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Pro-Ana-Blogs: Anleitung zum Unsichtbarsein

01.04.2012, 09:08 Uhr  ·  Nutzerinnen und Nutzer dokumentieren psychische Leiden auch öffentlich in in sozialen Netzwerken. Die Plattformen müssen nun Wege finden, mit Fotos, die Selbstverletzung zeigen oder zur Magersucht anspornen sollen, sensibel umzugehen. Denn das Netz durch ihr Löschen von den Bildern zu bereinigen, hilft Betroffenen wenig.

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Nutzerinnen und Nutzer dokumentieren psychische Leiden auch öffentlich in in sozialen Netzwerken. Die Plattformen müssen nun Wege finden, mit Fotos, die Selbstverletzung zeigen oder zur Magersucht anspornen sollen, sensibel umzugehen. Denn das Netz durch ihr Löschen von den Bildern zu bereinigen, hilft Betroffenen wenig.

Das Netz soll ein Ort der Freiheit sein, doch in der digitalen Welt erfahren Nutzerinnen und Nutzer immer wieder, dass ihre persönliche Freiheit beschnitten wird: durch Äußerungen anderer User und durch Inhalte, die im Internet miteinander geteilt werden. In Communitys gibt es verschiedene Ansätze dafür, das Dasein im Netz füreinander so zu gestalten, dass diese Orte den Anforderungen an einen selbst erwählten Freiraum gerecht werden. Denn auch das ist Motivation sich im Netz einer Gemeinschaft anzuschließen: ein hohes Maß an Selbstbestimmung über das Erleben des Onlinealltags aufgrund gezielter Kontakte, gewählter Filter und der Einwilligung in Regeln.

Darum, dass die Absprachen in Communitys eingehalten werden, kümmern sich auf größeren Plattformen oft Moderatoren – professionell oder freiwillig aus der Nutzerschaft hervorgegangen. Sie greifen in Debatten ein, löschen rechtswidrige Inhalte und schlichten in Diskussionen, die in garstige Beleidigungsschlachten ausarten oder wenn Nutzer gemobbt werden. Neben der Moderation arbeiten Onlineplattformen zudem mit Hinweisen, die ihren Besuchern ermöglichen zu entscheiden, ob sie die angebotenen Inhalte anschauen möchten oder nicht, da sie diese unangenehm berühren könnten. In sozialen Netzwerken sind auch Nutzerinnen und Nutzer dazu übergegangen, bei Verlinkungen darauf hinzuweisen, dass die Inhalte nicht bedenkenlos angeklickt werden sollten. Eine der ersten Formen dieser Hinweise war vermutlich das berühmte “nsfw” (not safe for work), dass verrät, dass ein Öffnen der Website am Arbeitsplatz nicht unbedingt ratsam wäre. Doch User tragen auch füreinander Sorge, wenn es um psychische Risiken geht. Mit so genannten Triggerwarnungen werden Links versehen, auf die Inhalte folgen, die Auslösereize für besonders heftige emotionale Reaktionen sein könnten. In Nutzergemeinschaften, die sehr sensible Themen behandeln, gehört es meist zum gemeinsamen Regelwerk, klar zu kennzeichnen, wenn verlinkte Texte, Bilder oder Videos traumatische Erlebnisse möglicherweise wieder aufleben lassen könnten und die Betroffenen erneut psychisch verletzen würden. Vergewaltigungen, Missbrauch und andere Gewalterfahrungen gehören beispielsweise zu den Themen, bei denen Nutzerinnen und Nutzer, die in Selbsthilfegruppen aktiv sind, über Warnungen vor Inhalten neuer Traumatisierung vorbeugen möchten.

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Ein bemerkenswertes Selbsthilfeprojekt ist “Project Unbreakable – The beginning of healing through art”. Es ist ein Tumblr-Blog, das den Opfern von sexuellem Missbrauch die Möglichkeit gibt, ihre Erfahrungen mitzuteilen und, wie wie der Untertitel des Blogs besagt, die Beteiligung an dieser digitalen Kunstaktion zur Aufarbeitung des Geschehenen zu nutzen. Grace Brown, die Initiatorin des Projekts,  begann Menschen zu fotografieren, die typische Aussagen der Personen, die ihnen Gewalt antaten, als Zitat auf einem Zettel in die Kamera zu halten. Sie könnten sich auf diesem Weg der Worte, die gegen sie verwendet wurden, wieder bemächtigen, so Brown. Sie öffnete das Selbsthilfeprojekt dann über das Blog zur Beteiligung: Nutzerinnen und Nutzer können eigene Fotos einreichen. Täglich kommen nun neue Fotos hinzu, über die Betroffene über das sprechen können, was ihnen angetan wurde.

Bei der Weitergabe einer solchen Website ist es angebracht, auf die mögliche Triggerwirkung der Fotos hinzuweisen. Denn dort sind Worte dokumentiert, die Gewalttäter nutzten um ihre Opfer einzuschüchtern. Worte, die mit traumatischen Erfahrungen und Schmerzen verbunden sind und in ähnlicher Form von vielen Tätern gebraucht werden. Diese Sätze zu lesen kann schon für Menschen ohne Missbrauchserfahrung emotional bewegend und schockierend sein. Für Missbrauchsopfer kann die Konfrontation mit den Erfahrungen anderer umso härter sein und psychische Krisen auslösen – trotz der Intention der Fotoreihe, Mut zu geben und Aufarbeitung zu stützen. Es empfiehlt sich vor dem Teilen von Links zu bedenken, dass eben auch einfühlsame Umgangsweisen mit belastenden Erfahrungen einen Triggerfaktor haben können und es nur schwer einzuschätzen ist, wann etwas jemand anderem zu nahe geht.

Doch es gibt nicht nur Onlinegemeinschaften, in denen Menschen achtsam miteinander umgehen und ihr Handeln danach ausrichten, den anderen nicht zu schaden. Neben Selbsthilfegruppen gibt es auch Communitys, die gemeinsam der Selbstschädigung frönen und sich gegenseitig dazu antreiben, psychischen und körperlichen Schmerz auszudehnen. Pro-Ana-Foren, in denen zumeist Mädchen und Frauen sich gegenseitig zum Abnehmen anspornen und ihre Magersucht dokumentieren, gibt es schon lange. Zu den Websites, auf denen die Anorexie zum Wettbewerb ausgerufen wird, Anleitungen zum Durchhalten, schnelleren Gewichtsverlust und Verschleierung der Krankheit verbreitet werden, gesellten sich auch die Pro-Mia-Websites, die Bulimiekranke zusammenbringen. Auf den Seiten wird diese Art der Essstörung ebenfalls als Lifestyle glorifiziert – oder als frei gewählt, notwendig, harmlos dargestellt. Die Nutzerinnen diskutieren dort, wie sie leichter erbrechen können, wie sich die Sucht vor Verwandten und Freunden verstecken lässt, aber auch, wie die ungewollten Nebenwirkungen und harschen gesundheitlichen Folgen abgemindert werden können. 

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Autoagressive Verhaltensweisen finden nicht nur im Verborgenen statt. Selbstverletzungen, die offen zur Schau getragen werden, erregen Aufmerksamkeit, können ein Ruf nach Hilfe sein oder stellen Kontakt zwischen ebenfalls Betroffenen her. Insbesondere Letzteres ist über das Dokumentieren der Gewalt gegen den eigenen Körper innerhalb sozialer Medien leichter geworden. Das so genannte “Ritzen”, das ähnlich der Essstörungen über Medienberichterstattung und prominente Bekenntnisse ein bekannter Begriff ist und dessen Schwere zu oft heruntergespielt wird, ist dabei nur eine Form der Selbstverletzung und Selbstgefährdung unter vielen. Doch nicht nur die Möglichkeiten der Vernetzung mit anderen Menschen, auch der Fortschritt technischer Möglichkeiten, das Selbst nicht nur in Text, sondern auch in Bild und Video ins Netz zu bringen, trägt zur Sichtbarkeit von Personen bei, die den eigenen Körper bewusst verletzen. Es ist verstörender – für Betroffene ist es der größere Trigger –nicht mehr nur darüber zu lesen, sondern die Fotos und Videos von anderen außerdem sehen zu können oder sie in Communities mit anderen zu teilen. Durch Feedback über Kommentare und Likes wird das Verhalten als richtiger Umgang mit den eigenen Problemen bestärkt.

Diese Bilder schwappen nun mehr und mehr von eigenständigen Websites und geschlossenen Foren hinüber in die sozialen Netzwerke des Masse. Besonders zu den Plattformen, die besonders auf visuelle Formate ausgerichtet sind oder von Nutzerinnen und Nutzern dafür benutzt werden: Fotosharing-Dienste, Tumblr, Pinterest. Aber auch zu Anwendungen, die dem Trend “Quantified Self” zu geordnet werden können. Für Essgestörte oder Sportsüchtige ist es mit neuen Technologien sehr viel leichter geworden, Ernährungspläne zu erstellen, verbrannte Kalorien zu zählen, Gewichtsverluste zu notieren und sich in einer Kontrollspirale zu verlieren. Auch die harmlose Selbstdokumentation anderer Menschen oder ihr Oversharing der Beschäftigung mit dem Körper können triggern. Süchtige und Gesunde treffen heute in sozialen Netzwerken häufiger auf diese Anlässe als vor ihrer Zeit: Postings über Essen, Sport und Körperfotos sind allgegenwärtig. Zusätzlich zu den Medienbildern von vermeintlich idealen Körpern und mageren Models.

In den Pro-Ana-Communitys wird nicht nur das eigene Hungern dokumentiert, das gegenseitige Triggern funktioniert vor allem über das Posten von Fotos von sehr dünnen Frauen, die Vorbild sein sollen, und Motiven wie herausstechende Hüftknochen, sich deutlich abzeichnende Rippenbögen, hervortretende Schlüsselbeine und andere fettbefreite Körperstellen, die anorektische Menschen als Trophäen wahrnehmen. Diese Anreizbilder werden als “Thinspiration” bezeichnet.

Pro-Ana-Seiten werden, seitdem Jugendschützer und Medien auf sie aufmerksam geworden sind, hart bekämpft. Viele Anbieter löschen sie nach Benachrichtigung mittlerweile direkt oder lassen ihre Angebote gezielt danach durchforsten. In Frankreich wurde sogar im Jahr 2008 ein Gesetzesvorschlag verabschiedet, der die „Anstiftung zur Magersucht“ unter Strafe stellt.

Plattformen wie Tumblr und Pinterest, auf denen einfach und hauptsächlich Fotos gepostet werden, haben mittlerweile mit einer Flut von Bildern, die ausgezehrte Körper oder Selbstverletzungen zeigen, zu kämpfen. Tumblr und Facebook haben in dieser Hinsicht mit der “National Eating Disorder Association” (NEDA) zusammengearbeitet, um ihre Nutzungsrichtlinien anzupassen und Wege zu finden, um Nutzer, die solche Inhalte teilen oder suchen, an Hilfsangebote weiterzuleiten. Tumblr plant, bei Suchbegriffen wie “Anorexie”, “Bulimie”, “proana” oder “Selbstverletzung” auf die Gefahr on Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen hinzuweisen und Beratungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Bei dem jungen Netzwerk Pinterest hingegen verbieten die Nutzungsrichtlinien zwar Inhalte, die Selbstverletzung zeigen und blocken Suchbegriffe wie “selfharm”, die Pinnwände zum Tag “thinspo”, die Nutzerinnen und Nutzer als Hunger-Inspiration betrachten, sind jedoch endlos.

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Bei “Thinspiration” gestaltet sich ein Eingreifen zudem schwieriger, als bei Bildern von aufgeschnittenen Armen. Denn wo kann man die Grenze ziehen, ob das Bild eines ausgemergelten Models von jemandem gepostet wurde, der Anorexie triggern möchte, oder ob es um die auf dem Laufsteg präsentierte Mode geht? Wer entscheidet, ab wann der Körper eines Menschen dünn genug ist für die Zensur? Pro-Ana-Seiten sind Ausprägung einer Gesellschaft, die den Bezug zu gesunden Körperbildern verloren hat und Frauen für fragwürdige Ziele belohnt. Sie halten uns im Netz den Spiegel vor. Jedes durchschnittliche Modemagazin und nahezu jeder Hollywoodspielfilm ist pro-anorektisch, nur in gesellschaftlich akzeptierter Form. Ein netzspezifisches Problem ist der gemeinsame Wettberwerb um den niedrigsten Körperfettanteil nicht.

Die Seiten rigoros zu löschen und zu verurteilen, fügt sich ein in die Kultur des Wegsehens und der Problemverkennung. Wenn Esstörungen und selbstverletzende Verhaltensweisen Ausdruck davon sind, sich aus einer Welt zu hungern, zu kotzen und zu schneiden, in der man den richtigen Platz nicht findet und nicht existieren will, ist es ein ignoranter Ansatz den Betroffenen im Netz genau die Orte und den Platz zu nehmen, in denen sie sich eingerichtet haben. Denn oft verlassen Erkrankte hier zum ersten Mal ihre innere Isolation und fühlen sich verstanden. Sicher, die Communitys können weiter gehende Selbstschädigung provozieren und Krankheit manifestieren, doch nicht selten erwachsen aus Foren, in denen Nutzerinnen zunächst den Selbsthass zelebrieren, Selbsthilfegruppen, die Besserung verschaffen oder erste Anstöße, die Krankheit mit professioneller Hilfe zu therapieren. Viele Essgestörte und Depressive finden den Weg, sich helfen zu lassen, heute zunächst über anonyme Online-Beratung. Der Weg zur Heilung ist lang, ebenso lang ist jedoch der Weg zu dem Punkt, eine Heilung zu wollen. Patientinnen, die gegen ihren Willen behandelt werden, genesen seltener.

Es zählt zu den Mythen über Esstörungen, Kalorien und Normalgewicht würden sie kurieren, genau wie von Medien transportierte Körperideale für die Sucht, verschwinden zu wollen, verantwortlich gemacht werden können. Vom Löschen eines Pro-Ana-Blogs wird keine Hungerkünstlerin gesund. Es ist eine billige und naive Sichtweise auf komplexe Erkrankungen wie Magersucht, die Ursachen vorrangig in Fotos dünner oder zerbrechlich zurecht retuschierter Frauen zu suchen.

Die Sisyphusarbeit, Nutzerinhalte aus dem Netz zu entfernen, die psychische Leiden sichtbar machen, mag politisch korrekt erscheinen, sie hilft den Betroffenen jedoch wenig und wird Neuerkrankungen kaum verhindern können.

Denn es ist nicht das Netz, das krank ist und krank macht, es sind nicht die bloggenden Bulimiker und ritzende Teenager, die verrückt sind. Bilder, die zum Hungertod inspirieren sollen, geht eine Wirklichkeit voraus, die zum Kranksein und Kotzen inspiriert.

 

Veröffentlicht unter: Netzwerke, Internet, Regulierung, Gender

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (23)
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"Denn es ist nicht das Netz,...

"Denn es ist nicht das Netz, das krank ist und krank macht ..." Irgendwann werden auch Netzapologeten zu einer in sich schlüssigen Haltung finden. Gestern plädierte die Autorin dafür, das Netz als Teil unserer Realität, Lebenswelt, anzuerkennen. Heute ist es das plötzlich nicht mehr, Verletzungen finden nur ausserhalb statt. Das ist nur noch als deformation professionelle zu begreifen (die Autorin ist auch Politikerin). Gruss, Thorsten Haupts

0 Oliver-August Lützenich 01.04.2012, 20:03 Uhr

Auch darum geht es doch in der...

Auch darum geht es doch in der Transparenz-Debatte. Wie weit zensieren Wir Menschen in und um Uns Selbst, was blenden Wir aus, weil es vermeintlich besser oder gar gesünder für Uns ist, wo schauen Wir wegg, weil es ebenso vermeintlich schlecht ist und wo blicken Wir vielleicht mal langsam genauer hin? Die Armut/der Mangel (auch an Gefühl und Mit-Empfindung) einer grossen Menge Menschen, dadurch Verzweiflung, Teilnahmslosigkeit, Abschottung oder gewalttätige Auflehnung, Verwahrlosung, Unwissenheit, Demütigung, ..., und auch der Reichtum von einer anderen Menge Menschen, in Wissen, Umsicht, Einfluss, Vielfalt (auch von Gefühl und Geborgenheit), Bewegungs- und Konsumfreiheit. Ich finde, die Zustände und Umstände in allen Richtungen und jeder Form sind betrachtens- und bewertenswert, sie alle zählen zur menschlichen Lebenswirklichkeit. Insofern bin ich für jede Form der Transparenz, allerdings und das ist für mich ganz wichtig: FREIWILLIG, aber schon einfordernd! Wie weit Eines das Einfühlen und -spüren (darin auch das Sehen), also die "Schleier" lüftet, muss Jedes Selbst entscheiden. Allerdings sollte klar sein und muss auch friedlich vermittelt werden, dass die Offenheit und Zugänglichkeit (Transparenz) ein (natürliches) gesellschaftliches Gebot ist. Denn, soweit ich die Prozesse der Natur, der Lebendigkeit, bisher verstehe, sind sie alle -auch- darauf angelegt abgeschottete und verschlossene RaumZeiten zu öffnen (auch diese "Grenzen" zu überwinden), zu erkunden und zugänglich zu machen (die Ursache allen Fragens und Forschens). Die Privatheit und Geheimniskrämerei ist -dann- kein Thema mehr, wenn Alle Menschen das Gebot der Wahrhaftigkeit und Verantwortung leben. Davon sind Wir noch ein ganzes Stück entfernt, aber die Richtung stimmt. Deshalb bin ich sicher, dass Wir mit einer allgemeinen Besserstellung und -ausstattung aller Menschen, also einem -solidarischeren Kapitalismus- ->das ist die Voraussetzung

0 Herr Schwarz 02.04.2012, 06:25 Uhr

Mein Kompliment. Ein sehr...

Mein Kompliment. Ein sehr schweres Thema und sie haben sich ihm sehr vorsichtig und wunderbar feinfühlig genähert. Ja der menschliche Trieb, etwas was Anders ist und / oder Krank einfach zu negieren, indem man es wegsperrt oder verbietet, ist der leichte Weg. Sich zu fragen, was hier falsch läuft, warum sollen ausgehungerte Frauen der Inbegriff des Eros - hier als Gott aller Sinnlichkeiten und nicht nur der Erotik verstanden - sein? Eigentlich doch pure Idiotie, Sinnbild einer satten Welt. Ich glaube kaum, dass irgendwo, wo Hunger herrscht auf dieser Welt, Magersucht als Glücksversprechendes Ziel gesehen wird. Dieser Selbsthass auf den eigenen Körper und die eigene Sinnlichkeit ist für mich letztlich Auswurf unserer verqueren Gesellschaft. Wir haben in unserem westlichen Lebensstil die eigene Mitte verloren. Darum hassen wir uns wohl letztendlich selbst, auf die eine oder andere Weise. Danke noch einmal für ihren schönen Text

0 HansMeier555 02.04.2012, 07:16 Uhr

Hoffentlich kommt Walter Moers...

Hoffentlich kommt Walter Moers irgendwannmal wieder aus Zamonien zurück nach NRW.

Danke! Endlich sagt mal jemand...

Danke! Endlich sagt mal jemand die Wahrheit zu diesem Thema, ohne die Erkrankten für gesellschaftliche Missstände anzuprangern, deren Opfer sie selbst geworden sind.

Liebe Teresa, dieser Artikel...

Liebe Teresa, dieser Artikel war notwendig, danke! . Die Wirklichkeit, die zum Kotzen "inspiriert", da müsste man etwas genauer werden. . Nicht jeder findet dewegen gleich zur Bulimie oder zur Anorexia Nervosa, weil ganz allgemein "die Welt da draußen" so schlecht ist. Sondern weil sie - in den meisten Fällen - familiäre und psychische Probleme haben, weil ihr Familiensystem dysfunktional ist. Weil Mädchen Probleme damit haben, weiblich, Frau zu werden, weil das einzige Erfolgsgefühl, was sie glauben zu haben, die erfolgreiche aggressive Kontrolle ist über sich selbst. Und dann bekommen sie dabei leider zweifelhafte "Unterstützung" einer virtuellen Gruppe. ?? . Natürlich sind familiäre und psychische Probleme mit den großen Weltproblemen verknüpft, keine Frage. . Mir ist wichtig, das man sieht: Das Internet ist nicht ursächlich "schuld". Aber man muss auch sehen: Das Internet triggert und verstärkt die fatalen Botschaften enorm. Dann ist es doch "schuld". . Das gleiche bei Games. . Zum Thema Trigger-Vermeidung in der bösen Wirklichkeit: Wenn auf bestimmten freien Strecken (die der Bahn bekannt sind, ich kenne da auch eine einschlägige aus meiner Heimatgegend), sich wieder mal einer auf die Schienen gelegt hat, das wird so nicht verkündet. Man sagt in den Durchsage maximal: Störungen auf der Strecke. Man sagt nicht: Selbstmörder auf Strecke sowieso. Da gibt es psychologisch orientierte Vorschriften. Auch die Presse, Zeitung ist gehalten, da sehr vorsichtig mit den Meldungen zu sein und Verantwortung zu zeigen. Weil man weiß: Es werden sich allzuschnell Nachahmer finden, wenn das offensiv verkündet wird. Das sind langjährige handfeste psychologische Erfahrungen aus der grausamen offline-Wirklichkeit. . Internet hat ebenfalls Verantwortung. Und wenn es nach mir ginge, dürfte es Selbstmordforen oder Anorexia verherrlichende Foren nicht geben. Natürlich wird durch die Löschung eines Blogs keine einzige Anorexia-Kranke gesund. Aber sie werden zumindest nicht ermuntert, anzufangen oder weiterzumachen. Das ist der Punkt. . Meine ungehaltene Kritik an netzgemeindigen Schuldzurückweisungsmodellen ("das Internet ist nicht schuld, die böse Wirklichkeit ist es ...") : Ich bin mittlerweile dagegen, das Netz mit Samthandschuhen anzufassen, weil es das "unschuldige Netz" ist, während draußen die Offline-Wirklichkeit längst gegen Trigger vorgegangen worden wäre. . Schließung alleine aber ist es nicht. Das ist einseitig-destruktiv. Da müsste man weiter sein. Man müsste konstruktiver werden: Jeder Schließung eines Blogs müsste beispielsweise die Meldung auf dieser Domain folgen, dass man sich einer Selbsthilfegruppe xxy anschließen kann, wenn man Austausch und Hilfe braucht. Es müssen deutlich mehr echte Angebote zur Hilfe im Netz sein. Für Depressive gibt es auch mittlerweile gute und zahlreiche Depressions-Foren (des Kompetenznetzes Depression zum Beispiel). . Die Stärke des Netzes sind genau solche Angebote und es könnten mehr sein - und nicht, dass man Spinner weiter in falsch verstandener Toleranz und falsch verstandenem "die böse Welt ist schuld, nicht diese Angebote" weiter in aller Ruhe hantieren lässt udn sie nicht auf ihre Verantwortung hinweist. Wann wird das Netz endlich erwachsen.

0 Violandra_Temeritia_von_Avila 02.04.2012, 09:49 Uhr

Lieber ThorHa, die Autorin...

Lieber ThorHa, die Autorin ist nicht Politikerin - noch nicht einmal Parteimitglied. Viele Grüße Teresa

0 Violandra_Temeritia_von_Avila 02.04.2012, 09:57 Uhr

Liebe Vroni, Ich spreche mich...

Liebe Vroni, Ich spreche mich nicht dafür aus, mit den Inhalten sorglos umzugehen und vom Löschen Abstand zu nehmen. Ich denke nur, es ist wichtig die Perspektive hinzuzuziehen, dass diese Räume – auch im Stadium des pro-ana – den Betroffenen Halt geben können. Zudem verschwindet das Problem durch Löschen nicht, weswegen ich es wichtiger finde, über die "kranke Gesellschaft" zu sprechen, als ihr Sichtbarwerden zu vermeiden. "Kranke Gesellschaft" schließt Familiendynamiken mit ein, die eben oft auch aus äußeren Umständen resultieren. Nach den Medien die Ursachen vorrangig innerhalb des familiären Umfeldes zu suchen, finde ich ebenfalls nicht zielführend. Man weiß mittlerweile ja auch, dass genetische Prädispositionen die Krankheit begünstigen können. Ich fände es hilfreich, die Perspektive nicht auf Körperbilder allein, sondern vor allem auf die Anforderung an Weiblichsein und Erwachsensein zu richten. Angela McRobbie schreibt dazu ein interessantes Kapitel in "Top Girls" unter dem Stichwort "postfeministische Störungen". http://www.frauenberatenfrauen.at/rezensionen/mcrobbie.html

@Leni: "ohne die Erkrankten...

@Leni: "ohne die Erkrankten für gesellschaftliche Missstände anzuprangern, deren Opfer sie selbst geworden sind." Das hätte ich gerne konkret. Welche Misstände führen bei wem dazu, dass er wie krank wird? Und warum werden manche bei denselben gesellschaftlichen (!) Misständen krank und andere nicht? Gruss, Thorsten Haupts

@Oliver-August Lützenich -...

@Oliver-August Lützenich - "Dann ist, da bin ich sicher, auch kein Mensch mehr gezwungen, mitten im Überfluss zu kotzen und zu hungern." Nicht sehr wahrscheinlich. Der Mensch ist so beschaffen, dass manche immer einen Grund zum Unglücklichsein finden, manche manchmal, manche selten. Völlig unabhängig von der Beschaffenheit der Welt. Denn unsere Bedürfnisse, Träume und Wünsche sind immer grösser als die Mittel zu ihrer Befriedigung. Gruss, Thorsten Haupts

0 Violandra_Temeritia_von_Avila 02.04.2012, 10:55 Uhr

Lieber ThorHa, wo genau lesen...

Lieber ThorHa, wo genau lesen Sie, dass Verletzungen "nur außerhalb des Netzes" stattfinden? Es ist richtig, dass ich zuvor schon einmal geschrieben habe, dass sich die Grenzen aufgelöst haben, genau aus diesem Grund muss man die Ursachen umfassend betrachten, und die Spurensuche nicht auf "die Medien sind schuld" und "das Netz macht alles noch schlimmer" verkürzen. Viele Grüße Teresa

Liebe Teresa, die...

Liebe Teresa, die "Anforderungen an das Weiblichsein" sind tatsächlich ein Problem. . (1) Sie waren es auch schon in den Siebzigern. Da wurden zum Beispiel Mädchen als "hässlich" verspottet, die große Füße hatten. Der 14jährige Teenager hat sich dann in viel zu kleine Schühchen hineingezwängt. Zur Freude der Orthopäden, die hatten dann bis weit in dessen Erwachsenenalter gut zu tun. Das mir schon damals gestunken. Beispiel: Hatte selbst Schuhgröße 39 (!), das gilt heute als ganz normale mittlere Größe, wurde damals aber als unschöne Riesenlatsche verspottet. Das Ideal war Schuhgröße 36, so einen Unfug kann man heute kaum mehr glauben. Mädls untereinander haben sich da an Spott nix geschenkt. Stank mir sehr, liebe Sisterhood damals, das war sowas von nicht in Ordnung. Genauso wie das Getue um die dünnste Wespentaille. War damals ein großer und beliebter Unfug. den Verweis auf die böse Werbung und die ungute Welt damals lasse ich nicht gelten. Das wart schon ihr selber in eurer Art, euch mit extrem unwichtigen aber selbstquälerischen Dingen zu profilieren, libe Schwestern. Wenn man sonst nix im Hirn hat ... (Liebe Teresa, wie du siehst, eine späte wütende Abrechnung.) . (2) Heute stinkt mir (obacht Einzelfall-Cauistik :-), dass die massenhaft angebotenen Kleidungsangebote der Mainstream-Hersteller für Mädchen/Frauen sich derart verändert haben, dass Frauen fast nur noch Blüschen und Tops kaufen können, die oben a) extrem eng wie für Baby-Ärmchen geschnitten sind und b) gleichzeitig vorne wieder mit Rüschenwasserfällen einen Riesenbusen vortäuschen. . Das ist Mode für Magersüchtige! Ist also schwerst im Mainstream angekommen. Eine normal gebaute Frau mit C-Körbchen kann ich mit diesen Kleidungsstücken null anfangen: Bei den Armen spannt das extrem, sieht unmöglich aus, rutscht nach oben oder reißt - und aus den netten C-Körbchen vorne wird optisch durch das unnötige Gerüsche ein Dolly-Buster-Riesenvorbau. Was zur Hölle. Frau kann gar nicht so schnell essen, wie sie kotzen möchte! :-( . Es sollte einen eine solche "Mode" sehr sehr wütend machen, dass eine normal gebaute Frau fast nix Nettes für sich mehr findet und auf komische Ideen kommen kann (zum Beispiel Crash- und Jojo-Diäten). . (1) und (2) haben aber nicht dazu geführt, dass gesunde, normale Frauen jetzt ihre Sachen gleich im Klo essen, um sie praktischerwesie gleich auskotzen zu können. . Dazu braucht es schon, wie Sie gesagt haben, mehr: Disposition, familiäre Struktur, hohe Selbstunsicherheit. . Die beste innere Struktur wäre bei solchen Verhältnissen nicht diese Selbstunsicherheit, sondern Wut. Aber nicht Wut nach innen wie diese Anorexia- und Bulimie-Betroffenen, sondern Wut nach außen. Die ist aber als extrem unweiblich definiert. Frau hat sanft zu sein. Dieses Dogma begleitet uns aber schon länger als der Umstand, dass in Werbung und Catwalk Hungerhaken herumlaufen. . Am Verbot der weiblichen Wut, des weiblichen Zorns sollte man mal ansetzen. (Mann darf auf den Tisch hauen, der gilt als durchsetzungsfähig; wenn sie auf den Tisch haut, ist sie eine hysterische Ziege oder eine dominante, unweibliche Mannsperson.) . (3) Die Anforderungen an das Männlichsein sind aber ebenfalls ein Problem. Zu dem, was als männlich propagiert wird, gäbe es eine Menge zu sagen. Da wäre Coolsein und Kontrolle ein Punkt. Da wundert mich nicht, dass auch immer mehr Männer magersüchtig werden. In einer Welt, in der es kaum Kontrolle gibt, ist es ihre letzte Bastion: Zeigen, dass man sich extrem beherrschen kann (männlich), Kontrolle, Disziplin. Hochbürgerliche Tugenden, gegen sich selbst gekehrt. . Wie auch bei den Mädchen glaube ich aber nicht, dass das bereits zur Magersucht führt, da muss eine Disposition und große Selbstunsicherheit vorhanden sein. . . Teresa, sie haben zwar nicht aufgefordert, mit solchen Angeboten sorglos umzugehen. Aber nach meinem Dafürhalten diese Angebote verteidigt nach dem Motto, man solle ihnen das nicht auch noch wegnehmen. . Wegnehmen als einzige Maßnahme ist tatsächlich keine Lösung. Es muss statt dessen etwas DAZU her. Was, habe ich schon geschrieben. Austausch ist auch anders möglich als im gegenseitigen Posten von Gewicht und Körpergröße. In seriösen Essproblemforen ist letzteres schwer verboten. Warum, kann man sich denken: Es entsteht ein verheerend wirkender Wettbewerb. Solche "Wettbewerbs"-Seiten darf man nach meiner Meinung getrost vom Netz nehmen, es entsteht kein Schaden.

Verehrte Vroni, nur zwei...

Verehrte Vroni, nur zwei Anmerkungen zu Ihrem engagierten Beitrag: 1) Ohne menschliche selbstkontrolle ist jede gesellschaft unmöglich, weshalb die Fähigkeit zur Selbstkontrolle Erwachsene von kindern trennt. 2) Wenn überhaupt, haben Menschen heute nicht weniger, sondern deutlich mehr Kontrolle über ihr Leben. Auf jeden fall mehr als in der fest gefügten und nahezu undurchlässigen Schichtgesellschaft früherer Jahrhunderte. Was exakt das Problem sein könnte. Es ist leichter, sich mit etwas abzufinden, wenn man quasi "Naturgesetze" für die Blockade der eigenen Träume verantwortlich machen kann. Statt im Einzelfall sortieren zu müssen, ob und wie hoch der eigene Anteil ist. Gruss, Thorsten Haupts

0 Angelika_Seifriz 02.04.2012, 17:08 Uhr

@vroni Es hat sich wohl noch...

@vroni Es hat sich wohl noch nicht viel verändert seit den 70ern. Ihr Kommentar hat mir gut gefallen.

Lieber ThorHa, vielleicht habe...

Lieber ThorHa, vielleicht habe ich mich nicht korrekt genug ausgedrückt. . In heutigen modernen Gesellschaften herrscht das Gefühl individueller Ohnmacht vor. Ohnmacht, nichts bewirken zu können, Ohnmacht, verarscht, verwurstet zu werden. Selbst die Regierungen haben eigentlich nichts zu sagen, Finanzgeflechte sind undurchsichtig, Machtverhältnisse sind undurchsichtig. Schulen sind oft zu große, werden als anonym erlebt, der Schüler ist Teil einer "Masse". Er hat zu funktionieren, mehr nicht. Er soll Karriere machen, wehe, wenn nicht. . In diese Welt wachsen junge Menschen hinein, die in der Pubertät hoch sensibel auf solche Dinge reagieren. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit (dass man erfolgreich etwas bewirken kann) ist nicht höher geworden, sondern niedriger. Verstärkt wird das in Familien, in denen extrem darauf geachtet wird, dass "nichts nach außen" gerät (per se dysfunktional), in denen die Jugendlichen Disziplin und Verzicht gepredigt kriegen. Spaß, Lust (Lust am Essen, sexuelle Lust) und mal über die Stränge hauen, daneben mal endlich etwas schaffen, womit man Aufmerksamkeit bekommt, ist für solche Kinder schwierig bis unmöglich. . Philosophische Meta-Annahmen über Selbstkontrolle an sich in der Gesellschaft per se sind nicht davon berührt. Es geht eher um das zuviel an Kontrolle und Selbstkontrolle. Es geht viel zuviel um Körper. Zuviel ist krankhaft. Oft ist es aber das Einzige, womit diese Kinder glauben in einem solchen familiären und gesellschaftlichen System punkten können, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um Ideale zu verwirklichen (das Dünn-Ideal). Weil sie sonst keine Ideale zur Hand haben. Warum sie sich ausgerechnet das aussuchen, das können Sie mir glauben, ist mir ebenso schleierhaft wie vermutlich Ihnen. Doch etwas mehr Einfühlungsversuch könnte nicht schaden anstelle von philosophischen Gemeinplätzen.

Madame Bücker, Sie dürfen -...

Madame Bücker, Sie dürfen - Ihr Recht als Blogherrin - meinen Kommentar zu ihrer Weigerung, Politikerin sein, natürlich unterdrücken. Und ich darf daraus meine Schlussfolgerungen ziehen. Hiermit geschehen. Nein, dieser Beitrag ist nicht zur Veröffentlichung gedacht. Gruss, Thorsten Haupts

Wo ist mein Kommentar zu...

Wo ist mein Kommentar zu Thorha 15:25 hin. Perdu?

Kommentar von heute 10:44...

Kommentar von heute 10:44 löschen, danke.

0 Oliver-August Lützenich 03.04.2012, 20:07 Uhr

Das folgende ist Philosophie,...

Das folgende ist Philosophie, aber es ist trotzdem von dem Thema des Beitrags und den Kommentaren dazu inspiriert. Philosophie ist vorwiegend Frage. Der Geist aus der Flasche, der Gott aus der Maschine, der Verstand aus dem Körper. Kann es sein, dass die Vernunft gerade aus dem bisherigen Behältnis heraus möchte? Dass das Bewusst-Sein, in dem Körper, das es nun schon länger bewohnt, inzwischen leidet? Ist das Körper (Sie + Er = Es) für den Verstand ein Gefängnis, eine Engstelle, aus der das Geist langsam aber sicher auswandern möchte? Kein Organ verbraucht prozentual und anteilig soviel Energie/Kapital, wie das Gehirn des Menschen; die Gehirne anderer Tiere begnügen sich mit einem geringeren Anteil am "erwirtschafteten" Gesamthaushalt. Das Mensch ist bisher dem Geist ein guter Wirt gewesen, auf Dauer jedoch ist das Mensch zu unflexibel und zu schwach, um dem Reise- und Forschungswilligen Geist, weiterhin ein gutes und dienliches Zuhause/Gehäuse zu bieten. Ist das so? Das Mensch kommt auch mit weniger Geistes-Kapazität in der Lebendigkeit zurecht, das Geist jedoch braucht ein stärkeres und flexibleres Gehäuse, als es ein rein fleischlicher Körper noch bieten kann. Ist das Science Fiction oder gar Quatsch? Und was hat das mit Magersucht zu tun? Ein wenig Spekulation ist dabei erlaubt. Aber Nein, bestenfalls am Rande und nur als leises Symptom für die Auswanderungsbemühungen des Bewusst-Seins (soviele Worte für ein Phänomen!) aus der bisher wohligen und wärmenden Hülle. Die Sonne bietet fast unbegrenzt und leichter Energie, Quantenprozessoren sind (ausgereift) ebenso leistungsfähig aber wesentlich unabhängiger (irdisch biologische Anforderungen: geringer Lebenszyklus, eingeengte Wahrnehmung, körperliche Kontroll- und Steuerungs-Pflichten) als das Bewusst-Seins-Organ Gehirn, und nicht-zellulare Gehäuse sind wesentlich stabiler, stärker und wesentlich weniger (Krankheits-/Leidens-) anfällig; auf das bisschen Freude und Glück, das darin auch enthalten ist, kann das forschende Geist verzichten, oder es findet und erweitert diese sogar noch mehr in anderen Formen. Was also hält das Geist, bei diesem Stand der Tatsachen noch zurück im Menschen? Und was hat das mit Anorexie zu tun, und mit den von @Vroni angesprochenen und von @Thorsten Haupts in Wirkung und Ausprägung angezweifelten gesellschaftlichen und innermenschlichen Probleme? Alles. Die Vernunft, der Verstand, das Bewusst-Sein, der Geist, die Cleverness, der Grips, die Neugier, das Interesse, das Hirn (Gott, Teufel) schaut oft fassungslos im direkten (Körper) und weiteren Umfeld umher, was so alles krankt und schmerzt und getan werden muss, um das bisschen Erkennen und Begreifen zu gewährleisten!? Also, versetzen Sie-s-ich doch mal kurz in den Zustand körperloser Folgerichtigkeit (Logik) und stellen die Frage: Wollen Sie weiterhin Körperlich sein? Tja, da vergeht Eines der Hunger, auch wenn dafür noch andere Gründe dazu kommen, eines ist klar, je mehr Verstand, umso Fassungslos. Oder? Und das schreibt ein Körper! Ein Körper, das den Verstand, das Es auch ist braucht, fördert, fordert und mindestens so gerne hat, wie die rechte Hand, die Es auch ist, oder ... Deus ex Machina? Nein. Aber: Mehr Vernunft in Alle Körper. Damit wäre uns Allen geholfen. Wie bekommen Wir das hin?

Einfühlsamer Text, gefällt...

Einfühlsamer Text, gefällt mir. Das letzte Wort "inspiriert" hört sich für meinen Geschmack zu sehr nach einer freiwilligen "inspirierten" Entscheidung an, das ist es ja wohl meistens nicht, wenn es zB um dahinter liegende Persönlichkeitsstörungen geht. Aber mehr kann man in einem Medienumfeld wie diesem nicht tun. Wochenzeitungen machen ja als Aufmacher am selben Datum lieber Aprilscherze.

@Vroni - 02. April 2012,...

@Vroni - 02. April 2012, 20:11: In aller Kürze: Ich will das gewachsene Bewusstsein (!) der eigenen Ohnmacht nicht bestreiten. Was aber verbesserter Bildung, nicht verschlechterten Verhältnissen zuzuschreiben ist. Die waren zu praktisch jeder Zeit früher deutlich schlechter, mit (vielleicht) der Kriegsreparatur- und Wachstumsjahre zwischen 1950 und 1979. Ansonsten sind wir alle im Angesicht des Universums nicht einmal Staubkörner. Sich damit abzufinden und sich auf das zu konzentrieren, was man machen kann (das ist nämlich eine Menge) sollte eines der Ergebnisse von Erziehung sein. Die verstärkte Kontrolle von Familien über Kinder mag zutreffen. Sie ist IMHO ein direktes Resultat der gesunkenen Kinderzahl. Und ganz sicher für alle Beteiligten ungesund. Wobei man dann auch konzedieren muss, dass die Vernachlässigung von Kindern in der Unterschicht eher zugenommen hat - das Gegenteil von Kontrolle. Gruss, thorsten Haupts

Lieber Thorsten Haupts, wir...

Lieber Thorsten Haupts, wir befinden uns hier nicht auf einem oberflächlichen Gesellschaftslaberblog. . Wir reden hier von magersüchtigen Kindern (für mich sind Pubertierende noch Kinder) und ihren Gefühlen der Ohnmacht. Die sind real, die sind gegenwärtig. Bitte beachten. Und das Phänomen Kontrolle in dysfunktionalen Familien ist eher psychiatrisch aufzufassen als als plattes Oberschicht-Unterschichtproblem, das man rasch abhandeln könnte. . Es ist weder ein Ober- noch ein Unterschichtphänomen, sondern eins von kranken Familien! Die ein krankes Gesellschaftssystem noch kränker macht. Lapidare Argumente wie "gesunkene Kinderzahl" oder "Vernachlässigung in der Unterschicht" halte ich für ein Zeichen von Plattheit und grober Unwissenheit, es macht einen nachgerade krank.

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schreibt als freie Autorin vor allem zu netzpolitischen Themen, Geschlechtergerechtigkeit und Liebe. Außerdem arbeitet sie als Referentin für soziale Medien bei der SPD-Bundestagsfraktion.