Home
Eins gegen Eins

Eins gegen Eins

Immer am Ball – das Fußball-Blog. Mal spielen wir Doppelpass, mal kommen wir gut in die Zweikämpfe, und mal suchen wir allein den Abschluss.

Bayern-Genetik

| 1 Lesermeinung

Lässt sich die gestrige Vorstellung der Münchener gegen Arsenal London mit dem Bayern-Gen erklären? Und hat auch der Wutausbruch von Uli Hoeneß womöglich genetische Ursachen?

Trotz größter Anstrengungen und Erfolge ist ja die Humangenetik auf dem Feld des Fußballs noch nicht so recht vorangekommen. Deshalb ist auch das sogenannte Bayern-Gen, von dem sich schon viele Clubs meist vergeblich Besserung erhofft haben, wenn sie bei den Münchenern ausgemusterte Spieler oder ehemalige Spieler als Trainer verpflichteten, noch immer nicht wirklich lokalisiert, geschweige denn befriedigend erforscht. Was natürlich auch daran liegt, dass es bloß eine Metapher ist, die einem immer dann entgleitet, wenn man sie beim Wort nimmt.

Aber wenn man sich gestern Abend die traurige Darbietung gegen Arsenal London angeschaut hat, bei der sich zwischenzeitlich auch mein alter Anti-Bayern-Affekt regte und ihnen das Ausscheiden in der Nachspielzeit wünschte, wenn man diese Beinahe-Blamage also verfolgt hat, dann erschloss sich einem mal wieder sehr nachdrücklich ein Puzzlesteinchen, das auch zum Bayern-Gen gezählt werden muss: die Selbstüberschätzung, die nicht nur einhergeht mit mangelnder Spannung, sondern auch mit der Unfähigkeit, im Angesicht des Abgrunds das zu mobilisieren, was die Mannschaft ohne Frage kann.

Nee, werden Sie jetzt sagen, das ist doch bei mehr oder weniger jedem Team so, dass es sich nicht aufraffen/motivieren kann, wenn der Vorsprung so deutlich und die Lage scheinbar so klar ist. Bei Borussia Dortmund, das müde auf Schalke antrat, bei Barcelona, bei jedem Spitzenteam halt, wenn das Gefälle zwischen Champions League und heimischer Liga für Spanungsabfall sorgt.

Bei den Bayern ist der Phänotyp allerdings noch etwas komplizierter, weil solche Abende nicht mit dem Abpfiff enden, sondern ein verbales Nachspiel haben, wenn Uli Hoeneß und andere den Vorderlader auspacken; und seit Matthias Sammer auf der Lohnliste steht, gibt es noch einen mehr, der zur Unzeit an die Öffentlichkeit geht und einen Tobsuchtsanfall inszeniert. Hoeneß, das muss gesagt werden, kann das viel besser, weil sein Mund dann zwar immer zum Strich wird, er aber nie so verbiestert und streberhaft wirkt wie Sammer.

„Schönen Dreck“ hat Hoeneß das jetzt genannt, was die Bayern schon in den letzten drei Wochen gespielt haben. Und die Frage ist bloß, ob er das auch schon in der Kabine oder im Zwiegespräch mit seinem Freund Jupp Heynckes gesagt hat – wovon man ausgehen muss. Dass er es jetzt öffentlich tut, hat auch mit diesem Bayern-Gen zu tun: Wer es besitzt, der glaubt auch fest daran, dass der öffentliche Pranger, an den man eine Mannschaft (immer natürlich inklusive Trainer) stellt, zu dem führt, was Fußballer so gerne „eine Reaktion zeigen“ nennen. Das ist nun allerdings weniger eine Sache der Genetik als einer Verhaltensbiologie, die an krude Konditionierungen glaubt.

0