Eins gegen Eins

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Wikileaks bei der Fifa

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Mal wieder die Hände in Unschuld gewaschen? Joseph Blatter auf einem dpa-Bild   Was von Wikileaks jüngster Aktion zu halten ist, darüber kann man sehr...

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Mal wieder die Hände in Unschuld gewaschen? Joseph Blatter auf einem dpa-Bild

 

Was von Wikileaks jüngster Aktion zu halten ist, darüber kann man sehr geteilter Ansicht sein. Die Urteile, nur zum Beispiel, über Westerwelle, Niebel oder Seehofer – dafür hätte man nun wirklich keinen amerikanischen Botschafter benötigt. Und sehr hilfreich ist es natürlich auf jeden Fall, dass ein ehemaliger amerikanischer Gouverneur gleich die Todesstrafe für die Verantwortlichen bei Wikileaks gefordert hat und der italienische Außenminister etwas vom „11. September der Diplomatie“ daherschwafelt. Aber sieht man von Gossip, Geheimnisverrat und vor allem davon ab, dass man nun auch gerne wüsste, wie andere Diplomaten die amerikanischen Politiker sehen, dann hat ja Wikileaks auch schon weniger wahllos und weit verdienstvoller agiert, bei der Veröffentlichung der „Iraq War Logs“, der „Afghan War Diarys“ oder des Videos von Luftangriffen in Bagdad vom 12. Juli 2007 zum Beispiel.

Wäre es in dieser Tradition nicht sinnvoller und vom Timing her passender gewesen, sich jetzt mal der Fifa, dem Weltfußballverband, zuzuwenden, jener internationalen Organisation, die mehr Mitglieder (208) hat als die Vereinten Nationen (192)? Wäre es nicht, wenn heute in Zürich die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 vergeben werden, aufschlussreicher gewesen, Interna aus Sepp Blatters Duodezfürstentum zu veröffentlichen? Die Aktivitäten der Fifa-Exekutive zu durchleuchten, deren Mitglieder in einer Weise korruptionsanfällig sind, die ihresgleichen sucht auf der Welt? Da hätte man vermutlich Fakten ins Internet stellen können, die im Gegensatz zu Klatsch & Tratsch aus diplomatischen Kreisen auch juristisch verwertbar geworden wären.

An Teflon-Blatter, dem Walliser mit dem Weltbeglücker-Komplex, dem Möchtergern-Weltenherrscher, dem Geld- und vor allem Geltungssüchtigen, ist jedoch bislang alles abgeperlt, was über das Gebaren der Fifa ans Licht gekommen ist in den letzten Jahren. Der britische Premierminister David Cameron hat ihn jetzt noch wie einen Staatsgast in seinem Amtssitz empfangen, um Englands Aussichten für die Ausrichtung der WM 2018 zu verbessern. Und souveräne Staaten räumen der Fifa ohne weiteres begrenzte Territorialhoheit ein für die Wochen einer WM, als seien die Stadien und ihr Umfeld eine Enklave, in der deutsches, südafrikanisches, demnächst auch brasilianisches und anderes Recht durch Fifa-Regularien ersetzt werden. Reden wir lieber gar nicht erst von den absurden Einfällen zur Regulierung des Spiels selbst, die Blatter gelegentlich zum Besten gibt; auch nicht davon, dass die ebenso wie das IOC in der Schweiz ansässige Fifa bislang vom Schweizer Antikorruptionsgesetz ausgenommen ist.

Uli Hoeneß hatte schon Recht, als er sagte: „Beim derzeitigen Zustand der Fifa wird Franz Beckenbauer froh sein, wenn er diesen Vorstand im Mai verlassen kann.“ Was nun aber auch nichts daran ändert, dass in einer der einflussreichsten Organisationen der Welt Zustände herrschen, wie sie amerikanische Diplomaten nur aus Bananenrepubliken kennen. Auch und gerade als Fußballbegeisterter, der sich auf jede WM freut, muss man dringend wünschen, dass sich ein Land finden wird, das nach der heutigen WM-Vergabe klagt, ganz egal, wo dann 2018 und 2022 gekickt werden wird. Irgendwo muss man schließlich anfangen, jenes weitverzweigte Interessengeflecht zu zerschlagen, das die Korruption in der Fifa unausweichlich gedeihen lässt. Auch ohne Wikileaks.

P.S. Ganz großen Sport liefert heute auch der „lupenreine Demokrat“ Putin, der allen Ernstes erklärte: „In letzter Zeit beobachten wir mit großen Bedauern eine offensichtliche Kampagne, die sich gegen die Mitglieder der Fifa richtet, sie werden mit Schmutz beworfen und kompromittiert.“ Ob das reicht, Russland zum Ausrichter für 2018 zu machen? Oder hat Putin Blatter bereits angeboten, den Hauptsitz des Verbandes nach Moskau zu verlegen, fern von lästigen Antikorruptionsgesetzen?

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3 Lesermeinungen

  1. Wenn investigativer...
    Wenn investigativer Journalismus dringend nötig wäre, warum gibt es dann keinen?
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    Das beste was Qualitätsjournalisten können ist Herrn Assange zu erklären, was sie an seiner Stelle täten.
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    Ganz nach dem Berliner Motto: „Wir haben hier keine Berge — aber wenn wir welche hätten, wären sie noch viel höher…“

  2. @zaktb42: Es ist ja eher so...
    @zaktb42: Es ist ja eher so gemeint, dass investigativer Journalismus mehr ist als die flächendeckende Publikation von Klatsch und Tratsch, deshalb der Satz „auch ohne Wikileaks“. Und wenn man jetzt die Vergabe der WMs nach Russland und Katar sieht, wäre investigativer Journalismus noch dringender!

  3. Okay, ich weiss das ist ein...
    Okay, ich weiss das ist ein Blog, aber ist es nicht armselig den investigativen Journalismus jetzt ganz an Wikileaks auszulagern? Was erwarten wir dann noch von den bisherigen Medien wie der FAZ, eine Zusammenstellung von dpa Meldungen?

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