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Pep-Talk oder Guardiola in der Arena

24.06.2013, 13:35 Uhr  ·  Heiß erwartet, weltweit übertragen und einhundert Prozent überraschungsfrei - das war der erste Auftritt des neuen Bayern-Trainers

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Es ist zwar offiziell Sommerpause, aber letztlich ist seit ein paar Jahren nie mehr Pause im Fußball, und man kann auch schon mal den Eindruck gewinnen, dass für viele Journalisten und Gerüchteschleudern  die spielfreie Zeit sowieso viel interessanter ist. Nie muss weniger recherchiert oder analysiert werden, die Internetportale hauen einfach ein Gerücht nach dem anderen raus, für ein Dementi bleibt da nie mehr Zeit, und als Leser ist man geradezu erschüttert, wenn eine Transferbehauptung Wirklichkeit wird.

Und was wäre schon eine Schlagzeile aus dem noch laufenden Betrieb wie „Dante gegen Italien“, die ich mir gerade nur mal so ausgedacht habe, gegen den stetig wachsenden Star-Appeal von Trainern, für die, siehe Carlo Ancelotti (PSG zu Real für 4,5 Millionen Euro) oder sogar Peter Stöger (Austria zum 1. FC Köln für 700.000 Euro), längst Transfersummen gezahlt werden wie für Spieler?

Die Starfunktion zeigt sich natürlich auch im Fernsehen. Nicht nur der Pep-Talk aus München, der in diesen Minuten langsam vorübergeht, ist ja spektakulär; ungleich verrückter ist es, was dem Zweitligatrainer Gustavo Poyet passiert ist. Als Experte für den Confed-Cup ins britische Fernsehen geladen, erfuhr der uruguayische Trainer von Brighton & Hove Albion, dass er entlassen sei, als der BBC-Moderator ihm die entsprechende Nachricht vorlas.  Tolles Timing!

Dagegen war Pep Guardiolas Münchener Auftritt einhundert Prozent überraschungsfrei. Ja, er sprach gut Deutsch, aber auch wieder nicht so gut, dass es an ein Wunder grenzte; ja, er wirkte sehr sympathisch, aber das wusste man vorher; ja, er wirkte leicht nervös, was bei dem Auftrieb kaum wundern konnte; ja, sein Sakko saß besser, auch das ist keine Überraschung, wogegen sich bei Matthias Sammer das Revers seltsam nach außen wölbte und Uli Hoeneß gleich darauf verzichtet hatte, einen Knopf zu schließen. Und, ja, er müsse sich, was das Spielsystem angehe, ganz und gar nach den Spielern richten – jede andere Antwort, die dogmatisch ein System propagiert hätte, würde ein Trainer wie Guardiola nie gegeben haben.

Nun ist die Show vorüber, fast jedenfalls, denn die ersten Trainingseinheiten werden in der Allianz-Arena vor jeweils 25.000 Zuschauern abgehalten werden: Die fünf Euro Eintritt sollen den Opfern der Flut zugute kommen. Alles prima. Und wenn auch nur irgend etwas stimmt, was von so vielen Menschen, die ihn gar nicht kennen, jetzt über Guardiola geschrieben wurde, dann wird er sich wahnsinnig auf den Moment freuen, in dem er endlich in Ruhe mit der vollzähligen Mannschaft arbeiten kann.

 
 

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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.