Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren
 

Nach der EM: Torlinientechnologie und Fußballferien

06.07.2012, 13:37 Uhr

Von

Auch dieses Blog muss Ferien machen, weil ohne richtigen Fußballbetrieb die Existenzgrundlage fehlt und man sich allein von Transfermarktgerüchten nicht über Wasser halten kann. Wir gehen baden, wir verpassen den Drittligaauftakt, was für den Kollegen Kaube völlig irrelevant ist, weil sein Club Werder Bremen noch Erstligist ist und nach menschlichem Ermessen auch bleiben wird, wogegen ich mangels seherischer Gaben nicht sagen kann, wo die Bielefelder Arminia sich am Ende der kommenden Saison wiederfinden wird. An Aufstieg in Liga zwei ist nicht zu denken, dafür dürfte die weitgehend unveränderte Substanz des Kader kaum reichen; an einen weiteren, tieferen Fall möchte ich nicht denken, ohne ihn völlig ausschließen zu können, nachdem die Saison 2011/12 so albtraumartig begonnen hatte, um mäßig versöhnlich auszuklingen. Es ist halt nicht leicht zu akzeptieren, dass der Verein, dem man seit ein paar Jahrzehnten anhängt, mittelfristig wohl ein Drittligist bleiben wird.

Aber bevor wir die Stollen abschrauben, sollte man doch noch ein paar Sätze zur Torlinientechnologie verlieren. Was für Arglose wie ein titanischer Kampf zwischen Fifa und Uefa, zwischen Blattersepp und Platinimichel anmuten könnte, die Entscheidung des Inte,rnational Football Association Board (Ifab) nämlich, ob elektronische Hilfsmittel erlaubt werden sollen, mit denen sich feststellen lässt, ob ein Ball im Tor ist oder nicht – das führte nun zu einem windelweichen Ja!

Ifab-Mitglied Blatter sprach zwar, was immer er damit meinte, von einem „absolut historischen Moment”, doch weder entschied man sich für eine Technologie, noch ist absehbar geworden, wie die nationalen Verbände künftig verfahren sollen. Sicher ist nur: Bei der Club-WM, beim Confed-Cup und bei der WM 2014 soll’s passieren. Ob es dabei das Modell Hawk-Eye, welches neulich in Wimbledon Angelique Kerber vor dem Aus bewahrte, sein wird oder GoalRef (der Chip im Ball), ist unklar.

Vermutlich ging es auch gar nicht so sehr darum, vielleicht war es eine der üblichen populistischen und opportunistischen Volten Blatters, der sich als Revolutionär präsentieren wollte, ohne ernsthaft etwas umzustürzen und vor allem ohne sich Platini durch ein ausgeprägtes Maß an Entschiedenheit zum Feind zu machen. Und da man Fifa wie auch der Uefa nach all den Erfahrungen der letzten Jahre tendenziell das Schlimmste zutraut, mag diese große Ungewissheit auch damit zu tun haben, dass Blatter in der Eile noch keinen Business-Plan gemacht hat, wie er und die Fifa an der Einführung einer bestimmten Torlinientechnologie, produziert von einer bestimmten Firma, möglichst viel Geld verdienen können.

In diesem Sinne: Schöne Ferien!

 
  Weitersagen Kommentieren Empfehlen Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden

Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.