Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (23)
 

Tag 2: Vom Umgang mit Bastpuscheln

11.10.2012, 10:03 Uhr  ·  Willkommen auf der Frankfurter Maorimesse, wie sie im Volksmund bereits heißt. Hier ist Tag, und in Neuseeland ist Nacht. Auch im neuseeländischen Pavillion. Aber was, wenn bei uns Nacht ist?

Von

Bild zu: Tag 2: Vom Umgang mit Bastpuscheln

Ich saß gerade während der einzigen erträglichen Stunden der Messe, nämlich mittwochs vor zwölf, am Stand des Mairisch-Verlags und aß dem Personal die Haribos weg, was diese mit einer einladenden Geste quittierten, mir mehr zu nehmen, man ernähre sich seit zwei Tagen von dem Zeug. In dieser Zeit fragte mich der Mairisch-Verleger Daniel Beskos, was man gesehen haben müsse, und ich sagte: unbedingt den Neuseeland-Pavillon. Es sei meist still und dunkel dort, und es gebe nur ganz wenig Bücher. Das ist, finde ich, bei dieser Veranstaltung ein echter Wettbewerbsvorteil und der Empfehlung wert.

Es sei eben so, sagte ich, dass in Neuseeland ja Nacht sei, und deshalb sei es im Gastlandpavillon tagsüber dunkel. Aber was, fragte Herr Beskos, geschieht dort, wenn bei uns Nacht ist?

Das sei eine gute Frage, sagte ich.

Wahrscheinlich, sagte er nachdenklich, gehe es dann ganz übel ab.

Vermutlich, dachte ich mir dann, ist er hell erleuchtet. Dann marodieren dort noch mehr Maoris und klopfen sich auf noch mehr entblößte tätowierte Körperteile, als sie es während der regelmäßig stattfindenden Shows ohnehin schon tun. Es singen noch mehr sanfte und gleichzeitig eindringliche Frauenstimmen ein süßes Lied von Sehnsucht, Landschaft und komischen Beuteltieren. Vielleicht entfaltet der neuseeländische Mond, der sich im Wasser spiegelt, seine Gezeitenkräfte, und die ganze Halle wird geflutet von dieser des Tags so harmlos daliegenden schwarzglänzenden Fläche. Hoffentlich können sich Maoris und Sängerinnen und auch die Streicher, die ja mit beiden Beinen im Wasser stehen, vor den Wassermassen rechtzeitig retten, bevor sie auf die Agora gespült werden mitsamt ihren Streichinstrumenten respektive Speeren und Trommeln.

Ich mache mir Sorgen um die Maoris, sagte ich dann. Ich wisse sowieso nicht, wie ich auf bemalte Naturvölker mit Bastpuscheln reagieren solle.

Ja, sagte Herr Beskos, das sei so Ethno.

Und dann klopfen sie auf ihre nackten Körperteile, und das mache mich noch hilfloser, sage ich, weil es dann noch mehr Ethno werde, und ich wisse nicht, wie ich mit Ethno umzugehen habe, weil man nur kritisch denken lernt, aber nicht, was man zu tun hat, wenn der kritische Denkapparat Alarm schlägt. Das bringen sie einem in den Seminaren nämlich nicht bei. Weglaufen? Augen zuhalten? In einen Diskurs verwickeln? Oder einfach wortlos den Raum verlassen und Ethno Ethno sein lassen, nur eben ohne mich?

Aber Bastpuschel und nackte Körperteile seien immer noch besser als diese endlosen Anzugträgerreden.

Also die, sagt Herr Beskos, seien auf ihre Art ja auch Ethno, und man könne genauso schlecht mit ihnen umgehen.

Ich nicke und fische eines der letzten Gummitiere aus der Haribodose. Dann nehmen wir uns vor, uns abends im Neuseeland-Pavillon einschließen zu lassen, um zu sehen, was dann passiert und ob irgendetwas übel abgeht. Wenigstens dieses Rätsel muss doch zu lösen sein!

 

  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
  1 2 3  
Lesermeinungen zu diesem Artikel (23)
Sortieren nach
0 RR 14.10.2012, 13:35 Uhr

Ist der/die E.R.Langen nicht...

Ist der/die E.R.Langen nicht der typisch gehirnmutierte, vom 5-Jahresplan geprägte, nörgelnde Kleingeist?

0 Dreamtimer 12.10.2012, 05:34 Uhr

"Also, ich hab nix zu mäkeln,...

"Also, ich hab nix zu mäkeln, mir gefällt der Bericht." . Aber warum nur? . "Schon immer so gewesen, werte Andrea Diener, doch nun freuen wir uns auf Dönkes von skurrilen Begegnungen und auf literarische Fundstücke der besonderen Art." . Darum soll es gehen? Während Frau Diener infantil auf mich wirkt, ergeht sich der andere Buchmessen-Blogger wieder einmal in seinem Weltschmerz. Entsprechend gering sind die Erwartungen ...

0 mschmitz 12.10.2012, 01:54 Uhr

Selbst fuer einen Rheinlaender...

Selbst fuer einen Rheinlaender ist ein Bayer in Stammestracht Ethno. . Komische Beuteltiere? Sind Sie sicher dass Sie das nicht mit unserem Nachbarn im Westen verwechseln? Beuteltiere sind hier meines Wissens nicht einheimisch. . Schoen dass hongis, hakas und poi die Messegaeste erfreuen - nicht zu reden von den Landschaftsbildern. Da scheinen sich die paar Millioenchen zu lohnen, die unser Premier fuer den Messeauftritt lockergemacht hat. . An der Lage der Maori im Lande wir das alles leider nichts aendern - die wenigsten arbeiten in der Tourismusbranche, noch weniger in der Literaturbranche. Von surrealem Zauber bleibt im Alltag wenig uebrig, und gerade die aktuelle Regierungspartei versucht nach Kraeften verbliebene Sonderrechte der Maori zu erodieren.

0 auch-einer 11.10.2012, 21:02 Uhr

für einen maori ist ein bayer...

für einen maori ist ein bayer in stammestracht ethno.

0 salonsurfer 11.10.2012, 18:26 Uhr

"Buchmesse ist schön und...

"Buchmesse ist schön und Buchmesse ist schrecklich" und die Gastronomie natürlich auch. Schon immer so gewesen, werte Andrea Diener, doch nun freuen wir uns auf Dönkes von skurrilen Begegnungen und auf literarische Fundstücke der besonderen Art. Solche Geschichten waren von ihnen immer lesenswert und hatten auch den gewissen Dreh!

0 perfekt!57 11.10.2012, 18:07 Uhr

da harry wie bekannt aus der...

da harry wie bekannt aus der rotation kam, hat er sich wohl aufs platte land geflüchtet. da züchtet er tbuchstaben. mit ablegern aus einem ganz neuen alphabet. aber in blumentöpfen aus perlmutt. für den rechten schein. und selbstbefruchtendem, elektrifiziertem humus (standesgemäß roh-volt, pat. pending, geheißen). und zu rankstäben gerollten banknoten. damit es auch ja immer schön weiter aufwärts geht. aber über allen zipfeln ist ruh. warum auch das neue einbandmaterial der ganz neuen hardcover aus unverrottbarem kunsstofff besteht. ("guten tag, mein name ist kunststofff, kunststofff mit drei ef" genannt). damit sich nämlich alle der insgesamt auf 72 bände geplanten ausgabe sinnvoll zu einem stylischen sarkophagdeckel - stichwort "individuell-finales recycling - edel und stark" zusammenfügen lassen. (man überlege erst, und kritisiere dann: 72 ausgaben, wieviele unterschiedliche kombinationsmöglichkeiten das ergeben wird; und kein ensemble wird gleich, alle anders!) unser harry - er lebe also hoch! . und, ein vorschlag zur güte, solle man nicht auch buchmessen rotieren? . und außerdem dringend empfohlen: "arcadien - oder die arbeitswelt von morgen". http://www.arcade-xxl.de/index.php?article=414_2409 . aber was wohl besser ist, eine rinderzucht für immer auf neuseeland, oder bloß nur kurzurlaub auf koh-samui? http://www.arcade-xxl.de/index.php?article=414_2414 . keine sorge, wir alle nehmen Sie ernst. und kalle blomquist. (liegt gerne im heimischen Garten unter einem Baum und erzählt einem seiner Phantasie entspringenden Bewunderer seine fiktiven Abenteuer. wiki) (aus der serie: die besten geschichten aller zeiten, auch weiterhin auf ewig unaufgeschrieben) . und harry in ruhe angekommen - er wächst jetzt nur noch so langsam, dass er seinen pflanzen davon gleichbleibend auf augenhöhe erzählen kann. und hier schliesst sich das gehirn. . wenn herbstlaub und herbstlaube sich begegnen, decken sie einen tisch. meist unter freiem himmel, die gedanken nicht zu verdecken.

0 stimmviech 11.10.2012, 18:06 Uhr

Hätte ich die Möglichkeit,...

Hätte ich die Möglichkeit, dort einen Stand zu betreiben: er bestünde nur aus einer Sitzecke mit repräsentativer Mohrenlampe. Das wäre dann voll Ethno.

0 perfekt!57 11.10.2012, 17:28 Uhr

gut beobachtet. pralle, nackte...

gut beobachtet. pralle, nackte körperlichkeit entlarvt, verwirrt, stachelt an, also die reflexion, macht mut, stösst ab, zieht an. usw.. . und neuseeland. teils ja echt der hit. sahen gestern erst eine doku "neuseeland aus der luft". beeindruckende isel, beeindruckende menschen. . und rückzugsgebiet auch schon gewesen früher. z.b. für peter kammler, der mal, nach seiner bekannten weltumseglung, in vollkommener unschuld ein buch ("das atoll", fiktion; amazon) über geheimdienstverrat und spionage in franz. polynesien geschrieben hatte - und seid dem den angelsächsichen sprachraum auch als wohnort bevorzugt. http://www.yacht.de/panorama/news/manchmal-trauere-ich-dem-segeln-nach/a61631.html (wohl weil die deutschen mit den franzosen auch schon früher auf so vielen gebieten gut zusammenarbeiteten; egal, wir bleiben beim buch. und verstehen auch weiterhin jeden, der neuseeland wollte. und wäre es evtl.znächst in träumen. . und das buch an neuseeland ist ja eigentlich neuseeland. und körperlich relativ maximalweit entfernt liegt es hier auf erden auch. fast direkt antipodisch.

0 Jeeves 11.10.2012, 17:06 Uhr

Also, ich hab nix zu mäkeln,...

Also, ich hab nix zu mäkeln, mir gefällt der Bericht. . HM555 (Ergänzung): Bums

0 fraudiener 11.10.2012, 16:31 Uhr

Buchmesse ist schön und...

Buchmesse ist schön und Buchmesse ist schrecklich. Was ist daran so schwer zu verstehen? Das hat nichts mit dem mir so wohlfeil attestierten Bedürfnis zu tun, mir Überlegenheitsgefühle zu verschaffen -- wie auch? Ich bin da ja mit allen anderen, und wir gehen uns früher oder später gegenseitig auf die Nerven, weil alles zu eng ist und zu viel und zu groß, aber genau das macht auch den Reiz aus: Alle sind da, und es ist viel und groß. . Zum Glück muß mich hier keiner lieben. Hören Sie auf zu klagen! Lesen Sie es einfach nicht! Niemand zwingt Sie! . Don Ferrando: Nein, ich habe nichts gegen Männer im Anzug. Janz im Jejenteil. Aber zwischen "Mann im Anzug" und "Anzugträger" klafft ein himmelweiter Unterschied! Genau wie zwischen "blonder Frau" und "Blondine".

  1 2 3  

Redakteurin im Reiseblatt der F.A.Z.