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Ronaldo als Elfmeter(nicht)schütze

28.06.2012, 13:12 Uhr

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Die Psychologie des Elfmeterschießens ist oft beschrieben worden. Seine Statistik auch, beispielsweise, dass die Mannschaft, die zuerst schießt, meistens gewinnt. Beides, die Psychologie und die Statistik, hängen vermutlich zusammen: Wer zuerst antritt, hat die größere Chance, den Gegner unter Stress zu setzen.

Im Spiel der Portugiesen gegen Spanien gestern, wurde dieser Erkenntnis noch eine hinzugefügt. Denn die Kamera blieb zuletzt am längsten bei Cristiano Ronaldo. Der hatte gar nicht geschossen, sondern war als letzter Schütze bzw. hatte sich selbst als letzten Schützen vorgesehen. Nun ging er kopfschüttelnd vom Platz.

Worüber er wohl den Kopf geschüttelt haben mag? Hoffentlich nicht darüber, dass seine Kollegen einmal zu oft verschossen hatten. Oder darüber, was aufs selbe hinausläuft, dass nun ausgerechnet er nicht mehr drankam. Denn das hat er, oder wem immer er nicht widersprach, als die Schützenliste aufgestellt wurde, ja selbst so in Kauf genommen. Unter dem Gesichtspunkt, den Druck auf andere zu erhöhen, wäre es vermutlich Ronaldo anzuraten gewesen, möglichst früh anzutreten. Kann er den Verdacht ganz ausräumen, stattdessen lieber den letzten Elfer für sich vorgesehen zu haben, um die Sache eigenfüßig zu entscheiden – und dann den langen Jubellauf (ihn holt sowieso keiner ein, wenn er es nicht will) hinzulegen, der weltweit ausgestrahlt worden wäre?

Oder sollte er gedacht haben: Wenn es 2:2 steht, oder 3:3, und wir noch einen Elfmeter, nämlich meinen, haben, dann wird Casillas gegen mich besonders nervös sein, darum besser ich als letzter Schütze und kein anderer? Dann war er es vielleicht selber, über den er den Kopf geschüttelt hat. Soll man ihm das zutrauen? Ja, man soll, so schwer es fällt.

 
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Jahrgang 1962, stellvertretender Leiter des Feuilleton der F.A.Z.