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Ding und Dinglichkeit

Ding und Dinglichkeit

Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die

Die Scheu vor dem Punkt: Das :-)

| 66 Lesermeinungen

Auf immer mehr Kanälen und daher stetig kürzer textet man sich gegenseitig den Posteingang zu. Damit die Verknappung nicht unhöflich wirkt, wuchern dazwischen Punkt, Punkt, Komma, Klammer. Fertig ist der Stimmungsträger.

Selbst ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, in der ständig gegänsefüßelt wurde.  Etwa so:

Hilde: Also wirklich, liebe Nanili, das Abend war doch so „witzig“.

Nanili: Ach, ja, und über deine „Geschichten“ haben wir noch die ganze Nacht gelacht.

Wollen die Menschen nun etwas sagen oder lieber nicht?

Natürlich, man hat gewissen Respekt vor diesen schwarzen Dingern auf dem Bildschirm, die den anderen erreichen werden, ohne dass man die Reaktion mitkriegen kann. Die Buchstaben werden ihn treffen, ohne noch eine Geste anbei, ohne Blick oder Sprachmelodie. Ich als Schreiberline kann die Scheu gut verstehen. Aber Überwindung ist die einzige Lösung. Raus damit, sag’s halt, wie es ist und nicht wie es „eigentlich“ ist, denn wenn etwas eigentlich so ist, dann ist es eigentlich auch so.

Bild zu: Die Scheu vor dem Punkt: Das :-)

Endgültig schwindet jede Achtung, wenn Zeige- und Mittelfinger sogar beim Sprechen zweimal in die Luft haken. Man kann diesen Satz und alle folgenden nicht mehr ernst nehmen. Die erzählende Person setzt sich doch damit selbst in Anführungszeichen. Das müsste sie doch wissen, ist doch ein alter Hut.

Doch wenn die digitalen und mobilen Zettelchen, die wir uns gegenseitig zustecken, immer kürzer werden, aber dafür immer öfter eingehen und das auf unterschiedlichen Kanälen, will man kein Risiko eingehen. Auf den ersten Blick muss der andere verstehen, wie es klingen soll. Bloß nicht ernst, das gibt das Format nicht her. Immer mit einem Augenzwinkern 😉 Man hat es nicht so gemeint, schon gar nicht, wie es falsch ankommen würde.

Schön auch, wenn direkt auf das Hallo ein [:D] folgt. Natürlich, man ist wie jeden Morgen mit der besten Laune aus dem Bett gestiegen. Oder einer ersetzt die abgedroschene Eingangsformel, mit der sich Erwachsene immergleich grüßen, mal mit etwas frischem:

„[:D]?“

Und die Antwort:

„[:D]!“                           

Besonders drastisch nimmt der Spuk der Kreisgesichter am Ende einer Nachricht zu.

„Sehen wir uns heute Abend [:)]“

„Schon wach? [:)]“

„Ich kann leider nicht zu Deinem Geburtstag kommen [:(] Aber feier schön [:)]“

 

Es scheint ganz so, als würde am radikal verkürzten Austausch ein schlechtes Gewissen lasten. Man hat also nicht anrufen wollen, sondern das Gespräch im engen inhaltlichen und zeitlichen Rahmen belassen wollen. Dann darf die Nachricht nicht auch noch mit einem klanglosen Punkt enden. Aber mit einem Smiley hat man dem anderen den Ball zugespielt, der sich dann mit einem guten Gefühl zurückmelden kann.

Schwer fehlgeleitet wird die Smilerei im flirtiven Chat. Gesehen, gefallen, connected. Man kennt sich kaum, hat aber 189 gemeinsame Freunde im Netzwerk. Immer ran an die Damen. Wieder weg von sie, geht ja immer noch im Nachhinein. Ein Geplänkel beginnt, unauffällig, man hält nur gerne Kontakt, ist kommunikativ. Es jagt ein youtube-Video das nächste, schließlich gibt es noch keine Insiderwitze oder gemeinsame Erlebnisse, oder man kommentiert das neueste hochgeladene Foto. Die Konversation darf sich aber nicht allzu lange hinziehen. Wenn alle online sind, bedeutet stumm bleiben automatisch Desinteresse. Demnach kommt unumgänglich der Moment, in dem ein Kommentar zur reinen Symbolleistung zusammenschrumpft. Und was bietet sich da besser an als?
[:)], natürlich.

Dass der andere Lesen, Schreiben und Denken schon weit über Bildertextniveau gebracht hat, wird übergangen. Ich kann nur raten: bitte einfach sein lassen. Punkt.

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66 Lesermeinungen

  1. ;-0!...
    ;-0!

  2. Ich lese hier nur: Keine...
    Ich lese hier nur: Keine Smileys verwenden.
    .
    (Frau Diener, Sie können doch mehr! 🙂

  3. Mir gut, dir besser, jedermann...
    Mir gut, dir besser, jedermann „bestens“.

  4. <p>Okay vielleicht ein etwas...
    Okay vielleicht ein etwas längerer Kommentar. Ist das letztlich nicht eine Diskussion, wer sich wem unter zu ordnen hat? Der Mensch den Sprachregeln oder die Sprache den lebenden und kommunizierenden Menschen? Sind die Regeln für den Mensch gemacht oder der mensch Sklave der gemachten Regel?
    Stil und Etikette sind immer dem Wandel der Zeit unterworfen. Mag man mögen, oder nicht. Fakt bleibt, dass wir Menschen immer mehr das Gefühl haben immer weniger Zeit für alles was wir tun wollen zu haben. Deshalb kurz knapp und emotional getwittert, ge emoticont usw, pp.
    Gefallen hat mir Ihr Schlusssatz! Punkt!

  5. <p>So blöd es klingt, aber...
    So blöd es klingt, aber diese idiotischen Icons haben ihre Entsprechung auch in der Fejßtufejßkommunikation: Das blöde Weiterplappern, nachdem man alles gesagt hat.
    Statt einfach einen Punkt zu setzen und die Botschaft wirken zu lassen.

  6. Die Angst davor, richtig...
    Die Angst davor, richtig verstanden zu werden.

  7. als wäre der kleine Punkt am...
    als wäre der kleine Punkt am Satzende wie ein Loch auf der Schießscheibe.

  8. <p>Eingentlich sind die...
    Eingentlich sind die Emoticons zu begrüßen. Erfordert ein emotional aufgeladener Schreibstil doch eine erhebliche Sprachbeherrschung und einen großen Wortschatz, können mit ihrer Hilfe vermeintlich neutrale Begriffe emotional aufgeladen werden.
    In der Computertechnik gab es mal ähnliche Ansätze. RISC-Recheneinheiten hatten mit einem minimalen Befehlssatz, den sie in vergleichsweise hoher Frequenz abarbeiten konnnten, während CISC-Recheneinheiten einen komplexen Befehlssatz verstanden und entsprechend großschrittiger arbeiteten. Inzwischen sind die Vertreter der reinen Lehre beider Schulen rar geworden und man trifft sich in der Mitte. Die Debatte taugt heute nur noch für den technischen Feuiletton.

  9. <p>Najaa, najaa. </p>
    <p>das...

    Najaa, najaa.
    das kann man sehen, wie man will.
    Natürlich ist das doof.
    .
    Als gelernter Küchenpsychologe Dr. mult. spast. sage ich Ihnen aber, bei allem Respekt vor der stolz-bildungsbürgerlichen Ablehnung inflationären und unnötigen Doof-Gebrauchs (geht mir stellenweise auch so, bin da aber mittlerweile ganz leise geworden anstatt hochmütig):
    .
    Wir lachen über die kindischen, spießigen Smileys, die haben wir hochmütigen Superschreiber doch gaaar nicht nötig. Aber ein simples Emoticon zum Text kann digitale Kriege verhindern.
    .
    Im echten Leben, wo man Tonlagen und Mimik zur Verfügung hat, sind gekrümmte Finger-Gänsefüße natürlich völlig unnötig. Diese Person sagt vemutlich auch: Herzlichen Glühstrumpf! Tschüssikowsky!
    Na dann Servus!
    (Grr)

  10. <p>Quo vadis, technisches...
    Quo vadis, technisches Feuilleton?

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