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Das Netzweltblog

Kriegsspiel in der Hosentasche

Drohnen sind schrecklich faszinierend. Sie rücken den Krieg in den Alltag, unter anderem per App, die bei Angriff alarmiert, obwohl man selbst nicht betroffen ist.

© dpaAm 12. Dezember 2013 wurden in Jemen 13 Menschen einer Hochzeitsgesellschaft durch amerikanische Drohnenangriffe getötet. Zur Veranschaulichung der Katastrophe wurde dieses Modell gebaut.

Diese These braucht fast keine Forschung, sie ergäbe sich ebenso durch Nachdenken über das, was seit Jahren geschrieben wird: Die Wahrscheinlichkeit, dass Zivilisten bei militärischen Angriffen sterben, wächst, wenn mehr Drohnen und weniger bemannte Kampfflugzeuge zum Einsatz kommen.

Lawrence Lewis, ein Forscher des Center for Naval Analyses, der sich diesem Phänomen annahm und amerikanische Angriffe über ein Jahr auswertete, kam dann doch zu einem überraschenden Ergebnis: Den als „präzise“ geltenden gezielten Angriffen per Drohnen folgen zehn mal mehr zivile Todesopfer als konventionellen Luftschlägen.

© AFPDiese Überwachungsdrohne einer Friedensmission der Vereinten Nationen stürzte Anfang des Jahres im Kongo ab.

Wenn der Mensch nicht mehr in der Maschine sitzt, ändert sich der Umgang mit ihr. Mit zahlreichen Folgeproblemen, unter anderem, dass Drohnen viel häufiger abstürzen als benannte Flugzeuge. Das liegt nicht nur am Verhalten der Piloten, die Drohnen aus sicherer Entfernung und folglich wahrscheinlich etwas waghalsiger steuern. Es liegt auch am Interface-Design. Wenn Steuerknöpfe eher kosteneffizient als ergonomisch im Cockpit verteilt werden, drücken Piloten mit höherer Wahrscheinlichkeit mal einen falschen.

© APOhne Drohnen sähen die Olympischen Spiele nicht so schön aus.

Das Thema Gamification liegt zurecht auf dem Tisch, auch im Krieg. Wenn Menschen nur noch punktuell als Spezialisten gebraucht werden, muss man sie aufwendig bei der Stange halten. Dabei geht es um alle Formen des Spezialistentums: Um Piloten, die über lange Zeit einem Autopiloten zusehen, aber auch um Fabrikarbeiter, die nur hin und wieder einem Roboter zur Hand gehen, der die Drohnen baut.

Und wenn man so will, spielt Gamification auch dabei eine Rolle, Menschen über die modernen Kriege zu informieren. Der Software-Entwickler und „Datenkünstler“ Josh Begley schrieb eine App namens „Drone+“, die auf einer Karte alle nachrichtlich erwähnten amerikanischen Drohnenangriffe anzeigt. Apple lehnte die erste Version der App ab, es mangele ihr an „Unterhaltsamkeit“, sie sei geradezu nutzlos, teilte das Unternehmen mit. Unter dem nicht weniger treffenden Namen „Metadata+“ ist sie nun doch erhältlich.

Zum Teufelszeug wurden die automatischen und autonomen Flugmaschinen allerdings nicht grundsätzlich. Offenbar gilt noch die einfach Regel, umso kleiner Drohnen sind, desto weniger lassen sie sich militärisch nutzen. Aber wer weiß, wie lange das noch gilt.

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