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Was Wahlstatistiken mit Wahlsoziologie zu tun haben

| 51 Lesermeinungen

Alle reden über treffsichere Algorithmen - dabei ist die Forschung zu den historischen und gesellschaftlichen Hintergründen der Wahlen in...

Alle reden über treffsichere Algorithmen – dabei ist die Forschung zu den historischen und gesellschaftlichen Hintergründen der Wahlen in Amerika mindestens ebenso interessant.

Die Amerikaner haben gewählt. Vorangegangen ist die größte Werbeschlacht in der Geschichte des amerikanischen Wahlkampfs – am Ende fiel das Ergebnis für Obama wesentlich besser aus, als die meisten erwartet hatten. Fasziniert begutachtet die Welt die verblüffend treffsicheren statistischen Vorhersagen von Nate Silver, der schon länger vom Sieg des Amtsinhabers überzeugt war. An den meisten Leitmedien sind diese Vorhersagen allerdings vorbeigegangen – allgemein wurde mit einem engen Rennen gerechnet.

Wer die Nacht vor dem Fernseher verbracht hat, war vermutlich ebenfalls früher oder später überrascht, denn die Wahllandkarte ist deutlich mehr rot als blau. Die USA scheinen eigentlich voller Menschen zu sein, die republikanisch wählen, selbst in Staaten wie Florida, die am 6. Januar 2013 für Obama stimmen werden, gibt es nur einige blaue Inseln in einem roten Meer. Dafür gibt es zwei Gründe: erstens das System der Wahlmänner. Zweitens die Bevölkerungsstruktur und die damit einhergehenden sozialen Strukturen und Institutionen in den USA.

Bild zu: Was Wahlstatistiken mit Wahlsoziologie zu tun haben

Das eigenwillige System der Wahlmänner hat komplizierte historische Wurzeln, über die ganze Dissertationen geschrieben worden sind. Arg verkürzt, war das Ziel der Gründerväter, daß die Bevölkerung ein Parlament wählen sollte, die Union der Föderalstaaten hingegen die Exekutive. Zu diesem Zweck wird seither für jeden Staat in regelmäßigen Abständen die Anzahl der Wahlmänner nach Maßgabe der Bevölkerung bestimmt – wohlgemerkt der gesamten Bevölkerung, nicht der wahlberechtigten Bevölkerung. Die Wahlmänner sind mehr oder weniger verpflichtet, am Wahltag kollektiv für den Kandidaten zu stimmen, der unter den Wählern ihres Heimatstaates die Mehrheit gewonnen hat. Die unterlegene Minderheit bleibt dabei unrepräsentiert, was auch die gelegentliche Differenz zwischen „electoral vote” (Wahlmänner) und „popular vote” (Anzahl der individuellen Stimmen pro Kandidat) erklärt, so geschehen im Jahr 2000 in der GW Bush vs. Al Gore.

Die individuellen Stimmen der Bürger werden am Wahlabend ausgezählt und auf Distriktebene aggregiert für die schönen bunten Landkarten (wobei manche Prognosen sich auch auf Befragungen der Wähler nach Verlassen des Wahllokals stützen). Dort sieht man dann auf Distriktebene blaue Inseln im roten Meer, was daran liegt, daß Städter tendenziell demokratisch wählen, Bewohner ländlicher Gegenden hingegen republikanisch. Die Bevölkerungsdichte ist aber in Städten und vor allem auch den Ballungsräumen an der Ost- und Westküste sehr viel höher, so daß eine blaue städtische Insel sehr viel mehr Wähler repräsentiert als ein roter Landstrich im einsamen Montana, oder im sumpfigen Florida. [Für eine bevölkerungsangepasst Karte der Wahlnacht – bitte hier klicken.]

Dasselbe gilt auf Ebene der Staaten: es gibt viele Staaten, die am 6. Januar Wahlmänner für Romney entsenden werde, aber diese haben wenige „electoral votes”, weil wenig Bevölkerung, während Obama in diesem Jahr (voraussichtlich) drei der vier bevölkerungsreichsten Staaten gewonnen hat (California, New York und Florida). Aus diesem Grund liegt auch häufig der republikanische Kandidaten in den frühen Abendstuden amerikanischer Zeit erst mal vorne – in den wenig und dünn besiedelten Staaten geht die Auszählung schneller als in den Metropolen, wo in jedem Distrikt wäschekörbeweise Wahlzettel gezählt werden müssen, folglich liegen die Hochrechnungen früher vor (zumal etliche dieser Staaten ohnehin traditionell standhafte Republikaner sind, an deren Wahlverhalten kein Zweifel bestehen kann).

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Das erklärt das Auseinanderfallen von optischer Intuition und Realität – aber es stellt auch ein erstaunliches Muster dar. Teilweise ist die Soziologie dahinter nicht sehr kompliziert: linke Intellektuelle zieht es oft in die Städte, und auch der Bevölkerungsanteil weniger wohlhabender Individuen und Minderheiten ist höher, und die wählen tendenziell eher für den demokratischen Kandidaten, der für mehr Staat und Umverteilung steht (oder zumindest so wahrgenommen wird). Im ländlichen Raum hingegen erhalten sich eher konservative Werte, darunter das unantastbare konstitutionelle „right to bear arms”, Familie, Kirche, Unabhängigkeit.

Möglicherweise hat diese Verteilung aber auch historische Wurzeln. Die Forscher Nisbett und Cohen vertreten die These, daß die Präferenz von Südstaatlern für ihre traditionellen Freiheiten mit der Besiedlungsgeschichte der USA zusammenhängt. Zuerst kamen die Puritaner und besetzen Teile der Ostküste. Nachdem der Grundstein gelegt war, wurden die USA ein attraktives Ziel für jüngere Söhne englischer Aristokraten, die vor allem in den Südstaaten mit Plantagen die ihnen bekannten sozialen Strukturen beibehielten. Die verfolgten Quaker ließen sich vor allem in Delaware nieder ,und um die Mitte des 18. Jahrhunderts emigrierten etwa 200,000 Schotten (und deren irische Nachfahren). Letzere ließen sich im Hinterland gen Westen nieder – gleichermaßen aus Notwendigkeit, da Ostküste und Südstaaten bereits besiedelt waren, wie aus Vorliebe für Vertrautes, nämlich für Viehzucht geeignete Landschaften. Mit ihnen kam eine „Culture of Honor”.

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Nisbett und Cohen argumentieren, daß auf Viehzucht basierende Gesellschaften eine höheres Aggressionpotential haben als jene mit landwirtschaftlicher Tradition. Tiere auf vier Beinen können sehr viel leichter gestohlen werden, Viehzuchte beansprucht mehr Platz, führt zu dünnerer Bevölkerungsdichter und ist überhaupt schwieriger zu kontrollieren – der Einzelne ist mehr auf sich selbst gestellt und mußte im Zweifel – historisch – sein Recht selbst verteidigen, wenn Institutionen und die Repräsentanten staatlicher Ordnung nicht so schnell eingreifen konnten. Vor diesem Hintergrund war es möglicherweise in viehbasierten Gesellschaften (also auch nomadischen Völkern in anderen Weltregionen) ein evolutionärer Vorteil, auf Bedrohungen oder Angriffe schnell und entschlossen zu reagieren.

Bei den Schotten kam noch hinzu, daß diese grundsätzliche Tendenz zur Selbstverteidigung durch die unruhige Geschichte der Grenzregion mit ihrem über Jahrhunderte andauernden Konflik verstärkt wurde. Die tatsächliche Neigung von Südstaatlern, Ehrverletzungen ernster zu nehmen, bestätigen die Forscher übrigens in einer Reihe von Experimenten. Größer angelegte Studien zeigen, daß die Anzahl von Totschlagsdelikten mit weißen Tätern in Distrikten mit hohem Anteil schottischstämmiger Bürger überdurchschnittlich hoch ist.

Nun sind 200,000 Siedler (ursprünglich) nicht viel, aber in einem relativ leeren Landstrich hatte es möglicherweise doch dauerhaften Einfluß, daß diese speziellen Siedler der zunehmenden Staatsmacht aus Washington weniger zugetan waren und im Zweifel ihre individuellen Freiheiten stärker verteidigt haben. Berücksichtigt man außerdem, daß dünn besiedelte Landstriche immer schwerer zu regieren sind, und das föderale System der USA den Staaten bis heute Freiheiten läßt, gewinnt die Hypothese noch an Plausbilität. Zumal sie eben auch sehr schön, alle Jahre wieder, mit dem Wahlverhalten zusammenpasst: die bevölkerungsarmen, großen, leeren Staaten im Süden und Westen entscheiden sich unabhängig von wechselnden Politikergesichtern regelmäßig für die republikanische Partei, die ihnen weniger Staat, drastischere Strafen, mehr althergebrachte Freiheiten und konservativere Werte verspricht. Das kann eigentlich kein Zufall sein.

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51 Lesermeinungen

  1. Tiere auf vier Beinen (warum...
    Tiere auf vier Beinen (warum eigentlich vier und nicht zwei, Zweibeinige wiegen nicht so viel, können somit leichter gestohlen werden) – but anyway – Tiere auf vier Beinen können also leichter gestohlen werden als zum Beispiel Mais? Maisdiebe können auch ziemlich flink sein und mit einer Kuh unterm Arm läuft es sich beträchtlich langsamer als mit einer Tüte Mais.
    Und aufgrund dieser kruden Gründe haben Viehzüchter also ein höheres Agressionspotential (?)
    grübel grübel – Yeah, that’s it!

  2. Liebe Sophia Amalie...
    Liebe Sophia Amalie Antoinette, vielen Dank für den Artikel und dafür, dass Sie wieder in die Tasten gehauen haben. Immer eine Freude, von Ihnen zu lesen.

  3. x, haben Sie mal Sir Walter...
    x, haben Sie mal Sir Walter Scott gelesen? Das illustriert den Sachverhalt sehr schön…. wobei die These natürlich schon steil ist. Aber spannend.
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    Werter Booooster, schön zu sehen, daß meine Leser mir auch einen temporären Ausfall nachsehen. Das wärmt mir das Herz!

  4. Auch Juden stammen von...
    Auch Juden stammen von Viehzüchtern ab.

  5. Trotzdem wählen sie eher...
    Trotzdem wählen sie eher demokratisch und gegen Waffenbesitz

  6. Siehe auch Mark Twain,...
    Siehe auch Mark Twain, Huckleberry Finn.

  7. Wenn man die kühne...
    Wenn man die kühne Argumentation weiterspinnt, könnte man argumentieren, dass die aggressiven Schotten auch den Sezessionskrieg vom Zaun brachen; sie wollten mit den passiven Nordlichtern nichts mehr zu tun haben, in ihren Staaten die Viehzucht einführen und selbstredend nicht auf ihre Sklaven verzichten, ein insgesamt friedlicher Menschenschlag, wie man in “Vom Winde verweht” sehen kann. Dialektisch gesprochen, wäre Jefferson die These dieses Ansatzes, Hamilton die Antithese und Mitt Romney die Synthese, eine Art von Zwitterwesen; Motto: Geld scheffeln und den Nicht-Schotten verklickern, dass das für sie gut ist.
    G. Schönbauer

  8. Werte Sophia,
    schöne...

    Werte Sophia,
    schöne Darstellung der Hintergründe, die Karten von Mark Newman sind recht informativ, wenngleich das ein ein eigenes Thema wäre (ich meine Farbwahrnehmung, optische Täuschungen etc.). Was ich mich allerdings frage ist, ob die genannten Ursachen für das Wahlverhalten letztendlich für das Ergebnis relevant sind oder es sich nach dem Muster ‘wenn nicht diese Gründe wären, dann andere’ verhält. Es gibt ja auch die Vermutung, dass sich in einem zwei-Parteien-System immer eine weitgehende Balance zwischen beiden Kräften ausbildet. Ist dies der Fall, dann würden alle Verschiebungen in die eine oder andere Richtung langfristig zwangsläufig ausgeglichen (womöglich einschließlich möglicher Wahlmanipulationen…). Interessant übrigens auch http://xkcd.com/1127/

  9. Ach, ich hatte schon gedacht...
    Ach, ich hatte schon gedacht Sophia sei stillschweigend dem marodierenden FAZ-Rotstift erlegen….
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    Aber nein, anstelle fundierter Texte in anderen Blogs dürfen wir uns weiterhin in kompetentem Tonfall über Mutmassungen aufklären lassen.
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    Ich hatte schon andernorts aber offenbar zu spät geschrieben:
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    Auch wenn ich ein anderes terminiertes Blog nicht vermissen werde, hier muss ich sagen dass ich den roten Stift nicht böse sondern schlicht und ergreifend als saudumm einschätze. Hoffentlich liest sich der Verantwortliche die Leserreaktionen. Man wundert sich, dass da noch kein Name für die Schandtat bekannt geworden ist?
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    Wo bleibt da die immer so gerühmte journalistische Transparenz im Hause FAZ??

  10. "die verblüffend...
    “die verblüffend treffsicheren statistischen Vorhersagen von Nate Silver”
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    Ich vermute mal, es gab zig Vorhersagen, von Hinz wie Kunz. Dass dabei EINER dabei war, der akkurat Recht hatte, scheint normal. Es gibt ja auch (fast) jede Woche einen Lottogewinner und wie wahrscheinlich ist das denn? Aber Herr Lindemann gibt’s.
    Ebenso beim Wetter: Wie oft sagt uns die Presse: dies ist das allererste Mal seit es Wetter-Aufzeichnungen gibt mit dem-oder-dem Wetter.
    Irgendwas ist immer.
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    So, und nun les ich auch noch den Beitrag … Womöglich geht’s um was ganz anderes, bin gespannt.

  11. wunderbarer gedankengang -...
    wunderbarer gedankengang – auch wir gingen gerne mit.
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    und wurde in den letzteren tagen noch desweiteren argumentiert, dass esdie republikaner im historischen kontext, also als ableitung nach der zeit, vorallem eben auch deshalb noch schwerer haben werden sollen, weil der typische republikanische wähler weiß ist, untere ttelschicht, beruf, also ausbildung, aber kein abitur. und dessen kohorte aus natürlichen gründen (überalterung, inzwichen unterdurchschnittliche kinderzahl) wenn nicht ausstürbe, so doch zahlenmässig anteilig stärker zurückträte. zugunsten intelligenter aufsteiger, aus latinofamilien z.b., die eben alle auch noch den amerikanischen traum noch stärker für sich reklamierten und leben wollten. als alte, saturiertere weiße. und daher eben nur im eher intellektuellen, veränderungsorientierten klima der demokratischen partei politisch eine heimat finden wüden. oder so.

  12. HansMeier555, solche...
    HansMeier555, solche Zusammenhänge sind ja nie deterministisch. Es gibt auch die These, daß der amerikanische Staat zu früh demokratisch wurde – zu einem Zeitpunkt, wo er seine Bürger noch nicht entwaffnen konnte und tatsächlich scheint es da auch statistisch Zusammenhänge zu geben.
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    Teutobrecht, der Sezessionskrieg hatte ja nicht nur mit Sklaven sondern auch mit Handel und – tatsächlich – viel mit der Wirtschaftsstruktur der beiden Regionen zu tun. Darüber sind ebenfalls ganze Dissertationen geschrieben worden.
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    Chris, das wäre in der Tat ein eigenes Thema gewesen, aber so weit habe ich nicht gedacht. Danke für den Link, sieht schön aus – und ist spannend!

  13. @Jeeves, der Grund für Nate...
    @Jeeves, der Grund für Nate Silvers erfolgreiche Prognosen mag nicht ganz so profan sein, wie es das Gesetz der Großen Zahlen nahe legt, aber auch nicht ganz so abenteuerlich wie die Geschichte eines smarten Typen, der “Big Data” seine Geheimnisse entlockt und so zum Wahrsager unserer Zeit wird. Hier ein Erklärungsversuch:
    http://dailycaller.com/2012/11/01/is-nate-silvers-value-at-risk/

  14. smolfi, da gehen ganz...
    smolfi, da gehen ganz offensichtlich viele Faktoren Hand in Hand, wobei es irgendwann eine Kehrtwende gab. Lincoln war nämlich noch Republikaner.
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    Jeeves, prinzipiell, klar, sowieso. Ähnlich wie Roubini. Andererseits: Nate Silver nutzt offenbar die hundert existierenden Umfragen von Think Tanks und TV-Sendern, die aber alle immer irgendeinen “bias” haben, und korrigiert in der Aggregation die verschiedenen Tendenzen und Probleme so geschickt, daß seine Algorithmen tatäschlich sehr viel präziser zu sein scheinen als die üblichen “polls”.
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    perfekt57, wobei andererseits Hispanics eher religiös und konservativ sind – die wären 1a-Rep-Wähler, würden die Republikaner nicht dauernd für ihre Ausweisung plädieren.

  15. Dass die Hispanics ideale...
    Dass die Hispanics ideale Stimmenbeschaffer für die GOP wären, wenn nur die GOP hier und da ein wenig liberaler in Sachen Immigration wären (was sie zB. unter Reagan auch tatsächlich waren), dass ist eine der großen kommenen Selbsttäuschungen der Konservativen in den USA. Das “Problem”, das die GOP mit den Hispanics hat, ist vielschichtiger:
    1. Die Hispanics sind keine homogene Gruppe, wie das zB. die Schwarzen sind. Immigranten und Nachkommen aus Kuba teilen mit Immigranten und Nachkommen aus zB. Kolumbien oder Nicaragua nur die Religion und Muttersprache. Jeder Versuch alle Hispanics in einen Topf zu werfen, führt nur dazu, dass man diese Menschen nicht gerade für sich einnehmen wird, WEIL sie eben so divers sind.
    2. Die Religiosität der Hispanics (ich benutze zur Vereinfachung trotzdem diesen Begriff, sry :) ), ist eher privater Natur. Man möchte nicht, dass zB. die Schwester sich scheiden lässt und man ist auch alles andere darüber begeistert, dass der Sohn sich plötzlich als schwul outet, weil das alles so fürchterlich amorlaisch und unchristlich ist, aber das findet nur im weiteren familiären Kreis statt. Die Missionierungsbestrebungen der Evangelikalen geht diesen Menschen vollkommen ab. “Wenn also jemand schwul sein will, dann soll er es verdammt nochmal auch sein, aber er soll mich damit in Ruhe lassen und schon gar nicht in meinem Haus!” im strikten Gegensatz zu “Wenn die die Schwulen nicht bekämpfen, dann geht die Welt unter!”
    3. Die konservativen Familien(!)werte dieser Gruppe (Unterstützung, Emphatie, Mitfühlen, Zusammehalten auch und gerade wenn die Kacke am Dampfen ist) befinden sich klar und deutlich in Einklang mit den Vorstellungen der Demokraten in Sachen Familienpolitik und Sozialgesetzgebung. Das, was die GOP mittlerweile unter “Konservativ” versteht, dieser ungeschminkte Egoismus und die Umverteilung des Wohlstandes von unten nach oben … das ist nicht der Konservatismus der Hispanics. Diese sind zwar konservativ wie eine tiefschwarze CDU, aber um Lichtjahre von der eiskalten Neocon-Denke einer durchgedrehten FDP entfernt.
    4. Demographisch ist diese Gruppe die am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe in den USA. Was auch heisst, dass es verdammt viele junge Menschen unter 30 dort gibt. Und verdammt viele unverheiratete und geschiedene Single Moms. Und junge Menschen, die sich allmählich von der moralischen Rigorosität ihrer Eltern entfernen.
    5. Und der größte Abturner vieler Hispanics ist bei der GOP nicht so sehr die rigide Haltung gegenüber illegalen Einwanderern, sondern der unterschwellige oder gar offene Rassismus gegenüber “Brown People”. Wo man “illegale Einwanderer” sagt (die ja aus allen Ecken der Welt kommen), aber auch alle US-Bürger meint, deren Vorfahren aus Mittel- und Südamerika gekommen sind.
    Von daher (entschuldige bitte den langen Text), wird die GOP noch ihr im wahrsten Sinne des Wortes blaues Wunder erleben, wenn sie glaubt mit dem Heranwanzen an kubanisch-stämmige Leute wie Rubio oder Zugeständnissen in Sachen Immigration den Dems Stimmen abnehmen zu können. Nicht mit dieser GOP!

  16. "daß auf Viehzucht basierende...
    “daß auf Viehzucht basierende Gesellschaften ein höheres Aggressionpotential haben als jene mit landwirtschaftlicher Tradition ”
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    Ich dachte, landwirtschaftliche Tradition schließt Viehzucht mit ein …, Sie meinten wohl Ackerbau-Tradition.
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    Aber egal,
    Korrelationen:
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    Vielleicht liegts nicht allein an der höheren Begehrlichkeit, bewegliches Vieh statt billigerer Maiskolben-Säcke stehlen zu wollen: Es kann auch der höhere Fleischkonsum sein von auf Viehzucht basierenden Gesellschaften …
    *duck*
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    Ihre obige oder diese untere sinnige oder unsinnige “Fleischfresser”-Vermutung und noch mehr kann man getrost gleichermaßen anstellen. ^^
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    Sie erklären alle nicht zur Gänze die höhere Aggression der mittigen und Südstaaten samt Waffengebrauch und Vorliebe zu härteren Gesetzen und des auf einen städtischen Europäer gleichermaßen alttestamentarisch rückständig und selbstgerecht wirkenden Bible Belts.
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    [Hardcore-Religion ist es, you stupid!]
    Viehzucht-Gegenden, Ackerbau-Gegenden oder historisch zu frühe Demokratisierung hin und her: Ich komme als “Lösung” immer wieder auf stramme religiöse Bigotterie und die Liebe zu alttestamentarischem Unfug (Vergeltung, “Aug um Aug, Zahn um Zahn” statt Vergebung wie im Neuen Testament) dieser Landstriche, in denen die Republikaner ihre Stammwähler haben. Darin sind diese Landstriche muslimischen Fundamentalisten jeglicher Couleur ähnlicher als sie je wahrhaben wollen – sie werden diese altbackene Ähnlichkeit aber immer leugnen.

  17. Um die These von der...
    Um die These von der US-Wahlergebnisse entscheidenden Bevölkerungsdichte (dünne Besiedelung – Tendenz zu mehr Wehrhaftigkeit, Bedrohungsgefühl) zu stützen – oder zu stürzen – wäre ich daran interessiert zu wissen, wie in den großen Städten des mittleren Amerika und des Südens (Dallas) gewählt wurde. Eher demokratisch? Das würde die These widrigerweise stützen – oder doch republikanisch, das würde die These seltsam schwächen. Städte sind ja eher dichte Ansammlungen.

  18. Reinhard, natürlich gibt es...
    Reinhard, natürlich gibt es auch Unterschiede, und auf jeden Fall werden die nächsten vier Jahre spannend. Vor allem für die Tea Party.
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    Liebe Vroni, ja, klar, Ackerbau – mir fiel das Wort einfach nicht ein. Die These von den Fleischfressern sollten Sie vielleicht Cohen und Nisbett mal vorschlagen, da könnte man auch prima Experimente mit machen. Im übrigen: auch die Religiosität hat ja irgendwelche Wurzeln -nur welche? Auch in Texas ist der Anteil demokratischer Wähler in Städten höher – allerdings nicht genug um die “electoral votes” für die Demokraten zu gewinnen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/File:Tx2012.png

  19. @13:39 bingo - genau richtig....
    @13:39 bingo – genau richtig.
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    bliebe evtl. die feststellung: aber wie evolutioniere ich dinosaurier oder krokodile? “ein krokodil ist ein krokodil ist ein krokodil.” seine veränderungsunfäigkeit ist in der vergangenheit eben seine stärke, sein gentisch fixiertes superioritätsmerkmal gewesen. gäbe es das auf, es wäre evtl. kein krokodil mehr. (eben darum auch gab es in der vergangenheit womöglich schon soziologisch-evolutionäre lösungen nach art von sprungfunktionen. oder dumme kriege.)
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    und die faz befindet ja teils anscheinend in einem ähnlichen dilemma: die männer von gestern, die die faz als printausgabe abonniert hatten, sterben aus. und bei den neuen, evtl. in zukunft noch konservativer werdenden online-neu-usern muss sie sich überhaupt erst einmal qualifizieren (wozu das aus strategischen günden eingeführte mittel der blogs sehr wohl taugt. aber auch die faz verändert.). denn die neu-user haben – unserer demokratisch-us-amerikanischer fortschrittswelt sei dank – global und top-down alles überwölbend, ja völlig neue möglichkeiten der selbstwahl – oder selbstgestaltung (“rebellmarkt”). die müssen keinen etablierten platzhirschen oder regionalfürsten folgen. (und die faz ist objektiv womöglich bloß im range eines regionalfürsten, sagen wir es doch ruhig)
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    also: die republikanische partei und die hispanics – or how the krokodil stopped worring – and love the gnus.
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    aber wir sollten den blick womöglich nicht länger krampfhaft auf verlierer wie die usa richten. sondern stattdessen, unserereigenen globalen bedeutung entsprechend, einen weißen ring gründen (etwas provokant formuliert, aber…):
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    wir sagten es ja neulich schon, ausführlich und gut begründet, es reicht nicht, wenn sich frau inge kloepfer und ihre besten freundinnen (fr. kloepfer schrieb es hier dankens- und bewunderungswürdiger weise in der faz online) am ende zu recht trauen – und vollkommen richiger- u. emanzipierterweise – auch und gerade als konservative führungskräfte – das strickzeug wieder in die hand zu nehmen (und junge fauen auffordern, es nie wegzulegen, falls die jungen dies nicht selber möchten), sie müssen sich eben in absehbarer zeit wahrscheinlich vielmehr endlich auch dazu durchringen, wie der eindruck ist, den männern aktiv die small arms, die handfeuerwaffen aus der hand zu nehmen – in verwirklichung des wortes “du sollst das eine tun – und das andere nicht lassen” – sonst bleibt alles stückwerk und beim alten: frau zieht söhne 17-22 jahre lang groß. und ein projektil (“von idiotenhand”) braucht mit 400 m/s weniger als halbe tausendstel sekunden von der stirn bis mitten in den kopf. dafür machte frau sich die mühe nicht. da hat sie was besseres verdient.
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    und sie kann es kriegen, wenn sie es selber macht: frau hält strickzeug – und schlägt männern die waffe aus der hand. mit parlamentarischer gewalt. so geht fortschritt, so gewinnt sie die zukunft. mit oder ohne faz. und ist schon unterwegs. (“gsci – german strategic change initiatives”)
    .
    oder so.

  20. Nate Silver ist sicher kein...
    Nate Silver ist sicher kein Genie – er aggregiert lediglich die gewöhnlichen Umfrage-Ergebnisse der US-Bundesstaaten und kann mit Hilfe der Gesetze der großen Zahlen eine Wahrscheinlichkeit dafür angeben, wie gewählt werden wird. Hier ein langer, aber lohnender Übersichtsartikel darüber. Zu der in diesem Artikel angesprochenen Problematik, daß Silver bei seinen Aussagen letztendlich davon abhängig ist, daß die Umfragen wirklich zufällig genug sind (wird, etwas verquast und auch oben schon verlinkt, auch hier angesprochen), ist dieser Artikel sehr empfehlenswert.

  21. Lassen wir mal die Zweibeiner...
    Lassen wir mal die Zweibeiner beiseite, denn die sind meist näher am Hof, der Ranch.
    Dann käme der Platzbedarf, agrarwirtschaftlich genutzte Gebiete sind in den Staaten sehr groß. Heute wie früher. Maisfelder, um bei dem Beispiel zu bleiben, sehr unübersichtlich.
    Die höhere Begehrlichkeit von Vieh, allein aufgrund des Wertes, war ein guter Einwand.
    Die Strafen für Viehdiebstahl waren in den U.S.A. früher drastisch.
    Die Häufigkeit des Diebstahls von Agrargut wohl dementsprechend wesentlich höher. Vor allem der Gelegenheitsdiebstahl. Teilweise schlicht aus Hunger. Die Farmer musste also wesentlich mehr auf zack sein. Viehdiebstahl erfordert eine gewisse Ausrüstung und Professionalität und fand sicher nicht häufiger statt.
    Dann, was ist mit Mischwirtschaft? Tiere und Pflanzen. Wie hat sich da das “Aggressionspotential genetisch, evolutionär verankert”?
    Tut mir leid, aber – ne.

  22. perfekt57, und was war noch...
    perfekt57, und was war noch mal mit den Wahlen?
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    dreamtimer, vielen Dank, so ähnlich hatte ich mir das vorgestellt – aber daß es sogar mit simpler Monte Carlo Simulation nachzubilden ist, hätte ich nicht gedacht. Sagt ja aber was über Silvers Marketingfähigkeiten.
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    Muncher, ja, ach, die Zufälligkeit, damit haben Menschen ja fast genausoviele Probleme wie mit der Prognose.

  23. x, ich glaube, diese Art von...
    x, ich glaube, diese Art von soziologisch-historisch-ökonomischer Forschung hat keinen Anspruch auf die alleinige Wahrheit und Monokausalität – und stellt ihn auch gar nicht. Sie bietet in kleinteiliger Puzzlearbeit immer wieder neue Faktoren, die möglicherweise Phänomene bestimmt haben, die wir heute beobachten. Diese spezielle Hypothese finde ich durchaus plausibel – aber am Ende ist es Glaubenssache, da sind Sie mit Ihrem Dissens nicht allein.

  24. @Sophia:
    Anregender Beitrag...

    @Sophia:
    Anregender Beitrag über die Entwicklung kultureller Muster bis heute.

    Zuständigkeits- bzw. kompetenzhalber könnten Sie (im passenden Zusammenhang) vielleicht eine Frage für mich klären:
    Warum hat (auch) die FAZ bis zur Präsidentenwahl selbst so getan, als wäre das Rennen offen, obwohl (wegen des Wahlmännersystems) auf Einzelstaatsebene aggregierte Umfrageergebnisse seit vielen Monaten dem Amtsinhaber mit 90%+ Wahrscheinlichkeiten die Wiederwahl vorhersagten?

    Haben Ihre diesbezüglich berichtenden Kollegen zu geringe Englischkenntnisse oder zu wenig Ahnung von Datenauswertung?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  25. Thorsten Haupts, immer gern....
    Thorsten Haupts, immer gern. Über die Berichterstattung der FAZ vermag ich nichts zu sagen, ich bin ja extern. Da war sie aber nicht alleine, und das vermutlich, weil es ganz so sicher eben doch nicht war, und die einzelnen Polls oft danebenliegen?

  26. Sophia Amalie Antoinette...
    Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia,
    fassen Sie meine Einwände bitte nicht als Kritik an Ihren Beiträgen auf.
    Sie haben einen stilsicheren Geschmack, was die Auswahl schräger Sachen betrifft; es ist immer völlig außerhalb des Mainstream, sehr eigen und daher gelungen.
    Ich mag das.

  27. @Muncher, "Roads to nowhere"...
    @Muncher, “Roads to nowhere” sangen die Talking Heads (oder waren es Modern Talking?). Mit den angegebenen Links kommt man nicht viel weiter. Auf “daily caller” immerhin und für mich nach langer Zeit wieder mal das reaktionäre Gesuelze von Ann Coulter: sehr erfrischend.
    Und verehrte Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, wer seine Statistik-Lektion gelernt hat, für den birgt die Zufälligkeit kein Rätsel, und wer methodologisch sattelfest durchs Leben geht, der weiß, was von Prognosen zu erwarten hat.
    G. Schönbauer

  28. x, das sind sehr schöne...
    x, das sind sehr schöne Blumen, ich danke! Ich habe Sie aber auch als gar nicht so kritisch empfunden – bei dieser Art Forschung ist es irgendwann eben Glaubenssache, wobei der Diskurs über das Ausmaß der Plausibilität ja sehr unterhaltsam ist!
    .
    Teutobrecht, ich fürchte, Sie überschätzen die Schwierigkeiten, in der Realität zufällige Zahlenfolgen zu generieren, oder das Vermögen der Menschen, wahrscheinliche von unwahrscheinlichen Zufällen zu unterscheiden… . Ihrer Beurteilung von Prognosen hingegen stimme ich völlig zu.

  29. @Teutobrecht
    das CMS hat die...

    @Teutobrecht
    das CMS hat die Links verwurstet. Benutzergesetzte HTML-Anker sind eben eine cutting edge-Technik, kann mal passieren.
    .
    Also nochmal:
    http://updates.deadspin.com/post/34780905169/nate-silvers-braying-idiot-detractors-show-that-being
    gibt eine Übersicht über Nate Silvers bisheriges Wirken (kommt aus der Baseballspielerbewertung), und über Kritiken daran (pundits, vorher Sport, jetzt Politik). Ausführlich und kenntnisreich.
    .
    Wie bei dailycaller vermerkt, braucht Silver für seine Prognosen Quellenmaterial. Wie schwer, und voodooartig, das Erstellen von Umfrageergebnissen geworden ist, beschreiben
    http://nymag.com/news/features/election-polls-2012-10/
    und
    http://nymag.com/daily/intel/2012/11/polls-in-the-end-ended-up-making-sense.html
    .
    Zum Schluß ein Artikel über data mining & management bei Obamas Kampagne (vielleicht die nahe Zukunft für Umfrageinstitute)
    http://swampland.time.com/2012/11/07/inside-the-secret-world-of-quants-and-data-crunchers-who-helped-obama-win/
    Dagegen scheint Romney im Blindflug unterwegs gewesen zu sein. Ich hoffe, es kommt an.

  30. @Muncher,
    thanks für Ihre...

    @Muncher,
    thanks für Ihre Mühen
    G. Schönbauer

  31. Ihr Artikel zeigt warum die...
    Ihr Artikel zeigt warum die “Nerds” (wie Nate Silver) über die “Pundits” (wie Sie) Recht haben wenn es um die Wahlen geht. (Zur Terminologie vgl. Paul Krugman). Silver und andere haben die FAKTEN auf ihre Seite. Im Gegensatzt dazu bringen keine Beweise für Ihre Position sondern nur schwache Korrelationen und Vermutungen. Das kann man aber auch umdrehen. Traditionell gelten die Germanen und die Japaner als Kriegervölker. Hat das mit der Frage zutun ob die Viehzüchter oder Agrarkulturen hatten? Ich glaube nicht.

  32. M.P., naja, ich denke halt...
    M.P., naja, ich denke halt auch, dass die Nerds” immer ein wenig humorlos sind und so mancher “Pundit” auch mal eine andere Idee hat. Wie in Bayern: Man kann das Ergebnis vorhersagen, aber warum die Leute trotz allem CSU wählen, muss man gesondert erklären. Es gibt eine rationale Haltung zu Umfragen, aber die basieren nicht immer auf rationalen Beweggründen.
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    Und dann ist es natürlich noch so, dass Pundits irgendwie auch mehr Spass sind:
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    http://www.washingtonpost.com/blogs/ezra-klein/wp/2012/11/05/pundit-accountability-the-official-2012-election-prediction-thread/?wprss=rss_ezra-klein
    .
    Der Beitrag – gewissermassen das Gegenstück mit einigen Irren – hat 719 Kommentare. Will sagen: Auch dafür gibt es einen Markt.

  33. Schön, dass Sie wieder...
    Schön, dass Sie wieder zurück sind, Sophia.
    .
    Nate Silver kann sein Grundkurs-Statistikwissen einfach nur gut verkaufen, typisch Ami. Eine Monte-Carlo-Simulation mit aggregierten Datensätzen ist in der Wahlforschung weiß Gott kein Novum. Einzig, nach welchen Kriterien er die verschiedenen Datensätze gewichtet, dürfte seine (minimale) Eigenleistung sein.
    .
    @x: Viehzucht vs Ackerbau ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern bezeichnet zwei unterschiedliche Milieus. Der Viehzüchter lebt in dünn besiedelten Gebieten, sein Lebensstil weist nomadische Züge auf. Durch das Fehlen einer omnipräsenten Ordnungsmacht ist er eher gewillt und gefordert Regelverstöße persönlich zu sanktionieren und deshalb einem Ehrbegriff zugewandt. Ehre regelt die do`s and don’t zwischen Personen. Sesshafte Milieus wie Landwirte stehen eher in einer Rechtsbeziehung von Person zu Institution, nicht zuletzt aufgrund der Immobilität dieser Personenkreise. Das Sanktionieren von Regelverstößen wird an Dritte delegiert, wie dem Richter oder dem Sheriff.
    .
    M.P: Historisch soziologische und empirische Arbeiten konkurrieren nicht miteinander, sondern ergänzen sich gegenseitig. Die Einen erklären, wo die Anderen beschreiben. Hier geht es um langfristige Muster, dort um kurzfristige Änderungen.
    @Thorsten: Auf welche kulturellen Muster lässt es schließen, dass unser BP ein protestantischer Pfarrer und die Kanzlerin eine kinderlose ostdeutsche Frau ist, der Vizekanzler aus Vietnam kommt, der Finanzminister behindert und der Außenminister schwul ist?

  34. Veil of ignorance,
    Ihre...

    Veil of ignorance,
    Ihre Erklärung hat mich überzeugt.
    Auch die Qualität der übrigen Darlegungen waren hervorragend.
    Danke!

  35. M.P.: ich bitte zu...
    M.P.: ich bitte zu differenzieren: ich breite hier nicht meine persönlichen Meinungen aus, sondern stelle Hypothesen zur Diskussion.
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    Veil of ignorance, ich danke für die exzellente Schützenhilfe! Wobei es natürlich meine Aufgabe gewesen wäre, das deutlicher zu machen. Irgendwie ist hier aber bei aller Großzügigkeit der FAZ nie genug Platz für alles.

  36. DA, einer der witzigsten...
    DA, einer der witzigsten Menschen, die ich kenne, ist definitiv ein Nerd. Das eine schließt das andere nicht aus. Danke für den Link!

  37. Nachdem das Wonkblog ein...
    Nachdem das Wonkblog ein Murdoch-Versuch ist, rechte Politik charmant darzustellen, hätte ich vielleicht noch eine Warnung dazu schreiben sollen, aber ich vertraue auf die ideologiekritischen Fähigkeiten der Leser. Am lustigsten sind im Nachhinein ja die Sieggläubigen der Republikaner, und ihre Begründungen.

  38. @Don: Pundits versus...
    @Don: Pundits versus Nerds:

    Danke für den schönen Übersichtsartikel in der Washington Post. Schön zu sehen, dass die Datengläubigen, also die Realisten, das Wahlergebnis ziemlich präzise vorhersagten. Die Übersicht war zwar nur einen Tag vor der Wahl, aber bezüglich der Wahlmännerstimmen hat sich zwischen Juni und November (ich war einmal wöchentlich auf der exzellenten Umfragen-Auswertungsseite der Huffington Post) wenig geändert.

    @Sophia:
    Weshalb ich dabei bleibe, das hätte sich auch in der deutschen Berichterstattung niederschlagen müssen. Vom “Prinzip Hoffnung” abgesehen hatte Romney extrem niedrige Chancen, die Wahl zu gewinnen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  39. DA schrieb:
    <i>ich denke halt...

    DA schrieb:
    ich denke halt auch, dass die Nerds” immer ein wenig humorlos sind und so mancher “Pundit” auch mal eine andere Idee hat. Wie in Bayern: Man kann das Ergebnis vorhersagen, aber warum die Leute trotz allem CSU wählen, muss man gesondert erklären.
    .
    Meinen Sie damit sich selbst?

  40. Ein freier Bauer lässt sich...
    Ein freier Bauer lässt sich nicht regieren. Widerwillig gibt er den Zehnten.
    Die Städte: voller Unfreier. “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” meinte Marie Freifrau Ebner von Eschenbach. Wie schön, jetzt überall Kaffee togo, Fronarbeit fällt viel leichter.

  41. Wie zerrissen dieser Don ist:...
    Wie zerrissen dieser Don ist: schreibt eigenständige reaktionäre Herrenmenschen-Texte und warnt vor freiem Denken, ist Mitglied der Verräter-Partei und propagiert unabhängiges Leben. Ab auf die Couch!

  42. Rechte Intellektuelle zieht es...
    Rechte Intellektuelle zieht es oft auf´s Land.

  43. Psychiater nennen es...
    Psychiater nennen es schizophren und paranoid, aber ich spreche lieber von Charakter und Charme.

  44. dem willi tell hatte wohl...
    dem willi tell hatte wohl einer vorzeitig in den apfel gebissen?

  45. Thorsten Haupts, mir schien...
    Thorsten Haupts, mir schien das nicht so sicher, aber ich war vielleicht auch geprägt durch deutsche Medien.
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    Willi Tell, jedem steht es frei, sich der Staatlichkeit zu entziehen. Es gibt wunderbare staatsfreie Regionen: Somalia, Irak, Ostkongo.
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    FranzMeier88, linke Intellektuelle manchmal auch.

  46. Liebe Sophia, wie so oft sehr...
    Liebe Sophia, wie so oft sehr erhellend, was Sie schreiben. Macht immer Freude, wenn sich eigene Vermutungen statistisch belegen lassen.

  47. muscat, mir macht es auch...
    muscat, mir macht es auch jedes Mal Spaß. Vor zwei Jahren dachte ich, mir würden irgendwann die Themen ausgehen…. passiert aber nicht. Und mit meinen wunderbaren Lesern wird es ohnehin nie langweilig!

  48. Die britischen Kelten ließen...
    Die britischen Kelten ließen ja nach dem Abzug der Römer deren Infrastruktur zerfallen und zogen sich auf Höfe und Weiler zurück. Ihre schottischen Nachfahren haben – wie auch die ebenfalls keltischen Iren – sich nie mit einer Zentralregierung anfreunden können, was sie für die Engländer zur einfach zu erobernden, aber schwer zu beherrschenden Beute werden ließ.
    Ich würde es also eher an keltischen Eigenschaften festmachen als an der Viehhüter-Mentalität: Hunnen und Tartaren waren recht erfolgreiche Reichsgründer mit Zentral-Regierungsmentalität, um das mal salopp zu formulieren.

  49. wojaeger, interessante These,...
    wojaeger, interessante These, vielleicht sollten Sie eine Mail an Nisbett und Cohen schreiben?

  50. Noch ein weiteres schönes...
    Noch ein weiteres schönes Beispiel für Wahlsoziologie: Frau überfährt Mann, weil er nicht wählen wollte.
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    http://www.cbsnews.com/8301-201_162-57548600/cops-ariz-woman-runs-over-husband-for-not-voting/?tag=cbsnewsHardNewsFDArea;fdmodule

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