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Götze-Dämmerung

23.04.2013, 14:47 Uhr  ·  Nach dem Schock war vor dem Schock. Erst strauchelt Hoeneß, dann geht Mario Götze von Dortmund zu den Bayern. Die kleine Fußballwelt bebt - aber wer hat Schuld daran? Eine Ursachenforschung

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Wenn man so liest, was da schon für Meinungen kursieren im Internet, was da aufschäumt und blubbert in Sachen Hoeneß und Götze, dann wundert es mich sehr, dass noch keiner die satirisch reizvolle Idee gehabt hat, „den Spaniern“, und zwar im Allgemeinen und ohne jede Differenzierung, die Schuld an der Enthüllung von Hoeneß‘ Steuerhinterziehung und Mario Götzes Transfer von Dortmund nach München zuzuschieben. Wenn sie denn nicht gleich alles nur erfunden haben.

Das war bestimmt eines dieser Krawallblätter mit ihren lauthals brüllenden Schlagzeilen und den blumig-schwülstigen Metaphern, die Özil auch schon mal mit Geige und Gewehr nach Dortmund reisen lassen. Oder so ähnlich.

Sonst kann doch niemand ein Interesse haben. Die haben sich einfach an den „Focus“ und die „Bild“ herangeschlichen, ihnen bei Nicht-Enthüllung mit Exklusivitätsverlust gedroht, und schon war’s gedruckt. Dass Bayern den Götze-Transfer jetzt lanciert hat, um dem BVB zu schaden und zugleich von der Causa Hoeneß abzulenken, ist unwahrscheinlich.

Das glauben Sie nicht? Wo wir doch in dieser Woche das dreißigjährige Jubiläum der gefälschten Hitler-Tagebücher feiern? Da werden noch ganz andere Dinge glaubhaft. Und selbst wenn „die Spanier“ das alles nicht nur erfunden haben, wenn Götze tatsächlich nach München geht und Hoeneß sich tatsächlich selbst angezeigt hat, dann sind immer noch „die Spanier“ an allem schuld, weil sie ihre geheimen Wahrheiten zum tückischsten aller Zeitpunkte enthüllt haben.

Und wenn das alles nicht hilft? Wenn „die Spanier“ in Gestalt von Real Madrid und dem FC Barcelona trotz aller publizistischen Anstrengungen ausscheiden sollten? Dann ändert sich natürlich auch nichts an der Wahrheit, dann geht Götze nach München und Hoeneß vor Gericht. Denn die Wahrheit, hat der Philosoph Nietzsche geschrieben, ist „ein bewegliches Heer von Metaphern“.

 
 

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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.