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Bücherkiste (2): Ökonomen für jedermann – Eine Reihe im F.A.Z.-Buchverlag nimmt Gestalt an

11.01.2012, 13:23 Uhr  ·  Im jüngsten Buch der Bücher-Reihe geht es um Joseph Schumpeter. Von Gerald Braunberger.

Von

Von Gerald Braunberger

Joseph A. Schumpeter (1883 bis 1950) gilt zurecht als einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und vielleicht wird er auch einer der wichtigen Ökonomen des 21. Jahrhunderts. Aber wer kann von sich behaupten, Schumpeter wirklich gelesen oder gar ernsthaft studiert zu haben? Die Grazer Ökonomen Heinz D. Kurz und Richard Sturn bieten mit ihrem Buch “Schumpeter für jedermann” in einem übersichtlichen Format einen Einstieg in die Welt und das Werk Schumpeters. (Heinz D. Kurz ist einer der prominentesten deutschsprachigen Kenner der ökonomischen Dogmengeschichte. An ein breites Publikum wenden sich auch dieses und dieses Buch; ein wunderbares Werk für Leser mit ökonomischen Kenntnissen ist hier.)

Kunz / Sturn: Schumpeter für JedermannNach dem traditionellen Schema “Vita-Werk-Wirkung” aufgebaut, werfen die Autoren zunächst auf gut 60 Seiten einen Blick auf das sehr unruhige Leben Schumpeters, der in einer kleinen Stadt in Mähren zur Welt kam und nach zahlreichen Zwischenstationen sein Leben in Neuengland beendete. Mit rund 150 Seiten entfällt der Hauptteil des Buches auf eine Schilderung der wichtigsten Werke Schumpeters, die ja nicht unbedingt für einen leichten Zugang bekannt sind. Gut 70 Seiten sind alleine der “Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung” gewidmet, die üblicherweise und nicht ohne Grund als Schumpeters Hauptwerk gilt. Aber auch andere Schlüsselwerke, darunter das nicht unumstrittene Spätwerk “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” erfahren eine angemessene Beschreibung und Würdigung. Das Werk Schumpeters ist auch dank der dogmengeschichtlichen Neigungen des Österreichers sehr vielschichtig, lässt sich aber recht gut mit dem Untertitel von Kurz/Sturn, “Von der Rastlosigkeit des Kapitalismus”, zusammenfassen.

Der Schlussteil “Wirkung” ist notwendigerweise knapper gehalten. Auch wenn Schumpeters Begriff “schöpferische Zerstörung” Popularität erlangt hat, so gilt dies nicht für sein Gesamtwerk, das sich keiner Schule zuordnen lässt und auch keine eigene Schule begründet hat. Schumpeter war, wie die Autoren bemerken, ein großer Kenner der Theorie des Unternehmers und des dynamischen Charakters des Kapitalismus, aber er besaß selbst keine unternehmerische Fähigkeit, um sein eigenes Werk zu vermarkten. Dies ändert aber nichts an den zahlreichen bedeutenden Erkenntnissen dieses großes Ökonomen, dem ein ideologischer Zugang zu den Wirtschaftswissenschaften immer verhasst war, der aber hin und wieder an seiner eigenen Wahrheitssuche verzweifelte.

Braunberger: Keynes für Jedermann“Schumpeter für jedermann” ist der zweite Band einer in Entstehung befindlichen Reihe “Ökonomen für jedermann” aus dem Buchverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuerst erschien vor gut zwei Jahren – Vorsicht: Jetzt kommt Eigenwerbung! – mein “Keynes für jedermann“, der ursprünglich noch gar nicht als Bestandteil einer Reihe konzipiert, sondern vor allem eine Reaktion auf die Wiederentdeckung Keynes’ in der Finanzkrise war. Zwei Bände machen keine Reihe, mag man mit gutem Grund einwenden. Nun: Ein dritter Band, “Adam Smith für jedermann”, steht in Aussicht.  

Heinz D. Kurz / Richard Sturn: Schumpeter für jedermann. Von der Rastlosigkeit des Kapitalismus. Frankfurter Allgemeine Buch. Frankfurt 2012. 258 Seiten. 17,90 Euro

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (8)
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0 FAZ-gb 13.01.2012, 22:14 Uhr

@systemfrager "Natürlich...

@systemfrager "Natürlich gefällt Schumpeter den Neoliberalen, weil er in hohen Löhnen alle Probleme des Kapitalismus sah." Das tat er nicht.

0 Systemfrager 13.01.2012, 05:54 Uhr

>>> Joseph A. Schumpeter (1883...

>>> Joseph A. Schumpeter (1883 bis 1950) gilt zurecht als einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts und vielleicht wird er auch einer der wichtigen Ökonomen des 21. Jahrhunderts. Eine der weiteren neoliberalen Lachnummern. Natürlich gefällt Schumpeter den Neoliberalen, weil er in hohen Löhnen alle Probleme des Kapitalismus sah. Es gibt keine ökonomische Entwicklung damals, wo sich Schumpeter nicht GRÜNDLICH getäuscht hat. Und seine Innovationstheorie? Das ist nur Marx, ein bisschen anders erzählt: kapitalismusfreundlich. Als neoliberaler Ökonom ist es nur in einer Hinsicht originell: Seine Prognose, dass der Kapitalismus nicht überleben kann. Seine Erklärung der Zyklen duch Innovation ist nur ein akademisches Hirngespinst. Die Theorie beruht auf ausgedachten "Tatsachen". Es gibt keine technologischen Innovationszyklen. 2. Phase des ökonomischen Zyklus: Die Erholung (Aufschwung) Schumpeter und seine kurzen, mittleren und langen Entdeckungswellen http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ca/42g/ca42g.php?df_name=caDF40&tbch=ca&schp=rnachfrZ&ordner=42g In der Zeit ohne google war seine HISTORY etwas Großartiges. Ich benutze das Werk ab und zu immer noch. Das kann man wirklich würdigen. Chapeau!

0 FAZ-gb 11.01.2012, 21:37 Uhr

Wer sich hinter "sackbauer"...

Wer sich hinter "sackbauer" verbirgt, war mir beim ersten Beitrag klar. Aber ich versuche herauszufinden, wie dieses Pseudo hier auftauchen konnte.

0 Sackbauer 11.01.2012, 20:35 Uhr

@Gerald Touché. (PS: Sehr...

@Gerald Touché. (PS: Sehr seltsam euer Nickname/Real-Name-System?) Normalerweiser wurden meine seltenen Beiträge immer unter meinem wirklichen Namen Stephan Ewald veröffentlicht? Plötzlich taucht Sackbauer auf? Was auch nicht wirklich schlecht ist. Jeder Österreicher kennt den Fuchs. Mundl Sackbauer — ein echter Wiener geht nicht unter. Dieses PS könnt ihr löschen. Ist nur ein Tipp für euch. Das ist ein bisserl verwirrend.)

0 FAZ-gb 11.01.2012, 19:30 Uhr

@sackbauer "Aber...

@sackbauer
"Aber schön für dich, dass du nicht beunruhigt bist viel Unfug den Leuten in deinen regulären Beiträgen beizubringen."
Ich bin ein bescheidener Geist und halte es mit dem Meister:
“It is better to be roughly right than precisely wrong”. (John Maynard Keynes)

0 Sackbauer 11.01.2012, 19:14 Uhr

@Gerald Schlaumeier ;-) Grab...

@Gerald Schlaumeier ;-) Grab oder nicht Grab: "Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück!" - Genesis 3,19 In dem Sinne rotiert der Staub da oder dort. Aber schön für dich, dass du nicht beunruhigt bist viel Unfug den Leuten in deinen regulären Beiträgen beizubringen.

0 FAZ-gb 11.01.2012, 18:50 Uhr

Da es kein Grab gibt, in dem...

Da es kein Grab gibt, in dem der tote Keynes rotieren könnte - seine Asche wurde in den Hügeln nahe seines Landhauses verstreut -, bin ich nicht allzu beunruhigt.

0 Sackbauer 11.01.2012, 18:43 Uhr

Ui…wenn ich das gewusst...

Ui…wenn ich das gewusst hätte! "…für jedermann" wird eine Reihe? So was macht sich ja immer gut im Bücherregal. Leider hab ich das Buch von Gerald Braunberger vor lauter Frust aus dem Bürofenster geworfen. Der liebe Keynes rotiert nämlich im Grab seitdem Braunberger über ihn ein zugegeben gutes Buch geschrieben hat und John Maynard dann die regulären FAZ Beiträge von Braunberger lesen musste. SMS von John Maynard: "What exactly does Gerald not understand?"

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt in der F.A.Z.