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Liebe in Zahlen

| 31 Lesermeinungen

Vieles können wir in Zahlen berechnen, sogar Partnerschaften optimieren - aber am Ende doch nur theoretisch, weil die reale Welt leider nicht in einen Computer passt.

Vieles können wir in Zahlen berechnen, sogar Partnerschaften optimieren – aber am Ende doch nur theoretisch, weil die reale Welt leider nicht in einen Computer passt.

Seit Jahrhunderten entdecken wir immer neue Gesetzmäßigkeiten in Physik, Chemie und Biologie, halten Entdeckungen in Lehrsätzen fest – und in Formeln. In seinem Bestreben, die Welt zu verstehen und sich sozusagen untertan zu machen, bedient sich der Mensch gerne mathematischer Formeln und Methoden auch außerhalb der Mathematik. Trotz Computertechnik stossen die Wissenschaften immer wieder an ihre Grenzen: die Physik in der Quantenmechanik und bei der Frage nach dem Welle-Teilchen-Charakter von Licht, in der Biologie bei der Entschlüsselung von Genen und bei der Ursachenforschung von Krankheiten und anderen Phänomenen.

Trotz dieser Beschränkungen sind die Naturwissenschaften immer noch der Maßstab für andere Wissenschaften und zumindest viele Sozialwissenschaften streben nach Formalisierung und Formelisierung: je mathematischer und methodisch-naturwissenschaftlicher die Forschung daherkommt, desto besser. Viel wird über Vorzüge und Defizite dieser Tendenz gestritten, in den Medien, unter Wissenschaftlern und auch in diesem Salon. Dabei scheint uns der Wunsch nach Berechenbarkeit auch in vielen anderen Dimensionen zu verfolgen – es ist nur zufällig so, daß Physiker ihn uneingeschränkt und kritiklos ausleben können. Andere Wissenschaftler tun es immerhin begrenzt, und in wieder anderen Fällen ist das Scheitern bereits vorprogrammiert. Gerade diese Fälle jedoch sind von herausragendem Unterhaltungswert – besonders dann, wenn es um Beziehungsanbahnung und Beziehungsführung geht. 

Bild zu: Liebe in Zahlen

Jener Kalauer, der zeigt, daß Frauen die Wurzel allen Übels sind, ist ziemlich alt, und war wohl von Anfang an eher scherzhaft gemeint. Die 22-jährige junge Dame hingegen, die online einen Dr. Sommer für Erwachsene befragte, woher sie wisse, ob ein Mann der richtige sei – die hat sicherlich eine ernsthafte Antwort erwartet. Und auch erhalten. Der geschätzte Ex-Kollege nämlich hat sich auch Gedanken über Statistik gemacht. Formal gesehen, muß man bei jedem möglichen Partner abwägen, ob das der Beste ist, was man wird bekommen können, oder ob man (meist unwiderruflich) ablehnt und weitersucht. Das Risiko, mit dem Falschen zusammenzubleiben, steht dem Risiko gegenüber, keinen besseren Match zu finden.

Eine mathematische Lösungsmöglichkeit ist es, die Wahrscheinlichkeit zu maximieren, den wirklich besten Kandidaten zu wählen. Falls die Anzahl der Kandidaten im Vorfeld feststeht, gibt es dafür eine relativ simple Strategie. Mithilfe der Eulerschen Zahl e (Basis des natürlichen Logarithmus) läßt sich diese sogar genau bestimmen. Von den n möglichen Kandidaten im Laufe eines Lebens sollten die ersten r abgelehnt werden, wobei r = n/e (näherungsweise). Hat man dies getan, wählt man von den anschließenden Kandidaten aus der Menge (n-r) denjenigen, der besser ist als der Beste aus der vorangegangenen (abgelehnten) Menge r. Damit wird – mathematisch nachweislich – die Wahrscheinlichkeit für eine optimale Wahl maximiert – sie liegt nämlich bei sagenhaften 37 %.

Die Strategie läßt drei Möglichkeiten zu: zu den nicht so glücklichen 63 % Ausgangswahrscheinlichkeit gehört der Fall, in dem der beste der Kandidaten – nennen wir ihn T wie Trophäe – zu den pauschal abgelehnten Bewerbern aus der Menge r gehört. Die Strategie scheitert auch in dem Fall, in dem der zweitbeste Kandidat sich nicht in der Menge r befindet (ihn brauchen wir als Referenzpunkt innerhalb der pauschal abgelehnten Menge r, um später wirklich den besten Kandidaten auszuwählen). Die Erfolgswahrscheinlichkeit hängt also von der Platzierung des besten und zweitbesten Kandidaten in der Reihe 1…n ab, die Platzierung wiederum ist zufällig, gleich groß für jeden Platz, und damit kann man eine Wahrscheinlichkeitsfunktion formulieren und diese optimieren – und kommt auf knapp 37 % Erfolgswahrscheinlichkeit für die oben skizzierte Strategie.

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Für risikoaverse Menschen ist die Strategie jedoch nichts, da die Wahrscheinlichkeit, es richtig zu vermasseln, deutlich größer ist als der Erfolg, zumal in der Regel die Anzahl n ex ante nicht feststeht. Deshalb ist der Sachverhalt auch als Sekretärinnenproblem bekannt – wobei ich bezweifle, daß Firmen oder Personalchefs sich ernsthaft daran orientieren (oder die eingangs genannte junge Dame in Männerentscheidungsnöten).

Die Weisheit der Zahlen beschränkt sich keineswegs nur auf die Beziehungsanbahnungsphase. Auch für später hat die Mathematik inzwischen eine Lösung für das „stable marriage problem“ gefunden. Dabei geht es darum, eine Reihe von Partnern aus zwei Gruppen so einander zuzuordnen, daß kein Paar mehr existiert, das gegenseitig lieber miteinander als mit den bestehenden Partnern verbandelt wäre. In dem Falle wären sämtliche Ehen stabil – zumindest im Sinne von Scheidung -, weil sich kein alternatives Paar dauerhaft zusammenfinden würde.Über mögliche Seitensprünge kann man nur mutmaßen.

Den Lösungsalgorithmus für dieses Problem kann man sich so ähnlich wie Speed-Dating vorstellen, wobei nicht jeder seine erste Wahl erfüllt bekommen kann – manche Damen sind vielleicht die erste Präferenz mehrerer Herren – oder umgekehrt. Die Herren machen den Damen ihrer jeweils ersten Wahl einen Antrag, den diese vorläufig annehmen oder ablehnen können. In einer zweiten Runde dürfen die Herren, deren Anträge negativ beschieden wurden, erneut Angebote abgeben – nunmehr für ihre „second-best option“, da die ganz große Liebe bereits abgelehnt hat. Die Damen wiederum können erneut unter ihren Bewerbern denjenigen vorläufig sichern, der ihnen am besten gefällt – auch wenn das bedeutet, daß der vorläufig positiv beschiedene Bewerber der Vorrunde den Platz räumen muß. Nach beliebig vielen Runden – höchstens allerdings sovielen wie es Paare gibt, sind alle Individuen verpartnert und es existiert kein Paar, das sich beidseitig noch verbessern könnte.

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Hört sich komplex an, funktioniert aber tatsächlich. Auch wenn in jeder Runde vorläufige Partnerschaften wieder aufgebrochen werden, ist die Anzahl der Runden endlich, denn die Männer können maximal soviele Anträge machen, wie es Damen gibt. Am Ende impliziert das auch, daß alle Frauen vom Markt sind – der letzte ledige Herr kommt irgendwann am Ende seiner Präferenzenliste an und wird damit den Markt gewissermaßen räumen. Außerdem ist das entstandene Ergebnis ganz sicher stabil, denn die Herren arbeiten mit ihren Anträgen ihr eigenes Präferenzenranking ab. Möglicherweise sind viele nicht mit ihrem Wunschpartner (erster Wahl) zusammen, aber zu dem Zeitpunkt, zu dem sie sich verpflichten, sind sie von ihren höher gerankten Wunschpartner bereits abgelehnt worden – keine Chance also, durch Scheidung ein Pärchen noch glücklicher zu machen.

Hinsichtlich der Glücksmaximierung hingegen werden die Herren bevorzugt. Da sie die Initiative ergreifen und aus allen Frauen wählen können – Frauen hingegen nur aus der Menge ihrer Kandidaten – wird ein für die Männer optimaler Zustand erreicht, für die Damen hingegen nicht.

Tatsächlich wird der skizzierte Algorithmus von Gale und Shapley für alle möglichen Matching-Aufgaben verwendet – aber sicher nicht für Heiraten. In den USA zum Beispiel wurden viele Jahre Krankenhäuser und Medizinstudenten einander zugeordnet. Ähnliches gilt auch für Zimmerpartner in Universitäten, oder überhaupt Universitätszulassungen von Studenten. Seinen Namen als „stable marriage algorithm“ verdankt er vermutlich weniger der realen Anwendung als der Tatsache, daß auch in dieser mathematischen Anwendung Herren die Initiative ergreifen – aber die Damen die letztendliche Entscheidung treffen. Lediglich die Stabilität stellt sich der wahren Welt nicht ein, nicht einmal mit modernen Supercomputern.

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31 Lesermeinungen

  1. Pruuuuuust. Das war ein...
    Pruuuuuust. Das war ein Beitrag mit hohem Unterhaltungs-, wenn auch sehr geringem praktischen Nutzwert. Die Diskussion über den Nutzen mathematischer Modelle für hochemotionale Entscheidungen fange ich jedenfalls nicht an :-).
    Ich wurde an ein altes Bonmot der Generation meiner Eltern erinnert: Verloben heisst festhalten und weitersuchen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. ThorHa, nun, es kommt darauf...
    ThorHa, nun, es kommt darauf an, was man unter „festhalten“ versteht: in der Generation meiner Eltern war jedenfalls keiner so doof, die Zahlung von Kranzgeld zu riskieren.

  3. ThorHa, ich kann ja auch nicht...
    ThorHa, ich kann ja auch nicht immer geistige Salti vorlegen. Die Strategie vorläufiger Sicherung des Status Quo bei gleichzeitigem Schielen nach rechts und links ist mir in letzter Zeit auch begegnet, finde ich aber uncharmant.
    .
    muscat, vielleicht braucht auch der moderne Mann noch derartige Anreize?

  4. Liebe Sophia, gut möglich; so...
    Liebe Sophia, gut möglich; so manche Rückkehr zu alten Traditionen muss nicht per se etwas Schlechtes sein.

  5. Liebe Sophia,

    mit etwas...
    Liebe Sophia,
    mit etwas Planung lassen sich die erforderlichen 37% schon recht gut ermitteln. Man muss sich nur zu regelmäßigen Gesellschaften in den Presse Club (für das Berliner Volk) oder in den Country Club (gibts auch in Berlin, aber besser anderswo) bzw. auf die Gesellschaftsjagd begeben. Die in gewissen Kreisen auch beliebten Radtouren zur ehrenamtlichen Renovierung schöner alter Schlösser sind ebenfalls ein regelmäßig gut funktionierendes Matchingverfahren.
    Die Lösung des stable marriage problems scheint mir sehr geeignet, setzt aber eines unbedingt voraus: Die Beteiligten müssen sich denn auch mal entscheiden können. Leider scheitern viele Ehen und Beziehungen ja daran, dass sich der meist männliche Part nicht grün ist, was er eigentlich will. Eine Lehre aus dem sonst eher belanglosen Film 21: Immer einen Wechsel der Variablen in Betracht ziehen.
    muscat, das Kranzgeld wurde übrigens auf Betreiben einer Dame abgeschafft.

  6. Herrlich! So geht das also mit...
    Herrlich! So geht das also mit dem glücklich werden. Ich bin es zwar schon, aber da tun sich eine Vielzahl von Geschäftsmodellen auf – Understanding of the „stable marriage algorithm“, Best practice, Nachbreitung, Follow-Up Seminare….
    Dazu Merchandising, Videos, Musik, Bücher, Apps… Und das alles mit einer schier unerschöpflichen Zielgruppe und einen Urinstinkt des Menschen tangierend ;-)

  7. @Sophia:
    War auch nicht als...

    @Sophia:
    War auch nicht als Kritik gedacht.
    @muscat:
    Stimmt auch wieder. Bonmots müssen auch nicht realistisch sein.
    @Raoul:
    Achten Sie einfach mal auf die Menge an Lebens- und Liebesratgebern in grossen Sortimentern. Die Bücher stehen da nicht als Staubfänger :-).
    Dazu passt: Neue Revision des ‚Diagnostic and statistical manual of mental disorders‘ der American Psychiatric Association definiert (alle Fallzahlen zusammengezählt) nunmehr >50% der Bevölkerung als psychisch gestört. Ich habe schon eonen Antrag auf Minderheitenschutz an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend draussen. Inhalt der Antrag auf Minderheitenschutz für weisse, heterosexuelle, nicht gestörte Männer.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  8. Die Spieltheorie wird kaum...
    Die Spieltheorie wird kaum geistige Mängel der heutigen Gesellschaft befriedigend lösen können.

  9. Langbein, nach meinem Eindruck...
    Langbein, nach meinem Eindruck ist das Nicht-binden ex ante bei Männern verbreiteter – das „trading up“ hingegen bei Damen, ganz wie im Algorithmus.
    .
    Raoul, bei Geschäftsideen würde ich mich gerne beteiligen, wenn ich schon Muse war.
    .
    Michael, echt, jetzt?

  10. @Michael:
    "geistige Mängel...

    @Michael:
    „geistige Mängel der heutigen Gesellschaft“
    Eine Gesellschaft kann qua Definition keine geistigen Mängel haben.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  11. Sophia, indeed. Wobei ich...
    Sophia, indeed. Wobei ich unterstelle, dass „trading up“ strategisch geplant erfolgt, mangelnder Bindungsentschluss hingegen einer Schwäche im eigenen Wollen entspringt.

  12. @Thorsten Haupts

    Staubfänger...
    @Thorsten Haupts
    Staubfänger sind diese Bücher mitnichten, sondern verkaufen sich bestens. Ich meine nur, dies wäre ein neuer Ansatz.
    @Sophia
    Sobald ich meine Gedanken dazu geordnet habe werde ich Ihnen ein schlüssiges Konzept vorlegen ;-)

  13. Das ist ein schwerer...
    Das ist ein schwerer Text-Klotz. Aber interessant.
    Nun um die Wahrscheinlichkeit beim Dating zu erhöhen, hilft das Internet. Diese ganzen Dating-Portale helfen ungemein. Vor allem sind die Fotos ein Segen. Früher mit den alten Chiffre-Anzeigen war das ein Problem (keine Fotos, kein direkter email-Kontakt…). Und je mehr potentielle „Objekte der Begierde“ man(n) trifft, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann funkt.

  14. "Vor allem sind die Fotos ein...
    „Vor allem sind die Fotos ein Segen.“
    Oder ein Fluch.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  15. Langbein, beides finde ich...
    Langbein, beides finde ich gleichermaßen fragwürdig. Moralisch gesehen – aber das hier ja nicht das Thema.
    .
    Raoul, ich bitte darum.
    .
    Tim Schäfer, das ist leichte Unterhaltungskost im Vergleich zu den sonstigen Themen hier. Zu meiner eigenen Verblüffung ist die Diskussion jedoch umso lebhafter, je anspruchsvoller das Thema. Dating-Portale finde ich fürchterlich – das hat sowas strategisches, das mir mißfällt. Zufall hilft manchmal auch.

  16. @Sophia -...
    @Sophia – anspruchsvoll:
    Eigentlich eine Steilvorlage für einen Wutanfall. Oder für melancholische Trauer … Wieviele, cher Sophia, Menschen mit einem IQ>120 gibt es in Deutschland, fast alle davon gut gebildet oder ausgebildet? Und wieviele davon werden durch die Artikel einer durchschnittlichen Qualitätszeitung, selbst der faz oder ZEIT, bedient? Genau. Der Hunger ist da, aber niemand gibt ihm Futter. Sicher ist das nur eine Nische, aber eine, die auf dem Radar von genau niemandem in der Medienbranche ist. Deshalb haben Ihre Blogeinträge umso mehr Zuspruch, je mehr Sie dem Leser zumuten. Sie nehmen damit Leser ernst, die sonst an der allgemeinen Verflachung der Medienlandschaft schier ersticken.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  17. ThorHa, ohne Frage sind die...
    ThorHa, ohne Frage sind die Leser die größte Zierde dieses Blogs und ich bilde mir eine Menge darauf ein, so kluge Kommentatoren zu haben. Davon abgesehen sind die Themen ja doch sehr abseitig, manchmal… aber selten bekomme ich mehr Zuspruch als bei Beiträgen über Quantenphysik oder theoretische Mathematik. Dafür bräuchte es eigentlich einen Physiker oder Mathematiker, keinen Laien wie mich.

  18. Lieber Tim Schäfer,
    seien Sie...

    Lieber Tim Schäfer,
    seien Sie nicht so leichtsinnig mit der Aussage, dass Bilder jetzt alles viel einfacher machten. :-)
    .
    Die meisten Aufnahmen der Begehrten sind gar nicht aktuell. Die Photoshop-Künste der flirtbereiten Allgemeinbevölkerung sind gestiegen. Der Glam-Filter einer bestimmten Fotosoftware-Bude tut sein Übriges.

  19. bester Tim Schäfer, man...
    bester Tim Schäfer, man könnte es auch anders sehen – man hat jemanden, auf welchem weg auch immer, gefunden, mag sich aber nicht so recht binden, weil potentiell so viele andere partner, noch bessere partner, im grossen internetz schwimmen, welches durchaus ein problem für die aktuelle beziehung sein mag.
    .
    liebe Sophia Amalie, bitte, auch ich bin keine mathematikerin, freue mich aber über orchideenthemen sehr und bin schlichtweg froh, das sich jemand an leser statt und für die leser das kluge köpfchen zerbricht.

  20. donna laura, vielen Dank, aber...
    donna laura, vielen Dank, aber ich kann mich nur wiederholen: ohne die Kommentatoren wäre es nur halb so spassig.
    Das Nichtfestlegenwollen hat natürlich etwas mit den wahrgenommenen Alternativen zu tun – aber auch dem Gefühl, sich immer noch etwas verbessern zu müssen, nehme ich an. Sehr sonderbar.

  21. Ja, ich bin berechenbar, hält...
    Ja, ich bin berechenbar, hält mir Eines eine Schokolade hin, greife ich zu, stellt Eines 3 Stück Schokosahne hin, lasse ich, in guten Momenten, keinen Krümel übrig und werde pampig, wenn Eines seine Gabel mit einstechen will, nöö, das geht gar nicht! Und bei Frauen bin ich auch berechenbar, stellt sich eine in Allen Richtungen interessierte, offene, herzliche, lebendige, redselige und unabhängige Frau mir in den Weg, dann bin ich hin und wegg und strahle wie der Vollmond, wie weit das geht, ist ein Spiel zu zweit. Ja, ich bin auch berechenbar, in vielem sogar zu mehr als ?weiss auch nicht wieviel Prozent?, aber sehr. Will ich das? Berechenbarkeit. Muss wohl so sein, sonst: Chaos. Also bin ich berechenbar. Tja, die Mathematik; is scho a Hund, wos de so ois find, wanns suacht. Sche!§$e, ich bin berechenbar!

  22. @Thorsten Haupts
    Um ehrlich zu...

    @Thorsten Haupts
    Um ehrlich zu sein, mit dem Thema habe ich mich nicht viel abgegeben. Mit Spieltheorien und Modellen schon mehr.
    „Eine Gesellschaft kann qua Definition keine geistigen Mängel haben. “ Die Menschen, die in einer Gesellschaft leben, schon. Was sind denn die Triebkräfte für das Scheitern von offiziell 50% der hiesigen Ehen ? (Je mehr migrantische Türken, desto geringer die Scheidungsrate, desto mehr „deutsche“ Kinder?) Dieselben, die das „Singledasein“ fördern. Unzufriedenheit und Egoismus in all seinen Ausführungen. Sie werden durch die immer stärkere Aufspaltung in „arm“ und „reich“ nach Kräften gefördert. Die unteren und der untere Teil der mittleren Einkommensklassen würden also eher zur Scheidung neigen, als die oberen. Die Konsumgesellschaft, mehr Schein als Sein, das Leben auf Pump, vom medialen Trommelfeuer in die Köpfe gehämmert, fördern das Zerbrechen von Familien. So wären die Scheidungsraten über die Zeit gestiegen bzw. der Anteil derer, die nie heirateten, hätte seit 1945 kontinuierlich zugenommen. Das wird ja als „Flexibilität“ geradezu eingefordert. Dazu müßte es bei ordentlicher Recherche sogar brauchbare Zahlen geben.)
    .
    Die Qualität der Ausgangsdaten und deren Aufbereitung für das Modell bestimmt dessen Ergebnis. Egal, grau ist alle Theorie.
    .
    @Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia
    In Ihren Modellen sind „gleichwertige“ Probanden verarbeitet worden. In der Tat ist aus unserer Seminargruppe von denen, die heirateten, auch nach 20 Jahren niemand geschieden. Aber normalerweise sind die „Probanden“ nicht „gleichwertig“.

  23. Das Sekretärinnenproblem ist...
    Das Sekretärinnenproblem ist ein Modellierung, die für Verpaarungen so unangebracht wie nur denkbar ist. Denn es geht ja meist nicht darum, den„besten“ irgend zu findenden Partner zu ergattern, der sich passiv darböte und nur auf die eigene Wahl wartete. Außerdem weiß man die Zahl der Kandidaten nicht, wie also die 37%-Präinspektionsgröße berechnen? Außerdem kostet der Wahlprozess Zeit, in der Opportunitätskosten anfallen (Topf ohne Deckel). Außerdem unterstellt das Modell eine (qualitative) Rangordnung, während entsprechend operierende Personen doch realistischerweise im Statistischen Jahrbuch nach der Einkommenverteilung des Verpaarungsgeschlechts Ausschau gehalten hätten und also andererseits mehr wissen, als das Modell unterstellt.
    Nehmen wir zur Illustration einmal an – und natürlich völlig unrealistisch – die wählende Person entschiede sich allein nach der Einkommenhöhe der Partnerkandidaten. Dann kommt es nicht so sehr darauf an, den Partner mit dem bestem Einkommen schlechthin zu finden, sondern darum, nicht am Schluß mit einem vielleicht ganz einkommenslosen vorlieb nehmen zu müssen. Und wenn man einen Kandidaten erränge, der einen Euro weniger verdiente als der beste überhaupt, sähe man das nicht gerade als ein Scheitern des Versuchs an, angesichts einer maximal erreichbaren Wahrscheinlichkeit von 1/e, den überhaupt zu fangen, obwohl der dann halt höchstens auf Rangplatz zwei liegt, also Frustration bedeutet.
    Ein realistischerer Grundansatz ist eher – antiromantisme oblige – die Maximierung des erwarteten kontinuierlichen Nutzens durch einen dafür geeigneten Algorithmus.
    Natürlich mag es in Einzelfällen doch ums Optimum überhaupt gehen, aut Caesar aut nihil. Auch das ein Caesarenwahn … Friede Caesars Seele!

  24. Oliver-August Lützenich, am...
    Oliver-August Lützenich, am Ende sind wir alle Gewohnheitstiere und daher – nach eingehendem Studium – berechenbar.
    .
    Michael, inwiefern gleichwertig? Welche Seminargruppe?
    .
    Pérégrinateur, natürlich sind Präferenzen bei der Partnerwahl komplex, und Nutzenmaximierung würde zu einem völlig anderen Ergebnis führen. Aber dafür habe ich keinen Algorithmus gefunden, also wurde es das Sekretärinnenproblem.

  25. Toll, was die Spieltheorie...
    Toll, was die Spieltheorie alles leisten kann – wir sollten uns von ihr bei der Fuehrung unserer Banken inspirieren lassen! … Ach, haben wir schon? Ging nicht so gut? Da muessen wir einfach den Menschen etwas besser modellieren.
    .
    In der Liebe haben wir ja leider das Problem, dass der Mensch sich in der Regel nicht immer rational verhaelt, genau wie es den postulierten homo oeconomicus in Wirklichkeit auch selten in Reinform gibt. Fuer statistisches „Fehlverhalten“ koennte man vermutlich noch „leicht“ irgend ein weisses Rauschen in die Gleichungen einbauen, aber alles was komplexer wird laesst sich vermutlich nur noch empirisch irgendwie sinnvoll verwursteln – und ob komplexe Verhaltensweisen (z.B. Art der Eheanbahnung) in einer Bezugsgesellschaft lange genug vergleichbar bleiben, um daraus brauchbare Schluesse fuer die Zukunft zu ziehen, wage ich zu bezweifeln.
    .
    Danke, werte Sophia, fuer den wieder einmal sehr interessanten Beitrag

  26. Stable marriage problem klingt...
    Stable marriage problem klingt doch super. Früher als die Liste der potentiellen Kandidaten noch recht überschaubar war, hat sich irgendwann ein stabiles Gleichgewicht eingestellt. Ich denke da an eine quasi geschlossene Dorfgemeinschaft. Heute mit Internet und erhöhter Mobilität, ist die Liste fast unendlich und man kann nichtmal mehr von einem Fließgleichgewicht sprechen.
    .
    Die Ehe basiert bei vielen Leuten ja eh nur auf einer Kosten-Nutzenabwägung. Das lässt sich statistisch auch schön verfolgen, wenn man die Scheidungsrate betrachtet in den `70ern und die Familienrechtsreform dazu in bezug setzt.
    Ich finde auch die These spannend, dass sich Menschen in Zukunft nur noch kurzzeitig zur Reproduktion zusammen finden.
    .
    Kritik: Es würde sicher nicht schaden, wenn etwas mehr zeitlicher Abstand zwischen den Blogbeiträgen hier wäre.

  27. T.I.M., das sind ja auch...
    T.I.M., das sind ja auch Spielereien, die hoffentlich niemand ernst nimmt. Andererseits hat man das bei der Risikomodellierung in Banken vielleicht auch irgendwann mal gedacht…
    .
    Veil of ignorance, die Auswahl ist sicherlich ein Problem, es gibt sogar Studien, die zeigen, wie Auswahlmöglichkeiten und Entscheidungen Stress verursachen.

  28. Sophia, der Unterschied ist...
    Sophia, der Unterschied ist bloss, dass im Zwischenmenschlichen niemand davon ausgeht, dass sich alle rational verhalten, in der oekonomischen Theorie aber das rational handelnde Individuum lange der Massstab war (und wohl noch ist). Aber wenn der Mensch so waere, funktionierte auch der Kommunismus… theoretisch ;-)

  29. @T.I.M. - raional und...
    @T.I.M. – raional und Kommunismus:
    Nein :-). Damit der funktioniert, müssten alle Menschen vollkommen uneigennützig sein. Dann vielleicht …
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  30. @ Tim
    Der RC Theoretiker...

    @ Tim
    Der RC Theoretiker würde das genaue Gegenteil behaupten. Gerade weil Menschen rational handeln, kann der Kommunismus nicht funktionieren. Stichwort: Kollektivgüter und das „free-rider“ Problem.
    @Thorsten
    Wenn man Altruismus reziprokativ auffasst, kann man ihn auch gleich eliminieren und mit der Nutzenfunktion erfassen.

  31. T.I.M., der Kommunismus...
    T.I.M., der Kommunismus basiert auf Rationalität? Ne, glaube ich nicht… die Rationalität à la homo oeconomicus impliziert ja auch starkes Eigeninteresse, und genau das bedienen Märkte, denke ich.
    .
    Thorsten Haupts, eben.
    .
    Veil of ignorance, eben. Hach wie schön, wir sind uns alle einig. Allerdings sollte man bei Altruismus zwei Sorten unterscheiden: denjenigen, der sich wegen Reziprozität auszahlt (eben!) und jenen, der manchen Menschen intrinsischen Nutzen bringt, also Zufriedenheit ohne konkreten Nutzen.

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