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Der HSV und der Milliardär

20.09.2013, 12:38 Uhr  ·  Lautstark verkündet der Milliardär Klaus-Michael Kühne seit Wochen, wie der HSV zu retten sei. Und verspricht, wenn man ihm folgt, 25 Millionen Euro. Das kann er nicht ernst meinen.

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Klaus-Michael Kühne, sagt Wikipedia, sei der siebtreichste Deutsche, der reichste deutsche Spediteur, und in der Weltrangliste der Superreichen landet er immerhin auch noch auf Platz 95, also dort, wo bei der Fifa derzeit Neukaledonien steht (was dann doch etwas überraschend kam). Klaus-Michael Kühne ist auch, davon sagt Wikipedia weniger, seit einiger Zeit auf maximale Aufmerksamkeit bedacht, um es mal vornehm auszudrücken. Er hält nicht nur Transferrechte an einigen HSV-Spielern, er hat auch den Transfer Rafael van der Vaarts  ermöglicht und drängt seit einigen Wochen jedem Medium, das sich nicht schnell genug wegducken mag, seine Meinung über die desolaten Verhältnisse beim Hamburger Sportverein auf.  Und kommentiert, wenn die einheimische Presse ihm ein Mikrofon hinhält, auch noch die desolaten Eheverhältnisse im Hause van der Vaart.

Dass es dort, beim HSV wie bei den van der Vaarts, grotesk zugeht, schon lange vor der Entlassung von Thorsten Fink, das sagen ja praktisch alle, man fragt sie bloß nicht, weil sie keine Milliardäre sind, obwohl die Expertise des Klaus-Michael Kühne sich doch in sehr bescheidenen Grenzen hält. Niemand ist verpflichtet, Oliver Kreuzer zu kennen; wer aber mit Sachverstand das Geschäft beobachtet, weil er „seinem“ Verein helfen möchte, der sollte schon wissen, wer dieser Kreuzer ist. Er muss ihn nicht schätzen; ihn aber nicht zu schätzen, weil er ganz schlicht noch nie von ihm gehört hat, ist entweder lächerlich oder borniert oder beides.

Ich muss hier auch nicht noch mal diskutieren, ob das Duo Felix Magath-Bernd Hollerbach (Seppo Eichkorn hat ja leider das Terzett gesprengt) nun eine Art doppelter oder zweigeteilter Messias wäre für den HSV. Der Geltungsdrang von Kühne, der sich umgekehrt proportional verhält zu seinem Fußballverstand, ist gar nicht das Thema. Das Thema ist eine Kuriosität: Für den Fall, dass man seinen Vorstellungen seitens des Vereins entspreche, hat Kühne angekündigt, werde er bis zu 25 Millionen Euro locker machen.

Ich habe mich beim ersten Lesen gefragt, ob das nun ein Witz sei oder doch ein Druckfehler, ob da wohl eine Null vergessen wurde oder ein Zahlendreher vorlag. Ein Roman Abramowitsch, der nur 42 Plätze vor Kühne auf der Reichen-Weltrangliste liegt, würde bei dieser Summe jedenfalls kaum die Augenbrauen bewegen, nachdem er geschätzte 750 Millionen Euro bei Chelsea versenkt hat. Von den diversen Emissären aus den Golfstaaten reden wir lieber gar nicht.

Und  man muss dann doch ernsthaft fragen, wie ein sehr reicher Hanseat glauben kann, dass in diesem Boom-Geschäft, zu welchem der Fußball auch in Deutschland geworden ist, ein solcher Niedrigbetrag ausreichen könnte, um einem ganzen Verein seinen Willen und seine Vorstellungen von Management und sportlicher Weiterentwicklung aufzuzwingen. Das Geld könnte der HSV sicher brauchen – auch wenn er eine Strukturreform noch dringender bräuchte -, aber besser nicht aus den Händen eines sich offenbar langweilenden und nach Publicity gierenden älteren Herrn, der vom Fußballgeschäft nichts zu verstehen scheint.

 
 

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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.