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Eine Design-Niederlage – das Blau des DFB-Sakkos

05.06.2012, 12:42 Uhr

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Bild zu: Eine Design-Niederlage - das Blau des DFB-Sakkos

Es geht zwar in Polen und der Ukraine nicht um modische Sternstunden wie bei den großen Frühjahrs- und Herbstschauen in Paris oder Mailand, und auf dem Laufsteg, der gerade mal von den Kabinen bis auf den Rasen führt, ist die Kleiderordnung sowieso schon längst und meiner Ansicht nach nicht sonderlich zufriedenstellend geklärt, wie ich bereits vor Monaten in diesem Blog festgehalten habe, als ads neue Trikot vorgestellt wurde. Bekanntlich werden auch Europameisterschaften nicht durch den schickeren Trikotschnitt oder die elegantere Freizeitkleidung einer Mannschaft entschieden. Dadurch, dass alle auch jenseits des Spielfeldes das Gleiche tragen müssen, denkt man eh sofort weniger an Mode als an Schuluniform.

Aber ich muss dann doch kurz mein leichtes Entsetzen über die Reisekleidung auf dem Weg nach Danzig loswerden, über den Blauton, in dem die Sakkos der Spieler und Offiziellen gehalten sind. So eine Art Hausmeisterblau ist das, eine Retrofarbe für den Kittel, den früher der Mann in der Eisenwarenhandlung trug, der einem die passenden Schrauben raussuchte. Als ich Hansi Flick das erste Mal in diesem Sakko sah, dachte ich, das ist der Platzwart, der will wegen Problemen mit der Rasendrainage bei Joachim Löw vorsprechen. Der Schnitt des Sakkos ist leider auch nicht geeignet, solche Assoziationen zu vertreiben.

Die ungute Wirkung dieses Blaus wird noch verstärkt durch den Grauton der Hosen, der knapp an einem warmen Anthrazit vorbeigeht und letztlich doch an die Kleiderständer im Laden für Berufskleidung denken lässt; im Grunde ist dieser Ton ja mit einer Vielzahl von Farben kombinierbar, doch die retrofreudigen Designer von Strenesse haben sich mit tödlicher Sicherheit für eine der unvorteilhaftesten Nuancen entschieden. So als würde ein kombinationsfreudiges und meist auch kombinationssicheres Team wie das deutsche nur diese halbhohen Pässen ins Nirwana spielen, wie sie Mats Hummels immer wieder mal gerne ausprobiert.

Komplettiert wird die Unvorteilhaftigkeit des Designs durch das Schuhwerk. Soll man es dunkelbeige nennen, weil es für die Anmutung von sehr feucht gewordenem Sand keinen eigenen Begriff gibt? Oder ist es farblich nicht doch etwas heller und so schon fatal in der Nähe jener bei Rentnern beliebten Gesundheitsschuhe? Anhand der verschiedenen Pressefotos lässt sich das nur unzureichend beantworten. Nun ja, immerhin hat man beim hellen Blau des Oberhemdes nichts verkehrt gemacht.

Was ich bloß nicht verstehe: Wie konnte das Joachim Löw zulassen, der doch auf seinem Weg zur Stilikone schon einige vielversprechende Etappen zurückgelegt hat? Konnte da nicht mehr nachnominiert werden? Konnte man nicht auf Giovanni Trappatoni verweisen, der in seinen braunen Schuhen, grauen Hosen und dem dunkelblauem Sakko auch ohne gedeckte Anzugfarben immer tadellos gekleidet unterwegs ist? Konnte man das Ganze nicht einfach verbieten wie Twittern im Trainingslager oder wie das F-Wort, das Dauergequatsche vom Finale?

Sollte das deutsche Team schon nach der Vorrunde wieder abreisen müssen, könnte es nicht mal behaupten, als bestgekleidete Vertretung ausgeschieden zu sein. was ja auch ein ganz hübscher Titel wäre.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (4)
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0 skeptiker01 07.06.2012, 14:36 Uhr

Welch unsensible Kritik! Es...

Welch unsensible Kritik! Es ist das Blau des ukrainischen Staatswappens als kleine Reverenz an ein Land, das postdemokratisch betrachtet bereits weiter ist als Muttistan. Und das Grau der Hosen synonymisiert »tote Hose« und soll an die Atomkatastrophe im Kiew benachbarten Tschernobyl erinnern, wo Stadt und Region Prypjat seit dem in Totenstarre liegen. Sie aber rufen nach oberflächlicher »bella figura«? Schämen Sie sich, Herr Körte!

0 tricky1 06.06.2012, 17:02 Uhr

Geschmäcker sind halt...

Geschmäcker sind halt verschieden? Fussballteams gekleidet und herausgeputzt wie Banker bringen mich immer wieder zu gesundem Lachen ;)

0 lutz-breunig 06.06.2012, 13:21 Uhr

... in jedem Fall auffällig,...

... in jedem Fall auffällig, und das ist doch schon was ;-)

0 detlef.weise 06.06.2012, 11:10 Uhr

...erinnert ein bißchen an...

...erinnert ein bißchen an das blau der DDR-nationaltrikots. sparwasser läßt grüßen. das löwchen hat mit der farbwahl nichts zu tun: merkel und gauck treiben hier eines ihrer nostalgie-spielchen!

Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.