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Zum Rückrundenstart – die 5 kuriosesten Transferbemühungen von Ailton bis van Persie

19.01.2012, 14:25 Uhr

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Endlich wieder Bundesliag! Wurde auch Zeit. Das Mailänder Derby am Sonntag hatte ja nur mäßigen Unterhaltungswert, die Premier League baute einen auch nicht auf, und den Clasico am Mittwochabend habe ich mir gespart, weil es nicht nur der tatsächliche 249. Clasico seit Gründung beider Clubs, sondern auch die gefühlte 249. Begegnung seit dem letzten Frühjahr war. Auch die deutschen Handballer haben nur für plötzliche Schweißausbrüche und Verzweiflungsanfälle vorm Fernseher gesorgt, als sie gegen Mazedonien ihren mühsamen Sieg einfuhren, und statt jetzt an das drohende EM-Desaster gegen Schweden zu denken, freue ich mich lieber auf den morgigen Auftritt der Bayern in Mönchengladbach, der schon die üblichen Betriebsgeräusche erzeugt hat, weil die Bayern es nun mal schlecht vertragen konnten, dass Marco Reus dorthin wechselt, wo er auch ausgebildet wurde: zum BVB.

 

Aber es gab ja, bevor nun der Ball wieder rollt und das Transferfenster ­- was für ein wunderbarer bildhafter Ausdruck, man hat sofort Felix Magath beim Fensterln vor Augen – sich wieder schließt, auch noch andere Wechsel, die nicht erst im Sommer vollzogen werden, und solche, die trotz heftigen Gerüchteaufkommens gar nicht vollzogen wurden. Die fünf kuriosesten Transfers oder Transferversuche aus meiner Sicht gleich im Anschluss:

 

1 Ailton (38)

Bisher: Rio Branco Esporte Clube (Brasilien) Künftig: Dschungelcamp (Australien, befristet)

Wert: Eine mittlere fünfstellige Summe. Die Angaben schwanken, die Gagen sollen zudem vom Bekanntheitsgrad abhängen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass Ailton mehr als seinerzeit Harry Wijnvoord (18.000 Euro) und weniger als Brigitte Nielsen (angeblich 150.000 Dollar) Handgeld bekommt.

 

2 Carlos Tevez (27)

Bisher: Manchester City Künftig: Mailand nicht, Paris wohl auch nicht, es droht das Nirvana der Untätigkeit.

Wert: 40 Millionen Euro (laut transfermarkt.de). Und es ist schwer zu sagen, wer sich hier gerade verzockt: Manchester, das den Spieler für seine Unbotmäßigkeit bestrafen will, indem es sich gegen eine Ausleihe sperrt? Der Berater? Oder ein Club wie PSG, der sich nicht entscheiden kann, ob er Tevez nun kaufen will oder nicht? Der Mann muss sich fühlen wie der letzte der Apachen, und kein Winnetou in Sicht.

 

3 Rivaldo (39)

Bisher: FC Sao Paulo (auf Leihbasis) Künftig: Kabuscorp Sport Clube do Palanca (Angola)

Wert: 150.000 Euro (laut transfermarkt.de) Seit er 2002, schwer getroffen, im südkoreanischen Ulsan an der Eckfahne lag, hat Rivaldo viel von der Welt gesehen. Aber das reicht ihm noch nicht. Vielleicht reicht auch das Geld nicht. Oder er hat einfach so viel Spaß, dass er nicht aufhören mag, und spielt solange weiter, bis keiner mehr glauben kann, was für ein großer Spieler er mal war. Aber immerhin spricht man in Angola Portugiesisch, und man kann sich mit etwas Phantasie vorstellen, dass man bei klarem Wetter bis nach Brasilien hinübergucken kann.

 

4 Jay-Jay Okocha (38)

Bisher: Zuletzt bei Hull City (bis 2008) Künftig: West Bengal (Indien)

Wert: Von einer Gehaltsobergrenze von 600.000 Dollar ist die Rede, also ganz sicher rentenversicherungstauglich. Das nenne ich Entwicklungshilfe! Der nach ihm benannte Trick, den Ball mit der Hacke über den Kopf zu bewegen, könnte eine Milliarde Inder zur Nachahmung animieren. Vielleicht gelingt ihm ja auch mit 38 noch mal sein Okocha-Tor aus dem August 1993, und womöglich könnte er auch noch einen Spieler mehr ausfummeln als damals. Am besten wäre es allerdings, wenn zu diesem Zweck auch noch Oliver Kahn in die indische Liga wechselte.

 

5 Shaqueel van Persie (5)

Bisher: Kindergarten Künftig: Arsenal London

Wert: Fürs erste wird wohl ein Zehnerpack Milchschnitte reichen. Oder eine Playmobil-Feuerwehr. Nachdem Manchester United schon einen Fünfjährigen verpflichtet hat, sollte Arsenal sich beeilen. „Ich sehe viel von mir selbst in ihm”, sagt Vater Robin. Immerhin, das können die meisten Väter, die in ihrem Sohn den künftigen Fußballprofi sehen, nicht von sich behaupten, weil sonst die Karriere bereits beendet wäre, bevor sie begonnen hat.

 
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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.