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Fazit – das Wirtschaftsblog

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Für alle, die’s genau wissen wollen: In diesem Blog blicken wir tiefer in Börsen und andere Märkte - meist mit wissenschaftlicher Hilfe

Aus der Werkstatt (1): Wann man seine Kreditkarte wegwerfen sollte

| 14 Lesermeinungen

Unser Blog will nicht nur Theorien und Politik behandeln, sondern die Welt von Wirtschaft und Finanzen breit abbilden. Dazu können auch eher nutzwertige Themen wie die hier angesprochene Serie gehören: eine solide Finanzplanung für Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Von Gerald Braunberger

Von Gerald Braunberger  

Die Geldtypen - Quelle: KircherBurkhardtKennen Sie Dr. Marie Küster? Haben Sie schon einmal von dem jungen Dipl.-Ing. Peter Maier gehört? Ist Ihnen am Ende gar der Sozialrichter Konrad Gerstenberg unbekannt? Dann haben Sie etwas verpasst – nämlich die ersten Beiträge aus einer in der F.A.Z.erscheinenden Serie „Finanzplanung für jedermann“, die auch im Internet erscheint. In ihr geht es darum, für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen Grundsätze für einen sicheren Umgang mit Geld und eine solide Finanzplanung zu entwerfen.

Peter Maier steht für den jungen Mann Anfang der Dreißig in fester Beziehung, der seinen ersten Job und nahezu noch sein ganzes Leben vor sich hat. Dr. Marie Küster verkörpert die teilzeitarbeitende Frau in einem klassischen Doppelverdienerhaushalt mit zwei Kindern. Konrad Gerstenberg repräsentiert den Mann Anfang Sechzig, der in gesicherten Verhältnissen lebt und sich mit dem allmählich näherrückenden Ruhestand befasst. In den kommenden Wochen werden Sie immer donnerstags in der F.A.Z. weitere „Mustermenschen“ antreffen. Für die F.A.Z. ist dieser sehr personalisierte Ansatz zwar nicht neu, wie die seit rund zehn Jahren laufende wöchentliche Kolumne Volker Loomans  zeigt, aber auch nicht selbstverständlich. Die bisherigen Reaktionen sind sehr erfreulich.

Das Thema „Finanzplanung“ ist für viele Menschen deshalb wichtig, weil seine Notwendigkeit durchaus erkannt wird, es aber an Kenntnissen im Umgang mit Geld fehlt. Daraus folgen zum Teil haarsträubende Fehlentscheidungen, die mit einem Grundbestand an Kenntnissen vermieden werden könnten, und die über die viele Menschen nicht reden wollen, weil ihnen der persönliche Reinfall allzu peinlich erscheint. In einem Leitartikel zum Beginn der Serie „Finanzplanung für jedermann“ wurden ein paar typische Fehler zusammengefasst:  

Für alle Altergsgruppen unter den Erwachsenen gilt:  

1. Viele Menschen haben keine richtige Vorstellung von ihren Ausgaben. Das führt zu permanent überzogenen Girokonten, die den Banken und Sparkassen hohe Einnahmen bescheren, aber sonst niemandem nutzen. Um die eigenen Ausgaben besser überprüfen zu können, ist die Führung eines Haushaltsbuches wichtig, auch wenn das für komplett altmodisch gilt. Und wenn die innere Kraft nicht ausreicht, um sich die notwendige Ausgabendisziplin zuzulegen, hilft nur noch ein radikales Mittel: Man muss seine Kreditkarte entsorgen.  

2. Viele Menschen neigen im Umgang mit Geld völlig unbegründet zu Selbstgefälligkeit und Arroganz. Das gilt, wie Untersuchungen belegen, vor allem für Männer, die zum Beispiel anfällig sind für vermeintliche Gewinnraketen unter den zahllosen exotischen Minenaktien. Umgekehrt sollten die Menschen im Umgang mit ihrem Finanzberater aber auch nicht ihr gesamtes Selbstbewusstsein an der Gardeobe abgeben und sich alle Produkte aufdrücken lassen, die der Berater empfiehlt.  

3. Gerade in Deutschland ist die Neigung zu steuersparenden Kapitalanlagen weit verbreitet. Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, solange die Steuererparnis nicht der dominierende Grund ist, warum eine bestimmte Anlage attraktiv erscheint. Eine Kapitalanlage muss zunächst aus sich heraus attraktiv erscheinen; die Steuerersparnis tritt dann noch hinzu. Speziell beim Kauf steuerbegünstigter Immobilien ist große Sorgfalt geboten.  

Es gibt aber auch alterspezifische Fehler:  

1. Junge Menschen haben viel Zukunft, aber in der Regel nicht viel Geld. Damit werden sie anfällig für Finanzprodukte mit unmittelbar nicht sehr hohen Zahlungsverpflichtungen, aber sehr langen Laufzeiten. Nicht alle dieser Produkte sind sinnlos, aber junge Menschen müssen darauf achten, dass sie ihren künftigen finanziellen Spielraum nicht allzusehr beschränken. In dieser Hinsicht kann gerade unser „Mustermensch“ Peter Maier wertvolle Einblicke liefern.  

2. Mit zunehmenden Jahren besitzen die Menschen weniger Zukunft, aber dafür oft auch mehr Geld. Hier besteht die Gefahr, dass der wachsende finanzielle Spielraum auf unsachgemäße Weise genutzt wird. „Finanzplanung für jedermann“ ist innerhalb weniger Monate die zweite Serie im Finanzmarkt der F.A.Z., die sich mit Grundfragen des Umgangs mit Geld beschäftigt. Ihr vorausgegangen war eine Serie über „Finanzprodukte für jedermann“.  

„Aus der Werkstatt“ eröffnet eine in unregelmäßiger Folge erscheinende Reihe von Artikeln, die von Projekten aus der Finanzmarktredaktion der F.A.Z. berichtet.

 

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14 Lesermeinungen

  1. Sehr geehrte...
    Sehr geehrte FAZIT-Redaktion,
    warum bitten Sie nicht Herrn zu Guttenberg, ob er vielleicht hier im Blog einen Gast-Beitrag schreiben möchte?
    Immerhin war er einmal Wirtschaftsminister.

  2. Ich denke in dieser...
    Ich denke in dieser Betrachtung (ich meine den Artikel von Herrn Braunberger) fehlt ein wichtiger Aspekt, nämlich der der Eigenverantwortlichkeit. Der Meinungstrend geht in Deutschland leider zu immer mehr Staat. Die Denke „Der Staat ist für mich verantwortlich“ ist hoffähig geworden. Wenn mir etwas nicht gelingt, wenn es mir schlecht geht, dann muss der Staat oder das System dafür sorgen, dass ich durchkomme. Nach Fördertöpfen wird Umschau gehalten und diese werden selbstverständlich in Anspruch genommen. „Das steht mir ja zu!“ Mit diesen Ansätzen aber nehmen die Verteilungskämpfe laufend zu. Weitere Institutionen werden gegründet, die die gesetzlich verankerte Verteilung organisieren. Es entsteht eine Eigendynamik. Diese Institutionen haben vorrangig das Interesse, ihre Pfründe zu wahren und zu mehren. Dazu werden Erfolgsgeschichten verbreitet, die Kürzungen erst gar nicht möglich machen. Wenn jemand das Wort Kürzungen in den Mund nimmt, dann wird er schnellstens niedergemacht.
    Richtig wäre es, die Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Besser wäre, die Fördertöpfe zu schließen. Damit aber macht sich keiner beliebt.
    Ich betreue Unternehmen, KMU – kleine und mittlere Unternehmen. Auch dort ist das Förderwesen weit verbreitet. Auch hier gibt es viele gute Argumente für das Förderwesen. Das in Frage zu stellen, ist kaum hoffähig.
    Ich bevorzuge die Eigenverantwortlichkeit.

  3. 1. Viele Menschen haben keine...
    1. Viele Menschen haben keine richtige Vorstellung von ihren Ausgaben.
    2. Viele Menschen neigen im Umgang mit Geld völlig unbegründet zu Selbstgefälligkeit und Arroganz.
    Habe selten eine so klare Analyse gegenwärtiger Wirtschaftspolitik gelesen.
    Vielen Dank

  4. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Braunberger,
    .
    wie ich gerade Pressemeldungen entommen habe, steht die Commerzbank schon wieder kurz vor der Pleite und will jetzt schon wieder gerettet werden — mit Steuergeldern natürlich.
    .
    Könnte das nicht für Sie und Ihre Kollegen, die diesen seriösen Blog hier betreiben, ein Anlaß sein, die Frage aufzugreifen und mit Ihren Lesern darüber zu diskutieren.
    .
    Diese Anregung habe ich schon Ihrem Kollegen, Herrn Patrick Bernau, unterbreitet, der von der Idee aber nicht allzu begeistert schien. „Mal schaun, wenn einer von unseren Autoren Lust dazu hat“, so habe ich seine Antwort im Ohr.
    .
    Dabei scheint mir Rainer Hank scheint mir als Autor in Frage zu kommen. Vor einer Woche hat er gefordert, dass der Staat seine Ausgaben drastisch reduzieren muss, um die „Party“, wie er sich ausdrückte, endlich zu beenden.
    Daher vermute ich, dass er sich mit der selben Entschiedenheit jetzt auch gegen die Rettung der Commerzbank positionieren wird — und wo könnte er das besser tun als eben hier, in diesem Blog.
    .
    Aber auch Sie selbst mit Ihrer Rubrik „Aus der Werkstatt“ sind gefragt! Ich freue mich auf Ihre Hinweise speziell für Commerzbank-Kunden und Commerzbank-Angestellte, die demnächst auch privaten Finanzen werden neu ordnen müssen. Ein wenig professionelle Hilfe und Beratung von kompetenter Seite käme ihnen gewiß gelegen.
    .
    Mit freundlichem Gruß

  5. Lieber JR42,
    zur "Wirtschaft"...

    Lieber JR42,
    zur „Wirtschaft“ gehört von allem Anfang an die Hauswirtschaft, griechisch „Ökonomie“. Dass schwäbische Hausfrauen davon mehr verstehen als die Wirtschaftsweisen, ist längst für niemanden mehr ein Geheimnis.

  6. Was soll das hier? Ich komme...
    Was soll das hier? Ich komme mir vor wie bei der Verbraucherberatung!
    „Cole’s Law: Thinly sliced cabbage“.
    Vermutlich deswegen hat das FAZ-Content-Management noch keinen Link hierher aufgelegt.

  7. In Weißrußland, sagt man,...
    In Weißrußland, sagt man, ist inzwischen sogar das Beifallklatschen verboten.

  8. Das Wegerfen der Kreditkarte...
    Das Wegerfen der Kreditkarte ist zweifellos ein richtiger erster Schritt. Aber das reicht nicht!
    Wie Herr Rainer Hank neulich schlüssig bewiesen hat, muß der Staat seine Sozialausgaben und sonstigen Ausgaben schon in den kommenden Monaten drastisch reduzieren. Anders geht es nicht.
    .
    Das aber wird dazu führen, dass viele von uns — nicht nur die Fließbandarbeiter bei Opel, sondern auch Journalisten oder gar Bankangestellte (Commerzbank, die Sparte Vermögensberatung der Deutschen Bank, etc.) ihren sicher geglaubten Job verlieren und ausserdem aus anderen Gründen (Inflation) mit einem deutlich verringerten Realeinkommen werden auskommen müssen.
    .
    Da sind noch mehr lebenspraktische Ratschläge gefragt: Wie man einen Gemüsegarten anlegt, wie man Obst einkocht, wieviel Holz man für pro beheizten Raum für den Winter braucht, welche Kräuter gegen Krankheiten helfen, und wann es günstiger ist, die Wohnung aufzugeben und nach amerikanischem Vorbild einen Wohnwagen zu mieten.

  9. Was ich nicht verstehe: Nur...
    Was ich nicht verstehe: Nur 4% der Deutschen kaufen Aktien.
    Wieso?
    MfG
    Fionn (aus der Schweiz)

  10. Lieber Herr...
    Lieber Herr Braunberger,
    herzlichen Glückwunsch!
    Endlich mal ein Beitrag, der mir rundum gefällt und sicher von großem Nutzen sein wird.

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