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Bastelanleitung für Allegorien: Die Putte

02.11.2011, 07:33 Uhr  ·  Nicht mehr lange, dann werden Geschenkideen immer teurer. Deswegen hier schon mal eine Anleitung für Überraschungen, die da sind: wohl überlegt, übertragbar und einfach zu basteln.

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Bald ist Weihnachten, da können wir schon mal anfangen uns zu überlegen, was wir den lieben Freunden und der buckligen Verwandtschaft dieses Jahr unter den Baum legen. Am besten etwas Persönliches oder Selbstgemachtes. Wie wäre es mit etwas Gebasteltem? Das die Persönlichkeit des Beschenkten einbezieht, – Aufmerksamkeit für die eigenen Belange hat schließlich jeder gern. Ich habe da eine Idee für Sie.

Als Grundlage braucht man bloß ein Bild von einer Putte, also einen von diesen kleinen moppeligen Engeln, die auf Raffaels oder Rubens Gemälden umherschwirren. Ihr Gesicht ist freundlich, unbedarft und stupsnasig. Ihrer Unschuld ungetrübt, ihr Wesen weltlichen Belangen übergeordnet. So lassen sie sich sehr gut mit Symbolen kollagieren. Das Ganze in einem Fotorahmen gepackt und fertig ist das Geschenk.

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Für die Freundin, die eine Beziehung mit einem Mann des Typs “heiratsfaul” führt, nimmt man also eine Putte und fügt hinzu: Eine Wasserwaage und einen Felsen. Denn als eine dieser klugen Frauen zügelt sie ihre Ungeduld, endlich in die kkk-Lebenssituation überzutreten: Kirche, Kinder, Kuchen. Die gegenseitigen Erwartungen wägt sie ab, übt sich in Selbstzähmung und gibt ihrem Mann Raum zu reifen. In der anderen Hand hält sie einen massiven Felsen, der sich seiner Natur nach eben nicht von wechselnden Strömungen verrücken lässt, denn “die Hölle nicht zu begehren, ist eine Form des Widerstands”, fand schon Friedrich Kittler.

Gut lässt sich der Freund allegorisieren, der gerne Pläne für den Urlaub, den Montagabend oder Silvester schmiedet. Ungern jedoch stimmt er sich darüber mit der Betroffenen ab. Erst entscheidet er, dann kommuniziert er, – eventuell. Ein solcher wird also ausgestattet mit bereits gelöstem Ticket, einem Fernrohr und einem Pflaster auf der Brust, schließlich ist er tief gekränkt, wenn seine Pläne nicht auf Begeisterung stoßen.

Hat sich jemand in Ihrem Freundeskreis frisch verliebt, aber leider sieht es gar nicht danach aus, dass diese Verbindung eine guten Verlauf nimmt? Doch Verliebte lehnen jede Warnung ab, weil ihre Situation alternativlos ist. Wir nehmen also eine Putte mit besonders liebreizendem Gesichtsausdruck und strahlenden Augen und fügen ihr drei Hämmer hinzu: einen am Herz, einen auf dem Kopf und einen besonders schweren auf dem Fuß, damit sie dem Begehrten nicht hinterlaufen können. Außerdem lässt man die süße Gestalt sich setzen: auf eine Zeitbombe.

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Zwingend an Weihnachten zu bedenken ist die Familie.

Den Väter-Putten könnte man eine Batman-Maske aufziehen, sind sie doch ihr Leben lang in der Beschützerrolle fest verankert und verfolgen, was sie von sich erwarten: Stärke in allen Belangen. In der Hand hält die Vater-Putte ein frisch gepflücktes Gänseblümchen, das seinen Kopf noch aufrecht hält. Er will dem anderen doch so gerne eine Freude machen.

Ach, und die Mütter-Putten, sie kriegen eine Nadel in der Hand. Die können sie praktischerweise gleich für mehrere Zwecke nutzen. Zum einen flicken sie damit, was kaputt gegangen ist: Den vom Hund massakrierten Teddybären, Löcher im Pullover oder Seelenrisse. Zum anderen können sie den anderen pieksen. Schließlich wollen sie doch nur das Beste, doch davon scheinen die Lieben weit entfernt. Wenn man doch ein Mal nur auf sie hören würde. Da das aber meistens keiner will, machen sie sich Sorgen. Also gibt es für die Mutter-Putte noch eine Harfe in die andere Hand: Musik beruhigt die Nerven.

Wem man auch ein Weihnachtsgeschenk machen sollte, sind die, bei denen das Jahr dermaßen schlecht gelaufen ist, dass sie ein Königreich eintauschen würden, um es streichen zu können. Die eine Diagnose oder eine Nachricht erhalten haben, wonach das Leben aussetzte und Schmerz geradeaus in einen rabenschwarzen Abgrund führte. Ihre Putte kriegt in die eine Hand gleich drei Pfeile. Den ersten schmeißen sie blind vor Wut, die ihnen zusteht. Den zweiten, weil ein Unrecht selten allein kommt. Und den dritten für den Ersten, der dazu auch noch eine dumme Bemerkung parat hat.

In der anderen Hand jedoch liegt ein grün-roter Apfel, der aus einem wunderschönen Herbstgarten stammt. Ein Apfel aus festem Fleisch, mit süßem Saft und dünner Schale. Because an apple a day keeps the doctor away. Außerdem steht diese Putte nicht auf hartem Boden, sondern auf einer Wolke, die weich ist, damit der Fall nur blaue Flecken hinterlässt, und gleichzeitig ist diese Wolke voller Spannkraft wie ein Trampolin, so als würden wir fallen, um das Aufspringen zu üben.

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Aber genug erzählt. Wie würden Sie Ihre Putte basteln?  

 

 

 
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