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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
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Invasion der Erklärbären

11.12.2011, 14:46 Uhr  ·  Der digitalen Gesellschaft fehlt es nicht an Vorturnern und Lobbyisten – sondern an überzeugenden Ideen, wie wir künftig leben wollen.

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Der digitalen Gesellschaft fehlt es nicht an Vorturnern und Lobbyisten – sondern an überzeugenden Ideen, wie wir künftig leben wollen.

Stellen Sie sich vor, Sie stießen irgendwo im Internet über folgende Bekanntmachung:

Die Elektrifizierung schreitet voran, nicht nur Zahnbürsten, sondern auch Autos und sogar Fahrräder werden zunehmend mit Strom betrieben, und diese Prozesse verändern unsere Gesellschaft fundamental. Diese Dynamik erfordert auch politische Veränderungen – und die Initiative E 793 hat sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung aktiv, konstruktiv und kreativ mitzugestalten- E 793 versteht sich als progressiver Think Tank, der über das reine Nachdenken hinaus auch politische Veränderungen erreichen will.(…) E 793 will auf diesem Wege zu einem Zentrum des elektrischen Fortschritts werden.

Da käme der eine oder andere geneigte Leser womöglich in Versuchung, sich an die Stirn zu tippen und zu denken „tock, tock, tock”. Aber dann ersetzt man E 793 durch D 64 und das Wortfeld „Elektrifizierung” einfach durch „Digitalisierung”, und schon stößt das Pathos dieser Absichtserklärung gleich viel weniger seltsam auf. Die Digitalisierung der Gesellschaft, ja, das ist natürlich ein Fernziel, das den Schweiß der Edlen lohnt. Dafür kann dieser neugegründete Digitalisten-Zirkel D 64 gar nicht genug verschiedene „Formate entwickeln”, die sowohl On- als auch Offline-Aktivitäten umfassen. Der Verein, zu dessen Gründern Mario Sixtus (Elektrischer Reporter), Heiko Hebig vom Spiegel Verlag und der Werbeexperte Nico Lumma gehören, versteht sich als SPD-nahe netzpolitische Beratungsinstanz. Mit im Boot sind aber nicht nur Aktivisten, sondern Wirtschaftsvertreter wie Sprecher von Google und Facebook sowie der Targeting-Experte Stephan Noller vom Werbedienstleister nugg.ad. Mitgründer Stephan Noller. “Wir wollen die Öffentlichkeit für digitale Themen interessieren und dabei weniger elitär sein als beispielsweise die Piraten”, ließ sich Noller gegenüber zeit online vernehmen.

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Moment mal, die Öffentlichkeit für digitale Themen interessieren? Hatte sich das nicht vor einigen Monaten schon ein anderer Verein auf die Fahnen geschrieben? Da gab es doch die „Digitale Gesellschaft e.V” aus dem Umfeld des netzpolitik.org-Machers Markus Beckedahl. Wir erinnern uns: Beckedahl wollte mit seinem Lobbyverein nach eigenem Bekunden die Interessen der Internet-Nutzer effektiver als bisher in den netzpolitischen Debatten einbringen und eine „kampagnenorientierte Initiative für eine bürgerrechts- und verbraucherfreundliche Netzpolitik” ins Leben rufen.

Mit durchschlagenden Kampagnenideen ist Beckedahls NGO-Neugründung bisher jedenfalls nicht aufgefallen. Und wenn man in diesen Dezembertagen die Berichte zum Stand der Digitalisierung in Deutschland liest und hört, dominieren eindeutig die Moll-Tonarten. „Im Internet ist Deutschland nur Mittelmaß”, klagte etwa der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt. Anlass zu dieser verhaltenen Zwischenbilanz lieferte die Anfang Dezember auf dem Münchner IT-Gipfel vorgestellte dritte Ausgabe der Studie „Die digitale Gesellschaft in Deutschland – Sechs Nutzertypen im Vergleich”. Nach wie vor könnten erst 38 Prozent der deutschen Bevölkerung als „Digital Souveräne” bezeichnet werden, heißt es da. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Mehrheit der Bevölkerung (62 Prozent) nach wie vor nicht Teil der digitalen Gesellschaft sei – und angesichts der marginalen Verschiebungen unter den Nutzertypen im Vergleich zum Vorjahr können die Forscher von TNS Infratest keinen anderen Schluss ziehen als dass die digitale Gesellschaft stagniere.

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Das klingt natürlich höchst unerfreulich – solange man nicht anfängt, darüber nachzudenken, was genau diese ominöse digitale Gesellschaft eigentlich sein (oder genauer gesagt: werden) soll. Reicht es dazu aus, dass wir alle bei Facebook gelistet sind und unseren Giralverkehr nur noch per Onlinebanking abwickeln? Oder welche weitergehenden Voraussetzungen sind daran geknüpft? Um nochmal auf das eingangs konstruierte Analogon mit der Elektrifizierung zurückzukommen: So ziemlich jeder in unserer Gesellschaft, der nicht gerade obdachlos oder sonstwie verhindert ist, nutzt elektrischen Strom – und dennoch käme man nicht auf die Idee, unser Gemeinwesen mit dem Schlagwort der „Elektrischen Gesellschaft” zu bezeichnen.

Nun arbeiten bei D 64 laut Selbstdarstellung Menschen daran, mit den Möglichkeiten und Herausforderungen des Internets die Gesellschaft zu transformieren und Deutschland für die digitale Demokratie vorzubereiten. Wieder so ein tolles Schlagwort, bei dem man sich fragen muss, was uns damit verkauft werden soll: Reichen dazu schon Wahlcomputer und noch ein paar twitternde Hinterbänkler, oder was soll eine digitale Demokratie eigentlich sein?

Ansatzweise lässt sich bei der SPD programmatisch schon etwas erahnen. In einem Leitantrag, der auf dem Parteitag am 5. Dezember beschlossen wurde, heißt es in der Kurzfassung wörtlich: Die SPD will die sozialdemokratischen Grundwerte Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität auch in der „digitalen Gesellschaft” verankern. Ohne gleiche Zugänge für alle, ohne gleiche Informationsmöglichkeiten, ohne die materiellen und technischen Voraussetzungen, ohne chancengleiche Bildung wird das Internet ein soziales Medium der Wenigen und nicht der Vielen sein. Die SPD will daher einen Hochgeschwindigkeitszugang für alle und Netzneutralität, also die grundsätzliche Gleichbehandlung aller Datenpakete unabhängig von Inhalt, Dienst, Anwendung, Herkunft oder Ziel. Der Zugang zum Internet ist für uns ein demokratisches Bürgerrecht, deshalb wollen wir kurzfristig für flächendeckende Grundversorgung sorgen. (…) Das klingt alles schön und gut, ebenso die Absichtserklärung, die sozialen Sicherungssysteme auf bereits bestehenden und wachsenden Arbeitswelten im digitalen Raum auszudehnen und sich für gerechte Bezahlung und fairen Lohn für kreatives Schaffen einzusetzen und dergleichen mehr.

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Aber was nun die digitale Gesellschaft konstituieren soll, außer dass dann noch mehr Menschen öfters ins Internet gehen, geht aus den ganzen schönen Sonntagsreden irgendwie nicht so recht hervor. So ähnlich lief das auch schon in der Debatte um Google-Streetview, als die Gegner des Verpixelung von Hausfassaden das Stichwort der „digitalen Öffentlichkeit” ins Spiel brachten – aber nicht so recht darzulegen vermochten, was genau das eigentlich sein sollte. Da verstieg sich der Netzaktivist Jens Best zu der Forderung: „Das ‚Verstehenkönnen‘ von Informationsarchitektur und das grundlegende Handwerk der Datenverknüpfung durch Programmierung, das Erstellen und Lesen von Geodaten-Mashups sind notwendige Fähigkeiten für den digitalen Bürger.” Aha. Wenn das in Digitalien tatsächlich Pflichtprogramm werden sollte, muss man sich nicht wundern, wenn so viele Bürger lieber in Analogopolis/ Outloggistan bleiben. Die naheliegendere und entscheidendere Schlüsselqualifikation für die digitale Gesellschaft liegt wohl eher darin, Browserzeile und Suchmaschineneingabefeld unterscheiden zu können. Solange es daran hapert, brauchen wir über Geodaten-Mashups als Bürgerpflicht gar nicht zu reden.

 

 

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (54)
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Marco, Chapeau! Mir wird auch...

Marco, Chapeau! Mir wird auch ganz übel bei diesem zwanghaften Digitalisierungswahn. Die Ableitung aus der Elektrifizierung rührt wohl her aus der zunehmenden Menge an Strom aus Erneuerbaren Energien - wird ja auch von allen mitgetragen -, so daß man hier die Digitalisierung als zwangsläufige flächendeckende Maßnahme und Absichtserklärung ansieht. Daß eine Partei auf diesen Zug aufspringt, verwundert nicht, ist es nicht mehr als ein wiedermal Anbiedern bei der Generation Online/Facebook. "Gefällt mir" nicht. So bin ich auch froh, was der Netzökonom recherchiert hat. Weiter so, Deutschland. Wir haben eine andere Dichte als Schweden und Norwegen, wo man schon mal 30Km zur nächsten Tanke oder Kiosk fahren muß. Hier habe ich alles! vor der Tür. Vor nicht allzu langer Zeit mußte man sich noch rechtfertigen, wenn man kein Harry Potter las. Die offenbar nichtlesende Pisa-Jugend sollte durch ihn und seine Geschichten genesen, Erwachsene gleich mit. Wir alle sollten mehr lesen, in Büchern, so ging die Kunde. Biblotheken und Zeitungen sollen auch weiterlaufen. Arbeiten irgendwie - ohne Moorhühner - und schlafen sollte und muß für viele sein, sportlicher Ausgleich oder was immer - ohne Netz. Ist dieses vermeintlich hehre Ziel der Komplettdigitalisierung schon durch ein smartphone erreicht, das man einfach nicht mehr ausschaltet? Nun, dann sind diese Netzlobbyisten auf der Erfolgsspur. Weihnachten tut ein übriges. Oder sollen alle nur noch Gutscheine bei Groupon lösen und damit die Einlöser in den Ruin treiben, um darüber mit Freunden via facabook, wo immer sie sind: wo bist du? , zu diskutieren. Yeah!

0 Grand Guignol 11.12.2011, 17:28 Uhr

Überhaupts sollte...

Überhaupts sollte jedermann/jedefrau wissen, dass man/frau noch bei sich ist et à tout moment autour de l'horloge et n'importe où chacun peut être vu en temps réel. À tout prix.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.12.2011, 17:47 Uhr

Nun halte ich das Netz ja auch...

Nun halte ich das Netz ja auch für eine grandiose Sache, das sage ich jedem, der es hören will. Nur wenn es als Projektionsfläche für irgendwelche überkandidelten Vorstellungen herhalten muss oder gar als Allheilmittel für allerlei gesellschaftliche Fehlentwicklungen verkauft wird, bin ich raus. Ebenso bei dem Gejammer, hach, der Technologie-Standort Deutschland liege bald in Schutt und Asche Gefahr, weil nicht gleich die ganze Bevölkerung sich drum reißt, mit Ring durch die Nase als Klickvieh bei Facebook rumzugrasen und nicht jede Mittelstands-Unternehmung sich gleich eine Social-Media-Stabsstelle leistet. . Wobei meiner Meinung nach tatsächlich mehr dafür getan werden sollte, das Internet auch für die abgehängten Bevölkerungsgruppen besser zugänglich zu machen. Das ist gesamtgesellschaftlich die viel wichtigere Aufgabe als die Übertragungsraten bei den eh schon gut versorgten Teilnehmern immer weiter zu steigern, unabhängig von der Frage, ob der tatsächliche Nutzen für den Endanwender damit auch Schritt hält.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.12.2011, 18:39 Uhr

@Grand Guignol: In meinem...

@Grand Guignol: In meinem Klett-Buch der französischen Redewendungen kommt Ihre echtzeitige Sentenz nicht vor. Zum Stichwort "horloge" finde ich da nur einen Beispielssatz "Ich habe meine Uhr nach der Bahnhofsuhr gestellt." ;-)

Solange sich arrivierte...

Solange sich arrivierte deutsche Politiker immer noch mit altertümlichen Forderung nach neuen "Dateien", "vernetzten Dateien" an die Öffentlichkeit wagen, wie jüngst beim Aufarbeitungsversuch der NSU-Affäre, ist Hopfen und Malz verloren. Begriffe aus der Steinzeit der Informationsverarbeitung, warum nicht gleich ein Hollerith-Archiv fordern?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.12.2011, 19:37 Uhr

Konnte mir ähnliche...

Konnte mir ähnliche Gedankengänge auch nicht verkneifen, als jüngst mal wieder eine "Datei" gefordert wurde. Das ist irgendwie so Siebziger, dass vor meinem geistigen Auge Horst Herold erschien, der geistige Vater der Rasterfahndung mit seiner klobigen Hornbrille auf der Nase. . Im alten Mesopotamien hätte es geheißen: Wir brauchen ein Tontäfelchen-Verzeichnis...

0 Oliver-August Lützenich 11.12.2011, 19:58 Uhr

@Marco Settembrini di Novetre,...

@Marco Settembrini di Novetre, 18:47: Stark! Hoffentlich lesen das auch die überkandidelten Wichtigtuers, die im digitalen Suppenteller schwimmen und vor lauter Be-Deutungsschwere ständig wild paddeln und schaffen es danach auch einmal über den Tellerrand hinauszublicken, um die Umstände zu bemerken, die verhindern, dass das WWW noch nicht souveräner Standard in der Gesellschaft ist, aber das ist ja noch nicht mal das Lesen und Schreiben, also Kultur-TECHNIKen, die weitaus älter sind. Ich empfehle den Nerds, Freaks, Politikern, Unkern, Stänkerern und Ignoranten, neben Ihren Zeilen @Marco, ebenfalls ganz aktuell, den Aufruf von Nils Minkmar, in der heutigen FaS, auf Seite 29, mit dem Titel: "Stellt endlich die Systemfrage!". Ja, das sollte Mensch eigentlich in jeder Generation tun. Mal alles, was so läuft überprüfen. Die Frage ist nur: An was, oder mit was? Daran hapert es vielleicht noch. Danke, für Ihre Anregungen und Aufregungen!

0 Grand Guignol 11.12.2011, 20:43 Uhr

Marco Settembrini di Novetre@:...

Marco Settembrini di Novetre@: Mit der Zeit gehen, neue System-Wege gehn. Ihre Bahnhofsuhr sollte vielleicht mal nachgestellt werden ;-)

"...sich fragen muss, was uns...

"...sich fragen muss, was uns damit verkauft werden soll." Eben. Und nur deshalb sind die Reklamefuzzis in dem Verein. Und, ja, ein für allemal: deren ungutes wie überflüssiges Tun heißt "Reklame". Sagte schon Max Goldt. Und der hat wie immer Recht.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.12.2011, 22:38 Uhr

@jeeves: Obacht, die...

@jeeves: Obacht, die geschätzte Kollegin Teresa Bücker ist auch bei dem D 64-Verein aktiv, und mit dem Attribut Reklametante täte man ihr doch arg Unrecht. Und so lästig das allgegenwärtige Abverkaufs-Animationsprogramm auch sein mag: Die letzten Gesellschaftsformen, in denen Reklame weitestgehend geächtet wurde, waren jetzt auch nicht unbedingt Alternativen, in denen ich lieber leben wollte.
.
@Grand Guignol: Ich meide Bahnhöfe ja, so gut ich kann. Das Problem sind weniger die Uhren, als das ewige Gedränge und Gehaste und Gepäckgewuchte. Kathedralen des Forschrittsglaubens und Taktgeber waren die Bahnhöfe vielleicht mal im 19. Jahrhundert.
.
@Oliver-August Lützenich: Danke für den Anspieltip mit der Systemfrage. Mal gucken, ob ich morgen irgendwo noch einen Remittenden der FAS abgreifen kann. Habe mir in den vergangenen zwei bis drei Jahren übrigens mehr als einmal eingestehen müssen, dass ich die Systemfrage heute eher und intensiver stelle als vor einem Vierteljahrhundert, als ich noch Politik studierte. Damals war trotz aller Kritik im Detail mein Glaube an das Gute im System doch noch ausgeprägter. Und ich bin der Auffassung, dass das Wegfallen der direkten Systemkonkurrenz im Ostblock nicht eben dazu beigetragen hat, die besseren Seiten des Kapitalismus zu stärken.

0 Don Ferrando 12.12.2011, 10:34 Uhr

Marco, Absatz 1 Ihres Postings...

Marco, Absatz 1 Ihres Postings vom 11.12., 18:47 ist ganz meine Meinung. Sehr gut. . Und der letzte Satz vom Eintrag um 23:38 ist leider nur allzu wahr.

0 Tjalf Boris Prößdorf 12.12.2011, 10:42 Uhr

an Marco Settembrini di...

an Marco Settembrini di Novetre - Wundervoller Aufsatz, jedoch ist das Tun der Reklamefuzzis ein Ungutes, und in welcher Gesellschaft wäre es je geächtet gewesen? Hieß vielleicht gelegentlich Propaganda, bevor selbst die Totalitaristen nach angelsächsischem Muster anfingen auch in Kleinigkeiten zu lügen. An die wunderschönen, weil abseitigen Leuchtreklamen der verewigten Sowjetzone erinnere ich mich immer wieder gerne, besonders an ein Riesenschild am Ende der (damals schon nicht mehr) Stalinallee: „RTF: messen - regeln - überwachen“ Vielleicht meinen Sie das, was der von mir bewunderte Professor Lepsius in anderem Zusammenhang sagte: „nicht alles was unanständig ist, ist auch strafbar“? Niemand fordert, die Reklamefuzzis einzusperren. Nur sollten mehr Leute sich die Mühe machen, auf das Unanständige ihres Tuns hinzuweisen. Weihnachten wird unter'm Baum entschieden, und das schöne am Internet ist die verbesserte Metrik des Userverhaltens.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 11:48 Uhr

@Tjalf Boris Prößdorf: Die...

@Tjalf Boris Prößdorf: Die verbesserte Metrik des Userverhaltens im Internet - haha, hören Sie mein hämisches Hohnlachen? Wem nützt die denn, wenn nicht zuvörderst den Reklamefuzzis und etwaigen Überwachern? Ansonsten meinte ich mit Reklame eben nicht Politpropaganda, sondern die Weckung von Bedürfnissen nach Dingen, für die wir Geld ausgeben, das wir nicht haben, um damit Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Ich bin da etwas zwiegespalten, als Endverbraucher ist es mir auch oft "too much", was da so alles an Botschaften auf einen einprasselt - aber als Autor der einschlägigen Fachpresse finde ich es auch immer wieder faszinierend zu sehen, wie Unternehmen heutzutage mit dem alten Henry-Ford-Problem ("Natürlich weiß ich, dass die Hälfte meiner Werbeausgaben rausgeschmissenes Geld ist, es kann mir aber leider keiner sagen, welche Hälfte.") umgehen. . @don ferrando: Mille grazie!

0 Tjalf Boris Prößdorf 12.12.2011, 12:24 Uhr

An Marco Settembrini di...

An Marco Settembrini di Novetre - Horst Herold hat interessanterweise nie zusätzliche Schnüffelei gefordert, sondern daß man endlich die Daten zur Kenntnis nehme und auswerte, die ohnedies bekannt waren. Wie jedes intelligent einfache Konzept damals und auch dreißig Jahre später völlig unkapierbar. So Siebziger halt. Sein (aus meiner Sicht) größter Erfolg entbehrte daher nicht tragikomischer Züge: daß das BKA 3 Adressen nach Köln meldete, an denen der entführte Dr. Schleyer versteckt sein könnte und die dortige Polizei erst post festum einmal nachschauen ging. Volltreffer.

0 Tjalf Boris Prößdorf 12.12.2011, 12:49 Uhr

an Marco Settembrini di...

an Marco Settembrini di Novetre - da können wir gemeinsam Hohnlachen, oder auf neudeutsch: we see eye to eye. Ob „Werbung“ oder „Propaganda“ mag für Moralphilosophen eine spannende Unterscheidung darstellen. Edward Bernays jedenfalls fand es erwähnenswert, daß Dr. Goebbels sein Hauptwerk sowohl im Original als auch in der Übersetzung prominent im Bücherschrank seines Büros stehen hatte, als er Bernays (1934?) empfing. Stichwort Überwachung/Metrik: mal schauen, wie lange es dauert, bis Otto Normalfehsbucker kapiert, daß der Bundestrojaner in erster Linie nicht schlampig programmiert sondern vor allem überflüssig ist? Weil selbst bei erheblichem Absicherungsaufwand die Datenspur, die wir hinterlassen erschreckend breit & deutlich & nachvollziehbar ist? Was halten Sie von der These, die derzeitige Krise der Printwerbung sein auch darauf zurückzuführen, daß die Internetwerbefuzzis die Printwerbefuzzis derzeit mit dem Schlagwort „verbesserte Metrik“ ausstechen können?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 13:08 Uhr

Ja, das Schüttelsieb...

Ja, das Schüttelsieb arbeitete schon nicht schlecht, es war die lokale Polizei, die es auf den letzten Metern vergurkte, den Hinweisen konsequent nachzugehen. Wobei die eigentliche kriminalistische Leistung nicht zuletzt darin bestand, sich so weit in die Hirne der Terroristen hineinzuversetzen, um sich bewusst zu machen, nach welchen Kriterien die ihre Unterschlupfadressen wohl auswählen.

Und jetzt auch noch KTG als...

Und jetzt auch noch KTG als Erklärbär: " „Es war meine Wahl. Ich will keine Heiligen, sondern Talente“ (Neelie Kroes)

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 13:43 Uhr

@JR42: Der Baron von und zu...

@JR42: Der Baron von und zu Copy & Paste als Kombattant der binärböhmischen Befreiungsfront - auf eine perverse Art ergibt das sogar Sinn. Ein klareres Signal, dass Netzdiskurs nicht mehr ausschließlich eine Sache der cooleren Jungs ist, hätte es freilich gar nicht geben können. . @Tjalf Boris Prößdorf: Auf diese These von wegen Print vs. Online komme ich nachher gern noch bisschen ausführlicher zu sprechen, wenn ich etwas mehr Zeit habe. Auf die Schnelle mal so viel: Auf einer global-oberflächlichen Ebene betrachtet mag es einleuchten, wenn man sich aber genauer anschaut, wer mit welchen Zielen on- oder offline wirbt, wird es etwas komplizierter...

@"Digitale Demokratie": Hier...

@"Digitale Demokratie": Hier sollte offensiv darauf hingewiesen werden, dass Vater Staat (mangels eigener digitaler Kompetenz) fest mit den Produkten der Firma WinzigWeich verhaftet ist. Das beginnt damit, dass Webauftritte der öffentlichen Hand z.T. nur im IE vernünftig angezeigt werden, und geht weiter in die Schulen, wo durch kluges, privatwirtschaftliches Sponsoring die Kleinen von früh auf an die Produkte dieser Firma gewöhnt werden (Windows, Office). Einige Kommunen (München?) hatten vor Jahren einmal Ansätze, verstärkt mit Open Source Produkten zu arbeiten, davon habe ich aber nie wieder etwas gehört. Bedauerlich!

0 Violandra_Temeritia_von_Avila 12.12.2011, 14:59 Uhr

"Elektrische Gesellschaft" -...

"Elektrische Gesellschaft" - das ist wirklich hübsch. Vielleicht antworte ich Dir diese Woche noch im Blog auf die aufgeworfenen Fragen - mit einer Prise Guttenberg.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 15:39 Uhr

@Teresa: Ich hatte es...

@Teresa: Ich hatte es insgeheim gehofft, Dich zu einer Replik ermuntern zu können (und wenns der Wahrheitsfindung dient auch mit einer Prise KTG, wobei, wenn ich ehrlich bin lieber ohne, aber nicht mein Wille geschehe...).

Marco, mir fällt der Beitrag...

Marco, mir fällt der Beitrag von neulich ein, über die Studie von JungvonMatt über den Ottonormalo. Ich meinte ja damals schon, dies sei wieder was von den Werbefuzzis, um uns irgendwas anzudrehen. Nur einfach so machen die sowas nicht. Nun, ich las danach in einer Zeitung etwas mehr darüber, nämlich, das die Agentur sogar ein Zimmer eben nach den erforschten Parametern im Unternehmen nachgebaut hat, so daß alle Mitarbeiter dort mal Probewohnen, damit man diesen Typus leben kann - und wie man ihn bewirbt. Würde mich nich wundern, wenn die auch finanziert wird von den Herstellern, Netzbetreibern bzw. deren Lobbyisten. Damit wir alle nur noch online sind, sozusagen mit dem Finger in der Steckdose schlafen für die Elektrische Gesellschaft. Ab heute schlafe ich mit brennender Kerze!

"Die naheliegendere und...

"Die naheliegendere und entscheidendere Schlüsselqualifikation für die digitale Gesellschaft liegt wohl eher darin, Browserzeile und Suchmaschineneingabefeld unterscheiden zu können." . Lieber Marco, richtig. Man kann vom Normalo schwerlich verlangen, was nicht einmal Firmen/Auftraggeber von Websites (also Entscheider um die 40) unterscheiden können: "Wie, welche Browserzeile ..." . Will jedoch mit meiner Eingabe nicht zwingend die tollen Fähigkeiten von digital-orientierten "Entscheidern" um die 25 loben. Diese haben andere Merkwürdigkeiten. Sie verlangen von Dienstleistern, dass sie Gedankenlesen beherrschen, bis aufs Klo erreichbar sind und sich beamen können. . In der Praxis sieht das digitale Leben dieser Turbo-Jungherrschaften so aus, dass ihre dringend-Termin-änder-Botschaften, die per audio aus ihren Internet-Handys kommen, wegen schlechter Verbindung akustisch dem Gegurgel ähneln, das aus 19. Jahrhundert-Wasserrohren kommt.

0 Thorsten Haupts 12.12.2011, 17:45 Uhr

Verehrter Marco, Sie haben das...

Verehrter Marco, Sie haben das Traurige an der Stagnation der "digitalen Gesellschaft" ganz offenkundig nicht erfasst! Da weigern sich doch glatt 62% der Bevölkerung hartnäckig, an der aufregendsten Revolution seit Jesu Geburt teilzunehmen. Und was schlimmer ist - diese 62% verfestigen die analogen Strukturen und deren Widerstand gegen Wandel. Noch immer Personen statt Avatare, Dienstleistungen am Schalter statt Olineshops, Bargeld statt Bitcoins, Diskussionen über Bücher statt über Netzgeschwurbel. Ich verstehe den Ärger darüber gut. Wenn man sich einmal zur Avantgarde der nächsten Weltrevolution ausgerufen hat - und2 von 3 gehen nicht mal hin. Völlig abgesehen von den pekuniären Interessen Werbetreibender in den Vereinen. Konsumverweigerung ist ja analog schon fast strafbar, aber Netzkonsum- und entblössungs-Verweigerung? Ein Menschheitsverbrechen gegen das Recht des anderen auf Konsumenteneinsicht :-). Mit traurig-analogen Grüssen, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 18:06 Uhr

Soooo dramatisch ist es ja nun...

Soooo dramatisch ist es ja nun auch nicht, werter Herr Haupts: Den Anteil der "digitalen Außenseiter" beziffert die Studie auf gerade mal 26 Prozent. Um zu der erschreckenden Schlussfolgerung mit der Zweidrittelgesellschaft zu kommen, werden einfach die Gelegenheits- und Berufsnutzer zu den Quasi-Verweigerern gezählt, das ist der Trick. Und wem nützt dieser erschreckende Befund? Damit soll natürlich von interessierten Unternehmen der Bit- und Byte-Ökonomie der Politik nahegebracht werden, was für den Digital-Standort Deutschland zu tun. Es ist eigentlich bei Licht betrachtet alles recht platt und durchsichtig. . @Vroni: Oh ja, Smartphone-Anrufe. Da kann man am anderen Ende der Verbindung auch aktiv auf "Auflegen" drücken, das verkürzt das elektro-akustische Elend etwas, macht aber ansonsten keinen Unterschied. Gottlob habe ich meistens doch mit Leuten zu tun, die das Festnetztelefonieren (und Mails schreiben) noch nicht ganz verlernt haben.

@Vroni: Da kommt mir Tommi...

@Vroni: Da kommt mir Tommi Jaud in den Sinn - der "Vollidiot" im T-Punkt: »Sagen Sie, haben Sie dieses Internet, von dem man jetzt so viel spricht?« »Das tut mir Leid, das letzte Internet hab ich gerade eben verkauft!« »Wissen Sie vielleicht, wann Sie wieder eines reinbekommen? « »Schwer zu sagen, morgen kriegen wir eine Ladung Telefonanschlüsse, vielleicht ist da was bei!« »Dann komme ich morgen noch mal?«

Marco, es ist fast schon...

Marco, es ist fast schon widerlich, wie sehr ich dir zustimmen muss. klar hat das offensive bis aggressive Propagieren der tollen Vorteile einer "Digitalen Gesellschaft" was von durchschaubarer Plattheit. Die Erklärbären, auch die, die der SPD ihre Internet-Haare schön machen wollen, müssen sich überlegen, vor welchen Karren (der Industrie) sie gespannt werden. . Mir fällt zu dieser Diskussion nur noch ein, dass das Voranschreiten der digitalen Knöpfchendrückerei manche Digitalnutzer in ihrer Menschwerdung grob hat zurückfallen lassen. . Das digitale Benehmen ist dank Schnelligkeit der Informationsvermittlung und dank Echtzeit zum Teufel. Termine werden kurz vor Knopf in größter Unschuld gecancelt, man hat auch nicht vor, deswegen um Entschuldigung zu bitten, wozu wenn man doch noch vorher per schickem Smartphone "Bescheid" geträllert habe. Im Echtzeit-Netz wird getrollt, der Umgangston darin ist ungefähr der von enthemmten Hafenarbeitern, wenn sie zuviel Bier haben - obwohl der Vergleich wahrscheinlich eine Beleidigung der Hafenarbeiter ist; es werden ungeniert Likes und Fans gekauft; es wird geklaut wie Rabe, es wird gecopiet und gepastet; es wird gespammt; man geniert sich nicht einmal, Textern und Gestaltern, die deutlich sichtbar auf der ehrbareren Seite herumkurven, draufzudrücken, dass man Spam-Mails von ihnen gestaltet und getextet haben wolle; man lügt bewusst und ersichtlich auf Stellenanzeigen zum Handelsvertreter und wundert sich, ja wird aggressiv, warum denn der Gestalter sich weigere, so eine Anzeige zu machen und auf die Site zu stellen ... . Das Gefühl für Wahrhaftigkeit und was einst den "ehrbaren Kaufmann" ausgemacht hat, ist dank Internet im Eimer. Das Netz ist für viele Herrschaften geradezu eine Aufforderung zu "schlauem" Betrug und Arbeitskräfte/Kreative billigst auszubeuten ("Im Internet reich werden", "Arbeiten von zu Hause" aus, das sich dann als Herbalife-MLM herausstellt ... usw.. . Was am digitalen Netz soll bitte die Gesellschaft positiv transformiert haben und in Zukunft positiv transformieren? Ich sehe da nichts außer dummes Gewaaf.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.12.2011, 21:17 Uhr

@Tjalf Boris Prößdorf: Ich...

@Tjalf Boris Prößdorf: Ich komme wie versprochen nochmal auf Ihre These zurück. Oberflächlich gesehen hat sie einiges für sich. Allerdings muss man sehen, dass das Gros der Online eingenommen Werbegelder aus Suchmaschinen-Werbung und Pay-per-was-auch-immer-Abrechnungsmodellen stammt. Printwerbung, vor allem solche auf Hochglanz, zielt seit jeher mehr auf Imagewirkung denn auf Abverkauf, und so ist es fraglich, ob Kunden tatsächlich in größerem Stil Etats zu Lasten von Print umgeschichtet haben oder ob Zeitungen und Zeitschriften (außer bei den einbrechenden Rubrikenanzeigen) einfach nur von der Wachstumsdynamik der ganzen elektronischen Medien abgehängt worden sind. Ich vermute stark, dass das Fernsehen letztlich viel mehr im Printrevier gewildert hat als Online. Und Online kommt erst nach und nach aus der Pay-per-was-auch-immer-Ramschecke heraus. Dazu muss - so absurd es den zahlen- und klickverliebten Onlinern auch erscheinen mag - das Medium sich mit den Leistungsstandards der etablierten Medien messen lassen. Über diese medienübergreifenden Standards und Umrechnuingsfaktoren zwischen On- und Offline wird grade erbittert gestritten, aber Print, TV, Radio und Plakat haben das auch sortiert bekommen, und wenn Online da nicht in die Puschen kommt, bleibt das Internet als Werbemedium dauerhaft ein Billigheimer. . @Vroni: Es ist an der Zeit, über diese Schattenseiten der Digitalisierung auch mal zu reden - und zwar nicht aus Sicht von irgendwelchen Ogott-ogott-Omis und Opis, die es nur vom Hörensagen kennen, sondern mit Leuten, die wissen wovon sie reden, weil sie schon jahrelang dabei sind und auch wirklich schon einiges erlebt haben in ideser schönen neuen Welt. So wie Du zum Beispiel. Ich habe Don Alphonso seinerzeit für leicht paranoid gehalten, als er 2004 oder 2005 meinte, es röche da und dort schon wieder sehr unangenehm nach New Economy reloaded, aber seine Nase lag da durchaus richtig. Und unsereins hat halt den Vor- oder Nachteil (je nachdem, wie man das sehen will), dass wir die ganzen Versprechungen und Verheißungen der Digitalisierung ja schon mal gehört haben - und zwar in den späten 90ern, als die Dotcom-Blase mit immer mehr "stupid money" immer weiter aufgepumpt wurde.

Stellen Sie sich vor, Sie...

Stellen Sie sich vor, Sie stießen irgendwo im Internet über folgende Bekanntmachung: Ersetze „stießen“ durch stolpern. Als offizieller norddeutscher Consultant des Ministry of Silly Walks muss ich feststellen, dass die Beschreibung einer Fortbewegungsart „... über etw. stoßen“ nicht im Katalog der behördlich zugelassenen Fortbewegungsarten enthalten ist.

Irgendwas mach' ich falsch....

Irgendwas mach' ich falsch. ich mach das einfach, mit dem Internet, und mach' mir keinen Kopf drum. Und das seit 1996 oder so. Ich muss ein Einfaltspinsel sein.

... übrigens hat besagte SPD...

... übrigens hat besagte SPD sich gerade für die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen. Natürlich unter einem Vorbehalt, so wie die das immer machen. Grundsätzlich dafür, aber hinsichtlich der Dauer der Speicherung abgemildert.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 13.12.2011, 11:12 Uhr

@anderl, 11 Uhr 41: Für...

@anderl, 11 Uhr 41: Für solche Fälle hat ein Bloggerkollege mal eine passende Beleidigung formuliert: "Du bist ja voll un-meta, Du Nachmieter." ;-) . VDS, ja, ist mir nicht entgangen. Hätte den Rahmen meines Besinnungsaufsatzes womöglich gesprengt, das noch angemessen zu würdigen. Ganz so zynisch hätte ich es womöglich nicht abgehandelt wie Christian Sickendieck, der das als ersten Erfolg von D 64 deklariert: http://www.fixmbr.de/d64-erringt-ersten-erfolg-innerhalb-der-spd/ . Nun haben sich die D64er ja pflichtschuldigst distanziert von der Parteiposition zur VDS, trotzdem bleibt mal wieder ein übler Nachgeschmack.

Nebenan macht grade Sascha L....

Nebenan macht grade Sascha L. einen Rundumschlag gegen "schmierige Online-Werbung" (Zitat von ihm), speziell "hässliche" (wieder Zitat) Bannerwerbung und unterirdisch miese Targeting-Ergebnisse. Es, diese Hässlichkeit, gefährde den Journalismus. . [Kann ich zart nachvollziehen. In den "guten" Printzeiten wurde in Magazinen und Zeitungen die Anzeigen neben den Artikeln der Herren Journalisten noch sorgfältig händisch und thematisch passend platziert, oft natürlich in Absprache mit den Mediaagenturen. Auf keinen Fall automatisch getarged, madonna! . Dennoch: Werbung war schon immer schmierig, und hat schon immer den Journalismus gekillt, auch im Print: In Fachzeitschriften war es längst schmierig-schwieriger Usus, als Anzeigenkunde erst Anzeigen zu bezahlen und sich dazu Jubel-PR-Artikel als normale Artikel verkleidet von der Redaktion schreiben zu lassen - als "Dankeschön", dass man zahlender Anzeigenkunde ist - oder als Anzeigenkunde diese Jubelartikel gleich selbst zu verzapfen. Kostenlos zu den Schaltkosten, versteht sich. So mistig und schlecht klangen sie dann auch. Alle rechtlichen Vorschriften, dass über solche Eigenlobhudel-Artikel "Anzeige" zu stehen hat, wurden schon unterlaufen, als Sascha Lobo, der Gute, noch in Windeln herumlief.] . Saschas Rundumschlag wird den "Targeting-Experten" und Online-Werber Stephan Noller zu interessieren haben (oder auch nicht): Der als kommerziell anmuten dürftende Noller ist Targeter UND Mitglied im D64, welches sich die "Transformation der Gesellschaft" aufs Hemd geschrieben hat. Lobo anscheinend und interessanterweise nicht, wie ich recherchiert habe. Sollte er zu Verstand gekommen sein? Wäre gut. Oder wurde er als Online-Prominenz nur nicht eingeladen und ist jetzt sauer? Grübel :-) . Und: Kann mir mal bitte einer von denen, den D64-lern, erzählen, was sie mit "Transformation" meinen? :-( Umwandlung? Und bitte auch: woher und wohin? Was für ein Dichter Nebel. Ätz. Oder reicht es - wie früher - in die Menge einfach charismatisch, pathetisch "Fortschritt!" oder "Maoam!" zu rufen und alle jubeln auf? Bedenklich, irritierend der Umgang mit Flachgedachtem. Entlarvend.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 13.12.2011, 16:37 Uhr

Oh, muss ich gleich mal...

Oh, muss ich gleich mal gucken. Wobei ich nicht annehme, dass Lobo sein Testimonial-Honorar für die lausige Vodafone-Kampagne (an der Nico Lumma seinerzeit mitgeschraubt hat) für notleidende Werbeopfer spendet.

Marco, "Über diese...

Marco, "Über diese medienübergreifenden Standards und Umrechnungsfaktoren zwischen On- und Offline wird grade erbittert gestritten, aber Print, TV, Radio und Plakat haben das auch sortiert bekommen, und wenn Online da nicht in die Puschen kommt, bleibt das Internet als Werbemedium dauerhaft ein Billigheimer." . Thema Billig, Online und Puschen: Die Firma Belly Button (Großnische Mode-E-Shop und Artikel für Schwangere und Mütter im Internet) gibt an Werbung pro Jahr 500.000,00 EURO aus. Stand in einer Presseerklärung. Erzähle ich immer gern Anfragenden, die glauben, eine gestaltete Präsenz, das reiche und Werbung im und fürs I-Net sei spottbilllig. Fünfhunderttausend, das ist zwar reichlich wenig für reine Print-ler und für die wirklich der reine Spott, denn da ist man schnell mit 7-8-stelligen Summen für den Mediaetat pro Jahr dabei. .. Dennoch: Selbst wenn Belly Button zusätzlich cross media tätig ist (also sinnvollerweise auch Printwerbung betreibt, denn nur der online-offline-Mix macht den Erfolg aus) ist das ein Batzen Geld für Leute, die glauben, im Internet ein Geschäft aufziehen, sei schnell und spottbillig. (Schnell schon gar nicht, da hat das Internet den falschen Ruf ... Brandaufbau im Internt ist eine lahme Tante. ) Mir gefallen dann immer deren sofort heruntergeklappten Augenbrauen. . Wer sich schon länger mit reiner Onlinewerbung befasst hat, weiß irgendwann: die allein hilft nicht viel, Targeting alleine ist es auch nicht - nur der Mix macht es. Er muss auch Print machen, das verankert. Ebay beispielsweise schaltet schon lange Print. Viele Internetfirmen werben längst in im TV. Und bewerben dort ihre Domain. . Werbemedium Internet-Banner (Skyscraper, Rectangle etc.): Sie werden fleißig erstellt und geschaltet, weil man weiß, dass sie sehr wohl wahrgenommen werden, auch wenn nicht geklickt wird. Es vollzieht sich bei ihnen seit längerem ein Wandel zur ästhetischer gestalteter Imagewerbung hin, zumindest sieht man, wenn man z. B. die FAZ.net besucht, dort zweierlei Typen von getargeter Bannerwerbung: die, die geklickt (und weggeklickt :-) werden will und dementsprechend offensiv auftritt. Und die, die man getrost als reine Imagewerbung bewerten kann. Nur nach Klicks (Cost per Click, CPC) bezahlt werden die Affiliate-Banner auf Affiliate-Seiten. Das ist alles. Das ist auch oft genau der Billigramsch-Eindruck. (Falls man nicht den Adblocker hat.) . Wer sich einmal auf den Mediaplan- und Preise-Seiten der großen Magazine getummelt hat, wird feststellen, dass Image-Bannerwerbung dort längst keine Billigheimer-Angelegenheit mehr ist. Zwar immer noch günstiger als Print, doch nicht billig.

Gerechterweise muss ich noch...

Gerechterweise muss ich noch erwähnen, das Sascha in seiner Suada vor allem darauf abhebt, dass ihm der "Moloch" Facebook stinkt. Es ist ein Anti-Facebook-Artikel. . Facebook dränge durch seine aggressiven Billigwerbeangebote in US (Börsengang naht) die Preise für Onlinewerbung auch in D nochmals nach unten. . Und bezeichnet das als Untergang des Journalismus und folglich als Gefahr für die Demokratie. Letztere beiden Argumente hätte ich aber gern von ihm klarer ausgeführt gesehen, aber er bleibt bei der reinen Behauptung ohne Unterfütterung des Skeletts. . [Ich glaube nicht, dass in D die Werber alle zu Facebook rennen und dort billigbuchen werden. Wer als Werber glaubt, Facebook-Werbung, Werbung in Social Communities, in denen man eigentlich unter sich sein will und ebendrum nicht im shopping mode ist, bringe viel, bitte die Hand heben, die nicht die Glühweintasse hält, danke.]

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 13.12.2011, 17:36 Uhr

@Vroni: Du sagst es. Online...

@Vroni: Du sagst es. Online ist eine Zwei-Klassengesellschaft von relativ wenigen vielfrequentierten und entsprechend hochpreisigen Angeboten, die auf TKP-Basis abgerechnet werden und den vielen, vielen Werbeplätzen, die sich aufmerksamkeitstechnisch und tariflich um Brosamen prügeln müssen. Und richtig, der Mix machts, das exerzieren die wirklich erfolgreichen und effizienten Beispiele immer wieder vor. Hatte kürzlich zu dem Intermedia-Vergleich on- und offline mit Agenturleuten gesprochen, und die hüten (solange die AGMA nicht mit verbindlichen Umrechnungsstandards zu Potte kommt) ihre internen Datenfusionen wie die Coca-Cola-Formel. Spannendes Thema, denn das Zusammenwachsen von alter analoger und neuer digitaler Datenbasis ist nur eine Frage der Zeit. Und Online hat da den größeren Druck, sich zu bewegen, sonst machen die Fernsehforscher ihren Standard für die AV-Gesamtreichweite inklusive Bewegtbild im Web, und die Onliner verlieren die Deutungshoheit über Teile ihres eigenen Inventars. . Aber um wieder die Kurve zum Eintrag zu kriegen: Genau das mit der Transformation ist auch meine große Frage. Wer die Gesellschaft verändern und die Leute auch mitnehmen will, sollte schon dazu sagen, wohin die Reise gehen soll. Einfach digitaler als jetzt ist in meinen Augen kein Wert an sich. Ich hatte mir mal was gebookmarkt als eventuellen Aufhänger für einen fortschrittsskeptischen Eintrag, und Dein Rant von gestern ging ja auch genau in diese Richtung. Deswegen teile ich den Link doch lieber jetzt gleich und nicht erst irgendwann: . http://www.dailymail.co.uk/femail/article-2008414/Is-internet-bringing-dark-How-technology-changing-personalities--worse.html

Habe den Link gelesen,...

Habe den Link gelesen, danke! Diese plötzliche fiese Umwandlung des guten Doctor Jekyll in den bösen Mr Hyde, wenn sie allein am Rechner sind. Diese Verantwortungslosigkeit. . Passiert das nicht auch manchen, die im Auto sitzen? . [Kannte da ein paar, die im Wohnzimmer noch normal sich gaben, im Auto hingegen sich zum fluchende Dewische wandelten, die brüllten, Beleidigungen zischten, die andere schnitten oder zur Strafe ausbremsen ... Mir fällt da immer die putzige Zeichnung von Toulouse Lautrec ein: "L' Automobiliste"] . Internet und Auto ist das Eingekapselte gemeinsam. In beiden ist man zwar geschützt vor anderen, aber dennoch mitten im Geschehen. Und das verwandelt manche embryonal in Kinder, die sich noch im Schutz der Gebärmutter wähnen. . Warum es manche nicht in Kinder verwandelt, müsste untersucht werden. . Ich persönlich glaube, es hat damit zu tun, in welchem Reifegrad man sich vor der Benutzung dieser Dinge befindet. Bereits reife Menschen, Menschen mit reifer Impulskontrolle, fahren überlegt Auto und benutzen das Netz nicht als Gossip-Bühne zum Ausflippen. . Ich glaube nicht, dass das Netz oder das Auto den einigermaßen reifen Menschen wieder eklatant unreif werden lässt. Es lockt nur schlechtes Benehmen aus dem hervor, der seine Rest-Unreife und seine Impulse, sein kleines böses Kind oder sein albernes lustiges Kind in sich, zu eng einsperrt und zu starr verleugnet. . Gottseidank haben wir auch das gute, fröhliche Kind in uns und lassen es hoffentlich ab und an zu, wenn die Situation passt: das Netz ist ebenso voll mit herrlichem Klamauk. . Zur "Transformation" noch mal (ein herrliches Wort): Prophezeite man dem Automobil, dass es die Gesellschaft mental ganz toll "transformieren" werde? Und gab es eine Vereinigung, die postulierte, dass es demokratischerweise noch mehr Autos und diese für alle geben müsse, damit diese tolle Transformation noch besser und noch schneller abliefe? . Und bevor demokratischerweise der Zugang aller zum Netz vollzogen wird, sollte doch sicher gestellt sein, dass vorher jeder sein eigenes Radio und seinen eigenen Fernseher habe. Und ja, jeder sich seine eigene Tageszeitung leisten könne. Da ist in D noch oder wieder viel zu tun. Ein Hartz-4-ler kann sich schon mal kein ZEIT-Abo leisten oder sich jeden Tag die FAZ kaufen. Da muss die BILD für ein paar Cent reichen. Oder das Schlagzeilen lesen am Zeitungsständer.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 13.12.2011, 20:11 Uhr

@18 Uhr 25: Bisschen arg...

@18 Uhr 25: Bisschen arg pathetisch diesmal, unser verSPONnener Meta-Ironikese, aber er macht durchaus einige Punkte. Die kontextsensitiv-algorithmusgesteuerte und getargettete Billigstreklame droht das Netz auf Dauer runterzuziehen auf das Level der im Hausflur vom Wind gebeutelten Anzeigenblättchen. Die erzielen zwar (man glaubt es kaum) nahezu so viel Netto-Werbeumsatz wie Radio-, Plakat- und Onlinewerbung zusammen, aber richtig ernst nimmt die dennoch keiner. Gut, dass deswegen die heligsten Güter des Abendlands bedroht seien, vermag ich auch nicht so recht zu erkennen. Und nervige (weil schlecht platzierte) Werbung hatte ich hier vor Jahresfrist ja auch schon mal thematisiert: http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2010/12/20/bekenntnisse-eines-streuverlustes.aspx . @19 Uhr 25: Auto - sehr schönes Analogon (nicht nur wegen der Datenautobahn) zum Netzverkehr. Sind wohl beides Handlungskontexte, in denen gerne mal das archaische Reptiliengehirn mit Revierverhalten und dergleichen die Regie zu übernehmen droht, beim einen mehr, beim anderen weniger. Den Zusamenhang mit der Gebärmutter habe ich so noch nicht gesehen, das werde ich mal noch ausführlicher ventilieren in nächster Zeit.

@Vroni - "Untergang des...

@Vroni - "Untergang des Journalismus": Die These höre ich, in Verbindung mit dem Internet - seit mehr als 10 Jahren. Wahr daran ist, dass es eine Reihe von Lokalzeitungen und Regionalzeitungen tatsächlich hart getroffen hat. Nur haben die (in der Regel und über einen Kamm geschert) eben keinen Journalismus betrieben. Sondern dpa abpinnen (fast immer ungeprüft) und Meinungsmache entsprechend ihrer persönlichen Vorlieben betrieben. Vor vielen Jahren einmal als Pressereferent eines AStA und als Trainer in meinem Studenetneverban unterwegs kann ich diese These mit schlagenden Beispielen untermauern. Nicht betroffen (in Deutschland) dagegen sind mehrheitlich die sogenannten Qualitätsmedien (Print), wie FAZ, ZEIT oder mein geliebter ECONOMIST. Sie verzeichnen im Gegenteil teilweise sogar steigende Auflagen. Und das sagt mir, dass es nicht um den Untergang des Journalismus an sich geht. Sondern nur um den Untergang des Presserklärungs- und Nachrichten-Wiederkäujournalismus. Kein Verlust also. Ausser natürlich für diejenigen, die dort ihr Brot verdient haben. Gruss, Thorsten Haupts

Das muss einer dem Sascha doch...

Das muss einer dem Sascha doch mal sagen, finden Sie nicht? Man kann ihn doch nicht so, ohne solchen Trost, im SPon herumeiern lassen. Das schadet der Frisur. . [Ja, natürlich muss man das Ding mit dem Journalismus differenzierter betrachten ... , aber so ist es nun mal mit den knackigen Zuspitzungen aus Bloggerhand.]

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 15.12.2011, 20:50 Uhr

@Vroni: Ich denke ja nicht,...

@Vroni: Ich denke ja nicht, dass ihm jemand in seine Kolumne reinredet, von daher vermute ich, Sascha Lobo hat sich da freiwillig der medienpolitischen Linie des Hauses angenähert. Sollte er demnächst den Einsatz von Adblockern pauschal verurteilen, dann wissen wir, dass sie ihn jetzt wirklich assimiliert haben. ;-)

Wie ironisch oder auch...

Wie ironisch oder auch geistreich, dass grade dieser Artikel (zumindest nicht für mich ersichtlich) nicht über die üblichen Sharing-Funktionen a.k.a. Twitter, Facebook, Google+ und Konsorten verfügt; dann teile ich diesen großartigen Text eben manuell mit meiner digitalen Umwelt.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 16.12.2011, 10:59 Uhr

@Ninette: Danke für die...

@Ninette: Danke für die Blumen! Das Fehlen der einschlägigen Social-Media-Buttons ist gewissermaßen Standardeinstellung dieser technischen Plattform. Das hat durchaus sein Gutes, denn jedesmal, wenn ich hier Facebook & Co. thematisiere, kann jemand wieder aufs Neue im Kommentar die Frage aufwerfen, wo den bitteschön der Like-Button für diesen Eintrag sei. ;-) . Freilich muss ich gestehen, dass ich in meinem Privatblog auf blogger.de diese Funktionen auch nicht anbiete, da gibt es nicht mal Trackbacks, und die habe ich auch noch nie vermisst.

"Nicht betroffen (in...

"Nicht betroffen (in Deutschland) dagegen sind mehrheitlich die sogenannten Qualitätsmedien (Print), wie FAZ, ZEIT oder mein geliebter ECONOMIST. " . Nicht ganz. Die Süddeutsche Zeitung. Ist als "Qualitätsmedium" erheblich ins Schlingern geraten und gehört jetzt nicht mehr richtig sich selbst. Eine gewisse Berliner Zeitung fällt mir auch noch ein. . Lokalzeitungen, das ist richtig. Mein Heimat-Käseblatt wurde schon vor Jahren vom kapitalkräftigeren Bamberger Morgen aufgekauft. Derzeit heftig diskutiert wurde, als ich "oben" bei meinen Leuten war, ob denn in dem fränkischen Blatt (das noch so heißen darf, wie es früher hieß) neben den Todesanzeigen auch Events stehen dürfen. Viele der älteren Leser sind empört (vorwiegend eben die Traueranzeigenbesteller), das jung-dynamische Management versteht nicht.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 16.12.2011, 13:51 Uhr

Die "Frankfurter Rundschau"...

Die "Frankfurter Rundschau" könnte man da der Vollständigkeit auch noch erwähnen. Aber da wäre zu fragen, welche Rolle dabei jeweils das Internet gespielt hat. Richtig ist jedenfalls, dass FAZ und SZ vor einem Jahrzehnt ziemlich gebeutelt wurden von wegbrechenden Erlösen im Rubrikenanzeigenmarkt. Wobei ich auch nicht mehr so genau sagen könnte, inwieweit das konjunkturbedingt war und wieviel das Web da abgeschöpft hat.

Lieber Marco, Rolle des...

Lieber Marco, Rolle des Internet: Das ist ja genau der Punkt. Wieso muss man sich das fragen. . Gibt es nicht in Zeiten, in der alles zu Statistik verwurschtet wird, was nicht bei 3 den Baum raufkommt, nicht auch halbwegs belastbare Zahlen/Studien zu Konjunktur- und/oder Internet-Einfluss bei Zeitungsanzeigen? Und Analysen darüber? Wieso muss man da immer vermuten, was man wissen könnte? (Wäre fast ein Thema für Teresa) . Grüße an die Wissensgesellschaft, die wir dank Internet angeblich sind. :-) Ich geh jetzt mal stöbern, egal wohin, ob AGOF oder W&V oder auf "Der Mediaplaner". Kann doch nicht sein.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 16.12.2011, 15:25 Uhr

Gutes Gelingen. Problemfelder...

Gutes Gelingen. Problemfelder sehe ich da mehrere: zum ersten, dass das Aufkommen an Rubrikenanzeigen nicht in der Zentralen Anzeigenstatistik (ZAS) bzw. Nielsen auftaucht, man ist da also auf die Eigenaussagen der eher zugeknöpften Zeitungshäuser angewiesen, die in aller Regel auch nur veröffentlichen, was sie im Rahmen von Jahresabschlüssen melden müssen (wenn überhaupt), also saldierte Gewinne und Verluste, aber keine Einzelposten wie Vertriebs- und Anzeigenerlöse getrennt nach Markenartiklern und Rubrikengeschäft. Und selbst wenn, bliebe immer noch das Problem, die Einflussfaktoren Konjunktur und Internet nachvollziehbar zu trennen. Wenn Dir ein Anzeigenkunde wegbleibt, erfährst Du ja in aller Regel nicht, ob der nur den Etat umgeschichtet hat zugunsten eines anderen Mediums und/oder aus ROI- oder Konjunkturerwägungen sein Gesamtwerbeaufkommen reduziert hat oder was auch immer. Da spielen so viele Faktoren mit hinein, dass ich eine Statistik dazu, selbst wenn Du eine fändest, mit ziemlicher Vorsicht genießen würde.

Yo, mit Vorsicht muss man eh...

Yo, mit Vorsicht muss man eh immer alles genießen. :-) Kann mich jedoch an halbwegs seriöse Meldungen erinnern, die sehr wohl den Einfluss de Internets auf die Stellenanzeigen der Printzeitungen darlegten. Wenn man net immer alles aufhebt. . Nachtrach aus dreckiger PR- und Marketingsicht: Stellenanzeigen im Print schalten kommt immer gut. Man kann damit der Öffentlichkeit schlechte Auftragslage verschleiern. Das praktizieren jedoch fast nur die Großen. Der Mittelständler wird das eher nicht tun, sondern er hält sein (Schalt-)Geld zusammen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 16.12.2011, 17:19 Uhr

Die halbwegs seriösen...

Die halbwegs seriösen Meldungen werden im besten Fall auf einigermaßen plausiblen Modellrechnungen basiert haben, wobei man eventuell noch mit veranschlagen muss, dass Zeitungshäuser lange Erfahrung damit haben, sich künstlich arm und medienpolitisch hilfsbedürftig zu rechnen. Die Klage ist bekanntlich des Kaufmanns Gruß. . Sieht man ja in jüngster Zeit wieder, ganz gleich, obs um Leistungsschutzrecht und Google oder um die Tagesschau-App geht.

0 Jens Best 19.12.2011, 23:57 Uhr

"...Browserzeile und...

"...Browserzeile und Suchmaschineneingabefeld unterscheiden zu können. Solange es daran hapert, brauchen wir über Geodaten-Mashups als Bürgerpflicht gar nicht zu reden." Zustimmung, dass es unterschiedlicher Geschwindigkeiten bedarf, wenn es darum geht, die sinnhafte Nutzung des Webs im Lebensalltag der Menschen zu etablieren. Sehe das mittlerweile als eine eher langfristige Kulturaufgabe. Ein wenig Entspannung im Handeln hat noch niemandem geschadet. Im Gegenteil, etwas wirklich zu be-greifen und dann in den gemeinschaftlichen Alltag einzubinden dauert. Wenn es dann auch noch von einigen mit einem aufklärerischen Ansatz präsentiert wird, muss man, wenn man denn in der Breite Erfolg haben will, nochmals einen Gang runterschalten. Doch zu den Erklärbär-Clubs: Bei D64 klingt es unerträglich, wenn jemand von der Vermittlung des Digitalen spricht, aber 2/3 der Mitglieder des Clubs für die unerträgliche Kommerzialisierung/Konsumterrorisierung des Webs stehen. Wo sind denn die Vertreter der aktiven digitalen Zivilgesellschaft, z.B. wikimedia, odn, okfn oder von mir aus auch ein Abgesandter von der Sun- oder der Knight-Foundation? Fehlanzeige. Das sagt doch viel über diejenigen, die die Grundidee für den Laden hatten, aus. Das Web ist, wenn ich es mal darauf reduzieren darf, eine Chance über die Grundlagen und die Strukturen unseres gemeinsamen Handelns neu nachzudenken. Wie die digitale Ebene in die Gesamtrealität eingebettet wird, sagt viel über den Zustand einer Gesellschaft aus. Nicht was "das Web" mit uns macht sollte also die Frage sein, sondern was wir mit "dem Web" machen sollte der Fokus unseres Diskurses sein. Ein Erklärbär-Club, der diese Aufgabe, gerne voll pluralistisch und auch gerne ausgeglichen im Spannungsdreieck Staat-Bürger-Wirtschaft, annimmt und umsetzt, lohnt der Mitgliedschaft. Ansonsten gilt, was Groucho Marx zum Thema Clubs gesagt hat.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 20.12.2011, 07:34 Uhr

@Jens Best: Prinzipiell ist...

@Jens Best: Prinzipiell ist gegen eine Mitwirkung auch wirtschaftlich interessierter Kreise an so einer Veranstaltung wenig einzuwenden, aber in der Massierung (und im Lichte der Tatsache, wer da alles nicht dabei ist) hat es schon ein deutliches Gschmäckle, das sehe ich ähnlich. Ist ja auch nicht so, als gäbe es keinen BVDW, OVK, D 21, AGOF und wie die ganze sonstige binäre Buchstabensuppe heißt, in der sich die einschlägigen Interessensvertreter tummeln. . Ansonsten: Was Vroni sagt in ihrem Kommentar zum aktuellen Beitrag von Teresa Bücker (vielleicht diskutieren wir auch dort weiter, passt ja nahtlos zum Thema).

Mir scheint, bei allem...

Mir scheint, bei allem Respekt, bei den hier vorgestellten (und und mich sehr verstörenden) Gesellschaften handelt es sich schlicht um Varianten von maximal irrelevanten Gruppierungen wie z. B. der Bitcom zu sein. Die Bitcom ist da, sie meldet sich zu Wort, und kein Mensch interessiert sich für sie. Ausser vielleicht die Menschen, die sich von einer Mitgliedschaft in diesem Verband etwas versprechen, die dort „Netzwerkarbeit“ leisten können, die was „zu verkaufen“ haben. Und da alle mit ihrer „Netzwerkarbeit“ total beschäftigt sind, merken sie nicht, dass sich keiner für sie interessiert, und das auch so alles seinen Gang geht. Sie betreiben Pressearbeit, produzieren heiße Luft und sind glücklich damit sich ein eigenes Botop geschaffen zu haben. Eine eigene kleine Welt mit ihren eigenen irrelevanten Regeln, und der Gewissheit, das sie einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der Welt geleistet haben, die aber keinen interessiert (und die oft auch nur Kopfschütteln hervorrufen). Eine Parallelwelt, ohne Kontakt zur Realität. Die Bitcom scheint ein Pool von Interessenvertretern zu sein, die ihre Interessen vertreten, egal wo und egal gegen wen. Die hier vorgestellten Gesellschaften wohl auch …

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 29.12.2011, 22:56 Uhr

@der_papa: Der Vergleich...

@der_papa: Der Vergleich scheint mir gar nicht schlecht, allerdings glaube ich fast, dass Bitkom mit seiner Mitgliederstruktur doch einen breiteren Querschnitt seines Branchenmixes repräsentiert als die D 64er und die Digiges zusammen die digitale Öffentlichkeit vertreten.

dichtete und vertonte in seinen sittlich desorientierten Jugendjahren Spottverse, deren Vortrag er mit der Mandoline begleitete.