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Deus ex Machina

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Über Gott und die WWWelt

Netzerziehung mit Nazieintopf im Schutzraum

| 51 Lesermeinungen

Triggerwarnung: Veganer sollten das jetzt besser nicht lesen.

Neben meiner Grundschule in einem sehr angenehmen, von Grünflächen durchzogenen und besseren Viertel gab und gibt es eine weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Metzgerei. Und als ich klein war, gab es auch kein Bio und keinen Vegetarismus. Hinten gingen Kuh und Schwein hinein und vorne als Zwiebelmettwurst mit Flachsen, aufgekochter Leberkäse und Hackfleisch hinaus. Verwendet wurde alles, was angefallen ist, Hirn, Lüngerl, Milz, Zunge, und kein Mensch hat sich dabei etwas gedacht. Nicht verwendbar, zumindest nicht für das Essen, waren die Blasen der Schweine. Die hat man nach dem Zerlegen der Sau an einem Ende zugeknotet, mit der Luftpumpe aufgeblasen, am anderen Ende zugeknotet, und dann trocknen lassen. Nach einem Tag ist so eine Saublase dann recht hart und eignet sich, an einen Stock gebunden, ganz vorzüglich für harmlose Schlägereien nach der Schule. Ja, wir haben uns damals mit Saublasen auf die Köpfe gehauen. Das war eine Mordsgaudi und tat keinem weh.

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Natürlich war das kein zivilisierter Diskurs. Es war Bayern in den 70er Jahren, da waren Hoch- und Niederkultur noch nicht so getrennt, wie es heute ist. Die Generation der Väter hatte noch Bomben aus der Donau heraus getaucht und zwecks der Gaudi zur Explosion gebracht. Da hatte man sich wegen der Schweinsblasen nicht so. Und die meisten der Schweinsblasenschläger wurden, soweit ich das übersehen kann, vorzeigbare Stützen der Gesellschaft. Man prügelte sich und las, daheim angekommen, zwei Stunden, bevor es an die Hausaufgaben ging. Im Winter gab es damals monatelang Schnee, da seifte man sich ein, und im Sommer Wiesenblumen, und alle brachten den Müttern vom Heimweg Sträusse mit. Mit sieben Jahren lernte ich, wie man einer Dame den Mantel abnimmt, die Türe aufhält, ihre Hand richtig ergreift und sich angedeutet verneigt, und dass man mit dem Rad meiner Grossmutter den ganzen Dreckberg von den Neubauten hinunter fahren kann. Fernseher gab es bei uns Bildungsbürgern nicht und hätte es ihn gegeben, wäre am Tag nie mehr als ein Mensch darin zu Tode gekommen.

Da hat sich einiges geändert. Grundlegend argumentativ nahe zum sich als „besorgten Bürger“ erklärenden Rechtsextremen im Osten, der sichere Freiräume und „national befreite Zonen“ in Sachsen will, ist die besorgte Mutter der besseren Kreise, die auf gar keinen Fall will, dass irgendwelche Risiken die Kinder verderben oder traumatisieren würden. In meiner Zweitheimat am Tegernsee zum Beispiel gibt es nebenan ein Haus mit einer zehn Meter langen Anfahrt zur Garage mit minimalem Gefälle. Die Nachbarn haben ein Kind, und das hat einen Spielzeugtraktor. Es darf damit diese zehn Meter fahren – aber nur mit Helm. Es ist physikalisch unmöglich, sich dort die kleinste Schramme zu holen, aber das Kind muss einen Helm tragen. Mein Vater wurde in diese Region in die Sommerferien geschickt. Allein, mit dem Ein-Gang-Rad, auf dem er kaum sitzen konnte, und sechs Wochen haben seine Eltern von ihm nichts gehört, weil es kein Telefon gab. Ich rufe daheim an, wenn ich die Strecke an den Tegernsee geradelt bin, weil der Verkehr heute natürlich gefährlicher ist. Aber dieses arme Balg da drüber erlebt es als Abenteuer, mit einem Helm auf einem Plastiktraktor eine Garagenzufahrt entlang zu rollen. Kinder müssen geschützt werden, Immer. Überall.

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Besorgte Mütter wollen das. Auch im Netz. Sie verlangen heute risikofreie Räume. Bei einer Schweinsblasenschlägerei würden sie das Jugendamt rufen. Und damit genau jene kunstsinnige Klasse der Gesellschaft verteufeln, die heute den Konzertverein am Leben hält, am Sonntag die Orgelmatinee besucht und hier all die hübschen Renaissancealtbauten erhält, statt in Berlin Volksbegehren für billige Mieten zu veranstalten. Weil sie glauben, dass so etwas abartig ist und die zarten Kinderseelen verdirbt. Ihre eigenen Kinder sitzen daheim und haben mit zwölf mehr schräge Sachen im Netz mit pornographischem Inhalt als die Sendung mit der Maus gesehen. Wegsperren mit Helm auf dem Kopf sorgt dafür, dass man sich Alternativen sucht. Mein Vater wusste, wie man Zünder von Granaten abschraubt. Heutige Väter müssen beim Aufschrauben einer Mineralwasserflasche vorsichtig sein. Hinter vielen Söhnen ist heute irgendeine eine gschupfte Henna, wie wir auf Bayerisch sagen, die von Sicherheit redet und Wegsperren meint. Der „besorgte Bürger“ und die ihn als Nazi bezeichnende, netzbesorgte Mutter, sie beide wollen maximale Sicherheit und nur das Beste, und der Rest der Welt soll entweder an ihrem Wesen genesen oder sich fern halten.

Das ist jetzt der Punkt, an dem die ein oder andere eine besorgte Email an die FAZ schreibt, mit dem Inhalt: „Liebe FAZ, ich bin keine totalitäre Feindin der Meinungsfreiheit, aber dieser Don Alphonso…“, weil ich es gewagt habe, eine provozierende Parallele zu ziehen. Ja, sie ist nichtwirklich nett. Denken war unter dem christlichen Gottesstaat auf diesem Kontinent sehr lange eine sehr riskante Sache, eine andere Meinung haben auch, besonders, wenn man es wagte, anderen Leuten ihr Gefühl der Sicherheit und der Heilsversprechen zu nehmen, oder gar einzig wahre Ideologien zu vergleichen. Dafür kam man hier schnell auf den Scheiterhaufen, ins Lager und bis zum Ende der DDR unter Stasi-Beobachtung. Der Vergleich ist gewagt, er tut denen weh, und er empört sie. Wie darf das sein, rufen sie, dass es ihnen in ihrem pastellfarbenen Schutzraum-Wohlfühlheim der politischen Uniformität speiübel geht: Weil Nazi, das sind doch nicht sie, das sind immer nur die anderen, diejenigen, die die Meinungsfreiheit im Netz für ihre finsteren Anliegen missbrauchen und Kinder traumatisieren, und mit denen sie alles, was ihnen sonst an Meinung nicht passt, in einen Topf werfen, und reflektionsfreien Nazieintopf kochen.

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Der Nazieintopf ist dann natürlich schrecklich. Weshalb sie auch Safe Spaces fordern, so safe wie ihre Garagenzufahrt mit Gefälle, die nur mit Helm zu befahren ist. Alles andere da draussen ist böse, gefährlich und der Staat sollte es überwachen, verbieten und verfolgen. Die Grenzen der Meinungsfreiheit bestimmen sie, so wie sie bei ihren Kinder die Garagenzufahrt bestimmen. Es ist kein Zufall, dass solche Forderungen meist aus einer ganz bestimmten Ecke der Fürsorge, Indoktrination und Abrichtung kommen, die genau zu wissen behauptet, was gut für andere ist. Und wenn der Staat es schon wegen der Grundrechte nicht macht, so sollte doch wenigstens die bevorzugte Zeitung dafür sorgen, dass die Debatten grundsätzlich traumafrei, gewaltfrei und diskriminierungsfrei sind, und die Anliegen von besorgten Netzmüttern angemessen berücksichtigt werden. Sind sie doch selbst ernannte Expertinnen für Hate Speech, halten Vorträge und werden mit Preisen bedacht – anderntags bezeichnen sie dann die Polizei, die beim Brand eines Altersheims kommt, selbstverständlich als „Bullen“.

Auch das empfinde ich privat noch als Meinungsfreiheit. Es gibt ein Recht, sich dumm und geschmacklos zu äussern. Man darf auch, wie es die taz beim Thema Hotpantsverbot tut, aus einer ungeschickten Schulleiterin, die netzweit verlacht wird, gleich eine ganze Rape Culture machen, die bekämpft werden muss. Ich möchte schreiben können, dass über meinem Schreibtisch zwei Rokokoportraits nicht mehr ganz junger Frauen mit zeittypisch üppigen Dekolletees hängen und ich sie sehr inspirierend finde – da darf die taz auch anderer Meinung sein. Man sollte das durchaus auch lesen und sich darüber Gedanken machen. Versuchen, es einzuordnen. Es gibt frustrierte Rentner, es gibt Doktorandinnen, die nicht der Arbeit fertig werden und beide sind sind sie am Dispolimit – das hebt nicht die Laune, da schreibt man schnell etwas Fragwürdiges. Welche Lehren man daraus zieht, ist immer Sache des Individuums. Und wenn trotz einer totalitären Epoche des christlichen Abendlandes die Aufklärung entstehen konnte, sollten wir eigentlich damit umgehen können, dass andere vieles anders sehen und das nicht eben nett sagen. Gerade eben hat etwa die bekannte und beim Thema Migration hoch sensible Netzaktivistin Anne Roth mal wieder Deutsche pauschal als „Kartoffeln“ bezeichnet. Wenn sie meint – es ist ihr gutes Grundrecht.

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Letzthin schrieb hier Katharina Nocun einen Gastbeitrag, und manche, die für mehr Netzkontrolle eintreten, sind über sie hergefallen – nicht weil sie zum Thema Vorratsdatenspeicherung eine andere Meinung hatten, sondern weil sie es in einem Blog schrieb, in dem auch ich schreibe. Das ist dann die nächste Entwicklungsstufe, ähnlich wie bei den Nazis, der Stasi oder auch bei der „Terrorüberwachung“: Man wird nicht mehr durch die eigenen Thesen definiert, sondern durch das Umfeld, in dem man sich bewegt. Safe Spaces und „national befreite Zonen“ brauchen nun mal beide klare Regeln, und da kann es nicht sein, dass jemand abweicht oder gar mit der anderen Seite spricht oder in deren Umfeld auftaucht. Da merkt man dann, wo die Reise hingeht: Wieder hinaus aus dem Netz, Richtung Sippenhaft und Gesinnungsschnffelei.

Der Schutzraum vor anderen Meinungen im Netz ist erst der Anfang. Sobald man dieses Sonderrecht bewilligt bekommt, kann man daran gehen, es überall umzusetzen. Und mit allen Mitteln, solange es keine Saublase ist.

Also, keine echte Saublase.

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51 Lesermeinungen

  1. es werden genau diese
    von possessiven müttern in symbiotischer eintracht verzogenen söhne und töchter sein, die wenn es gut geht nur die kinder- und jugendpsychiaterinnen-praxen füllen werden und wenn es schlecht geht mit dem Ak-47 im nahen osten oder leider auch im ganz nahen westen um sich schiessen werden.
    säuberung-und putzzwang in der wohnung und im netz und sind oft die folgen sexueller frustration und lernunfähigkeit und der rettenden sublimation und auch dies kann behandelt werden, allerdings in der erwachsenenpsychiatrie.

    • Ach, es könnte auch sein, dass sie ganz einfach Dirndl tragen, auf Waldfeste gehen und sich befensterln lassen. Nicht immer so negativ. Das renkt sich schon ein.

    • Geht auch anders:
      Wie formulierte es schon der selige Kurt? „Dosim: penis normalis. Repetatur!“
      MfG

  2. Puh!
    Endlich mal ein Text zum Abkühlen! Danke!
    Hoffentlich erreicht Euch diese Nachricht noch, bevor mich das Ozon oder die Klimaerwärumung erwischt – weil sterben werden wir eh alle demnächst, da die Griechen unser ganze Universum ruinieren werden

  3. Zustand der ständigen Angst
    Nun in einer Gesellschaft, die Wettbewerb anbetet, werden sehr leicht die Konsequenzen übersehen, die mit Verlustängsten verbunden sind.

    So ist die Zunahme des konservativen mit der Forderung nach Schutz erklärbar. Die Menschen sind schon lange am Anschlag, jedoch ist die heilige Wettbewerbsfähigkeit gebetsmühlenartig in fast jeder Nachrichtensendung unüberhörbare Propaganda („fast“ bei Bedarf einfach streichen).
    Sie ist der Grund weshalb der Liberalismus einen Selbstzerstörungsmechanismus aingebaut hat, der vom Liberalen selbst, aus Glaubensgründen an sein Regelwerk, nicht erkannt werden kann.

    Rechte, Gesetze, Vorschriften sind eben nur Regeln, Anweisungen, die nur einen Schutz versprechen, aber eben niemals den Zustand Sicherheit erhöhen können. Im Gegenteil, die Leute leben in einer vermeintlichen Sicherheit, die es den Soziopathen unter uns erlaubt, sich hinter diesen Schutzmaßnahmen zu verstecken, denn die Sieger, die Starken machen die Gesetze, nicht die Schwachen, die Verlierer.

    Ansonsten plädierete ich für ein Gesetz, das Dummheit verbietet und alle Problem sind augenblicklich gelöst.
    Dummerweise entscheiden genau die Dummen darüber, was Dummheit gesetzlich überhaupt ist.

    Erzähl das mal einem hyperventilierenden Gläubigen, egal welcher ideologischen Konfession…

    • Ma muss da vielleicht differenzieren zwischen sozialer sicherheit und sicherheit als Kampfmittel gegen andere. Das eine ist ja nicht schlecht, das andere jedoch schafft Machtpositionen. Natürlich nennen die es nicht so, sondern eben „Schutzraum“, weil sie gern Opfer sind, und „Care“, weil sie ungern davon reden, wie privilegiert sie sind. Eine der führenden Protagonistinnen für Care backt ihre Ideologiebrote unkündbar bei der evangelischen Kirche auf Kosten der allgemeinheit.

    • Schutz oder Sicherheit
      Die Unterscheidung ist ja durch die Begriffe Schutz und Sicherheit gegeben, denn der Mensch fordert immer dann mehr Schutz, umso weniger sicher es ist, die Funktion ist umgekehrt proportional.

      Schutz ist das Kampfmittel, der Begriff Sicherheit ist hier widersinnig.

      Sicherheit ist der Zustand zwischen Menschen, die zwischenmenschlichen Beziehungen, auch das Soziale genannt.

    • Menschen am Anschlag
      Das scheint mir ein wichtiger Grund für die zunehmenden Forderungen nach allen möglichen „Safe Spaces“ zu sein – die allgegenwärtig zu beobachtende Überforderung der Menschen mit und durch ihre Umwelt. Dabei meine ich, dass da sowohl eine objektive Komponente dabei ist, die zunehmende Reizüberflutung, aber eben auch eine subjektive Komponente, die eben die Fähigkeit zum Umgang mit der Umwelt betrifft. Und hapert es nach meiner Beobachtung immer gewaltiger.

      So manches Gemüt wäre mit weniger Optionen zur Auswahl, oder einem Satz von wenigen aber strikt durchgesetzten Regeln vielleicht besser bedient. So wie 14jährige vielleicht besser durchs Leben – hier: Schule – kommen, wenn die Eltern um 22:00h für ein „Handy aus und ab ins Bett“ sorgen, als wenn es heißt „geht ins Bett wenn Du Dich müde fühlst und chatte nicht mehr so lange“.

      Das könnte im Umkehrschluss bedeuten, dass die, die laut nach Safe Spaces schreiben, sich vielleicht mehr damit befassen sollten, selber erwachsen und, in jeder Hinsicht, souverän, zu werden. Ich bin natürlich ein immer älter werdender weißer privilegierter Mann und sehe das komplett subjektiv und egozentrisch, aber mir scheint, diese Rufe nach Schutz werden begleitet von einer immer stärkeren Infantilisierung: wer es gewohnt ist, für nichts Verantwortung übernehmen zu müssen, ja mit dem Kind-sein (auch modisch) kokettiert, der ist natürlich von jeder auch nur ansatzweise ernsthaften Thematik überfordert.
      Und flüchtet gerne in die scheinbar weniger komplexen Welten, die Smartphone und PC erschließen.

  4. Hervorragende Replik
    Und woran genau liegt das mit dem „Nazieintopf“? Es liegt an den Ideologien. Zirkelschlüssige Pseudo-Überzeugungen! Solange jeder seine eigene davon hat, mag´s noch angehen. Er ist dann eben ein Tropf; von allen anderen klar zu identifizieren. Aber wenn sich die Tröpfe bündeln und die Macht erringen und eine Ideologie für alle ausrufen, wirds ungemütlich. – Danke für den Text!

    • Meinen Sie....?
      Worin unterschiede sich das denn, von dem was gerade los ist, in DE und Euro Land?

    • an TDV
      Fragen Sie lieber die Journalisten, wieso und wozu … oder warten Sie auf die nächste Replik vom Don.

  5. m
    Ha! Safe spaces — die national befreiten Zonen des Netzes.

    Das ist ganz hervorragend beobachtet.

    Chapeau!

  6. Der einzig "wahre" Schutzhelm.
    Auszug aus „Desiderata“:
    Stärke die Kraft des Geistes,
    damit sie Dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze.

    Mit diesem Schutzhelm gibt es keine Auferstehung des
    „Nazi-“ oder eines sonstwie „Böse-„…“Übermaß-Geistes“;
    wenn die Stärkung humane Bildung ab Kindheit bedeutet und ihre
    humane Kraft als Erwachsene(r) das Volk und die Völker
    als „Gleichgewichtorgan“ maßvoll Leben erleben läßt.

    • Ich befürchte, SIe lesen zu selektiv...
      Es geht nämlich weiter:

      And whether or not it is clear to you,
      No doubt, the universe is unfolding as it should.

      Und Sie schlagen auch vor, „…wenn die Stärkung humane Bildung ab Kindheit bedeutet…“.
      Verraten Sie uns: Hat die Partei die Sie wählen dazu beigetragen, dass der Zustand der Schulgebäude in DE verbessert wurde, oder haben ihre Leute dafür gestimmt, dass das Steuergeld besser in einem Bundeswehr Einsatz in Afghanistan angelegt ist?

    • @TDV
      Sie mißverstehen, ich stecke weder in einem Wähler-noch in
      einem Politikkorsett.
      Meine Aussage ist die Entfaltung des Universum wie vorgesehen.
      Geistiges Gleichgewicht im Human mittels humaner Vernunftbildung.
      Das ist ein Generationenweg. Human-Universum-Entfaltungsweg.
      Gehirnreifeweg. Denkreifeweg…
      Er sollte gezielt, fokussiert gegangen werden.
      Wenn die Gesellschaft das nicht bietet, dann eben allein gehen.
      Machen Sie das? Ich ja.
      Der Status Quo der Weltgegenwart zeigt den humanen Vernunftmangel
      als wirkende Größen…Wirklichkeiten.

    • Warum so grosse Worte?
      Glauben sie angesichts der real existierenden Welt da draussen tatsächlich, dass am Ende die Entwicklung der Vernunft irgendeine Bedeutung hat?
      Ja, als Hobby ganz gut… aber darüber hinaus?

      Der Unterschied diesbezüglich zur Verganagenheit ist lediglich die Masse der Informationen die uns heute zur Verfügung steht. Die Einstellung zu diesen Informationen, also die Lernfähigkeit, der vernünftige Umgang mit diesen Informationen, unterscheiden sich in der geistigen „Grösse“ keineswegs von der Qualität des Denkens zu Zeiten der Inquisition.

  7. Titel eingeben
    Those who surrender freedom for security will not have, nor do they deserve, either one. von Benjamin Franklin

  8. Schweine, Bullen und Helikopter
    Alles in einen Topf und gut verrührt. Es hat funktioniert. Und es ist ein leckerer Eintopf geworden, den ich genussvoll konsumiert habe.
    Wie ähnlich sich doch alle Extremisten sind, seien sie nun selbsternannte Antirassisten oder „besorgte Bürger“, seien sie Helikopter-Mamis oder urban-progressive Kämpfer*Innen gegen den angeblich allgegenwärtigen Sexismus.
    Letztere entblöden sich ja nicht einmal, Quoten für ein bestimmtes Geschlecht einzufordern, verweigern es aber unglaublich standhaft, den hier immanenten Sexismus zu erkennen.
    Allen diesen Extremisten gemein ist ihre Bigotterie und ihre faschistoide Denkweise. Insofern ist der in bestimmten Kreisen gepflegte inflationäre Gebrauch der diffamierenden Bezeichnung anders denkender Mitmenschen als „Nazis“ ja nur konsequent. Wenn diese eben jene Bezeichnung in letzter Konsequenz auch gegen sich selbst gelten lassen würden.
    Aber da ist, Gott sei es gedankt, das ihnen eigene faschistoide Selbstbild vor.

  9. Komplexitätsreduktion
    Habe den Artikel nur überflogen. Also, im Kern geht es um Folgendes: Früher war die Kindheit um ein Vielfaches freier und schöner, während heute überbesorgte Nazi-Mütter den letzten Rest von Kindheit unter faschistischen Schutzhelmen ersticken.

    OK. Kann man so sehen. Aber, man könnte das ggf. auch für eine völlig überzogene und geradezu lebensfremde Sichtweise halten, deren Wesenskern darin zu bestehen scheint, alles abzulehnen und möglichst ein Nazi-Etikett dranzupappen, was auch nur entfernt aus Berlin zu kommen scheint, und sich ein vermeintlicher Progressivität drapiert.

    • Erläuterung nötig…
      Vielleicht können Sie uns erklären, seit wann Pegida-Parolen oder auch württembergische Gender-Stimmen aus Berlin kommen?
      MfG

    • aber aus BERLIN
      kommt ja gerade dieser MUTTI- und overcare-zwang und seine progressive beschleunigung durch politik und medien und getrieben genau von den frauen, die im grossen umweltschädlichen SUV die kinder vom heimcomputer zum schulcomputer fahren und motorradfahrern die vorfahrt nehmen.
      und aus berlin, ja da kam leider so manches, in den letzten 100 jahren primär schädliches für die deutsche geschichte, nicht immer im orginal, aber als katalytischer ort bis 1990 und evtl. sogar noch danach. da hätte der rest deutschlands manchmal gerne darauf verzichtet.

    • Ganz einfach:
      Das sind dann halt die Außenstellen des Hauptstadtslums Berlin.

      (meine Befürchtung geht indes dahin, dass auch in Dons geliebten Bayern ganz exakt der gleiche Schlamm zutage tritt, wenn man nur tief genug bohrt)

    • Wir haben andere Probleme und auch darüber schreibe ich oft. Allerdings ist Bayern noch so hiten dran, dass es im Moment eher besser als schlechter wird, was die Toleranz angeht.

  10. Titel eingeben
    Werter Don,

    ich habe ich mich gefreut, wie sehr sie den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Chapeau! Linke Intellektuelle, Besitzer von Garageneinfahrten nebst Bungalow und Kindertraktor, die medienwirksam vor ihrer Bücherwand stehend von roten Weltverbesserungsideen schwadronieren, ihren prämierten, aus Australien eingeflogenen Rotwein trinken und sich ihre Bordellaufenthalte vom Steuerzahler bezahlen lassen, beschimpfen das deutsche Volk hinter vorgehaltener Hand als Ewiggestrige, NPD-Claquere oder Schlimmeres wenn dieses sich über illegal eingereiste Georgier Gedanken machen die ihnen nachts bis ins Schlafzmmer einbrechen.
    Ach werter Don … es war einmal eine Zeit in den 70ern… eine gute Zeit… nicht nur die Saublase wünscht man sich zurück.

    Grüße aus der Stadt des Rechts

    Transistorfips

  11. Angst und Kontrollbedürfnis
    Was Sie beschreiben, könnten Sie auch auf die USA ausdehnen. Dort soll es noch schlimmer sein, als sie es hier darstellen. Eltern bekommen Polizeibesuch, weil sie ihre Kleinen ausserhalb des Hauses haben unbeaufsichtigt spielen lassen. Dies führt sogar dazu, dass sie ihnen kurzerhand weggenommen werden und sie sich vor Gericht wiederfinden. Das sind doch gesellschaftliche Zwangsneurosen. Erfreulich ist, dass sich gegen diese „DDR-von-innen“ – das sich selbst einsperren aus Angst vor der Welt – eine Gegenbewegung gefunden hat. Davon würde ich aber schon den Unterschied zur NS-Ideologie ziehen wollen, wobei ich Ihnen zustimme, dass die Angst vor dem Anderen die Ursache für allerlei Obsessionen sein dürfte.

  12. Aufregen oder nicht?
    Soll ich mich jetzt über Ihren Text aufregen oder nicht? Sie sprechen mir zum Teil aus der Seele (was ich natürlich gut finde), zum anderen bin ich überhaupt nicht Ihrer Meinung. Aber vermutlich muß man mit dem einen Leben um das andere zu haben.

    Ich verstehe die Eltern, die um ihre Kinder (über)besorgt sind – das sind wahrscheinlich alle Eltern und je weniger Kinder es gibt, desto mehr konzentriert sich die elterliche Sorge auf das Kind. Ich stelle mir das (mangels eigener Erfahrung) auch sehr schwer vor: einerseits weiß man, daß das Kind eigene Erfahrungen machen muß, andererseits weiß man auch um die Risiken. Und da wir in einer Gesellschaft leben, in der erwartet wird, daß alle Risiken kontrolliert werden, wird das auch für Kinder gemacht. Aber wie wollen Sie das Problem lösen? Auch auf ebener Fläche kann ein unglücklicher Fall sehr böse ausgehen – und die Eltern würden sich wohl nie verzeihen, wenn das geschehen würde.

    Insofern verstehe ich die Sorge wenn es um irreversible Schäden geht (wie solche Verletzungen) – was die Sprache angeht … eine Beleidigung hinterläßt in den seltensten Fällen bleibende Schäden, und eigentlich sollte man von erwachsenen Menschen erwarten, daß sie damit umgehen können (gerade in Deutschland, wo der Ton deutlich rauher ist als z.B. in England). Ich finde es falsch, bei einer Diskussion die Höflichkeit zu vernachlässigen (immerhin redet man mit Menschen), aber niemand zwingt mich dazu, mit Menschen zu kommunizieren, die ich nicht mag.

    Komischerweise haben jedoch diejenigen, die sich so intensiv für Redeverbote einsetzen und Schutzräume fordern keinerlei Probleme damit, das bei anderen kritisierte Verhalten selbst an den Tag zu legen. Das sind nicht nur die Feministen – ich habe das u.a. bei Aktivisten für Adipöse (wie nennt man die?) erlebt, die einen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Gewicht und Gesundheit als neoliberale XXX (Kombination zweier vulgärer Beschreibungen menschlicher Exkremente) bezeichnen und jegliche Diskussion als Hate-Speech bezeichnen (ähnliches erleb(t)e ich allerdings auch schon bei Impfgegnern und anderen Randgruppen).

    Meinen Sie, das wird wieder besser, oder müssen wir damit leben? Können wir etwas dagegen tun ohne auf das gleiche Niveau zu sinken?

  13. "...unter dem christlichen Gottesstaat ..."
    Vor ein paar Tagen fiel mir auf, wer dem „Gotteststaat“ heute am nächsten kommt (mit allen negativen Konnotationen): „God’s Own Country“ & „In God We Trust“, „God Bless A…“

  14. Bezüglich des Schutzraumes gibt´s jetzt grosse Koalition:
    Der Don vereint mit der taz.

    http://www.taz.de/Die-Streitfrage/!5210735/

    Das Ende der Koalition wurde allerdings vor ihrer Besiegelung eingeleitet, weil der Don gegen feministische Bevormundung ist, Verzeihung, gegen die Verbesserung der Welt durch die ausschliessliche Verwendung frauenfreundlicher, gendergerechter, intersektionaler und kartoffelfeindlicher Sprache nach Anleitung durch Tugendfurien.

    Amüsierte Grüsse,
    Thorsten Haupts

    • Das ist nicht nur feministisch, an dem System stricken viele mit. In einem Land, in dem CDUCSU die absolute Mehrheit hätten, plus zehn Prozent Steigbügelhalter, denken viele, es würde reichen, Gegner als „rechts“ zu bezeichnen und dann wäre die Debatte erledigt.

    • Das ist ein wenig zu einfach gedacht,
      befürchte ich, lieber Don. So ungemütlich eine „Ideologie für alle“ wäre, so schön wären nämlich klare Regeln, die für alle gelten. Damit im Schutze dessen wieder jeder frei für sich entscheiden kann, welche ideologische Macke er sich leisten mag.

    • Ja, die Beobachtung, "rechts" für ein gültiges politisches Abwertungsargument
      zu halten, hat mich jetzt schon mehr als 30 Jahre amüsiert, so als Rechter. Eigentlich sind angesichts der Wahlergebnisse die Umerziehungspläne dann nur konsequent – ich bin Linker, habe Recht, alle Rechten sind verkappte Nazis, werden trotzdem gewählt, also ist die Bevölkerung strunzdumm und bedarf meiner lehrenden und lenkenden Hand. Logisch, oder :-)?

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Aber TH....
      Das stimmt doch nicht, das zeigt sich doch bei dem Affentheater in der AfD ganz deutlich…

      Da ist der Lucke der Gabriel und die Petry der Lafontaine. UNd wie es schon bei Der Linke einzig und allein um den Machterhalt der Mitte, bzw. des merkelschen Mittelmasses ging, so nehme ich an geht es rechts um nichts anderes. Und wie immer vorne weg, die Staats-, bzw Merkel-tragende, gleichgeschaltete Presse.

      Sollten sie bei der „tumben Mittelmässigkeit“ anderer Meinung sein, dann erklären sie mir, wie ein Mensch auf Seiten einer Regierung stehen kann, die ihm die Verwendung von Milliarden SEINER Steuergeldern zwecks Stützung von Banken zumutet? Stützung, die wegen der WISSENTLICHEN Vergabe von faulen GR Krediten „nötig“ war?

      So sieht das nämlich aus wenn man in Zusammmenhängen denkt… und die Merkels und Obamas der Welt leben ganz erfolgreich davon, dass das eine ungeheure Mehrheit weltweit nicht kann.

  15. Titel eingeben
    Herr Braun perfekt 57 ?

    • In der Tat -- perfekt ...
      …. 57. Leider habe ich mir Jürgen Brauns gestrigen Kommentar nicht abgespeichert. Dies scheint noetig zu werden, da seine Beitraege, wie mir scheint, inzwischen unbesehen, als wirres Zeug in die Tonne getreten werden..

      Traurig. Sein gestern vorgestelltes Bild der Kavitaets–Implosion — des Knalls erzeugt vom Nichts jenes Vakuums, das sich auf der Rueckseite einer uebermaessig beschleunigten Gesellschaft bilden mag — hatte unabweisbar poetische Kraft. Die Originalitaet erschliesst sich leichter mit etwas naturkundlicher Vorbildung (Knallkrebse! Sonolumniszenz! Propellerfraß!), keinesfalls jedoch ohne unvorgeingenommenes, genaures Durchlesen.

      Dazu mag beim Hausherrn der innere Abstand und die Musse gefehlt haben. Kann jedem mal passieren. Die Loeschung des Beitrags war m.E. ein Versehen. Es waer‘ schoen, wenn er wieder eingestellt wuerde.

  16. Zonen
    Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass es Unterschiede zwischen dem Safespacegetue im Internet und sogenannten ’national befreiten Zonen‘ der Neonazis gibt. Letztere haben die physische Vertreibung von Andersdenkenden und ‚Fremden‘ aus einem definierten Territorium zum Ziel und gebrauchen dazu physische Gewalt bis hin zu Mord. Ich bin als (damals) linker Mensch in einer Region aufgewachsen, in der Neonazis die dominante Jugendkultur waren. Außer ein paar Morddrohungen ist mir nichts passiert, anderen allerdings schon. Die ‚progressive‘ Hetze gegen Andersdenkende im Internet mag effektiv einschüchtern und die Meinungsfreiheit bedrohen, Tote und Verletzte hat sie meines Wissens (noch?) nicht produziert.

    • Das ist richtig, aber ich beziehe mich da auch ausfrüklih auf die jeweiligen Argumentationsmuster und nicht auf die unmittelbaren Folgen.

      Allerdings sehe ich auch in den Versuchen, missliebige journalisten gezielz auszuschalten, keine besonderen Unterschiede mehr. Und ich habe erfahrung mit beiden Gruppen, in dieser Hinsicht.

  17. Titel eingegeben
    Es bleibt festzuhalten, dass es schon traurig genug ist, wenn die Angst vor etwas (was ja immer etwas sehr Persönliches ist) das eigene Leben beeinträchtigt.
    Aber wenn dann ebenjene Angst dafür sorgt, dass massiv in die Leben der anderen eingegriffen wird, dann ist es eine Schande.

    • Da irren sie....
      In der real existierenden Welt ist das keineswegs eine Schande, es ist das Normale. Und die Meisten, zu denen auch sie ganz offensichtlich gehören, die merken es zwar nicht, zeigen aber mit dem Finger auf andere. Das ist mittlerwiele zum deutschen Nationalsport geworden.

  18. Pippi versus Prusseliese
    Mehr Astrid-Lindgren statt Care-Mussolinis, auf jeden Fall.
    Ich hab mich seit dem „Familienpapier“ der EKD mit diesem Betüddelungs- „Care“-Konzept beschäftigt. Es war lustig, zu beobachten, wie sich Links-Feministinnen dabei von neo-liberalen Ökonomisten vor den Karre spannen lassen. Ich konnte allerdings die Quelle des Entmündigungs-Dogmas in der EKD nicht genau ausmachen. Hätten Sie da noch einen präziseren Tipp?
    Nützt und erfreut, Ihre Kolumne. Vielen Dank

    • Dahinter steht u.a. Antje Schrupp aus FFM, die da in den Strukturen fest verankert ist.

    • DANKE
      „…lustig, zu beobachten, wie sich LInks-Feministinnen dabei
      von neo-liberalen Ökonomisten vor den Karren spannen lassen.“

      ist mir auch aufgefallen. Ich halte diese Kombination für das
      Geheimnis ihres Erfolgs.

  19. Beim Zeus!
    Das griechische OXI ist zugleich ein Spiegel für uns alle.

    Ich habe von einem griechischem Statiker (!) in den 90ern gehört:
    Griechische Fischer würden mit gekauftem gefrorenem Fisch hinaus
    fahren, um dann romantischen Touris ihre vollen Netze darzubieten.

    Wie man sehen kann trägt der Romantiker zum Unheil bei.
    Erst recht also der politische Romantiker:

    Im Rückblick – Bah, DIE habe ich mal gewählt :
    Nachdem die Grünen ihre Posten errungen hatten,
    sorgten sie neue ‚ausgleichende‘ Verhältnisse,
    damit endlich alles gut würde und so bleiben könne.

    Dabei wurden sie blind für das, was sie anrichteten.

    Sie haben sich in jener Ordnung eingerichtet,
    gegen die sie sich einst erhoben.

  20. Arthur
    Früher war ich mit Siggi beiden Falken und das Leben war noch wild und gefährlich. Ein T-Shirt hat bis heute überlebt: „Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Arthur.“ Ja, der lustvoll gemeinte Ratschlag, den einst Arthur Schnitzler seinem französischen Dichterkollegen Arthur Rimbaud gab, wäre heute aktueller denn je. Es ist schlecht bestellt um das wilde Leben. Ob rechts, ob links. Man wird noch sehen, was die westliche Welt von ihrer Lust- und Lebensfeindlichkeit hat. Ich befürchte nichts Gutes!

  21. MIssverständnis....
    „Lebe wild und gefährlich“ ist ein Rat an Indidviduen, nicht an Massen oder eine ganze Gesellschaft. Bei aller Kritik an den Auswüchsen sollte man nicht vergessen, dass ohne die tumbe Masse der Arbeiterinnen kein Bienen- oder Ameisen Staat zu Wohlstand gelangt. Nur in solcher Welt ist „Lebe wild und gefährlich“ möglich.
    Wer anderes behauptet, heuchelt.

  22. OT
    selbst das Europaparlament erwacht durch den Auftritt von Tsripas
    zu Leben und wird YOUtube-fähig.

    • Leben in der Bude des EU-Parlaments
      Der Grund dafür, warum auf einmal Leben in der Bude zu herrschen scheint, scheint mir einfach der zu sein, dass man – zumindest hier auf FAZ.net – dadurch herumkommt, zu berichten, dass das EU-Parlament – um es vereinfacht auszudrücken – TTIP durchgewunken hat. Irgendwie kam mir auf der Startseite von FAZ.net kein Artikel dazu unter.
      Nur GR, GR, GR, GR und dieser mich inzwischen anwidernde Studien-Journalismus („Eine neue Studie hat gezeigt,… usw. usf. ad infinitum“). Ja, und ein Interview, wo von Frau Bähr eine Frau interviewt wird, die nicht das Sorgerecht für ihre Kinder hat. Ich weiß nicht, ob Frau Bähr, die Frau zum Opfer machen wollte. Was die Frau sagt, klingt alles in allem sehr vernünftig. Alles sehr unaufgeregt. Aus meiner Sicht hat das Paar eine gute Lösung gefunden, von der ich hoffe, dass sie auch in Zukunft hält. Interessant wurde es für mich, als ich den Info-Kasten zum Interview las. Da zeigte sich das eigentliche Problem: Nicht Männer und Frauen sind das Problem, sondern was daraus gemacht wird, z. B. in den Medien. In dem Kasten stand nämlich, dass eine Zeitung über eine Politikerin berichtet hat, die ihren Sohn nur am Wochenende sieht, und das unter einer ziemlich negativen Überschrift. Da ist doch das eigentliche Problem: Was die Medien daraus machen. Aber davon bei Frau Bähr kein Wort. Ich denke, viele Probleme würde es so nicht geben, hätten wir nicht die Art von Berichterstattung in den Medien, wie wir sie im Moment eben haben.

  23. Die Saublodere
    Lieber Don,

    kennen Sie die Elzacher Fasnet?
    Falls nicht, so sei der Besuch derselben anempfohlen, da in Ihrem Fall nicht nur der Genuß schwäbisch-allemannischen Lokalkolorits, sondern auch die Aktivierung schönster Kindheitserinnerungen versprochen werden kann.
    https://youtu.be/220o9wZ4v5s

    Grüße
    der Schuttig

  24. Vor über 100 Jahren wurde so eine Gesellschaft schon beschrieben.
    1909 schrieb E.M. Foster die visionäre Kurzgeschichte „The machine stops“. In einer „computergesteuerten“ Welt sitzen alle in Ihren unterirdischen Waben, treffen sich nicht mehr persönlich, sondern reden über das Bildtelefon miteinander. Ja, die Menschen verlassen die Waben nicht einmal mehr. Der Anblick der Erdoberfläche versetzt sie in Angst und Unsicherheit.

    Jegliche Art von Unangepaßtheit wird schon vor Beginn unterdrückt. Dies geht soweit, daß nicht die Starken aufgezogen werden sondern die Schwachen. Zu stark erscheinende Babies werden getötet.

    In dieser Welt, in der das Credo lautet „Praise the machine“ beginnt diese Fehlfunktionen zu zeigen. Und die Menschen ignorieren die Fehler zuerst – das System ist ja unfehlbar. Die Fehler werden schlimmer, kein Problem, es wird ein Komitee gegründet um die Probleme zu lösen und das lediglich mit beruhigenden Parolen agieren kann.

    Leider gibt es niemanden mehr, der über das technische Wissen verfügt, wie denn das ganze System funktioniert. Alle haben sich den Geisteswissenschaften verschrieben. Am Ende bricht alles zusammen, die Menschheit ist aufgrund ihrer eigenen Unfähigkeit und Ignoranz ausgelöscht.

    Aber es gibt Hoffnung, der Protagonist traf – wie es scheint – Menschen, die außerhalb der Waben lebten.

    Die Geschichte ist für mich deswegen so faszinierend weil sie den Kern von satten, selbstgewissen Gesellschaften skizziert, die sich nur noch mit Luxusproblemen beschäftigen muß, darüber aber die Fähigkeit verloren hat, die essentiellen Probleme lösen zu können. Eine Gesellschaft, die sich komplett in die Schutzräume der Waben zurückgezogen hat. Eine Gesellschaft, die die Gefahren und Herausforderungen der Freiheit zugunsten der absoluten Sicherheit eingetauscht hat.

    Etwas, das ich in unserer Gesellschaft immer mehr beobachte. Des Don´s Kolumne bringt oft Beispiel für diese Entropie, die immer schneller voranschreitet.

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