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Partys wollen eskortiert sein: Die Gästeliste

14.02.2012, 09:26 Uhr  ·  Gäste einander vorstellen, ihre Stimmung im Blick haben, Außenstehende integrieren: Das sind die klassischen Qualitäten eines guten Gastgebers und mehr noch der Gastgeberin. Keine leichte Aufgabe, vor allem auf halbprofessionellen Veranstaltungen, wo der erste Eindruck teuer ist.

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Wir lesen zurzeit viel über die Netzwerk-Partys unseres Bundespräsidenten. Jeder, der selber mal eine größere Einladung geschmissen hat, weiß: Alles muss gut überlegt sein.  Vor allem, sobald Leute zusammengebracht werden, die sich noch nicht kennen. Die Herausforderung bei halbprofessionellen Events, die per se als steif und spießig verschrien sind, ist noch größer. Die Mischung muss stimmen. Für Unterhaltung sorgen die Lässigen, die unter dem Motto erscheinen „Nothing tops a free drink”. Die Aura der Bedeutung bringen die Mächtigen mit und mitten drin stehen die Gäste mit ganz konkreten  Zielen. Man will eine Information unterbringen, Aufmerksamkeit wecken für die eigenen Interessen und Kontakte knüpfen. Wie bringt man also all diese Menschen zusammen? Keine leichte Aufgabe.

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Es darf nicht aufdringlich wirken, nicht so herrlich plump wie in der ersten Folge von „Kir Royal”. Mario Adorf spielt den provinziellen Großindustriellen Heinrich Haffenloher, der unbedingt den wichtigsten Mann Münchens, den Gesellschaftsreporter Baby Schimmerlos, kennenlernen will. Erst wird Haffenloher beschämend ignoriert, dann lässt sich Baby Schimmerlos doch auf ein Treffen ein und Heinrich Haffenloher macht seinen Punkt:

„Schimmerlos, ich mach dich nieder, Schimmerlos. Wenn du mich jetzt hier stehen lässt wie einen Deppen, dann mach ich dich nieder.”

„Was?” Schimmerlos bleibt noch cool.

„Ich ruinier dich, ich mach dich fertig. Ich kleb’ dich zu, von oben bis unten.”

„Ja, mit dem Kleber”, zum letzten Mal spottet Schimmerlos.

„Mit meinem Geld. Ich kauf dich einfach.” Haffenloher schließt genüsslich seine Armbanduhr. „Ich kauf dir ne Villa, dann stell ich dir noch nen Ferrari davor. Deinem Weibchen schick ich jeden Tag nen Fünfkaräter. Ich schieb es dir hinten und vorne rein. Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick dir jeden Tag Cash, im Koffer. Das schickst du zurück. Einmal, zwei Mal, vielleicht sogar ein drittes Mal. Aber ich schick dir jedes Mal mehr und irgendwann kommt dann mal der Punkt, da bist du so mürbe und so fertig, und die Versuchung ist so groß, dann nimmst du es. Und dann hab ich dich. Dann gehörst du mir. Dann bist du mein Knecht und ich mach mit dir, was ich will. Verstehst du Junge, ich bin dir einfach über. Gegen meine Kohle hast du doch gar keine Chance. Begreifst du das denn nicht, mein Junge? Mensch, Baby, Junge, ich will doch nur dein Freund sein. Komm, und jetzt sag Heini zu mir.”

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Nein, so weit sollte es ein geschickter Partymanager nicht kommen lassen. Viel subtiler muss die Gesellschaft gesteuert werden. Bloß nicht zu offensichtlich, trotzdem dürfen die Chancen nicht verstreichen, – soviel Zeit hat der Mächtige nun auch wieder nicht.

Von privaten Einladungen kennt man es, dass der Gastgeber und noch mehr die Gastgeberin als eine Art Klebstoff fungieren. Damit der Abend gelingt, braucht man ein Auge dafür, dass keiner außen vor  bleibt. Man muss galant wieder integrieren, der plötzlich am Rande der Gesellschaft steht oder bemerken, dass einer aus einem Gespräch gerettet  werden muss. Das ist schon unter Freunden eine Herausforderung. Wie viel größer muss der Erfolgsdruck sein, wenn sich  die ganze Angelegenheit in einem professionellen Rahmen abspielt?

Schauen wir uns nur mal eine eigentlich simple Handlung genauer an: das Vorstellen. Mit reiner Namensnennung ist es nicht getan. Einen ersten Eindruck kann man nicht wiederholen. Dennoch sollen, müssen gar, diese beiden sich gut verstehen. Da darf nichts schief laufen. Wer vorstellt, sollte auch in ein Gespräch hineinführen können, am besten charmant, damit alle Beteiligten den Moment als angenehm empfinden. Man braucht genügend Übung, um das Gespräch im Notfall auch weiter begleiten zu können, um sich dann dezent wieder auszuklinken.

Oder, was auch nur auf Augenschlag zwischen den Organisatoren und dem Team funktionieren muss: Jemanden von seiner Begleitung trennen, damit sich der richtige Moment für ein Gespräch erst ergeben kann. All das darf nicht dem Zufall überlassen werden.

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Man darf ruhig sagen, dass man diese Gastgeber-Qualitäten häufiger bei Frauen als bei Männern findet. Schließlich haben Frauen ein stärkeres Gespür für soziale Gefüge und grundsätzlich bessere Antennen für ihr Umfeld. Deswegen eignen sich Frauen auch am allerbesten, um einen solchen Abend oder gar einen mehrtägigen Urlaub zu eskortieren. Besonders, wenn sie hübsch anzusehen sind.  

So würde ich es zumindest organisieren. Bin ich froh, dass ich - heute und immer -schon was Besseres vorhabe.

 

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