Überdruck

Überdruck

Die Liebe zum Gedruckten lässt Menschen auf der Frankfurter Buchmesse wahre Torturen ertragen: Lesungen in schlecht belüfteten Räumen, Herumrennen

Moral oder legal: Das mit den E-Books ist verbesserungswürdig

Theoretisch ist das ja ganz toll. Aber haben Sie selbst schon einmal ein E-Book eingerichtet? Es ist die Pest. Digitale Steinzeit. Unausgereift. Zukunft hilf!

Es ist ja, was diese E-Books angeht, ungefähr so, dass man sich entscheiden muss, ob man sich moralisch richtig oder gesetzlich legal verhalten will. Man kann, Möglichkeit eins, zu Amazon gehen, dem bösen großen Monopolisten, der seine Mitarbeiter und wer weiß wen noch alles ausbeutet, lebt und liest dort in einem abgeschlossenen Rundum-sorglos-System, wenn einen die eigenen Daten nicht groß kümmern, und bekommt mit Informationen wie der durchschnittlichen Seitenlesedauer und verbleibenden Restlesezeit das Hirn gepudert.

Das macht man als verantwortungsvoller Konsument ja lieber nicht mit, am Ende bekommt der Verlag noch die Stellen, an denen man stockte, um die Ohren geprügelt, und so etwas Privates behält man doch gern für sich. Man tut also das moralisch einzig Richtige und kauft einen Reader offenen Formats, unterstützt den deutschen Mittelstand und liest nur noch Nullachtfuffzehn-Bestseller in der eigenen Landessprache, denn die Auswahl in den hiesigen Mittelständler-E-Book-Shops ist nach wie vor reichlich lückenhaft. Das wäre natürlich dämlich.

Wer nicht dämlich sein will, greift zu Konvertierungstools, die eigentlich ganz legal erworbene und mit echtem Geld bezahlte Amazon-Formate umwandeln, um sie auf dem fairen Lesegerät für Mittelständler lesen zu können. Das geht meistens nur, wenn man den DRM-Code knackt, was für „Digital Rights Management“ steht und natürlich mit Rechten zu tun hat, die man dabei verletzt. Das wiederum ist nicht legal.

So, und jetzt Sie. Was machen Sie als mündiger Verbraucher? Sind Sie lieber unmoralisch oder gesetzeswidrig oder einfach nur dämlich? Für eins davon müssen Sie sich als Kunde der schönen digitalen Lesewelt nämlich entscheiden. Dabei ist es in der Theorie so einfach: ein schickes schlankes Gerät, darauf stromsparend ziemlich viel Text und Platz in Regal und Reisekoffer.

Mich hat das Konzept anfangs auch überzeugt, ich bin ja viel unterwegs und schleppe dauernd halbgelesene Bücher herum und dann noch eins, falls man das erste ausliest, und ein drittes, falls man auf das zweite vielleicht doch keine Lust hat. Inzwischen aber schaue ich mir mein fair gehandeltes deutsches Mittelstandslesegerät an und denke: Es muss besser gehen. Ich will weder unmoralisch sein noch mit Grauzonen-Plugins herumtun, noch bin ich gern dämlich. Zukunft, hilf!

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