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Das Netzweltblog

Nicht ganz allein mit dem Präsidenten

Zwei Menschen und ein Smartphone, mehr braucht ein geselliges Selfie eigentlich nicht. Einmal mehr wird allerdings über die Rolle der Hersteller und die neue Form von Werbung diskutiert.

© twitterDavid Ortiz und Barack Obama im Weißen Haus

Die Lüge steckt schon im Namen, niedlich verkürzt: Junge Menschen stehen vor einem Spiegel, betrachten sich selbst und verwandeln diesen kurzen und eigentlich sehr intimen, impressionistischen Moment in eine Darstellung ihrer selbst. Ein Tastendruck und der private Blick wird zum expressiven Artefakt einer neuen auf Darstellung und Performance getrimmten Weltgesellschaft. Kein Moment soll mehr verloren gehen, verspricht und fordert die Technologie.

Wie sich allerdings immer häufiger herausstellt, ist damit nur die erste Facette der neuen Verwirrung beschrieben. Die Spontanität ist eine Lüge, und die Intimität auch. Dass Hollywood-Schauspieler nicht einfach so vor eine Kamera treten, lässt sich noch gut erklären. Am Dienstag wurde nun allerdings auch Barack Obama zum Werbegut von Samsung. Beim Besuch der Boston-Red-Sox-Baseballspieler zückte Mannschaftskapitän David Ortiz sein Handy und knipste ein Präsidenten-Selfie.

Wie nun vermutet wird, hat Samsung zuvor zur Präsidentenjagd gerufen. Mehrere Stars und Sternchen erhielten offenbar Telefone und Taschengelder dafür, den Präsidenten in ein Selfie zu verwickeln, das unbedingt mit einem Samsung-Telefon geschossen werden sollte. In sportlicher Lässigkeit werden die Umstände von David Ortiz so beschrieben: „Samsung gab mir dafür Telefone und anderes Zeug.“ Als das Bild da war, legte Samsung den Rest in die Wagschale, retweetete das Bild und buchte bei Twitter die übliche Promotion.

Das ist die neue Werbewelt: Authentisch scheinende, private, fast intime Momente, die von den Protagonisten selbst als einzigartig im Leben beschrieben werden, sind tatsächlich Werbeveranstaltungen. So geregelt, dass David Ortiz später behaupten kann, es habe keinen Deal mit ihm und Samsung gegeben, dieses Bild zu schießen. Auf der anderen Seite freut sich Samsung darüber, wieder einmal Menschen und der Menschheit dabei geholfen zu haben, ein Stück weit näher zusammenzurücken. So ist der Sport und seine Sponsoren.

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