, sind immer klasse. Katzen sind leicht zu fotografieren. Sie liegen rum und pennen. Kennste eine, kennste alle. . Der kommerzielle Durchschnittskunde ist schnell zufrieden, nur die Agenturtussen maekeln immer rum. Kompetenz, die pfeilgrad zu guten Ergebnissen fuehrt, ist selten. Einer spinnt immer. Diese Weisheit ist nicht von mir, sondern die eines befreundeten Werbefotografen in Tel-Aviv. Seine Kuenstlerseele weist viele Narben auf. Er wird als Maertyrer sterben. Und die Agenturweiber sind daran schuld. . Amen.

Und dann noch: Was der...

Und dann noch: Was der Lithograph im Preprint nicht versauen kann, erledigt der Drucker. . (@Vroni: Hat Sie schon mal ein Lithograph gefragt, auf welches Papier spaeter gedruckt werden soll, oder ein Drucker gebeichtet, wann bei ihm Schwarz aufhoert?)

Vor den Photographien von...

Vor den Photographien von László Moholy-Nagy steht man immer wieder und bewundert seine Kunst mit Licht und Schatten umzugehen. Und das Silbergelatinepapier macht die Photos besonders schön. http://m.eu2011.hu/de/beruhmte-ungarische-fotografen

0 HajomitMajo 15.11.2011, 18:07 Uhr

Dear Don, ich habe eben den...

Dear Don, ich habe eben den Text des Herrn Maye gelesen. Ich finde, Sie hätten dem Herrn noch ganz anders einschenken sollen. Wie wäre es mit einer Fortsetzung bei den Rebellen oder der Blogbar? Dann ohne Blatt vorm Mund?

Aber ja, der Lithograf alias...

Aber ja, der Lithograf alias Druckvorlagenersteller alias Mediengestalter will sehr wohl wissen, auf was gedruckt werden soll. . TZ, Fachmagazin, Kunstmagazin, Verpackungen, alle Medien haben bverschiedene Papiere, saugfähig oder nicht, Satinierungen oder nicht und typische Rastervorgaben. Das ist sehr relevant bereits beim Anlegen der Daten (Raster, Farben, Farbsättigung, etc. ). Farbprofile, FOGRA, alles muss beachtet werden. Das fragt der unsereinen ab. Sollte ich das nicht wissen, darf der mich wegschicken, denn dann bin ich eine Null vor dem Herrn und habe meine Hausaufgaben nicht gemacht. . Wenn ich "Pech" habe, muss ich ohne den Lithografen dden technischen Part alles selber erledigen. Ein intensiver Dialog mit der Druckerei udn das richtige Farbprofil bereits vor Anlegen der Daten ist hoch relevant (Auftragsklärung) und erspart Ärger nach Druckauslieferung. Druckaufsicht ist oft ratsam. . Drucker sind etwas hartleibiger als Lithografen. Beichten? Die? :-) . Bis man erstere zum Beichten bringt, muss ordentlich was passiert sein. Der Grafik-Profi sieht aber auch so, ob die Elenden im Fortdruck beim Magenta oder beim Schwarz gespart haben. Proof oder besser der Andruck sind die Beweise dafür. Am besten ist, sich beim Fortdruck an die Maschine zu stellen. Leider zahlen manche Aufttraggeber den zusätzlichen Zeitaufwand ungern, da sie den Sinn nicht einsehen, wenn man es ihnen mit dezenten Worten erklärt. Das zum Punkt Qualitätssicherung. Ich kann doch nicht sagen, du, die Drucker sind möglicherweise sonst voll am Besch+++en. :-) Wäre auch unfair, denn längst nicht alle Drucker sind so, sondern fair und qualitätsbewusst.

Vroni, ehrlich? Die paar mal,...

Vroni, ehrlich? Die paar mal, die ich das als Begleiter beobachten durfte, war nix, nix, nix. Komische Welt.

0 Oliver-August Lützenich 15.11.2011, 19:15 Uhr

Verdammt gute Antwort Don...

Verdammt gute Antwort Don Alphonso, ich ziehe den Hut, Sie haben mir wieder deutlich gemacht, das der Balken in mir längst noch nicht ganz abgefallen ist. Habe heute einen Spruch aufgeschnappt: "Heilige haben eine Vergangenheit, Sünder haben eine Zukunft." Also, auf die Sünde!

Lieber Filou, leider ganz...

Lieber Filou, leider ganz ehrlich, weiß auch nicht. Vielleicht gibt man sich gegenüber Herren betont lässig und erwähnt gar nixen und gegenüber Damen ist man ehrpusseliger. Und lässt es mit seinen Technikausführungen so richtig krachen. Ist aber nur ein unzulässiger tendenziöser Gender-Erklärungsversuch. Ein anderer kann sein: Es waren Kuomintang-Schnelldruckereien für AntiFa-Faltblätter ^^, die nehmen es nicht ganz so genau mit jedem einzelnen Rasta. . Schwarz, ein wichtiges Thema für den Fotografen: Brillant-Schwarz darf aber drucktechnisch tatsächlich irgendwann aufhören, muss. Man kann nicht 100% Y + 100% M +100% C auf 100% K (Schwarz) aufeinander drucken, nur weil man ein perfektes Goth oder Emo-Fotoheft will. Das wären insgesamt 400% Farbsättigung, madonna mia. Bei max. 340% ist Schluss, meist schon nach 240%. Das muss man auch als Foto-Amateur spätestens bei der Bildbearbeitung berücksichtigen, wenn man seine subtilen Neger-im Tunnel-Fotos gedruckt haben will. . Das perfekte Schwarz gibt es eh nur auf dem S/W-Film, komplett dicht. Und von Beuys. Sein berühmtes Ofenrohr-Loch, das schwärzeste Schwarz, undruckbar. Joseph Beuys konnte übrigens perfekt zeichnen. Habe einer guten Freundin ein Bildband geschenkt seiner frühen Zeichnungen, Hammer. . Von ihm stammt der Ausspruch mit: jeder sei ein Künstler. Der wurde allerdings oft mistverstanden. Er meinte nicht, dass jeder Stümper, egal was er macht, zum Genius gekürt werden wird, sondern dass die Haltung zum Objekt einen Menschen zum Künstler macht. Beispielsweise wie respekt- und hingebungsvoll jemand Kartoffeln schält. Das kann Kunst sein. Die Digi-Knipser, die respektlos und Random auf Parties auf alles draufhalten, was besoffen und grün aussehend durch die Gegend torkelt, haben diese Haltung eher nicht.

Liebe Vroni, den Beuys hatten...

Liebe Vroni, den Beuys hatten viele meiner Bekannten missverstanden. Da ich ein flottschnauziger Ignorant bin, kam es am Ende noch nicht mal mehr zu solennen Besaeufnissen. . Ich schaetze nach laengerem Nachdenken, dass die Schweigsamkeit eher etwas mit der grausamen Konkurrenzsituation der Druckerswelt in unserer Gegend zu tun hat; der groesste Arbeitgeber der Stadt, einer der groessten Verlage von NL, sourcte die Leute aus, natuerlich auch die Drucker und Lithografen. Jeder machte seine eigene Butze auf und musste dann mal gucken. Das ganze grafische Gewerbe, sogar ein prima Fachlabor mit 1A-Cibachromeverarbeitung, stuerzte ein. Die Texter machten eigene Agenturen auf und fingen an zu saufen vor lauter Langeweile. Die Saubaeren aber, die schafften die Kurve. Man brauchte nur deren Namen zu nennen und konnte mit Wutanfaellen rechnen. Es war nicht meine Welt. Ich geriet zufaellig dort rein-und war sofort wieder weg. . Nochmal Beuys: Ich bin bloed, ich kapiere ihn nicht. Hab' mal eine gediegene Kunstdame (Akademie) dazu befragt. Danach wollte ich ihn nicht mehr begreifen. Aber diese Dame fand an Picasso nur den Frauenverbrauch am interessantesten. Und ich Naivling stand mal vor Wesselmanns 'Graet American Nude #Wasweissich' den begriff ich auch erst 10 Jahre spaeter. Bin halt ein zartes Bluemchen und mag barocke Schaeferspiele. Womit ich wieder bei Venezia Froescher waere. Licht aus, Orchester an!

Hach, O-81 und Kodalith. Und...

Hach, O-81 und Kodalith. Und dieser Geruch von Eisessig und Gitane. Und dann noch das rote Pufflicht. Goldische Juchent!

Lieber Filou, der Beuys ist...

Lieber Filou, der Beuys ist auch nicht zu kapieren. Er ist im Grunde ein Schamane. . Seltsam, die Schweigsamkeit. Nachhaltig ist das nicht. Aber zu Druckern habe ich eh ein zwiegespaltenes Verhältnis. Als ich Student war und in einer Druckerei arbeitete, standen die Herren Drucker auf ihren 4- bis 6-Farb-Rolands. Wenn der Manager vorbei eilte, nahmen sie einen Schluck aus ihrer Bier-Pulle und rülpsten ostentativ im Chor. Heute geht sowas wohl nicht mehr. An ihren Spinden klebten Nackte und den Lehrling nannten sie "halber Hahn". Wie sie mich nannten, wollte ich lieber vorsichtshalber nicht wissen. Einem von ihnen habe ich mal eine geschallert, was mir den Ruf einer gewissen Bodenständigkeit einbrachte.

0 Uwe Borchert 16.11.2011, 00:26 Uhr

Fotografieren ist manchmal...

Fotografieren ist manchmal einfacher als Zeichnen. Manchmal geht mir Zeichnen aber einfacher von der Hand. Mal benutze ich alte Silberfotografie, mal digitale Kompaktkameras. Für jeden Zweck das passende Werkzeug. Werkzeug ist für mich eine Kamera, Zeichenstifte, eine Maus oder ein Zeichentablett. Für mich zählt das Ergebnis, der Weg dahin ist am Ende doch egal, er muss nur erfolgreich beschritten werden. Ich kann und will diese ganzen Glaubenskriege daher absolut nicht verstehen. @Filou: Und ich kann auch absolut nicht Farbklecksen, was andere als Malen hochstilisieren und aufwerten versuchen. @Don Alphonso: Besonders krasse Fälle sind das belanglose Stockfotos mit Schnepfen in Kleidchen mit (freien) Stockgrafik-Mustern. Das war auf der Welt Online und das Muster war IIRC "european flowers" von keepondesigning. Das wirkt dann auf mich besonders platt, da man ja die üblichen Verdächtigen so kennt. Ich schüttle da nur jedes Mal den Kopf. Ansonsten kann man bei vielen Zeitungen durch schlammpige Programmierung an die von der Agentur bezogenen Originale ran kommen und die EXIF-Daten auslesen. Das ist manchmal sehr erhellend. Auch hier hat die Welt Online zuerst die Fotografen von den Occupy Wallstreet Aktionen nicht erwähnt, ich habe diese aus den EXIF-Daten ausgelesen und dann im Kommentarbereich gepostet. Erst in der Druckversion wurden dann die Namen auch genannt.

0 Veil of ignorance 16.11.2011, 04:50 Uhr

Der "Professionelle" braucht...

Der "Professionelle" braucht immer möglichst schwierige und aufwändige Verfahren, um seine Kunst herzustellen. Diese wird dann mit einer codifizierten Sprache beurteilt und typologisiert, um den Amateur vom Diskurs auszuschließen. Ansonsten kommen des Königs neue Kleider nicht zur Geltung.

Wer nach so vielen...

Wer nach so vielen interessanten und lehrreichen Texten Lust auf den Besuch einer Photo-Ausstellung bekommt, um nun mit neuem Blick zu staunen; hier ist ein Link für Ausstellungen.... bestimmt auch in Ihrer Nähe. http://www.photography-now.com/ausstellungen_index.php?land=D&image=all

0 Der Tiger 16.11.2011, 09:46 Uhr

@Veil of ignorance - ‘Diese...

@Veil of ignorance - ‘Diese wird dann mit einer codifizierten Sprache beurteilt und typologisiert, um den Amateur vom Diskurs auszuschließen’. Ich bin ein absoluter Amateur, aber deswegen würde ich mich nicht vom Diskurs ausschließen lassen. Wie ich bereits in irgendeinem zurückliegenden Blog erwähnte, besitze ich keine Kamera. Um Bilder zu machen, gehe ich in den Photoshop meines Macs. Aber vom Ergebnis verstehe ich schon was. In meiner Küche hängt ein Porschekalender, über den ich mich ein Jahr lang mokiert habe. Die Fotos sind so schlecht, dass ich mich nie anregen würden, einen Porsche zu kaufen. Im Jahr davor und nächstes Jahr, werde ich in der Küche wieder Ferrari fahren. Die Italiener haben halt mehr Sinn für eine schicke Darstellung eines schicken Autos.

@ Veil of ignorance: Da ist...

@ Veil of ignorance: Da ist was Wahres dran, aber am Ende zählt doch nur das Bild. Gutes Handwerk war und ist letztendlich eine unverzichtbare Grundlage. Man kann zwar mit modernen Farben schnell ein Gemälde herstellen - aber damit es beispielsweise nicht recht bald von der Leinwand rieselt, muß man schon wissen, was man tun oder besser lassen sollte. (Der restauratorische Aufwand zur Erhaltung der Bilder von z.B. Yves Klein ist schon heute (!) enorm). Will man bestimmte Effekte erziehlen, kommt man um aufwendige (und anspruchsvolle) Maltechnik sowieso nicht herum. Das gleiche gilt auch für digital erstellte Bilder, moderne Automatiken machen zwar erstaunlich gute Aufnahmen, aber um die digitale Technik wirklich auszureizen, muß man sehr umfangreiches Wissen besitzen. Genau genommen ist das technologische Wissen, das für hervorragende digitale Bilder erforderlich ist, wahrscheinlich sogar umfangreicher, als daß, das für klassische analoge Photographie erforderlich ist. (Und der finanzielle Aufwand ist auch nicht ohne, zumindest, wenn man einen guten und haltbaren Print möchte.) Nur der Anfang ist leicht!

0 donalphonso 16.11.2011, 11:02 Uhr

Uwe Borchert, ich will...

Uwe Borchert, ich will übrigens gar nicht bestreiten, dass es Licht und Farben gibt, bei denen jede Kamera scheitert - manchmal braucht man einen Maler. Ich schätze die Kunst nicht im Mindesten klain, alle Gemälde da oben befinden sich in meinem Besitz, und ich bin sehr offen, auch wenn die Künstler es vielleicht nicht waren. . Welt Online, das ist richtig, neigt im besonderen Masse zu solchen Mitteln, aber generell ist dieses Verhalten weit verbreitet, gerade online wegen des Kostendrucks und weil es schnell gehen muss. Gerade deshalb ist diese Kritik ja auch so windig: man rümpft die Nase und greift zu.

Vor einer halben Stunde...

Vor einer halben Stunde oeffnete ich Adobe-Photoshop um ein Bild zu erzeugen. Bis jetzt ist noch nichts passiert-kein Bild, nichts, nirgends. машина капyт? Oder geht das nicht unter Windows?

Die Frage ist wenn man so...

Die Frage ist wenn man so will, ob die durchschnittliche Qualität aller Bilder - ein sicher zweifelhaftes Kriterium - durch den leichten Zugang zu guter Technologie eher ab- oder zugenommen hat. Die Bilder, die wir heute sammeln, haben sich über die Zeiten wahrscheinlich ob ihrer Qualität, vielleicht aber auch nur durch Zufall erhalten, vieles ist verschwunden. Ich neige zu der Ansicht, daß das Mittelfeld breiter geworden ist, Spitzenleistungen aber eher rarer, was allerdings durchaus ein Irrtum sein kann, ich weiß nicht. Der weit verbreitete Trash wird zwar untergehen, aber inwieweit er das allgemeine Qualitätsbewußtsein trotzdem langfristig beeinflußt, ist natürlich eine andere Frage. Letztendich ist die schiere Masse der Bilder - unabhängig von ihrer Qualität - das eigentliche Problem.

0 donalphonso 16.11.2011, 16:37 Uhr

Ich sehe gerade den Link von...

Ich sehe gerade den Link von Aphog: Bitte, der Beitrag richtet sich nicht gegen Filmrollen und Belichtungsmesser (Ich selbst nehme immer noch gern meine russoschen Leica-Nachbauten). sondern nimmt Stellung für eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit neuen Entwicklungen. Der Umstand, dass ich Feininger zitiere, zeigt hoffentlich, dass ich beide Welten kennen. Alles ganz locker hier.

0 Foersterliesel 17.11.2011, 08:01 Uhr

Nachdem ich mich erfolgreich...

Nachdem ich mich erfolgreich zu Karenina durchgeklickt habe: wenn man keine große Schwester hat, die einen in die Geheimnisse und tricks des tatsächlich vertrackten Lidstrichs einführt, ist Karenina doch eine wunderbare Hilfe! Danke Reni! Shame on neidische old men! Ein m.M. besonderes, zartes, blog aus dieser Altersgruppe http://fraeuleinzucker.blogspot.com/

0 Foersterliesel 17.11.2011, 08:10 Uhr

Kareninas eyeliner-tutorial...

Kareninas eyeliner-tutorial ist prima, ersetzt eine große Schwester, die in den üblichen Kleinfamilien schließlich nicht jede hat! Und an der Poesie der Lippenstiftfarben (lune russe, rouge hardi, rouge tailleur) hatten wir auch viel Spaß. Thänx Reni! Shame on neidische old men! Ein zartes, liebenswertes blog aus dieser Altersgruppe: http://fraeuleinzucker.blogspot.com/

0 Uwe Borchert 17.11.2011, 08:25 Uhr

@Don Alphonso: . Ich halte...

@Don Alphonso: . Ich halte nichts davon einfach nur ein Bildchen einzubauen, nur damit man ein Bildchen eingebaut hat. Entweder das Bild passt zum Inhalt oder man lässt es bleiben. Spannungslose Dekokacke ist so ziemlich das Letzte, wenn es um Berichterstattung geht. Es zählen für mich nur die Nutzinformationen und wie diese sauber rüber gebracht werden. Jeder sollte da ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Umwelt das passende Werkzeug auswählen. . Und noch ein kleiner Hinweis: Farbklecksen ist nicht mit Malen gleich zu setzen. Farbklecksen ist das Auskotzen seines kleinen, jämmerlichen Seelenlebens auf Leinwand o. Ä. und dann der Umgebung auf das Erbrochene zeigen und sich zum Künstler ernennen wollen. Kunst kommt aber von Künden. Wer nix zu verkünden hat, nix darstellen kann, soll einfach nur das tun was er am besten kann: Nix! . Kunst ist für mich nur ein Werkzeug zur Informationsübertragung, (idR eine unidirektionale) Kommunikation, mehr nicht. Entweder sie funktioniert oder sie ist hyperliquide (überflüssig). So, genug getrollt für heute. ;-)

0 Paulchen P 17.11.2011, 08:36 Uhr

Wer ist Aphog? Welcher Link?...

Wer ist Aphog? Welcher Link?

Waere es moeglich, das...

Waere es moeglich, das Surrealistische der letzten Kommentare durch noch mehr surrealistische Kommentare staerker hevorzuheben? Dann naemlich ist erreicht, was die Fotografie nie schaffte: WIR-SIND-KUNST-GEWORDEN.

0 donalphonso 17.11.2011, 09:50 Uhr

Die...

Die hier: . http://www.aphog.de/

0 Der Tiger 17.11.2011, 10:27 Uhr

@Filou – was mich betrifft,...

@Filou – was mich betrifft, ich bin nicht Kunst. Viele würden wollen, es wäre so, aber ich bin harte Realität.

0 Foersterliesel 17.11.2011, 10:42 Uhr

lieber Filou, vielleicht sind...

lieber Filou, vielleicht sind die lustigen Lomographen was für Sie? http://de.wikipedia.org/wiki/Lomografie

Lieber Uwe Borchert, nicht nur...

Lieber Uwe Borchert, nicht nur von künden. Kunst kann ebenso oft (vielleicht sogar noch öfter) eher rätselhaft sein. Kunst will, dass man sich mit ihren Botschaften beschäftigt, sie provoziert zu Reaktionen. Sie ist oft ambivalent, auf verschiedenen Ebenen lesbar, selten eindeutige Verkünderin. Wenn sie eher eindeutig verkündet, wird sie eher zum Kommunikationsdesign. . Definitionen von Kunst gibt es viele, wie es Sichtweisen und Ebenen von Kunst gibt. Ich selbst lasse sie mittlerweile einfach gelassen zu. Dann muss ich mich auch nicht gegenüber Leuten definieren, die ehern behaupten, Kunst käme von Können (das wäre eine unzulässige Zurückstufung zu reinem Handwerk) und Miro wäre a Gschmier, El Greco super aber Goya ein Verrückter (Begräbnis de Sardine: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Francisco_de_Goya_y_Lucientes_005.jpg&filetimestamp=20070818235310 ) . Kunst ist schon auch ein gut Stück Schamanismus, sie entzieht sich oft jeder Definition.

@Der Tiger, keine Frage, Sie...

@Der Tiger, keine Frage, Sie sind Kunst. Das Geschoepf ist unschuldig, weil es nicht weiss was der Schoepfer wollte. . @Foersterliesel, haha Lomos! Eigentlich ist das kunstgewordene Ironie, obwohl das garnicht moeglich sein duerfte, denn Kunst ist ironiefern, ernst und humorfest. Ich hab' zwei Bilder eines unbedeutenden Malers an den den Waenden haengen. Als der Malersmann mich fragte, was ich daran so schaetze und ich ihm antwortete: 'robuste rheinische Heiterkeit', war er furchtbar beleidigt und trank den Rest des Abends nur noch Mineralwasser. Das war nicht typisch fuer ihn, denn in seiner Kueche haben Flaschen den Vorrang vor Raviolidosen.

Humorfest? Vielleicht eine...

Humorfest? Vielleicht eine Ausnahme: Ives Klein. Irgendwer erzaehlte mir von dessen letzter Stunde, die er im Freundeskreis verbrachte. Es soll urkomisch gewesen sein. Man habe viel gelacht. Ob die Geschichte stimmt, weiss ich nicht. Ein Mythos vielleicht, wie der von Oscar Wilde, der, als er das letzte mal die Augen oeffnete, angesichts der Tapete in seinem Zimmer gesagt haben soll: "Einer von uns Beiden muss gehen". . Dann ist natuerlich die Frage, ob Max Ernsts Bild 'Maria verpruegelt das Jesuskind' lustig gemeint war. . Ich sollte, das muss ich doch mal beherzigen, nicht immer so schrecklich verallgemeinern. Wenn ich nachher von des Tages Fron zurueck bin werde ich eventuell die Reproduktin des Bildes 'Das Ehepaar Adamec wartet auf den Weihnachtsbus' posten. Das finde ich auch lustig.

0 Der Tiger 17.11.2011, 12:10 Uhr

Sehr geehrter Filou! Sie...

Sehr geehrter Filou! Sie wissen vielleicht nicht, was Ihr Schöpfer wollte. Ich aber habe mir den Tiger selbst ausgedacht. Was allerdings auch bedeutet, dass ich für alles, was ich tue und schreibe, selbst verantwortlich bin und es nicht auf irgendwelche höheren Kräfte schieben kann. Mit freundlichen Grüssen Dr. Lisbeth Heuse

0 KarolaKettenhemd 17.11.2011, 12:11 Uhr

@ filou 12:15: ich ahnte es,...

@ filou 12:15: ich ahnte es, daß Sie sich gerne porträtieren lassen, und es ist auch bekannt, daß besonders die Calvados-Flasche nicht immer in Reichweite ist. Fragt sich jetzt nur, was den armen Malersmann mehr deprimiert hat. . Zum Log darf ich bitte ein Kompliment loslassen: eine Sammlung von Beiträgen, die sehr korrekt und vergleichsweise nüchtern (!) die Problematik der Fotografie an sich beschreibt, auch was die Zusammenarbeit mit Lithographen und Druckern angeht (danke, Vroni!). Eigentlich ist alles gesagt, ganz erstaunlich. . Auch die gewachsene Oberflächlichkeit von Auftraggebern wird deutlich, aber das Problem ist eigentlich seit Diogenes bekannt. . Ich nehme mir die Freiheit heraus, vom Ergebnis her nicht zwischen Analog und Digital zu unterscheiden. Auch wenn heute mehr Leute zu günstigeren Preisen photographieren können, sind die Ergebnisse wie früher: Einige gute, überlegte Aufnahmen, viel Mittelmaß und noch mehr Schrott (wenn man es von oben herab sieht), ganz viel flüchtige Erinnerung, bei der Qualität keine Bedeutung hat, viel Mittelmaß, bei der aus unpassenden Momenten wegen der weiterentwickelten Technik noch ein bißchen mehr herausgeholt wurde und einige Überstrahler, bei der man nicht erkennt, daß da auch die Technik ein Scherflein beigetragen haben muß (wenn man es vom unteren Ende der Skala her betrachtet). . An der Bliderflut sind m.E. nicht die unfähigen Photographen 'schuld', sondern es ist die allgemeine Verfügbarkeit, auf die man sich einlässt. Gottseidank gibt es im Kopf eines jedes Recipienten einen Filter, den man nach Belieben einstellen kann. Das hilft wie auch bei merkwürdigen Fernsehprogrammen. . Entscheidend ist doch nur, ob man sich von einem Bild berühren lässt oder nicht. Ob das nun Kunscht ist oder nur solides Handwerk oder nur ein Zufallsglückstreffer, kann da völlig egal sein. . Für die beiden ersteren ist es schon entscheidend, wer Regie geführt hat (der Zufall oder eben doch der Erzeuger). . Könnte man noch viel dazu sagen, aber: siehe zweiter Absatz.

0 Foersterliesel 17.11.2011, 13:14 Uhr

lieber Filou, Beuys kleine...

lieber Filou, Beuys kleine fragile Aquarelle http://www.froelichundkaufmann.de/KunstNach45/Joseph-Beuys-Fruehe-Aquarelle.html und seine performance http://de.wikipedia.org/wiki/I_like_America_and_America_likes_Me könnten Ihnen vielleicht auch gefallen

Verehrte Doktor Heuse, wollen...

Verehrte Doktor Heuse, wollen Sie mir unterstellen, das jenes hoehere Wesen welches wir verehren und Gott nennen, mir die Feder fuehrt? . (Nun ja, Dionysos vielleicht, obwohl dessen Mutter eine gewisse Demeter war, deren Mutter Weleda hiess und es mit einem gewissen Priapus trieb. Fuer seine Familie kann man nichts.)

Liebe Foersterliesel, danke...

Liebe Foersterliesel, danke fuer den Link. Ich habe mich oft genug in der Gebrueder van der Grinten Schloss Moyland umgesehen. Trostlose Erkenntnis: Ich bleibe ein Banause.

0 Foersterliesel 17.11.2011, 17:14 Uhr

liebe Der Tiger, die...

liebe Der Tiger, die Konstruktion mit "Der Tiger" und "Madame" gefällt mir, und auch daß Sie zu Weihnachten selbstgeschriebene Bücher verschenken und den Druck so umsichtig planen.

0 Foersterliesel 17.11.2011, 17:34 Uhr

lieber Filou, auf...

lieber Filou, auf Demeter-Höfen werden den Kühen die Hörner nicht abgesägt, die Bienen müssen nicht Akkord arbeiten und und mit Weleda-Cremes und Ölen für rauhe Hände, rote Nasen und kalte Füße kommen Sie gut durch den Winter!

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.