Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Vorsatz für das neue Jahr: Keiner Statistik mehr glauben

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Einleitung: Auch dieses Blog hat einen Vorsatz für das neue Jahr: Junge Autoren schreiben lassen. Isabell Prophet ist ein zentralniedersächsisches Kleinstadtkind, das sich in Hamburg verirrt hat. Das ist aber in Ordnung, denn sie haben dort WLAN und eine Nannenschule, die sie besucht hat. Studiert hat sie davor VWL, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsgeschichte, und beschäftigt sich gern mit Zahlen, Studien und was man uns sonst noch aus mehr oder weniger niedrigen Motiven als wissenschaftlich erwiesen nahe bringen möchte.

Neues Jahr, neues Ich: Das und nicht weniger verspricht mir heute Apples App-Store. Mein etwas derangiertes Ich, noch reichlich verschlafen von der Silvesternacht, protestiert spontan: Es will lieber nicht ersetzt werden.
Und obwohl es irgendwie keiner mehr hören kann oder lesen will: Vorsätze für das neue Jahr werden wie Böller und Raketen beworben. Alle Medien tun es. Aber eigene Vorsätze? Ich weiß wirklich nicht, wann ich zuletzt welche hatte. Wahrscheinlich hatte ich vor Jahren irgendwann mal vor, weniger zu rauchen. Hat nicht funktioniert. Am Ende siegte aber die Angst vor Falten über meine Hassliebe zur Zigarette.

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Apple verkauft mit den gutgemeinten Vorsätzen Apps und bietet mir gleich die Generalüberholung an, komplett mit Yoga, Finanzplanung, Einschlafübungen, Sieben-Minuten-Training, Gehirnjogging, Sprachtrainern, ToDo-Listen und Zeitmanagement. Wenn ich alles runterlade, dann brauche ich mir künftig weder über meine Finanzplanung noch mein Zeitmanagement Gedanken machen: Ich werde pleite sein und meine Tage ausschließlich mit dem iPad verbringen.

Erste Erkenntnis: Diese Apps kosten ein Schweinegeld. Die teuerste gibt es für 26,99 Euro, dafür zerhackt sie jeden Tag in kleine Stückchen; fürs Lesen, Musikhören und andere Hobbys gibt es Erfolgsmesser. Ein Kommentator empfiehlt, vorher am Besten das Begleitbuch zu lesen. Ich habe ein bisschen Angst vor dieser App.

Zweite Erkenntnis: Die Strategie mit den guten Vorsätzen schlägt jedenfalls nicht den Markt. In den Verkaufsranglisten dominieren klassische Büro-Apps, offenbar will der Durchschnittskunde doch lieber an seiner Arbeit arbeiten, als an sich selbst. Wer als Programmierer Geld verdienen will, entwickelt ein Spiel und verkauft virtuelle Schwerter. Von den Apps zur Selbstoptimierung, auf der Startseite noch groß beworben: keine Spur. Bei Android: das gleiche Bild.

Gibt es diese Vorsätze also vielleicht gar nicht? An den Statistiken können wir es nicht ablesen. Eigentlich müsste gefragt werden: „Haben Sie Vorsätze für das neue Jahr?“ Und ergänzend: „Hatten Sie schon Vorsätze für das neue Jahr, bevor Sie danach gefragt wurden? Hätten Sie Vorsätze, wenn Sie nicht das Gefühl hätten, ohne Vorsätze sind Sie der hinterletzte Vollversager?“

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Fragt aber keiner. Dann wäre nämlich die Nachricht kaputt, die Geschichte, die Marketing-Kampagne. Und irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, dass alle irgendwelche Vorsätze haben. Apple geht einfach mal davon aus. Wenn der Verkäufer lange genug daran glaubt, dann hält sich der Kunde ja vielleicht irgendwann daran.

Sie müssen nur richtig fragen. Wenn das Forsa-Institut im Auftrag der Krankenkasse DAK fragt, dann wollen 60 Prozent ihren Stress loswerden, 55 Prozent wollen mehr Zeit für Familie, Freunde und Sport, 48 Prozent hätten gern öfter mal Zeit für sich. Im Vorjahr soll sogar jeder Zweite es geschafft haben, seine Vorsätze mindestens vier Monate lang durch zu halten. Wahrscheinlich, weil alles relativ ist. Oder: Nach Weihnachten kann es halt nur besser werden. Wer unter 30 ist, der will im kommenden Jahr öfter mal das Internet abschalten. Dafür gibt es übrigens auch eine App.

Das Statistische Bundesamt wagt sich nicht wirklich an die Vorsätze heran. Irgendwas mit Abnehmen und Rauchen wird es wohl sein, davon geht man auch in der Bundesoberbehörde aus. Klar, geht immer. Schließlich raucht fast jeder dritte Mann und jede fünfte Frau.

Fragt das Marktforschungsinstitut Fittkau & Maaß im Auftrag der Dating-Seite Elitepartner, dann planen die Menschen mehr Zeit für sich (40 Prozent), der Körper soll schöner werden (38 Prozent) und sie wollen etwas von der Welt sehen (33 Prozent).

Das klingt alles nur auf den ersten Blick gut. Ich fühle mich jetzt schon unter Druck gesetzt. Muss ich auch abnehmen? Reisen? Mehr Zeit für mich haben? Und für meine Familie? Freunde? Und für Sport?

Anders herum: Wenn niemand mehr nach Vorsätzen fragt, werden wir dann im kommenden Jahr alle weniger besser?

Wagen wir ein Gedankenexperiment und stellen uns vor, der große Tag wäre im Sommer. 1. Juli, es ist heiß, wir liegen nach dem Feierabend alle mit Familie und Freunden am Stadtstrand und sehen super aus, Appetit haben wir wegen der Hitze eh nicht und die Tage sind scheinbar endlos. Nun verraten Sie mir bitte Ihre Vorsätze.
Genau.

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Nun ist es aber Winter, es ist kalt, wir sind blass, wir haben fünf Wochen Schokolade, Glühwein, Gans und Schmalzkuchen hinter sich. Haben Sie Hunger? Trinken wir ein Glas Wein zusammen? Und gab es die Jeans eigentlich auch in Ihrer Größe? Da haben wir also unsere Vorsätze. Wenn Sie etwas ändern wollen, fördern Sie mit dem Aktivismus die Erderwärmung. Oder nehmen Sie den Dezember weniger schwer. Vielleicht sollte jemand erforschen, ob es in wärmeren Ländern weniger Vorsatz-Gerede gibt.

„Silvester ist aus dem Universum betrachtet ein Tag wie jeder andere“, sagt meine Freundin Anja dazu. „Also kann man sich auch am 17. März neue Vorsätze vornehmen. Der ist nämlich vom Universum aus betrachtet auch ein Tag wie jeder andere. Aber da Menschen sich oft so furchtbar alleine im Universum fühlen, müssen sie sich irgendwo festklammern. Zum Beispiel an Rituale. Silvester ist ein Ritual. Gute Vorsätze auch. Sie am 2. Januar wieder vergessen zu haben, auch. Und 364 Tage später klammern wir uns wieder daran. Das gibt der Menschheit Halt. Wie schön.“

Ehrlich gesagt hat es mir noch nie Halt gegeben, mir etwas vorzunehmen und es dann nicht durchzuziehen. Dazu kommen die Leute der Kategorie: „Wenn ich was sage, dann mache ich es auch.“ Wer bitte zieht alles durch, was er sagt?

Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu den Vorsätzen. In meinen Augen: eine Marketing-Strategie, ähnlich wie der Valentinstag. Geschaffen, uns nach dem Notto “Du bist ziellos! Alle außer dir haben einen Plan“ unter Druck zu setzen.

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Und es funktioniert. Der Selbsthass der Menschen ist ein fantastischer Markt. Die Weight Watchers sollen große Teile ihres Werbebudgets in den ersten Wochen des Jahres ausgeben, so besagt es eine sehr haltbare Internet-Legende. Regelmäßig macht der Konzern im ersten Quartal den größten Umsatz.

Sollten Sie sich jetzt vor laute Vorsatzgerede ausversehen vorgenommen haben, im neuen Jahr weniger zu trinken: Gute Idee, bisschen spät. An Neujahr vergessen sich überdurchschnittlich viele Autofahrer, hat das Statistische Bundesamt gezählt. Immerhin: Es werden vergleichsweise wenige Menschen verletzt. Härteste Tage des Jahres sind der Vatertag, der Tage der Arbeit und der Tag der Deutschen Einheit. Irgendwas müssen diese Tage an sich haben, das der gemeine Trinker lieber vergessen will.

Es war eigentlich gar nicht so gemeint, aber irgendwie scheinen Männer die Vorsätze ja tendenziell nötiger zu haben, als Frauen. Am dringendsten braucht sie aber doch die Werbeindustrie. In diesem Sinne: Haben sie ein frohes neues Jahr, liebe frohe neue Leser. Bleiben Sie gern, wie Sie sind.

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30 Lesermeinungen

  1. Wo kann man sich hier als junger Autor bewerben?
    Ich bin zwar schon 45 aber Altersdiskriminierung ist jetzt ja verboten. Ich kann statt deutschlandzentriertem Kulturpessimismus auch interessante Beiträge über Indien, Russland und Aserbaidschan schreiben:

    https://ernstwilhelm.wordpress.com/2013/10/02/indien-und-die-eu-ahnlicher-als-man-denkt/

    • Da gibt es eigetlich keine festen Regeln ausser meiner diktatorischen Anwandlungen im komplett rechtsfreien Raum.

    • Ich bin erschüttert!
      Aber schlimm wird es natürlich erst wenn sich diktatorischen Anwandlungen mit politischem Dilettantismus und permanenter Besserwisserei paaren.

      „May the New Year bring you courage to break your resolutions early! My own plan is to swear off every kind of virtue, so that I triumph even when I fall!“— Aleister Crowley, „Moonchild“

  2. Titel eingeben
    ja das ist eigentlich ein guter vorschlag einmal pro woche kann sich auch ein leser mit einem ihm genehmen thema melden und es wird sein blog freigeschaltet das gibt viele neue an und einsichten und hält eine zeitung jung und interessant

    klar von ihnen zuerst ausgewählt Don, aber das müßte doch zu machen sein und es gibt viele interessante themen die den horizont dieser leserschaft erweitern

    • Hatten wir doch schon
      Hans Meiers Feudalismustraktat hat aber leider seinen eigenen running gag kaputt gemacht, der zuvor jahrelang funktioniert hat. Danach gab’s keinen zweiten Versuch mehr. Dabei gaeb‘ es einiges, was ich gerne laese:

      – Thosten Haupts: Wie die Welt sein sollte und warum das nichts wird (oder „Eine kurze Geschichte von allem“).

      – Tyler (aka Ross): Die Dummheit der Anderen von einem japanischen Garten aus betrachtet

      – The Great Artiste: Liebe lieber ungewoehnlich

      – Donna Laura: Geheimnisse aus der Folterkammer (Auf der Burg da gibt’s ka‘ Suend!)

      Von GuX, Mediensegler und Filou muss auch noch was her…



      Achso, noch zum (beschwingt geschriebenen) Beitrag:
      „Anders herum: Wenn niemand mehr nach Vorsätzen fragt, werden wir dann im kommenden Jahr alle weniger besser?“
      Da faellt mir nur der alte Spruch von (ich glaube) Rosenthal ein, der mir zu Recht eine Einzahlaufforderung ins Phrasenschwein einbringen koennte:
      Wer aufhoert besser zu werden, hat aufgehoert, gut zu sein!
      In dem Sinne waeren gute Vorsaetze wohl tatsaechlich zu begruessen.

    • Alte Sorgen
      Werter T.I.M., das stimmt – und wäre wohl eine bedauerliche Entwicklung. Wenn aber Marketing-Budgets unsere Vorsätze formen, dann folgen unsere Ansprüche an uns selbst den Umsatzzielen der Unternehmen. Ein Problem, so alt wie die Werbung, leider.

      Späte Grüße, Isabell Prophet

  3. Rechtsfreier Raum...
    …wäre auch mal ein interessantes Thema für DeM.

    • Inwiefern? Das ist ja mehr ein Internet- und Zahlenblog.

    • Titel eingeben
      Mir erscheint das www manchmal wie ein rechtsfreier Raum.
      De lege lata ist es da natürlich nicht. Das weiß ich schon.
      Nun, ich kann es schlecht erklären…..

    • Titel eingeben
      Anders als v.a. die Politik und vilererlei Interessensvertreter uns weismachen wollen, ist das Internet alles andere als ein rechtsfreier Raum. Es ist vielmehr das Gegenteil: dort gelten alle Gesetze wie auch im richtigen Leben, und mit den Gesetzen zum Datenschutz, Telekommunikation, Telemedien noch ein paar mehr, von den in verschiedenen Gesetzen umgesetzen EU Richtlinien (z.B. Fernabsatz) und Staatsverträgen wie dem Rundfunkstaatsvertrag abgesehen. Und jede Übertretung hinterlässt Spuren, ist beweisbar. Es ist das Eldorado für die Bestrafungsfetischisten, weil sie jedem jederzeit jede begangene Tat nachweisen könnten, wenn sie denn dürften. Und dank der Bequemlichkeit und Borniertheit der Justiz und dem Institut des „Anscheinsbeweises“ und der „kriminalistischen Erfahrung“ gerne auch ein paar Taten mehr.

      Ihr Unbehagen mag eher daher kommen, dass es ein Vollzugsdefizit gibt. Man hat Rechte, kann diese aber nicht durchsetzen. Der Aufwand ist zu hoch, weil es im Internet sehr schnell zu starken Asymmetrien kommt. Weil das Geschäftsmodell mancher Unternehmen (Uber, AirBnB, Facebook, to name a few of many) einfach auf geltendes Recht sch… defäkiert. Weil einfach keiner Zeit hat, sich mit den T-Koms, 1und1, Vodafones oder O2s dieser Welt herumzuschlagen, wenn der Telefon- und DSL-Anschluss wieder nicht pünklich umgeschaltet wird.

      Freilich ist das auch im richtigen Leben öfters als man denkt – was wäre das für eine Welt, in der jede Tempoüberschreitung, jede noch so geringe Übertretung bestraft werden würde. Wo doch das Recht längst deratig wuchert, dass jeder Mensch der nicht grad den Tag im Bett verbringt, jeden Tag mindestens eine Ordnungswidrigkeit begeht, und sei es nur, bei roter ampel noch auf dem Fußgängerüberweg zu sein oder die 15m gegen die heimische Einbahnstraße mit dem Rad auf dem Bürgersteig zu fahren statt den korrekten Weg zu nehmen der 300m länger ist.

      Und, Sie ahnen es vielleicht – ein Vollzugsdefizit ist zumindest mir immer noch lieber als das, was der Staat machen würde, wenn man ihn denn nur ließe. Wie oben skizziert. Zwar kann man mit Recht auf die Inkompetenz der Handelnden vertrauen, aber leider gilt auch hier der Grundsatz: a fool with a tool ist still a fool – nur halt viel gefährlicher.

    • Rechtsfreier Raum im Internet
      Das Unbehagen kann ich schon verstehen, wenn Recht herkömmlich als Synonym für Rechtsordnung genommen wird.
      Rechtsfrei ist der Raum Internet gegenüber der physischen Welt schon wegen der ständigen Verletzung der Bürger- und Menschenrechte durch Verletzung zentraler Grundrechte (informationelle Selbstbestimmung, Briefgeheimnis, Handlungsfreiheit …).
      Tatsächlich zieht sich der Staat in etlichen Bereichen aus seinem Regelungsauftrag mit dem Motiv der Wirtschaftsförderung zurück. Beispiele sind die Haftungslücken bei Bewertungsportalen, das Hick-Hack um den Verkauf der Adressen der Bürger im damaligen Meldegesetz, Einrichtung von Schiedsgerichten unter Umgehung der ordentlichen Gerichtsbarkeit (Google-Löschanträge), die digitale Agenda spricht von Wertschöpfung der Daten (O-Ton Dobrindt) nicht von Datenschutz usf. Die Geschäftsmodelle von Uber etc. sind dadurch gedeckt, dass zugunsten unserer Startups und Großkonzerne, die Portale wirtschaftlich betreiben wollte (dem Vernehmen nach auf Drängen der seinerzeit FDP) diese Haftungsprivilegien eingräumt wurden. Recht als subjektives Recht, als Anspruch des Einzelnen muss dagegen natürlich zurücktreten.
      Insofern entsteht ein erheblicher Wertungswiderspruch zwischen den Haftungsregeln und Verantwortungszusammenhängen in der phys. Welt und dem Internet.
      Da gäbe es noch einiges, auch in völkerrechtlicher Hinsicht.

  4. Vorsätze...Statistiken...Termine...App's...Zwänge?!
    Nur ca. 1 von 2 Befragten fühlt sich „unter (Leben-)Zeit-Zwang“, aber mind. 50% aller Befragten fühlen sich frei von Zwängen. Wie frei lebende „Nutztiere“. Demokratisch freie „Biozucht“ des „glücklichen Wirtschafts-Schlachtvieh’s“?! 100% gefühlte demokratische Volk-Freiheit für die
    Bruttosozialproduktkarriere.
    Freiheit für die eigene Karriere und die
    der Anderen, den App’s-Herstellern…der
    Bruttosozialprodukt-Unternehmensvorsätze der Unternehmensvorstände.
    Alle fühlen sich und keiner ist frei. Von glücklichen, erfolgreichen (Kuh)-Menschen, für glückliche, erfolgreiche (Kuh-)Menschen, gemacht. Alle mit hohem „I Kuh-Wert“.
    Das „I Kuh“ Freiheitsgefühl. Die Freiheit die wir meinen? Deutschland geht es gut!?
    Zwänge zwanglos
    loslassen können, das ist DER „VERNUNFT-Trick(WERT)“ für Vorsatz-befreites, Zwang-befreites Leben, zwangfreie/r Leben(s)-Zeit-G/gewinn(en). Freies Leben
    erleben, nicht nur frei fühlen,
    sondern frei sein. Freies Human-Sein erleben.

    Karrierevorsatzbefreiter Gruß
    W.H.

  5. Vorsätze? Klar doch, aber erst mal nur den einen:
    „ICH WILL UNMITTELBAR NACH DEM ZWEITEN WEIHNACHTSFEIERTAG DIE ERSTEN SCHOKLADENOSTERHASEN UND MARZIPANOSTEREIER KAUFEN!!!!!“ (Sie dürfen die Stöpsel getrost wieder aus den Ohren nehmen – ich gröl‘ jetzt nicht weiter.)

    Tja, klappt(e) aber nicht – dasselbe gilt für den Wunsch nach Weihnachtsmännern et al. unmittelbar vor Ferragosto, meinem üblichen Sommerurlaubsende: Ich musste 2014 bis zum September warten, Kruzitürken nochmal, da war doch was faul im Staate Dänemark!!!

    Bleibt also nur ein Dauervorsatz, der nie mehr erneuert werden muss: keine weiteren Vorsätze außer diesem – funktioniert bestens.

  6. nicht zum provozieren gedacht
    Haltsuchende sollten sich und ihr Leben annehmen und versuchen für ihr Dasein Dankbarkeit zu empfinden. Danach darf man daran gehen, sich punktuell zu verbessern. Ob einer mit Don auf den Berg fahren kann (und darf) oder froh ist, wieder per Treppe in den Fünften Stock zu kommen, ist einerlei.
    Meine Empfehlung hier, Richtung/Stern und Ziel zu unterscheiden. Ziele sollten auch erreicht werden, dann Freuen und eventuell neues Ziel setzen.

    Ein guter Weg zum Glück ist Lesen. Besonders empfehle ich einen Text der mit „In Principio“ beginnt. Auf Deutsch erhältlich „Im Anfang“
    Ein sehr populärer Sammelband beginnt in der allerersten Geschichte damit und auch in einer der letzten.

  7. camp
    Selbstoptimierungs-Apps sind für Berufstätige, die keine Zeit für Selbstoptimierung besitzen.

    Ansonsten verstehe ich den Groll über die Guten Vorsätze nicht ganz. Die sind doch ein Stücken camp im Sinne von Susan Sontag, pathetisch, aber nicht ernst. Zu den Guten Vorsätzen gehört deswegen immer auch, dass man sie nie einlöst, dies seufzend bekennt und anschließend sind alle vergnügt.

    Man kann das natürlich auch sensibel, vergrübelt auf ein anderes Gleis schieben, es mit der bösen Werbeindustrie korrelieren und über Selbsthass referieren. Nun ja, vielleicht sehen das „die jungen Autoren“ ja heute so und betrachten die Wirklichkeit ganz ohne jede Ironie.

  8. Vorsätze
    Es mag schon sein, daß Neujahr letztendlich nur ein Tag ist wie andere auch, aber viele Menschen benötigen so einen Stichtag zur Selbstmotivation (wenn der 17. März nun zufällig auf einen Freitag fällt, verschiebt man die Abstinenz auf Montag – und dann ist es auch ungünstig, weil gerade eine Feier … und auch beim Abnehmen, aufhören zu Rauchen etc gibt es viele Gründe, den Stichtag zu verschieben wenn er nicht auf andere Weise wichtig ist).

    Daß viele Vorsätze nicht lange halten ist wieder eine andere Sache … aber zumindest bei Dingen die Selbstbeherrschung benötigen (Abstinenz, abnehmen, Sport etc) ist es in vielen Fällen so, daß Gruppenzwang sehr hilfreich ist (deswegen funktionieren auch Abnehmvereine oft recht gut).

  9. Wie Recht Sie haben !
    Nein man kann wirklich niemanden mehr glauben – insbesondere den (deutschen) Medien. Insbesondere dann, wenn es politisch wird wird gelogen bis sich die Balken biegen. Im Übrigen nicht nur von Spiegel & Springer Presse, nein auch die scheinbar seriöse FAZ bedeckt sich nicht mit Ruhm (aka Putin / Russland) Berichterstattung.

  10. nein danke
    Ich hab‘ schnell aufgehört, weiterzulesen.
    Kein Interesse an dem Thema (und wie es dargebracht wird).
    Oder, um es klassisch zu sagen: I’m too old for that shit.

  11. Kontrolle
    kontrolle ist das wichtigste Werkzeug der Regierung und Medien und hat mit besserer Lebensqualitaet ueberhaupt nichts zutun. All diese app’s ipone,s kontrollieren uns. Wo wir hingehen, was wir lesen, was wir tun, woran wir unser Geld ausgeben und wieviel. Wir merken gar nicht wie uns das alles kontrolliert. Genauso Kreditkarten, die uns die Freiheit nehmen , alles Kontrolliert…..und wir finden das Gut. Dumme Spiele ueber,s Phone, langweilige und dumme Texte versenden und noch ein haufen Geld dafuer bezahlen….wird die Menschheit immer dummer ? Es sieht ganz so danach aus….

  12. Komma weg da!
    „… aber irgendwie scheinen Männer die Vorsätze ja tendenziell nötiger zu haben, als Frauen.“

    Mein Vorsatz-Vorschlag: Keine falschen Kommas mehr!

  13. Ohne Vorsatz
    Sehr geehrte Frau Prophet. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich den Vorsatz, mir kein ein Smartphone anzuschaffen, denn ich nutze das GSM-Netz höchstens einmal pro Woche. Und inklusive Müntefehring-Zuschlag habe ich derzeit noch 18 Monate bis zur Rente. Seit September besitze ich ein Smartphone und das kam so: Ich arbeite in der Fahrzeugtechnik und wir waren es bisher gewohnt, mit verschiedenen Datenkabeln und Konvertern sogenannte CAN-Bus-Nachrichten mittels Software auf unseren Laptops abzubilden. Da wir drei Hersteller dieser (pneumatisch-elektronischen) Bremssysteme weltweit haben, haben wir auch die Hard- und Software dreifach. Ich komme zum Thema mit dem Geist aus der Maschine. Ich besitze seit September ein Smartphone, weil ich die bisher per Kabelverbindung generierten Daten mittels Smartphone-Anwendung über WLan ohne Kabel lesen kann. Das nennt sich intelligent trailer access point. Nehmen wir Ihren Pkw (sofern Sie einen besitzen oder gelegentlich Mietfahrzeuge nutzen). Die technischen Details des Fahrzeugs erfährt die Werkstatt derzeit über eine sogenannte OBD2-Schnittstelle mit Datenkabel, Software und CAN-Konverter. Auch das kommt weg. Sie werden demnächst mit Ihrem Smartphone die technische Gesundheit ihres Automobils selber lesen können. O.k., der D.A. kann das an der Barchetta nicht, denn die ist noch aus Zeiten vor dem SAE 1939-Protokoll und den Vereinbarungen von Bosch und Intel zu controller area network. Das ist auch nicht weiter schlimm. Mit anderen Worten: Vorsätze sind ganz nett und schön, aber was macht der Bundesbürger, wenn ihm die Technik die Neuigkeiten einfach vorsetzt? Ich habe mal unter „weitere Anwendungen“ nachgesehen, was da alles angeboten wird. Nach meiner Einschätzung ist das mehrheitlich Kernschrott. Und für die Entwickler dieser „app“ würde ich in Absehung von den Basisparagraphen des Grundgesetzes die Prügelstrafe einführen. Natürlich nur als pädagogisch ausgewogene erzieherische Maßnahme.

    • Strafe: Internetentzug!
      Sehr geehrter Herr Braun,

      würden mein Telefon und mein Auto sich verstehen, es nützte mir wohl wenig. Ich könnte dem Gefährt nach wie vor nicht helfen. Für viele Apps und Funktionen empfehle ich die altbewährte Strafe: Internetentzug! Oder: einfach mal abschalten. Wenn es denn geht. Noch geht es. Sie werden recht behalten: „Aber was macht der Bundesbürger, wenn ihm die Technik die Neuigkeiten einfach vorsetzt?“ Wir werden uns wohl anpassen müssen.

      Es grüßt: Isabell Prophet

    • M2M
      „Würden mein Telefon und mein Auto sich verstehen, es nützte mir wohl wenig.“

      Ich glaube, manche Leute, die leichsinnig ihr Auto irgendwo parken, wo sie es nicht wiederfinden, ist damit doch geholfen. Da ist nicht viel Kommunikation nötig. Das Auto wird abgestellt und übermittelt dem Smartphone per Bluetooth seine Koordinaten. Das ist eigentlich alles.

  14. In der Realtät wie an der Börse
    Vorsätze Brief
    Leben Geld

  15. Der Bauernkalender oder wie die Presse zu ihren Themen kommt
    Am Anfang (der Pressegeschichte) war der Bauernkalender, und der muss halt mit so Zeugs angefüllt werden. Kreuzworträtsel, Sinnsprüche, Witze, Maße und Gewichte, Mondphasen, Feiertage, Schulferien und so weiter.
    .
    Und da es in der heutigen Welt ja keine interessanten politischen Themen mehr gibt, entwickelt sich die Presse halt wieder dahin zurück.

  16. Nannenschule
    nun wo ist die relevanz dieses beitrags für die schweigende oder marschierende mehrheit über 30 ?……..fragte mich und ging weiter meinen tagesgeschäften nach…………
    bis zur assoziation Nannenschule, da kam erinnerung an grossen journalismus hoch.
    werner höfer (ich hoffe, mann darf den namen aussprechen, er war ja politically incorrect !) und sein internationaler frühschoppen (heute auch undenkbar, da incorrect, wer würde im tv heute schon „früh“ (ab 12 uhr) einen schoppen dulden ! einer seiner gäste henri nannen und einer seiner grössten widersacher (name vergessen). und der widersacher nennt (mangels anderer argumente) den nannen bei voller einschaltquote !, damals !, um die mittagszeit !, sonntags ! „alternder playboy“.
    und: werner höfer schaltet nicht ab. und: henri nannen bleibt sitzen. ob er rot wurde wissen wir nicht, war noch schwarz-weiss.
    gibts davon einen youtube ausschnitt ? oder müsste man das mit schauspielern neu inszenieren, z.b. als magisterarbeit an der nannenschule ?

  17. Die eigenen , heranwachsenden Kinder sind ggfls. dann recht bald auch
    die so ziemlich nervenaufreibenste ‚Selbstoptimierungs-App‘ die man sich womoeglich vorstellen kann, garantiert total fordernd, lieb, stressig, nervig, über flüssig, in der Anschaffung kostenlos, bei manchen sogar lustkaeufe, in der Folge hohe monatliche, wiederkommende Belastungen nach sich ziehend, immer gut fuer ueberraschende fremdanrufe bis dahin vollkommen unbekannter dritter, garantiert unverlierbar und biologisch voll selbstupdatend – mit manchmal echt schwierigen Neustarts nach dem reseten.

    Keiner Statistik mehr trauen, aber sich bedenkenlos dem Strom des Lebens, welches Frucht tragen will, anvertrauen? Alles wird gut. Sogar ganz ohne Vorsatz. Ja.

    Und danke, wunderbarer Beitrag vor allem.

    • Demo gegen Apps
      Klingt interessant und ein bischen böse, ihre App.

      Wenn die so des Teufels sind sollte man vielleicht einen Aufruf zu eine Demo starten, bei der jeder symbolisch eine App verbrennt. Danach kann er sich befreit davon wieder in den Strom des Lebens ergießen – oder besser noch, bestimmte Ströme in sich selbst hineingießen. Eine Demo für Ludditen, schöne Seelen und verunsicherte Rentner, die gerade einen Artikel über die Welt 4.0 gelesen haben und dabei heftig ins Grübeln geraten sind.

  18. Titel eingeben
    @dreamtimer ich denke die leute sollten sich dann ernstlich gedanken um ihr gehirn machen – wenn sie sich nur mehr auf koordinaten verlassen sollen

  19. Danke
    sehr interessant danke

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