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Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Nervensägen

Wenn er einfach nur dasitzt oder herumsteht, sieht er mit seiner strähnigen Frisur und seinen dilettantisch gestochenen Tattoos aus wie der Frontman einer...

Wenn er einfach nur dasitzt oder herumsteht, sieht er mit seiner strähnigen Frisur und seinen dilettantisch gestochenen Tattoos aus wie der Frontman einer drittklassigen Rockband, die es vorzieht, ihre Lieder nicht in hartem Englisch, sondern in noch härterem Kroatisch vorzutragen. Doch sobald Ivano Balic das Spielfeld betritt, ist das alles vergessen. Seine Beweglichkeit, gepaart mit enormer Antrittsschnelligkeit, ist phänomenal, seine Unterarmwürfe und No-Look-Pässe wirken anstrengungslos, und es gibt kaum einen Spielmacher, bei dem so deutlich zu sehen ist, wie sehr er den Takt vorgibt. Wenn Balic einen Spielzug einleitet, hat man den Eindruck, die kroatischen Feldspieler seien durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden, die alle bei dem Mann mit der 18 auf dem Rücken zusammenlaufen: Bewegt er sich, bewegt sich das Spiel. Und gegen die schwankenden Schweden reichte seine unerwartet frühe Präsenz aus, Kroatien Richtung Sieg zu steuern. So straft Balics Spiel auch den martialischen Schwachsinn Lügen, den sein Trainer Lino Cervar von sich gibt, der nach der Vorrunde schwadronierte: „Wir müssen auf dem Spielfeld sterben, weil das unsere Hauptwaffe ist.”

Unter den Nervensägen der WM liegt Cervar ganz weit vorne, ernsthafte Konkurrenz droht ihm nur vom polnischen Coach Bogdan Wenta, der zu den unangenehmsten Verlierern zählt, der ständig lamentiert, sich in große Anklageposen wirft und, wie schon bei der WM 2007, auch nach dem Ausnahmezustand am Spielfeldrand nicht die Klappe halten kann, sondern anschließend Schiedsrichter beschimpfen muss, weil es ihm offenbar nicht gelingt, seine Mannschaft einzustellen – oder zu akzeptieren, dass sie halt nicht so stark ist wie vor zwei Jahren. Vermutlich wird auch Claude Onesta, der Franzose, wie 2007 noch zu großer Form auflaufen; bisher hat sich seine Mannschaft reibungslos durchs Turnier bewegt, aber spätestens, wenn Balic und Karabatic auf dem Parkett stehen, wird man aufpassen müssen, ob nicht am Spielfeldrand mehr geklammert, geschimpft, gestikuliert und schließlich gestorben werden wird als am Kreis.

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