Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (46)
 

Teile ohne zu herrschen

10.02.2012, 13:54 Uhr  ·  Gibt es eine Bürgerpflicht, Inhalte ins Netz hochzuladen und sich digital darzustellen? Noch nicht, aber einige Vorturner versuchen, die Nutzer zu einer Ethik des Teilens zu bekehren.

Von

Gibt es eine Bürgerpflicht, Inhalte ins Netz hochzuladen und sich digital darzustellen? Noch nicht, aber einige Vorturner versuchen, die Nutzer zu einer Ethik des Teilens zu bekehren.

Vor ein paar Wochen meldete ich mich nach längerer Funkstille bei einer früheren Redaktionskollegin. Irgendwann im Gespräch hub ich gerade an zu erzählen, dass Töchterlein jetzt zur Schule geht und ich das Rennradfahren als Ausgleichssport zur kopflastigen Schreibtätigkeit wiederentdeckt hätte. Da unterbrach sie mich sanft und sagte: „Ich bin im Bilde, ich lese ja schließlich Dein Blog.” Um dann entschuldigend zu ergänzen, sie sei was das angeht zugegebenermaßen „nur Schmarotzerin und nicht Wirtin”.

Bild zu: Teile ohne zu herrschen

Nun wäre ich selber nicht im Traum auf die Idee gekommen, es so zu sehen. Aber dann lese ich bei Antje Schrupp einen Beitrag, der sich lang und breit über sogenannte „Internet-Schmarotzer” auslässt: Mitmenschen, die so dreist sind, Blogs und Facebook-Einträge von anderen zu lesen, selber aber nichts beisteuern. Und damit nicht genug: Manche von denen seien auch noch so arrogant und überheblich, sich den digitalen Selbstdarstellern und für-umme-ins-Netz-rein-Schreibern meilenweit überlegen zu fühlen. Und nein, das gehe laut Frau Schrupp ü-ber-haupt gar nicht. Vielmehr bräuchten wir „ein kulturelles Umdenken”, das unser Schmarotzertum (denn letztlich schnorrten wir doch alle irgendwo Inhalte aus dem Internet) zur Sprache bringe und reflektiere.

Brauchen wir das wirklich? Ich könnte es jetzt kurz machen und sagen: „Ich glaube nein, guten Abend!” Aber die Gelegenheit ist günstig, dem neu entstehenden Irrglauben entgegenzutreten, das Internet sei in all seiner Großartigkeit so eine Art Gottheit, der gegenüber wir armen Sünder und Inhalteschnorrer in einer Grundschuld oder gar in einem Erbsünden-Verhältnis stünden und nur durch gute Werke – etwa indem wir selbst ordentlich viel Zeugs reinschreiben ins Internet, das die anderen dann lesen und konsumieren können – in den Stand der Gnade gelangen können. Ganz so hoch hängt Frau Schrupp die Angelegenheit freilich nicht. Sie vergleicht das passive Internet-Lesen eher mit dem Nichtwechseln des Staubsaugerbeutels in einer Wohngemeinschaft. Gleichwohl reicht auch das völlig aus, um die Verweigerung eigener Contentproduktion als kritikwürdigen Unterlassungstatbestand zu ächten.

Dass es der Verfasserin übel aufstößt, wenn sich die Verweigerer auch noch für cleverer halten als diejenigen, die mit ihrem Input für mehr Leben im Netz sorgen, kann ich sogar noch ansatzweise nachvollziehen. Das neutralisiert sich jedoch mit der Tatsache, dass vielen Normalbürgern ohne ausgeprägten Netz-Darstellungsdrang das digitale Vorgeturne der selbsternannten Netz-Elite auf ihren ständig wechselnden Spielwiesen auch nicht zu knapp auf den Nerven herum trampelt. Im Kern haben wir es also mit einem Gruppenkonflikt der Sorte “Wir sind aber besser als Ihr” zu tun.

Bild zu: Teile ohne zu herrschen

Damit könnte man es im Prinzip auch gut sein lassen, wäre die Schmarotzer-Kritik von Frau Schrupp nicht einer der vielen Versuche von Netz-Propheten, mit Umweg über eine Umwertung aller Werte eine netz- und informationsbasierte Pseudo-Moral zur neuen ethischen Richtschnur allen Handels hochzujubeln. Wir reden dann also nicht mehr über freiwillige (und sagen wir es rundheraus: nicht in allen Lebenslagen wirklich dringend benötigte) Selbstentblößung und Senfspende im Netz, sondern über einen eminent wichtigen Dienst an der Allgemeinheit. Die flammende Predigt, Datensparsamkeit und Zurückhalten von persönlichen Informationen seien mehr oder weniger Diebstahl an der Allgemeinheit, hören wir seit Jahr und Tag von den Web-Evangelisten, heißen sie nun Jeff Jarvis, Clay Shirky oder Kevin Kelly. Hierzulande hat sich der Blogger Michael Seemann daran versucht, mit seinem Vortrag „Das radikale Recht des anderen” eine Art Über-Ethik zu formulieren, die das Informationsinteresse des „Anderen” (gewissermaßen die figürlich-abstrakte Personifizierung einer wie auch immer gearteten Allgemeinheit) grundsätzlich über alle anderen Erwägungen stellt. Möge der Empfänger oder Abfrager allein entscheiden, was relevante Information ist oder nicht.

Wo das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung bleibt, wenn diese sogenannte Informations-Ethik Staatsdoktrin geworden ist, kann man sich ja mal fragen. Dabei muss ich an dieser Stelle fairerweise auch gestehen: Ich gebe ja gerne. Ich schreibe seit sieben Jahren ein privates Blog völlig frei von Gewinnerzielungsabsichten, freue mich über Kommentare und kommentiere auch anderswo fleißig; bei Facebook und Google plus bin ich zwar eher verhalten unterwegs, aber immerhin auffindbar. Aber ab dem Moment, wo man mir das als Pflichtprogramm aufdrücken will, auf sämtlichen Netzhochzeiten zu tanzen, hört der Spaß schlagartig auf.

Ich frage mich, wie naiv (oder tief drin im Enddarm von Facebook, Google & Co.) man sein muss, um die totalitären Tendenzen dieser Mach-Dich-nackig-das-ist-gut-für-die-Allgemeinheit-Ethik nicht zu sehen. Wenigstens traut sich der Internet-Skeptiker Evgeny Morozov, diesen sich abzeichnenden Trend zur „Tyrannei des Sozialen” klar beim Namen zu nennen. Nur, dass er dieses Phänomen zu sehr an Facebook festmacht und an dem Bemühen des Börsenneulings, seinen Mitgliedern das nahtlose Teilen von allem und jedem schmackhaft zu machen: „Wir wollen, dass alles sozial ist”, verkündete eine Facebook-Managerin unlängst auf Bloomberg TV. Das heißt, vom Filmegucken über das Musikhören und Bücherlesen und sogar bis hin zum Surfen und Online-Shoppen – alles soll mehr oder weniger öffentlich und kollaborativ ablaufen in Zukunft.

Bild zu: Teile ohne zu herrschen

Freilich würde es dem Thema nicht ganz gerecht, die Geschäftsinteressen und Gewinnerzielungsabsichten des Geselligkeitsnetzwerkgiganten zu sehr mit den post-privaten Idealvorstellungen einer offeneren Gesellschaft gleichzusetzen, wie sie von Leuten wie Christian Heller und der datenschutzkritischen Spackeria propagiert werden. Aber es gibt da eine unbestreitbare Konvergenz der Interessen. Und mit Beiträgen wie dem oben zitierten von Frau Schrupp (Executive Summary: Wenn ich bei Facebook was reinschreibe hast Du das verdammt nochmal auch zu tun!) machen sich Netz-Propagandisten zu unbezahlten Lobbyisten der großen Datensauger. Oder um es etwas alarmistischer zu formulieren: Wo Seemann und Schrupp säen, wird Zuckerberg ernten.

 

 

 

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (46)
Sortieren nach

Wie meistens (tief Luft...

Wie meistens (tief Luft holend) Zuuuuuustimmung. Als Schlechtmensch der faz-Blogs hätte ich ja nicht Addressat der Frau Schrupps sein dürfen. Ich hätte ihr nämlich freundlich erklärt, dass die Tatsache der Internet-Bereitstellung eines Angebotes auch Zeichen für übersteigerten Geltungsdrang in Verbindung mit unterentwickelten Fähigkeiten sein kann (!) - möchte jemand mit mir einen Rundgang durch YouTube machen. Und ich jeden der mir meine knapp bemessene Lebenszeit mit Unausgegorenem, Idotischem etc. stiehlt, ebenfalls für einen Schmarotzer halte, in der Biologie als Parasit bekannt. Denn in Wahrheit hat das Internet zwar jedem die Möglichkeit gegeben, sich zu artikulieren und darzustellen. Nur nicht die Fähigkeiten dazu, was eventuell dazu führt, ein paar Informations- und Meinungsperlen zu entdecken, die einem bei den konventionellen Filtern (Medien, Verlage) bisher entgingen. Mit Betonung auf "paar". Last but not least würde ich Frau Schrupp sehr freundlich erklären, dass ich Menschen ausgesprochen langweilig finde, die eine erkennbar schwachsinnige Minderheitenposition nur deshalb lautstark besetzen, weil einem das jede Menge Aufmerksamkeit einträgt. Am Ende dieses Gespräches könnte sie wenigstens nicht behaupten, ich wäre ein Schmarotzer gewesen. Ich hätte sie ja mit vielem wertvollen Input versorgt. In dem stolzen bewusstsein, sein heutiges Soll erfüllt zu haben, Thorsten Haupts

Wenn keiner was ins Netz...

Wenn keiner was ins Netz stellte, stände da auch nichts, das ist mal klar. Wenn keiner Werbemüll in meinen Briefkasten stopfte, wäre da keiner. Wenn keiner Graffiti an die S-Bahn sprühte, wäre sie langweilig rot. Wenn keiner in der Öffentlichkeit laut telefonierte, wüßte man nichts über die Beziehungskrisen anderer Leute. Dieser oben verlinkte Artikel vertritt eine ziemlich danebene Ansicht. Gottseidank sind andere Standpunkte noch nicht sozial geächtet. Allerdings gilt auch: Wenn keiner solchem Unfug entgegentritt, wird er normativ. Daher danke für den Beitrag. Gruß K

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 15:21 Uhr

@ThorHa: Was mich an der...

@ThorHa: Was mich an der Attitüde nicht zuletzt stört, ist der protoreligiöse Subtext, der mich an meine katholisch geprägte Kindheit erinnert, in der sich die allsonntäglichen Kirchgänger für bessere und moralischere Menschen hielten und in der Christmette die Nase rümpften über die Leute, die allenfalls zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern den Weg in die Kirche fanden. Oder das Geschiele nach links und rechts, wieviel wohl die Banknachbarn in den Klingelbeutel tun.
.
Überhaupt trägt die Internet-Verklärerei mancherorts schon wieder Züge einer Ersatzreligion mit Erweckungscharakter. Aber so wie das emanzipatorisch-revolutionäre Potenzial des frühen Christentums nach einiger Zeit von den imperialen Strukturen zur Machtfestigung vereinnahmt und pervertiert wurde, kann es auch dem Internet passieren. Dass wir es haben, garantiert per se erst mal für gar nichts.

0 Antje Schrupp 10.02.2012, 15:24 Uhr

Danke, dass du meinen...

Danke, dass du meinen schnellen Rant hier so prominent aufgreifst. Was du aber falsch wiedergibst (oder vielleicht hast du es auch so verstanden, jedenfalls habe ich es nicht so gemeint) ist, dass du dahinter eine moralische Verurteilung vermutest. Ebenso wie bei deinem Eingangsbeispiel deiner Kollegin, wo du ihr Eingeständnis "Ich bin ja nur eine Schmarotzerin" (interessant übrigens, dass sie dasselbe Wort wählt wie ich), als "Schuldeingeständnis" interpretierst. Wahrscheinlich ist diese gesamte Welterklärung in den Bahnen von "Moral und Schuld" einfach tatsächlich so tief in unserer Kultur verankert, dass man davon nicht wegkommt, selbst wenn man es ausdrücklich dazu schreibt, dass es so nicht gemeint ist. Vielleicht hättest du das "Ich bin ja nur eine Schmarotzerin" deiner Kollegin ja auch einfach als Dankbarkeit interpretieren können? Dann hätte sie nämlich genau das gemacht, was ich in meinem Blogpost vorschlage: Nämlich die real vorhandenen Unterschiede in unseren Kompetenzen, Aktivitäten und Vorlieben auszusprechen und sich an den Stellen, wo man selbst von anderen profitiert ohne etwas zurückzugeben, dankbar zu zeigen, und an den Stellen, wo man mehr gibt als andere, großzügig zu sein. In dem Sinne: Es lebe das Schmarotzertum von uns allen. (Das war es jedenfalls, worum es mir ging).

0 BukTomBloch 10.02.2012, 15:46 Uhr

Guten Tag. ...so, so. Was lese...

Guten Tag. ...so, so. Was lese ich? "... dass vielen Normalbürgern ohne ausgeprägten Netz-Darstellungsdrang das digitale Vorgeturne der selbsternannten Netz-Elite auf ihren ständig wechselnden Spielwiesen auch nicht zu knapp auf den Nerven herum trampelt. ..." Dieses "Darstellungsdrang", dass hört sich dann schon reichlich nach "Selbstdarstellungsdrang" an - wird mir gegenüber auch immer mal gern genommen, dieser Anwurf. Und sowas mag es ja sicher auch geben. Aber sicherlich nicht nur: Wenn es dann um das promoten von charity- Aktionen ging, hieß es: "Wer wirklich helfen will, der tut es und schweigt darüber." Hm, äh. Da war ich dann erst mal sprachlos. Wie kündige ich denn eine Lesung, ein selbstorganisiertes Wohltätigkeitsfest im Netz, u.ä. (oder auch "nur" eine Lesung) an, wenn ich danach handeln will? Da ist doch ein Unterzeichner, ein Verantwortlicher, ein Ansprechpartner, usw. zwingend erforderlich... Ja, sicher. Martin Luther sagt auch: "Gute Werke haben keine Namen!" Wer sagt denn, dass ich nicht auch anonym spende? Es wird noch etwas vergessen. Wenn jemand mein Angebot auf die Nerven geht: eine Entkreisung, ein Blocken, etc. - ist nur einen Mausklick weit entfernt ...! MfG Burkhard Tomm-Bub, M.A. aka BukTom Bloch - Freie Bibliothek Pegasus in SL -

0 Sammelmappe 10.02.2012, 15:59 Uhr

Dieser Artikel liest sich so,...

Dieser Artikel liest sich so, als hätte sein Verfasser nur die Überschrift des Artikels von Antje gelesen, denn schon im ersten Abschnitt wird klar, dass es nicht um das geht, was dem Artikel hier vorgeworfen wird. Da der Autor aber doch auch zur Stelle mit den Glühlampen und dem Staubsaugerbeutel vorgedrungen ist, kann ich diese These vergessen. Jetzt bleiben mir nur noch die Thesen, der Autor beherrscht das Querlesen eines Artikels nicht oder er sieht zwischen den Zeilen Aussagen, die anderen Menschen verborgen bleiben. Vielleicht hilft zweimal lesen?

Man sieht ... äh, ließt nur...

Man sieht ... äh, ließt nur mit dem Herzen gut. Dann lässt sich auch erfühlen, worum es Antje in ihrem Text geht.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 16:20 Uhr

@antje schrupp, Sammelmappe:...

@antje schrupp, Sammelmappe: Mag schon sein, dass ich den moralischen (oder meinethalben auch normativen) Aspekt aus dem Beitrag prominenter herausgelesen habe, als die Verfasserin ihn hineingewebt hat. Aber allein schon bei der starken Wortwahl wie "Schmarotzer" kann man auch nicht so tun, als stecke da gar keine moralische Wertung (oder kein impliziter Aufruf zum Geben/Teilen) drin. Es mag mit Zunge in der Backe und mit "sind wir nicht allzumal Sünder?" garniert gewesen sein, trotzdem sehe ich da nach wie vor eine Schnittmenge zu den kategorischen Imperativen, wie sie auch von @mspro und seinen Idolen aus Amiland immer wieder gern konstruiert werden. .

0 Antje Schrupp 10.02.2012, 16:50 Uhr

Naja, ich schreibe...

Naja, ich schreibe ausdrücklich: "Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass Leute das Internet nur passiv nutzen. Es kann viele Gründe dafür geben." Wie man das normativ lesen kann, leuchtet mir nicht ein. Ich führe den starken Begriff "Schmarotzertum" ein, um dann ein ausführliches Plädoyer FÜR das Schmarotzertum zu halten. Allerdings weise ich darauf hin, dass es dafür gewisse kulturelle Rahmenbedingungen braucht, und mein Blogpost war ein Versuch, dafür ein paar Ideen zu geben. Das will ich jetzt aber ausdrücklich nicht als Distanzierung von @mspro verstanden wissen. In der Tat sehe ich vieles ähnlich wie er, und ich habe den Eindruck, dass du auch in seinem Fall mit deiner Kritik nicht wirklich den Kern der Sache triffst.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 16:53 Uhr

@Buk Tom Bloch: Ach, nichts...

@Buk Tom Bloch: Ach, nichts gegen Selbstdarstellung, ich habe mich hier auf der FAZ.NET-Startseite wie in meiner privaten Dunkelkammer auch schon mehrfach zum Affen gemacht und würde es wieder tun. . @Jens: Antjes Punkt, dass Verweigerungshaltung nun wirklich nicht als Beleg für sonderliche Gewitztheit herhalten kann, habe ich ja durchaus mitunterschrieben. Ansonsten lese ich mit derm Herzen heraus, dass sie erst mächtig vom Leder zieht und dann im Laufe ihres Denkprozesses zurückrudert und ihre Eingangs-Prämissen gegen Ende stark relativiert. Was ich hiermit auch nicht gar kritisiere, aber Kommunikation ist halt _auch_ das, was ankommt, und mich hat ihr Drive zu Beginn des Textes nachhaltiger beeindruckt (und ja, auch zum Widerspruch gereizt) als das relativierende Ende.

0 Thorsten Haupts 10.02.2012, 16:56 Uhr

Schmarotzer hat im Deutschen...

Schmarotzer hat im Deutschen eine so eindeutige, so tief verankerte und so starke negative Bedeutung, dass der Gebrauch dieses Wortes für die Beschreibung von Tun oder Lassen eine unmissverständliche Wertung darstellt. Ein professioneller Journalist, der das nicht weiss oder miteinrechnet, ist entweder eben nicht professionell. Oder möchte einen Fehler zukleistern. In Schrupps Artikel heisst ein Absatz: "Aber wir brauchen dann auch ein kulturelles Umdenken, das diese Tatsache zur Sprache bringt und reflektiert. Mit anderen Worten: Wir müssen unser Schmarotzertum zugeben und nicht so tun, als sei es unser gutes Recht, dass wir uns selbst bedienen ohne was zurückzugeben, wo immer das möglich ist." Ich darf das mal in Deutsch übersetzen: Alle Menschen, die kostenlose Angebote wahrnehmen, sind Schmarotzer. Sie sollen sich dazu bekennen, welche zu sein, und denen dankbar sein, die kostenlose Angebote bereit stellen. Und daran ist alles falsch, was falsch sein kann. Kein Blogger postet aus reiner Menschenfreundlichkeit, ihn treibt immer ein absolut eigensüchtiges Motiv (Anerkennung, Selbstdarstellung, Interaktionsbedürfnis, Missionsdrang - whatever). Der Vorwurf des Schmarotzertums ist Blödsinn, weil die kostenlosen Lesenangebote des Netzes ja gerade dazu gedacht sind, gelesen zu werden - und zwar kostenlos. Die beste Analogie für das Verhältnis zwischen Bloggern und Lesern (für Frau Schrupp Produzenten und Schmarotzer) ist das von Symbionten - einer profitiert vom anderen. Und daraus lässt sich rein gar nicht die steile Forderung von Schrupps Schlussabsatz ableiten: "Denn eigentlich gibt es eine „Bürger_innenpflicht zum Bloggen“." Womit sie im übrigen ihren hiesigen Blogkommentar als Cover my Ass Aktion entlarvt - ja, für Schrupp ist Bloggen eine Pflicht. Gruss, Thorsten Haupts, reichlich verärgert über Versuche professioneller Wortgebraucher, ihre eigenen Worte nicht verstehen zu wollen.

Ich finde meinen Standpunkt...

Ich finde meinen Standpunkt hier korrekt wiedergegeben. In der Tat ist das radikale Recht des Anderen - oder weniger pathetisch: die Filtersouveränität genau diesem Gedanken entsprungen. Wir machen durch das Internet überall die Erfahrung, dass geteilte Information ein Mehrwert für alle darstellt, ohne, dass dem Teilenden auf der anderen Seite etwas genommen wird. Eine Verschiebung der Informationsethik hin zu Filtersouveränität ist da nur folgerichtig. Dass daran auch Unternehmen Geld mit verdienen finde ich dabei weniger skandalös, als dass sie selbst wieder versuchen, die Daten zu monopolisieren. Und das Schlimmste: mit unserem Bedürfnis nach Privatsphäre, helfen wir ihnen auch noch dabei. Richtig ist auch, dass eine Ethik der Filtersouveränität sicher einhergehen wird mit dem ein oder anderen moralisierenden Zeigefinger. Ich persönlich bin auch kein Fan von Zeigefingern, aber weiß, dass sie unabwendbar sind. Ich halte das aber keinesfalls für den Untergang von irgendwas. Wir haben uns als Gesellschaft dazu entschieden, Geiz nicht rechtlich zu verfolgen und ich denke auch nicht, dass wir mit dem Datengeiz (ich bevorzuge diesen Terminus, weil er so schön an "Datensparsamkeit" anschließt) anders verfahren werden. Aber am Naserümpfen wird man wohl nicht vorbeikommen. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass die Datenschützer dadurch ihre Datensparsamkeitsethik diskreditiert sehen. Aber hey, die Welt dreht sich weiter. Mit oder ohne Aluhüte.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 17:04 Uhr

@Antje, weiter oben schreibst...

@Antje, weiter oben schreibst Du aber: "Die (Internet-Schmarotzerinnen) gehen mir nämlich je länger desto mehr auf die Nerven." Sorry, ein klares Plädoyer pro sieht für mich anders aus, auch wenn Du im hinteren Teil Deines Eintrags viel versöhnlichere Töne anschlägst. Man könnte es böswilligerweise auch so resümieren, dass Du ganz schön rumeierst. ;-)

0 Antje Schrupp 10.02.2012, 17:23 Uhr

@Marco - Kannst du es dir...

@Marco - Kannst du es dir wirklich nicht vorstellen, dass mir etwas auf die Nerven geht, ohne dass ich es deshalb moralisch verurteilen oder normativ verbieten will? Ja klar geht es mir auf die Nerven! Und ich finde es falsch, wenn Leute sich den Möglichkeiten des "Alle können heute Publizierens" prinzipiell verweigern und das auch noch als klug hinstellen. Aber das ist ein politischer Konflikt darüber, welche Art von Gesellschaft wir haben wollen (und es wäre interessant, diesen Streit zu führen). Du hast daraus leider eine Frage von Gut und Böse gemacht, und das geht imho einfach total am Kern des Themas vorbei. @mspro - Meine Erfahrung zeigt, dass der erhobene Zeigefinger dabei kontraproduktiv ist. Leute machen Dinge immer lieber, wenn sie die positiven Aspekte davon kennen gelernt haben, und sie verweigern sich, wenn man sie mit ethischen Ansprüchen oder der Behauptung, es sei eh unausweichlich, dazu treiben will. Das merke ich gerade bei vielen älteren Frauen, die wenn sie Spackeria-Thesen lesen (was sie zum Glück selten tun, hehe) erst recht dagegen sind. Wenn sie aber erst einmal selbst die Erfahrung gemacht haben, dass Internet nicht weh tut, sondern Spaß macht, sind sie gerne dabei. Neulich habe ich irgendwo gelesen (muss das nochmal suchen), dass Frauen über 55, wenn sie erst einmal bei Facebook sind, das dann auch viel nutzen, das Problem ist bei vielen von ihnen, die "Einstiegshürde" zu überwinden. Das trifft sich auch mit meinen Erfahrungen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 17:29 Uhr

@mspro: Das ist ja beruhigend,...

@mspro: Das ist ja beruhigend, dass Datengeiz erst mal nicht unter Strafe gestellt werden soll. Ehrlich gesagt gilt meine diesbezügliche Hauptsorge auch weniger den Spackos und Spackessen. Naserümpfen der digital Erleuchteten wird auch noch auszuhalten sein, allerdings sehe ich ein paar gesellschaftliche Gradienten in der Summe mittelfristig auf Entwicklungen zusteuern, in denen es de facto schon mehr oder weniger auf Zwang hinauslaufen dürfte, dem sich nur die allerwenigsten entziehen können werden. Kann sein, dass ich diesbezüglich Paras schiebe und gegen Windmühlen reite, aber es ist für mich nun mal nicht ausgemacht, dass die zunehmende Verdatung unserer Existenz automatisch in eine freiere und bessere Gesellschaft mündet - solange wir uns im Gegenzug für unseren Striptease überwiegend mit Glasperlen abspeisen lassen.

@Marco Auch damit dürftest...

@Marco Auch damit dürftest du recht haben. Der soziale Druck einen Facebookaccount zu haben ist bereits heute extrem hoch. Und wer einen hat und wenig damit tut, wird sicher auch solziale Nachteile davon erfahren. Ich persönlich habe die selbe Geschichte damals hautnah miterlebt, als um die Jahrtausendwende die Handys aufkamen. In meinem Semester hatte irgendwann jeder ein Handy und ich war einer der letzten Handyverweigerer. Ohne, dass es meine Freunde wollten, wurde ich sozial immer weiter herausgedrängt, weil ich bei einer wichtigen Art zu kommunizieren einfach nicht mitmachen konnte. Ich habe irgendwann kapituliert und hab mir auch so ein Teil gekauft. Das selbe passiert gerade mit Facebook. . Ich gebe zu: sozialer Druck ist unschön. Aber was ist die Alternative? Den anderen verbieten, die Dienste zu benutzen? Jeder hat immer die Möglichkeit sich zu verweigern, muss dann aber mit den immer weiter steigenden sozialen Kosten dieser Abstinenz leben. . Dass sich dieser Druck dann wieder monetarisieren lässt, kann man kritisch beäugen. Aber vor allem, weil wir wesentliche Teile des gesellschaftlichen Diskurses auf private Infraratstrukturen ausgelagert haben. Was mich etwas beruhigt, ist die schnelllebigkeit der Branche. AOL ist tot, Myspace ist schon so gut wie wieder weg von Fenster, Google beginnt gerade zu wackeln und auch das Ende von Facebook werden wir erleben. Und natürlich kommt dann eine neuer AOLMYSPACEGOOGLEFACEBOOK und macht uns allen fürchterliche Angst. Ich seh das gelassen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 18:02 Uhr

@antje schrupp: Puh, von...

@antje schrupp: Puh, von "gut und böse" habe wiederum ich nicht geschrieben, und das ist nach meinem begrifflichen Empfinden auch nicht 1:1 kongruent mit Ethik und Moral, aber grundsätzlich sehe ich "wünschenswert" respektive "nervig" schon auch auf der gleichen Skala angesiedelt, nur eben weiter unten und mehr im Bereich des persönlichen Empfindens als im verallgemeinernden Werturteil, aber durchaus noch mit Schnittmenge zu den Begriffen weiter oben auf der Skala. Doch genug der Wortklauberei, wir können uns wie gesagt gerne darauf verständigen, dass ich den Aspekt Ethik/Moral prominenter rausgelesen habe als Du ihn reingeschrieben hast.
.
Auf die Frage nach der Gesellschaft, die ich hier im Rahmen dieses Blogs und den dazugehörigen Kommentarthreads immer wieder anreisse, habe ich auch keine finale Antwort. Ich finde nur, dass bei all der Späthippie-Träumerei von den emanzipativen Kräften des Netzes (die zweifellos da sind) zu oft vergessen wird, die Machtfrage zu stellen. Wir können natürlich weitgehend sagen, was wir wollen und haben noch Cluetrain-Manifeste im Ohr und die Träume vom Long Tail in der Hose, äh, im Hinterkopf, und gleichzeitig gucken wir relativ tatenlos zu, wie neue Mono- und Oligopole entstehen, die alles in den Schatten stellen, was wir von RWE, Telekom, AT&T und Microsoft kannten. Wir gefallen uns im Glauben, unsere kritischen Tweets wären Tritte in die Weichteile des Systems, aber meistens sind wir doch harmloses Klickvieh auf der WWW-Weide.

0 ehrensenf.lobenpreis 10.02.2012, 18:28 Uhr

Haben Sie die Seite mit...

Haben Sie die Seite mit "Schn_delpferdchen" gefunden? Sie wissen Mädels, _ackert, Pferd wie Frau Sibylle Berg dazu mal geschrieben hat. gruß corona-service

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 18:29 Uhr

@mspro: Ja, die sozialen...

@mspro: Ja, die sozialen Kosten für die Nichtteilnahme an bestimmten Entwicklungen werden steigen, dagegen sehe ich auch keine praktische Handhabe. Kevin Kelly hat mir dazu in einem Interview gesagt, die steigende Anzahl an Optionen werde es mit sich bringen, dass wir selbst wenn wir das wollten gar nicht mehr überall mitmachen und dabeisein können. Er sehe es daher kommen, dass wir uns künftig weitaus mehr als bisher auch darüber definieren, wo wir NICHT mitmachen. Das nähme aus der Sache womöglich etwas Druck raus, aber bei Basics, sei es das Handy oder die FB-Mitgliedschaft, dürfte es weiterhin schwer und mit hohen sozialen Kosten verbunden bleiben, sich zu verweigern. . Die Handy-Geschichte habe ich selber übrigens ein bisschen anders erlebt, aber das hat damit zu tun, dass ich ein paar Jährchen älter bin und mein berufliches und privates Umfeld sein Kommunikationsverhalten nicht so komplett umgestellt hat, dass Verabredungen immer mehr zu unverbindlichen Last-Minute-Termingeschäften mutiert wären, wie ich das bei deutlich jüngeren Leuten beobachte. So habe ich mir erst 2003 eine abgelegte Siemens-Gurke eines Freundes aufnötigen lassen und eine SIM-Karte besorgt, aber das hätte auch gut noch eine Weile ohne funktioniert...

"Der soziale Druck einen...

"Der soziale Druck einen Facebookaccount zu haben ist bereits heute extrem hoch." Bis auf da, wo es zählt. Gruss, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 19:41 Uhr

@ThorHa: Diese Replik war...

@ThorHa: Diese Replik war etwas, nun ja, vorhersehbar. ;-) In unserer Generation mag FB-Präsenz ein nice-to-have sein, dafür kommt man so ganz ohne Xing- oder LinkedIn-Profil womöglich in Erklärungsnöte. Ich denke nicht, das mir als Freelancer da signifikantes Business entgeht, aber so ohne virtuelle Visitenkarte fühlt man sich mittlerweile doch ein bisschen komisch manchmal.

@Marco: Okay. Dann lege ich...

@Marco: Okay. Dann lege ich nach: Selbst, wenn es diesen Druck heute schon geben sollte, wo Problem? In meiner Jugendzeit gab es (bei uns in der Kleinstadt) einen extremen Druck, Parka zu tragen, lange Haare, ein bisschen links zu sein und antimilitaristisch. Ich war der Sohn eines Offiziers, trug bunte Skijacken, kurze Haare, war so unlinks dass es an rechtsradikal grenzte und hielt Pazifisten für Idioten. Schon 10 Jahre später gab es die meisten der erwähnten Druckeinflüsse nicht mehr oder in gewaltig abgeschwächter Form. Gesellschaftlich überlebt hat nur der Pazifismus. Und ich sehe halt voraus, dass es vielen heute für unaufhaltsam gehaltenen Netzentwicklungen ähnlich gehen wird. Ist meine Einschätzung des typischen (auch jungen) Internetnutzers richtig, dann sind Trends im Internetgebrauch (wie facebook) zwar wichtig, aber nicht transformativ. Und damit vergänglich. Ein bisschen Zeit habe ich noch :-)))))). Gruss, Thorsten Haupts

@mspro: Als...

@mspro: Als Gedankenprovokation ist die Filtersouveranität aka die Forderung nach Totalentblössung von jedermann für jedermann ja ganz nett. Als gesellschaftliche Vorhersage ist es - kurzer Blick in die Geschichtsbücher - toter als der Chicagoer Zentralfriedhof. Als gesellschaftliche Forderung ist es schlicht totalitär, die mildere Variante Ihrer Forderung (wenn es eine ist) war die "sozialistische Selbstkritik". Gruss, Thorsten Haupts

@ThorHa: "Gesellschaftlich...

@ThorHa: "Gesellschaftlich überlebt hat nur der Pazifismus."? Und das in einem Land, das von den vormals friedensbewegten Gruenen in einen voelkerrechts- und verfassungswidrigen (aber politisch sicher richtigen) Angriffskrieg gefuehrt wurde? Oder ist es schon Pazifismus, dass wir unseren Soldaten, die ein Land in Fernasien teilweise besetzt halten, verbieten, ordentlich zu kaempfen (Einsatzvorbehalte)?

@T.I.M.: Habe ich behauptet,...

@T.I.M.: Habe ich behauptet, dass Pazifisten nicht ausserordentlich kriegerisch werden können, sobald IHRE Knochen und die ihrer Kinder nicht mehr gefährdet sind? Und sie dann als Armsesselgenerale bezahlte Söldner (Berufssoldaten) zum Sterben und Töten schicken, um dann Krokodilstränen um die unvermeidlichen Toten zu vergiessen und die Staatsanwälte aufzufahren? Ändert nichts daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung pazifistisch ist. Und die Eliten wie deren Kinder eh nicht mehr beim Militär sind - Sterben überlässt man anderen. Wer Verachtung gewittert hat, hat Recht. Gruss, Thorsten Haupts

@kalchas "Wenn keiner Graffiti...

@kalchas "Wenn keiner Graffiti an die S-Bahn sprühte, wäre sie langweilig rot." Unsinn. Dann wäre sie eine S-Bahn ohne aus den USA übernommenen, falsch verstandenen, modischen aber längst passé äh: ...Kinderkram. . @Thorsten Haupts: "Ich darf das mal in Deutsch übersetzen:" Das ist bei einigen Beiträgen arg notwendig, denn anstudiertes (?) Geschwurbel liest man doch eher ungern. . Heute irgendwo gelesen: "Benennen Sie einfach mal Facebook um in Stasibook." DAS hat was.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 22:05 Uhr

@ThorHa: Ich weiß nicht,...

@ThorHa: Ich weiß nicht, inwieweit der damalige Konformitätsdruck mit dem vergleichbar ist, was Jugendliche heute erleben, auch wenn sich gewisse Grundmuster natürlich wiederholen. Mich als Spätvierziger zwingt heute auch keiner, ein Xing-Profil anzulegen oder dergleichen, aber man braucht sich auch nichts vorzumachen, dass es seinen Preis hat, sich bestimmten ungeschriebenen Regeln nicht zu unterwerfen. . Im Übrigen kann ich nur nochmal betonen, dass ich nichts davon halte, dem Phänomen Facebook zuviel Bedeutung beizumessen, das Netzwerk ist nur ein Einzelschauplatz auf einer weit größeren Karte. Die Masse der Mitglieder lässt sich nur schwer in Werbeerlöse ummünzen, und schon kommt mit Pinterest das nächste Ding aus dem Quark, das einige der werbeabweisenden Webfehler von Anfang an vermeiden will. Unsereins denkt natürlich, boah, wer braucht das denn, um dann festzustellen, dass die etwas kleiner und feiner definierte Zielgruppe (die mit dem anderen Chromosomensatz) dort schon sehr begeistert rumhühnert oder nach Einladungen giepert, mitpinnenzu dürfen. . @jeeves: Es gibt da eine geniale Textstelle von Max Goldt, in der er ohne in borniertes Spießertum abzudriften kritisiert, dass das unnütze Grafitti-Gekrakel von ranschmeißerischen Sozialarbeitertypen gerne als "Ausdrucksform einer Generation" verklärt werde. Und er verspüre nun das Bedürfnis zu sagen: "Liebe Generation, wir kennen Ihre Ausdrucksformen nun zur Genüge..."

@Marco -...

@Marco - Konformitätsdruck: Oh, nur als Anhaltswert: Meine Skijacke wurde über gute 6 Monate jeden Mittag vor Verlassen der Schule von Schulkameraden versteckt. Und mit jeden meine ich jeden :-). Der Konformitätsdruck ändert sich nicht, nur seine Ausdrucksformen. Ich halte nichts davon, dem Internet zuviel Bedeutung beizumessen. Wie schon einmal ausgeführt - der Buchdruck oder die Elektrizität waren revolutionär, das Netz ist es nicht. Denn es erweitert lediglich vor ihm bestehende Möglichkeiten, schafft aber keine grundlegend neuen. Seine wohl wichtigste (und bequemste) Funktion liegt in der Erhöhung der "Informations"umlaufgeschwindigkeit, die theoretische Senderfunktion für jedermann war schon immer eine Schimäre wegen der ungerechterweise ungleich verteilten Fähigkeiten. Gruss, Thorsten Haupts

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 10.02.2012, 22:31 Uhr

@ThorHa: So gesehen brachte...

@ThorHa: So gesehen brachte auch der Buchdruck nicht wirklich Neues, denn Bücher gabs vorher auch schon, nur dass die beweglichen Lettern den Herstellungsvorgang enorm beschleunigten. In diesem Sinne ist das Internet in meinen Augen mindestens ebenbürtig - und es ist im Unterschied zum Medium Buch kein one-trick-pony, sondern vereint und beschleunigt nicht nur im Prinzip alle bisherigen Mediengattungen, Text, Audio und Bewegtbild, sondern kanalisiert auch diverse andere Datenströme ohne mediale Bedeutung. Vielleicht revolutioniert das Internet auf lange Sicht weniger die Medienlandschaft (obwohl die Verwerfungen hier schon ziemlich tektonisch sind) als vielmehr den Einzelhandel. Nur mal so als Gedanke...

0 Rainersacht 11.02.2012, 09:08 Uhr

Artikel gut, auch wenn...

Artikel gut, auch wenn nachlesbar nicht wirklich auf den Äußerungen der Kollegin basierend. Trotzdem bin ich bei jedem öffentlichen Beitrag volle Kanne dabei, in denen die Nacktspacken des Internets aufs Maul kriegen. Mal abgesehen von der argumentativen Blödheit dieser Schnöseleria sei auch mal klargestellt: Die politische Intention hinter dem ganzen Hochjazzen der "sozialen" Plattformen ist die Stabilisierung und Ausweitung des Konsumismusses. Wer sich beispielsweise regelmäßig den Knüwer antut, wird feststellen, dass es im Wesentlichen ums Gadgetkaufen, Starbuckssaufen und Nach-New-York-Fliegen geht - ich erinnere mich noch ein einleitendes Statement in seinem Blog, das ging etwa so: "Im Dezember reisen viele Deutsche nach New York"... Argumentiert wird dann aber, dass die deutsche "Internetfeindlichkeit" den "Technologiestandort Deutschland" gefährdet - drunter tun sie's nicht, die Kriegsgewinnler der Social-Media-Walze.

0 schmoratzimus 11.02.2012, 09:24 Uhr

Einsamkeit der neue Luxus,...

Einsamkeit der neue Luxus, Schweigsamkeit als vornehme Rarität. Innere Emigration. Proust. Die Erotik und Wonnen der Opazität: "undurchsichtig" sein (Frankreich, wo alle Geheimnisse voreinander haben und bewahren, auch heute noch). Stille. Neugierige Blicke, aber wenn man den Namen googelt, kommt gar nichts, oder höchst verwirrendes, aber jedenfalls nicht "Hallo Leute, meine Hobbies und Interessen sind...". Und wenn doch, war es doch ein anderer. Dieser User ist nicht verfügbar. . Die Borgs glucken glücklich schnatternd zusammen, sie streiten lustig über Pepsi oder Coca, Ios oder Android, SPD oder CDU, werden Freunde, sind wieder nicht mehr Freunde, usw. . In skandinavischen Ländern oder in Holland gibt es noch vielfach das Ideal, ein jeder möge seine Haustür nicht absperren, und die Vorhänge nicht zuziehen, also transparent für seine Mitbürger sein. Dieses Ideal ist ein protestantisches, und dient auch der sozialen Kontrolle. . Frau Schrupp zitiert eingangs ihre Bekannte: sie hätte von dieser auch einfach die email oder Handy-Nummer verlangen können, um in Kontakt zu bleiben. Stattdessen nach Facebook zu verlangen, ist so modern wie blöde, denn es impliziert, man habe doch sicher wechselseitig Interesse an täglichen Nichtigkeiten, Eitelkeiten, Wichtigtuereien voneinander. Das ist aber etwas völlig anderes als reines "in Kontakt bleiben": es ist aufdringlich (ein altes Wort, kennt ihr es noch?). . Ich denke, es verhält sich eher andersrum: die Entblößer und Laberhannes-se schmarotzen an unserer Aufmerksamkeit, locken uns und plinkern mit den Augen, "seht mal, was ich geschrieben habe", sie brauchen uns Mitleser weitaus mehr für ihren Narzissmus, als wir sie, denn ohne uns wären sie nichts. . Übrigens hätte ich eine Idee für ein neues social media-Projekt: Es handelt sich um ein ganz ähnliches Netzwerk wie Facebook. Der Unterschied wäre nur, dass man dort nicht Inhalte, Links und Meinungen, sondern sein Geld und seinen Wohlstand miteinander teilt. Wie wärs?

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.02.2012, 10:08 Uhr

@schmoratzismus: Haha, hätte...

@schmoratzismus: Haha, hätte auch schon einen Namen: dotcommunists.com ;-) . Interessanter Gedanke, von wegen, die brauchen uns. Wobei ich mich da dann auch nicht völlig ausnehme, in meinem Privatblog ist auch Aufmerksamkeit die Währung (oder wenn man so will der Applaus das Brot des Künstlers). . @Rainersacht: Wie gesacht, an sich ist der Knüwer ein voll okayer Typ. Aber ich kann sein Blog kaum noch lesen ohne Krämpfe - aus ähnlichen wie von Dir genannten Gründen. Geht übrigens auch paar anderen Leuten so, die ich kenne. Die haben gegen Gadgetismus und Konsumismus im Allgemeinen und Digitalen eher wenig einzuwenden, sind aber zunehmend genervt von dieser ständig übergeigten Topchecker-Attitüde und dem Deutschland-wird-abkacken-Gebarme.

0 E.R. Binvonhier 11.02.2012, 10:35 Uhr

" die Entblößer und...

" die Entblößer und Laberhannes-se schmarotzen an unserer Aufmerksamkeit,.." kein Problem, mit Hilfe des Internet hat sich auch die Geschwindigkeit des Selbstauslese- prozesses erhöht.

0 E.R. Binvonhier 11.02.2012, 10:40 Uhr

Welche Gesellschaft, die...

Welche Gesellschaft, die Zukunft gewinnen will, kann es sich leisten auf den Zitierten 'sitzen' zu bleiben.

0 Sozialnetznichtnutzer 11.02.2012, 10:54 Uhr

Du willst mich kennen, an...

Du willst mich kennen, an meinem Leben teilhaben, wissen wie mein Urlaub war ? Fein, treff mich auf der Strasse, lass uns nen Kaffee trinken gehn.

0 E.R. Binvonhier 11.02.2012, 12:25 Uhr

Gut, ich gebe zu, es ist kein...

Gut, ich gebe zu, es ist kein beneidenswerter Job krude Marketingstrategien mit moralischer und sozialer Bedeutung aufzuladen und an den Mann/Frau zu bringen.

1. Wäre nie auf die Idee...

1. Wäre nie auf die Idee gekommen, andere, die nur lesen, oder mich selbst wenn ich mal nicht schreibe, als Lese-"Schmarotzer" zu bezeichnen. Hab einfach diese Denke nicht. Eher hab ich Komplexe andersrum, siehe 3. . 2. Ich denke, Schrupp schreibt einfach nur volatil über volatile Stimmungen. Der Marco du September hingegen hält dieses Stimmungsbild gleich für deutungshohe Analyse. Typisch Mann? Sind sie nicht, hätte man auch erkennen können. fazIT: Aneinander vorbeigeredet. . 3. Über Zeitungs-Leserbriefschreiber hat man früher zu 99% gelächelt (gibts die noch?). Man hat sie nicht ernst genommen, sie waren in den Augen der meisten anderen Leser Selbstdarsteller, Wichtigtuer, Krakeeler oder gar Querulanten. Was einen aber nicht daran gehindert hat, sie trotzdem und genau deswegen als hochunterhaltend zu lesen und man hat vorsorglich sein Popcorn rausgenommen. Sehr viel anders kommt es mir im Internet auch nicht vor. . 3.a Zuweilen komme ich mir selbst auch dumm und entblößend vor, wenn ich einen Internet-Kommmentar schreibe und denke, aua, was schreibst denn wieder, ist doch eh wieder nur für die schweigsamen Popcorn-Leser, damit sie sich beeiern können "was issn das für eine Seltsame ..." . Bringt doch nix außer schlechte Gefühle für mich. Ja, manchmal fühle ich mich schlecht dabei, weil ich kommentiert habe. Selbsttherapie :-) : Es gibt keinen besseren Grund dann, es einfach zu lassen. (Wollte zu "Teile ohne zu herrschen" auch nix schreiben, tat es aber dann doch. Vielleicht weil mich die Einschätzung des Themas gelinde gesagt aufregt.) . 2003 war ich jedenfalls deutlich begeisteter an welchem Diskurs auch immer beteiligt. Bis ich merkte, dass viele hochnoble Damen und Herren Star-Blogbetreiber selbst (meistens Herren, Tschulligung eure Hohlheiten ...) woanders kaum kommentieren. Das war aber mal die Idee der vernetzten Blogs: sharing. Aber sie hielten einfach nur Hof = die Nase hoch. Das ist nicht sharing. Und ließen sich kaum je gnädig dazu herab, auf anderen Blogs sich zu mehr zu beteiligen als maximal zu einen gnädigen Zweizeiler (oh!: Besuch des hohen Alpha-Bloggertiers, welche Ehre auf unserm kleinen schäbigen Blogzuhause ...) . Das ernüchterte doch etwas. So habe ich mir 2005-2008 Blogsharing dann doch nicht vorgestellt. Das war der Anfang vom Ende meiner damaligen Blogbegeisterung. . Meine öffentliche Kommentarbegeisterung - selbst in der FAZ - ist auch langsam so weit, ich spüre, wie sie einen ähnlichen Weg geht: Macht mir einfach keine Freude mehr, mich für Andere, Stumme, Schweigsame, die ich eh nie zu Gesichte bekomme, möglicherweise zum Clown zu machen. Ein abgeschotteter, der Öffentlichkeit unzugänglicher fb-account wäre da eine Alternative (wenn ich fb mögen täte, tue ich aber nicht) - oder ein Mini-Privatblog mit Passwort. Dann ist aber gegenseitiges Besuchen spaßiger, lebendiger und man kann miteinander essen & trinken dabei. Schreiben, Reden in das Nichts kann manchmal etwas ziemlich Totes sein. So langsam bevorzuge ich echte Menschen aus Fleisch und Blut.

0 RechtDerMirEigenenBildZeitung 11.02.2012, 15:38 Uhr

Die EMail mit Links drauf wie...

Die EMail mit Links drauf wie früher hätte es auch getan. Server sind ne feine Sache, wenn man sich gegenseitig gegen Datenverlust absichert. Das bedeutet jedoch mindestens synchrone Leitungen.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 11.02.2012, 16:18 Uhr

@Vroni: Ja, geschenkt, die...

@Vroni: Ja, geschenkt, die Zwo, das hatten wir ja gestern schon. . Kann verstehen, wenn der Spaß an der Senfspende mit der Zeit nachlässt. Ich kommentiere aber nach wie vor mehr als dass ich selber blogge. So bekam ich neulich drüben in der Dunkelkammer das leicht vergiftete Kompliment: "Vor allem freut mich, dass Sie den klugen Gedanken, die ich eigentlich nur aus Ihren Kommentaren auf sämtlichen Blogs dieses Portals kenne, diesmal auch auf Ihrer eigenen Seite einen Platz einräumen." Nun verfolge ich dort auch keinen großen Welterklärungsanspruch, aber bisschen gepiekst hat mich das schon. Andererseits kann man natürlich auch das Gute sehen, nämlich dass ich in der Community als Kommentaronkel über die Jahre doch eine Reputation aufgebaut habe - und dass sich auf diesem Weg auch einige sehr erfreuliche Bekanntschaften angebahnt haben, die sich in die Kohlenstoff-Sphäre weiterentwickelt haben. Als wir 2006 vom Hessischen Richtung Düdorf zogen, waren schon Kontakte und Anlaufstellen da. Insofern sehe ich da keinen grundsätzlichen Widerspruch zu Fleisch und Blut.

0 salonsurfer 12.02.2012, 20:17 Uhr

Gutes Thema, Marco, und...

Gutes Thema, Marco, und vielschichtige Antworten dazu. Teilen ja, wenn es einen Mehrwert für andere hat. Auf der Suche nach einem guten Objektiv für meine Olympus Pen fand ich im Internet unverhofft Rat und Hilfe u.a. auf einer polnischen Webseite. Und dabei stellte sich heraus, dass ein von mir favorisiertes Pancake-Objektive diverse Schwächen zeigt - dies war klar auf den Testfotos zu erkennen. Also habe ich den Kauf nicht getätigt, dafür aber ein anderes Portrait-Objektiv gefunden. So soll es sein: das eigene Spezialwissen mit anderen teilen. . Allerdings nicht auf Facebook und anderen kommerziellen Social-Media-Betreiberseiten, die meine Daten einsacken und mit ihnen machen, was sie wollen und dabei kaum einer Kontrolle unterstellt sind. Davon ganz abgesehen macht es Mühe und kostet Zeit, dort die raren Perlen zu finden. Auch bei den Bloggern versendet sich vieles - kann mich kaum noch daran erinnern, was z.B. der Don vor einem Monat in der FAZ gebloggt hat. Nein, keine Kritik, will nur die ganzen hochtrabenden Netzparolen etwas erden. Und ich schaue hier und beim Don immer wieder gerne rein.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.02.2012, 21:44 Uhr

@salonsurfer: Ich wäre der...

@salonsurfer: Ich wäre der Letzte, der behaupten würde, die Bloggerei wäre die Rettung der Publizistik. Es gibt so viele andere Plattformen, auf denen man sich nützlich einbringen kann. Aber auf alle Versuche, das zu einem Pflichtprogramm hochzuschreiben, werde ich weiterhin recht allergisch reagieren - selbst wenn ich im Fall von Frau Schrupp vielleicht zum Teil einem Missverständnis aufgesessen bin. Nehme ich ein paar Entwicklungen der vergangenen ein, zwei Jahre in die Gesamtschau, sehe ich schon ganz klar Versuche gewisser Kreise, einen Paradigmenwechsel herbeizuschreiben, nach dem Motto, das Zurückhalten persönlicher Informationen sei gleichbedeutend mit einem Diebstahl an der Allgemeinheit, vielleicht habe man ja grad das fehlende Mosaikstück zurückgehalten, dass man gebraucht hätte, um das Heilmittel gegen Krebs zu fnden. Es ist schlicht abenteuerlich, was da alles für Kapriolen gedreht werden ("Privatsphäre ist da, wo Frauen geschlagen werden."), um den geistigen Nährboden für eine Transparenzdiktatur zu liefern.

0 salonsurfer 12.02.2012, 22:40 Uhr

Könnte dazu ganz interessant...

Könnte dazu ganz interessant sein: Milliardengeschäft Freundschaft . Das Erste Montag, 13.02.12, 22:45 - 23:30 (45 Min.) . Der Film zeigt auf, wie das Milliardengeschäft mit der Freundschaft funktioniert. Zentral ist dabei die Frage, wie Facebook sein Geld verdient und was im Hintergrund mit den Nutzerdaten geschieht.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 12.02.2012, 23:34 Uhr

Mal sehen, ich weiß noch...

Mal sehen, ich weiß noch nicht, ob mir das reinziehe. Nicht weil ich behaupten könnte, schon alles zum Thema zu wissen, aber ich komme nach jahrelanger TV-Abstinenz mit der Langatmigkeit solcher Features immer schlechter klar. Ich schätze mal, wirklich Neues gibt es für mich da in weniger als fünf Minuten von dem Ganzen zu sehen, und dafür sind mir 45 Minuten einfach zu viel Zeit. Zumal ich wie weiter oben schon gesagt Facebook als Einzelsymptom auch nicht überbewerten würde. Schober, Schimmelpfeng & Co. wissen nach wie vor weit mehr über uns, und an wirtschaftlich wirklich verwertbaren Daten dürfte selbst Amazon dem Farcebook noch um Lichtjahre voraus sein.

0 Veil of ignorance 14.02.2012, 01:31 Uhr

Danke für den Beitrag. Nun...

Danke für den Beitrag. Nun wird mir klarer warum die Piraten auch so viel Zulauf von Rechts haben. Diese totalitäre Ideologie ist schon pervers.

0 Marco_Settembrini_di_Novetre 14.02.2012, 07:36 Uhr

@veil of ignorance: Ganz so...

@veil of ignorance: Ganz so simpel sind die Zusammenhänge wohl nicht. Ich bin jetzt nicht der Politloge mit Spezialgebiet Piratenpartei, aber für Rechte ist diese neue Partei nicht zuletzt deswegen interessant, weil sie sich bislang dem üblichen Rechts-Links-Schema zu entziehen versucht. Zudem würde ich Themen wie Post-Privacy und Transparenz-Fetisch im Zweifelsfall eher im linken Flügel verorten. Ich denke auch nicht, dass den Protagonisten, die diese Themen lautstark vertreten, die totalitären Tendenzen wirklich bewusst sind und erstrebenswert erscheinen. Die werden eher fahrlässig ausgeblendet, während man eigentlich hofft, dass sich das gesamtgesellschaftliche Klima in Richtung mehr Offenheit und Toleranz wandelt, wenn wir nichts mehr voreinander zu verbergen haben.
.
Und noch eins: Ich weiß nicht, wie gravierend die Unterwanderung der Piraten von Rechts schon fortgeschritten ist, aber man muss auch sehen, dass das Thema den Vertretern von Grünen (auch in dieser Zeitung), SPD und sonstwem ziemlich gut in den Kram passt, um die neue Konkurrenz zu diskreditieren. Das sollte man schon auch mit auf der Rechnung haben, dass sich bestimmte Leute mit ihren Latzhosen-Lichterketten halt auch selbst feiern.

0 Thorsten Haupts 14.02.2012, 07:57 Uhr

@Marco - Piratenpartei,...

@Marco - Piratenpartei, rechts: In der Führungsspitze jedenfalls ist keiner angekommen. Und bei dem einen Ex-NPDler, um den sich der Schnapsglassturm drehte ... Ich weiss ja nicht, warum wir spezifisch ehemaligen Rechtsextremisten die Wiedereingliederung in die Gesellschaft sogar dann verweigern wollen, wenn sie nicht mal irgendwas angestellt haben. Durch dieselben Leute, die einen ehemals steineschmeissenden Strassenchaoten als Aussenminister enthusiastisch auch dafür verehren, dass er sich zu staatstragend gewandelt hat. Eine Runde Heuchelei ... Gruss, Thorsten Haupts

dichtete und vertonte in seinen sittlich desorientierten Jugendjahren Spottverse, deren Vortrag er mit der Mandoline begleitete.