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Gazprom, hilf!

04.03.2009, 11:15 Uhr

Von

Josef Schnusenberg saß mit dem Gesicht eines Buddhas auf der Tribüne, nur dass Buddhas nicht rauchen, Fred Ruttens Kinn wirkte noch spitzer als sonst, Jermaine Jones gab nach dem Abpfiff im leichten Falsett nahezu Unverständliches von sich  – und am Ende war klar, dass Schalke keine Mannschaft auf dem Platz hat, mit der sich mehr als Platz 8 erreichen lässt, wenn man nicht einmal gegen harmlose Mainzer im Pokal bestehen kann.

Alle Fragen, die man derzeit an Schalke richten kann, führen erst einmal zu Andreas Müller. Wer hat diesen Sanchez gekauft, der weder aus dem Lauf flanken noch einem gelungenen, wenngleich sinnlosen Übersteiger ein präzises Abspiel folgen lassen kann? Wo ist Grossmüller? Bei den Schalker Amateuren natürlich! Erinnert sich noch jemand an Ze Roberto II? Und nur ein Klugschwätzer wie Bela Rethy wundert sich, dass Orlando Engelaar so schwach spielt, nachdem schon bei der Euro sichtbar war, dass seine Qualitäten Mitspieler wie Snijder oder van der Vaart benötigen, um zur Geltung zu kommen, jedoch neben Jones oder bis vor kurzem Ernst oder einem wenigstens 90 Minuten volles Tempo gehenden Westermann verkümmern. Kobiashvili ist notorisch überfordert, wenn er spielen muss. Die Innenverteidigung Bordon/Krstajic ist überaltert, im Spielaufbau kaum existent und im entscheidenden Moment wie in Mainz völlig verpennt. Und Rakitic, der über mehr Technik und Spielintelligenz verfügt als die gesamte Kette der drei Sechser, hat offenbar weder den Biss noch bekommt er die Chance, mehr aus seinen Fähigkeiten zu machen. Schweigen wir von Altintop und Kuranyi, dem Bartpfleger, der ständig ein wenig beleidigt wirkt, als habe man ihm das Nutellaglas weggenommen. Wer soll den noch kaufen wollen? Man fragt sich ja immer wieder ungläubig, wie er es überhaupt auf 52 Länderspiele bringen konnte.

Die Bereitschaft, krachende Entscheidungen zu treffen, ist bei dem Vorstandspersonal bestimmt vorhanden, es fehlt bloß ein Konzept, was danach kommen soll, und es fehlt wohl auch das Gazprom-Geld, Andreas Müller in die Wüste zu schicken und Fred Rutten abzufinden, der als Trainer nicht so schlecht sein mag, wie es derzeit aussieht, aber offenbar nicht willens ist, sein Spielsystem nach den Möglichkeiten des Kaders auszurichten. Wo ein Rudi Assauer aus dem Hintergrund krakeelt und man fürchten muss, ein Sparrhetoriker wie Olaf Thon könnte sich mal wieder zu Wort melden, wo blau-weiße Folklore alle Personalpolitik einfärbt, da hilft wohl nur eine kleine Apokalypse. Womöglich müsste Schalke mal wieder absteigen, um auf die Füße zu kommen, vielleicht reicht auch schon ein brutaler Sparkurs, der in der nächsten Saison mit Sicherheit kommen wird. Und am besten wäre es natürlich, Gazprom drehte den Hahn zu, dann ginge von dem Konzern endlich mal eine segensreiche Tat aus!

 

Veröffentlicht unter: Schalke, Gazprom, Apokalypse

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
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0 Huuh.rrah 07.03.2009, 16:12 Uhr

Dieser stationäre...

Dieser stationäre Wanderzirkus war mal kurz auf dem Weg zum Fußball. Er hat seither nur ein einziges Problem: den fehlenden Lincoln.

0 hofnarr.florian 04.03.2009, 16:48 Uhr

Ein Abstieg würde sie wohl...

Ein Abstieg würde sie wohl wachrütteln, aber dafür ist der Kader auch wieder zu gut.

Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.