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	<title>Ding und Dinglichkeit</title>
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	<description>Keine Frage, die Welt ist voller dinglicher Phänomene. Um viele davon wird einiges Gewese gemacht, etwa um Autos, Mobiltelefone, Schuhe. Das sind die Dinge, über die Menschen sich gern definieren. Aber was ist mit all den anderen Dingen? Was ist mit Bushaltestellen, Nähgarnspulen, Werbekugelschreibern, Parkplatzbegrenzungspollern? Sie stellen unbeachtet unseren Alltag voll, geheimnisvoll wandeln sie sich, ändern den Anblick unserer Umgebung, sterben vielleicht aus oder werden in Randzonen gedrängt. Und bleiben dabei völlig unbemerkt wie der Waschbeton-Blumenkübel am Parkplatzrand, in dem gerade eine Konifere langsam vertrocknet.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 31 Oct 2012 06:40:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Hochzeitsfieber &#8211; wer kommt in die nächste Runde?</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/10/31/heiratsfieber-wer-kommt-in-die-naechste-runde-454/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 06:40:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Ein glaubwürdiges Paar um die Dreißig kann nicht mehr unbeobachtet in die Ferien fahren. Das setzt  sein Umfeld unter Strom. Werden die beiden verlobt zurückkommen? Freunde fiebern auf die Antwort, frühe Hoffnung auf Enkel keimt auf. Heimlich und hinterm Rücken, natürlich. Im Nachhinein will es nämlich keiner gewesen sein.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/10/31/heiratsfieber-wer-kommt-in-die-naechste-runde-454/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p style="padding-left: 330px;"><i>&nbsp;&bdquo;Straight up, now tell me/<br />Do you really wanna love me forever?&#8221;<br />- Paula Abdul / gefühlt, Madonna-<br /></i></p>
<p> Für solide Paare wird es in meinem Alter schwierig, gemeinsam in die Ferien zu fahren. Denn sie stehen unter Beobachtung. Wer eine glaubwürdige Beziehung führt, sollte sich nicht mit einem Flugticket erwischen lassen. Jedenfalls nicht, wenn er versucht, Klatsch &amp; Tratsch oder frühe Hoffnung auf Enkel zu unterbinden. </p>
<p> &bdquo;Dahinter könnten ernsthafte Absichten stecken&#8221;, tuschelt man dann im Umfeld. Dort hat das Hochzeitsfieber freie Bahn. Es grassiert ungebremst und befällt Freunde und Mütter. Vor Großmüttern macht es schon gar nicht halt. Die sprechen ungeniert aus, was alle denken. Als wäre Heiraten das Normalste der Welt. Ob sich Väter ebenso Gedanken machen, wann das Kind soweit sein könnte? Ich tippe: ja.</p>
<p> Kann man es ihnen vorwerfen? Wenn man bedenkt, wer alles im nächsten Jahr heiraten wird? Allzu hoch scheint die Messlatte nicht zu liegen: Je oller, je doller.<br />Verliebt, sechs Monater später verlobt. Schon sechs weitere dann wird vor den Altar getreten. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Hochzeitsfieber - wer kommt in die nächste Runde?" title="eat-drink-and-be-married"  src="/ding/files/2012/10/eat-drink-and-be-married.jpg" height="546" width="580" /> <br /> Und die meisten haben sich auf einer Reise verlobt: in China oder Paris, am Gipfel oder auf einem Segelboot. Ich weiß von einem Freund, der sich auf einer Dschungel-Safari nicht wegen der Anacondas sorgte, sondern nur, dass ihm der Ring aus dem Rucksack rutschen könnte. Oder die Freundin ihn entdeckt. Herzallerliebst, nicht wahr?</p>
<p>Die Neugier steigert sich weiter bis zu ihrer Rückkehr. Die Zeit der Wahrheit naht. Manche können die Spannung kaum aushalten und berichten noch während der Reise per Email, dass sie von der Verlobung sogar geträumt hätten. Solch eine Anteilnahme erhöht natürlich die Chance auf eine baldige Benachrichtigung, sollte es tatsächlich passiert sein.</p>
<p> Kommt das Paar also aus den Ferien zurück, kann es sich auf viel Aufmerksamkeit gefasst machen. Plötzlich hat jeder Zeit zu telefonieren. Ja, man hat sogar am selben Tag noch einen Termin frei. Mittagessen, Weinchen am Abend? Falls das Paar sich wirklich verlobt hat, wird man es vielleicht nicht am Telefon erzählt bekommen. Beim Treffen kontrolliert man möglichst unauffällig den Ringfinger. Viel mehr bleibt einem nicht übrig. Schließlich kann man das Thema schlecht ansprechen, wenn es der andere nicht tut.</p>
<p> Trickreich dabei: Selbst wenn man erstmal nichts erfährt, könnte das Paar trotzdem verlobt sein. Will es aber noch nicht verbreiten. Will vorher zu den Eltern fahren und es ihnen zuerst erzählen. Oder beichten. Je nachdem. </p>
<p> Bald auf die Reise folgende Heimfahrten sind demnach ebenfalls höchst verdächtig. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Hochzeitsfieber - wer kommt in die nächste Runde?" title="puppe"  src="/ding/files/2012/10/puppe.jpg" height="390" width="250" /></p>
<p> Auf Momente der Spannung kann natürlich auch die Erkenntnis folgen: Das Paar hat sich gar nicht verlobt. Was ja auch in Ordnung wäre. In diesem Fall wollte man niemals zu denen gehören, die Druck verursachen. Oder gar das Gefühl hinterlassen, als wäre etwas nicht in Ordnung in der Beziehung. Keine Panik, bitte. Wenn es denn sein soll, wird sich der richtige Moment schon ergeben. &bdquo;Alles zu seiner Zeit&#8221;, rudert das Umfeld zurück.</p>
<p> Es erstaunt mich, wie aktuell das Thema &bdquo;Heiraten&#8221; bleibt. Jetzt, wo doch die meisten Hochzeiten vorbei sind. Für dieses Jahr zumindest. Ab Mai geht es ja dann wieder los. Eigentlich schon früher. Ab März startet die Planung der Junggesellen-Abschiede, im April folgen die Poltereien, danach werden Hochzeitsreden geschrieben.</p>
<p> Aber von Oktober bis März könnte doch Pause sein! Hochzeitspause, Themenwechsel. Zumindest bei denjenigen, die 2013 nicht heiraten werden. Doch Heiratsfieber bleibt hoch im Kurs. Zumindest unter meinen Gleichaltrigen. Mit Mitte Dreißig mag es sich dann wieder legen. Da hat man das Theater wohl oft genug gesehen und muss darüber schmunzeln. </p>
<p> Aber was hilft&#8217;s? Man muss den Dingen ins Auge sehen: jünger werden wir nicht. Wer schafft es also in die nächste Hochzeitsrunde? Wer redlich sich bemüht? Wer Reife beweist und Nachhaltigkeit? Wer Qualitäten als Versorger oder Küchenfee beweist? Wer Rückenwind kriegt und vorab schon mal schwanger wird? </p>
<p> Besonders gefährdet sind naturgemäß wir Frauen um die Dreißig. Wer in die nächste Runde kommt, kann konkret weiter träumen: Vom Hochzeitskleid und Gästelisten. Von gemeinsamer Kontoführung und Steuervorteilen. Von graviertem Silberbesteck und besticktem Frottee. Von Kindern und eigenem Garten.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Hochzeitsfieber - wer kommt in die nächste Runde?" title="salon-schwarz-wei_DF00_"  src="/ding/files/2012/10/salon-schwarz-wei_DF00_.jpg" /></p>
<p>Sollte sie sich dafür schämen? Im Grunde kann sie doch gar nichts dafür. Das ist doch nur das Ewig-Weibliche in ihr.</p>
<p>Es muss nicht alles im Detail genau so kommen, wie Frau es sich vorgestellt hat. Es könnte ja <span style="text-decoration: underline;">noch</span> besser werden, als dies Jetzt schon ist. Schluss mit Einsamkeit. Schluss mit Suchen und Nicht-Finden. Schluss mit Finden und Nicht-Wollen. Wenn Frau meint, ihren Elvis gefunden zu haben, fängt sie an die gemeinsame Zukunft zu planen. Das Ende der Beziehung steht schließlich nicht an. Also kann man ja auch weiterdenken. Wenn das mal nicht <i>typisch Frau</i> ist! </p>
<p>Ob es übrigens bei den Herren der Schöpfung gänzlich anders ausschaut, bezweifle ich. <img src='http://blogs.faz.net/ding/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p style="padding-left: 330px;">&nbsp;</p>
<p><i>&bdquo;Das Ewig</i><i>-</i><i>Weibliche</i><i>, </i><i>Zieht uns hinan</i><i>&#8220;<br />- Faust II. -<br /></i></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/10/24/was-die-welt-im-schauspiel-frankfurt-zusammenhaelt-448/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/ding/2012/10/24/was-die-welt-im-schauspiel-frankfurt-zusammenhaelt-448/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Oct 2012 07:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Einen Faustmarathon sollte jeder mal mitmachen. Das Frankfurter Schauspiel zeigt sich großzügig mit seinem Publikum und gewährt eine lange Pause. Die braucht man auch, - im besten Sinne.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/10/24/was-die-welt-im-schauspiel-frankfurt-zusammenhaelt-448/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><i>&#8220;Fluch allem! <br />Fluch vor allem der Geduld!</i>&#8220;</p>
<p>Es gehört zum Erfahrungskanon eines heranwachsenden Bildungsbürgers, sich einmal Goethes &bdquo;Faust I. &amp; Faust II&#8221; in einem Stück zu geben. So würde es zumindest mein alter Philosophie-Lehrer ausdrücken. Seine Mundwinkel würden sich dabei spöttisch kräuseln, indes in seinen Augen Sehnsucht schimmern. </p>
<p>Auch ich habe mir Karten für die Vorstellung im <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/stuecke.php?SID=1000185">Schauspiel Frankfurt</a> besorgt. Nicht nur, um mitreden zu können; vielmehr von der Lust getrieben, dass ich, die folgsame Christin, mich an dem Stück hemmungslos ergötzen werde. </p>
<p>Vorab werde ich beim Smalltalk von ehemaligen Faust-Marathon-Zuschauern <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.fr-online.de/kultur/faust-i-und-ii-im-schauspiel-frankfurt-kleinvieh-macht-auch-mist,1472786,17265514.html">gewarnt</a>: Dem ersten Teil habe man noch gut folgen können. Beim Zweiten sei man verloren gegangen. Manche in der Pause gar geflüchtet. </p>
<p>Auch ich habe bei der Lektüre von Faust II. im Deutsch-LK aufgegeben. Immerhin wurde dieser in der Klausur vom Lehrer nicht abgefragt, &#8211; mit Ankündigung und voller Gnade. </p>
<p>Auch das Schauspiel Frankfurt ist gnädig mit seinem Faust-Publikum. Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil dauert die Pause ganze drei Stunden. Man kann schlendern, etwas essen gehen und dabei auf Reset drücken. Was gut tut, denn Faust II. ist eine unabhängige Produktion mit neuem Regisseur und neuen Schauspielern. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält" title="blauer-faust"  src="/ding/files/2012/10/blauer-faust.jpg" /></p>
<p>Hätte ich das vorab gewusst,<br />hätte ich mich, mit noch mehr<br />Applaus, von <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Scheer">Alexander Scheer</a>,<br />dem Mephisto im Faust I.<br />verabschiedet. <br />Hätte, hätte, <br />hätte. </p>
<p>Im Ersten Teil poltern die Geister, die Faust rief, von großen Bildschirmen herab. Drogen-Spritzen gleiten über ein Firmament aus geometrischen Videscreens. Pop-Lieder werden von Elektrogitarren begleitet. Der Osterspaziergang wurde vorab als Kunstfilm gedreht: Im gleichen Kostüm wie auf der Bühne sieht man <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.pudelgarten.de/mediac/400_0/media/DIR_44701/d2be0e40e75301eeffff8104fffffff1.jpg">Faust (Marc Oliver Schulze) </a>und seinen Diener <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.google.de/imgres?hl=de&amp;biw=1260&amp;bih=649&amp;tbm=isch&amp;tbnid=xlyNzxkl2D6LiM:&amp;imgrefurl=http://www.management-goldschmidt.de/actor/mathis-reinhardt.html&amp;docid=h9abvHGfZz4LyM&amp;imgurl=http://www.management-goldschmidt.de/typo3temp/pics/Mathis-04_d6c8dea9a5.jpg&amp;w=350&amp;h=500&amp;ei=VayHUIDcNcbIswb8oIGwDw&amp;zoom=1&amp;iact=rc&amp;dur=3&amp;sig=106090707901024088484&amp;page=1&amp;tbnh=139&amp;tbnw=104&amp;start=0&amp;ndsp=19&amp;ved=1t:429,r:1,s:0,i:69&amp;tx=61&amp;ty=32">Wagner (Mathis Reinhardt)</a> durch die Straßen Frankfurts flanieren. Derweil Faust seine innere Zerrissenheit offenbart: &bdquo;Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.&#8221;</p>
<p>Ich fühle mich auf Anhieb wohl in der crossmedialen Bildsprache von Regisseur <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Pucher">Stefan Pucher</a>. Meine Sitznachbarn, ein spießbürgerlich gereiftes Ehepaar, an dem Loriot große Freude gehabt hätte, dagegen ganz und gar nicht: mit säuerlich angespitzen Lippen folgen sie dem Schauspiel. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält" title="roter-faust"  src="/ding/files/2012/10/roter-faust.jpg" height="243" width="454" /></p>
<p>In der Pause motzen sie mich an. Was ich denn die ganze Zeit mit meinem Telefon mache? Das wäre unerhört. Ich gestehe, ich habe mich schlecht benommen. Ich habe während der Vorstellung auf meinen digitalen Notizzettel im Smartphone Sätze getippt, die mir gefallen haben. Und sogar &#8211; ich werde es dem Priester beichten &#8211; Fotos gemacht. So etwas aber gehört sich nicht im Theater. </p>
<p>Ich versuche mich zu verteidigen. &bdquo;Ich bin Blogger&#8221;, sage ich. <br />Als das nichts hilft, behaupte ich, dass ich aus der Vorstellung live twittere. Doch die ehrenwerten Theatergänger, die gewiss in einem, von Udo Jürgens besungenen ehrenwerten Haus leben, brabbeln nur: &bdquo;Blogger? Was soll das sein?&#8221; Liebe Blogger, kennen Sie dies Leid? Was sind wir doch noch für Kuriositäten im realen Leben!<br />Dennoch, ganz so einfach lasse ich die Oldies nicht davonkommen.<br />&bdquo;Ich kann Ihren Punkt nicht nachvollziehen&#8221;, argumentiere ich. &bdquo;Bei all den riesigen Bildschirmen auf der Bühne, können Sie sich doch nicht ernsthaft von meinem Mini-Bildschirm gestört fühlen!?&#8221;</p>
<p>Doch keine Gnade für die unerzogene Jugend! Wir einigen uns wortlos auf gegenseitige Ignoranz. Dennoch kann ich, bei jedem Beinumschlagen oder Zurechtsetzen im Sessel, ein scharfes Luftholen von rechts hören.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält" title="faust-II"  src="/ding/files/2012/10/faust-II.jpg" /><br />Beim Zweiten Teil, eine Inszenierung von <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Kr%C3%A4mer">Günter Krämer</a>, hätte ich noch viel lieber fotografiert als im Ersten. Oder, besser: gemalt! In Öl auf großer Leinwand. <br />Im Hintergrund: die Zelte der Occupy-Bewegung, bewacht von einem patrouillierenden Polizisten mit echtem Schäferhund. <br />(Echte Tiere müssen in der Theaterwelt gerade hoch im Kurs stehen. Auch in Faust I. spielte ein echter Pudel mit.)<br />Davor also eine Bühnenzeile für die Geigerin, welche der Szene mit ihrem Instrument einen tinnitusartigen Ton unterschiebt. Davor dann &#8230; himmel, was war es noch &#8230; hätte ich doch ein Foto machen können&#8230;; vorne am Bühnenrand jedenfalls vollendet das Bild eine Stuhlreihe mit den Schauspielern, die am endgültigen Urteil über die Menschheit feilen. Ganz wunderbar. </p>
<p>Also. Nun. Nach sechs Stunden Faust. Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält? Ich habe dazu eine, von großer Kenntnis ungetrübte, These. </p>
<p>Es ist die Zeit.</p>
<p>
<style></style>
</p>
<p>Die Zeit ist, was Faust I. und II. dramaturgisch zusammenhält. Faust I. beginnt in der Gegenwart des Professor Faust. Der Zweite Teil geht in der Zeit immer weiter zurück. Bis in die Antike. Ja, sogar bis ins Himmelreich. Bis in die Ewigkeit. In Ewigkeit. Amen.<br />Die Zeit ist, was die erste Inszenierung mit der zweiten zusammenhält. Erst Stefan Puchers Faust I. mit allem Feuerwerk der neuen Medien. Dann Günter Krämers Faust II. mit der akzentuierten Ruhe des klassisch-modernen Theaters.<br />Die Zeit ist sogar, was mich mit meinen spießigen Sitznachbarn zusammenhält. Sogleich es auf den ersten Blick nach einem Getrennt-Sein ausschaut. Doch immerhin sitzen wir nebeneinander zur selben Zeit im selben Theater.</p>
<p>Die sympathische junge Frau, die eine Einführung zu Faust II. in der Panorama-Bar gehalten hat, versuchte Faust als typisch modernes Phänomen zu beschreiben.<br />Was gewiss richtig ist. Doch viel relevanter, finde ich, hat Goethe in seiner Tragödie versucht,<br />den immerwährenden Wahrheiten der Welt auf den Grund zu folgen.<br />Welche natürlich auch auf die Moderne zutreffen.<br />q.e.d.<br />(Und wohl auch in Zukunft wahr sein werden)</p>
<p>Und nun, zu allerletzt, das Ding dieses Blogbeitrags.<br />Wer weiß es schon, wer ahnt es noch?</p>
<p>Hochaktuell präsentiert, weil crossmedial:</p>
<p> <img alt="Bild zu: Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält" title="uhr"  src="/ding/files/2012/10/uhr.jpg" height="231" width="588" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Verlaub, ein Nachtrag. Sozusagen meine Beute aus der Vorstellung. Echtes Schauspiel-Bühnengeld, in dessen Kreis Faust im Zweiten Teil steht und das Kapital verklagt. </p>
<p>Einen echten Zehner hab ich daneben gelegt. Für den Vergleich. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Was die Welt im Schauspiel Frankfurt zusammenhält" title="Bu_0803_hnengeld"  src="/ding/files/2012/10/Bu_0803_hnengeld.jpg" /></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Literatur-Quiz: Einer gegen alle</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/09/27/literatur-quiz-einer-gegen-alle-443/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Sep 2012 07:23:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Viele Leser unterstreichen Sätze in Büchern, die sie noch mal nachschlagen wollen. Mal sehen, ob man daran erkennt, in welchem Buch sie stehen. Googeln ist verboten. Raten erwünscht! <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/09/27/literatur-quiz-einer-gegen-alle-443/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Wir machen heute mal etwas ganz anderes. Wir spielen ein Spiel. Ein Literaurquiz, das folgende Frage an die Runde stellt:<br /> Welche Sätze hat man in seinen Büchern unterstrichen? </p>
<p> Ich persönlich unterstreiche nicht nur,ich knicke auch Eselsohren in die Seiten. Das Ding der Woche &#8211; falls es Leser gibt, die eine explizite Benennung des Dings der Dinglichkeit bevorzugen &#8211; sind also die Sätze, die man in einem Buch markiert. Manche gehen dabei vorsichtig mit Bleistift vor, ich benutze meistens einen Kuli.</p>
<p> Das Quiz hat Spieler und Gegenspieler. Der Spieler stellt sein Buch in unterstrichenen Sätzen chronologisch vor und die anderen müssen raten, welches es ist &#8211; &nbsp;mit Autor und Titel. <br /> Wichtig: wer bei Google den ganzen Satz eingibt, hat geschummelt. Google ist viel schlauer als wir, Google weiß alles. Machen wir uns nichts vor. <br /> Und ich verspreche im Gegenzug auch ehrlich zu sein und genau die Sätze vorzulegen, die ich beim ersten Lesen unterstrichen habe, &#8211; mögen sie mich auch entblößen,</p>
<p> Wer es als erster errät, hat gewonnen.<br /> Also, ich fange an.<br /> Kleiner Tipp: ich habe diese Lektüre gewählt, weil sie aus der Zeit stammt, für die ich mich zurzeit besonders interessiere. </p>
<p> So, und nun der erste Satz:</p>
<p> Seite 29:</p>
<p> <img alt="Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle" title="Erste-Szene"  src="/ding/files/2012/09/Erste-Szene.jpg" height="99" width="392" /></p>
<p> &bdquo;Ich zweifele nicht daran, daß sie zum größten Teil Dichtung sind, nicht aber im Sinn wirklicher Erfindung, sondern im Sinne eines Ausdrucksversuchs, der tief erlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse darstellt.&#8221;</p>
<p> Erstes Eselsohr. </p>
<p> Dann, gleich wieder, Seite 30:</p>
<p> <img alt="Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle" title="Zweite-Szene"  src="/ding/files/2012/09/Zweite-Szene.jpg" height="272" width="571" /></p>
<p> &bdquo;Ich sehe in ihnen aber etwas, ein Dokument der Zeit, denn (NAME DES PROTAGONISTEN IM GENITIV) Seelenkrankheit ist &#8211; das weiß ich heute &#8211; nicht die Schrulle eines einzelnen, sondern die Krankheit der Zeit selbst, die Neurose jener Generation, welcher (NAME DES PROTAGONISTEN) angehört und von welcher keineswegs nur die schwachen und minderwertigen Individuen befallen scheinen, sondern gerade die starken, geistigsten, begabtesten.&#8221;</p>
<p> Ich musste den Namen rausnehmen. Sonst weiß man es sofort. Ist ein Klassiker. Aber ich werde den Namen nachreichen, wenn die Raterunde das will. Der Name ist der Joker. </p>
<p> Ich denke, einer geht noch. Möchte zugeben: Das Spiel hat, wenn man es richtig spielt, seinen Ehrgeiz. Leicht ist es nicht. Aber wir wollen ja nur raten und uns unterhalten lassen. </p>
<p> Also, einen Satz noch, gleich den nächsten, unterstrichenen: </p>
<p> Seite 33:</p>
<p> <img alt="Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle" title="Dritte-Szene"  src="/ding/files/2012/09/Dritte-Szene.jpg" height="95" width="478" /></p>
<p> &bdquo;.hatte schöne, zarte, kostbare Federwölkchenmuster in den Himmel gezeichnet gefunden.&#8221;</p>
<p> &#8230;.hhhmmm&#8230;das ist nicht wirklich hilfreich,&nbsp; also gibt es noch einen dazu: </p>
<p> Seite 44:</p>
<p> <img alt="Bild zu: Literatur-Quiz: Einer gegen alle" title="Vierte-Szene"  src="/ding/files/2012/09/Vierte-Szene.jpg" height="254" width="580" /></p>
<p> &bdquo;Vielleicht waren diese paar Stammgäste, die ich vom Sehen alle kannte, richtige Philister und hatten zu Hause in ihren Philisterwohnungen öde Hausaltäre vor blöden Zufriedenheitsgötzen stehen, vielleicht auch waren sie vereinsamte und entgleiste Burschen wie ich, stille, gedankenvolle Säufer über bankrotten Idealen, (TITEL DES BUCHES) und arme Teufel auch sie; ich wußte es nicht.&#8221;</p>
<p> So, und jetzt wollen wir mal sehen, wer was weiß.<br /> Wenn die Lektüre erraten wurde, würde es mich brennend interessieren, ob Sie auch Sätze darin unterstrichen haben. Dann könnten wir sie gewissermaßen tauschen.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Königreich für eine gute Idee: Der Leberfleck</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/09/12/ein-koenigreich-fuer-eine-gute-idee-der-leberfleck-438/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/ding/2012/09/12/ein-koenigreich-fuer-eine-gute-idee-der-leberfleck-438/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2012 07:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ideenfindung]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreibblockade]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Künstler haben keine Ideen: sie liefern sich ihnen aus. Doch wenn es an die Umsetzung im Werk geht, muss Ordnung ins wirre Netz aus gesponnenen Möglichkeiten. Was sind die Wegweiser? <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/09/12/ein-koenigreich-fuer-eine-gute-idee-der-leberfleck-438/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
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</p>
<p>Seit eineinhalb Jahren schon suche ich nach Dingen und ihrer Dinglichkeit. Was war in dieser Woche relevant? Nicht unbedingt in der Weltgeschichte, sondern vielmehr unter der Käseglocke des Alltags? Auf der Suche nach dem Motiv kommt mit stetig steigender Unentschlossenheit jedes Detail in Frage. Zitronenfalter in der Sommerluft, zum Beispiel. Wie hübsch, warum nicht mal einen Beitrag über flirtende Schmetterlinge schreiben? </p>
<p> Vor kurzem las ich ein Interview mit einem Schriftsteller, der den Leberfleck auf dem Kehlkopf des Journalisten bewunderte. &bdquo;Der schafft es in den nächsten Roman. Das ist so gut, das könnte man sich niemals ausdenken.&#8221; </p>
<p> <img alt="Bild zu: Ein Königreich für eine gute Idee: Der Leberfleck" title="zirkusdirektor"  src="/ding/files/2012/09/zirkusdirektor.jpg" /></p>
<p> Eine Freundin von mir hat einen guten Blick. Sie schreibt nicht, sie fotografiert. Ähnlich wie Frida Kahlo war sie lange aus gesundheitlichen Gründen ans Bett gefesselt. Aber sie ist wieder auf den Beinen und nimmt ihr Umfeld mit einer Intensität auf, die ich sehr bewundere. Schau mal, unsere Schatten auf der Sandsteinwand, zeig mir eine Pose. <br /> Guck hier, wie die weißen Blumen sich um die Bank aus grünem Stein ranken, wunderbar. Ich sollte ihr vorschlagen, einen Gastbeitrag zu schreiben. Sie wird mir einen Vogel zeigen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Ein Königreich für eine gute Idee: Der Leberfleck" title="rosengitter"  src="/ding/files/2012/09/rosengitter.jpg" height="232" width="578" /></p>
<p> Während eines Redaktions-Praktikums zweifelte ein Kollegen an meinem Verstand, als ich sagte, später gerne Kolumnistin werden zu wollen. Das wäre das Mühsamste überhaupt, sagte er, und klickte sich weiter durch die Presseagenturmeldungen. Auf der Suche nach der relevantesten Meldung der vergangenen Stunde. Hallo? Distinktion? Wo bist du? </p>
<p> Natürlich: das Blog will keine Stilvorgabe wie die Zeitung. Keine Schablone. Das Blog ist autonom, aber anspruchsvoll. Was ihm bieten? Außer Zitronenfaltern? Obwohl, &#8211; ich liebe Zitronenfalter. Sie sind verspielt, man sieht sie nur bei gutem Wetter, sie machen gute Laune. Wenn man einen Zitronenfalter entdeckt, könnte man auch Eis essen gehen oder zum Picknick in den Park. Stopp. Das wars. Mehr habe ich über Zitronenfalter nicht zu sagen. Beim Poker nennen wir das &bdquo;Anna Kournikova&#8221;. Dann hat man As und König auf der Hand. Sieht gut aus. Du meinst, damit hoch spielen zu können. Anna Kournikova kann aber nichts. Nicht mal gegen ein Zweierpaar kann das was. </p>
<p> Also weiter: Ideen suchen, finden, sammeln. Doch Ideen sind exaltierte, launische Biester. Entweder sie kommen rasant und alle auf einmal. Oder es passiert nichts. Dann muss ich sie hofieren. Indem ich erst einmal etwas anderes mache, um den Kopf frei zu kriegen. Joggen hilft. Oder bei mir tatsächlich auch Nägel lackieren. Oder kochen, also essen. Bin mittlerweile auf Rohkost umgestiegen. Karotten sind gut für den Kautrieb.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Ein Königreich für eine gute Idee: Der Leberfleck" title="lampe"  src="/ding/files/2012/09/lampe.jpg" height="227" width="577" /></p>
<p> Manchmal versuche ich über die Wand gespielt, an Ideen ranzukommen. Erst Ablenkung, dann Vollgas. Oh, oh, ich beichte: dazu gehört, dass die besten Ideen beim Einschlafen kommen. Der Konflikt ist vorprogrammiert, man will schließlich arbeiten, nicht schlafen. </p>
<p> Aber dann, während man wie ein Kassettenrecorder auf &bdquo;Aufnahme&#8221; gestellt ist, kommt die Idee wie von alleine angeflogen. Verschwommen. Aber immerhin. Bei mir in folgender Situation:</p>
<p> Wir fahren zu einem Geburtstag. Ich öffne meine Abendhandtasche, will nochmal Puder auflegen. Doch ich habe nur den Puderpinsel eingesteckt. Ohne Puder. </p>
<p>Klingt banal, hat aber Ironie, denn: Wie lange habe ich bitte darüber nachgedacht, welche Klamotten ich für das Wochenende einpacken muss? Locker einen halben Tag. Neben allem anderen läuft das Spiel &bdquo;Ich packe meinen Koffer&acirc;&#8221; und nehme mit: den Schal, den eine Freundin bei mit vergessen hat, die Karte zum Unterschreiben, Bargeld für das Sammelgeschenk, Zieladresse, Schlafanzug(!), Zahnpasta, das geniale Puder gegen müde Haut, Haarspray, Lockenmaschine, Abendhandtasche&#8230;.was vergessen? Ja, flache Schuhe zum Wechseln. Alles muss gut geplant sein, denn, wie lange hatte ich Zeit zu packen? Keine halbe Stunde. &nbsp;</p>
<p> Ankunft, Gepäck abladen, umziehen, umpacken von der großen Handtasche in die kleine. Was vergessen? Unten hupt das Taxi schon. Wir kommen! Bis dann doch der aktuelle Stand lautet: Puder vergessen. Nach all dem Aufwand. </p>
<p>Doch auf dem Nachhauseweg fällt mir auf, dass ich mich den ganzen Abend lang nicht nachgeschminkt habe. Hab ich nicht mal dran gedacht.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Ein Königreich für eine gute Idee: Der Leberfleck" title="picknick"  src="/ding/files/2012/09/picknick.jpg" height="235" width="580" /></p>
<p> Geboren ist die Dinglichkeit: Dinge, die man meint zu brauchen, tut es aber nicht. In meinem Fall war es das Puder. Funktioniert aber auch mit fast leeren Milchtüten, die wieder in den Kühlschrank wandern. Obwohl der Schluck nicht mal mehr für einen Kaffee reicht. Oder: alte Nagellack-Flaschen. Man schmeisst sie nicht weg, obwohl sie häßlich schlieren. </p>
<p> Sehr gute Lehren kriegt man auch beim Kochen erteilt. Man meint, unbedingt jungen Knoblauch zu brauchen. Der Supermarkt führt aber keinen jungen Knoblauch. Der nächste Laden auch nicht. Man geht genervt nach Hause. Bis man die Pasta dann mit Salbei versucht. Was richtig gut schmeckt. Mal was anderes.</p>
<p> Die Idee ist also gefunden. Jetzt den Blogtext daraus zimmern. </p>
<p> Kleiner Scherz. Diesmal war der Weg das Ziel.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Katerfrühstück &#8211; Das Mädchen mit der Wasserflasche</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/08/29/katerfruehstueck-das-maedchen-mit-der-wasserflasche-434/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Aug 2012 05:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>In der Nacht stand man auf der Tanzfläche und konnte mit Fremden beste Freunde werden. Sechs Stunden später verdampft die Euphorie mit der Anzahl  der Kaffeetassen. Stattdessen: Konvention. Wie schaffen die Leute den Sprung in die Normalität?  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/08/29/katerfruehstueck-das-maedchen-mit-der-wasserflasche-434/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
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</p>
<p>Das Mädchen trinkt einen Schluck Wasser aus der Flasche. Um sie herum stehen ihre Freunde, manche sitzen auch am Tisch und frühstücken noch. Ihr Haar wuselt im Nacken durcheinander, die Spitzen vertüddeln sich in kleinen Knoten. Ihr großzügig aufgetragenes Make-up verdeckt nur mühsam die Schatten der Nacht. </p>
<p> Ich weiß nicht, wer sie ist, aber ich kenne sie. Von letzter Nacht. Von vor sechs Stunden. Als sie jubelnd auf der Tanzfläche stand. Als sie vor ihrem Tanzpartner den Liedtext mitgesungen hat, als stünde sie beim Popkonzert in der ersten Reihe und hinter ihr eine euphorische Masse im Taumel der Klänge.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Katerfrühstück - Das Mädchen mit der Wasserflasche" title="kaffeezucker"  src="/ding/files/2012/08/kaffeezucker.jpg" width="578" height="318" /><br /> Heute wirkt sie schüchtern. Spricht wenig und wenn doch, dann mit tief kratzender Stimme. Gestern hätten wir nebeneinander stehen und uns nach Minuten vorkommen können wie beste Freundinnen. Hätten einstimmig lachen, singen und tanzen können. Doch heute ist der Zauber der Musik dem Kopfschmerz gewichen. Immerhin hat sie es zum Brunch geschafft und ist nicht mit Sozialkater im Bett geblieben: Was gestern lustig war, scheint heute peinlich. Was gestern interessant war &#8211; Lebenslauf, Beziehungskiste, haltlose Aversion &#8211; strengt heute den Zuhörer an. </p>
<p> Am nächsten Morgen beim Katerfrühstück mag man nicht mit Fremden sprechen. Die Schublade mit neuen Eindrücken ist rappelvoll, eine zusätzliche Information kann schnell Ernüchterung hervorrufen. Aber mit Unachtsamkeit den anderen beleidigen will man auch nicht. Lieber auf Tuchfühlung mit den Wohlfühlmenschen bleiben, mit denen, die einen kennen und auch schweigend in die Luft starren lassen, statt eine Antwort zu fordern. </p>
<p> Physisch anwesend, doch noch nicht wach. Noch im Traumland. Noch auf der Tanzfläche. Wie heillos doch alle durcheinander gewirbelt sind, die heute wieder gerade stehen und sich bei den Gastgebern höflich verabschieden.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Katerfrühstück - Das Mädchen mit der Wasserflasche" title="alice-in-wonderland"  src="/ding/files/2012/08/alice-in-wonderland.jpg" width="577" height="234" /></p>
<p> Langsam gewinnt die Konvention wieder Oberhand. Gleich wird sie ihr eigenes Fest feiern. Dann, wenn es ans Verabschieden geht. Beim Einhalten der nicht formal festgeschriebenen Verabschiedungs-Regeln, die von einer Gruppe von Menschen aufgrund eines Konsenses eingehalten werden, bilden sich unterschiedliche Typen raus: </p>
<p> Der bequeme Typ:<br /> Bleibt am liebsten an seinem einmal eingenommenen Platz und lässt die anderen zu sich kommen. Winkt lieber über den Tisch rüber, statt sich mühsam aus der Reihe auf der Bierbank zu schälen. Muss er selbst bald aufbrechen, hängt er sich an seine Begleitung, die die konversative Führung übernimmt, sodass er nur noch zu nicken braucht.</p>
<p> Der minimalistische Typ:<br /> Nimmt nur den Weg zu den Gastgebern auf, um sich zu bedanken, den Blumenschmuck zu loben und zu verabschieden und möglichst zu niemandem sonst. Auf die Frage, wohin er denn nun noch fahren muss, sagt er Berlin und nicht Neustrelitz oder Frankfurt statt Flughafen, womit er sich die Erläuterung spart, wohin sein Flugzeug geht und was er dort macht und wie lange schon. </p>
<p> Der sportliche Typ<br /> Hat den Ehrgeiz, allen auf Wiedersehen zu sagen. Gibt jedem ein Bussi oder einen Handschlag, auch denen, die er gar nicht kennt. Hält seine Konversation aber knapp. Es bleibt beim harmlosen Geplänkel über die kürzeste Route nach Hause oder die nächste Möglichkeit sich wiederzusehen. </p>
<p> Der barocke Typ<br /> Das dauert. Hauptsächlich bei weiblichen Gästen zu beobachten. Es wird der Koffer wieder abgestellt und nochmal auf halber Pobacke Platz genommen. Nun hat man einmal noch die Chance, das Gespräch vom Vorabend zu Ende zu führen. Man versichert sich, wie herrlich man es fand, sich endlich mal wiedergesehen zu haben und, dass man das unbedingt wiederholen müsse. Wann könnte das möglich sein? Kalender werden verglichen, die Infrastruktur zwischen Schlafplatz, Ab- und Anreise und Kleiderwahl schon angerissen. Das Ganze mit so vielen wie möglich. Bis die Reisegruppe ungeduldig wird, mit der man nach Hause fährt. Aber man hat ja noch gar nicht den Gastgebern Tschüß gesagt. Das muss noch sein. Und auf dem Weg zu ihnen jedem, den man noch dazwischen schieben kann.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Katerfrühstück - Das Mädchen mit der Wasserflasche" title="stillleben-mit-schuhen"  src="/ding/files/2012/08/stillleben-mit-schuhen.jpg" width="578" height="291" /></p>
<p> Das Mädchen mit der Wasserflasche oszilliert wahrscheinlich zwischen der ersten und der zweiten Kategorie, merke ich, als sie mit ihrer Reisegruppe eigentlich schon am Ausgang steht, sich die Gruppe aber nur mit 2m/10min voran bewegt, weil immer einer ausbricht, um kurz dem und dem noch tschüß zu sagen. Ich laufe mit einer Freundin an ihnen vorbei, weil sie ihr Gepäck aus meinem Auto holen muss. Wir verabschieden uns von jedem einzelnen, die Gruppe ist überschaubar und fast alle meine Freunde. Als ich dem Mädchen mit der Wasserflasche ein Küßchen rechts und links gebe &#8211; die Hand reichen ist doch schrecklich förmlich in unserem Alter &#8211; sagt sie nichts außer leise ,ciao&#8217;. </p>
<p> In keinem Winkel ihres Gesichts steht, dass sie sich an mich erinnert. </p>
<p> Doch dann: ein Zwinkern.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Kleine Tropfen, große Wirkung: Das Taufbecken</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/08/15/kleine-tropfen-grosse-wirkung-das-taufbecken-429/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Aug 2012 06:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Eine Taufe ist schnell über die Bühne gebracht. Sie markiert ja bloß den Anfang der Glaubensbiographie. Was kommt dann? Zählen wir es mal an drei Fingern ab.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/08/15/kleine-tropfen-grosse-wirkung-das-taufbecken-429/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
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</p>
<p>Eine Taufe scheint von außen betrachtet recht simpel. Ein bißchen Wasser über den Kopf und fertig ist der jüngste Christ.&nbsp;Der Täufling, immerhin die Festsau, nimmt davon so gut wie nichts wahr. Wie sollte das Baby auch unterscheiden zwischen seiner Taufe und einem gewöhnlichen Montag? Das Kind erschrickt kurz über das plötzliche Nass und döst dann wieder in seine Babywelt ab. Die Taufgesellschaft hört den Reden der Paten zu, gibt sich einer mittelgewichtigen Völlerei hin und erfüllt ihre Pflicht mit dem Taufgeschenk. Dann reisen die Gäste wieder ab und die Spülmaschine schwemmt den Rest Cocktailsauce vom Teller. </p>
<p>Erwachsenentaufe werden nun die Ersten schreien. Dann erst in die christliche Gemeinschaft eintreten, wenn man die Bedeutung verstanden hat. Dann erst, wenn man seine eigene Meinung zum Glauben gebildet hat, statt in eine fremdbestimmte Richtung gewiesen zu werden. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Kleine Tropfen, große Wirkung: Das Taufbecken" title="tiepolo"  src="/ding/files/2012/08/tiepolo.jpg" width="578" height="230" /></p>
<p>Doch&nbsp;bis dahin sind Jahrzehnte klanglos verstrichen! Die Glaubensbiographie beginnt indes schon früh: </p>
<p>In&nbsp;den ersten Jahren sind die Entwicklungsschritte gewiss klein bis nicht vorhanden. Die ganze Welt passt in die Gegenwart eines Tages:&nbsp;in ein paar Stunden spielen und motzen, folgen und trotzen.&nbsp;Die Welt ist einfach da und in ihr tausend Dinge, die man anfassen kann und tausend, die unsichtbar sind. Alle Unsichtbaren leben nach dem ersten Kennenlernen gleichberechtigt in der kindlichen Phantasie: Lillifee, Nils Holgerssohn und das Jesus Kind. Die kleine Meerjungfrau, der Weihnachtsmann und Maria,&nbsp;Mutter Gottes. Sie alle passen in die Vorstellungswelt und kein Kind hat jemals die Wahrheit gesprochen, wenn es behauptet, noch nie an den Osterhasen geglaubt zu haben. Es gibt erstmal gar keinen Zweifel daran, dass es den Osterhasen gibt oder die Zahnfee oder den <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel_Gabriel" target="_blank">Engel Gabriel</a>.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Kleine Tropfen, große Wirkung: Das Taufbecken" title="himmelfahrt"  src="/ding/files/2012/08/himmelfahrt.jpg" width="576" height="267" /></p>
<p>Es gibt auch solche, die wollen bei diesem Entwicklungsstand bleiben und halten stur fest an der kindlichen Vorstellung von Gott als altem Mann mit langem, weißen Bart und goldenem Gewand. Wollen keinen Zweifel zulassen. Sollen sie doch machen wie sie wollen, &#8211; es braucht sich nicht jeder an den Rätseln göttlicher Morphologie abzuarbeiten.&nbsp; </p>
<p>Im Rest gärt irgendwann zwischen zwölf und zwanzig Lebensjahren der Zweifel. Der Platz im Kopf reicht bei ersten Philosophie-Übungen nicht für beiderlei Disziplinen und die alte <a rel="nofollow" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee" target="_blank">Theodizee-Frage</a> zerschmettert noch das letzte Verständnis für Gott. </p>
<p>Damit nicht genug: Der Glaube scheint fürs Leben nicht gemacht, denn kein Mensch verhält sich im Einklang mit den Tugenden Christi. Es ist keiner zu finden, der sie authentisch verkörpert und gleichzeitig fest im Leben steht. Keiner, der so großmütig ist. Keiner, der einzig auf das Wohl anderer ausgerichtet ist. Keiner, der alles verzeiht. Keiner, der im Glauben Autonomie erlangt, sodass er ihn über das Leben und sich selbst erhaben macht. Keiner, der glasklar erkennt, was richtig, weil es zu Gutem, und was falsch ist, weil es zu Schlechtem führt. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Kleine Tropfen, große Wirkung: Das Taufbecken" title="ho_0803_rner"  src="/ding/files/2012/08/ho_0803_rner.jpg" width="580" height="200" /></p>
<p>Bis dann sich demjenigen, der weiter forscht, demjenigen, der in der Kirche Mitglied bleibt, die Frage stellt &bdquo;Warum gehöre ich eigentlich dazu?&#8221; </p>
<p>Was ist eine hübsche Frage ist, viel hübscher als &bdquo;Warum bin ich davon ausgeschlossen?&#8221; </p>
<p>Der Katholitk prüft also seine mystischen Fähigkeiten in den Wunderwäldern der Heiligen, der Protestant seinen abstrakten Purismus. Beide grübeln sie, wie&nbsp;die metaphysische Kraft Gottes ebenso lebendig sein kann. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Kleine Tropfen, große Wirkung: Das Taufbecken" title="rose"  src="/ding/files/2012/08/rose.jpg" width="577" height="281" /></p>
<p>Bis sich die Pforten öffnen. Bis man erkennt,&nbsp;dass Gott immer dort zu finden ist, wenn die gesamte Schönheit allen Lebens in einer losen Geste steckt. </p>
<p>Ein Beispiel? Wenn Mann und Frau, die sich als Liebe des Lebens gefunden haben, mit ihrem Kind vorm Taufbecken stehen -&nbsp;ihm also&nbsp;den christlichen Weg empfehlen &#8211; und ein älteres Geschwisterchen dem kleinen Wonneproppen vorsichtig die Haare abtrocknet. </p>
<p>Ach, es sieht so simpel aus!</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>documenta-Experten gesucht! &#8211; Das Namensschild</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Aug 2012 08:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Halbzeit in Kassel. Die einen waren schon auf der Kunstausstellung mit Weltruhm, die anderen haben es noch vor. Der Besuch lohnt sich in jedem Fall: Jeder sollte sich nach eigener Manier an der Kunst abarbeiten. Rezeptionsschablone? Fehlanzeige!  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/08/01/documenta-experten-gesucht-das-namensschild-422/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&bdquo;Sie sehen so offiziell aus&#8221;, spricht mich ein liebenswertes Muttchen auf dem Friedrichsplatz in Kassel an und zeigt auf mein gelbes Namensschild. &bdquo;Können Sie mir sagen, wo ich anfangen soll?&#8221; Ich bin allerdings gerade eben auf der documenta angekommen und es ist nicht mal drei Minuten her, dass ich mir das Schild vom Pressestand angeklippt habe. Also klappen wir, wie immer und überall, wenn sich zwei Ortsfremde nach dem Weg fragen, die Karte auf.</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="karlsaue"  src="/ding/files/2012/08/karlsaue.jpg" height="215" width="580" /></p>
<p>Mit allen Buchstaben des Alphabets sind die Ausstellungsplätze auf der Karte in grauen Kreisen gekennzeichnet, und weil das Alphabet anscheinend nicht ausreichte, gibt es auch Kringel mit &bdquo;Ä&#8221; bis &bdquo;Ü&#8221;, außerdem das von Germanisten heiß geliebte &bdquo;ß&#8221; und sogar ein &bdquo;&OElig;&#8221; wie in &OElig;vre. Das Kunstwerk hinter dem klangvollen &bdquo;&OElig;&#8221; befindet sich in der Galeria Kaufhof. &bdquo;Ah ja&#8221;, sagt das Muttchen schlau, &bdquo;das mache ich dann am Ende. Ist ja Sommerschlussverkauf.&#8221; Sie bedankt sich und flitzt zurück zu ihren Freundinnen gleichen Alters. Ich bezweifle und bewundere zugleich ihren Aktivismus. Mir scheint der Besuch auf der documenta wenig kompromissfähig: Entweder documenta oder alles andere. Beiderlei ist nicht zu bewältigen. Aber Menschen in Gummi-Sandalen mit angepasstem Fußbett und atmungsaktiven Pluderhosen sollte man nicht unterschätzen.</p>
<p>Auch meine Freundin und mich packt der Aktivismus. Von &bdquo;A&#8221; bis &bdquo;Ü&#8221; &#8211; wir wollen alles sehen. Als hätte die Kuratorin genau diese Ungeduld erwartet und drosseln wollen, stehen wir in der documenta-Halle zuerst vor abgedeckten Zeichnungen von Gustav Metzger. Will man sich eine anschauen, muss man den abgegriffenen Flanell-Lappen anheben oder sich hinter die Schulter von einem Fleißigen stellen, der die Arbeit übernimmt. Oder man lässt es bleiben, &#8211; wir haben doch keine Zeit! Wir legen es nicht auf Entschleunigung an, wir wollen Achterbahn! Wir wollen Farben, wollen Drohungen, wollen Abgründe und den Olymp und zwischendurch Latte Macchiatto.</p>
<p>Wie zum Trost für den zurückhaltenden Empfang in Grau mit noch mehr Grau (auf meterhohen Architektur-Zeichnungen von Juli Mehretu) knallt endlich Farbe von allen Seiten im Bilderraum von Yan Lei. Selbstgemalte Kopien von Dürer bis Warhol zwischen asiatischem Fotorealismus umreißen den multikulturellen Kosmos der Kunst, die nicht weniger will, als die ganze Welt zu umarmen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="Yan-Lei"  src="/ding/files/2012/08/Yan-Lei.jpg" height="249" width="580" /></p>
<p>Allerdings kuriert anschließend die zentrale Halle den Farbenrausch. Thomas Bayrles acht mal dreizehn Meter große Fotomontage von einem Flugzeug aus unzählig vielen kleinen Flugzeugen schluckt die bunte Welt mit einem Happen. Stattdessen: Bedrohung aus der Luft. Wir fliehen vor dem assoziativen Gewaltakt, den auch die Installation mit summenden Auto-Motoren nebendran nicht als technologischen Dialog abmildern kann.</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="bayrle"  src="/ding/files/2012/08/bayrle.jpg" height="244" width="580" /></p>
<p>Wir fliehen ins Raumkino von Nalini Malani, in dem Scheinwerfer durch vier große, buntbemalte Zylinder hindurch Schattenspiele an die Wände projizieren. Wie Kinder, die Unterschlupf in einer Höhle gefunden haben, setzen wir uns auf den Boden und lassen uns von bewegten Figuren, wie man sie aus indischen Tempeln kennt, auf einen düsteren Ausflug in die Weltenseele entführen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="raumkino"  src="/ding/files/2012/08/raumkino.jpg" height="255" width="577" /></p>
<p>Wieder an der frischen Luft, will erneut ein anderer Besucher von mir wissen, was er sich als nächstes anschauen sollte. Wie ein König zeige ich mit großer Geste auf die Karlsaue, die man von hier aus nur in Ausschnitten durch die Bäume sehen kann. &bdquo;Überall und alles, Sie können es gar nicht verpassen.&#8221; Sage es nicht böswillig, sondern bloß, weil ich die vielen Zelte der letzten documenta erinnere. Vor der Orangerie angekommen wird im Gegensatz dazu deutlich: Hier wird gegeizt. Diesmal muss man die Kunst suchen. Sie hüpft einem nicht aus allen Augenwinkeln entgegen. Der gesamte Platz vor der Orangerie wurde an bloß zwei Objekte verschenkt, die ich als überzüchtete Weiterentwicklungen der Idee eines englischen Gartens verstehe: In den Rasen ist ein mit Roggenähren umpflanzter rechteckiger Tümpel eingelassen. Außerdem bäumt sich ein grasüberwachsener Hügel auf, unter dem ein Abfallhaufen schlummert. Landeier wie ich eins bin lassen sich von dieser manierierten Dramatisierung landläufiger Naturprozesse nur schwer beeindrucken.</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="orangerie"  src="/ding/files/2012/08/orangerie.jpg" /></p>
<p>Meiner Freundin geht es kaum anders. Sie schimpft. Dafür sei sie nicht nach Kassel gereist und rümpft die Nase. Ich gebe ihr mein Namensschild. Kritiker vor! Sie schimpft über das Beduinen-Zelt, das leider an diesem Tag geschlossen hat. Sie schimpft über die langen Wege, die es uns unmöglich machen, alles zu sehen, was sich in den Ecken der weitläufigen Karlsaue versteckt. Wir haben tatsächlich keine Zeit, sondern einen Zug zurückzunehmen.</p>
<p>Aber am allermeisten schimpft sie, als wir das Museum Fridericianum betreten und das ganze Erdgeschoss leersteht. Das ist für sie der Gipfel der Dekadenz: der Ausdruck einer Gesellschaft, die das Nichts über jegliche Ziele, Werte, ja sogar über die Schönheit stellt. Ich steuere dagegen: Das könnte man doch auch als Gegenentwurf für unsere medial überschwemmte Welt bewerten. Als Abkehr von illusionierenden Oberflächen und eine Sehnsucht nach neuen Projektionsflächen!</p>
<p> <img alt="Bild zu: documenta-Experten gesucht! - Das Namensschild" title="fridericianum"  src="/ding/files/2012/08/fridericianum.jpg" height="228" width="580" /></p>
<p>Meine Freundin will davon nichts hören. Wie ein Zeuge im Gerichtssaal zeigt sie mit dem Finger auf einen Glaskasten. In dem Glaskasten ist das einzige wahrnehmbare Kunstwerk im ganzen Erdgeschoss: Es ist ein fünfseitiger Brief, den der Künstler Kai Althoff der documenta-Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev geschrieben hat. Er erklärt darin, warum er bei der documenta nicht teilnehmen möchte.</p>
<p>Reine Selbst-Beweihräucherung lautet das Urteil meiner Freundin. Ich kann das nicht widerlegen und will es auch nicht. Mir gefällt die Diagnose. Zum Abschied schenke ich ihr mein Presseschild. Sie freut sich und will es zu ihren anderen Medaillen hängen. Ich grinse. Einen Altar fürs Ego bauen sich anscheinend nicht nur documenta-Kuratorinnen. </p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Pommernregen beim Storchennest</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/07/18/pommernregen-beim-storchennest-417/</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 06:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Bei Regen könnte man keine erholsamen Ferien machen? Wer das denkt, hat wohl noch nie einen Hunde-Tag eingelegt, an dem man sich von einem Körbchen ins andere kuschelt. Und zwischendurch gibt es die Reha-Injektion aus rein natürlichen Inhaltsstoffen.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/07/18/pommernregen-beim-storchennest-417/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Zurzeit hat es Mecklenburg-Vorpommern nicht leicht, sein Standortmarketing &#8220;Urlaubsland&#8221; zu verteidigen. Jedenfalls nicht, wenn man mit der standardisierten Katalogvorstellung &#8220;Sonnenbrand, tropfendes Eis am Stiel, Sand im Portemonnaie&#8221; an die Sache ran geht. Es regnet nämlich. Jeden Tag. Zumindest nicht den ganzen Tag. Aber manchmal auch das. Plitschplatsch prasselt es in die Pfützen, plitschplatsch: Socken nass. Dummerweise ist es schon der zweite Sommer in Folge. Im letzten Jahr stieg der See sogar bis kurz vor unsere Terrasse an. So schlimm ist es dieses Jahr nicht, &#8211; noch nicht. Aber das ist wohl nur ein schwacher Trost für den, der die Hoffnung aufgeben und lieber Lana Del Rey in die Sommerdepression folgen möchte. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Pommernregen beim Storchennest" title="storche"  src="/ding/files/2012/07/storche.jpg" height="222" width="579" /></p>
<p> Allerdings greifen die übrigen mecklenburgischen Parameter auf dem Weg zur Tiefenentspannung trotzdem. Wenn sie nicht sogar durch den Regen noch deutlicher hervorstechen. </p>
<p> Während die Welt hinter dem Nieselregen verschwindet, erlebt der Urlauber die Ausdehnung der Zeit. Das ist ein bekanntes Phänomen; schon Bismarck riet beim Weltuntergang nach Mecklenburg zu ziehen, schließlich passiere hier alles fünfzig Jahre später. </p>
<p> Hier verliert das Diktat des Aktivismus seine Wirkung. Mit bestem Gewissen legt man gerade bei Regen einen Hunde-Tag ein, an dem man sich bloß von einem Körbchen ins andere kuschelt: Langes Frühstück bis drei, kurzer Ausflug zum Supermarkt gepaart mit kleiner Schlössertour, danach Tee und Kekse im Sofa mit gutem Buch. Mittagsschlaf zwischen sechs und acht. Aperitif um neun, Dinner um zehn, Nachtisch um Mitternacht. Danach elf Stunden Schlaf in dunkler Ruhe. So verrinnen zwei Tage wie zwei Wochen. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Pommernregen beim Storchennest" title="basedow"  src="/ding/files/2012/07/basedow.jpg" height="220" width="576" /></p>
<p> Verabreden braucht man sich in Mecklenburg nicht. Man hat nämlich schon mehrere Dates. Man ist verabredet mit dem Storchenpaar, das mit seinen roten Schnäbeln bis zehn Meter vorm Haus im grünen Gras stochert. Stundenlang kann man ihnen dabei zusehen. Es stört sie ja keiner, regnet doch. Stört sie aber auch bei gutem Wetter keiner, sonst hätten sie hier gar nicht erst das Wagenrad bezogen.</p>
<p> Sprengt die Sonne zwischendurch die Wolkentürme und verspricht eine trockene Stunde, trifft man sich beim Spaziergang mit dem großen Feldhasen, der durch die Ackerfurche im Stoppelfeld hoppelt. Zwei Kraniche tanzen dazu auf runden Strohballen. Nur der Rehbock will nichts aufführen, dafür hat er keine Zeit, er ist den duftenden Ricken auf den Fersen. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Pommernregen beim Storchennest" title="himbeeren"  src="/ding/files/2012/07/himbeeren.jpg" height="283" width="576" /></p>
<p> Nach dem Regen jagt auf dem Spaziergang eine Reha-Injektion ins Blut. Aufnahmestation: Nase. Die sensorische Reise beginnt mit Tannengrün. Nächster Halt: honiger Blütennektar. Transit: moorige Erde. Ankunft: Erntekorn. </p>
<p> Die Reise ist visuell gepaart mit rotem Mohn im sich bis zum Horizont streckenden Gold aus reifem Getreide. Mit vollen Blätterreben an meterdicken Baumstämmen. Mit zu Wohnhäusern umfunktionierten Scheunen. Mit Pferden im Garten. Mit mahnenden Schlossruinen und restaurierter Backsteingotik.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Pommernregen beim Storchennest" title="mohnfeld"  src="/ding/files/2012/07/mohnfeld.jpg" height="233" width="579" /><br /> Nirgends kann sich der Städter an störenden Merkmalen seines Alltags verhakeln. Nicht mal das Handy findet hier Empfang. Warum sollte man auch telefonieren und sich rausreißen lassen aus dem wohligen Mantel des Ganz-bei-sich-Seins? Reicht doch, dass am Ende der Ferien die eigenen Batterien bis zum Überlaufen voll sind. Und man verwundert ist, wenn man mit Tatendrang zurück ins Leben hüpft. Plötzlich kann man die urbane Hektik wieder gut vertragen. Als hätte sie einem sogar etwas gefehlt. Wer hätte das gedacht?</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Jeff Koons und die Juniortüte</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/07/04/jeff-koons-und-die-junior-tuete-413/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Jul 2012 05:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagswelt]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Geschenkpapier]]></category>
		<category><![CDATA[Glanzpapier]]></category>
		<category><![CDATA[Hulk]]></category>
		<category><![CDATA[Konsumkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Retter]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Unsere Konsumwelt überzieht der Künstler Jeff Koons mit glitzerndem Oberflächenzauber. Im Museum geht das Konzept auf. Aber ist es auch alltagstauglich? - Eine Begegnung.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/07/04/jeff-koons-und-die-junior-tuete-413/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>&bdquo;Welches Spielzeug?&#8221; Fragt mich der automatische Mensch hinter der Kasse. Dafür bin ich doch zu alt, denke ich, auch wenn ich Pommes &amp; Burger als Kinderportion bestelle. Aber vielen Dank fürs &nbsp;Kompliment. Dann mal her mit dem Spielzeug. Ist ja umsonst. Sind ja nur fünfhunderttausenddreiundsechzig Kilowatt in die Produktion geflossen. Aber Konsumkritik im Fast-Food Restaurant ist schließlich bigott und ich dafür zu träge. Ist so heiß heute.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Jeff Koons und die Juniortüte" title="auto"  src="/ding/files/2012/07/auto.jpg" height="230" width="580" /></p>
<p> Es fügt sich doch gut zusammen: Trash-Food und fauler Mensch. Kein Bock auf Kochen, kein Bock auf Kauen. Dazu gesellt sich ein dumm vergnügliches Plastikteil. Was soll das Ding überhaupt darstellen? Ich schaue mir die &nbsp;Figur genauer an: Für ein Gesicht hat es nicht gereicht. Hat bloß ein paar Kratzer, die Mund und Nase im Ganzen sein sollen. Bißchen gruselig. Da waren wohl die Produktionsmaschinen nicht filigran genug eingestellt. Hoffentlich war das der Grund und nicht müde, asiatische Kinderhände.</p>
<p> Ist bestimmt eines dieser Monster, die auf dem Comic-Kanal wahlweise die Welt retten oder zerstören wollen. Das Kind am nächsten Tisch weiß jedenfalls genau, welche Kräfte das Monster hat. Es ballert damit die schmatzenden Gäste im Restaurant ab, mit viel Spucke, die aus seinem Mund spritzt. Langsam wischt sich die Mutter den Sprühregen aus ihrem Gesicht. Ihr selbst, aber nicht dem Kind. Dafür hat sie jetzt eine Fettspur mit Ketchup an der Wange. Aber sie stört es nicht. Ist so heiß heute. </p>
<p> Trivialitäten des Alltags? Nicht relevant für einen Geist, der sich in immer höhere Sphären aufschwingen möchte? Hätte man gerne. Doch Leben tropft lauwarm vom immergleichen Burger. Braucht man nicht die Augen vor verschließen. Wird nicht besser, nur weil alles sich ändert. Wenn man sich nur artig nachhaltig verhält. Wenn man nur an etwas glaubt. Wenn man sich stetig bemüht; &#8211; zum Schluss isst du die gleiche lasche Fritte. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Jeff Koons und die Juniortüte" title="prinzessin"  src="/ding/files/2012/07/prinzessin.jpg" height="216" width="580" /></p>
<p> Ist ja ein netter Versuch von Jeff Koons, wenn er versucht uns die banale Konsumwelt schmackhaft zu machen und mit einem Oberflächenzauber überzieht. Gerade machen seine Werke Station in der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.schirn.de/ausstellungen/2012/jeff-koons/koons-ausstellung.html">Frankfurter Schirn</a> und im Liebighaus. Kann jeder hingehen und sich selbst illusionieren lassen. Wenn er Spielzeugfiguren zu großen Skulpturen aufbläst, die so tun, als könnten sie schweben. Als könnte man sie an einer Schnur spazieren führen wie einen Luftballon. Dabei sind sie tonnenschwer. Fast so schwer wie ein Burger im Magen.</p>
<p> Bunter Glanz knistert auf Koons Gemälden in der Schirn wie Geschenkpapier. Oh, wie aufregend, ich kriege ein Geschenk. Ich habe Geburtstag! Christus hat Geburstag! Irgendwer hat immer Geburtstag! Wow, ein Geschenk für mich, das freut mich doch. Jeder freut sich über Geschenke. Danke, liebe Fast-Food-Kette für das tolle Gratis-Geschenk in meiner Junior Tüte, das ich ja gar nicht zahlen musste, &#8211; mit Geld, Zeit oder gutem Gewissen. </p>
<p> Doch Koons sieht das nicht so streng. Er will uns etwas anderes zeigen, wenn er mit den Spielzeugfiguren arbeitet, die wir von der Kirmes kennen. In einem großen Luftballonstrauß schweben sie dort als Snoopy und Alf zwischen pinkgestreiften Zebras und natürlich Sponge Bob. Sie wiegen sich im Wind und glitzern in der Sonne. Es riecht nach Zuckerwatte und Eiscreme. Der Glücksmoment im Kinderlachen ist natürlich ein gutes Sujet von Koons. Macht gute Laune. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Jeff Koons und die Juniortüte" title="herz"  src="/ding/files/2012/07/herz.jpg" height="231" width="577" /></p>
<p> Aber Koons treibt es noch weiter. Auch Mystik kann er unterbringen, wenn er im Liebighaus zwei mannshohe grüne <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.google.de/imgres?q=hulk&amp;um=1&amp;hl=de&amp;client=firefox-a&amp;sa=N&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;biw=1280&amp;bih=666&amp;tbm=isch&amp;tbnid=1hyC26E4KrTeSM:&amp;imgrefurl=http://incredible-hulk-library.com/superhero-library/incredible-hulk/incredible-hulk-profile.aspx&amp;docid=GnGI5rVu6uvMEM&amp;imgurl=http://incredible-hulk-library.com/superhero-library/Img/Characters/hulk-from-the-movie.jpg&amp;w=309&amp;h=384&amp;ei=J-_zT5vnFYjN4QTjv-HjBg&amp;zoom=1&amp;iact=rc&amp;dur=440&amp;sig=106090707901024088484&amp;page=1&amp;tbnh=138&amp;tbnw=111&amp;start=0&amp;ndsp=17&amp;ved=1t:429,r:8,s:0,i:166&amp;tx=49&amp;ty=54">Hulks</a> eine schwere Metallglocke an einer Tragebahre schultern lässt. Zwischen antiken Asiatika fließt Spiritualität durch den Raum, als wäre sie das einzig wirksame Hilfsmittel gegen die ewigen Lasten der Menschen, die einen Retter brauchen. Einen Retter, der in jeder Zeit zu finden sein muss. Ein Ideal, eine Wahrheit, die ewige Gültigkeit. Allgegenwärtig bis ins Fast-Food-Restaurant. In unserem Fall ist es der Hulk, sagt Koons. </p>
<p> Und weil Koons sich soviel Mühe gegeben hat, nehme ich anerkennend mein <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.tz-online.de/bilder/2012/01/23/1573432/789160481-pommes_fkn.9.jpg&amp;imgrefurl=http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/irrer-gerichtsprozess-sind-pommes-kunst-1573432.html&amp;h=356&amp;w=475&amp;sz=149&amp;tbnid=HhVBjzPo9faYhM:&amp;tbnh=93&amp;tbnw=124&amp;prev=/search%3Fq%3Dgoldene%2Bpommes%26tbm%3Disch%26tbo%3Du&amp;zoom=1&amp;q=goldene+pommes&amp;usg=__axdqJ_6E2KFK9J2GnypeeBNEq7M=&amp;docid=7yMH2EDYY3zKXM&amp;sa=X&amp;ei=c-_zT5DECuX_4QScv52SBw&amp;ved=0CFAQ9QEwAw&amp;dur=521">Goldpuder und verstreue es auf die Pommes und die Mayo</a> &#8211; es ist ja nicht meine Schuld, dass die Welt häßlich ist. Es ist bloß meine Schuld, wenn sie so bleibt. </p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Blog&#8217;s doch! &#8211; Der Kommentar</title>
		<link>http://blogs.faz.net/ding/2012/06/20/blog-s-doch-der-kommentar-409/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Jun 2012 07:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sophie von Maltzahn</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Mein Text ist der Anstoß. Dann kommen die Kommentatoren: Sie machen das Tor. Das sei übertrieben? Keineswegs. Denn bloggen ist nicht Einermanns Sache, sondern vielmehr ein Mannschaftssport.  <a href="http://blogs.faz.net/ding/2012/06/20/blog-s-doch-der-kommentar-409/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>
<style>  </style>
</p>
<p>Am Anfang steht mein Text. Mein Blog. Dafür köcheln die Gedanken wie ein Soßenfond im bunten Allerlei. Das Aroma soll nicht verloren gehen, nur weil sich in diesem Moment keine Verwendung aufdrängt. So sammelt sich unsortiert im köchelnden Wein mein Zorn neben Spott, meine Sehnsucht neben Übersättigung, mein Unwille und meine Anpassung. </p>
<p> &bdquo;Blog&#8217;s doch&#8221;, sagt ein Freund zu mir, wenn ich mich in Rage rede, aber die Runde andere Themen hat. Also werden periphere Beobachtungen, aufgelesene Formulierungen und gute Antworten &#8211; die im Nachhinein erst einfallen &#8211; nicht vergessen: Sie wandern in den Topf. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Blog's doch! - Der Kommentar" title="spiegelbrille"  src="/ding/files/2012/06/spiegelbrille.jpg" /></p>
<p>Von Tag zu Tag hebe ich den Deckel und schnuppere, ob sich schon ein wenig Relevanz abgesetzt hat. Doch so kann es nicht ewig gehen, schließlich ist der Abgabetermin festgelegt. Himmel sei Dank, sonst würde ich es wahrscheinlich noch schaffen, den Ideenfond zu zerkochen, dass er sauer wird und ungenießbar. Also schöpfe ich am Tag des Schreibens mit möglichst großer Kelle ab, was sich dieses Mal vom Leben absorbieren ließ. Für meine Gäste, meine Kommentatoren. </p>
<p> Auf die ich allerdings auch neidisch werden kann. Schon oft habe ich erlebt, dass Freunde mich auf mein Blog ansprechen, aber dann nicht meinen Text loben, sondern die Kommentare. Das kann einem in den &#8220;alten Medien&#8221; nicht passieren. Da bleibt man erst einmal im abgesicherten Monolog. Eine Freundin schaffte es sogar mich zu schocken. Sie sagte: &bdquo;Doch ich lese deine Blogs. Aber nicht immer. Ich schaue erst die Kommentare an, ob es sich lohnt.&#8221; &nbsp;</p>
<p> Wozu mache ich mir denn die Mühe, klage ich heimlich. Aber ich will es mir nicht anmerken lassen. Der Stolz auf meine Kommentatoren verhilft mir im letzten Moment zur richtigen Haltung: Wir sind eine Mannschaft und in einer Mannschaft stellt man sich kein Bein. Also wird sie runtergeschluckt, die olle Missgunst.</p>
<p> Denn selbstverständlich sitze ich voller Spannung vor der Blog-Software und warte auf Kommentare wie auf eine Amazon-Lieferung. Bis zu drei oder vier Tage nach dem Publizieren kann noch ein Neuer in der Liste erscheinen. Dann ebbt es meistens ab. Gegenlesen und freischalten, gegenlesen und freischalten; es ist das Letzte, was ich vorm Einschlafen tue und das Erste nach dem Aufwachen. Manchmal auch in der Nacht. Ich checke die Kommentare wie andere ihre Aktienkurse.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Blog's doch! - Der Kommentar" title="vorhang"  src="/ding/files/2012/06/vorhang.jpg" /><br /> Es gibt aber auch Kommentatoren, um die ich mir Sorgen mache. Was soll ich tun, wenn eine mir schreibt: &#8220;Vielleicht liegt es in den Genen, wenn wir öfter etwas für den Magen jagen als blindwuetig durch die Gegend zu schiessen aus lauter Wut auf alles moegliche.&#8221; Wovon wird sie verfolgt? Sollte ich die Polizei rufen? </p>
<p>Andere glaube ich sehr gut zu kennen. Am besten wohl den Doktor aus Amerika , der sich mit weich klingender Seele in den Diskurs einschaltet. Er hat für jeden ein gutes Wort. Im echten Leben kümmert er sich über die Weihnachtstage um seine Patienten, im echten Leben fährt er gerade rückwärts aus seiner Ehe raus. </p>
<p>Es gibt leider auch die faschistischen Spinner. Sie schimpfen aufs Übelste über Frauen, Schwule und Schwarze und scheinen sich überhaupt nicht für den angestoßenen Dialog zu interessieren. Diese Kommentare, liebe Leser, schalte ich nicht frei. Ich bin nicht bereit, solchen Bösartigkeiten eine Plattform zu bieten. Und ich wäre sehr dankbar, das nicht mehr so oft erleben zu müssen. Das dreht einem den Magen um, meistens schon vorm Frühstück. </p>
<p>Doch davon abgesehen ist es eine nette Runde. </p>
<p>Wir analysieren: </p>
<p><i>&#8220;Nun ja, die Endorphine sind wieder da. Ein schönes Regulativ der inneren Unruhe. Alles sieht besser aus. Entspannter. Pasta, pesce e vino schmecken jetzt auch einfach besser.&#8221; (von Nico) </i></p>
<p><i>&nbsp;</i>Wir rebellieren:</p>
<p><i>&#8220;Bester Jeeves: Was hielten Sie von einer Schlossbesetzung? Wir müssten uns ja nur ein schönes aussuchen und eventuelle Vorbewohner daraus vertreiben. Und dann das Fallgatter runter und die Pechkessel aufs Feuer&#8230;! (Von Kopfgeburt) </i></p>
<p>Und lassen dennoch Gnade walten: </p>
<p><i>&#8220;(Investment) Banker sind auch nur Menschen und im Durchschnitt nicht weniger oder mehr peinlich als jeder andere Mensch auch. (von Christian) </i></p>
<p>Wir suchen den Ausweg: </p>
<p><i>&#8220;Ich rate zum Tanz auf dem Vulkan.&#8221; (von Realist) </i></p>
<p>Erklären die Welt: </p>
<p><i>&#8220;Die Schuhe wollte sicher so ein verschlafener Nachläufer noch zum Bundesverteidigungsministerium bringen, weil das doch jetzt alle Anständigen machen, aber dann war der Guttenberg schon weg, und die Dinger wieder nach Haus zu nehmen ist doch zu mühsam.&#8221; (Böhmenfürst) </i></p>
<p> <img alt="Bild zu: Blog's doch! - Der Kommentar" title="chor"  src="/ding/files/2012/06/chor.jpg" /></p>
<p>Loten neue Erden aus: </p>
<p><i>&#8220;Analogkäse? Das ist doch keine Strafe &#8211; sondern lediglich ein anderer Entfaltungsraum, oder? (von Järgen Ashkenasi) </i></p>
<p>Und spüren ungestellte Fragen auf:</p>
<p><i>&#8220;Was ich nie verstanden habe ist, warum die Fee Amarylllis des großen und bösen Zauberers Petrosilius Zwackelmanns Schloß nach dessen Ende einfach wegzaubert &#8211; mitsamt Inventar und Bibliothek.&#8221; (Von HansMeier555)</i></p>
<p>Wir dichten:</p>
<p><i>&#8220;Kommt ein Marder geflogen, holt die Sonne ein, fliegt zum Mond und holt den Käse aus dem Krater, fluggs zum Mars und Nase putzen, Marder muss die Flügel stutzen und schon geht es weiter immer heiter auf die Erd zurück, die fliegt auch noch, was für ein Glück! Rosen stehen und Tulpen bleichen, während braune Eichen im Nebel langsam weichen und so weiter und so fort &#8230;&#8221; (von Oliver-August Lützenich)<br /> </i><br /> Wir mögen es lakonisch: </p>
<p><i>&#8220;Köstlich krankes Zeug.&#8221; (Muscat) </i></p>
<p>Vor allem Ironie: </p>
<p><i>&#8220;Und auch wenn ich nur noch den äußerst günsten SuperPlus tanken kann dank in die Jahre gekommenen motorisierten UNtersatz, so werde ich doch Vollgas geben und ganzen Abteilungen in Flensburg Arbeit beschaffen bis auch der letzte Tropfen Öl auf diesem Planeten in gesundes CO2 verbrannt wurde.&#8221; (von Asper)<br /> </i></p>
<p>Wir ärgern uns:<i><br /></i></p>
<p><i>&#8220;Ach, Frau von Maltzahn, musste das sein? Flach, Stereotype, ärgerliche Plattheiten. Das Thema sollte man ernsthafter und ohne folkloristische Verklärungen behandeln. Vielleicht kann man langsam zu der Einsicht gelangen, dass Autofahren per se schlecht ist und allenfalls als notwendiges Übel geduldet werden muss.&#8221; (Von Roleur) </i></p>
<p>Und Hinterfragen:<br /> <i><br />&#8220;Dennoch sei die verdutzte Frage gestattet: Was hat das mit Ding und Dinglichkeit zu tun? Kündigt sich da eine unschöne Versachlichung des rätselvollen Phänomens an?&#8221; (von Ill ty Diff)</i> </p>
<p>und ziehen vor Gericht:</p>
<p> <i>@ Filou &#8221; &#8230; wenn Ironie in der Literatur vom Leser verstanden wird, wieso schaffen wir, die wir und als nicht gerade ungebildet verstehen, es nicht, uns entsprechend auszudruecken? Antwort: Aus purer Selbstüberschätzung. (von Vroni) </i></p>
<p>Bis wir wieder Frieden schließen:</p>
<p><i>&#8220;Bravo! Zum Schluss des Durcheinanders eine alte Geometrieregel: Parallele Linien kreuzen sich nie, auch nicht in der Unendlichkeit. Das gilt auch fuer Parallelwelten, -kommentare und -diskussionen wie hier. Aber allesamt klug. Bis zum naechsten Bloggefecht, Ihr Wackeren!&#8221; (Von Dr. Peter Niemann)<br /> </i><br /> In diesem Sinne, bringe ich dieses Blog auch nicht zu Ende, sondern winke allen Mit-Bloggern &#8211; jeder ist ein Blogger, der einen Beitrag ins Internet stellt &#8211; nur fröhlich und dankend von meiner Seite des Laptops zu. </p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/ding/author/faz-soma/">Sophie von Maltzahn</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/ding">Ding und Dinglichkeit</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
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