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Das Netzweltblog

Unmut über Google

In Kalifornien wird seit langem gegen IT-Unternehmen demonstriert, vor Bussen, Wohnhäusern und Unternehmenszentralen. Am Mittwochabend störten zwei Protestierende den Auftakt von Googles Entwicklerkonferenz.

© GoogleDorothee Bär Anfang Juni bei Google in Berlin.

Dorothee Bär, die mit der digitalen Infrastruktur betraute Staatssekretärin im Verkehrsministerium, offenbarte Anfang des Monats die Grundzüge ihres politischen Denkens. Auf einer Google-Veranstaltung in Berlin sagte sie: „Die Tragweite der Entwicklungen werden nicht mehr in Dekaden berechnet, noch nicht mal in Jahren. Eigentlich rechnen wir von Keynote zu Keynote.“ Sie sprach über die Politik, in einer Zeit, in der Google, Amazon und Apple den Ton angeben. Alle drei Unternehmen veranstalteten im Juni Keynotes, in denen sie ihre Produkte und Entwicklungen vorstellten.

Politisch geht es deswegen auf den Bühnen allerdings nicht zu, eher im Gegenteil. Google vermied am Mittwochabend fast alles, was öffentlich als umstritten gilt. Keine Erwähnung des automatischen Fahrens, keine Vorführung der Datenbrille, keine Hinweise auf Roboterentwicklungen oder die Erforschung künstlicher Intelligenz. Dann geschah es aber doch: In der ersten Reihe stand eine Frau auf und reckte ein T-Shirt in die Höhe. Auf ihm war zu lesen: „Entwickelt ein Gewissen, stoppt Jack Halprin.“

Gegen den Google-Mitarbeiter Halprin wird seit geraumer Zeit demonstriert. In dem ohnehin verfahrenen Konflikt zwischen dem Unternehmen Google und der Stadt San Francisco wurde er zum Symbol des Streits. Während viele Bewohner der Stadt unter der Anwendung des Ellis Acts leiden, einem Gesetz, das Vermietern erlaubt, außerordentliche Wohnungskündigungen durchzusetzen, fällt Halprin eine Doppelrolle zu. Er ist zum einen Anwalt bei Google und zum anderen einer der Hausbesitzer, dem die Mietverträge eines gesamten Straßenzugs zum Opfer gefallen sind.

Google Chef Larry Page saß im Publikum, er hat den Protest in der ersten Reihe bemerkt, auch wenn in der Liveübertragung kaum etwas zu bemerken war. Googles Kameras haben die Frau nicht eingefangen und Dave Burke, Android Engineering Director bei Google, hat sich in seinem Vortrag nicht unterbrechen lassen. Er war und wurde gut vorbereitet.

Für den Schweizer Urs Hölze, Vice President of technical Infrastructure bei Google, galt Gleiches rund eine Stunde später nicht ganz. Als er redete, rief ein weiterer Protestierender aus den hinteren Reihen: „Ihr alle arbeitet für ein totalitäres Unternehmen, das Maschinen baut, die Menschen töten. Ihr wisst, dass es wahr ist.“ Auch diese Aktion wurde nicht von den Kameras eingefangen, waren aber deutlich zu bemerken. Wenn es stimmt, womit zu Beginn für die Veranstaltung geworben wurde, sahen rund eine Million Menschen zu, wahrscheinlich nicht nur deutsche Politiker.

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