Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (38)
 

wer-sind-die-kuenstler?de

29.05.2012, 09:11 Uhr  ·  Die Kunst gab es vor dem Erlass des Urheberrechtes, sie wird das Gesetz überdauern. Doch wo ist sie während der hitzigen Debatte, in der es vermeintlich um ihre Existenzgrundlage geht?

Von

Die Kunst gab es vor dem Erlass des Urheberrechtes, sie wird das Gesetz überdauern. Doch wo ist sie während der hitzigen Debatte, in der es vermeintlich um ihre Existenzgrundlage geht?

Die Autorin und der Autor, die sich mit einem Glas samtigen Syrah zur Schrifterstellung niederlassen, berühren mit Gedanken in den Fingerspitzen die Tasten ihres Schreibgerätes, streichen Gefühle über das Touchpad zwischen die Zeilen, blasen Rauch auf den Monitor und lecken den Schweiß vom Bildschirmrand, wenn der letzte Satz des Abends sich schwarz von weißen Pixeln abhebt. In diesen Momenten, wenn die Worte von der Stirn in ein digitales Dokument fließen und vor den Augen in Zeichen aufflackern, denkt der Schreibende nur dann an das Urheberrecht, wenn er kurz zuvor wieder einmal eine Aufforderung für die Unterzeichnung eines offenen Briefes im E-Mail-Postfach hatte, oder eine Kollegin erzürnt in einer Wochenzeitung über die Rechte an ihren Ausführungen schrieb und klang, als hätte man dem literarischen Kind in ihr all seinen geistigen Beisitz grob aus der Hand geschlagen wie eine erdbeersüße Zuckerstange, die es nie wieder zwischen die Zähne bekommen soll. Der eine Autor gibt dieser E-Mail nach, sie flackert so schrill im Postfach. Der andere löscht sie.

Es ist mitnichten die lukrative Verheißung des Urheberrechtes, die Textschaffende an ihre Schreibmaschinenen fesselt. Zum Künstler wird ein Kreativer nicht durch ein juristisches Regelwerk, sondern durch die Kunst selbst. Es steht außer Frage, dass Urheberschaft und der kommerzielle Umgang mit Werken rechtlich abgesichert sein müssen. Doch es überrascht, wie sehr in der aktuellen Debatte so viele Diskursteilnehmende die Bezeichnung im Klammergriff haben, als könne mit ihr ihnen zugleich ihr Talent, ihre Ideen und ihr Selbstverständnis entgleiten. Als stünde eine Modernisierung des Urheberrechtes am Abgrund der freien Kunst und warte darauf sie zu zerfleischen und bloß einen abgenagten Knochen zurückzulassen. Dabei beißt die Diskussion um das Urheberrecht die Künstler nicht, sie gibt ihnen genau das, was sie am Leben erhält: eine Herausforderung. Unsicherheit. Fragezeichen.

Bild zu: wer-sind-die-kuenstler?de

Anstatt diese Aufforderung zu Antworten anzunehmen, reagiert der Kulturbetrieb mit Trotz. Die Repliken in Tageszeitungen klingen technokratisch, ökonomisch angetrieben, leidenschaftslos. Über 7.000 Autorinnen und Autoren haben die Erklärung “Wir sind die Urheber” digital unterzeichnet; die Ausrufung des Urheberrechts als “historische Errungenschaft gegen feudale Abhängigkeit” zergeht dabei auf der Zunge wie der aus einer Grabsteininschrift gemeißelte Marmorstaub. Hat Matthias Landwehr bereits einen Historienroman über die Mütter und Väter des Urheberrechtes an einen großen Publikumsverlag verkauft? Wenn die Kunst nicht den Finger in die Wunde am Puls der Zeit legt, was tut sie dann? Welche Aufgabe hat sie? Kommen die progressiven Ideen nun aus der Politik?

Kunst tut weh, wenn man auf der sorgenerfüllten Website wir-sind-die-urheber.de das stickige Gefühl bekommt, hier seien Autoren-Unterschriften achtlos ins Netz geschrieben worden. Weil es schick und die künstlerisch-soziale Norm ist, die Stimme, wenn auch nur zart, in der Debatte zu erheben. Aktionen, wie ein Schnitt auf der Stirn oder ein andersartiges kritisches Kaputtmachen des Urheberrechtes, ein Dorthingegen, wo es weh tun könnte, findet nicht statt. Demonstrieren Werkschaffende ihre kreative Exzellenz und künstlerische Überlegenheit nun über die Unterzeichnung eines Kettenbriefes? Der Wert des Werkes eines Künstlers liegt doch vor allen Dingen in einer eigenen Position, in der kritischen Auseinandersetzung mit anderen und nicht zuletzt – um das Gesetz worttreu zu zitieren – darin, eine “Gedanken- und/oder Gefühlswelt erzeugen, die in irgendeiner Weise anregend auf den Betrachter wirkt”.

Die Debatte ist angeregt, angestrengt, die Emotionen heftig. Plastisch wird das Urheberrecht für die Beobachter nicht. Selbst die Personen, die sich nun gestochen in geschwungener Schreibschrift “Wir sind die Urheber” auf dem Unterarm tragen, begegnen dem Urheberrecht in dieser theoretischen Auseinandersetzung auf diese Weise mutmaßlich zum ersten Mal. Die Beziehung des Schreibenden zu seinem Talent, seiner Textmaschine und zum Recht, dass seine Texte vor der unerlaubten Kopie schützen soll, sind gänzlich verschieden. Denn die Frage, ob die Kunst oder ihr Schutzrecht zuerst da war – nicht nur im historischen Verlauf sondern vor allem im künstlerlischen Selbstverständnis – lässt sich leicht beantworten. Der Verlust oder die Veränderung des Urheberechtes muss Kunst also nicht direkt bedrohen. In der Gegenposition legt das Recht sogar die Kunst in Fesseln: die Judikative entscheidet darüber, wann ein Werk “Gestaltungshöhe” oder “individuelle Ausdruckskraft” erlangt und über den Schutz des Urheberrechtes zu etwas Schützenswertem aufsteigt, vielleicht sogar zur Kunst.

Bild zu: wer-sind-die-kuenstler?de

Vielleicht sagt auch das etwas über den Zeitgeist und die Kunst, wenn sie ihren Kern in der Angst vor der Verbreitung sucht. Wenn sie ermächtigt wird im Anblick der Raubkopie. Im Vergleich zu Musikern und Filmschaffenden muss die Literaturbranche sich nahezu machtlos und vergessen fühlen, “wo doch noch nicht einmal von Daniel Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt Raubkopien in auffälliger Zahl existieren”, wie Michael Angele in “der Freitag” argumentiert. Eine intellektuelle Machtdemonstration ist nicht die meterhohe Bücherwand, der Bestseller, der Buchpreis, der hohe Vorschuss.

Kunst entsteht erst im Teilen, erst in der Rezeption. Nicht die Frage nach der Verhinderung ihrer Verbreitung, sondern Antworten darauf, wie Kunst die Fesseln von Ort, Zeit, Buchdeckel und Endgerät abschütteln kann, um frei zu sein und durch ihr Publikum ermächtigt zu werden, können die Kunst im digitalen Zeitalter antreiben.

Bild zu: wer-sind-die-kuenstler?de

Die experimentellen Annäherungen von Literatur und Netzkultur sind überschaubar. Die 72-jährige Autorin Margaret Atwood kommuniziert rege mit mit über 320.000 Followern auf Twitter. Paulo “Pirate” Coelho stellt seine Texte zum kostenlosen Download zur Verfügung, denn er ist der Überzeugung, dies beflüge seinen Buchverkauf. Er sagt: ” ‘Pirating’ kann eine Einführung in die Werke eines Künstlers sein. Wenn du ihre oder seine Idee magst, willst du sie in deinem Haus haben. Gute Ideen brauchen keinen Schutz.” Zahlreiche deutschsprachige Bloggerinnen und Blogger, die im Netz – ganz ohne Vergütung – begannen zu schreiben und bekannt wurden, weil viele Leserinnen und Leser ihre Texte miteinander teilten, haben mittlerweile in Verlagen gedruckte Bücher veröffentlicht. Zum Beispiel auch die Piratin Julia Schramm, deren Text “Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin” klassisch als Buch und E-Book im Herbst erscheint, obwohl sie eine deutlich andere Position zum Urheberrecht vertritt als ihr Verlag. So wie viele andere Autorinnen und Autoren, die sich eine Reform des Urheberrechtes wünschen – weniger im Hinblick auf ihre eigene ökonomische Absicherung, sondern hinsichtlich eines einfacheren Zugangs für Rezipienten und Lösungen, die eine Kriminalisierung der Masse verhindern. An Ideen dazu mangelt es nicht.

Nur im Verständnis wie Literatur aussehen, was Kunst in Textform im 21. Jahrhundert bedeuten könnte, sind weder “Wir, die Urheber”, noch “Wir, die Bürger” weiter. Die Debatte über das Urheberrecht könnte derweil an Tiefe gewinnen, wenn die Künstler unter den Urhebern formulieren würden, welche Ziele sie mit ihren Werken verfolgen – abseits einer ökonomischen, penibel verwalteten Verwertung.

 

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (38)
Sortieren nach

"wenn die Künstler unter den...

"wenn die Künstler unter den Urhebern formulieren würden, welche Ziele sie mit ihren Werken verfolgen" . Wieso, weshalb, warum? ...sollten sie das tun? Die kecke Aufforderung erinnert mich ein bisschen an die absurde Lehrerfrage (leider nicht von anno dunnemals): "Was will uns der Künstler damit sagen?"

Liebe Teresa, Sie operieren...

Liebe Teresa, Sie operieren mit Ihrer Kritik an den unterschrieben habenden Künstlern mit einem hoch idealisierten Kunstbegriff der "Kunst". Daneben erwähnen Sie tatsächlich aber auch das Wort "Kunstbetrieb".^^ . Allein diese beiden Dinge sind bereits gewaltige Unterschiede. Und wir haben noch gar nicht über das Urheberrecht geredet. . Die meisten Künstler sind weder Coelho noch Attwood. Sie tragen Pizza aus und sind Portiers, schweißen nebenbei an ihren Metallskulpturen oder Textskulpturen. Ihnen zu sagen, dass ihre Kunst an Tiefe gewinnt, wenn sie das Wesentliche an der Kunst Unsicherheit, Herausforderung, Fragezeichen zuließen (implizit dann: auf ihr Urheberrecht verzichteten? auf automatisiert zufließende Klein-Vergütung verzichteten?), liest sich stellenweise komisch großbürgerlich-weltfremd. Sie bedienen damit das alte Klischee: "Ein richtiger Küsntler, der es ernst meint mit seiner Kunst, muss arm sein und existenziell gefährdet, um wirklich Neues in der Kunst zu schöpfen." . Hat nie gestimmt. Entweder sie hatten reiche Mäzene (Mittelalter) und mussten ihnen gefügig sein oder waren wohlhabend. Arbeiter schreiben nicht. . Selbst Virginia Woolf erkannte, dass ein Autor eine gewisse Wohlhabenheit braucht. DAMIT er in Ruhe schreiben kann. Das dient im besten Fall der Kunst, schadet ihr nicht. In "A Room For Her Own" ergänzte sie, dass Frauen nur dann erfolgreich in Literatur sein können, wenn sie nicht am Küchentisch neben den Windeln schrieben, sondern "einen eigenen Raum" haben. Das darf ruhig mit finanzieller Unabhängigkeit übersetzt werden. . Selbst die Piraten sagen nicht, dass Künstler endgültig riskant auf Kante genäht leben sollen; sie sagen nicht, dass das Urheberrecht komplett weg soll, sie wollen nur die 70 Jahre nicht. . Darfs a bissi weniger sein?

0 Rainersacht 29.05.2012, 10:25 Uhr

"wenn die Künstler unter den...

"wenn die Künstler unter den Urhebern formulieren würden, welche Ziele sie mit ihren Werken verfolgen" Den Teufel werd ich tun! Muss doch keiner wissen, dass ich durch mein künstliches Werk vor allem berühmt und SUPERREICH werden will.

0 Giannozzo 29.05.2012, 10:56 Uhr

"Die Debatte über den...

"Die Debatte über den Brötchenklau könnte derweil an Tiefe gewinnen, wenn die Bäcker formulieren würden, welche Ziele sie mit ihren Backwaren verfolgen – abseits einer ökonomischen, penibel verwalteten Verwertung." - Ergibt das Sinn? Nein. Genauso wenig wie obiger Text.

0 lutz-breunig 29.05.2012, 11:57 Uhr

... nach meinem...

... nach meinem Kunstverständnis ist Kunst darauf ausgerichtet, etwas zu verändern, - und das möglichst revolutionär. Allerdings beklagen Künstler in der Regel, dass der Einfluss ihrer Werke auf gesellschaftliche Verhältnisse äußerst begrenzt ist. Umso erfreuter müssten Künstler eigentlich über jede Art der Verbreitung ihrer Kreationen sein: auch in dem Bewusstsein, dass jedes Werk der Veränderung ausgesetzt ist, bis hin zur - eventuell sogar gezielt angelegten - Zerstörung. Trotzdem benötigt die Fixierung der Urheberschaft einen definierten Prozess, um die Existenz der Kunstschaffenden abzusichern. Es würde mich brennend interessieren, welchen Standpunkt Joseph Beuys in dieser Debatte vertreten würde.

0 Rainersacht 29.05.2012, 12:48 Uhr

@lutz-breuning: In Sachen...

@lutz-breuning: In Sachen Beuys ziehe man den "Erweiterten Kunstbegriff" der "Sozialen Plastik" heran - also das, wovon die dummfaulen Journalusten nicht mehr als den Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler" übriggelassen haben. Hat mit dem Themenkreis "Urheberrecht" nichts zu tun, weil im Beuys'schen Sinne Kunst die Gestaltung der Sozialen Plastik, also des Gemeinwesens ist. Um sich der Frage "Kunst und/oder Geld?" auf dem Hintergrund des Erweiterten Kunstbegriffs zu nähern, müsste man dann noch den Beuys'schen Neuen Geldbegriff zurate ziehen. Bringt in dieser Debatte alles nicht wirklich was.

Man darf nicht vergessen dass...

Man darf nicht vergessen dass die Initiative zugunsten der Urheberrechtsabgaben mehrheitlich von den Verlagen und weniger von echten Künstlern ausgehen. . Es geht somit viel weniger um Kunst als um Kommerz und ich ärgere mich jedesmal wenn ich für einen USB Stick auf dem ich nur meine eigenen Fotos abspeichere eine horrende Abgabe zahlen muss!

Ich bin ahnungslos. Wie ist...

Ich bin ahnungslos. Wie ist das eigentlich, wenn ich bei einem Malersmann ein Bild erwerbe. Kaufe ich da nur Nutzungsrechte? Bleibt das Urheberrecht beim Kuenstler? Kann ich das fuer die Wand bestimmte Bild auch als Illustration in einem Buch verwenden? Wenn der Kuenstler stirbt, an wen gehen, sofern Urheberecht beim Kuenstler bleibt, diese Rechte? Und wenn die 70 Jahre um sind, was dann? . (Wie war das noch mit Gerold-Tucholsky und Fritz J. (Bahnhof) Raddatz? T. ist ja nun auch schon mehr als 70 Jahre weg.))

0 HansMeier555 29.05.2012, 13:52 Uhr

asoziale Plaste...

asoziale Plaste

Ein weiterer ärgerlicher...

Ein weiterer ärgerlicher Beitrag. Ärgerlich, weil wenig durchdacht, verschwiemelt und Standpunkte vernebelnd. Nein, die Diskussion (!) um das Urheberrecht beißt die Künstler nicht. "Nur" deren massenhafte Mißachtung im Internet, wie die Autorin sehr wohl weiß. So, so - die Website "wir-sind-die-urheber" verursacht ein stickiges Gefühl? Das erste Mal, dass die Hauptbetroffenen der von den "netizens" mit höchstem Pathos geführten Urheberrechtsvernichtungsdebatte sich zu Wort melden. Für ihre berechtigten ökonomischen Interessen. Was umgehend die zarte Künstlerseele der Politprofessionellen Bücker so verletzt, dass sie im Namen der Kunst vorschlägt, sich doch am "kritschen Kaputtmachen" des Urheberrechtes zu beteiligen. Massenhaftes Raubkopieren wird zum kreativen Befreiungsschlag, Bücker wäre eine excellente Bänkelsängerin der mittelalterlichen Raubritter gewesen. "Der Verlust oder die Veränderung des Urheberechtes muss Kunst also nicht direkt bedrohen." Nein, Kunst wird es auch weiterhin geben. Es gab sie auch im Mittelalter - auf Fürstens Gnaden oder auf dem Hungertuch. Die Behauptung Urheberrecht = Kunst hat zwar niemand aufgestellt, es drischt sich aber am leichtesten auf selbst aufgestellte Strohmänner ein ... "Kunst sucht ihren Kern in der Kunst vor Verbreitung". Steile These. Hat nur mit dem Urheberrecht, bei dem es um schnöde Ökonomie geht, rein gar nichts zu tun. Wurde also in die Debatte eingeführt, um ... ??? "Kunst entsteht erst im Teilen ...". Das Lieblingsargument aller Raubkopierer, seitdem ihnen ein bisschen Wind entgegen bläst. Die Geistesverwandte der Autorin - Julia Schramm - hat das Argument wenigstens konsequent zu Ende gedacht. Künstler müssen denen dankbar sein, die ihre Kunst zur Kenntnis zu nehmen geruhen. Und dafür nicht auch noch Geld verlangen. Das Argument selbst ist natürlich Blödsinn - Berkeleys "esse est percipii" ist philosophisch völlig unhaltbar, Gemäde wie Worte sind Kunst im Augenblick der Entstehung, selbst wenn sie niemals einen anderen menschen erreichen. Und abgerundet wird der dünne Aufguss mit dem Verweis auf ... ? Einen bereits etablierten Bestsellerautor, der seine Berühmtheit jetzt im Internet vermehrt. Und auf das exakte mediale Gegenstück eines "It" Girls (Schramm), dass seine Berümtheit der Sinnfreiheit seiner Äusserungen in Verbindung mit Frausein verdankt, sonst nichts. Als gelungene (!) Beispiele dafür, wie man ohne Urheberrecht Geld verdienen kann. Für 50% von ohnehin gerade einmal 2 Beispielen ist das sogar falsch - Schramm verdient Geld MIT dem bestehenden Urheberrecht. Das Schlimme am Beitrag ist nicht seine Gedankenlosigkeit. Sondern die Selbstverständlichkeit, mit der die Autorin Positionen wiedergibt, die bei einer Minderheit salonfähig geworden sind, die nicht auf ihr geliebtes "Alles umsonst und das jetzt" verzichten wollen. Sich dabei aber (natürlich!) nicht auf das beschränken wollen, was von den vielen ehrenamtlichen Künstlern und Künstlerinnen kostenfrei bereits zu haben ist. Professionell Produziertes, dass vorher den Filter von Expertenauswahl und Marktreife bereits passiert hat, ist der Netz-Durchschnittsware um Grössenordnungen überlegen. Nur bezahlen dafür, das sollen bitte andere übernehmen.

Filou, ich probiers mal: . Das...

Filou, ich probiers mal: . Das Urheberrecht bleibt tatsächlich beim Maler. Urheberrecht bedeutet (ganz grob in meiner nicht-juristschen Sprache) ja auch: du darfst das Werk selbst nicht verändern. Den Rahmen schon, darf man auswechseln, ändern. Wenn der Rahmen zwingend zum Werk gehört, dann den auch nicht. . Das Bild an deiner PRIVATEN Wand, das du von einem noch lebenden Maler käuflich erworben hast und du als Scan, Foto aber zusätzlich in ein ÖFFENTLICHES Buch reintun willst, muss meines Wissens von dir als Publisher beim Künstler nachlizenziert werden. Dieses Foto, dieser Scan deines privaten Gemäldes kostet dich also Nutzungsrechtszahlung. Grund: Es gehört dir nicht nur privat, es ist von dir ausgehend eine kommerzielle öffentliche Verwertung entstanden, an der du verkaufend profitierst und an der der Maler als Urheber teilzuhaben hat. . Wenn die 70 Jahre nach dem Tod um sind, dann sind Werke in der Regel gemeinfrei (wenn nicht weitere Verwandtschaft Rechte anmeldet). Das hießt z. B. solch ältere Texte sind für alle im Gutenberg-Projekt ohne Kosten jederzeit beleibig oft abrufbar, lesbar, ausdruckbar. Man darf auch ein Büchlein davon binden. Aufpassen muss trotzdem man bei Verlagen, ob da nicht noch irgendwelche aktuellen Übersetzungsrechte drauf liegen. Da weiß ich nicht allzuviel drüber. . Das heißt aber nicht, das man jetzt den David jetzt einfach nach Hause nehmen darf, nur weil Michelangelo schon länger nicht mehr gut riecht. . Wenn ein Orchester (nehmen wir mal St. Martin in the Fields) ein Stück des schon länger verblichenen Mozart neu aufnimmt, ist dieses jedoch nicht einfach gemeinfrei, nur weil Mozart schon so lange tot ist. Das Werk ist nämlich künstlerisch interpretiert worden und der Reigen geht von vorne los. Du/wir: die CD zahlen, Du/wir: nicht x-beliebig kopieren oder runterladen. Pöse. . [Das ist keine juristische Beratung. Wer Fehler findet, und werden welche drin sein, darf sie behalten. Und verbessern. Im besten Sinn einer sozialen Skulptur.]

0 Veil of ignorance 29.05.2012, 14:55 Uhr

"lutz-breunig: "nach meinem...

"lutz-breunig: "nach meinem Kunstverständnis ist Kunst darauf ausgerichtet, etwas zu verändern, - und das möglichst revolutionär." Sich auf dem Tahrir-Platz von der Geheimpolizei verprügeln, in Hula massakrieren lassen oder in Misrata gefoltert werden, ist dann so eine Art Performance Kunst? . Kunst kommt von Können und war immer zielgerichtet auf den Nutzen, dabei nie ein Selbstzweck, ja politisch gesehen sogar zutiefst konservativ. Und wenn ich dann schon wieder dieses Geraffel auf der Documenta sehe, sollte jede Form der staatlichen Kunstförderung eingestellt werden. Der Pralinenladen hier in der Straße, der alles noch per Hand fertigt, ist mehr Künstler als dieses ganze pseudo-elitäre Gesocks zusammen.

0 lutz-breunig 29.05.2012, 14:58 Uhr

@Filou: Urheber bleibt Urheber...

@Filou: Urheber bleibt Urheber und Eigentümer ist der jeweilige Eigentümer. Sie dürfen als Eigentümer eines "van Gogh" sogar ein Strichmännchen drauf malen. Darauf haben Sie dann ein Urheberrecht , aber nicht auf dem "van Gogh" der darunter ist. ... "Rechtsauskunft" ohne Gewähr :-)))

Vielen Dank an alle. . Also...

Vielen Dank an alle. . Also nehmen wir mal an, ich wuerde in Kassel, im Juli, ein Kunstwerk fotografieren (tue ich nicht, denn ich kenne Kassel von meinem Ferienjob als Minibarkellner der DSG. Immer drei Stunden Wartezeit). Danach verkaeufte ich dieses kuenstlerische Fotto mit dem noch kuenstlerischereren Sujet. Muss ich jetzt, z.B. Auwauwau, was abgeben? Darf ich ueberhaupt das Foto einfach so verkaufen, oder muss ich auf die Erlaubnis aus China warten, wo mal wieder kein Mensch weiss, wo der Meister sich befinden tut (Futur Filou III)? . Anmerkung: Ich hab vor langer Zeit mal die Nutzung eines Musiktitels bei der GEMA angefragt. Das war sowas von bloed. Habs dann einfach so gemacht. Bin nicht erwischt worden. Selbst schuld, die koelner Astloecher. Dabei liebe ich faire Geschaefte. Manchmal ist Fairness sehr schwer. Fast so schwer wie Kunst.

0 lutz-breunig 29.05.2012, 16:19 Uhr

@Veil of ignorance : Denken...

@Veil of ignorance : Denken Sie mal an die "Performance" der ehemaligen DDR-Bürger mit dem nutzbringenden(!) Hinweis, wer das Volk ist. Im übrigen ist der Nutzen eine kommerzielle Angelegenheit und orientiert sich am Kundenverhalten. Kunst ist - auch - kundenorientiert, muss aber nicht.

Filou, da weiß ich jetzt auch...

Filou, da weiß ich jetzt auch nicht groß weiter, was mit fotografierten Kunstwerken ist. Privat ist erlaubt, wenn das Museum oder das Institut es erlaubt für private Zwecke. An manchen Orten darf man ja überhaupt nicht fotografieren, nicht einmal für sich privat. . Als gelegentlicher Bildlizenzeinkäufer weiß ich nur, dass solche Bilder in der Regel sogenannte "Editorial"-Bilder sind. Das heißt, wenn man sie als Fotos einkauft, sind sie gegen eine Nutzungsrechtslizenz ausschließlich journalistisch zu verwenden. Die kommerzielle Nutzung in der Werbung ist in der Regel untersagt, egal wieviel Geld man noch drauflegt. . Auch wenn der Telekom-Achter kein Kunstwerk ist, sondern eher ein Sportwerk: Mir ist das mal für den Einsatz in einer Kundenanzeige mit dem Ruder-Achter der Telekom passiert. Man rückte das Bild für kein Geld der Welt raus, die Telekom hat es untersagt, kein Release. . Jedenfalls ist das Nutzungsrecht hust nicht ganz unkompliziert. . @ lutz-breunig Bin mir nicht sicher, ob man überhaupt Strichmännchen auf einen van Gogh malen darf, falls der einem gehört. Das ist mutwillige Zerstörung eines Millionen werten Kunstwerks. Wer weiß was. . Bin mir aber auf alle Fälle sicher, dass die im Vergleich dazu lumperten Arbeiten eines Designers ohne seine Zustimmung vom Auftraggeber weder im Original noch bei der Reproduktion geändert werden dürfen. Das steht so im wasserdichten AGB des Berufsverbands. (Vermutlich nur solange der Designer lebt plus die 70 Jahre. Aber: nix gwies waas ich net.)

Was ist heut los? Muss ThorHa...

Was ist heut los? Muss ThorHa ausnahmsweise uneingeschränkt Recht geben. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

0 RA Schmierfink 29.05.2012, 23:22 Uhr

Mit dem käuflichen Erwerb...

Mit dem käuflichen Erwerb eines Kunstwerkes, eines Gemäldes z.B., gehen die uneingeschränkten Nutzungsrechte auf den Käufer über. Basta! . Der neue Besitzer darf das Gemälde ausstellen, wegschließen, verschimmeln lassen, ergänzen, übermalen, ein Stück rausschneiden, ankohlen, abmalen, photographieren, die Photos veröffentlichen, verkaufen (die Photos; das Gemälde sowieso), Eintritt verlangen für die Betrachtung, Eintritt verlangen für die Einäscherung des Gemäldes (Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Erlaubt ist auch die Vervielfältigung (Kopieren des Gemäldes, wenn man es denn kann). Nicht erlaubt ist der Verkauf der Kopien (vulgo Fälschungen), das ist Betrug (keine Urheberrechtsverletzung).

0 HansMeier555 30.05.2012, 05:51 Uhr

Es gab doch mal so ein...

Es gab doch mal so ein Sprichwort: "Niemand kann ein gesprochenes Wort wieder zurücknehmen". . Der Sinn des Urheberrechtes und auch der kommerziellen Vewertungsrechte leuchten mir schon ein, aber die Gleichsetzung mit "Eigentum" ist vermutlich prinzipiell irreführend, was aber erst infolge der jüngsten technischen Entwicklung zum Problem wurde. . Ebenso evident scheint mir nämlich, dass jedes Kunstwerk vom Moment seiner Erstveröffentlichung an eben auch Gemeingut ist, dessen Verbreitung nicht mehr strikt unterbunden werden darf. Da gibt es andere Rechtgüter (Freiheit der Meinungsäußerung, Bildung, Forschung, Gesundheit, etc.) die im Zweifelsfall wichtiger sind als die materiellen Ansprüche des Urhebers.

0 HansMeier555 30.05.2012, 05:58 Uhr

Apropos "Gratiskultur": Da...

Apropos "Gratiskultur": Da wurde doch grade wieder die Story vom Mathias Rust aufgequirlt, dessen Abstieg damit begonnen habe, dass mit dem "STERN" einen Exklusivvertrag abgeschlossen und darum im Moment seiner Rückkehr den übrigen Journalisten das Interview verweigert habe. . All dies Springer- und Spiegel-Reporter hatten ja gedacht, der Rust müsse froh sein, ihnen Fragen beantworten zu dürfen: Gratis, für lau, umsonst, einfach so! . Und als der Urheber da nicht mitmachen wollte, hat sich die Meute gerächt und ihn zum Spinner erklärt...

0 HansMeier555 30.05.2012, 06:18 Uhr

Und als sich herausstellte,...

Und als sich herausstellte, dass Rust tatsächlich ein Trottel war, war der STERN "enttäuscht". Das konnte man nicht ahnen. . (Das klang doch plausibel: Dass jemand, der eine wohlüberlegte Position authentisch vertritt, mit dem STERN einen Exklusivvertrag schliesst.) . Aber mal schaun. Vielleicht produziert die Schramm ja jetzt große Literatur exklusiv für Bertelsmann. Das wäre dann ein klarer Beweis für die Notwendigkeit des Urheberrechts.

0 HansMeier555 30.05.2012, 07:33 Uhr

Kann man das alles auf einmal...

Kann man das alles auf einmal besitzen: a) Klugheit b) Mut c) Die Fähigkeit, a) von b) zu unterscheiden?

0 lutz-breunig 30.05.2012, 07:38 Uhr

Wie hat eigentlich van Gogh...

Wie hat eigentlich van Gogh das Recht erworben, (s)einen "Sämann" abzubilden? Hat er vielleicht Persönlichkeitsrechte verletzt, weil er ihn ohne dessen Wissen und Vergütung als Modell benutzt hat?

0 HansMeier555 30.05.2012, 07:57 Uhr

@lutz-breunig . Ja, und die...

@lutz-breunig . Ja, und die Frau vom Sämann, die dessen Kittel und Hose entworfen und genäht hat. Deren Modekreation einfach so abzubilden.

RA Schmierfink, hoppala, wie...

RA Schmierfink, hoppala, wie war das denn mit dem Corbusierhaus in Berlin? Der Architekt Le Corbusier verbat sich jede Veraenderung an seinem Gebaeude. Besonders an der Aussenwirkung lag ihm viel, die er mit Rechtsmitteln aufrecht erhielt. So liess er z.B. Blumen und Sonnenschirme auf den Balkons verbieten. . Eigentuemer des Hauses war Le Corbusier nicht. Eigentuemer war der Bauherr, damals wahrscheinlich eine Arbeitsgemeinschaft des Berliner Senats.

0 lutz-breunig 30.05.2012, 08:13 Uhr

@Vroni , @RA Schmierfink: ......

@Vroni , @RA Schmierfink: ... eine Ausnahme fällt mir ein bei denkmalgeschützten Gebäuden etc. ; da gibt es Auflagen, also eingeschränkte Nutzungsrechte was Veränderungen betrifft - trotz käuflichen Erwerbs. Nur, wenn dagegen trotzdem jemand verstösst - bewusst oder unbewusst - , was passiert dann?

0 HansMeier555 30.05.2012, 09:33 Uhr

@Filou . Sie vermuten richtig....

@Filou . Sie vermuten richtig. Der will Sie nur veralbern (Nomen=Omen).

0 Tresendienst 30.05.2012, 11:07 Uhr

@veil of ignorace: "Und wenn...

@veil of ignorace: "Und wenn ich dann schon wieder dieses Geraffel auf der Documenta sehe..." Was haben Sie denn von der documenta bereits gesehen?

0 Herold Binsack 30.05.2012, 12:52 Uhr

Nicht die Kreativen - die...

Nicht die Kreativen - die Patente - zählen . „Kunst entsteht erst im Teilen, erst in der Rezeption.“ Ein Wahres Wort, gelassen gesagt. Zeigt sich doch darin das gesellschaftliche Wesen nicht nur von Kunst, sondern vom Menschen schlechthin und darin das wahrhaft künstliche Wesen eines Menschen. Und auch ich kann an dieser Stelle nur wiederholen, was ich bei diesen und anderen Gelegenheiten gewohnt bin zu sagen: Auch und gerade im Kontext des Streites um das „geistige Eigentum“ zeigt sich die Warengesellschaft an ihre Grenzen gekommen. Die Vergesellschaftung, wie sie schon Marx vor 150 Jahren beschrieb, offenbart erst im Informationszeitalter ihr grandioses Ausmaß neben ihrer wie gehabt bürgerlich-banalen Seite. Grandios: Endlich sind die Klassen obsolet, denn die Arbeitsteilung wird sich erledigen. Banal: dieses kleinbürgerlich-intellektualistische Gezänk um das bisschen geistigen Eigentums, das da jeder von uns noch geltend machen könnte. Das Gemeineigentum an Gedanken geht dem Gemeineigentum an den Produktionsmitteln voraus. Das ist die banale wie zugleich absurde Wahrheit. Banal, da es jeder längst weiß, absurd, weil es niemand glauben will. Denn: das Gemeineigentum erscheint unter kapitalistischen Verhältnissen nicht in seiner angemessenen Form. Denn wo das Großkapital „sozialisiert“ wird in Wahrheit der im Marktgeschehen Unterlegene expropriiert. . Denn zeigt sich doch gerade darin die aktuelle Parodie auf die ideologischen Grundlagen des Kapitals: In dem Maße wie der geistige Arbeiter zum Lohnarbeiter – zur wichtigsten Produktivkraft geworden ist (http://blog.herold-binsack.eu/?p=1831) - zeigt sich das Eigentum des geistigen Arbeiters (des vormaligen Kleinbürgers) nur einer neuen Eigentumsform zugeführt. Was dem Kleinbürger nämlich nicht einleuchten will, ist die schlichte Tatsache, dass auch diesmal nur der (vormals) Ausbeutende ausgebeutet wird. Hinter all dem steht ein neuerlicher Formwechsel in der Kapitalbewegung. Weniger die Produktion von Gütern als das Wissen um die Produktion von Gütern schafft Kapital. Nicht die Kreativen versammelt das Kapital um sich (was im Übrigen auch die „bürgerliche Demokratie" obsolet werden lässt), sondern nur deren enteigneten „Patente“. . Doch während der Kapitalismus noch als alternativlos gefeiert wird, brechen seine Grundlagen unter ihm zusammen. Der Markt weicht der Transfergesellschaft, das Eigentum an Produktionsmitteln der Managermacht (auch hierin nur die Eigentumsformen revolutionierend). Das Kapital selber wird zunehmend zu einer sozialen Kategorie. Vom Fluss eines solchen, denn weniger von dessen Anhäufung, hängt der Zusammenhalt dieser nunmehr prekären (auch im Sinne von „alt“ geworden) Klassengesellschaft ab. . „Wissen ist Macht“ war gestern, denn heute ist Wissen im Prinzip ohne alle Macht. Wo ein Wissen jedem zugänglich wird, bliebe als einzige Schranke die Bildung. Der Kampf um die Bildung würde zum Klassenkampf – schlechthin. Gewisse Studentenaufstände, z.B. gegen Studiengebühren, mögen das bezeugen. Die Mächtigen haben das begriffen, also beginnen sie den Zugang zum Wissen zu regeln. So suchen sie nach Wegen, den Zugang der Massen zur Information zu verteuern. Damit zugleich sich eine Quelle des Profits erschließend. Denn die Bildung verweigern, hieße den Klassenkampf nicht nur schüren, sondern die geistige Substanz jener „Produktivkraft“ schädigen. Den Wissenden/den Zahlenden/den Konsumierenden soll die Macht bleiben, wie den Unwissenden den sinnlos gewordenen Kampf darum.

Filou, du liegst mit deinen...

Filou, du liegst mit deinen nicht schlechten Fragen (Corbusier ... etc.) näher an der Wahrheit als RA "Basta!" Schmierfink. . Die Pesönlichkeitsrechte von Personen, die man abbildet, müssen zumindest in der zu veröffentlichenden Fotografie beachtet werden. Es braucht die Zustimmung dieser Menschen. Außer es sind Massenszenen, in denen kein Einzelner mehr zu erkennen ist.

@haha, Vroni, ein Bekannter...

@haha, Vroni, ein Bekannter wurde von einem grossen Reisunternahmen nach Italien geschickt um zu fuer zu fotografieren. Man gab ihm vorgedruckte Einverstaendniserklaerungen mit, falls er es mal mit Menschen zu haben sollte. Keine Touristen also. Ein Einheimischer ruderte ihn und tourende Germanenweiber auf eine vorgelagerte Insel zum Baden. Der Typ unbestimmten Alters, entsprach genau dem Klischee, das man halt so von suedlaendischen Seefahrern hat: runzelig, zahnlos, debiles Grinsen. Praechtig! Dann gings zum Unterschreiben der in deutsch verfassten Einverstaendniserklaerung. Der Mann konnte kein deutsch. Ausser Rudern konnte der nix. Noch nicht mal lesen. Schreiben durfte man auch vergessen. Da liess man ihn drei Kreuze machen. Frage: Ist das ein rechtsgueltiges Dokument?

0 lutz-breunig 30.05.2012, 15:50 Uhr

@Herold Binsack : Kreative mit...

@Herold Binsack : Kreative mit Patenten zählen ;-)

0 Herold Binsack 30.05.2012, 16:51 Uhr

Stellvertreter für...

Stellvertreter für Urheberrechte @lutz-breunig: Es ist Ihnen hoffentlich nicht entgangen, dass „Patente“ von mir in Anführungszeichen gesetzt worden ist, somit als Stellvertreter für jede Art von „Urheberrecht“.

0 lutz-breunig 30.05.2012, 21:55 Uhr

@Herold Binsack: Kunst...

@Herold Binsack: Kunst entsteht erst im Teilen, einverstanden; die Rezeption darf aber schon was kosten, - genau wie bei Ihrer Verkaufsausstellung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie von der - von Ihnen so titulierten - Warengesellschaft noch lange profitieren :-)

0 Veil of ignorance 30.05.2012, 22:05 Uhr

@Tresendienst die...

@Tresendienst die "Freiluftkunstwerke" sind schon längst aufgebaut: der Dreckhügel, der Stein im Baum, das Gemüsebeet, die holzigen Gartenhütten etc.pp. Aber das größte Kunstwerk ist natürlich die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev. Die Pressemappe hat sie auf einfache Rohlinge gepresst und mit Filzstift beschriftet. Darauf waren dann ganze 10 Bilder von Künstlern und 20 Bilder von ihr selbst. Frau Christov-Bakargiev im Blazer, beim Sitzen, im Wald....Das muss wohl dieses emanzipatorische Potential sein, von dem immer alle reden. :)

Filou, eher nicht. Was soll...

Filou, eher nicht. Was soll das von denen. Wer mit nur-deutschsprachigen Einverständniserklärungen im Ausland rumschippert, um - ganz kolonial-feudalistisch eingestellt - pittoreske Einfalt und pittoreske Armut abzufotografieren, ist ein respektloser Fuzzie. Genau von der Sorte Journalisten, die ich so gern mag. Sie sollten ihn nach Hause peitschen. . In muslimischen Ländern ist das Fotografieren von Menschen/Gesichtern immer noch das Stehlen der Seele. Ist was dran. Nein, bin kein Islamist.

0 Herold Binsack 31.05.2012, 08:21 Uhr

Im Reich der...

Im Reich der Freiheit . @lutz-breunig: Ich hatte nie eine „Verkaufsausstellung“. Sie reden vermutlich von der Ausstellung in den Räumen meines Arbeitgebers „Am Grünhof“. Es freut mich, dass sie in meiner Website geschmökert haben. Die Künstler dieser Ausstellung haben keinen Cent verdient. Was auch gar nicht das Ziel war. Es war ihnen eine Ehre, ihren Kollegen und Kolleginnen eine Freude bereitet zu haben. Vor allem aber ging es darum, aufzuzeigen, dass auch Verwaltungsmenschen zu mehr befähigt sind, als sie vielleicht unmittelbar gelernt haben. Das war eine Werbeveranstaltung zugunsten der Kreativität in jedem von uns. Und es war ein Versuch dem üblichen Stress der „arbeitsteiligen“ Gesellschaft zu begegnen. Sie verstünden mich dennoch falsch, wenn Sie glaubten, dass ich dafür plädierte, dass Künstler, oder Geistesarbeiter, aus ihren Kunstwerken/Geistesprodukten keine Einnahmen erzielen sollten. Sie sollten sich nur zunehmend über diesen von mir vorgebrachten (antagonistischen) Widerspruch Gedanken machen. Sie sollten begreifen, dass es für sie diesbezüglich innerhalb der Warengesellschaft keine Zukunft gibt. Außerhalb dieser Warengesellschaft gibt es diese Zukunft sehr wohl noch. Doch immer weniger im Rahmen der durch die Klassengesellschaft hervorgebrachten Arbeitsteilung. In dem Maße wie die Klassengesellschaft überwunden wird, fällt auch die Arbeitsteilung - und vice versa. Einhergehend mit dem Übergang vom „Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit“ (Marx) werden die Menschen zu dem werden, was sie im Prinzip schon von Anfang gewesen sind: geistige, will heißen: kreative, Wesen. Die dann nicht mehr durch Arbeitsteilung und Ausbeutung belastete Arbeit wird dann zum ersten Lebensbedürfnis geworden sein.

0 lutz-breunig 31.05.2012, 11:18 Uhr

@Herold Binsack: Wir befinden...

@Herold Binsack: Wir befinden uns in der Tat schon seit längerer Zeit im Prozess der Dienstleistungsgesellschaft; mit dem Trend, dass Waren/Produkte immer mehr über anschließende Dienstleistungen vergütet werden; nicht zu vergessen die Dienstleistungen ohne Produktbezug. Je mehr Dienstleistungen/Dienstleister aber verfügbar sind, umso vielfältiger(!) wird auch die Arbeitsteilung: als begrüssenswerte Entwicklung für jeden Einzelnen im Hinblick auf einen kreativen Komplex aus unterschiedlichsten Kooperationen.

schreibt als freie Autorin vor allem zu netzpolitischen Themen, Geschlechtergerechtigkeit und Liebe. Außerdem arbeitet sie als Referentin für soziale Medien bei der SPD-Bundestagsfraktion.