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Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Charity im Alltag: Die Spendensammeldose

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Jemand hält Ihnen eine Spendensammeldose unter die Nase – wie verhalten Sie sich? Das kommt natürlich darauf an. Ja sicher. Aber worauf? Und wenn es dauernd auf irgendwas ankommt, kommt man kaum noch dazu, überhaupt mal jemandem etwas zu geben.

Zum alljährlichen Fest der Liebe zirkuliert ja immer eine Menge Geld. Diejenigen Glücklichen unter uns, die noch ein richtiges Angestelltenverhältnis haben, bekommen Weihnachtsgeld, alle anderen geben zumindest einiges aus, um ihre Lieben zu beschenken. Die Jüngeren unter uns, die die Familie besucht haben, bekamen von den Eltern ein paar Scheine zugesteckt, die nun sicherlich nicht im Sparschein landen, sondern unters Volk gebracht werden. Im besten Fall helfen sie, den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz eines qualifizierten Werktätigen sowie eines innenstadtnahen Fachhändlers zu erhalten, im schlimmsten Fall subventionieren sie Sweatshops in weit entfernten Ländern und eine Konsumhölle in einem Betonquader auf der grünen Wiese.

Und während man so mitten im schönsten Erwerben begriffen ist, flankieren den Weg: Tierschützer mit Spendendose, zwei Männer mit Zirkuspony und Spendendose, ein junger Mann, der auf einer Gitarre spielt und etwas Russisches dazu singt mit Spendendose, eine Horde Punks mit Hunden und ein alter Mann mit Rollstuhl und Spendendose und der freundliche Bettler von der Schillerstraße mit Pappbecher. 

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In Städten bitten immer viele Menschen um eine milde Gabe, die meisten von ihnen kennt man auch, aber um Weihnachten herum sind es gleich doppelt so viele. Zur Weihnachtszeit trudelten auch immer die Bettelbriefe ein mit den mundgemalten Postkarten darin und Anschreiben, auf denen einen großäugig Kinder aus weit entfernten Ländern anschauten. Zeitungen veranstalten Spendenaktionen, Gemeinden veranstalten Spendenaktionen, Geschäfte, Friseure und Tierheime veranstalten Spendenaktionen.

In meiner Familie herrschte keine besonders freigiebige Mentalität, und so wurden diese Briefe, wie auch die vielen Spendendosen am Rande der Zeil, so weit als möglich ignoriert. Man kaufte vielleicht einen Strohstern auf dem Weihnachtsbasar der Gemeinde, aber wenn die Sternsinger läuteten, stellte man sich tot. Ein Reflex übrigens, der mir bis heute eigen ist. Aber ist es denn wirklich so, daß Menschen zu Weihnachten freigiebiger werden? Ist die Bereitschaft, etwas abzugeben, gerade dann größer, wenn man ohnehin schon hunderte Euro für Geschenke rausgehauen hat? Vielleicht verschieben sich dann die Relationen, und ein, zwei Euro werden leichter verschmerzt.

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Wie halte ich es denn mit der Wohltätigkeit, für die es natürlich auch schon einen häßlichen neudeutschen Begriff gibt – Charity? Das leitet sich von der Caritas her, der christlichen Tugend der Nächstenliebe, klingt aber, in englischer Form, schon wieder nach wohlorganisierter, sauberer, von toupierten Gattinnen in Chanelkostümen durchgeführter Alibiveranstaltung. Ungefähr das, was früher einmal mit der Vorsilbe „Benefiz“ versehen war und meistens im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Eine irgendwie muffige Angelegenheit, bei der Geld gesammelt wird, das dann in dunklen Kanälen versickert, man hört ja so viel schlechtes.

Ich für meinen Teil mißtraue auch den meisten Wohltätigkeitsorganisationen. Vielleicht bin ich da irgendwie zu desinteressiert, aber ich habe nie für die üblichen kirchlichen Missionen in Schwellenländern gespendet. Ich weiß nicht, was die dort machen, ich kann das nicht nachprüfen, und ich weiß auch nicht, ob das an der Lage der Menschen dort wirklich etwas verbessert. Bis zu meiner Aufklärung beschränke ich mich auf lokale Wohltäter, dort kann ich jederzeit hinspazieren und schauen, was mit dem Geld geschieht. Ich tu es nicht, aber ich könnte. Was natürlich auch völlig irrational ist.

Genauso irrational wie der Anspruch, daß spenden irgendwie zeitgemäß und sexy zu sein hat, um das positive Verkaufsadjektiv Nummer eins mal wieder zu strapazieren. Nichts ist weniger sexy als das Leid und die Armut anderer Menschen, also sollte man sich vielleicht einfach mal nicht so haben und die ein oder andere Überweisung klarmachen. Spendenquittung nicht vergessen, kann man ja von der Steuer absetzen.

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Es ist alles nicht so einfach, denn sogar in Sachen Wohltätigkeit herrscht die übliche popkulturelle Etikettierung und Einsortierung. Man sollte es zum Beispiel nicht übertreiben, sonst bezeichnen einen andere noch als Gutmensch. Insofern sollte man zwar Gutes tun, aber möglichst nicht darüber reden, um keinen moralischen Druck zu verbreiten. Oder nur mit denen reden, bei denen man sich sicher sein kann, daß man ihnen auf Augenhöhe begegnet. 

Und man, also ich, brauche einen Plan. Ich habe mir daher einen, wie immer völlig irrationalen, Wohltätigkeitsplan zurechtgelegt: Ich spende für kulturelle Einrichtungen, indem ich mich niemals auf meinen blöden Presseausweis berufe. Ich spende auf der Straße immer dann, wenn Frauen mich freundlich fragen, seien es Punkmädchen oder obdachlose Frauen. Freundlich ist natürlich subjektiv, aber egal. Ich spende immer für den netten Bettler an der Schillerstraße, den mit dem weißen Rauschebart, also nur für freischaffende, selbständige Bettler und immer dann, wenn ich gerade ein besonders großes Trinkgeld bekommen habe. Das hat weder Sinn noch Plan, führt aber immerhin dazu, daß ich überhaupt etwas spende, denn mit Mißtrauen kann man sich aus so gut wie jeder Spendensituation herausreden und am Ende bekommt niemand, der in Not ist, überhaupt je etwas. Das kann ja auch keiner wollen.

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22 Lesermeinungen

  1. Ich spende nur und...
    Ich spende nur und ausschließlich Lebensmittel. Sei es auf der Arbeit, dass abgeschriebene Ware nicht im Container landet, sondern so bereit gestellt wird, dass die noch uz essen ist, oder sei es, dass ich gerade einkaufen war und von meiner prall gefüllten Tüte etwas entbehren kann. Dann spende ich auch, doch niemals Geld.

  2. An Hundepunks spenden heisst...
    An Hundepunks spenden heisst delegiertes Saufen (Max Goldt).

  3. "Ich spende ... also nur für...
    „Ich spende … also nur für freischaffende, selbständige Bettler“ Provokant: Wahrscheinlich wird sie mal so einen heiraten. Nur anders. (Schon die besten Frauen hielten das u. u. so. Und macht bestimmt ein interressantes, vielfältiges und gelungenes Leben. „Eher mehr jenseits von Selbstentfremdung als weniger“.)
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    (Mal wieder nur am Rande: „Diejenigen Glücklichen unter uns, die noch ein richtiges Angestelltenverhältnis haben…“ „Wie bitte?“ Oder: Siehe oben: der Mensch braucht eine/seine richtige Aufgabe im Leben (wie der Bettler vielleicht eine hat, jenseits des Teils von ihm, der da auf der Strasse öffentlich wird, aber doch kein „Angestelltenverhältnis“. Das kann man haben, solte sich aber der Einschränkungen, die dieser Entfaltungsraum bietet durchaus bewußt sein. Auch daher legt, wie wir meinen, jede vernünftige Erziehung auch weiterhin Wert darauf, den Unterschied zwischen „Stelle“ („bloß“) und „Aufgabe“ zu vermitteln, führt den eigenen Nachwuchs wo (noch) erforderlich.))
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    Unsere Reiseempfehlung heute ist Nizza, die vielfältige Stadt, für manche evtl. passend zur Jahreszeit: http://frankreich-reisen.suite101.de/article.cfm/nizza_perle_an_der_cote_dazur . Es gibt sogar eine „Terasse Frederic Nietzsche“ mit wunderbarer Aussicht. (Siehe Bild im Link)

  4. Frauen sind im Grunde nie...
    Frauen sind im Grunde nie völlig irratinal. Das haben sie sich oft nur zu lange von „dummen Männern“ (oder sich selbst entfremdeten Frauen) sagen lassen.
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    Schon oft drückte „irrational“ nämlich genau das Richtige aus: Entsprach den eigenen Bedürfnissen – und tat oft auch der Gesellschaft gut und not.
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    Grüße also.

  5. Tschonni, stimmt, manchmal...
    Tschonni, stimmt, manchmal spende ich auch übriggebliebene Croissants. Aber manchmal doch auchn Euro, ich trage ja nicht immer zufällig Tüten mit Lebensmitteln herum. Und auch nur selten Flaschen.
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    Filou, Hundepunks sind auch Folklore, nur nicht so laut wie diese nervigen Panflötenindios.
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    perfekt, bitte fragen Sie mich nicht, wie selbstentfremdet ich bin. Meistens ist das nicht vorhandene Angestelltenverhältnis ganz großartig, aber dann denkt man doch, ach, so Rente und Krankengeld und bezahlter Urlaub sind ja auch was feines.
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    Ach, Frauen, ich weiß nicht. Ich zähle mich da eh nie dazu, ich telefoniere ja auch nicht gern, kann aber dafür Karten lesen.

  6. Sieh da – man lernt nie aus...
    Sieh da – man lernt nie aus – so war mir bislang nicht bekannt, das der Presseausweis offenbar zum kostenfreien Eintritt in kulturelle Einrichtungen berechtigt. Schön zu hören, das Sie von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen.
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    Unabhängig davon, finde ich es gleichermaßen erstaunlich wie erfreulich, dass Sie ganz offensichtlich nichts Negatives daran finden, an echten wie vermeintlichen Feiertagen sowie den Lückenfüllern dazwischen tätig zu sein.
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    Da ich dies ebenso handhabe, scheint uns das, von den Bonsais mal abgesehen, zumindest in dieser einen Sache zu verbinden. Über Gutmensch, moralischen Druck und Augenhöhe schlafe ich noch eine Nacht, oder zwei.
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    Da es in meiner Wahlheimat nun bereits nach Mitternacht ist, darf ich Ihnen und den FAZ Kollegen hiermit ein frohes neues Jahr nebst Erfolg und viel Freude in selbigem wünschen.

  7. Ja natürlich. Ging uns, wie...
    Ja natürlich. Ging uns, wie meist, darum von unserer Erfahrung zu berichten:
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    Dinge und Dinglichkeit lassen die am Worte Interessierten halt oft mit gemischten Gefühlen zurück. „Liegt eben in der Natur der Sache.“ (g) .
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    Denn die Wortinteressierten brauchen oft nicht viel: Vier Wände, Heizung, Sofa. (Die Trivialität ausgesprochen: „Und was vermag die Strasse dem dann noch hinzuzufügen?“)
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    Ein paar gute Wanderschuhe gehören allerdings wohl sicher noch dazu, stehen sicher unter jedem guten Sofa. Und gute, selbstgestrickte Socken weiß auch jede kluge frau sich ganz zu verschaffen. Nichts leichter, als das. Unser Favorit also in diesen Stunden: http://www.amazon.de/Spazierg%C3%A4nge-Cote-d-Azur-Literaten/dp/3716021695/ref=sr_1_5?ie=UTF8&s=books&qid=1262276846&sr=1-5 . (Weiterhin mehr „Bewegung an Cote d’Azur“also statt „Takko“)
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    Natürlich treibt das Jetzt die schönsten Blüten. Man muss sie nur nicht alle ernst nehmen, g. Und auch die nicht ernst nehmen, die sie ernst nehmen. Hier: „LaminatePark“ http://www.laminate-park.de/index.php?unternehmen – Sicher ein guter Link, auch für Don. Echter Geheimtipp für die zukünftigen Tegernsee-e auch (Pluralversuch), nes pas? „Als einer der innovativsten Produzenten weltweit, liegt unsere Kernkompetenz im Bereich Laminatböden.“ Schön. Da gehört sie wohl auch hin. Und laß sie bloß da. Die Kompetenz. Liegen nämlich. Im Boden.

  8. Ich gestehe, ein wenig geizig...
    Ich gestehe, ein wenig geizig zu sein mit dem Spenden. Grund zum Misstrauen gibt es sicher genug, manchmal wäre aber eben auch Großzügigkeit angebracht. Nur – wann und bei wem? Aber immerhin kaufe ich TransFair-Produkte und außerdem regelmäßig den BankExpress, eine erstaunlich gut gemachte und interessante Obdachlosenzeitung. Da lege ich dann gerne auch noch den einen oder anderen Euro drauf. Und in beiden Fällen habe ich das gute Gefühl, auch eine Gegenleistung zu bekommen, zudem die Sicherheit, nicht durch das Spielen mit meinem schlechten Gewissen hereingelegt zu werden.

  9. Liebe Frau Diener, seien Sie...
    Liebe Frau Diener, seien Sie unbesorgt, wenn Sie zuviel Ihres Geldes spenden, wird man Sie als „großzügig“ oder als „Guten Menschen“ bezeichnen, jedoch nicht als „Gutmenschen“.
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    Um als „Gutmensch“ zu gelten, muss man mit dem Geld *anderer Leute* großzügig sein.

  10. Herr Waldherr, ich habe...
    Herr Waldherr, ich habe während meines Studiums schon als Wochenend- und Feiertagsaushilfe im Museum gearbeitet und bin das daher schon seit Jahren gewohnt. Also das Feiertagsarbeiten. Auf der anderen Seite die vielen Versuche, sich freien Eintritt zu verschaffen. (Studentenjobs sind überhaupt ziemlich charakterbildend, das wird bei den ganzen Bologna-Bestrebungen immer leichtfertig unterschlagen.)
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    Barocke Hörerin, weil TransFair-Produkte meistens auch besser sind, fällt einem das Tun des Guten dabei besonders leicht, man bekommt ja einen Mehrwert. Ich glaube auch, wenn Spenden eine Art Handel darstellt, tun sich beide Seiten damit leichter. Auch die Nehmerseite. Wobei die Leistung einigermaßen freiwillig sein sollte, Zwangsbedudelung in S-Bahn-Wagen mag ich überhaupt nicht.

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